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für den Regenwald! Dazu erhielt goest folgende E-Mail (Danke
Claudia): Sicher habt Ihr euch
gewundert, daß ich nichts mehr von mir habe hören lassen. Das hatte einen triftigen
Grund: Ich habe kurzfristig beschlossen, mich aktiv für unsere Umwelt einzusetzen.
Vorgestern morgen habe ich einen Werbespot mit Günter Jauch gesehen dem zu entnehmen
war, daß die Krombacher Brauerei und Greenpeace ein beispielloses Projekt zur
Rettung des Urwaldes ins Leben gerufen haben: Für jeden getrunkenen Kasten Krombacher
Bier werden sie 1m² Urwald retten. In mir erwachte sofort der bisher tief
in meinem Innersten verborgene Naturfreund und Umweltschützer und so beschloss
ich, auch meinen Beitrag zur Rettung der Urwälder zu leisten. Während ich
so mit der Rettung des einen oder anderen Meters Regenwald beschäftigt war, kam
meine Frau nach Hause. Bei der anschließend geführten, hitzigen Debatte mit ihr
machte ich vermutlich die gleiche Erfahrung, wie Tausende andere Umweltschützer
vor mir auch: Ich stieß auf völliges Unverständnis. Der Urwald schien ihr völlig
egal, mein Engagement für die Natur und das Leben aller Menschen lehnte sie völlig
ab. Sie wollte nicht verstehen, daß man eine so große Aktion wie die Rettung der
Natur nicht aufschieben kann, ganz gleich, ob es erst Vormittag ist oder nicht.
Da sie in keinster Weise einsichtig war und man(n) bereit sein muss, für die Vollbringung
solcher Taten Opfer zu bringen, verließ ich das Haus ... Niedergeschlagen,
nein traurig, lief ich zunächst ziellos umher. Angst beschlich meine Gedanken.
Angst um die Wälder. Verzweiflung machte sich tief in meinem Inneren breit, denn
mit jeder verstrichenen Minute hätte ich wieder einige Quadratzentimeter unwiederbringlicher
Natur retten können. Die Angst schnürte meine Kehle zu, die Verzweiflung ließ
meinen Hals austrocknen. Wie groß war da meine Freude, als ich unerwartet auf
eine Versammlung gleichgesinnter Umweltaktivisten traf! Ich erkannte sie sofort,
denn als Zeichen ihrer Verbundenheit hielten sie alle eine Flasche Krombacher
in der Hand, die sie demonstrativ leerten. Schnell nahmen sie mich in ihre
Mitte auf und so erfuhr ich sehr bald, dass einige von ihnen sich bereits seit
Jahren mit der Rettung ganzer Kontinente beschäftigen, unbeachtet von der Öffentlichkeit,
genau hier, an diesem Kiosk! Ich bewunderte die Zeichen ihres teilweise jahrelangen
Kampfes: Die von den Entbehrungen ausgemergelten Körper, die zum Aufforsten
nötigen, prallen Bäuche, den Geruch nach Jahrtausende altem Urwaldboden, die mannigfaltigen
Insekten und ich übersah auch nicht, daß sich einige beim Kampf um die Natur wohl
die Zähne ausgebissen hatten. Nachdem wir zusammen eine ungefähr tennisplatzgroße
Menge natürlichem Urwaldes gerettet hatten, stellte ich fest, daß der Schutz und
die Rettung der Umwelt ihren Tribut zollten. Durch das lange stehen schmerzten
meine Füße, die Waden krampften, selbst die Zunge war durch die langen Debatten
in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt: Ich hatte immer größere Mühen beim Aussprechen
der großen Buchstaben eines Satzes oder Wortes. Aus diesem Grund beschloss ich
die Versammlung zu verlassen und machte mich auf die Suche nach weiteren Mitstreitern.
In einer Gaststätte ganz in der Nähe wurde ich dann auch sofort wieder fündig:
Gut ein halbes Dutzend Umweltler hatte sich dort eingefunden und arbeitete hier
im Verborgenen an der Rettung der natürlichen Ressourcen. Schnell war ich aufgenommen.
Ich war gerührt als der Wirt meine Hand nahm und mir sagte: "Junge, rette
den Urwald, wir zählen auf Dich", und orderte die 4te Lokalrunde um unsere
Aktion voranzutreiben. Da die anderen Gäste darauf bestanden, neben dem Urwald
auch zusätzlich Gebiete wie die Sahara, die Wüste Gobi und den Rheingau wieder
aufzuforsten und somit auch den Aufbau des heimischen Waldbestandes zu unterstützen,
blieb mit nichts anderes übrig, als zu der Runde noch Jägermeister zu ordern.
Ganz schwindlig war mir vor Stolz und Glück, als ich viel später die Kneipe verließ.
Plötzlich sah ich die Welt mit anderen Augen! Leicht verschwommen zwar, aber dafür
sah, nein fühlte ich, daß sich unsere gute Mutter Erde drehte. Nicht gleichmäßig
und in eine Richtung, nein, es waren eher ruckartige Bewegungen in abwechselnde
Richtungen. Welcheine Erfahrung! Vor Glück taumelnd lief ich zu meinem Auto und
beschloss, einen Demonstrationszug durch die Kneipen der Innenstadt durchzuführen,
um die vielen, anderen Menschen auf die Probleme aufmerksam zu machen. So fuhr
ich in Richtung Stadt und war gerade einem Ozonloch ausgewichen als ich am Straßenrand
einen Streifenwagen entdeckte. Auf der Fahrbahn standen mehrere Polizisten und
schauten in meine Richtung. Sie mussten von meinem Vorhaben erfahren haben, denn
sie hielten gezielt mein Fahrzeug an. Von Vorkontrollen bei Demonstrationen
hatte ich ja bereits gehört, war aber dennoch verwundert, wie schnell sich das
rumgesprochen hatte. Nachdem ich angehalten und aus meinem Wagen gestiegen
war, entschloss ich mich zu einer spontanen Sitzblockade auf der Straße. Wenn
ich im nach hinein darüber nachdenke, war es keine rationell erklärbare Aktion,
eher ein Zwang meines Unterbewusstseins. Ich saß und mein Körper weigerte sich,
wieder aufzustehen. Mir widerfuhr das gleiche Schicksal wie Sitzblockierern in
Brokdorf oder entlang der Castor -Strecke: Ich wurde durch die Polizisten weggetragen.
Auch sie wollten den ernst der Lage nicht verstehen, obwohl ich sie immer wieder
darüber aufklärte. Später, auf dem Revier erschien dann endlich ein Vernünftiger
Mensch. Er hörte sich mein Problem in aller Ruhe und sichtbar interessiert an
und erklärte mir dann, daß er die Anzahl der von mir geretteten Bäume feststellen
wolle. Ich hätte den Schutz der Umwelt quasi im Blut und er bräuchte aus diesem
Grund etwas davon. Ich war glücklich, diesen verständnisvollen Menschen getroffen
zuhaben. Mein Engagement würde amtlich festgehalten und der Nachwelt erhalten!
Dafür gab ich ihm gerne mein Blut. Wenig später befand ich mich zu Fuß auf
dem Weg nach Hause. Meinen Wagen hatten die netten Beamten behalten, damit er
durch seine Abgase nicht alle meine Bemühungen wieder zerstört, wie sie mir erklärten.
Auch haben sie mir fest versprochen, nach dem Recyclingverfahren aus meinem Führerschein
ein Flugblatt zur Unterstützung der Rettungsaktion zu machen. Froh und mit
der Gewissheit, etwas großartiges getan zu haben ging ich dann nach Hause. Unterwegs
rettete ich an der Tankstelle noch ein paar Pflänzchen und erinnerte mich an eine
alte Weissagung der Indianer: Erst,
wenn die letzte Ölplattform versenkt, die letzte Tankstelle geschlossen,
das letzte Auto stillgelegt, die letzte Autobahn begrünt ist, werdet
Ihr feststellen, daß Greenpeace nachts kein Bier verkauft. In
diesem Sinne wünsche ich einen frohen Tag. Ich geh jetzt nochmal' n bisschen Urwald
retten. |