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Prekäre Beschäftigungen ( oder einfach "beschissene Arbeit")

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Firmen die Hungerlöhne zahlen an den Pranger stellen
Umfrage zu prekäre Arbeit 2004
Was ist Prekäre Arbeit ?
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Firmen die Hungerlöhne zahlen an den Pranger stellen!

19.8.09 / Die Gewerkschaften Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaften ver.di und Nahrung Gaststätten Genuss NGG wollen durch eine Umfrage deutlich machen, wie viele Niedriglohn-Arbeitsverhältnisse es in Göttingen gibt. Aufgrund der Daten von der Agentur für Arbeit sind in der Region mehr als 4.000 Erwerbstätige trotz einer Vollzeit-Arbeitsstelle für die Bestreitung des Lebensunterhalts zusätzlich auf Hartz 4 angewiesen.

"Schuld daran sind häufig Niedriglöhne von 5,50 Euro oder weniger", sagt Detlef Ahting. Für den Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Süd-Ost-Niedersachsen ist es "ein unhaltbarer Zustand, wenn Menschen trotz Vollzeitarbeit auf Geld aus dem Hartz-IV-Topf angewiesen sind". "Wir wollen wissen, wie gut oder wie schlecht Chefs im Kreis Göttingen bezahlen", sagt Manfred Tessmann von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Der Geschäftsführer der NGG-Region Süd-Ost-Niedersachsen kündigte ein bundesweites "Niedriglohn-Barometer" an, so Tessmann. Friseurinnen, Kellnerinnen oder Verkäuferinnen in Bäckereien arbeiteten häufig im unteren Lohnspektrum. Die Gewerkschaften ver.di und NGG treten für einen gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde ein." (Pressemitteilung ver.di / NGG )

Damit klar wird, welche Arbeitgeber solche Hungerlöhne zahlen bitten die Gewerkschaften alle Betroffenen, sich zu melden wenn sie weniger als 7,50 verdienen. Dies kann durch das Ausfüllen eines Formulares im Internet gemacht werden.

Anmerkung der goest-Redaktion: Die Meldeliste wählt ein atenschutzmäßig bedenkliches Verfahren - besser nur anonym anrufen und melden
Die Meldung des Lohnes, des Arbeitgebers, der Tätigkeit wird zusammen mit der Angabe von Wohnort, Name, Vorname, Telefon und email als Pflichtfelder (!) verlangt. Und alles soll unverschlüsselt verschickt werden. Wenn man das testhalber macht, kommt die Meldung: "Vielen Dank, dass Sie einen Dumpinglohn gemeldet haben! Sie erhalten eine E-Mail mit Ihren Angaben an die von Ihnen genannte E-Mail-Adresse. Wir werden Ihre Angaben prüfen und uns dann ggf. mit Ihnen in Verbindung setzen.". Daher ist es empfehlenswert zwecks Sicherung der Anonymität direkt beim ver.di-Bezirk Süd-Ost-Niedersachsen (Telefon: 05 31 / 244 08-0) oder bei NGG-Region Süd-Ost-Niedersachsen (Telefon: 05 31 / 242 74-0) anzurufen, damit man als InformantIn seinen Namen dabei nicht preisgeben muß.
Und auf der Webseite der Gewerkschaft heißt es auch: "Ihre Angaben werden vertraulich behandelt. (..) Selbstverständlich können wir auch ohne Angabe Ihres Namens Ihre Geschichte veröffentlichen." also geht doch!

 

Auszüge aus GBE Nr. 174 April 2004:

Das "Projekt Prekär" bittet um Ihre Mithilfe !

Wer kennt diese Jobs nicht – man/frau kann nicht richtig davon leben, weil die Arbeitszeit nur wenige Stunden ausmacht oder die Entlohnung weit unter Tarif liegt oder der Job nur für wenige Wochen ist. Oder alles zusammen?! Vielleicht ist die Anstellung nur befristet: Man/frau kann gehen, wenn nix mehr zu tun ist, steht mit leeren Händen da und muß neu suchen. Oder man/frau wird gleich verliehen: Arbeit mal hier, mal da und nie was Festes. Das alles sind so genannte prekäre Beschäftigungen, also unsichere und ungeschützte Arbeitsverhältnisse, die keine normale Lebensplanung zulassen.
Es gibt sie überall, diese Jobs, in der mobilen Krankenpflege, bei Kurier- und Reinigungsdiensten, in Hotels, Gaststätten, Call-Centern usw.
Wenn Sie selbst schon (leidvolle) Erfahrungen mit solchen Jobs gemacht haben oder im Bekannten- und Freundeskreis Menschen kennen, die "prekär" beschäftigt sind oder waren, dann bitten wir Sie an dieser Stelle um Ihr Wissen und Ihre Mithilfe. Wir, das ist eine Arbeitsgruppe des "Sozialforums Göttingen" (eine Art Runder Tisch für soziale Fragen), die sich mit ungeschützten Jobs beschäftigt. Mit Ihrer Hilfe wollen wir herausbekommen, in welchen Firmen in Göttingen und Südniedersachsen diese Art von Beschäftigung vorkommt. Uns interessieren die Schwierigkeiten, mit denen Menschen, die in diesen Jobs arbeiten, täglich zu kämpfen haben. Wir möchten ausloten, ob es betriebstypische oder gar Job-typische Probleme mit prekärer Arbeit in Südniedersachsen gibt. Vielleicht entsteht so die Möglichkeit, einen gemeinsamen Ansatz zur Verbesserung dieser Arbeitsverhältnisse zu entwickeln.
Wenn Sie uns Erfahrungen mit ungeschützter Arbeit schildern möchten, bitten wir Sie herzlich um Angaben zu den genannten Punkten.

Betrieb / Einrichtung........
Branche /  
Wirtschaftszweig (z.B. Callcenter o.ä.) 
Arbeitsverhältnisse (z.B. Leiharbeit, Mini-Jobs o.ä.) 
Lohn / Stundenlohn 
Anzahl der Beschäftigten 
aktuelle Konflikte (z.B. keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall) 
Haben Sie Interesse / Bedarf an Beratung und Unterstützung? 
AnsprechpartnerIn (vertraulicher Umgang wird zugesichert) 

Schicken Sie Ihre Hinweise bitte an die folgende Adresse: AG "Prekäre Beschäftigung" im Sozialforum Göttingen c/o Arbeit und Leben, Lange Geismarstr.72, 37073 Göttingen , E-mail: prekaritaet@web.de.
Oder Online ausfüllen unter >> Onlinefragebogen

Ihnen und AnsprechpartnerInnen, die Sie uns für Nachfragen benennen können, sichern wir absolute Vertraulichkeit zu ! Für Rückfragen zu einzelnen Punkten stehen wir Ihnen gerne auch telefonisch zur Verfügung:: (0551) 44 0 97 (DGB) Hier erfahren Sie die Termine, an denen sich die Arbeitsgruppe wieder trifft. Z.B. wenn Sie selbst aktiv werden möchten und mit uns zusammenarbeiten wollen. Aber auch, wenn Sie eine rechtliche Beratung suchen.

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Was ist prekäre Arbeit?

Was fällt alles unter prekäre Arbeit?
Leiharbeit, Scheinselbständigkeit, Subunternehmertum, Honorar- und Werkvertragsbeschäftigung, Mini-Jobs, Arbeit auf Abruf, erzwungene Selbständigkeit (Ich-AG), befristete Beschäftigung, illegale Beschäftigung, Heimarbeit.

Wo findet man sie?
Hotel- und Gaststättengewerbe, Freizeitindustrie, Reinigungsgewerbe, Systemgastronomie, Einzelhandel, Transport und Logistik, Medien, Kunst und Kultur, Callcenter, Pflegedienste und sonstige personenbezogene Dienstleistungen. Mit der Verschärfung der Zumutbarkeitskriterien Hartz-Gesetzen, durch die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen und Outsourcing wird die Ausweitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse bewusst gefördert. Die Zahl prekär Beschäftigter geht bereits in die Millionen

Wodurch ist sie gekennzeichnet?
Niedriglöhne, unzureichende Berücksichtigung rechtlicher und tariflicher Regelungen, geringe qualitative Anforderungen und geringes Qualifikationsniveau, hohe Krankenstände, atypische Arbeitszeiten, geringe Sicherheits- und Sozialstandards, hohe Fluktuation,

Gewerkschaft?
Wenig gewerkschaftliche Aktivitäten bei prekären Beschäftigungen. "Sei es, weil es sich um neuere Entwicklungen handelt, die sich jenseits klassischer Gewerkschaftsstrukturen entwickelt haben, sei es weil sich Gewerkschaften jenseits geregelter Voll- und Teilzeitarbeit nicht betätigen wollten." Eine Rolle für gewerkschaftliche Abstinenz dürfte auf sein:  "Niedrige Löhne und damit geringe zu erwartende Beiträge, hohe Problemdichte mit viel Beratungsbedarf und vielen zu erwartenden juristischen Auseinandersetzungen, gewerkschaftsunübliche Arbeitszeiten und Arbeitsorte, kulturelle und fachliche Defizite im Umgang mit den betroffenen Menschen, Unkenntnis der Probleme der Betroffenen (Ausländerrecht, Sozialrecht)."
Quelle Nach einem Text von Sebastian Wertmüller, DGB Vorsitzender Gö, in dem er für ein stärkeres Engagement der Gewerkschaften in diesem Bereich spricht. März 2004