goettinger stadtinfo
Texte und Bilder © Impressum
Brand der Johanniskirche
Brandstiftermotiv?
26.1.05 / Dem Vernehmen nach handelt es sich bei dem "Motiv" des verhafteten
19jährigen Berufsschülers möglicherweise um einen Racheakt, mit dem er den Frust wegen
einer Entlassung abgeladen hat. Er ist angeblich bei einer der Firmen als Azubi
beschäftigt gewesen, die bei den Arbeiten an der Kirche beteiligt sind und sei kürzlich
von seiner Firma mit der Entlassung konfrontiert worden.
Offiziell liegt zur Frage der Motive bislang lediglich der Polizeipressebericht vom
24.1.05 vor: "(...) hat der zuständige Haftrichter beim Amtsgericht Göttingen
soeben Haftbefehl gegen den mutmaßlichen 19 Jahre alten Haupttäter wegen Fluchtgefahr
erlassen. Der 19 Jahre alte Schüler und sein 15- jähriger Komplize hatten gestern Abend
gestanden, das Feuer im Nordturm der Kirche gelegt zu haben. Das Motiv der beiden Schüler
ist weiterhin unklar."
Zum Schaden: Die Orgel scheint wohl bis jetzt noch keinen
Schaden abbekommen zu haben, und es wird davon ausgegangen, dass schnell genug repariert
werden kann, so dass Mitte März wieder Konzerte stattfinden können.
Lösch- und Sicherungsmaßnahmen
23.1.05 - 1.20 Uhr, 1.15 Uhr und 1.18 Uhr sind im Gespräch, einmal ist von einer
Passantin, dann von einem Taxifahrer die Rede der als erstes die 112 anrief. Danach gab es
Großalarm für die Feuerwehren Stadtmitte, Grone und Geismar. Die Feuerwehren versuchten
vom zweiten Turm aus und mit Drehleitern (ma. 30 Meter Höhe) das Feuer einzudämmen, da
durch kräftigen Wind und Funkenflug auch andere Gebäude gefährdet schienen. Nach 30
Minuten war das Feuer bereits leicht reduziert aber bei weitem noch nicht gestoppt, das
dauerte noch weitere 5 Stunden.
 |
..... Allerdings fehlten für diesen
besonderen Einsatz danach die passenden Mittel. Es fehlte erstmal ein Kran mit dem man
eine Löschung in 72 Meter Höhe durchführen konnte, der wurde dann nach bundesweiter
Suche in Braunschweig aufgetrieben und nach Göttingen gebracht. Bild: Einsatz des Krans am 23.1.05 beim Versuch, die Kugel an der
Spitze zu bergen. |
Nach der Löschung wurde das Feuer einige Male durch den
starken Wind in der Höhe wieder angefacht und gleichzeitig bestand Gefahr für die
Umgebung durch drohendes Herabstürzen von Trümmern, vor allem der schweren Spitze, einer
Kugel aus Kupferblech mit wohl mehreren hunder Kilogramm Gewicht. Mit Hilfe eines zweiten
Krans wurden dann die Reste der Turmspitze entfernt. Zur Sicherung wurden die umliegenden
Straßen weiträumig abgesperrt und auch der Busverkehr umgeleitet. Für die
Sicherungsmaßnahmen war eine Hundertschaft Polizei aus Hannover mit hinzugezogen worden.
Schäden
Durch den Brand entstand ein Schaden von mehrer Millionen Euro.
 |
Es ist schon Ironie der Geschichte, dass vor
einiger Zeit provozierend über den Abriß der Türme nachgedacht wurde um damit für die
Finanzierung von Reparaturarbeiten zu mobilisieren. Nachdem nun 7,3 Millionen Euro für
die Renovierung der beiden Türme angefallen sind und die Arbeiten kurz vor dem Abschluß
standen bricht dieser Brand aus und macht fast alles wieder zunichte. |
Überregionale Medien berichteten mehrfach
fälschlicherweise übertrieben, der Turm sei am Einstürzen und werde abgetragen. So
hieß es z.B. in einer Zeitung "Das 72 Meter hohe Gebäude drohte
einzustürzen". Zwar wurden die Holztreppen im Inneren des Turms durch Feuer und
herabstürzende Trümmer beschädigt, weswegen auch der Zugang für die Feuerwehrleute
schwer möglich war, aber der Steinturm steht nach wie vor fest und lediglich die
Turmspitze muß komplett abgebaut werden. Das Löschwasser lief allerdings vom Turm ins
Kirchenschiff und setzte das Gebäude großflächig unter Wasser.
Es gab gottseidank keine Verletzten bei diesem Brand. Vorsorglich wurden 25 Anwohner
gebeten, ihre Wohnungen zu verlassen. Durch die Unmengen an Löschwasser kam es im
Kirchenschiff zu einem Wasserschaden. > Nahaufnahme der
Turmspitze

24.1.05, 1:30 Uhr Nachtarbeit am Turm unter
Scheinwerfer-Einsatz vom Nachbarturm aus.
Brandursache
Nach dem Brandausbruch, gab es nach Aussagen des Pfarrers Grote sofort den Verdacht der
Brandstiftung. In der Brandnacht seien Personen auf dem Baugerüst gesichtet worden. Am
24.1.05 meldete die Polizei, dass 2 Schüler (15 und 19 Jahre alt) die mutmaßlichen
Brandstifter sind. "Die beiden in Göttingen wohnenden Schüler legten gestern in den
späten Abendstunden vor Angehörigen des 1. Fachkommissariates Geständnisse ab. Über
das Motiv liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Der mutmaßliche 19-jährige
Haupttäter wird heute auf Antrag der Göttinger Staatsanwaltschaft dem hiesigen
Haftrichter vorgeführt. Der 15-Jährige wurde nach Abschluss der Vernehmung nach Hause
gebracht."
Türmerwohnung
Durch den Brand wurden auch die Reste eines Kuriosums zerstört, eine Wohnung in der
Turmspitze einer Kirche. Allerdings wurde sie wegen Sicherheitsmängeln seit längerem
nicht mehr bewohnt - was offensichtlich durchaus seine Berechtigung hatte. Früher wurde
von dieser Türmerwohnung aus (Ironie der Geschichte) darüber gewacht ob Brände in der
Stadt gesichtet werden um dann mit einem Horn Alarm zu blasen, später dann wohnten dort
Studenten und der Rundgang um die Wohnung diente als Aussichtsplattform für
BesucherInnen.
zum Anfang |