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Erst
sitzen viele mit verschränkten Armen in der Gruppe wissen nicht was sie da
sollen und sind völlig verschlossen. Nach und nach lernen sie, wenn sie anderen
zuhören, die schon länger dabei sind, auch selbst zu reden. Im Laufe
des Gruppenprozesses äußert fast jeder irgendwann in irgendeiner Form
Scham über das was er getan hat. Sie werden damit konfrontiert, dass sie
ihre Geschichte vollständig und ohne Beschönigungen erzählen und
Verantwortung dafür übernehmen. Mit Hilfe der pädagogischen Begleitung
lernen sie, wie es möglich ist, Konflikte in Beziehungen gewaltfrei zu lösen.
(Schilderung der Teamer) "Wege ohne Gewalt" WoGe e.V. - der Name ist Programm. Männern, die Gewalt in Beziehungen angewandt haben soll ein anderer Weg aufgezeigt werden. Mit Gesprächen in Gruppensitzungen soll ihnen ein Weg aus dem "Gewaltkreislauf" aufgezeigt werden. Die Erkenntnis, daß Haftstrafen keine Verhaltensänderungen bei "Gewalt in Beziehungen" , "Häuslicher Gewalt" etc. erreichen, dürfte Ausgangspunkt für die Gründungen von zusätzlichen Hilfsangeboten für Täter gewesen sein.
Bislang beschränkt sich die Zielgruppe a) auf Männer ab dem 18 Lebensjahr, b) auf Gewaltanwendung in Partnerschaften. 2006 waren im Landgerichtsbezirk Göttingen 1100 Fälle häuslicher Gewalt bekannt geworden. 2007 wurden im Vergleich zu dieser Grundgesamtheit relativ wenige, nämlich insgesamt 27 Erstgespräche geführt, was jedoch vor allem auch auf die begrenzten Kapazitäten des Vereins zurückzuführen ist. 2009 gab es 45 Kontaktaufnahmen, davon brachen 12 Teilnehmer das Training ab und 3 wurden ausgeschlossen.
Die
Männer kommen meistens nicht aus eigenem Antrieb, sondern werden von der
Amts- u. Staatsanwaltschaften, Straf- und Familiengerichten, über Zuweisungen
als Bewährungsauflagen usw. zu einer Kontaktaufnahme mit dem Verein aufgefordert.
Insofern ist der Verein eine Einrichtung im Umfeld der Justiz, dennoch aber nicht
direkter Bestandteil, sondern ein neuer Weg Verhaltensänderungen von gewalttätigen
Männern zu erreichen. Die Trennungslinie zur Justiz erlaubt es Angehörigen
der Justiz z.B. nicht, im Vorstand des Vereins tätig zu werden. Wenn nun ein Fall von Gewaltanwendung bekannt wird und die Aufforderung zur Teilnahme an einem Trainingskurs ergeht, dann wird seitens des Vereins nur eine Mitteilung an die Staatsanwaltschaft gegeben, dass der Betreffende Kontakt aufgenommen hat, dass er regelmäßig teilgenommen und am Ende mit Erfolg abgeschlossen hat, ohne irgendwelche weiteren Bewertungen oder Informationen zu liefern. Gegebenenfalls wird gemeldet, daß der Betreffende das Training abgebrochen hat oder ausgeschlossen wurde. Wenn Männer freiwillig von sich aus bei WoGe vorstellig werden, entfällt jegliche Meldung an Behörden. Teilnehmer, die während des Trainingskurses gewalttätig werden, werden vom weiteren Training ausgeschlossen. Beim Erstkontakt ist zu klären, inwieweit die Täter für ein Gruppentraining geeignet sind. Bei Alkoholkranken und anderen Drogenabhängigen haben Versuche zur Verhaltensänderung weniger Chancen auf Erfolg. In aller Regel muß hier erst einmal ein Entzug vorgeschlagen werden. Bei dem Verdacht auf psychische Erkrankungen muß ebenfalls ein anderer Weg eingeschlagen werden. Woge betont ausdrücklich "Die Kurse stellen keine Heilbehandlung dar!"
Nach einer Aufnahme in das Verhaltenstrainig werden die Teilnehmer für 20 Sitzungen á 2,5 Stunden in eine fortlaufende Gruppe mit maximal 8 Personen aufgenommen. Wenn jemand vom Gericht eine Auflage bekommen hat, an einem Training teilzunehmen kann die Weigerung evtl. dazu führen, dass stattdessen ein Verfahren gegen ihn eröffnet wird Entscheidungsfreiheit der Therapie? An diesem Punkt stellte sich die Frage, wie es zu bewerten sei, wenn ein Zugewiesener argumentiert, er sei durchaus an einer Verhaltensänderung interessiert, möchte aber nicht in einem Gruppentraining teilnehmen, sondern stattdessen eine individuelle Therapie beginnen. Seitens des Vereins hieß es hierauf, dass eine solche Haltung als Verweigerung gemeldet würde. Es sei wissenschaftlich nachgewiesen, dass Einzeltherapie keinen Erfolg bei Verhaltensänderungen der Gewalttäter habe. Andererseits und in offensichtlichem Widerspruch zu dieser Aussage stand die Mitteilung, dass bei bestimmten Personen (als Beispiel wurde "Polizist" genannt) ein Training in der Gruppe nicht möglich sei, da diese Personen in der Öffentlichkeit stünden. Ansonsten werden Einzlenberatungen gegeben bei "eingeschränktem Sparchverständnis" (unzureichende Kenntnis der deutschen Sprache), "besondere Arbeitszeiten", "besondere persönliche Belastungen".
Aufnahme von WoGe in den Paritätischen Wohlfahrtsverband
(Pressemitteilung Paritätischer Juni 2010) Wege ohne Gewalt Göttingen e.V.
bietet als einziger Verein in Südniedersachsen eine transparente und standardisierte
Täterarbeit im Kontext häuslicher Gewalt an. Im dritten Jahr des Bestehens werden
die Gruppenkurse, Einzel- und Paarberatungen in neuerdings eigenen Räumlichkeiten
in der Groner Tor Str. 16, Göttingen, durchgeführt. Die Arbeit mit dem (potentiellen)
Täter zielt dabei auf gewaltfreie Einstellungs- und Verhaltensänderungen ab und
bildet eine wichtige Ergänzung zur unerlässlichen strafrechtlichen Verfolgung
sowie den bestehenden Maßnahmen zu Opferschutz, Familien- und Jugendhilfe. Gemessen
an der Anzahl der Erstkontakte fanden allein im letzten Jahr 45 Teilnehmer(in
2007 / 08 entsprechend 27 und 36) den Weg zu dem neuen Angebot, das bei WoGe e.V.
in Göttingen in Anspruch genommen werden kann. Rückfälle nach Teilnahme wurden
seitens der Staatsanwaltschaft Göttingen bisher nicht gemeldet, wobei es noch
keine Erkenntnisse zur Dunkelziffer gibt. Die steigende Nachfrage der Beratungsangebote
zeigt neben dem Bedarf, dass sich WoGe Göttingen fest mit seiner Arbeit im überregionalen
Netzwerk gegen häusliche Gewalt etabliert hat.
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