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Kliniken / Krankenhäuser

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(goe_stadtinfo , september 99 ) Im Rahmen der Kampagne der Krankenhäuser wurde in Göttingen auf dem Marktplatz die Zeitung "Krankenhaus aktuell" verteilt, aus der wir hier auszugsweise Texte wiedergeben. Krankenhaus aktuell wird herausgegeben von der DKG - Deutsche Krankenhausgesellschaft, Tersteegenstr. 9 , 40474 Düsseldorf

Die Kernpunkte der Kritik der Krankenhäuser:

Kein Globalbudget
Mit einem Globalbudget würde das Krankheitsrisiko, das die Krankenkassen finanziell abdecken, auf Ärzte und Krankenhäuser abgewälzt. Geplant ist, dass die Kassen eine bestimmte Summe Geld festlegen, mit der die Krankenhäuser auskommen müssen - egal wie viele und wie schwere Behandlungen anfallen.
Wenn das Globalbudget tatsächlich kommt, gibt es noch vieniger Zuwendung der Schwestern und Pfleger für die Patienten.
Wer operiert werden muss und kein Notfall ist, muss damit rechnen, auf die Warteliste zu kommen. Denn Budgetierung ist Züteilung. Nur was der vorab festgelegte, starre Finanzrahmen hergibt, wird bezahlt.
Unter einem Globalbudget müssten Krankenhäuser zudem massiv Personal abbauen. Immer mehr Patienten versorgen (Alters-pyramide), aber kein Geld dafür bekommen: Das geht nicht!
Die Sparzitmne ist ausgepresst (Zitat von Ex-Gesundheitsminister Seehofer). Schon in diesem Jahr kämpfen die Krankenhäuser mit ungedeckten Personalkosten. Der Fehlbetrag beläuft sich auf eine Milliarde Mark.

Kein Kassenstaat
Alle Macht den Krankenkassen das kann nicht gut sein. Denn di Kassen denken (logischerweise) zuerst ans Geld, nicht an den Patienten. Geht es nach der Regierung, sollen die Kassen bestimmen, wo ein Krankenhaus auf-oder dichtgemacht wird. Es soll Schluss sein mit der Verantwortung der Länder für die Planung. So sollen überschüssige Kapazitäten abgebaut werden. Gibt es dann noch genügend Krankenhäuser?
Die Länder müssen auch deshalb in der Verantwortung bleiben, Neu sonst jedes Jahr acht Milliarden Mark für Investitionen Fehlen. Denn einen Ausgleich für die Investitionshilfen der Länder is nicht vorgesehen.

Kein Verdrängungswettbewerb
Die Krankenkassen sollen sich künftig aussuchen dürfen, mit welchen Krankenhäusern sie Verträge schließen. Wer nicht das passende Medizinangebot hat oder zu teuer ist, fliegt raus! Wenn das wahr wird, kommt es zu einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb. Der Billigste macht das Rennen. Ist das die Patientenversorgung von morgen?
In den Krankenhäusern hat sich vieles verändert. Denn die Krankenhäuser wissen, dass gespart werden muss. Das Krankenhauswesen darf jedoch nicht kaputt gespart werden. Dann würden die Zukunftschancen eines Wachstumsmarktes verspielt. Der medizinische Fortschritt würde anderswo stattfinden, nicht mehr in Deutschland.
Frau Ministerin, nehmen Sie die Warnungen ernst und ziehen Sie lhren Gesetzentwurf zurück! Mit dem Rotstift kann man nicht operieren. Es müssen andere, tragfähige Lösungen gefunden werden. Die Krankenhäuser sind bereit zum offenen Dialog.

Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender Marburger Bund Kaputtsparen?
Sie alle spüren es längst: Die vielzitierte Sparreserve im Gesundheitswesen sind vor allem wir im Krankenhaus. Jetzt erklärt die Regierung sogar unsere Arbeitsplätze zur Verhandlungsmasse im Budgetpoker mit den Kassen. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Krankenhausbeschäftigten, die schon seit Jahren durch ihr Engagement die Fehler der Krankenhauspolitik ausbügeln.
In den letzten zehn Jahren haben wir fast 200 Krankenhäuser dicht gemacht, weit über 100.000 Betten abgebaut und viele Tausend Stellen verloren. Hat es geholfen?
Das Kaputtsparen der Krankenhäuser auf Kosten der Beschäftigten rettet unser Gesundheitssystem nicht. Im Gegenteil: Wenn immer weniger Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger in immer weniger Krankenhäusern immer mehr Patienten versorgen müssen, geht die Menschlichkeit vollends verloren. Zuwendung ist eben keine Rechengröße'der Krankenkassen.
Wie sagt die Gesundheitsministerin stets: Im Mittelpunkt steht der Patient. Das ist für uns im Krankenhaus selbstverständlich. Gerade deshalb lehnt der Marburger Bund diese Reform ab.

Wolfgang Schelter, Gesundheitsexperte Gewerkschaft ÖTV Nebenwirkungen
Hauptziel der Gesundheitsreform ist es, die Krankenkassenbeiträge zu stabilisieren. Die Therapie, mit der die kränkelnden Kassen geheilt werden sollen, ist indes voller gefährlicher Nebenwirkungen. Für die Krankenhäuser wird ein landesweites Budget festgelegt, das nicht stärkerwachsen darf als die Einnahmen der Kassen. Die Kassen aber leiden unter finanzieller Auszehmng: immer weniger Beitragszahler, immer mehr Arbeitslose. Ein festes Budget für die stationäre Versorgung ist deshalb weder leistungsorientiert noch entspricht es dem medizinischen Bedarf. Den Patienten drohen Qualitätsverlust und Wartelisten bei der Behandlung.

Auch die Beschäftigten in Krankenhäusern sollen bluten. Gibt es für sie dieselben tariflichen Verbessemngen wie für die Beschäftigten in den anderen Berufizwelgen, reichen die Budgets der Krankenhäuser nicht aus. Das gilt besonders für die ost-deutschen Krankenhäuser. Die Klinikbeschäftigten haben nach diesem Modell künftig die Wahl: Entweder sie lassen sich Jahr für Jahr von der Lohnentwicklung abkoppeln oder sie riskieren ihre Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen. Dagegen wendet sich die ÖTV, und fordert: Qualität der Gesundheitversorgung sichem, Tarifverträge respektieren.

 

sa_khs2.jpg (17896 Byte) 18.9.1999 Am Markt:
Die kleineren Krankenhäuser, Weender Krankenhaus, Neu Mariahilf, Neu-Betlehem protestieren gegen den Versuch, die kleinen Krankenhäuser durch die Gesundheitsreform kaputtzumachen. Sie haben einen großen Eisblock aufgestellt - das Eis soll schmelzen.