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goettinger stadtinfo Internationale Händelfestspiele Göttingen
11.5.08 / Beim Kammerkonzert in der Aula am 10.5. kam es zu einem Eklat. Angekündigt im Programm war ein Konzert für Viola da Gamba und Laute von Hille Perl und Lee Santana. Als es beginnen sollte trat stattdessen Unipräsident Figura ans Redepult und ohne eine weitere Begrüßung begann er eine Rede: "Hans-Ludwig Schreiber wird heute 75 Jahre alt" und das war erst der Anfang einer längeren Rede. Prof. Dr. Hans-Ludwig Schreiber ist Vorsitzender der Händelgesellschaft, war früher Unipräsident und ist heute noch Vorsitzender der der "Ständigen Kommission Organtransplantation" der Bundesaerztekammer. Prof. Figura war völlig fixiert darauf, Prof Schreiber zu ehren. Eine halbe Stunde lang vergaß er, auf welcher Veranstaltung er sprach: angekündigt war ein Konzert. Am Schluß seiner Rede meinter er respektlos gegenüber den Musikern "aber jetzt verlangt die Musik ihr Recht" ... so als sei das Konzert zweitrangig und man dachte nun ist Schluß. Aber nein ! Da betrat ein weiterer Redner das Podest und hub an, eine weitere Lobesrede zu halten. Damit war aber die Geduld des mißachteten Publikums überstrapaziert. Nach den ersten Sätzen fingen die Leute mitten in der Reda an zu klatschen. Der Redner kam nicht mehr zu Wort und wartete. Als das Klatschen aufhörte begann er aufs Neue. Wiederum folgte Klatschen und der Redner begann sich hilflos umzuschauen und meinte, er wäre doch gleich fertig. Rufe aus dem Publikum forderten ihn auf, seine Rede zu beenden und das Konzert beginnen zu lassen. Der Redner resignierte und meinte "Na gut, dann verschieben wir das auf den Empfang nachher". Da nimmt sich Unipräsident v. Figura also das Recht, eine Konzertveranstaltung unter Mißachtung des Publikums und respektlos gegenüber den Künstlern einfach umzufunktionalisieren für eine Geburtstagsfeier bei der das Konzert dann zur Rahmenveranstaltung degradiert wird. Er mißbraucht Konzertbesucher, die z.T. von weit her angereist waren als Beifallsspenderinnen für eine Veranstaltung für die die überwiegende Mehrzahl nicht gekommen war. Nach dem Eklat kamen die Konzertmusikerin Hille Perl und ihr Partner in den Saal und wurden mit tosendem Beifall empfangen. Händelfestspiele "der kleine Opernball Göttingens" und elitäre Veranstaltung? 11.5.08 / Gehört ein Bericht über die Händelfestspiele in ein Basismedium wie goest.de? Wie passt ein Bericht über eine Kulturveranstaltung mit Kartenpreisen von bis 150 Euro neben Berichte über monatliche ALG II - Bezüge von 347 Euro?
Aber
bei den Händelfestspielen sind darüberhinaus die meisten Karten schon
reserviert für jene, die Mitglied der Händelgesellschaft e.V. sind.
"Für Mitglieder der Göttinger Händel-Gesellschaft gibt es einen
speziellen Vorverkauf. Er liegt zeitlich vor dem allgemeinen Vorverkauf." Für
eine Mitgliedschaft wird ein jährlicher Beitrag von 60 Euro "empfohlen".
Und bei der schriftlichen Kartenbestellung öffentlichen Kartenverkauf heisst
es ebenfalls "Kartenbestellungen von Mitgliedern werden bevorzugt behandelt."
Erst danach werden allgemein Karten öffentlich verkauft. Überdies können
CDs mit den Aufnahmen der Konzerte auch nur von Mitgliedern erworben werden Wie auch immer: das Ergebnis ist ein Festival, das wie eine Veranstaltung für die "Oberschicht" wirkt, so etwas wie der "Opernball" in Frankfurt. Nun würde man es sich etwas zu einfach machen, wenn man einfach die Streichung der Gelder für die Händelfestspiele verlangt, um sie stattdessen besser im sozialen Bereich einzusetzen. Nein die Kunst, die Musik gehört allen! Das Problem ist die Beschränkung des Zuganges zu ihr. Dies wird jedoch garnicht als Problem diskutiert sondern als Selbstverständlichkeit gepflegt. Man trägt wieder elitäres Selbstverständnis. Dieses Klima gilt es mit Kritik anzukratzen. Da reicht auch nicht eine öffentliche kostenlose Aufführung auf dem Marktplatz.
Die Opern 12.5.08
/ Das Gefühl des exklusiven Kunstgenusses kommt wohl am ehesten beim Besuch
der jährlichen Oper zustande, für die die Karten sehr schnell ausverkauft
sind. In den letzten Jahren saß auch mal Donna Leon in der Loge und in den
Pausen merkt man es sind zahlreiche internationale Gäste anwesend, zumeist
Engländer/innen.
Solistenkonzert 12.5.08 / Am 12.5.08 beim Solistenkonzert in der Stadthalle ging es wesentlich legerer zu als bei der Oper. Die Frau einen Sitz weiter hatte die Schuhe ausgezogen, vorne in der ersten Reihe hatte sich ein Herr mit Strohhut niedergelassen. Die Sopranistin hatte das Glas mit Wasser auf dem Boden abgestellt. Die Frage "elitäre Veranstaltung" wich beim Besuch des Solistenkonzertes dem Eindruck, dass es vor allem eine Veranstaltung für ältere Leute sei - das Durchschnittsalter schien schätzungsweise bei 55 gelegen zu haben. Nahezu jeder zweite Haarschopf war grau. Soweit zum Publikum. Die Sopranistin Emma Kirkby begeisterte u.a. mit der Arie "Gloria" von Händel. Das "London Baroque" begleitete sie und spielte auch reine Instrumentalstücke. Das Publikum forderte sie mit langanhaltendem Applaus zu zwei Zugaben.
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Händelfestspiele 2002 Open-Air-Konzert Wilhelmsplatz, Samstag 18.5.02
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