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Internationale Händelfestspiele Göttingen

Händelfestspiele elitär?

2008 - Eklat beim Konzert
Kammerkonzert Perl/Santana

 

> 2004 Oper "Rinaldo"
> 2003 Nachtkonzert Pandolfo
> 2002 Oper "Alcina"
> Kunstmarkt

> Allgemeines 2003 / 2004

Foto: Händelfahne / Wilhelmsplatz

Kleiner Eklat 2008

11.5.08 / Beim Kammerkonzert in der Aula am 10.5. kam es zu einem Eklat. Angekündigt im Programm war ein Konzert für Viola da Gamba und Laute von Hille Perl und Lee Santana. Als es beginnen sollte trat stattdessen Unipräsident Figura ans Redepult und ohne eine weitere Begrüßung begann er eine Rede: "Hans-Ludwig Schreiber wird heute 75 Jahre alt" und das war erst der Anfang einer längeren Rede. Prof. Dr. Hans-Ludwig Schreiber ist Vorsitzender der Händelgesellschaft, war früher Unipräsident und ist heute noch Vorsitzender der der "Ständigen Kommission Organtransplantation" der Bundesaerztekammer. Prof. Figura war völlig fixiert darauf, Prof Schreiber zu ehren. Eine halbe Stunde lang vergaß er, auf welcher Veranstaltung er sprach: angekündigt war ein Konzert. Am Schluß seiner Rede meinter er respektlos gegenüber den Musikern "aber jetzt verlangt die Musik ihr Recht" ... so als sei das Konzert zweitrangig und man dachte nun ist Schluß. Aber nein ! Da betrat ein weiterer Redner das Podest und hub an, eine weitere Lobesrede zu halten. Damit war aber die Geduld des mißachteten Publikums überstrapaziert. Nach den ersten Sätzen fingen die Leute mitten in der Reda an zu klatschen. Der Redner kam nicht mehr zu Wort und wartete. Als das Klatschen aufhörte begann er aufs Neue. Wiederum folgte Klatschen und der Redner begann sich hilflos umzuschauen und meinte, er wäre doch gleich fertig. Rufe aus dem Publikum forderten ihn auf, seine Rede zu beenden und das Konzert beginnen zu lassen. Der Redner resignierte und meinte "Na gut, dann verschieben wir das auf den Empfang nachher".

Da nimmt sich Unipräsident v. Figura also das Recht, eine Konzertveranstaltung unter Mißachtung des Publikums und respektlos gegenüber den Künstlern einfach umzufunktionalisieren für eine Geburtstagsfeier bei der das Konzert dann zur Rahmenveranstaltung degradiert wird. Er mißbraucht Konzertbesucher, die z.T. von weit her angereist waren als Beifallsspenderinnen für eine Veranstaltung für die die überwiegende Mehrzahl nicht gekommen war.

Nach dem Eklat kamen die Konzertmusikerin Hille Perl und ihr Partner in den Saal und wurden mit tosendem Beifall empfangen.

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Händelfestspiele "der kleine Opernball Göttingens" und elitäre Veranstaltung?

11.5.08 / Gehört ein Bericht über die Händelfestspiele in ein Basismedium wie goest.de? Wie passt ein Bericht über eine Kulturveranstaltung mit Kartenpreisen von bis 150 Euro neben Berichte über monatliche ALG II - Bezüge von 347 Euro?

Nachtrag 14.5.08: Naja wenn man es nur vom Kartenpreis her betrachtet, dann muß man sehen, dass auch die Kartenpreise für Rockkonzerte durchaus die 100 Euro-Marke erreichen können Bon Jovi in Leipzig kostet auch die teuerste Karte 145 Euro, auch für "Die Ärzte" in Hannover zahlt man um die 50 Euro, ganz zu schweigen von Bruce Springstein in Düsseldorf mit 80 (billigste) bis 232 Euro.

Aber bei den Händelfestspielen sind darüberhinaus die meisten Karten schon reserviert für jene, die Mitglied der Händelgesellschaft e.V. sind. "Für Mitglieder der Göttinger Händel-Gesellschaft gibt es einen speziellen Vorverkauf. Er liegt zeitlich vor dem allgemeinen Vorverkauf." Für eine Mitgliedschaft wird ein jährlicher Beitrag von 60 Euro "empfohlen". Und bei der schriftlichen Kartenbestellung öffentlichen Kartenverkauf heisst es ebenfalls "Kartenbestellungen von Mitgliedern werden bevorzugt behandelt." Erst danach werden allgemein Karten öffentlich verkauft. Überdies können CDs mit den Aufnahmen der Konzerte auch nur von Mitgliedern erworben werden
Nun hier wird schon deutlich, warum die Händelfestspiele ein Thema für goest sind. Die Händelfestspiele werden mit Geld aus den öffentlichen Kassen finanziert: das Land Niedersachsen zahlt 150.000 Euro, Stadt Göttingen 138.000 Euro und der Landkreis Göttingen 50.000 Euro jährlich.
Andererseits wollen auch 550 KünstlerInnen bei 57 Veranstaltungen bezahlt werden und die 17.500 verfügbaren Karten decken nur 40 % des Gesamtetats von 1.250.000 Euro ab.

Wie auch immer: das Ergebnis ist ein Festival, das wie eine Veranstaltung für die "Oberschicht" wirkt, so etwas wie der "Opernball" in Frankfurt. Nun würde man es sich etwas zu einfach machen, wenn man einfach die Streichung der Gelder für die Händelfestspiele verlangt, um sie stattdessen besser im sozialen Bereich einzusetzen. Nein die Kunst, die Musik gehört allen! Das Problem ist die Beschränkung des Zuganges zu ihr. Dies wird jedoch garnicht als Problem diskutiert sondern als Selbstverständlichkeit gepflegt. Man trägt wieder elitäres Selbstverständnis. Dieses Klima gilt es mit Kritik anzukratzen. Da reicht auch nicht eine öffentliche kostenlose Aufführung auf dem Marktplatz.


Publikum in der Pause beim Besuch der Oper "Orlando" 2008

Die Opern

12.5.08 / Das Gefühl des exklusiven Kunstgenusses kommt wohl am ehesten beim Besuch der jährlichen Oper zustande, für die die Karten sehr schnell ausverkauft sind. In den letzten Jahren saß auch mal Donna Leon in der Loge und in den Pausen merkt man es sind zahlreiche internationale Gäste anwesend, zumeist Engländer/innen.
Ohne dem kritischen Blick auf die Gesamtveranstaltung zu widersprechen soll festgehalten werden, dass man sich auch aus distanziert kritischer Haltung nicht dem Reiz hochentwickelter Gesangeskunst entziehen kann. Für diejenigen, die nicht mit Händel vertraut sind dürften zunächst die barocken Träller und Wiederholungen das Klischee nerviger Opernarien erfüllen, wo jemand endlos lange singt "ich sterbe". Gewöhnungsbedürftig sind auch die Stimmen des Countertenors bzw. Altus - Stimmen, die früher von Kastraten gesungen wurden, Sopranstimmen bei Männern. Verwirrenderweise werden einige Frauenrollen von Männern und einige Männerrollen von Frauen , z.B. Diana Moore, besetzt. Die Handlungen der Opern sind eher dürftig. Hat man also die Irritationen als Händel-Anfänger/in überwunden beginnt die Faszination in der Oper, wenn man sich auf die Musik einlässt. Bei der Oper Orlando 2008 brillierte wieder einmal Dominique Labelle mit einer faszinierenden Stimmesfülle. Die Faszination von der Musik dürfte in den goest-Berichten von den Opern Rinaldo (2004) und Alcina (2002) zum Ausdruck gekommen sein.

 

Solistenkonzert

12.5.08 / Am 12.5.08 beim Solistenkonzert in der Stadthalle ging es wesentlich legerer zu als bei der Oper. Die Frau einen Sitz weiter hatte die Schuhe ausgezogen, vorne in der ersten Reihe hatte sich ein Herr mit Strohhut niedergelassen. Die Sopranistin hatte das Glas mit Wasser auf dem Boden abgestellt. Die Frage "elitäre Veranstaltung" wich beim Besuch des Solistenkonzertes dem Eindruck, dass es vor allem eine Veranstaltung für ältere Leute sei - das Durchschnittsalter schien schätzungsweise bei 55 gelegen zu haben. Nahezu jeder zweite Haarschopf war grau. Soweit zum Publikum.

Die Sopranistin Emma Kirkby begeisterte u.a. mit der Arie "Gloria" von Händel. Das "London Baroque" begleitete sie und spielte auch reine Instrumentalstücke. Das Publikum forderte sie mit langanhaltendem Applaus zu zwei Zugaben.


Emma Kirkby (Sopran) und Steve Devine (Cembalo)


Ingrid Seifert, Richard Gwilt, Steve Devine (Cembalo), Emma Kirkby (Sopran) und Charles Medlam (Bassgambe)

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Kammerkonzert Aula 2008


Hille Perl und Lee Santana beim Kammerkonzert 2008

Hille Perl und Lee Santana verbreiteten nicht nur mit ihrer Musik sondern auch mit ihrer persönlichen Ausstrahlung eine angenehme Atmosphäre in der Aula am Wilhelmsplatz.

Lee Santana machte bei der Ansage der Stücke humorvolle Einschübe, Hille Perl applaudierte ungeniert auch ihrem Partner nach dessen Lautensolo.

 

Hille Perl, Viola da Gamba

Lee Santana, Laute, Zister und Theorbe

  • Gottfried Finger, Adagio,
  • Tobias Hume
  • Nicola Matteis Aria Amorosa
  • Christopher Simpson (1605-1669) Prelude and Divisions e-Moll aus The Division Viol
  • Händel , C' ol parir la bella Clori
  • John Dowland (1563-1626) Farwell Fantasie Dowlands adew for Master Oliver Cromwell Now oh now, I needs must part

 

 

Foto: Hille Perl vor dem Konzert beim Stimmen der Viola da Gamba

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haendel_open2b.JPG (23164 Byte)

Händelfestspiele 2002

Open-Air-Konzert

Wilhelmsplatz, Samstag 18.5.02

 

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