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Nansen 1 / Fridtjof Nansen Haus /

Das Hauptgebäude, das unter Denkmalschutz steht. Darin befindet sich ein Kinosaal und eine Sporthalle sowie ein großes Foyer. Dieses Fidtjof Nansen Haus "mit seinen Marmortreppen, seinen verzierten Säulen und Delfter Kacheln" sollte für alle Bürger*innen erhalten bleiben indem eine Nutzung für kulturelle, soziale und bildungspolitische Zwecke entwickelt wird.

Fridtjof Nansen Flüchtlingshelfer
Nansen, der Namensgeber des Hauses hat nach dem Ersten Weltkrieg Hilfsaktionen für Flüchtlinge organisiert. "Schließlich erfand und implementierte er nach Kriegsende noch den „Nansen-Pass“, der Hundertausenden Flüchtlingen quer durch Europa wieder ein Mindestmaß an Legalität brachte." (**) 1922 wurde er dafür mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Heute am 7.5.18 wurden Flüchtlingshelfer, die in dem leerstehenden Haus, das seinen Namen trägt eine würdige Unterkunft für Flüchtlinge forderten, von Polizei aus dem Haus vertrieben und bekamen Strafanzeigen.

(Quelle **
Wilhelm Meissel, Held ohne Gewalt - Eine Fridtjof Nansen-Biografie", Bibliothek der Provinz, ISBN 978-3-85252-896-0

 

Konflikt um Verscherbelung städtischen Wohneigentums:
Hausbesetzer*innen vor leerstehendem Haus mit Polizeisperren

15. Juni 2018 Mit einer Demonstration und einem Festakt hat die Initiative Our House Nansen 1 am Donnerstag die symbolische Eröffnung des Göttinger Fridtjof-Nansen-Hauses als sozialer Wohnraum gefeiert. Das bislang in städtischem Besitz befindliche Gebäude soll nach dem Willen der Stadtverwaltung an einen privaten Investor verkauft werden. Mit der Aktion protestierte die Initiative, die einen Teil des Grundstücks Ende Mai für eine Woche besetzt hatte, gegen diese Privatisierung öffentlichen Eigentums. Die Aktivist*innen fordern, dass in dem Gebäude sozialer Wohnraum geschaffen und im Gegenzug eine Geflüchtetenunterkunft, die für ihre katastrophalen Lebensbedingungen bekannt ist, geschlossen wird.


(Firmenlogo der Umzugskiste durch Aufschrift ersetzt)


Umzug in das leerstehende städtische Gebäude stößt auf Polizeisperre


Imitation einer städtischen Informationstafel

 

Mit einem Umzugswagen voll mit Möbeln zogen die Aktivist*innen vom Neuen Rathaus bis zur Nansenstraße. Vor dem von einem erheblichen Polizeiaufgebot abgesperrten Gebäude montierten sie ein großes Schild, auf dem die Eröffnung als „sozialer Wohnraum und Soziales Zentrum für das Ostviertel“ verkündet wurde. In einem Redebeitrag der Initiative Our House Nansen 1 wurde die miserable Wohnungs- und Geflüchtetenpolitik der Stadt scharf kritisiert. Als Gegenentwurf zeichnete die Initiative ein Vision davon, wie die Zukunft in Göttingen aussehen könnte, wenn es endlich zu einem grundlegenden Politikwandel käme: „Eine Zukunft, in der öffentliches Eigentum dauerhaft öffentliches Eigentum bleibt. Eine Zukunft, in der die Wohnraumversorgung Schritt für Schritt dem Markt entzogen wird. Eine Zukunft, in der die Stadt selbst sozialen Wohnraum schafft. Eine Zukunft, in der unbezahlbare Mieten niemandem mehr schlaflose Nächte bereiten. Und schließlich eine Zukunft, in der Geflüchtete nicht isoliert am Stadtrand, sondern in menschenunwürdigen Wohnungen mitten unter uns leben.“ Für einen solchen Politikwandel will sich die Initiative weiterhin einsetzen. Dabei bleibt sie auch hinsichtlich des Grundstücks im Nansenweg hartnäckig: „Selbst wenn der Stadtrat am Freitag für einen Verkauf votieren sollte, ist der Konflikt um den Gebäudekomplex damit nicht beendet. Wir raten potentiellen Investoren von einem Erwerb dringend ab. Wer das Fridtjof-Nansen-Haus kauft, kauft uns mit. Wir sind ein ziemlich unkalkulierbares Investitionsrisiko“, so die Aktivist*innen. Ihre Aktivitäten wollen sie allerdings nicht auf den umstrittenen Gebäudekomplex beschränken: „Wir kämpfen hier um ein konkretes Objekt, aber das ist nur ein Teil einer deutlich weitreichenderen Auseinandersetzung. Die Stadt muss endlich anfangen, kommunale Wohnungsbestände in ausreichendem Umfang aufzubauen. Das wäre eine wirklich soziale Politik. Stattdessen feiert sich die Stadtverwaltung für ein 'Bündnis für bezahlbares Wohnen', dessen Zweck aber offensichtlich im Wesentlichen darin besteht, der privaten Immobilienwirtschaft weitere Steuergelder zuzuschieben.“

11. Juni 2018 / Text der Initiative Our House Nansen 1
Aus Sicht der Initiative Our House Nansen 1 geht es bei der Konfrontation nicht einfach nur um ein einzelnes Gebäude, sondern um einen grundsätzlichen Wandel in der Göttinger Wohnungs- und Geflüchetenpolitik:  „Wir fordern die Abkehr von einer Politik, die in der Frage der Wohnraumversorgung auf Privatisierungen und Marktsteuerung setzt und damit vielen Göttinger*innen miserable Wohn- und Lebensbedingungen beschert. Die Versorgung mit sozialem Wohnraum ist eine kommunale Kernaufgabe, die auch von der Göttinger Stadtverwaltung ernst genommen werden muss. Die Stadt muss endlich damit beginnen, selbst ausreichende Wohnungsbestände im kommunalen Besitz aufzubauen, statt öffentliche Infrastruktur durch Privatisierungen zu zerschlagen. Dass Geflüchete immer noch in einer ehemaligen Lagerhalle hausen müssen, ist ein Skandal, der sich nicht mit Sachzwängen begründen lässt, sondern das Ergebnis einer verfehlten Politik ist.“  Die geplante Aktion der Aktivist*innen gewinnt dadurch an Brisanz, dass der Rat der Stadt Göttingen am 15. Juni abschließend über die Zukunft des Geländes am Fridtjof-Nansen-Weg entscheiden soll. Der Bauausschuss hatte in der letzten Woche mehrheitlich für einen Verkauf an den finanzstarken Hogrefe-Verlag gestimmt, der seine Geschäftstätigkeit ausweiten will. Geplant ist dabei, den Gebäudekomplex zu einem Preis zu verscherbeln, der 1,5 Millionen unter dem zuvor von der Stadt ausgeschriebenen Mindestbetrag liegt.

Offener Brief von zwei Firmen zum Fridtjof Nansen Haus
JUWE Werkstatt für ökologisches Bauen & Wohnen Kilperarchitektur (planung - baubiologie - messtechnik - gutachten)

Eine kurze Anmerkung zu uns:
Wir, Jupp Wessling und Bernhard Kilper, sind beide seit Jahrzehnten im Bau- und Planungsgeschehen mit dem Schwerpunkt Altbausanierung tätig.
Jupp Wessling ist Tischlermeister mit eigener Bautischlerei und ebenfalls viel Erfahrung in der Projektbetreuung und Bauleitung von Sanierungsvorhaben. Bernhard Kilper ist Architekt, Sachverständiger und Baubiologe mit eigenem Architekturbüro und Arbeitsschwerpunkt in der Sanierung von Bestandsgebäuden und Denkmälern.

Stellungnahme zum Verkauf des Fridtjof-Nansen-Hauses (ehemaliges Goetheinstitut)
Aufgrund der besonderen Lage an der Schillerwiese, der überragenden denkmalgeschichtlichen Bedeutung und Größe des Denkmals,  in Verbindung mit der als Park zu bezeichnenden Außenanlagen und den Möglichkeiten der Nutzung des Gesamtkomplexes verbietet es sich aus unserer Sicht, das Gebäude an private Investoren zu verkaufen.

Begründung:

  1. Das bisher größtenteils als Studentenwohnheim genutzte Nebengebäude mit einer Gesamtnutzfläche von ca. 1550 m² lässt sich aus unserer Sicht mit überschaubaren Investitionskosten von etwa 1,7 Mil. € zu günstigen Mietwohnungen und Unterkünften für Studenten, Schüler, Auszubildende und Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen umbauen. Hier ist der Bedarf in der Stadt riesig!                       Die Haustechnik, Heizung und Abwassersysteme müssen saniert werden, eine energetische Sanierung ist in Teilbereichen notwendig. Diese Maßnahmen lassen sich im Low Budget für ca. 1.000,00 €/m² realisieren. Legt man noch 1 Mill € als fiktiven Kaufpreis für diesen Teil zugrunde, würden das Kosten von 2,7 Mill € bedeuten. Bei Zinsen und Tilgung von jährlich 4% kommen wir in unserer Berechnung auf einen Mietpreis von ca. 6,00 €/m²/Monat. Günstigeren Wohnraum kann man z.Zt. kaum schaffen!
  2. Das unter Denkmalschutz stehende Hauptgebäude bietet aus unserer Sicht viele spannende Möglichkeiten für die Stadt. Durch leichte Einbauten, die sich klar zur historischen Konstruktion abgrenzen, lassen sich Räume für vielfältige Zwecke schaffen. Hier lassen sich Moderne und denkmalgeschützter Gebäudebestand für zukünftige Nutzungen auch innen erlebbar machen. Gerade wird ja die Diskussion um das Stadtarchiv geführt, hier bietet sich die Möglichkeit es sinnvoll unterzubringen, kombiniert mit z. B. Veranstaltungs-­ oder Seminarräumen. Wir haben einige Ideen dazu, und  sicher gibt es auch noch andere Menschen mit Ideen. Ein Ideenwettbewerb könnte eine Überlegung sein. Man sollte auf keinen Fall die Entscheidung „übers Knie brechen“ und mit dem Verkauf endgültige Tatsachen schaffen. Auch in Räume, die für das Archiv angemietet werden müssen, wird man in den Umbau investieren, warum dann nicht in die eigenen, auch wenn das im ersten Moment teurer erscheint, aber langfristig sicher viel günstiger ist.
  3. Dann gibt es noch ein großes Freigelände. Ein Teil dieses Geländes lässt sich sicher für eine Neubebauung nutzen, ohne dass das gesamte Ambiente zerstört wird. Auch hier ist Fantasie gefragt und nicht schnelle Entscheidungen nach alten Mustern – die öffentliche Hand verkauft ihr Tafelsilber.
  4. Und es gibt für uns noch einen ganz wichtigen Aspekt: Z.Zt werden die Probleme in den Städten durch eine Gettoisierung über bezahlbaren oder nichtbezahlbaren Wohnraum immer größer, die Diskussion, wie diese Entwicklung gestoppt werden kann, wird immer breiter, da es zu riesigen Problemen in den Städten führen wird.

Der Standort des ehemaligen Goetheinstituts bietet aus unserer Sicht eine für Göttingen herausragende Möglichkeit, dieser Entwicklung ein positives Beispiel entgegen zu setzen. In einem sehr hochpreisigen Wohngebiet sehr günstigen Wohnraum zu schaffen, auf einem Gesamtareal mit öffentlichen Einrichtungen und Neubauten im mittleren Preissegment, befördert die Wohndurchmischung verschiedener sozialer Schichten. Dieses bietet die Chance zu mehr Verständnis und gegenseitigem Respekt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten:
Das Fridtjof-Nansen-Hauses ist aus unserer Sicht ein Komplex von herausragender kommunaler Bedeutung sowohl städtebaulich, gebäudehistorisch als auch sozial. Es bietet vielfältige Möglichkeiten für die Stadtentwicklung. Daher sollte dieses Haus auf jeden Fall in Besitz und Nutzung der Stadt bleiben, um kurz- und mittelfristig die Chancen, die es für die Öffentlichkeit bietet, nutzen zu können.
Da wir die derzeitige Lage des Neubaumarktes kennen, führt eine geschätzte Einnahme zwischen 4 und 5 Mio. € beim Verkauf des Fridtjof-Nansen-Hauses eben auch nur zu max. 2000m² neu errichteter Wohnungen. Das Fridtjof-Nansen-Haus weist davon bereits 1.550 m² im Anbau auf!

 

Das Wohnheim im Nebengebäude

Polizei macht den Weg für eine Privatisierung städtischen Wohneigentums frei: Nansen 1 wurde geräumt.

Montag den 7.5.18 : Kurz bevor das Goetheinstitut das von ihr gemietete Fridtjof-Nansen-Haus an die Stadt zurückgibt hat die Leitung des Goethe-Instituts Strafanzeige gegen die Hausbesetzung gestellt. Dies hat dazu geführt, dass am Montag morgen das Wohnheim von einer Hundertschaft der Polizei geräumt wurde. Die Stadt will das leerstehende Gebäude an einen Investor verkaufen und verhandelt mit einem nach unten offenen Preislimit.

Kommentar / G. Schäfer
Goethe-Institut erledigt das Grobe für die Stadtverwaltung

Damit hat das Goethe-Institut der Stadtverwaltung und dem Oberbürgermeister die schwer vermittelbare Entscheidung abgenommen, Polizei einzusetzen, das leerstehende Haus von Besetzer*innen räumen zu lassen um anschließend diesen städtischen Wohnraum zu privatisieren mit der Begründung man wolle mit dem Verkauf bezahlbaren Wohnraum schaffen. Das Goethe-Institut hätte auch einfach nichts tun müssen, da es nur noch 3 Wochen dauert, bis die Stadt Göttingen wieder für das Gebäude verantwortlich ist. Aber es ist nicht auszuschließen, dass finanzielle Forderungen seitens der Stadt wegen einer nicht vertragskonformen Übergabe das Goethe-Institut zu diesem Schritt veranlasst haben. Leicht verbrämt wird diese deutlich wenn es in der Presseerklärung der Stadt heisst, man habe das Goethe-Institut bei diesem Schritt unterstützt. Die letztliche Verantwortung der Stadt für diesen Schritt wird durch das Goetheinstitut nur dürftig verschleiert.

 

30.4. - 7.5.18 "Our House Nansen 1"

Bei der Besetzung geht es um das Wohnheim in einem Seitentrakt, er nicht denkmalsgeschützt ist.


Das Wohnheim im Fridtjof-Nansen-Weg 1 / am 30.4.18


Links ein Grundriß, der die Vielzahl der Zimmer allein im 1. Stockwerk zeigt.


Die Behauptung, das Wohnheim sei ein Sanierungsfall, ist angesichts der intakten Wohnräume nicht nachvollziehbar.

Am 30.4. besuchte OB Köhler das Haus und versprach den Anwesenden einen Gesprächstermin am Mittwoch in Grone zum Thema Siekhöhe. Dann wolle er den Flüchtlingen, die in der Siekhöhe untergebracht sind ein Gespräch anbieten, auf einen Zwischenruf hin "ja auch mit Dolmetschern"

Bis Freitag war von einem solchen Treffen nichts bekannt geworden.

Es war beeindruckend zu sehen, wie einige Menschen, die in der Siekhöhe zubringen müssen, trotz geringer Kenntnisse deutscher Sprache, dem Oberbürgermeister selbstbewußt die Probleme beim Wohnen in der Siekhöhe deutlich machten. Berührend ein ca. 10jähriger Junge, der mit seiner Familie schon ein ganzes Jahr in der Siekhöhe verweilen muß: er schilderte die Probleme mit dem Lärm wo man keine Ruhe findet und dem Essen dort . Sie können nicht das kochen, was sie essen möchten, sondern müssen die Küche des Deutschen Roten Kreuzes gezwungenermaßen akzeptieren. Einwurf bei der Diskussion: Warum gibt man den Leuten nicht das Geld mit dem das Essen gekauft werden kann, damit sie sich selbst was kochen können?

Stadtverwaltung ohne vernünftige Argumente

Die Besetzung kann mit formalem bürgerlichem Recht verurteilt werden aber sie ist moralisch, ethisch den Argumenten der Stadtverwaltung weit überlegen

OB Köhler findet die Lagerhalle Siekhöhe menschenwürdig (bzw. "nicht menschenunwürdig")

Wir finden seine Meinung merkwürdig - es gibt Leute, die schon 1 Jahr in der fensterlosen Halle hausen müssen.

> siehe Sonderseite mit den Schilderungen zur Siekhöhe

Die Stadtverwaltung will das gesamte Areal verkaufen und mit dem Erlös das städtische "Investitionsprogramm" finanzieren.

Das Investitionsprogramm umfasst hauptsächlich die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Das soll also erreicht werden indem städtischer Wohnraum privatisiert und danach unbezahlbar wird?

Das letzte Angebot liegt bei 3,7 Mio für ein 6000 qm Grundstück in der teuersten Wohnlage des Ostviertels!
Das läuft alles auf ein Schnäppchen für einen privaten Investor raus. Der Grundstückswert dürfte schon um die 2 Mio. Euro betragen.

Sparsame Haushaltsführung der Stadt

Es gibt keinen Sparhaushalt mehr, der die Vorgabe enthielt, dass zum städtische Immobilien zwecks Haushaltsausgleich zu verkaufen sind.

Für das Kunstquartier sind schnell Millionen bereitgestellt worden, obwohl die zukünftigen Kosten für den Kunstbunker bis heute niemand auch nur annähernd beziffern kann

Das historische Haupthaus und das Wohnheim im Nebengebäude sind baulich verbunden und können deshalb nur gemeinsam verkauft werden. Um der Phantasie auf die Sprünge zu helfen: eine bauliche Verbindung kann auch baulich aufgelöst werden und dann sind das zwei getrennte Bereiche
Die Stadtverwaltung behauptet, die "Nebenkosten" für den Betrieb des Wohnheims wären zu hoch.

Die überschaubaren Renovierungs- und Sanierungskosten für das weitgehend intakte Studentenwohnheim würden sich selbst bei kostengünstiger Vermietung (max. Sozialmiete, 5,60 €/qm) bald amortisieren. die Stadt käme auf 8.000 bis 10.000 Euro monatliche Mieteinnahmen (bzw. deutliche Einsparungen bei der Anmietung für geflohene Menschen). Und die "Nebenkosten" des Flüchtlingslagers "Siekhöhe" fallen bei dessen Auflösung weg

Das Wohnheim sei ein Sanierungsfall Das ist eine willkürliche Behauptung, durch nichts belegt. Eine Besichtigung ergibt ein völlig anderes Bild

 

Grüne behaupten, die Ziele der Besetzung zu unterstützen und fordern gleichzeitig den Verkauf des Hauses

Die Presseinformation der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Rat der Stadt Göttingen Göttingen, 3. Mai 2018 behauptet plakativ in der Überschrift, die Besetzer*innenziele zu unterstützen um im Text dann ungefähr das Gegenteil festzustellen. Der Text deutet an, man unterstütze das Ziel der Besetzer*innen die Siekhöhe aufzulösen, aber nicht sofort und nicht durch den Umzug in das leerstehende Wohnheim, das aber genau zu diesem Zweck besetzt wurde.

Kommentar: Die Ratsfrau Regina Meyer ist Vorsitzende im Jugendhilfeausschuss und sollte eigentlich in dieser Eigenschaft keinen Tag länger akzeptieren, dass Kinder weiter in einer fensterlosen Lagerhalle untergebracht werden. Dies wäre aber möglich wenn sie in das leerstehende Wohnheim umziehen könnten. Stattdessen verweist sie auf Planungen für die Zukunft irgendwann.

Ziele der Grünen
(Pressemitteilung der Ratsfrau Regina Meyer und des Ratsherrn Harms der Grünen)

1.) „Am Verkauf des Gebäudeensembles des Fridtjof-Nansen-Hauses hält die GRÜNE Fraktion fest.“

2.) die Siekhöhe nicht sofort zu schließen

Irreführung "Unterstützung"
in der Überschrift ihrer Pressemitteilung heisst es irreführend: „Die GRÜNE Fraktion stellt sich hinter die Ziele der Besetzer*innen des Fridtjof-Nansen-Hauses“

Ziele der Hausbesetzer*innen

1) den Verkauf städtischen Wohnraums zu verhindern


Ziele der Besetzer*innen

2.) die Siekhöhe SOFORT zu schließen und den Umzug der Menschen ins leerstehende Wohnheim zu ermöglichen.


Ziele der Hausbesetzer*innen

In der Pressemitteilung der Grünen Meyer und Harms vom 3.5.18 finden sich auch folgende "Argumente" Anmerkungen zu diesen "Argumenten"

„Regina Meyer, für die GRÜNEN im Sozialausschuss: "Wir brauchen das mit dem Verkauf zu erzielende Geld für nötige Investitionen. Nur so gelingt es uns, dringend benötigte Investitionen bspw. in Schulen, Kindertagesstätten und in bezahlbares Wohnen stemmen zu können. Wir sagen ganz deutlich: wir verkaufen eine für unsere Zwecke ungeeignete Immobilie, um an anderer Stelle bauen zu können."

Wieso ist das intakte Wohnheim zum Wohnen ungeeignet? Und es ist von eigenartigem Widersinn zu behaupten, ein intaktes Wohnhaus müsse erst verkauft werden um dann geeigneten Wohnraum bauen zu können. Und die Flüchtlinge in der Siekhöhe sollen solange warten bis neue Häuser gebaut worden sind?
Bemerkenswert, wenn die der Ausbau von Kitas und Schulen ausgespielt wird gegen die Forderung, das Flüchtlingslager Siekhöhe SOFORT aufzulösen!

Die Grüne Ratsfraktion schreibt: „Der Anbau ist fest mit dem historischen Gebäude verbunden und funktional nicht voneinander zu trennen. Auch, da es dann unverkäuflich ist.“

Die Stadt sollte auch auf die Privatisierung des historischen Gebäudes verzichten und es sozialen/kulturellen Zwecken zuführen. Dann ist eine Trennung nicht nötig.

Darüberhinaus: Was heisst fest verbunden und nicht voneinander zu trennen? Die baulichen Möglichkeiten einer Gebäudetrennung ist lediglich eine Kostenfrage
.

Nun legt der Stadtverband der Grünen am 4.5.18 auf gleiche Weise nach:

Stadtverband Grüne "Argumente" Anmerkungen zu diesen "Argumenten"

Der Stadtverbandsvorstand meint "Eine sofortige Schließung ist allerdings aufgrund der hohen Zuweisungszahlen ebenfalls unrealistisch. (...) Das Gebäudeensemble ist zu einem großen Teil denkmalgeschützt, baulich erst nach erheblichen und teuren Umbauten und nur zu einem geringen Teil zum Wohnen geeignet. Erfolgt nur ein Teilverkauf, sind erhebliche finanzielle Einbußen für die Stadt zu erwarten, die sich nicht zuletzt auf soziale Bauvorhaben negativ auswirken."

"Denkbar als mögliche schnelle Alternative zur Siekhöhe sind grundsätzlich sowohl ein Neubau als auch die Umnutzung bestehender Gebäude."

Grundsätzlich ja, aber .... und nicht jetzt sofort und nicht ins Nansenhaus

Am 5. April 2018 waren 150 Flüchtlinge in der Siekhöhe untergebracht.

Die Besetzung des Wohnheims - das ist NICHT denkmalgeschützt! - und die Umsiedlung dorthin würde mindestens 30 Menschen sofort (!) eine würdigere Unterkunft verschaffen. Unbedingt sollten die Kinder aus der fensterlosen Lagerhalle herauskommen.

Wenn das als unzureichende Lösung angesehen wird, dann stehen noch etliche Immobilien mit ausreichend Kapazitäten bereit - falls durch eine Besetzung dort Wohnraum geschafft würde. Das wäre eine schnelle "Umnutzung"

2017 meinte der Stadtverband noch: "Flüchtlingsunterbringung und Wohnungsbau nicht gegeneinander ausspielen! (...) "

Die GrüneJugend nimmt die diametral entgegengesetzte Position zu Regina Meyer von der Ratsfraktion DieGrünen ein:

"Die Wohnungen müssen in öffentlicher Hand bleiben. Falls die Stadt dies nicht tun sollte, sind alle Ratsfraktionen dazu aufgefordert die Stadt am Verkauf zu hindern. Wer den Verkauf des Wohnheims befürwortet, zeigt damit deutlich, nichts gegen die Wohnungsnot und überteuerte Mieten tun zu wollen." "Aber auch bezüglich der Konflikte um die Geflüchtetenunterkunft Siekhöhe zeigt die Besetzung, dass die Stadt kein Interesse hat, die Siekhöhe wirklich zu schließen. Wer sagt, dass es keine andere Möglichkeit der Unterbringung gibt als die derzeit genutzte Lagerhalle und gleichzeitig ein Wohnheim verkaufen will, dem muss man unterstellen, bewusst zu lügen!" (3.5.18)


Webseite der Initiative https://nanseneins.noblogs.org/

Text der Besetzer*innen
/ Zwischenüberschriften von goest

30.4.18 / Heute morgen haben Aktivist*innen in Göttingen das leerstehende Student*innenwohnheim des Goethe-Instituts in der Fridtjof-Nansen-Straße 1 besetzt.

Menschenwürdiger Wohnraum statt Unterbringung in Lagerhalle !Während die Göttinger Stadtverwaltung weiterhin behauptet, es mangele in Göttingen an Wohnraum für Geflüchtete und andere Wohnungssuchende, zeigt der Fall des Goethe-Instituts nachdrücklich, dass freier Wohnraum sehr wohl vorhanden und für die Stadt sofort verfügbar ist. Der Gebäudekomplex, der zum Teil bis Ende Mai 2018 noch vom Goethe-Institut genutzt wird, befindet sich im Besitz der Stadt. Seit dem bereits erfolgten Teilumzug des Goethe-Instituts in das neu errichtete Haus in der Innenstadt steht das Wohnheim in der Fridtjof-Nansen-Straße leer.

Sieben ausgestattete Wohnungen stehen leer
Das Gebäude verfügt über sieben abgeschlossene, voll ausgestattete Wohneinheiten mit Bad und Küche sowie 30 Einzel- und Doppelzimmer mit gemeinschaftlichen Sanitäranlagen. Seit nunmehr zwei Jahren bemüht sich die Stadt Göttingen darum, den Komplex zu verkaufen.

Privatisierung erzeugt Mangel
Es handelt sich um einen von zahlreichen Fällen, in denen die Stadt mit ihrer verfehlten, auf Privatisierung und Investor*innen setzenden Wohnungspolitik verhindert, dass bezahlbarer Wohnraum für Geflüchtete und andere Wohnungssuchende geschaffen wird. Eine auch auf die Zukunft gerichtete Deckung des Bedarfs an günstigen Wohnungen lässt sich nur durch den Erhalt und die Ausweitung des in öffentlicher Hand befindlichen Wohnungsbestands sicherstellen. Würde die Stadt ihre Verkaufspläne aufgeben, hätte sie hier sofort die Gelegenheit, Wohnraum für Geflüchtete zu schaffen.

Lagerhalle Siekhöhe schließen
Die Stadt könnte sofort erste Schritte zur Schließung der Notunterkunft Siekhöhe einleiten, deren Fortbestehen von Seiten der Verwaltung immer wieder damit begründet wird, es gäbe weder eine alternative Unterkunft noch verfügbare Wohnungen. Sobald das Goethe-Institut seinen Auszug abgeschlossen hat, stünden im Hauptgebäude weitere Wohneinheiten zur Verfügung.

Verkauf stoppen - Wohnungen mit Mietverträgen vergeben
Die Stadt Göttingen muss den Verkauf des bisher vom Goethe-Institut genutzten Gebäudekomplexes unverzüglich stoppen. In dem bisherigen Goethe-Institut muss Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Dieser ist zuerst jenen Geflüchteten anzubieten, die derzeit noch in der Notunterkunft Siekhöhe untergebracht sind. Aber auch weitere unter prekären Bedingungen lebende Menschen sollen hier eigenen Wohnraum finden können. In dem Wohngebäude in der Fridtjof-Nansen-Straße soll kein neues Lager eingerichtet werden. Vielmehr müssen die einziehenden Geflüchteten eigene Mietverträge erhalten und mindestens ein eigenes Zimmer bewohnen. Die Stadt muss ggf. notwendige Renovierungsarbeiten übernehmen, um einen ortsüblichen Wohnstandard zu gewährleisten. Hintergrund

Die Stadtverwaltung macht aus Provisorium einen Dauerzustand
Die Notunterkunft Siekhöhe ist eine Unterbringungsform auf Turnhallen-Niveau. Die Halle wurde Ende 2015 geplant, als die Balkanroute noch offen und die Zahl der aufzunehmenden Geflüchteten nicht abzuschätzen war. Es handelte sich von Beginn an um eine Notunterbringung in einer Ausnahmesituation. Diese Ausnahmesituation war schon zum Zeitpunkt der Eröffnung der Siekhöhe nicht mehr gegeben. Andernorts wurden die Turnhallen und Baumärkte so rasch wie möglich geschlossen, als die Zuweisungszahlen sanken und angemessenere Formen der Unterbringung eingerichtet werden konnten. In der Universitätsstadt Göttingen hingegen wurde diese provisorische Form der Unterbringung nicht nur verstetigt, sondern auch gegen jedes rationale Argument zu einem angeblichen Vorzeigemodell erhoben.

 


Verkaufspläne

"Das historische Ensemble der Merkelstraße 4 (Fridtjof-Nansen-Haus) war an das Goethe-Institut zur Nutzung als Seminar- und Lehrgebäude mit Übernachtungsmöglichkeit vermietet. Aufgrund einer räumlichen Neuorientierung des derzeitigen Mieters erwägt die Stadt Göttingen eine Veräußerung der Immobilie im attraktiven Göttinger Ostviertel. Inmitten des rd. 6.000 m² großem parkähnlichem Grundstück liegt die um 1900 im burgenartigen Stil errichtete Villa des ehemaligen Tuchfabrikanten Levin. Im Rahmen studentischer Nutzungszwecke wurde in den 50er Jahren südseitig die Bibliothek mit Filmsaal an die Villa angebaut, gleiches gilt für das ostseitig angebaute Studentenwohnheim. Im Garten befindet sich zudem ein um 2002 errichteter ebenerdiger Pavillon des Architekten Jochen Brandi. Bis auf das östlich angebaute Studentenwohnheim sowie den modernen Pavillon im Garten stehen sämtliche Bauten auf dem Grundstück sowie die parkähnlichen Gartenanlagen unter Denkmalschutz."
(Aus dem Antrag der Verwaltung für den Bauausschuss am 6.4.17)


By the way: der Brandi-Pavillon im Garten des Anwesens

Alle Gebäudeteile (Gebäude-Nutzfläche von 1850 qm) auf dem Grundstück (6000 qm) sollen nur im Ganzen verkauft werden. Laut Bebauungsplan liegt das Gebäude in allgemeinem Wohngebiet. Eine gewerbliche Nutzung wäre nur im Erdgeschoss erlaubt und ab dem 1. OG ist nur eine Wohnnutzung möglich. Wegen Denkmalschutz sind bauliche Veränderungn nicht möglich. daher spricht die Stadt von "stark eingeschränkten baurechtlichen Nutzbarkeit der Immobilie". Die Stadt Göttingen will sich ein Vorkaufsrecht bei Wiederverkauf sichern. "Durch den Verkauf der Immobilie soll die Stadt die zur Mitfinanzierung des Investitionsprogrammes 2017/2018 erforderlichen Eigenmittel aus Grundstücksverkäufen erzielen."

 

GöLinke Es ist Unsinn, stadteigene Immobilien zu verkaufen um dann andere teuer wieder anzumieten

Die Ratsfraktion der Wähler*innengemeinschaft GöLinke hatte gerade erreicht, dass im Rahmen der Haushaltsberatungen folgende Zielformulierung aus dem Bauetat gestrichen wurde:"Die Reduzierung des Immobilienbestandes ein nachhaltiger Konsolidierungsbeitrag für den Haushalt der Stadt Göttingen erwirtschaftet". Nun wertet die Fraktion den geplanten Verkauf des Fridtjof-Nansen-Hauses als genau jene "kurzsichtige einmalige Schönung der Einnahmeposition" bei der nicht bedacht wird , dass in der Folge horrende Mieten bei der Anmietung dringend benötigter Gebäude und Wohnungen gezahlt werden müssen. Eigentlich hätte man aus ähnlichen Fällen Lehren ziehen sollen. So wurde zuerst das IWF-Gebäude samt großem Gelände verkauft und danach für teures Geld wieder angemietet. Wenigstens der Verkauf der Voigtschule hatte vorerst verhindert werden können. Der nachgewiesene Bedarf und das große Interesse von vielen Kulturinitiativen und letztlich der dringend benötigte Gebäudebedarf zur Unterbringung geflohener Menschen haben belegt, dass der Verkauf der Voigtschule ein Fehler gewesen wäre. ....
(nach einer Pressemitteilung der GöLinke 28.3.17)

 

Abschiedsfest 2017

Nils König (Vorstand des Vereins KUNST e.V.), Ulrike Hofmann-Steinmetz (Leiterin des Goethe-Instituts) teilten in einer Erklärung mit: Zum letzten Mal kann das Goethe-Institut sein Sommerfest im Garten des alten Goethe-Institut in der Merkelstraße feiern; im nächsten Jahr folgt dann der Umzug in den Neubau am Güterbahnhof. Dieser Abschied ist Anlass genug, noch einmal alle GöttingerInnen in das Haus mit seinem wunderschönen Garten einzuladen und gemeinsam mit dem Verein KUNST e.V. ein großes Sommerspektakel mit einem umfangreichen Kulturprogramm zu feiern.“

 Am 26.8.17 feiert das Goethe-Institut ein Abschiedsfest vom Fridjof-Nansen-Haus von 17 bis 22 Uhr. Es gibt ein Programm mit Theater, Musik, Tanz und Clownereien für Groß und Klein auf 2 Bühnen im Garten, im Kinosaal und im Treppenhaus des Goethe-Instituts : Auftritte des Jungen Theaters, der Theaterwerkstatt Göttingen, der Improtheatergruppe Improsant, der Stillen Hunde, der Domino-Clowns, der Ballettschule art la danse sowie einer 20-köpfigen Tanzgruppe um den Butoh-Tänzer Tadashi Endo, musikalisch begleitet von Ove Volquartz und Nils König. Musikalisch wird ein Programm mit einem Bläser-Quartett des GSO, den Gruppen African Culture Club, Frau Pauli und Sansculottes sowie dem Boat People Projekt und mit Studierenden des Goethe-Instituts geboten . Der Eintritt ist frei. V.: Goethe-Institut und Verein KUNST e.V.

  • Tadashi Endo  mit 25-köpfigem Tanzensemble, Ove Volquartz, Nils König Youkai Matsuri  (Aufmarsch der Geister) ein open air performance
  • GSO-Brass die Blechbläser des Göttinger Symphonieorchesters
  • Boat People Projekt Flutlicht Lina Barrakeh und Abdullah Sabi aus Syrien
  • Frau Pauli Zwei-Mann-Girl-Group Frau Pauli
  • African Culture Group Afrikanisches  Trommelspektakel
  • Sansculottes Feuerholz die Musik der Sansculottes ganz ohne Terrorherrschaft sanft zur tanzbaren Revolution auffordert.
  • Wolfgang Fromme  und das Vokalensemble des Goethe-Instituts die Gedanken sind frei
  • Theaterwerkstatt Farouks Cousin
  • Domino Clowns
  • Junges Theater die Känguruh-Chroniken A
  • Improsant Faust III  –der Tragödie improvisierter Teil Improvisationstheater
  • Art la danse -
  • Stille Hunde Der gestiefelte Kater Stefan