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Erbe des Weltkriegs : Bomben rund um Bahnhof und Schützenplatz

2011: Bombenfund in der Güterbahnhofstraße und Evakuierung
2010 Bombensuche "auch in den Straßen des Blümchenviertels"

1998 Staatsanwaltschaft verhinderte Aufklärung einer Explosion
2010 Suche nach weiteren Bomben-Blindgängern um den Schützenplatz


Tragisches Ende der Bombenräumung: 3 Tote und 2 Schwerverletzte
Erneute Evakuierung am Dienstag 1.6.10
BOMBE Nr. 1, Donnerstag 27.5.10 : Stadtteile evakuiert, Bombe entschärft

 

Verdachtspunkte Rinschenrott und Lappenberg: keine Bombenfunde

7.7.11 / pm stadt / Nach der Auswertung weiterer Luftaufnahmen durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Niedersachsen hat die Stadt Göttingen die Untersuchung von insgesamt sechs Verdachtspunkten veranlasst, die im Bereich der Straße „Am Rinschenrott“ sowie auf dem Gelände des sogenannten „Lappenbergs“ liegen. Die Arbeiten zur Suche von Blindgängern haben am Montag begonnen und sollen am Donnerstag, 7. Juli 2011, abgeschlossen werden. Bei den Sondierungsbohrungen hat sich bislang kein Verdacht bestätigt.

 

2011: Bombenfund in der Güterbahnhofstraße und Evakuierung

Dienstag 26.4.11 - In der Güterbahnhofstraße auf einer Baustelle neben dem Nettomarkt wurde eine Bombe (vermutlich 5-Zentner-Bombe) gefunden. Es fanden Evakuierungen in der Sicherheitszone im Radius von 1000 Metern statt. Sammelstellen für angeblich 12000 Evakuierte wurden im Klinikum und in Schulen eingerichtet. Die Entschärfung sollte um 23 Uhr beginnen. Dann war auch die Bahnstrecke gesperrt. Für Nachfragen wurde eine "Bürgertelefon"-Nummer 0551 / 70 75 75 / eingerichtet.


Baustelle an der Güterbahnhofstraße wo bei Baggerarbeiten die Bombe gefunden wurde

Pressemitteilung Stadt Göttingen 27.4.11: "Ein US-Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg, der am Dienstagnachmittag, 26. April 2011, auf einem Baugelände in der Güterbahnhofstraße entdeckt worden war, konnte gegen 01:15 Uhr am frühen Mittwochmorgen erfolgreich entschärft werden. Es handelte sich nach Angaben des Niedersächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes um eine Fünf - Zentner - Bombe amerikanischer Bauart, die nach dem Urteil von Fachleuten unverzüglich zu entschärfen war. Gegen 15:30 Uhr erfolgte die Alarmierung der Technischen Einsatzleitung. In den folgenden Stunden arbeitete der bei der Berufsfeuerwehr zusammengetretene Einsatzstab unter Hochdruck an der Evakuierung der Menschen, die in einem Radius von rund 1.000 Metern rund um das Gebiet leben und arbeiten. Für sie waren Betreuungspunkte in der Mensa des Universitätsklinikums und in der Geschwister - Scholl - Gesamtschule vorbereitet und eingerichtet worden. Ein Bus – Shuttle – Dienst brachte die Anwohner/innen des Sperrgebietes zu den Sammelplätzen. Ab 18.00 Uhr stand bei der Berufsfeuerwehr Göttingen ein Bürgertelefon zur Verfügung. Der letzte ICE - Zug passierte den Göttinger Bahnhof gegen 23:05 Uhr. Anschließend wurde der Bahnhof wie zuvor bereits andere öffentliche Einrichtungen, Firmen, Hotels und Universitätsgebäude im Sperrgebiet geräumt und geschlossen. Nach vollständiger Evakuierung des Sperrgebietes wurde der zweite Zünder freigelegt. Der Sprengmeister konnte beide Zünder rasch und problemlos entfernen. Im Anschluss wurde die Bombe nach Munster abtransportiert. Die sehr kurzfristig erforderliche und binnen weniger Stunden umgesetzte Evakuierung von ca. 12.000 Menschen verlief nach Angaben der Stadt fast problemlos. Insgesamt wirkten dabei rund 700 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr, aller 13 Göttinger Ortswehren und der Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises, der Polizei, des Technischen Hilfswerks, der Deutschen Bahn AG, der Göttinger Verkehrsbetriebe sowie der Rettungs- und Sanitätsdienste und der Stadtverwaltung mit. „Allen beteiligten Einsatzkräften gebührt ein herzlicher Dank für ihr Engagement, das eine reibungslose Evakuierung ermöglichte“, betone der Leiter des Einsatzstabes, Erster Stadtrat Hans-Peter Suermann."

 

Bombenfunde am und um den Schützenplatz

1998 Explosion in der Pfalz-Grona-Breite

Da nur noch von einer Untersuchung des Schützenplatzes auf Bomben die Rede ist, sei hier an das Problem erinnert, dass auch in den anderen Gebieten die an den Schützenplatz angrenzen Bombentrichter auf alten Luftbildern zu sehen sind. Und die angeblich immer noch ungeklärte Ursache einer Explosion in der Pfalz-Grona-Breite veranlasst uns, dieses Thema hier an erster Stelle auf der Themenseite zu behalten damit dies nicht unter den Teppich gekehrt wird.

Stadtrat Suermann, zuständig für Finanzen und Feuerwehr wurde während der Pressekonferenz am 2.6.10 gefragt, ob sich die zukünftige Suche nach möglichen Bomben im Erdreich auch auf die angrenzenden Straßen des Wohnviertels erstrecken wird. Schließlich sei vor Jahren in der Pfalz-Grona-Breite ein Bus durch eine plötzliche Explosion im Erdreich in die Luft geschleudert worden. Suermann bestätigte dieses Explosionsereignis und sagte vor laufenden Kameras zu, dass die Suche nach Bomben auch auf diese Wohnbereiche ausgedehnt werde.

Suermann bestritt , dass eine Bombe die Ursache der Explosion unterm Bus gewesen sei. Das habe nicht nachgewiesen werden können.


1. Stadtrat Suermann,
in Vertretung des OB Meyer

Explosion 1998 Seismologische Untersuchung spricht für Bombe als Ursache
Geschichte / Seismik im Alltag , Seismologische Untersuchung einer Explosion in Göttingen, E. Rothert und J. Ritter, Göttingen in: Mitteilungen der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, 1/1999, S. 9-14 / >>der ganze Aufsatztext online
Die folgenden Zitate aus dem Aufsatz sollen verdeutlichen, dass eine Suche nach Bomben in den Wohnvierteln nahe des Schützenplatzes unbedingt erforderlich ist:
"Am Morgen des 30. Dezember 1998 wurde ein Bus im Göttinger Stadtgebiet durch eine Explosion schwer beschädigt und eine Mitfahrerin schwer, sowie zwei weitere Insassen leicht verletzt."
"Am 21. Dezember 1992 hatte sich nur mehrere 100 m entfernt vom Explosionsort des Ereignisses von 1998 eine panzerbrechende, 450 kg schwere Fliegerbombe selbst gezündet. Bei dieser Detonation auf dem Schützenplatz in Göttingen waren ca. 110 kg Sprengstoff in ungefähr 7 m Tiefe umgesetzt worden. Ein Vergleich der Fotoaufnahmen der Krater von 1992 und 1998 zeigt Sprengtrichter ähnlicher Größe." "Aufgrund der Übereinstimmung der seismischen Wirkungen beider Explosionen ist es sehr unwahrscheinlich, dass am 30.12.98 eine Gasexplosion als Energiequelle angenommen werden kann." (...) "Das Fehlen von Bombensplittern nach der Detonation von 1998 kann vermutlich so gedeutet werden, dass die Detonation sogar unter der bisher beprobten Tiefe von 7 m stattfand. Bei der Suche nach weiteren Blindgängern, die zur Zeit (Februar 99) stattfindet, wird deshalb bis in 10 m Tiefe gebohrt." - "Ein erneuter Versuch, mit tieferen Bohrungen nochmals nach Bombensplittern zu suchen, wurde von der Staatsanwaltschaft aus Kostengründen in letzter Minute wieder abgesagt. Somit ist bisher die Detonationsursache nicht abschließend geklärt! Für die Kosten der Behandlung der Businsassen und der Beseitigung der Sachschäden sowie der Untersuchungsarbeiten (insgesamt inzwischen weit über 1 Mio. DM) kann deshalb auch niemand haftbar gemacht werden."

 

2010 Suche nach weiteren Bomben-Blindgängern auf dem und um den Schützenplatz
Reaktionen auf das Explosionsunglück

Suche nach weiteren Blindgängern im Boden

25.6.10 / pm Stadt / "Die Vermessung der Verdachtspunkte ist inzwischen ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass die von der Stadt beauftragte Firma mit den nachfolgenden Untersuchungen in der kommenden Woche beginnen kann. Am Montag (28. Juni) werden vermutlich der Antransport und die Einrichtung der erforderlichen Geräte sowie weitere Arbeitseinweisungen im Mittelpunkt stehen. Mit den Bohrungen kann voraussichtlich am Dienstag (29. Juni) im Bereich des Schützenplatzes begonnen werden."

22.6.10 / pm Stadt / "Die exakte Vermessung der 30 nach Auswertung neu beschaffter Luftbilder ermittelten Blindgänger - „Gefahrenpunkte“ im Bereich des Göttinger Schützenplatzes und angrenzender Straßen hat nach Angaben der Stadtverwaltung begonnen. Die nachfolgenden Untersuchungen können unter Umständen noch in dieser Woche einsetzen. Mit einem dafür spezialisierten Unternehmen hat die Stadt Göttingen grundsätzlich bereits Einigung über eine möglichst zeitnahe Aufnahme der Arbeit erzielt. Die förmliche Auftragserteilung konnte allerdings noch nicht erfolgen. Bei den Untersuchungen geht es um Bohrungen zum Einsatz von Metallsonden. Das Unternehmen wird vermutlich mit zwei Teams für mehrere Wochen in Göttingen tätig sein. Die sogenannte Einmessung der Gefahrenpunkte nach Messkoordinaten erfolgt durch einen Sachverständigen, der im Auftrag des Kampfmittelräumdienstes der Polizei Niedersachsen bereits die Begutachtung der aus einem niederländischen Archiv stammenden Luftfotos der US – Luftwaffe aus dem April 1945 übernommen hatte. Über seine neuen Erkenntnisse hat der Kampfmittelräumdienst die Stadtverwaltung am 16. Juni 2010 informiert. "

(Pressemitteilung Stadt Göttingen, 16.6.10 / "Die Auswertung weiterer Luftbilder vom Göttinger Schützenplatz und seiner Umgebung hat zur Ermittlung von insgesamt 30 sogenannten Verdachtspunkten geführt, bei denen Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg im Erdreich zur Zeit nicht ausgeschlossen werden können. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs mit Vertretern des Kampfmittelräumdienstes der Polizei Niedersachsen, das am Mittwoch, 16. Juni 2010, im Neuen Rathaus stattgefunden hat. Alle Verdachtspunkte sollen nach Angaben der Stadtverwaltung sobald wie möglich vor Ort vermessen werden. Die Stadt wird darüber hinaus umgehend ein Spezialunternehmen beauftragen, an allen Punkten Bohrungen zum Einsatz von Metallsonden vorzunehmen. Sollte sich nach diesen Untersuchungen in Einzelfällen der Verdacht auf einen Blindgänger erhärten, werde umgehend wieder der Kampfmittelräumdienst eingeschaltet. „Im Augenblick reden wir wirklich nur über Verdachtsmomente. Ob dort jeweils eine nicht gezündete Fliegerbombe zu finden ist, weiß niemand,“ erklärte der Verwaltungssprecher. Die Untersuchungen sollen ebenso gründlich wie zügig erfolgen. Zur Sorge über eine akute Gefahr bestehe allerdings auch nach Bestätigung durch die Experten des Kampfmittelräumdienstes kein Anlass, heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung. Auch in Göttingen, das unter einer vergleichsweise geringen Zahl von Fliegerangriffen zu leiden hatte, müsse man allerdings wie in vielen anderen deutschen Großstädten noch nach 65 Jahren mit den Folgen des Krieges leben und umgehen. Etwas mehr als die Hälfte der Verdachtspunkte lassen sich unmittelbar dem Schützenplatz, dem benachbarten Leinebett sowie dem Schützenanger und dem Maschmühlenweg zuordnen. Die weiteren Standorte betreffen die Godehardstraße westlich der Leine. Die Bohrungen sollen nach dem Wunsch der Stadt möglichst durch zwei Spezialistenteams erfolgen und nicht länger als zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Die Bohrtiefe soll mindestens fünf bis sechs Meter unter den gewachsenen Boden reichen. Bei den ausgewerteten Fotos handelt es sich um Aufnahmen der US - Luftwaffe vom 8. und 11. April 1945 – gemacht also nach den letzten Fliegerangriffen am 6. und 7. April 1945. Sie waren in einem niederländischen Archiv aufgefunden worden."

4.6.10 , Junge Mädchen legen Blumen an einer Gedenkstelle nach dem Bombenunglück nieder.

Pfalz-Grona-Breite, Ecke Godehardstraße


Nach Untersuchungen wurde die 300 Meter-Sperrzone aufgehoben 3.6.10
Pressemitteilung Stadt Göttingen: "Die Blindgänger – Detonation vom vergangenen Dienstag hat keinen Einfluss auf andere möglicherweise noch unter dem Göttinger Schützenplatz liegende Weltkriegsbomben. Zu diesem Urteil ist ein renommierter Experte des Kampfmittelräumdienstes der Freien und Hansestadt Hamburg gekommen, den die Stadt Göttingen um eine sachverständige Auskunft gebeten hat. Nach einem Ortstermin am Mittwoch erklärte der Fachmann, wegen der durch die Detonation verursachten Erschütterung müsse man eine „Aktivierung“ anderer eventuell verborgener Bomben nicht befürchten. Die Stadtverwaltung hat deshalb am Donnerstag Vormittag den 300 – Meter – Sperrring um die Explosionsstelle aufgehoben und die Godehardstraße wieder für den Verkehr frei gegeben. Der Schützenplatz und der angrenzende Parkplatz am Schützenanger werden noch am 3. Juni 2010 zur Vorbereitung von weiteren Untersuchungen eingezäunt. Dabei werden vom Land Niedersachsen neu beschaffte Luftbildaufnahmen ausgewertet, von deren Existenz die Stadt seit vergangenem Donnerstag weiß. Mit den Untersuchungen soll bereits in der kommenden Woche begonnen werden. Der Schützenplatz bleibt deshalb bis auf Weiteres für alle Veranstaltungen und als Parkplatz gesperrt. Das Schützenhaus und die Godehardhalle werden wieder genutzt. Auch die beiden Schulen und die drei Kindertagesstätten an der Godehardstraße können ab Freitag, 4. Juni 2010, wieder öffnen. Das Industrieunternehmen neben der Godehardhalle hat bereits am Donnerstag seinen Betrieb aufgenommen. "

 

Aufarbeitung nach dem Unglück 2.6.10

Im Anschluß an die gemeinsame Pressekonferenz von Polizei, Feuerwehr und Stadt haben sich einige neue Informationen ergeben, die wir im folgenden zusammenfassen. Die 3 tödlich verletzten, 2 schwer und mehrere leicht verletzten Personen gehörten ausnahmslos zu dem Kampfmittelräumdienst der Niedersächsischen Zentralen Polizeidirektion Hannover (>>ZPD ) Personen außerhalb des Schützenplatzes sind durch die Explosion nicht zu Schaden gekommen.

Aussagen des Gruppenleiters

Der Leiter der Kampfmittelräumgruppe hat überlebt und am selben Abend noch telefonisch Informationen an seinen Kollegen Peter Bodes vom Hamburger Kampfmittelräumdienst weitergegeben. Er habe ihm in einem kurzen Telefongespräch den Typ der Bombe und des Zünders mitgeteilt. Die Aussage ist auf einem >>Video festgehalten. Bei der Pressekonferenz am 2.6.10 im Göttinger Rathaus wollte der zuständige Vorgesetzte, der Leiter der ZPD Dr. Christian Grahl diese Information nicht bestätigen und erklärte, der Beamte könne zur Zeit nicht befragt werden, weil er unter den Folgen eines Schocks leide.


Dr. Christian Grahl, ZPD Hannover

Wieso nicht gesprengt statt Entschärfungsversuch?
Der Einsatz eines neuen Gerätes, das den Zünder abschneidet wurde einige Tage vorher an der ersten Bombe erfolgreich erprobt. Torsten Kresse, der Einsatzleiter beim Kampfmittelbeseitigungsdienst in Sachsen-Anhalt erklärte in einem >>
Interview, "Wenn wir sehen, dass es ein Langzeitzünder ist, denken wir nur: «Hoppla, nur schnell weg, so schnell wie möglich sprengen.» Das machen wir hier in Sachsen-Anhalt so." Es stellt sich also die Frage, warum in Göttingen auf dem Schützenplatz anders verfahren wurde.

Kriminaltechnik und Staatsanwaltschaft
Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft ein "Vorermittlungsverfahren" eingeleitet, um zu klären, ob sich ein Verdacht der "fahrlässigen Tötung" gegen den Leiter der Kampfmittelräumgruppe ergibt. Die kriminaltechnische Untersuchung wird u.a. von der 25 köpfigen Sonderkommission "Schützenplatz" unter der Leitung von Kriminaldirektor Warnecke, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes in Göttingen, vorgenommen.

Robert Kruse Polizeipräsident der Polizeidirektion Göttingen


Kriminaldirektor Volker Warnecke,
Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, und
Leiter der Sonderkommission "Schützenplatz"

Sachschäden?
Es sind z.Zt. (2.6.10) bis auf einige kleinere Schäden (herabgefallene Dachziegel) keine Sachschäden bekannt geworden.
Die Splitter der Bombe, so der Polizeipräsident Kruse seien in einer Entfernung von mehreren hundert Metern gefunden worden und bat die Bevölkerung um Hinweise auf solche Fundstücke. Um wieviele Meter es sich bei dem bisher am weitesten entfernten Splitterfundort handelt konnte Sonderkommissionsleiter Warnecke nicht beantworten. Am 3.6.10 wurde bekannt, dass ein 7 kg schwerer Splitter der Bombe 700 Meter Luftlinie entfernt ein Dach durchschlagen hatte und in einem Dachzimmer einschlug. Personen kamen dabei nicht zu schaden.

Sperrungen
Im Radius von 300 Metern um den Schützenplatz bleiben auch am Donnerstag den 3.6.10 sämtliche Strassen, Wege, Schulen, Kitas und Firmen gesperrt. Ein Vertreter der von der Sperrung betroffenen Pharmafirma zeigte sich über diese Nachricht besorgt. Die Frage nach der Rechtsgrundlage der Sperrung könnte evtl. bei Fragen der wirtschaftlichen Schädigung noch eine Rolle spielen, wenn sich herausstellt, dass zwar ein Flohmarkt zeitweise auf dem Schützenplatz stattfinden konnte, während eine zweite Bombe bereits vermutet wurde, jetzt aber, wo noch kein Anhaltspunkt für eine weitere Bomben vorliegt, die Sperrung aufrechterhalten wird.

Wie gehts weiter?
Die Kampfmittelbeseitigung aus Thüringen wurde um Unterstützung gebeten. Sie soll begutachten wie die Gefährdung des Platzes einzuschätzen sei. Solange hierzu keine Aussage vorliegt wird der Platz nicht freigegeben.

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Tragisches Ende der Bombenräumung: 3 Tote und 2 Schwerverletzte

2.6.2010 / Der Versuch, eine zweite Bombe auf dem Schützenplatz zu entschärfen, hat ein trauriges Ende genommen. Während der Vorarbeiten für ein Abtrennen des "Säure"-Zünders explodierte die Bombe. Die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes hielten sich zwar nicht direkt an der Bombe aber in der Nähe auf. 3 Männer starben , 2 Personen wurden schwer verletzt und weitere leicht verletzt. Die beiden Schwerverletzten sind nach Auskunft der Uniklinik inzwischen außer Lebensgefahr.


Fundort der zweiten Bombe am Göttinger Schützenplatz ,
eine weitere >> Aufnahme der>>Stadt Göttingen) zeigt die Lage der Bombe im Grabungsort

Die Bombe befand sich in einem mehrere Meter tiefen Loch in dem Grundwasser eingesickert war. Einige Stunden vor der Explosion war das Grundwasser abgepumpt worden, um mit den Arbeiten an der Bombe beginnen zu können. Die Explosion macht die Gefährlichkeit der Blindgänger mit Langzeitzündern deutlich. Die Zeitverzögerung bei der Explosion wird bei diesen Zündern dadurch erreicht, dass Aceton auf eine Zelluloidscheibe träufelt und diese zersetzt und damit die Halterung des Zündbolzens auflöst. Nach der langen Lagerung solcher Blindgänger im Boden sind die Zünder oft durch Korrosion der Halterung und/oder Materialzersetzung einer Zelluloidscheibe derart instabil geworden, dass sie bei der kleinsten Erschütterung oder Lageveränderung hochgehen können. Nach Auskunft eines Kampfmittelräumers handelte es sich um eine Bombe des Typs SAP 1000 lbs (1 lb = 454 g), die mit einem chemischen Langzeitzünder 125 ausgestattet war. (>> Quelle). Säurezünder werden auch als "chemisch-mechanische Langzeitzünder" bezeichnet.
Bei der Explosion war westlich des Explosionsortes ein kraftvoll dumpfer, nicht sehr lauter Knall zu hören und am Rande der 1000-Meter-Sicherheitszone nur ein sanfter Druck auf die Fenster wahrzunehmen. Wegen des Westwindes war die Explosion östlich des Explosionsortes, also in der Innenstadt sehr viel lauter wahrzunehmen gewesen und auch die Druckwelle war nach Aussagen von Bewohnern der Geismar Landstr. dort wahrnehmbar.
Die Sperrung der nahe vorbeiführenden Bahnstrecke war erst für 22.30 vorgesehen, die Bombe ging aber schon vor 22 Uhr hoch. Es ist aber nichts bekannt geworden, dass ein Zug in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Die Gefahrenzone (300 Meter-Radius) war zum Explosionszeitpunkt glücklicherweise schon evakuiert und auch in der Sicherheitszone hatten weitgehend alle BewohnerInnen ihre Wohnungen verlassen.
Am Tag danach, dem 2.6.10 bleibt die Gefahrenzone weiterhin gesperrt. D.h. Otto-Hahn-Gymnasium, Berufsbildende Schulen BBS II, 3 Kitas, die Godehardstrasse und der Kleingarten-Weg an der Leine ("Sichelschmiede" ) bleiben geschlossen bzw. gesperrt .


Schützenplatz mit Grabungsstelle am Bombenfundort der ersten Bombe.

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Erneute Evakuierung am Dienstag 1.6.10

1.6.10 / Nachdem am Dienstag den 1.6.10 das Grundwasser aus dem Loch abgepumpt worden war bestätigte sich die Vermutung, dass eine zweite Bombe liegt. Es handelt sich wiederum um eine Bombe amerikanischer Bauart mit einem Säurezünder. Die Stadtverwaltung (Ordnungsamt, Berufsfeuerwehr etc.) bereiten nun die erneute Evakuierung vor. Mit dem Transport kranker, bettlägeriger und gehbehinderter Menschen soll unmittelbar begonnen werden. Spätestens um 20.00 Uhr starten die erforderlichen Evakuierungs- und Absperrmaßnahmen vor Ort. Dazu werden wie am vergangenen Donnerstag hunderte von Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Wehren, von Polizei und Bundespolizei sowie von verschiedenen Rettungs- und Hilfsorganisationen und städtischer Dienststellen aufgeboten.

Als Notunterkünfte und Betreuungsorte sind die Heinrich-Heine-Schule und die Sporthalle des Max-Planck-Gymnasiums vorgesehen . Ab 19 Uhr werden diese Unterkünfte von der Göttinger Verkehrsbetriebe im Shuttle-Service über alle Haltestellen im Sperrbereich angefahren. Um 20 Uhr werden die Straßen gesperrt und wird mit der Evakuierung begonnen. Die Evakuierung soll nach Entschärfung der Bombe spätestens um Mitternacht beendet sein.
Ein Service-Telefon bei der Berufsfeuerwehr 0551/707592 ist rund um die Uhr besetzt.. Ab Dienstag Mittag erfolgen Rundfunkdurchsagen oder Meldungen www.goettingen.de

In einer Pressemeldung spricht die Stadtverwaltung Göttingen von einem Evakuierungsradius von 1000 Metern. Bei der Entschärfung von Zehn-Zentnerbomben wird unterschiedlich von einer Evakuierungszone im Radius von 500 Metern, von 300 Metern oder nur von 250 Metern berichtet. (Wohlgemerkt jeweils 10 Zentnerbomben). Man unterscheidet auch "Gefahrenzone" (näher dran) von "Sicherheitszone". Die Gefahrenzone muß evakuiert werden, in der Sicherheitszone dürfen sich die Leute nur in Wohnungen, nicht aber im Freien aufhalten.

Folgende Straßen werden auch am 1.6.10 evakuiert

Am Groner Freibad
Asternweg
Bahnhofsallee
Bahnhofsplatz
Bebelstraße
Boieweg
Carl-Zeiss-Straßse
EgeJsberg Emil-Mehler-Weg
Ernst-Abbe-Straße
Fabrikweg
Friedrich-Naumann-Straße
Geschwister-Scholl-Straße
Godehardstraße
Gratzelstraße bis ca. Ecke Levinstraße

Groner Landstraße
Güterbahnhofstraße
Hagenweg
Hildebrandstraße
Karl-Marx-Straße
Knut-Huber-Weg
Kogelhof
KönigsaUee bis Ecke Hagenweg
Königsstieg
Liebrechtstraße
Uebrechtstraße
Margueritenweg
Maschmühlenweg
Narzissenweg
Nelkenwinkel

Neuer Weg
Pfalz-Grona-Breite
Rathenaustraße
Rosenwinkel
Rosmarinweg
Schützenanger
Sichelschmiede
Söhlwiese
Weender Landstraße WESTLICH
Berliner Str WESTLICH
Groner Landstr. NÖRDLICH
Stresemannstraße bis ca. Ecke Levinstraße
Tulpenweg Weiße Rose

Rechtsgrundlagen:
Runderlass Umweltministerium RdErl vom 8.12.1995: "Die Kampfmittelbeseitigung ist eine Aufgabe der Gefahrenabwehr, für die grundsätzlich die Gemeinden zuständig sind. Zur Unterstützung der Behörden der Gefahrenabwehr hält das Land personelle und technische Mittel zur Kampfmittelbeseitigung vor, die im Rahmen der Amtshilfe für die zuständigen Behörden eingesetzt werden."
Anfragen bezüglich der Rechtsgrundlagen bei der Evakuierung haben wir an die Stadt weitergeleitet: "Können Sie uns mitteilen, auf welcher Rechtsgrundlage die Bestimmung des Aufenthaltes vorgeschrieben werden kann und inwieweit bei Weigerungen Zwangsmaßnahmen und/oder Strafen bzw. Ordnungsbußgelder vorgesehen sind?"
Antwort: "Die Rechtsgrundlage findet sich in § 11 des SOG - Gesetzes. Zu den dort zitierten "notwendigen Maßnahmen" kann auch eine Evakuierung zählen, wenn sie zur Abwehr konkreter Gefahr und zum Schutz von Leib und Leben aus Sicht der Behörde geboten ist. Das war am Donnerstag und ist auch heute aus unserer Sicht der Fall. Über Bußgelder haben wir uns noch keine Gedanken machen müssen. Die meisten Betroffenen hatten und haben - wie in so vielen anderen Städten - volles Verständnis für die Maßnahmen. Zwangsmaßnahmen kann nur die Polizei ergreifen."

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BOMBE Nr. 1, Donnerstag 27.5.10 : Stadtteile evakuiert, Bombe entschärft

Im Zuge der Bauvorbereitungen für eine Sporthalle auf dem Schützenplatz wurden vorsichtshalber Sondenbohrungen vorgenommen und schließlich am 27.5.10 eine schwere noch nicht explodierte Bombe im Boden entdeckt, die mit einem Langzeit-Säurezünder versehen war.


Bohrer, mit denen ca. 100 Erdbohrungen auf der Baufläche vorgenommen wurden

Seit 50 Jahren fanden über der Bombe Schützenfeste und seit einigen Jahren Flohmärkte statt. Täglich wurde der Schützenplatz als Parkplatz genutzt. Glück,dass die Bombe in all dieser Zeit nicht hochgegangen ist, denn Bomben mit >>"Säure"zünder (Aceton) können nach Jahren plötzlich von selbst explodieren, falls Teile am Zünder durchgerostet sind oder durch Erschütterung das Glasröhrchen mit der Säure zerbrochen ist. (Siehe >> Beispiel in Österreich ) .

Folgende Aktivitäten fanden z.B. auf dem Schützenplatz über der Bombe statt


Schützenfest im Zelt, , Karussell


Riesenradund Riesenschiffschaukel - Hinzu kommt dann noch Flohmarkt und Parkplatz

Der ganze Bereich um den Schützenplatz war im Krieg das Ziel von Bombenangriffen gewesen, weil hier die Lokhalle stand und im heutigen Industriegebiet Flughafenanlagen waren. In der Pfalz-Grona-Breite war vor Jahren eine Bombe im Erdreich hochgegangen als gerade ein Bus darüber fuhr (für diese Einschätzungen sprechen nach Fachleuten die seismischen Aufzeichnungen der Geo-Institute) allerdings wurde immer wieder die Möglichkeit einer Gasexplosion infolge einer defekten Leitung dagegen gestellt, was das Entschädigungsverfahren für den Busfahrer in die Länge zog.

Das Foto unten zeigt einen Ausschnitt aus einer Luftaufnahme, die bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg entstand. In der Mitte von oben nach unten verlaufend ist die Leine zu sehen, das dunkle Feld rechts daneben ist der Schützenplatz mit den Bombentrichtern und Baracken in denen Zwangsarbeiter/innen für die Arbeit in der Lokhalle untergebracht waren. Das linke helle Feld ist der damals noch nicht bebaute Teil des Blümchenviertels. Nicht im Ausschnitt zu sehen ist ein brennendes Gebäude des damaligen Flughafens in der Grätzelstraße.


Ausschnitt aus einem mehrere Meter großen Foto im Städtischen Museum als Wandtapete

Nach der Evakuierung im Umkreis Hagenweg, Pfalz-Grona-Breite, Godehardstraße, Königsallee, Egelsberg wurde die Bombe in der Nacht entschärft (lt. Mitteilung der Stadt um 0:55 Uhr). Die BewohnerInnen wurden mit Lautsprecherdurchsagen zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert, ein Hubschrauber kreiste permanent über dem Bereich und schließlich gingen u.a. Feuerwehrleute die Häuser ab und klingelten in allen Wohnungen um auch die letzten Verbliebenen zum Verlassen der Wohnungen zu bewegen. Wer nicht bei Freunden oder Verwandten in anderen Stadtteilen unterkam blieb auf der Straße ausserhalb des Sperrgebietes stehen oder mußte in die Sammelunterkünfte gehen bzw. fahren oder gefahren werden. (Sporthallen der Heinrich-Heine-Schule/Grone, des Max-Planck-Gymnasiums/Innenstadt und Stadthalle) . U.a. war auch die Musa betroffen; dort mußte das Konzert mit "Rockapella" ausfallen, was viele Angereiste erst vor der Musa erfuhren.
Ein reger Krankenwagentransportverkehr mit Blaulicht war auf der Berliner Str. Ecke Kasseler zu erleben - man wußte schon nicht mehr wohin man ausweichen sollte - aus jeder Richtung kamen Wagen mit Blaulicht - offensichtlich um Nicht-Gehfähige BewohnerInnen zu transportieren. Es war zwar ein Infotelefon eingerichtet worden - den Leuten, die man aus den Wohnungen rausklingelte wurde das aber nicht mitgeteilt. Sofern sie bei Freunden oder Verwandten unterkamen wußten sie also später nicht, wann sie wieder in die Wohnung zurückkonnten.


Blick in die Gruppe der Leitzentrale bei einer Katastrophenschutzübung 2006 ,
bei der verschiedene Organisationen die Zusammenarbeit übten.

Ähnlich wie bei der oben abgebildeten Katastrophenschutzübungdürfte es bei dem Einsatzstab ausgesehen haben, der ab 17 Uhr zusammengetreten war. jedenfalls ware mit einem erheblichen Aufwand sämtliche Zufahrtsstraßen und - wege zum evakuierten Gebiet gesperrt. "Insgesamt wirkten dabei mehr als 500 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr, aller 13 Göttinger Ortswehren, des Technischen Hilfswerks, des Arbeiter Samariter Bundes, des Deutschen Roten Kreuzes, der Polizeiinspektion Göttingen, der Bundespolizei, der Deutschen Bahn AG sowie der Stadtverwaltung und der Göttinger Verkehrsbetriebe aus Göttingen und Northeim mit." (>> Stadt-Mitteilung)

 

Lautsprecherwagen mit Ansagen Hannoversche / Kreuzbergring
Anfahrt der unterstützenden Hilfsdienste vom DRK
Lautsprecheransagen zur Evakuierung per Hubschrauber

 

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