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Lichtenberg
Grab
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Infos zur Bronzefigur und zum Küssen
Gedenkfeier
auf dem Bartholomäusfriedhof 2005
Am Do, 24. Februar 2005, 11.30 Uhr.
( Der historische Bartholomäusfriedhof befindet sich direkt gegenüber
der Universität )
Wie alljährlich findet an Lichtenbergs Todestag auf dem Bartholomäusfriedhof
eine kleine Gedenkfeier statt. Die Stadt Ober-Ramstadt wird das Lichtenberggrab
wieder mit einem Kranzschmuck ehren, und der Lichtenbergverein will nach
kurzen Gedenkworten die im Vorjahr begonnene Keras-Tradition fortsetzen.
Lichtenberg-Informationen
im Lichtenberghaus
Eine neue Ausstellungsvitrine im Künstlerhaus/Lichtenberghaus zeigt Sehens-
und Lesenswertem zu Lichtenberg. Der Verein "Künstlerhaus mit Galerie
e.V." ermöglichte dem Lichtenberg-Verein diese Präsentation und entspricht
damit auch dem Namen des Hauses: Lichtenberghaus.
Lichtenberg
und der Wein
Im Februar 05 war in der Lokalpresse zu lesen "Lichtenberg wurde nach
Göttingen an die Universität berufen. Aber er wollte nur kommen, wenn
auch der von ihm so heiß geliebte französische Wein nach Göttingen kommen
durfte." Dies bezeichnet Klaus Hübner als unsinnige Behauptung und klärt
auf:
"Die Umstände des dem Hessischen Landgrafen nach Göttingen "echappierten
(entlaufenen) Subjects" waren indes völlig andere, ehrenwert für die Stadt
Göttingen, die noch junge Göttinger Universität und den jungen Professor
Lichtenberg, denn dieser wollte nicht an die wenig gut beleumundete hessische
Landesuniversität Gießen zurück, zudem hatte sich Lichtenberg in Göttingen
sehr gut eingelebt, einige Jahre später schrieb er gar an seinen Freund
Schernhagen: "Ich würde nicht von hier weggehen und wenn man mir 2.000
Taler an einem andern Ort als Professor gäbe. Ich liebe den Ort zum Erstaunen
...". Die einzige Flüssigkeit bei diesem Vorgang war also dunkle Tinte!
Nun zum dunklen Wein: Lichtenberg zählte - wie andere Göttinger Bürger
und Professoren - zu den ersten Kunden der 1786 gegründeten Weinhandlung
Bremer, daher haben wir im vergangenen Jahr einen "Lichtenberg-Burgunder"
initiiert. Auch hat uns Lichtenberg in seinen "Sudelbüchern", in Briefen
und Kalenderaufsätzen vergnügliche aber auch sinnreiche Gedanken zum Thema
Wein hinterlassen. Es gibt also durchaus ehrenwerte Gründe, im Gedenken
an Lichtenberg ein Glas Wein zu trinken! Aber wir brauchen keine neuerliche
Fama über einen Wein-Professor Lichtenberg, denn Anekdoten und Falschmeldungen
über Lichtenberg gibt es bereits genug. Weder hatte es Lichtenberg mit
Minderjährigen getrieben (seine große Liebe, die früh verstorbene Maria
Dorothea Stechard, wie später auch seine Ehefrau Margarethe Kellner waren
konfirmiert und damit nach damaligem Recht heiratsfähige "Erwachsene",
als Lichtenberg sie zur Frau machte), noch hatte der "1,43 Meter große
Gelehrte mit den Affenarmen vor 200 Jahren so viele Göttingerinnen zur
Geliebten, dass seine Studenten ihn den ,starken August' nannten und seine
Vorgesetzten besorgt Erkundigungen einzogen". Diese Gerüchte gehören zu
jenen gern kolportierten Legenden, für die die Sexualpsychologie entlarvende
Erklärungsmuster bereithält, die allerdings mehr über Erzähler und Zuhörer
aussagen. Etwas mehr Seriosität im Umgang mit den "Universitätsheiligen"
erscheint mitunter geboten und wünschenswert, getreu den von Lichtenberg
befolgten Maximen der Aufklärung "zum Nutzen und Vergnügen". Unsere Gesellschaft
will gern helfen, Aufklärung über Lichtenberg zu leisten."
Versammlung zum Gedenken
an den GCLs Todestag am 24.2.04
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Anläßlich des Todestages am 24.2.04
versammelten sich Mitglieder der Lichtenberg- gesellschaft und Gäste vor dem Grab von
Margarete und Georg Christoph Lichtenberg. |
Der Geschäftsführer der Lichtenberggesellschaft
Klaus Hübner trug eine kleine Rede vor deren Text wir unten abdrucken:
"Keras Amaltheias am 24.2.2004 auf dem
Bartholomäusfriedhof"
von Klaus Hübner
Am 1. Juli 1742 wurde Georg Christoph Lichtenberg geboren,
es war ein Sonntag, wie er selber wusste und von sich später schrieb: Ein rechtes
Sonntagskind in Einfällen. Nun wissen wir mehr von ihm als nur den Aphoristiker und
Sudelbuchvollschreiber. Wir erinnern uns an einen Experimentalphysiker mit allerdings
schmalem Zeit- und Geldbudget, der mehr als begnadeter Lehrer wirkte und als Herausgeber
der Erxlebenschen Anfangsgründe der Naturlehre Einfluss auf eine
Wissenschaftlergeneration nahm, der als Literat der Briefe aus England die deutsche
Reise-, Großstadt- und Theaterliteratur mitgeprägt hat, der im besten Sinne der
Aufklärung mit seinen über 200 Kalenderaufsätzen dem prodesse et delectare, dem
Nutzen und Vergnügen gedient hat, und der mit seinen Erklärungen der Hogarthischen
Kupferstiche ein Genre der Kunstliteratur geprägt hat, das vor und nach ihm keinen
gleichwertigen Könner aufzuweisen hat.
Wenn wir uns daran erinnert haben, dürfen wir uns auch dem Beobachter und Selbstdenker
Lichtenberg zuwenden, der uns unter seinen über 8.000 Sudelbucheinträgen etwa 2.000
Aphorismen hinterlassen hat. Das alles sind seine Vermächtnisse. Vermächtnisse
hatte er seine Hinterlassenschaften nennen wollen, denn man vermacht ja auch
Kleinigkeiten.
Goethes Würdigung ist bekannt: Lichtenbergs Schriften können wir uns als der
wunderbarsten Wünschelrute bedienen: wo er einen Spaß macht, liegt ein Problem
verborgen. Goethe weiter: Ihm stand eine ganze Welt von Wissen und Verhältnissen
zu Gebote, um sie wie Karten zu mischen und nach Belieben schalkhaft auszuspielen. Lichtenberg
selber hatte notiert, dass er, ehe man ein Vaterunser betet 10 Umstände aufzählen
[kann], seine Gedanken kommen ihm als wenn sie ihm der Kobolt brächte. (D 120)
Es war kein Kobold, der ihm die Gedanken brachte, Lichtenberg musste auch nicht in das
dunkle Alchimistenlabor hinabsteigen, es war sein klarer, hellwacher Verstand, der ihn
ständig beobachten und fragen, hinterfragen ließ. Vor und nach den physikalischen
Experimenten erfolgten die Geistesexperimente, die er mit allen seinen Sinnen und seinem
Verstand unternahm. Und es war diese Milchstraße von Einfällen, die ihn
glücklicherweise hinderte, Halbfertiges oder Widersprüchliches in ein System, in eine
schlechte oder falsche Ordnung zu zwingen.
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Klaus Hübner (rechts), Geschäftsführer der
Lichtenberg- gesellschaft und Verfasser des hier wiedergegebenen Textes am Grab des
Ehepaares Lichtenberg. Vor 3 Monaten wurde das Grab
für ca. 4000 Euro restauriert. |
Fürwahr also ein Überfluss an Gedanken, und damit
sind wir schon bei dem überfließenden Horn der Ziege Amalthea angelangt, Keras
Amaltheias. In der griechischen Mythologie war es die Ziege Amaltheia (oder war es
eine Nymphe?), die für den jungen Zeus Milch und Honig hatte fließen lassen, und Zeus
hatte später eines ihrer Hörner in das Horn des Überflusses verwandelt. Die
Römer kannten es dann als das Cornu Copia, auch als Horn der Fortuna, ein
Tischlein deck dich, immer gefüllt zum Wunsche des Besitzers. Das Horn des Überflusses,
überfließend von Obst und Blumen, Nahrung für Leib und Seele.
Keras Amaltheias hatte Lichtenberg eines seiner Gedankenbücher genannt. In seinen
Kalendern hatte er so einige Kürzel und Chiffren verwendet, dabei benutzte er Keras
in späteren Jahren als seinen Code, als Ver-Schlüssel-Wort für geistige Getränke.
Die Milchstraße von Einfällen hatte sich für Lichtenberg durchaus bei
nüchterner Betrachtung aufgetan, aber wir wissen anhand der noch vorhandenen
Kontorbücher der hiesigen Weinhandlung Bremer, dass gelegentlich auch einige Bouteillen
Wein in die Gotmarstraße 1 expediert worden sind.
Lichtenberg schrieb nach dem Besuch des Italieners Volta an Franz Ferdinand Wolff: Ich
fragte ihn [Volta], ob er das leichteste Verfahren kenne, ein Glas, ohne Luftpumpe,
luftleer zu machen. Als er sagte: Nein, so nahm ich ein Weinglas, das voll Luft war, wie
alle leere Weingläser, und goss es voll Wein. Er gestund nun ein, dass es luftleer sei,
und dann zeigte ich ihm das beste Verfahren, die Luft ohne Gewalt wieder zuzulassen, und
trank es aus. Der Versuch misslingt selten, wenn er gut angestellt wird. Es freute ihn
nicht wenig, und er wurde von uns allen mehrmals angestellt.
1773 hatte Lichtenberg seinen Patriotischen Beitrag zur Methyologie der Deutschen
abgeliefert, seine Überlegungen zur Pinik, zur Trinkkunde, vorgelegt, den launigten
Roten Nasen gewidmet, nebst einer Sammlung von über 140 sprachlichen Ausdrücken des
Betrunkenseins. Dass ohne etwas Wein und etwas Beifall keine poetische Ader offen
gehalten werden kann, war für Lichtenberg unstrittig, und er plädierte dafür,
wenigstens einmal zu versuchen, was die Vernunft auf den Flügeln des Champagners
ausrichten könne, da die Einbildungskraft Wunder auf denselben tut. ... O jenseit[s] der
Bouteille wie viel ist nicht da. Gebraucht es, Menschen, als Philosophen und lernt
erkennen, was Wein ist. (B 77) Wir ahnen, wie unernst ernst ihm mit seinem
Ansinnen war! Die Gefahren kannte Lichtenberg hinreichend: Tausend Menschen sterben
jährlich bloß weil sie nicht dursten konnten, ohne doch jemals nur einen Tropfen auf
diese Art getrunken zu haben (B 347). 1796 notierte er für sich selbst: Etwas
Keras freilich ohne das ist nichts in der Welt für mich wenigstens (SK, 29. April
1796).
Hochprozentigem wusste Lichtenberg also zuzusprechen, auch Danziger Goldwasser hatte den
langen Transport von der Ostseeküste in die Göttinger Gotmarstraße wohlbehalten
überstanden. Dieser schon seit 1598 destillierte, klare Gewürzlikör brauchte keinen
Alchimisten sondern einen guten Destillateur und einige Schnipsel 22-karätiges Blattgold.
Der hochwertige (und hochprozentige) Likör aus dem Lachshaus, aus der Likörfabrik in der
Danziger Breitgasse, muss schon damals eine exquisite Besonderheit gewesen sein, von
Lichtenberg gekannt und geschätzt. Vom blauen, völlig blauen Planeten zum blauen
Universum mag es da mitunter nicht weit gewesen sein. So schrieb Lichtenberg im Sudelbuch
L: Den gestirnten Himmel für Danziger Goldwasser anzusehen, zumal in einem Tubo, wäre
das sehr schicklich für einen Trinker? (L 317).

Klaus Hübner beim Herauslassen von Luft aus kleinen Gläsern
Am 29. Februar 1792, vor nunmehr fast auf den Tag genau 212
Jahren, hatte Lichtenberg vermerkt: Morgends Dietrich m.l. Frau und ich Goldwasser
getrunken. So ähnlich wollen wir es halten, Heute, an diesem 24. Februar 2004,
zur Wiederkehr von Lichtenbergs 205. Todestag: In fröhlichem Gedenken, an seinen
Freund, Verleger und Hauswirt Dieterich, an Lichtenbergs liebe Frau Margarethe Kellner und
an Georg Christoph Lichtenberg.
In fröhlichem Gedenken, mit einem Gläschen Keras, mit Danziger Goldwasser, das
inzwischen aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft stammt, aus der Destillation des
gräflich-hardenbergschen Hauses. Wir sind zurück in der Gegenwart, ich danke Ihnen für
Ihre Aufmerksamkeit und wünsche prodesse et delectare, Nutzen und Vergnügen, Prosit!
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(1) (am 3.2.1785). Heute ist uns der Spruch
"Können Sie da mal die Luft rausmachen!" wegen seiner Geläufigkeit
schon fast zu prollig. Wir tun gut daran uns zu erinnern, dass Lichtenberg
sich von dem englischen Mechaniker Nairne eine Luftpumpe bestellte für
450 Taler, das war mehr als ein Jahresgehalt des Göttinger Professors!
Und es war die erste Luftpumpe seiner Zeit in Deutschland überhaupt!
(2) Kardamom, Koriander, Macis (der rote Mantel der Muskatnuss), Pomeranzenschalen,
Wacholderbeeren, Kümmel, u.a.. Blattgold ist bis zu 0,0001 mm dünn.
(3) Heute: Goldscheidewasser (Königswasser) 3,1 Teile konz. Salzsäure,
konz. Salpetersäure.Goldtinktur (Goldelixier, Tinctura aurea, Aurum potabile)
war der Alchemistenname für angeblich Gold enthaltene Lösungen. Heute
der Name für Goldsalzlösungen in der Homöopathie.
Goldtropfen (Essentia aurea) sind homöopathische Herzkreislaufmittel.
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