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Göttinger Betriebsexpress e.V.
Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchhof 7, 37073 Gö, Abonnements: 65 DM pro Jahr  auf Konto GBE 11060787 bei  Spk Göttingen, BLZ 260.500.01

Verweise auf Artikel über Göttinger Betriebe

Schmorl & von Seefeldt macht dicht> Alcan / Novelis (goest / GBE)
Mahr (GBE> Gothaer (goest / GBE)
Lanco (GBE)> Sartorius (GBE)
ELWA Clean (GBE)> Linos AG (GBE /goest)
> Prekäre Beschäftigungen (GBE / DGB) > Adams (GBE)
> EMNID (GBE / GöDru)> Klinikum (goest / GBE)
> Leserbrief> Phywe (goest / GBE)
 > Lambda Physik (goest)

Einige Infos über den GBE

Der Göttinger Betriebsexpress berichtet seit Jahren über Vorgänge in Betrieben der Göttinger Region, ist kritisch gewerkschaftlich orientiert: "Seit ca. 25 Jahren (bzw. 40 Jahre!) versucht sich der Göttinger BetriebsExpress in die Diskussionen in den Betrieben und Gewerkschaften einzumischen und linke Positionen zu vertreten. Der GBE wird vom Trägerverein "Göttinger BetriebsExpress e.V. viermal (bzw. 2 bis 4 mal) im Jahr herausgegeben. Die Redaktion besteht aus ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die die Informationen aus den Betrieben aufbereiten. Viele weitere ehrenamtliche Helfer übernehmen die kostenlose Verteilung der Zeitung an den Betrieben in Göttingen und Umgebung. Natürlich können wir gern auch Zeitungen zur Verteilung in kleineren Betrieben zusenden."

Korrektur 15.12.09/ : "Da steht, dass wir seit über 25 Jahren uns einmischen etc. Den GBE gibt es exakt seit 1973 (da erschien die Nr. 1, von der ich vor 2 Jahren auch noch ein kopiertes Exemplar in die Finger bekam), also seit bald 40 Jahren. Die schaffen wir ja vielleicht auch."

Der GBE liegt im DGB-Haus Obere Masch Str. 10 und im Buchladen Rote Straße aus

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Veranstaltung GBE mit Industrial Workers of the World (IWW)
Freitag, 12.9.2008, 19.00 Uhr DGB-Haus

„Der Weg entsteht beim Laufen“
Wie sich ArbeiterInnen im New Yorker Lebensmittelsektor gegen Hungerlöhne und unmenschliche Arbeitsbedingungen organisieren

 
Wenn die Gäste in den New Yorker Nobel-Restaurants sich nach Hummer und Muscheln auf den Weg nach Hause machen, hat für die ArbeiterInnen der Lieferketten der Arbeitstag längst begonnen. Viele von ihnen müssen, um überleben zu können, Arbeitszeiten bis zu 60 Stunden pro Woche akzeptieren – für einen Lohn weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn.

Denn viele von ihnen sind 'Illegale', für die es unmöglich ist, sich zu beschweren oder zu wehren, ohne die Abschiebung zu riskieren. Unter diesen schwierigen Bedingungen ist es den Industrial Workers of the World (IWW) in New York gelungen, die ArbeiterInnen von bislang 10 Lager- und Großhandelsfirmen zu organisieren. Statt eines hauptamtlichen Apparats ist das entscheidende Moment hierbei die Selbsttätigkeit und Kreativität der ArbeiterInnen. Darüber berichtet Stephanie Basile, die als 'Organizer' der IWW die ArbeiterInnen bei ihrem Kampf unterstützt hat. Wir erwarten eine spannende Diskussion über: . Arbeits- und Kampfbedingungen amerikanischer ArbeiterInnen . Situation von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen in den USA . die Möglichkeiten von internationaler Solidarität und Gegenmacht. Diskussionsveranstaltung mit Stephanie Basile, IWW New York . (Text und Foto: GBE)

 

 

Schmorl&vonSeefeldt macht am 21. Juli 2004 dicht

16.7.04 / Die Hannoveraner Buchhandlung Schmorl & von Seefeldt macht ihre Filiale im Carré zum 21. Juli dicht. Außer dem direkten Verkauf lief sowieso alles über Hannover: Die Geschäftsführung Martin Schmorl und Marlies Unruh, die erweiterte Geschäftsleitung Zentrale/Hannover Friedhelm Mörke, die Betreuung des Internetangebotes, die buchalterische Bearbeitung der Lieferantenrechnungen, die Ansprechpartner für Lieferanten, die CD-Abteilung, Einkauf/Disposition, die Personalabteilung und Ausbildung Helma Kian und Anke Hanke, Werbemaßnahmen, PR und Veranstaltungsmanagement - alles lief von Hannover aus.

Im November 1999 eröffnete die Filiale auf ca. 1400 qm Verkaufsfläche über zwei Etagen. Spätere Trotz  Maßnahmen wie Flächenverkleinerung und Sortimentsveränderungen sowie regelmäßige Veranstaltungen in der Buchhandlung war die Weiterführung der Filiale nicht mehr profitabel für Herrn Schmorl.  Die Schließung kommt jetzt etwas plötzlich für die Beschäftigten aber auf das Verlangen nach einem Sozialplan antwortet die Geschäftsleitung, man solle doch froh sein, dass man wenigstens in der Vergangenheit Arbeitsplätze gehabt habe.

 

Uni: Reinigungskräfte ELWA-Clean
29.8.03 Da wird ein Vertrag mit einem Unternehmen gekündigt, das wegen seiner ausbeuterischen Geschäftspraktiken bei den Reinigungskräften verschrien ist und ein Gericht zwingt das Klinikum dazu, diese Firma mit Reinigungsaufgaben zu betreuen, weil das dem "Wirtschaftlichkeitsgebot" entspricht. Eine Frau die da arbeitet schreibt:
"Erinnert ihr Euch noch an den Skandal der Reinigungsfirma Elwa-Clean im Zentral-OP? Die haben gewonnen und gehen am Montag wieder im Klinikum an den Start! Ich bin fassungslos, weil ich zur Zeit genau dort arbeite und wir mit ca. 25 Leuten wohl ab Montag die Sachen packen können. Ich hoffe auf ein Wunder....wird es ein Wunder geben?? Hoffende Grüße (...) Ja wir erinnern uns, siehe folgenden Artikel aus dem GBE:

Artikel aus dem Göttiner Betriebsexpress Nr. 170, vom 18.9.2002
ELWA-CLEAN und der Umgang mit ausländischen Reinigungskräften
Das Unglück kommt nicht wie der Regen, es wird von denen gemacht, dieeinen Gewinn davon haben. Bertolt Brecht
Zur Zeit kocht ein schon seit längerem schwelender Konflikt um zu niedrige Gehaltszahlungen bei der privaten Reinigungsfirma ELWA-CLEAN Raum GmbH hoch, die im Zentralen Operationssaal ZOP) des Göttinger Universitätsklinikums einen Reinigungsvertrag hat. Der Grund: Einige der Beschäftigten von ELWA-CLEAN fordern mit Unterstützung der zuständigen Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt nun auch öffentlich ihre tarifvertraglich festgelegten Rechte ein.
Hungerlohn oder Lohnwucher?
Schon im vergangenen Jahr wurden den 30 überwiegend ausländischen MitarbeiterInnen von ELWA-CLEAN, die im ZOP arbeiten, von ihrem Vorarbeiter Verzichtserklärungen präsentiert: Sie sollten sich mit einer (niedrigeren) pauschalierten Zahlung ihres Weihnachts- und Urlaubsgeldes einverstanden erklären. Die drohende Kündigung im Falle der Weigerung stand dabei zwar unausgesprochen, aber deutlich im Raum. Trotz dieser Einschüchterungsversuche wandten sich zum Glück damals einige der betroffenen Frauen gleich an die VER.DI-Vertrauensleute im Klinikum. Eine Anfrage beim Personalrat Kliniken stellte schnell klar, dass es sich hierbei um ein sittenwidriges Vorgehen handelte.
Selbst das Management des Klinikums schaltete sich ein! (Das Tariftreuegesetz war damals noch nicht von der CDU/CSU im Bundesrat blockiert worden.) Angeblich, so Frau Eliseeva, Geschäftsführerin von ELWA-Clean werde der Tarifvertrag eingehalten. Und das, obwohl der Tarifvertrag keine Pauschalierung vorsieht und auch bei der Fälligkeit keine Abstriche gemacht werden dürfen. Tariftreue ist also kein Problem für die Chefin der Arbeitnehmerüberlassungs-Firma!? Wohl doch, denn ob Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld überhaupt an irgendeine/n der Mitarbeiterinnen korrekt gezahlt wurden, steht bis heute nicht fest. Die Mitarbeiterinnen, die zu Recht noch immer auf Einhaltung des Tarifvertrages pochen, haben nun in den letzten zwei Wochen mit aktiver Unterstützung der Gewerkschaft auch öffentlich Kritik geübt: U.a. gab es eine ausführliche Berichterstattung in GT und HNA, in der über die skandalösen Zustände bei ELWA-CLEAN berichtet wurde. Der Druck auf die Firma hat mittlerweile zum Wechsel zu einer anderen Firma geführt. Ab 1.10. wird die Firma Dorfner mit der Reinigung des ZOP beauftragt. Ob die Kliniksverwaltung die Konsequenzen aus dem ELWA-Clean-Skandal gezogen hat, muss bezweifelt werden. Wiederum wird der Zuschlag für die Dorfner AG mit dem ,,wirtschaftlichsten Angebot" begründet. Der Anwalt von ELWA-CLEAN hat gegen diese Entscheidung gerichtliche Schritte angekündigt. Zu wünschen wäre angesichts der bisherigen Zustände, dass künftig auch die Arbeitsbedingungen der durch solche Firmen ,,überlassenen" Mitarbeiterinnen zum Auswahlkriterium werden. Dann würde es für solche Firmen auch wieder interessanter, sich an Tarifbestimmungen zu halten!
Ist Niedrigstiöhnen nur noch gerichtlich beizukommen?
Zur Zeit weht den Kolleginnen von ELWA-CLEAN trotz gewerkschaftlicher Unterstützung der Wind ins Gesicht: Ihr mutiger (und nachahmenswerter!) Gang an die Öffentlichkeit führte dazu, dass der Rechtsanwalt von ELWA-CLEAN einigen von ihnen dieser Tage eine einstweilige Verfügung zukommen ließ: Wegen sogenannter Störung des Betriebsfriedens wurde ihnen die Rückkehr an ihren Arbeitsplatz untersagt. Mal sehen, wie es nun weitergeht. Klar wird an dieser ganzen Geschichte jedenfalls eines: Ohne den öffentlichen und gewerkschaftlich unterstützten Widerstand der Kolleginnen gegen das Lohndumping wären die Zustände bei ELWA-CLEAN wohl nie ans Licht gekommen. Ohne diesen Widerstand hätte wohl auch das Klinikum kaum einen Wechsel zu einer anderen Reinigungsfirma in Betracht gezogen.

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Dunkle Wolken über Mahr (ehemals Feinprüf)
Artikel aus dem Göttiner Betriebsexpress Nr. 169, vom 24. April 2002

Bilanz 2001 ist verregnet Die Kolleginnen sollen es ausbaden. TOP 100?
Wenn man in den letzten Jahren über Mahr (ehemals Feinprüf) gelesen hat, dann hatte man den Eindruck, dort ist wirklich alles in bester Ordnung. Ende März wurde im GT feierlich verkündet, dass sich Mahr einen Platz in der Bestenliste der ,,bp 100" der deutschen Mittelstandsunternehmen erobert hat. Und laut GT-Kommentar am 28. März könnte alles noch viel besser sein, ,,wenn man die Unternehmer und ihre Mitarbeiter doch nur machen ließe". Dass das aber nicht immer der cleverste Weg ist, zeigt die aktuelle Situation beim angeblichen Top-100-Betrieb Mahr.
Management spielt ,Global Player'...
Bereits zwei Wochen vorher hatte das Unternehmen erste Zahlen für das Geschäftsjahr 2001 veröffentlicht - und die sahen nun wirklich nicht rosig aus. Zwar konnte Mahr beim europäischen Umsatz knapp 10% zulegen, aber das Geschäft in den USA ist um 17% zurückgegangen. Letztlich fehlten am Umsatzziel von 180 Mio. € satte 24 Mio. €. Da bleibt dann für einen Jahresgewinn nichts mehr übrig - trotz der üblichen Hin-und Herschiebereien wird wohl für 2001 ein Verlust in der Bilanz stehen. Dass es ausgerechnet in den USA diesen gewaltigen Einbruch gegeben hat, ist ein Schlag ins Kontor für die Mahr-Manager Keidel und Gais. Im Jahr 1999 hatte man eine amerikanische Messtechnikfirma gekauft, um auf dem amerikanischen Markt besser präsent zu sein. Mit der 1918 gegründete ,Federal Products Co.' wurde die Mahr-Gruppe um einen Schlag um fast 40% größer. Die Parole ,,Umsatz verdoppeln" wurde überall bei Mahr plakatiert. Zum Glück in Englisch, um die neue Internationalität zu demonstrieren, so dass das niemand so recht verstanden hat.
Die Baden-Württembergische BWBank hat die Übernahme im Geschäftsbericht 1999 denn auch als das herausragende Geschäft ihrer amerikanischen Tochter BW Capital Markets bezeichnet. Wenn eine Bank ein Geschätt als so bedeutend einstuft, dann darf man davon ausgehen, dass die Bank daran gut verdient hat - der Kauf dürfte also nicht ganz billig gewesen und auch nicht aus eigener Tasche finanziert worden sein.
und hat sich verhoben
Die rechte Freude an der Mahr Federal sollte aber nicht aufkommen. An der US-Tochter wurde herumsaniert bis zum Quietschen. Da wurde die Produktion einiger Teile nach Tschechien verlegt - was wie bei jeder Verlagerung erstmal zu Anfangsproblemen und Qualitätsschwierigkeiten führte. Als sich dann abzeichnete, dass in den USA wenig zu tun ist, wurde die Produktion wieder zurückverlegt - gerade als die Probleme in Tschechien halbwegs beseitigt waren. In nur zwei Jahren ist die Anzahl der Beschäftigten in Providencel USA von 430 auf 220 zurückgegangen. Schon Ende letzten Jahres hatten viele Kolleginnen das Gefühl, dass da ein ganz dicker Hund begraben liegen muss. Es war den KollegInnen ja nicht verborgen geblieben, dass die Umsatzziele Monat für Monat verfehlt wurden, ohne dass sich in Göttingen was Wesentliches getan hat. ,,Da muss woanders eine viel größere Baustelle sein", war die Meinung. Offensichtlich hat sich Mahr mit dem Kauf der Federal Products verhoben. Jetzt sind da Kapitalkosten zu tragen, denen auf der anderen Seite kein entsprechender Umsatz gegenüber steht. In solch einer Situation muss dann das Geld, das die KollegInnen erwirtschaftet haben, vollständig für Zinsen zur Bank getragen werden und in der Bilanz stehen rote Zahlen.
Guter Rat ist teuer....
Inzwischen hat man die ,Unternehmer' lange genug ohne Erfolg ,machen lassen' - es mussten drastische Maßnahmen her. Was für Maßnahmen wusste man nicht - in solch einer Situation schlägt immer die Stunde der Unternehmensberater. Die Beraterfirma Mercer hat sich also an die Arbeit gemacht und die Mahr-Gruppe durchleuchtet. Über das Ergebnis wurden die Kolleginnen in den letzten Tagen von der Geschäftsleitung informiert. 8% weniger Umsatz als geplant ist im Jahr 2002 zu erwarten. Ein Teil der geplanten Maßnahmen klingt nach dem üblichen Standard: Lager reduzieren, Kosten senken, sparen, sparen, sparen Die Geschäftsleitung hat allerdings auch einen konkreten Vorschlag zur Reduktion der Produktionskäpazität vorgelegt:

- Überstunden- und Gleitzeitabbau
- Kündigung von Zeitverträgen - das betrifft bis Jahresende ca. 20 Kollöglnnen
- Reduzierung der Arbeitszeit in der Messtechnik um 5 bis 6 Stunden pro Woche.
- Laut Geschäftsleitung ist das die Alternative zur Entlassung von ca. 80 Kolleginnen.

Auch wenn es gut ist, dass bei Mahr nicht als erstes an Entlassungen gedacht wird, ist das für die Kolleginnen ein harter Schlag: 15% bis 17% weniger in der Lohntüte! Und völlig ausgereift scheint der neue Geschäftsplan auch nicht zu sein. Die Messtechnik hat 2001 einen Umsatz von knapp 70 Mio. € gemacht, für 2002 gehen die neuen Planungen von 71 Mio. € aus. Wie soll das zu schaffen sein, wenn die Arbeitszeit in diesem Bereich um 15-17% reduziert wird? Ist da nicht der nächste Misserfolg vorprogrammiert?  Die Mahr-Manager Keidel und Gais scheinen ja eher relativ kurzfristig zu denken. Im Jahr 1999 sind sie aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten, mit derBegründung, dass die IG Metall die 32h-Woche im Tarifvertrag durchsetzen will. Jetzt soll es gleich eine 29h-Woche sein.

Alles nur Tarif-Zirkus?
Bei vielen KollegInnen besteht auch der Verdacht, dass die dramatischen Worte der Geschäftsleitung von ,,Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit" nur das übliche Getrommel sind, das den Tarifverhandlungen vorausgeht. Dafür spricht auch der Tenor des GT-Kommentars vom 14. März zum Umsatzeinbruch bei Mahr. Laut GT sind die hohen Forderungen der IG Metall und die Steuern und Lohnnebenkosten an allem Schuld.
Die Kolleginnen bei Mahr haben jetzt ihren Managern erst mal gezeigt, dass sie mit einer solch drastischen Kürzung ihres Einkommens  nicht einverstanden sind. Zur Verhandlungsrunde  über den Haustarifvertrag am 19.4. sind über 400 Kolleginnen   vor die Tür gegangen und haben damit gezeigt, dass sie nicht bereit sind, die Zeche für Management-Fehler zu bezahlen. Mitte der 90ger Jahre hatten sie sich von der Firma ins Bockshorn jagen lassen und hatten sich einverstanden erklärt, ohne Bezahlung mehr zu arbeiten. Zu solchen Sonderopfern sind die Kolleginnen diesmal offensichtlich nicht bereit. Eine besondere Note erhielt der Warnstreik noch dadurch, dass Herr Gais für Mahr verkündet hat, eine Lohnerhöhung von 2,5% sei das Äußerste - das ist zwar völlig unannehmbar, aber immerhin 0;5% mehr als der Metallarbeitgeberverband herausrücken will. Mit einer so entschlossenen Belegschaft im Rücken sollte es für den Betriebsrat und die IG Metall jedenfalls möglich sein, in den Tarifverhandlungen und bei den Verhandlungen um die Beschäftigungssicherung eine Lösung zu erarbeiten, die für die KollegInnen annehmbar ist.

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Mahr (Ex Feinprüf) teilt den Betrieb auf
12.10.01 / Aus Betriebsexpress Nr. 167 Mittwoch den 10. Oktober 2001

"Was wird aus dem ,,Stiefkind?
(..) Der Bereich Spinnpumpen wird aus der GmbH ausgegliedert und ab sofort unter dem Namen ,,Mahr Metering Systems" (Mahr Dosier-Systeme) als eigenständige Firma weitergeführt werden. (..)  Mahr exportierte dieses Produkt bisher in alle Welt und galt als Marktführer.
Betriebsänderungen und Ausgründungen dieser Art sind in.den vergangenen Jahren von vielen Unternehmen verstärkt betrieben worden. Oft verfolgten sie das Ziel, wenig profitable Betriebsteile auszuschlachten oder zu verkaufen, verbunden mit der Absicht die betriebliche Interessenvertretung zu schwächen. Solche Erwägungen scheinen, zumindest gegenwärtig, bei Mahr keine Rolle zu spielen. Nach den Worten von Geschäftsführer Gais wird erwogen, andere auf diesem Sektor tätige Firmen ,,hinzuzukaufen". Die Mahr-Geschäftsführung erklärte die mit der Ausgründung verbundenen Ziele wie folgt: Konzentration auf ein eigenständiges Geschäftsfeld und Erschließung neuer, verbesserte Möglichkeiten der Kooperation mit oder Übernahme anderer Firmen, Bessere Wachstumsaussichten.
Gut hundert Beschäftigte waren bisher bei der Produktion Spinnpumpen beschäftigt - etwa 20 % der Mahr-Belegschaft mit einem Umsatz von etwa 30 Mio. jährlich. In der Tat stand bisher der Bereich Spinnpumpen im Rahmen der GmbH am Rande des Interesses und die Neugründung kann auch die Chance enthalten Umsatz und Produktion zu steigern. Dass dies dann aber unbedingt am Standort Göttingen der Fall sein muss, will niemand garantieren. Die Beschäftigten bei Mahr machen auch nicht das erste Mal Erfahrungen mit einer solchen Massnahme: vor einigen Jahren wurde die EDV-Abteilung ausgegliedert, wobei sich die Arbeitszeitregelungen für viele der Betroffenen verschlechtert haben.
Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass die Ausgliederung unter dem betroflenen Belegschaftsteil anfänglich auf Skepsis stieß. Betriebsrat und IG Metall konnten allerdings erreichen, dass die neue Firma ,,Mahr Metering Systems" alle auch für die Mahr GmbH geltenden Vereinbarungen und Tarife übernehmen wird. Weder werden bestehende Arbeitsverträge der ArbeitnehmerInnen geändert, noch müssen sie gekündigt werden. Eine einfache Erklärung jeder/s Beschäftigten, in der neuen Gesellschaft arbeiten zu wollen, ist ausreichend. Dieses Ergebnis hängt sicherlich auch mit dem entschlossenen Auftreten des Betriebsrats und der IG Metall und dem mit über 80 % guten gewerkschaftlichen Organisationsgrad bei Mahr zusammen. (...)

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Lanco falsch beraten
12.10.01 / Aus Betriebsexpress Nr. 167 Mittwoch den 10. Oktober 2001

Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern, dass es bei der Firma Lanco, Lange Fenster & Fassadenbau, zur Zeit nicht zum Besten bestellt ist. Der Göttinger Familienbetrieb ist im Weender Industriegebiet ansässig und ist eigentlich für soliden Fenster-und Fassadenbau in der Branche bekannt. Bis vor kurzem haben die beiden Brüder Jürgen und Werner Lange diesen Betrieb gemeinsam geführt. Allerdings ist der Minderheitsgesellschafter Werner Lange inzwischen aus dem Betrieb ausgestiegen.
Das Jahr 2000 scheint ein Albtraum für Lanco gewesen zu sein. Am Ende des Millenniumjahres hatte sich ein Millionenverlust angehäuft. Ursache ist zum einen die schlappe Konjunktur in der Baubranche, zum anderen wird immer wieder eine gigantische Fehlkalkulation als Ursache genannt. Beim Bau der Landesversicherungsanstalt Oberschwaben in Augsburg hat sich die Lanco-Geschäftsführung gründlich verrechnet, so dass man am Jahresende sagen konnte: außer Spesen nichts gewesen.
Jetzt kam die Stunde der guten Freunde: die Göttinger Sparkasse als Hausbank machte gewaltig Druck und gab einen Rat unter Freunden: sofort sei ein Unternehmensberater mit der Analyse der Firma zu beauftragen. Dass die Göttinger Sparkasse sich da nicht auf den eigenen Sachverstand verlässt, kann man noch nachvollziehen: in der Briese-Affäre haben die Sparkassen-Manager immerhin genug Geld in den Sand gesetzt. Warum sie allerdings Lanco jetzt den Schleswig-HoIsteiner Unternehmensberater Zemic aufs Auge gedrückt haben, verwundert doch. Dessen Rat hatte nämlich schon bei der Fa Adams nur zu Entlassungen geführt, ohne dass die Fast-Pleite abgewendet worden wäre. Solch ein Berater nimmt pro Tag so viel Geld, wie ein einfacher Arbeiter im Monat zur Verfügung hat, und die Qualität der Ratschläge gehen oft nicht über das hinaus, was man sich mit gesundem Menschenverstand überlegen kann - wenn sie das Niveau überhaupt erreichen.

Schwachstelle Unternehmensberater...
Im Fall von Lanco hat der Unternehmensberater jedenfalls eine sogenannte Schwachstellen-Analyse durchgeführt, die zu dem Ergebnis führte, dass die Firma Lanco ihre Blechverarbeitung schließen und an externe Firmen vergeben soll. Wieso bei einer Firma, die hauptsächlich Blechfassaden montiert, die Blechverarbeitung überflüssig ist - das wird das Geheimnis des Unternehmensberaters bleiben. Von den 137 Kolleginnen bei Lanco sollen 27 entlassen werden. Einige von diesen kolleginnen gehen jetzt sowieso in Rente und einige haben befristete Arbeitsverträge, die nicht verlängert werden. Aber es bleiben 21 Menschen, denen gekündigt worden ist. Die Zahl von 27 betroffenen kolleginnen ist keineswegs willkürlich gewählt und sie ist auch nicht durch geheimnisvolle betriebswirtschaftliche Berechnungen zustande gekommen. Es ist ganz einfach: ab 20% betroffener Kolleginnen, also ab 28 Menschen, hätte nach dem Betriebsverfassungsgesetz zwingend ein Sozialplan aufgestellt werden müssen, der die sozialen Härten für die Rausgeschmissenen wenigstens ein wenig mildert (Eine Verschärfung gegenüber den vorher geltenden 10%, die wir der Kohl-Regierung verdanken und die Schröder und Riester nicht wieder rückgängig gemacht haben).

...und auch der Betriebsrat
Die Firmenleitung hat zwar immer wieder Lippenbekenntnisse von sich gegeben, dass sie Hand in Hand mit Betriebsrat und Gewerkschaft das Schlimmste verhindern wolle - tatsächlich aber hat sie versucht, hinter dem Rücken der IG Metall einen Sozialplan auszuhebein. Ein weiteres Hindernis, bevor solche Massenentlassungen möglich sind, ist der Interessenausgleich mit dem Betriebsrat. Der muss einen solchen Interessenaus-gleich unterschreiben und tut dies natürlich nur, wenn ein ver-nünftiger Sozialplan abgeschlossen wordern ist. In diesem Fall wurden die Kolleginnen bei Lanco allerdings enttäuscht: ihr gewählter Betriebsrat ließ sich weichkiöpfen und unterschrieb einen Interessenausgleich ohne jegliche soziale Absicherung. Der Prokurist und Personalleiter Schmidt-Unverfehrt hatte die IG Metall erfolgreich ausgetrickst, auf der Strecke blieben die Interessen der KollegInnen, die angeblich überflüssig sind. Nicht einmal die mindesten Rechte der Beschäftigten hat der Betriebsrat letztlich gewahrt. Noch Wochen nach dem Deal mit der Geschäftsführung, als die ersten kündigungen längst auf dem Tisch lagen, hatte es keine Betriebsversammlung gegeben, um den Kolleginnen die bittere Wahrheit zu unterbreiten.

Zum Glück haben die Gekündigten Rückgrat gezeigt und haben mit Hilfe der Gewerkschaft auf Wiedereinstellung geklagt. Das hat immerhin einen solchen Druck entfaltet, dass die Geschäftsführung sich auf Verhandlungen über einen ,freiwilligen Sozialplan eingelassen hat. Letztlich konnte erreicht werden, dass je nach Betriebszugehörigkeit, Anzahl Kinder, Alter, Behinderung etc. ein Punktesystem aufgestellt wird, nachdem die Entlassenen eine Entschädigung bekommen. Immerhin werden so über 400.000 DM auf diejenigen verteilt, die die Firma verlassen müssen.

Bleibt die Frage, ob der Betriebsrat mit ein wenig mehr Rückgrat mehr für die Beschäftigten hätte herausholen können. Vielleicht wäre die komplette Schließung der Blechabteilung sogar zu verhindern gewesen, denn sie war eine sogenannte ,,Kernkompetenz" wie die Manager sagen. Eine eigene Blechabteilung garantiert der Firma jedenfalls eine pünktliche Bearbeitung der Aufträge ohne sich bei einer externen Firma ,,hinten anstellen" zu müssen. Und Pünktlichkeit und akkurate Bearbeitung sind am Bau wichtige Kriterien für einen Auftrag. In dieser Beziehung müssen sich die KollegInnen bei Lanco nicht verstecken: vor kurzem hat die Firma für die besonders pünktliche Bearbeitung eines Auftrages eine Sonderprämie eingesteckt.

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