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Kunstsammlung der Universität Göttingen

Kunstgeschichtliches Seminar und Kunstsammlung Nikolausberger Weg 15, 37073 GöttingenTelefon, Kuratorin der Kunstsammlung, Dr. Anne-Katrin Sors, (0551) 39-5093,
anne-katrin.sors@phil.uni-goettingen.de www.kunstgeschichte.uni-goettingen.de

 

Ausstellungseröffnung
"Gefährdete Schätze - Ein Blick in das Depot der Universitätskunstsammlung"

Das Auditorium in der Weender Str. Ecke Nikolausberger Weg beherbergt seit 1987 eine beachtliche Sammlung von 300 Gemälden, 2.500 Zeichnungen, 30 Skulpturen und 15.000 Blatt Druckgraphiken.

Schautafel gibt Überblick über Bilder im Depot

Kleine Abbildungen der im Depot lagernden Bilder wurden am 29.10.10 vom Kunstgeschichtlichen Seminar auf einer Tafel zusammengestellt, von der hier auf dem nebenstehenden Foto ein Ausschnitt zu sehen ist.

>> kunstsammlung.uni-goettingen.de

Die Kunstsammlung an der Uni Göttingen geht zurück auf das 18. Jahrhundert. Im Jahr 1770 wurde durch die Uffenbachsche Stiftung der "Grundstein" gelegt und 1796 kamen aus dem Nachlaß von Johann Wilhelm Zschorn 270 Gemälde hinzu. Die Gemälde wurden nicht immer der Öffentlichkeit zugänglich gehalten, so wie das Zschorn testamentarisch festgehalten hatte. Meist lagerten die Werke unter Ausschluß der Öffentlichkeit. In der wunderbar renovierten 2. Etage des Auditoriums entsteht nun eine würdige öffentlich zugängliche Galerie für die vernachlässigten Werke.

Ein vom Kunstgeschichtlichen Seminar aufgestelltes Modell zeigt die zur Verfügung stehenden Räume der Gemäldegalerie.

Ab Frühjahr 2011 sollen in der Galerie die Werke der Kunstsammlung öffenltich zugänglich gemacht werden.

Mit der Eröffnung der Räume wurde die Ausstellung "Tom Drake Bennet - Neuer Blick auf alte Meister" eröffnet - dazu mehr weiter unten.

Raum Nr. 5 im Modell oben, hier in einer Aufnahme vom 29.10.10 während der Eröffnung von zwei Ausstellungen und der Ankündigung der Wiedereröffnung der Kunstsammlung

Blick in Raum Nr. 2 und dahinter Raum Nr. 3

(29.10.10)

Prof. i.R. Dr. Werner Schnell des Kunstgeschichtlichen Seminars im Gespräch mit dem Präsidenten der Universität (2010) Prof. Dr. Kurt von Figura, der langjähriges Mitglied auch des Göttinger Kunstvereins ist, m 28. Oktober 2010 während einer Preview für den "Freundeskreis der Kunstsammlung e.V."


Die Werke der Kunstsammlung sind im Internet zu bewundern

Gemälde: Das Projekt "OPAL Niedersachsen" stellt über 23.000 Kulturgüter des Landes Niedersachsen online zur Verfügung, darunter auch die Kunstsammlung der Uni Göttingen. Auf der Seite
>>
http://opal-niedersachsen.de
im Suchfeld "Kunstsammlung der Universität Göttingen" eingeben.

Zeichnungen: Die Zeichnungssammlung beinhaltet u.a. 2200 Zeichnungen vom 15. bis zum frühen 20. Jahrhundert. in den "Bereichen der altdeutschen und niederländischen Zeichenkunst, aber auch auf deutschen Zeichnungen des 19. Jahrhunderts." Die Zeichnungen sind zu finden auf der Seite
>>
Kunstgeschichte.uni-goettingen

Die "Papierausstellung" ist zu sehen auf einer >>Seite der SUB

 

Restaurierungen

Während der Sanierung des Auditorium-Gebäudes mußten die dort gelagerten Schätze der Kunstsammlung ausgelagert werden und blieben eine Zeitlang in der SUB. Da 2011 die Sammlung in Form einer dauerhaften Gemäldegalerie der Universität der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll wurden die Werke auf ihren Zustand hin untersucht. Diplom Restauratorin Dr. Bettina Achsel stellte an 200 Gemälden und Skulpturen Schäden fest. "Die bis zu 700 Jahre alten Kunstwerke sind vom Schimmel befallen, vergilbt, verbeult und weisen akute Schäden an Bildträgern und Malschichten auf. "

Diplomrestauratorin Dr. Bettina Achsel zeigt eine Beschädigung des Gemäldes "Rast vor der Schenke" von Jan Victors aus dem Jahre 1749. Während dieser Riß leicht sichtbar ist, ebenso wie die sehr dramatisch präsentierte Beschädigung einer Madonnenfigur mit fehlenden Händen (unten links) ist auf dem Bild unten rechts der Schaden in der rechten Bildhälfte für das ungeübte Auge nicht ganz so schnell zu erfassen und letztlich nur mit gutachterlichem Blick genauer zu bewerten.

Für die aufwendigen Arbeiten der Restaurierung sucht die Universität nun SpenderInnen, die Patenschaften für einzelne Bilder übernehmen oder im Rahmen einer Mitgliedschaft im "Freundeskreis Kunstsammlung der Universität Göttingen e.V." zum Erhalt der Kunstsammlung beitragen.

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"Tom Drake Bennet - Neuer Blick auf alte Meister" 29.10.10

Der englisch-irische Maler Tom Drake Bennett (*1952) schuf "in engster Auseinandersetzung mit acht Meisterwerken der Kunstsammlung der Universität" einen "Neuen Blick" auf die "Alten Meister".

Beispiel:


Diese beiden Bilder sind eines von mehreren Paaren, mit denen zwischen Alten Meistern und einem einem Gemälde von Bennett eine Beziehung hergestellt wird. Ungewöhnlich dabei, dass im obigen Fall das Gemälde rechts auf den Kopf gestellt wurde. (Simon de Vliegher (1600-1635, Christus und die Apostel im Seesturm, Öl auf Holz, 84,5x101 cm). Das Bild von Bennett entstand "nicht auf neutralem Grund, sondern auf Gewebe gedruckte, alle Halbtöne wiedergebende Reproduktionen der Göttinger Bilder, die jetzt unter Farbe verschwunden sind." (Zit. Katalog S.8)

Nun sollte man nicht meinen - darauf wies Bennett im Gespräch hin - es handele sich um ein Suchspiel, bei dem es darum ginge wo denn dieses oder jenes Puzzel rechts auch links auftauche.

Bennett reduzierte die Wiedergabe der Bilder, die ihm als Reproduktionen zur Arbeit vorlagen, auf Flächenstrukturen und Farbkombinationen. Bennetts Bilder sind einerseits Destruktion, andererseits ein Herausheben originaler Bestandteile, die in ihrer Isolation ein abstraktes Miteinander ergeben. D.h. Bennet nimmt einen Teil maßgetreu in Größe, Lage und Form aus dem Original und sein Bild wirkt nun wie ein Extrakt mit eigener ästhetischer Wirkung. Aufschlußreich in diesem Zusammenhang war der Hinweis, Tom Drake Bennett habe 2010 etwas unter dem Titel "Transatlantic Poetry of Colour" erarbeitet. Poesie der Farben erfordert Auswahl, Farben, die in extrahierte isolierte Teilformen der Alten Meister gegossen sind und das räumliche Bild auslöschen, die Ästhetik einzelner Formen bewahren und sie ergänzen mit der Poesie der Farben. So könnte man Bennetts Dialog mit den Alten Meistern verstehen.

Tom Drake Bennett mit Lebensgefährtin Susan E. Mc Kinley (ebenfalls Künstlerin)

Auf die Frage, wie er dazu kam die Abstraktion von "Marie und Johannes das Kind anbetend" mit so viel Rosa Farbe zu malen, antwortete er augenzwinkernd: vielleicht weil er eine kleine Tochter hat bei der nahezu alles gegenwärtig Rosa sei.

(Er gibt in seiner Vita auch bekannt, dass er 2003-2008der Erziehung seiner Kinder Loisbrian und Una Charlotta gewidmet hat)

"Je mehr man sich aber in seine Malerei hineinschaut, desto mehr wird man begreifen, dass tatsächlich die abstrakten Formen und das, was mit ihnen geschieht, sein Thema sind. Gleichzeitig allerdings kann, wer diese Stille respektiert, eine Bildbetrachtung aus dem sprachlichen Rückzug heraus wagt und versucht, die Fremdheit dieser Bilder außerhalb solcher kolonisierenden Begriffe wie etwa »innere Landschaft«, »emotionale Kartografie« oder »organische Abstraktion« zu betrachten, nach einer Weile auch ahnen, warum es dem Künstler so wichtig ist, sein Geheimnis zu hüten." (>> Doris von Drathen"Tom Drake Bennett: Im Exil der Sprache" - Siehe auch das Buch "Tom Drake Bennett, 2002-2003 von Horst Bredekamp, Doris Von Drathen, Hatje Cantz, Tom Drake Bennett".

In einem Text des Kunstegeschichtlichen Seminars, der eine Veranstaltung zur Ausstellung mit Kurator Prof. Dr. Werner Schnell am 7.11.10 angekündigt hatte hieß es u.a.: "die Bilder, die Die Gemälde aus dem 15. und 17. Jahrhundert kopierte Bennett nicht im klassischen Sinn, nutzte aber auch nicht Bildelemente als ‚Bildzitat’, dessen Herkunft immer mit gewusst sein muss, um den intendierten Bildsinn auf die Spur zu kommen. Vielmehr isolierte Drake Bennett aus den Bildern Ruysdaels, Bruegels oder Botticinis u.a. ausgewählte Formkonstellationen, um sie in formatgleiche Bilder zu integrieren, die ganz auf die Fläche gestellt sind, auch wenn die Quelle dafür noch so körper- oder raumillusionierend gemalt ist. Die paarig ausgestellten Bilder, die mehr als vierhundert Jahre trennen, werden auf ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten hin betrachtet, um das Besondere in der Auseinandersetzung Drake Bennetts mit der Tradition der europäischen Malerei zu erkennen." (Zit. Quelle)


Zur Ausstellungseröffnung sprachen v.l.n.r.
- Prof. Dr. Carsten-Peter Warncke, Direktor des Kunstgeschichtlichen Seminars
- Prof. Dr. Werner Schnell, Kurator der Ausstellung "Tom Drake Bennett"
- Rein Wolfs, Künstlerischer Leiter der Kunsthalle Fridericianum (Kassel)

Foto links: Zur Eröffnung der Kunstsammlungsräume und der Bennettausstellung waren ca. 150 BesucherInnen in die 2. Etage des Auditorium gekommen.

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