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Stadtinfo
Gänseliesels
Kinder
(Der folgende Text: /bakke , Fotos/Unterschriften: /gjs) Glaubt mensch den Veranstaltern des Göttinger Gänselieselfests 2000, dann hatte die Bevölkerung der ganzen Stadt wie in den zurückliegenden Jahren auch heuer der Wahl einer jungen Frau entgegengefiebert, die auf dem Marktplatz, im Blickkontakt mit ihrem bronzenen Vorbild, dazu auserkoren wurde, "das südniedersächsische Oberzentrum" (so die offizielle Göttinger Selbstbezichtigung) während der kommenden zwölf Monate bei zahlreichen vermeintlich wichtigen Ereignissen in den Bereichen von Tourismus und Kommerz zu vertreten. Wir wollen hier nicht näher darauf eingehen, welche der freiwilligen jungen Frauen es nun in diesem Jahr getroffen hat. Nur soviel: Es ist halt jeder selbst überlassen, sich dafür herzugeben. Im Alter von sechzehn aufwärts, wird frau wissen, worauf sie sich einläßt. Oder etwa nicht?
Ob dies allerdings auch für die Mädchen zutrifft, die sich im Alter zwischen fünf und elf Jahren am vergangenen Sonntag zur Wahl des "Mini-Gänseliesels" stellten, darf nicht nur füglich bezweifelt werden, sondern ist ohne wenn und aber auszuschließen.
"Was müssen das für Eltern sein ..." Nein, hier geht es nicht um die, die ihre Söhne nicht davor bewahren, beim FC Bayern München anzuheuern. Es geht um die, die ihre Kinder dafür hergeben, dass es dieser Stadt bzw. den in ihr politische Verantwortung tragenden Personen und den allzeit und allseits über fehlenden Parkraum klagenden Händlerinnen und Händlern der Innenstadt möglich ist, auch diese kleinen Mädchen für ihre kommerziellen Zwecke zu instrumentalisieren. Beim "Gänselieselfest 2000" ging es wie in den Jahren zuvor allein ums Geld. Die Vorsitzende der Göttinger Werbegemeinschaft, die Unternehmerin Petra Wiese, sprach denn auch ganz ungeniert vom "Gänselieselfest" als verkaufsoffenem Sonntag. Blickt mensch in die Extraseiten der hiesigen Monopolpresse, so finden sich "Gänseliesels Sonderangebote" (der verkehrte Apostroph findet sich natürlich(?) im Original doch das nur beiläufig) neben den um extra fürs Fest um 50 % reduzierten Uhren und Schmuckstücken - und auch der "Immobilientag zum Gänselieselfest" fehlt nicht. Dafür fehlte anderes! Der Regen und die Wahl eines kleinen Jungen zum "Mini-Oberbürgermeister". Oder soll etwa der "große" Danielowski zukünftig bei den sogenannten wichtigen Ereignissen für die Stadt nicht nur die zum Gänseliesel auserkorene junge Frau küssen dürfen, sondern auch noch das Mini-Gänseliesel gleich mit? Das wäre ja ... Das war doch schon mal.... Oder wurde das bloß deshalb bewußt unterlassen, weil mensch fürchtete, es könnten sich keine Eltern finden, die bereit wären, ihren Sohn den Danielowski doubeln zu lassen? Und noch eines fehlte: Niemand hat vor lauter Dollarzeichen im gierigen Auge daran gedacht, für die vorhersehbaren großen Tränen der kleinen Verliererinnen Trost zu organisieren. Fehlanzeige!
Oder haben VeranstalterInnen wirklich geglaubt, die dem frisch gekürten Mini-Gänseliesel Unterlegenen würden der auf dem gewonnen Kickroller davonrauschenden Siegerin auch noch zujubeln? Immerhin: die Eltern? Auch keine gute Adresse. Vermutlich hatten die selber genug mit ihrer eigenen Enttäuschung zu tun? Doch Mitgefühl ist hier nicht angesagt, die hätten sich einfach vorher überlegen müssen, für was sie ihre Kinder da hergeben.
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