Goettinger Stadtinfo
 Texte und Bilder
© Impressum

Roma - Wohnviertelkonflikte

Konflikt im Wohnviertel Rosenwinkel ?
Ein Bürgergepräch in der Weststadt drohte abzukippen

Protest im "Blümchenviertel" 2002

> Abschiebungen Roma/Ashkalis
> Bleiberecht, Abschiebungen, Flüchtlinge AK Asyl / Leitseite
> Weststadt

 

Kommentar goest:
Die Weststadt, wo sich das "Blümchenviertel" befindet,  ist ein multikulturell zusammengesetzter Stadtteil mit hohem Anteil an HartzIV- und SozialhilfeempfängerInnen. Wenn einige wenige BewohnerInnen Stimmung gegen die Roma im Rosenwinkel machen, wäre es verfehlt, die Weststadt insgesamt als einen Hort des Rassismus zu beschreiben. Bei der Nazidemo 2002 die durch die Weststadt führte, standen viele Anwohner am Straßenrand und pfiffen die Nazis aus.
Wenn es einigen AnwohnerInnen nun gelingen sollte, das problematische Zusammenleben im Rosenwinkel rassistisch aufzuladen, dann ist das eine Folge von Versäumnissen auf die wir seit 2002 hinweisen. Die Versäumnisse bestehen vor allem darin, dass auch nicht ansatzweise versucht wurde, ein Gespräch zwischen den Konfliktparteien herzustellen. So sind auch zu dem neuerlichen Gespräch offensichtlich wiederum keine Roma eingeladen. Stattdessen müßte folgendes geschehen: mit Hilfe von Dolmetschern müßte ein Dialog zwischen den beiden Gruppen moderiert werden. Einerseits müßte den AnwohnerInnen die schwierige, angesichts von Massenabschiebungen verzweifelte Lage der Roma verdeutlicht werden. Wer sich dieser Einsicht verweigert muß sich Inhumanität vorwerfen lassen. Wer darauf beharrt setzt sich dem Verdacht aus von massiver Feindschaft auf "Zigeuner" motiviert zu sein. Andererseits darf es nicht tabu sein, auch von den Roma Verhaltensänderungen zu verlangen, die für ein vernünftiges Zusammenleben im Viertel notwendig sind. Allerdings müssen ihnen die Veränderungen durch eine entsprechende sozialarbeiterische und materielle Unterstützung ermöglicht werden. Wenn z.B. zu viele Leute in zu wenigen Zimmern zusammengepfercht sind, dann ist es klar, dass sich die meisten lieber im Freien aufhalten.
Da also Gespräche und Bemühen um gegenseitiges Verständnis fehlen, ist nun zu befürchten, dass ein Treffen von AnwohnerInnen, Stadt und Polizei unter Ausschluß der Roma stattfindet. Wir wollen hoffen, dass dabei nicht unter vorgehaltener Hand darauf hingewiesen wird: "die werden doch eh bald abgeschoben." Kurz bevor die angekündigte Kampagne gegen Massenabschiebungen anläuft ist es auffällig, dass die AnwohnerInnen motiviert werden, Stimmung für eine Abschiebung zu machen.
(Ursprünglich 2002 verfasst - aus aktuellem Anlass August 2009 überarbeitet )

Eine Formulierung im goest-Kommentar von 2002 lautete bereits: "Für die Auseinandersetzung zwischen Anwohnern und Roma im Blümchenviertel fehlte ein Gespräch zwischen den beiden Gruppen (soweit notwendig mit Dolmetschern) die ein Verständnis zwischen beiden zum Ziel gehabt hätten. Hauseigentümer die mit sturem Interesse nur auf den "sinkenden Mietwert" ihrer Wohnungen in der Umgebung hinweisen, hätte man ruhig beiseite lassen und dadurch isolieren können.."

Konflikt im Wohnviertel "Rosenwinkel"?

Anscheinend gezielte Falschinformation?
11.8.09 / Überarbeitungsstand 20.30 Uhr / Verschiedene Rückfragen haben Unstimmigkeiten ergeben. So ist u.a. die Rede davon, dass auch das Weststadtbüro eingeladen wurde. Dort ist aber nichts bekannt davon. Am 10.8. war Weststadtkonferenz und niemand wußte von einem solchen Schreiben. Schließlich haben wir in der St. Godehardgemeinde nach dem Belegungsplan gefragt und festgestellt, dass auch dort der Termin beim Gemeindesprecher nicht bekannt ist. Wir vermuten inzwischen, dass es sich bei der Meldung um eine gezielte Desinformation handelt um das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen.
Wir interpretieren die Information inzwischen als ein Versuch, im Vorfeld der "Demonstration gegen Abschiebung - Abschiebungen in den Kosovo stoppen!" am Donnerstag den 27.8. das Thema ins Gespräch zu bringen.

Der Redaktion wurde eine anonyme Information zugeschickt, die darauf hinweist, dass einige AnwohnerInnen des Rosenwinkels (eine Straße in der Weststadt, parallel zur Pfalz-Grona-Breite an der Leine) gegen die dort wohnenden Roma vorgehen wollen. Bisher konnte für diese Information keine weitere Bestätigung gefunden werden. Da jedoch der Konflikt auch von der "Bürgerversammlung" 2008 her bekannt ist, hat die Information eine gewisse Plausibilität.

Nach der uns zugegangenen Information stellt sich der Sachverhalt folgendermaßen dar: Eine namentlich genannte Frau aus dem Rosenwinkel zeichnet demnach verantwortlich für ein in Briefkästen des Viertels verteiltes Flugblatt in dem es heißt: "An alle Bewohner des Rosenwinkel und der angrenzenden Straßen!! " . Darin wird zu einem Gespräch mit VertreterInnen der Stadt und anderen eingeladen. Grundlage sei eine Einladung der Stadt Göttingen für den 13.08.2009 um 17 Uhr in der Pfarrei St. Godehard zu einem Gespräch bezüglich der "Beschwerden über die Bewohner der Häuser Rosenwinkel 62-72." (Wohnblöcke mit Romafamilien) . Die Autorin des Flugblattes bittet "alle Anwohner um rege Teilnahme an dieser Veranstaltung, um endlich wieder Ruhe in diese Gegend einziehen zu lassen." Sie habe sich bereits am 11.6.09 mit einem Schreiben an die Stadt gewandt und auch noch einige Briefe von BewohnerInnen beigefügt, in denen sogar die Abschiebung der Roma gefordert worden sein soll. Seitens der Stadt wurde nun das Gespräch am 13. August angeboten, an dem u.a. VertreterInnen der Stadtverwaltung, der Polizei und des Zolls teilnehmen. Die Initiatorin wurde gebeten, weitere InteressentInnen des Viertels einzuladen. Soweit die uns zugesandte Information.

Bei der Nachfrage im Weststadtbüro am 11.8. konnte uns vorerst diese Information nicht bestätigt werden, das Weststadtbüro sei dazu nicht eingeladen und es wäre auch in der am 10.8.09 stattgefundenen Weststadtkonferenz KEIN Thema gewesen. Dies wurde auch von anderer Seite bestätigt. In einer späteren Mitteilung heisst es: "Das Weststadtbüro hat keine Einladung für die von der Stadtverwaltung organisierten Veranstaltung bekommen, sondern wurde durch die Kopie eines Briefes an die Anwohner in Kenntnis gesetzt, dass es "an der Veranstaltung teilnimmt". Es liegen uns daher auch noch keine Informationen vor über die Inhalte der Veranstaltung bzw. vorangegangener Gespräche zwischen Anwohnerinnen und Anwohnern und der Stadtverwaltung."

Bei der Recherche vor Ort am 11.8. wurde ein Bewohner der Romahäuser gefragt, ob bekannt sei, dass ein Gespräch mit der Stadt stattfinde. Der ältere Herr wußte von einem solchen Vorhaben nichts. Offensichtlich bleiben die Roma außen vor, wenn die Anwohner ihre Beschwerden der Stadt gegenüber vorbringen.

rosenwinkel.JPG (22872 Byte)
Ein Teil der Wohnblöcke von Roma im Rosenwinkel/Weststadt

zum Anfang

 

Ein Bürgergepräch in der Weststadt drohte abzukippen
Montag, 26.5.08 um 18 Uhr im Gemeindesaal, Godehardstraße 22

Fast wäre die Veranstaltung nach rechts abgeglitten. Vor allem der Ruf nach Sicherheit und Ordnung und vor allem die Interessen von HausbesitzerInnen kamen massiv zur Geltung beim BürgerInnengespräch in der Weststadt.


Bürgergespräch Montag, 26.5.08 um 18 Uhr im Gemeindesaal, Godehardstraße 22

Die Beschwerden gegen Roma im Rosenwinkel ("wenn da schon die Teppiche draussen liegen" , "dauernd die Musik bei offenen Fenstern") nahmen breiten Raum ein. Leute die ihr Haus verkaufen wollen jammerten, dass sie wegen der Lage im Viertel nur schwer Kaufinteressenten fänden. Zusätzlich wurdedie Befürchtung geäußert, die Leute aus den Treppchenhäusern am Maschmühlenweg würden nach Abriss der Häuser dort ebenfalls in der Weststadt angesiedelt. Dies dementierte allerdings die anwesende Sozialdezernentin Schlapeit-Beck. (Anmerkung 2009: Die abbruchreifen Häuser im Maschmühlenweg sind inzwischen geräumt.)
Von ausgerechnet dieser Gruppe der Roma , die von der Hausbesitzer-Gruppe so aufs Korn genommen wurde war jedoch keine Vertreterin und kein Vertreter anwesend. Wo doch gerade der Dialog zwischen ausgerechnet diesen Gruppen nötig wäre. Lediglich die zuständige Sozialarbeiterin, der einige Stunden die Woche für die Betreuung des Rosenwinkels zur Verfügung stehen, war anwesend.

Der zuständige Kontaktbereichsbeamte, den eine Frau aus dem Publikum ungeniert "Cob" nannte wurde in zahlreichen Wortmeldungen angesprochen um mehr Hilfe und Unterstützung zu erbitten. Er soll bei Lärm, bei zu schnellem Fahren, usw. für Ordnung sorgen. Als der Kontaktbereichsbeamte Herr Tornow jedoch erklärte, dass er auch das Gebiet um die Uni , Weende und Nikolausberg zu betreuen habe - da beklagte man gemeinsam die mangelhafte personelle Ausstattung der Polizei.
Rein sachlich blieb die Versammlung bei der Feststellung, dass die Spielplätze absolut vernachlässigt wären und dringend aufgebessert werden müssten. Ein Vertreter der Jugendfeuerwehr machte das Angebot, dass sie gerne Jugendliche aufnehmen und einer sinnvollen Beschäftigung zuführen möchten, allerdings wäre es gut, wenn die Altersgrenze dabei auf 8 Jahre herabgesetzt würde (sie liegt jetzt höher). Dieser Vorschlag passte gut, weil die Jugendfeuerfwehr ihren Sitz in der Weststadt neben der Musa auf dem Gelände der alten Brotfabrik hat.


V.l.n.r. Siegfried Löbrick JVA Rosdorf / Jugendhilfe (Moderation), Dr. Schlapeit-Beck Dezernentin für Kultur und Soziales, Sozialarbeiterin Frau Meier,

Resümmee: Die verschiedenen Gruppen der Weststadt sind noch weit voneinander entfernt in einen Dialog zu treten. Vorerst hatten vor allem die Hausbesitzer ihre Interessen lautstark und erregt vorgetragen. Dennoch gab es auch eine ganze Reihe von Anregungen für Verbesserungen in der Weststadt. Die stereotype Anwort von Dezernentin Schlapeit-Beck "Vielen Dank für die Anregung, wir nehmen das mit und prüfen es". Beim Hinausgehen war zu hören wie eine Teilnehmerin zu einer anderen sagte: "Das war doch jetzt wieder nur alles heisse Luft oder?" - Na hoffen wir nicht und vor allem wird die Einrichtung des Bürgergesprächs nicht auf Dauer den Schwerpunkt "interessensvertretung für Hausbesitzer" haben.

zum Anfang

 

Protest im "Blümchenviertel" 2002

"Protest im Blümchenviertel" - schrieb die Lokalpresse am 20. Juli 02. Das Blümchenviertel ist ein Teil der Weststadt zwischen Musa und Godehardstraße auf westlicher Seite der Leine. Dort gibt es Straßennamen wie "Rosenwinkel" , Nelkenwinkel", "Asternweg", "Tulpenweg" usw.
Einige Anwohner und Hausbesitzer im Blümchenviertel hatten sich wegen Lärm und Müll beschwert und gemeint, ihre Haus- und Wohnungseigentum verlöre an Wert, wenn die Gegend so abgewertet würde.
Das kam den Ausländerbehörden anscheinend gerade recht, denn prompt wies die Stadt darauf hin, dass die Flüchtlinge doch sowieso abgeschoben werden und sich dann das Problem von selbst löse.

Flugblatt am Schaufenster eines Weststadt-Geschäftes 2002

"An alle interessierten Bewohner und Eigentümer des/der Rosenwinkels/Weststadt
Wie in letzter Zeit (...) mehrfach zu lesen war, sollen in der Weststadt Änderungen erfolgen. Für diesen Zweck wird ein vorbereitender Untersuchungsausschuss gebildet. Hierbei könnte die Volksheimstätte unsere Probleme entsprechend vertreten. Denn neben den vorhanden alten Problemen hat die Stadt Göttingen mit der Umsiedlung der Bewohner aus dem Zietengelände nun ein weiteres Problem geschaffen. Neben diesem, werden die weiteren Sorgen in einem ausführlichen Schreiben (3 Seiten) an die Volksheimstätte geschildert. Ggf. wird dieses Schreiben auch an die Leitung des Sozial- uind Planungsamtes gesandt. Bitte unterstützen Sie unser gemeinsames Anliegen mit Ihrer Unterschrift, Unterschriftlisten liegen in diesem Geschäft aus."

(Anmerkung 2009: Das Geschäft in dem dies damals 2002 aushing hat inzwischen den Besitzer gewechselt, die Häuser die der Volksheimstätte gehörten, gehören nun der GAGFA.)

zum Anfang