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Lou Andreas-Salomé

Lou Andreas Salomé wohnte 1903 bis zu ihrem Tod 1937 in Göttingen weil ihr "Ehemann" (die Ehe war nur eine formale) an der Uni arbeitete. Ein Biografie von ihr liest sich als eine Aneinanderreihung von Heiratsanträge. Sie war viel auf Reisen und hatte gar nicht die Absicht zu heiraten. Sie scherte sich wenig um die derzeit üblichen Verhaltensweisen, lebte unverheiratet mit ihrem Geliebten zusammen, heiratete später den orientalist Andreas nur weil er einen Selbstmordversuch wegen ihrer Ablehnung machte aber verweigerte ihm jeden Beischlaf, stattdessen ging sie andere Beziehungen ein, verreiste alleine mit Rilke usw. . Nietzsche wollte auch was von ihr, aber mit ihm mochte sie nur durchaus mal 10 Stunden am Stück reden. Nach der Begegnung mit Simund Freud studierte sie Psychoanalyse und hatte später eine psychoanalytische Praxis in Göttingen. Sie hat ein für die damalige Zeit beeindruckendes selbstbewußtes Leben als intellektuelle Frau gelebt. 1937 starb sie, ihr Grab befindet sich auf dem alten Göttinger Friedhof.

salome_grab4.JPG (25279 Byte)salome5.jpg (5713 Byte)Geboren am 12.2.1861 in St. Petersburg

Gestorben am 5.2.1937 in Göttingen

Der Grabstein auf dem gemeinsamen Grab des Ehepaares trug lange Zeit nur den Namen des Mannes, erst später wurde der Name "Lou" hinzugefügt. Das Grab befindet sich auf dem alten Friedhof Göttingens in der Kasseler Landstrasse auf dem Grabfeld 68 (oder da in der Nähe)

Zumeist verweist man auf die Männer mit denen sie befreundet war, um ihrem Namen Gewicht zu verleihen: vor allem Nietzsche, Rainer-Maria Rilke und Sigmund Freud - obgleich eine wesentlich längere Liste beeindruckender Namen angeführt werden könnte (u.a. mit   Gerhart Hauptmann, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Alfred Adler usw.) aber dies wäre eine weitere Mißachtung ihrer Person, sie nur über Männer zu definieren. Vielmehr wäre darzustellen, dass sie einen entscheidenden intellektuellen Einfluß auf diese hatte. Irgendwo im Netz findet sich das Zitat "Weniger bekannt sind ihre umfangreichen schriftstellerischen Arbeiten und ihr Einfluß auf die Psychoanalyse und Psychotherapie. Aufgrund ihres Intellekts und ihrer eigenen Tätigkeit als Therapeutin hat sie außergewöhnlichen Einfluss auf wichtige Vertreter diese Fachrichtung wie Freud und Adler ausgeübt, der bis heute nicht aufgearbeitet ist. So lieferte sie wichtige Beiträge um die zentralen Themen Religion, Psychologie und Geschlechterbeziehung."
Mit 16 Jahren trat sie aus der Kirche aus und lebte zu einer Zeit vor 1900 unverheiratet mit einem Mann (dem Philosophen Paul Ree) in einer Wohngemeinschaft in Berlin zusammen. Später nachdem sie 1887 den Orientalisten Prof. Friedrich Andreas geheiratet hatte unternahm sie ausgedehnte Reisen alleine oder mit anderen Männern, vor allem ihrem Geliebten Rilke.  Lou repräsentierte mit ihrer radikalen Unkonventionalität mehr als andere die "Lebensreformbewegung in Deutschland um 1900". Eine Frau, die von so bedeutenden Personen in ihrer intellektuellen Leistung ernst genommen wurde, fiel wie andere wichtige Frauen in Göttingen jedoch in Vergessenheit - wo doch jedes Hanses und Franzes mit einer Marmorplatte an irgendeinem Haus gedacht wird. Erst spät wurde Lou durch die Initiatve von Ausläufern der Frauenbewegung und die Herausgabe verschiedener Schriften bekannt.

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Standort des früheren Wohnhauses von Lou Andreas Salomé (1972 abgerissen)
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Gedenktafel neben der Tiefgarage mit einem Text, der geradezu ironisch wirkt, weil die Tafel neben einem Betonbunker, einer Tiefgarage plaziert ist und völlig von einem Baum überdacht ist.
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Links: Lou Andreas Salomé Weg parallel zur Herzberger Landstraße unterhalb vom Rohns.

Der Lou-Andreas-Salomé-Weg ist ein von der Herzberger Landstraße abzweigender Fußweg, der am Grundstück des ehemaligen Wohnhauses von Lou endet, wo sie 1903 bis zu ihrem Tod zuhause war.  Es wurde 1972 abgerissen und jetzt steht dort ein moderner Betonbunker (Haus Nr. 10 - Bild rechts). Die Namenstafeln rechts neben dem Eingang sind vom Efeu zugewachsen. Damals stand das Wohnhaus praktisch völlig außerhalb Göttingens auf dem Lande mit dem weiten Blick vom Rohns über das Leinetal und Lou schrieb "Hier wurde mein Mann Professor und ich Bäuerin" nunja Bäuerin war sie nicht aber sie lebte dort in der Natur.

 

Ringvorlesung "Lou Andreas Salomé: Briefe aus Göttingen"

Juli 2003 / Zum Vortrag von Heidi Gidion über Lou Andreas Salomé kamen ca. 300 BesucherInnen (darunter ca. 10 Männer, u.a. der goest Redakteur, der auch prompt gefragt wurde, wie er sich denn so fühle als Mann unter so vielen Frauen - Antwort: "So ungefähr wie einzelne emanzipierte Frauen damals unter vielen Männern". )

Bilder vom Vortrag "1050 Jahre Göttinger Stadtgeschichte-Öffentl. Ringvorlesung Lou Andreas Salomé: Briefe aus Göttingen".

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Aula-Ansicht, und Redepult

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Dr. phil. Heidi Gidion, Literaturwissenschaftlerin, Kollegiumsmitglied Ev. Akademie Hofgeismar und freie Autorin  (lebt in Göttingen), während ihres exzellenten Vortrages mit gelegentlich feinsinniger Verschmitztheit und bei der Entgegennahme des Applauses zum Schluß (rechts) .

Hinweis auf Werke von Lou Andreas-Salomé
Friedrich Nietzsche in seinen Werken (1894), R.M. Rilke (1928), Russland mit Rainer. Tagebuch der Reise mit Rainer Maria Rilke im Jahre 1900. (Hrsg. von Stéphane Michaud, Marbach 1999), Lebensrückblick (Aus dem Nachlaß, Pfeiffer (Hrsg). FFm 1974), "Im Kampf um Gott" (1883), "Henrik Ibsens Frauen-Gestalten" (1892), "Aus fremder Seele" (1896), ferner "Fenitschka", "Eine Ausschweifung", "Im Zwischenland" und "Tagebuch einer Rußlandreise" (alle vier um 1900), "Rodinka" (1903; 1923 veröffentlicht), "Die Stunde ohne Gott" und "Die Erotik" (beide 1909/1910; 1921 veröffentlicht), "Briefe an einen Knaben" (1917), "Narzißmund als Doppelrichtung" (1922). Posthum erschienen ihr Lebensrückblick "Mein Dank an Freud" (1931; 1951 veröffentlicht), ihre Briefwechsel mit Rilke (1952) und Freud (1966) sowie ihre Tagebücher "In der Schule bei Freud" (1958)