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Movements of Migration

Veranstaltungsreihe, Ausstellung, 3.3.-30.3.13
>> http://www.movements-of-migration.org

Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie Georg-August-Universität Göttingen Heinrich-Düker-Weg 14 37073 Göttingen, Projektleitung: Prof. Dr. Sabine Hess, Dr. Torsten Näser

>> zur goest-Leitseite: Bleiberecht / Abschiebungen, Asyl

 

Interdisziplinäre Tagung "Stadt und Migration 2013

21.3. - 22.3.13 Kulturwissenschaftliches Zentrum Uni Göttingen
Kritische Perspektiven auf ein Forschungsfeld in Bewegung
>>Genaueres Tagungsprogramm

Prof. Dr. Sabine Hess
Projektleitung:

Institut für Kulturanthropologie/ Europäische Ethnologie Georg-August-Universität Göttingen Heinrich-Düker-Weg 14

im Gespräch mit Khosro vom Haus der Kulturen / Zukunftswerkstatt e.V. einem Zentrum für die Migratrionsarbeit in der Weststadt Göttingens

VeranstalterInnen: "In der öffentlichen Diskussion wird Migration vor allem als ein städtisches Phänomen verhandelt: Gesprochen wird von der "Krise der Städte", von "Ghettos" und "Parallelgesellschaften", die multikulturalistische Politiken zum Scheitern verurteilt hätten. Andererseits betonen Großstädte ihre "bunte Vielfalt" und deuten Migration zu einem Standortvorteil um. Die Tagung [wollte] die gängige Debatte einer Kritik unterziehen und neue Ansätze zur Diskussion stellen."

Freitag / 11.30 Uhr Werkstattgespräche
"Methodologische Herausforderungen neuer Ansätze in der Stadt und Migrationsforschung"

v.l.n.r.: Moderation: Prof. Dr. Beate Binder (HU Berlin) , Dr. Simone Buckel (Universität Kassel)
Philip Zölls (Zürich): Stadt historisieren Beiträge zu einer machtanalytischen Stadtforschung,
Dr. Katrin Wilden (Frankfurt/Oder): Perspektiven neuerer ethnographischer Forschungsansätze : Vergleichende Stadt- und Migrationsforschung als Methode

Roundtable Dikussion Migration / Stadt / Politik
Natalie Bayer (Labor kritische Migrationsforschung, München/Göttingen: Repräsentationspolitiken) — Khosro, Vorstand Zukunftswerkstatt e.V. im Haus der Kulturen Göttingen (Stadtteilarbeit) , Moderation: Dr. Henrik Lebuhn (HU Berlin) , [Der ebenfalls angekündigte Dr. Andrej Holm (HU Berlin: Recht auf Stadt) hatte abgesagt]

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Veranstaltungsreihe "Migration ("Movements of Migration") 3.3.-30.3.13

>> http://www.movements-of-migration.org/

VeranstalterInnentext (Flyer) : "Stadt ist Migration – diese Einsicht der Stadtforschung gilt auch für Göttingen. Ohne die verschiedenen Migrationsbewegungen wäre Göttingen heute noch das Dorf, das es ehemals war. Heute haben ca. 18,5% der Göttinger Stadtbevölkerung einen Migrationshintergrund, sie kommen aus 172 Geburtsländern. Göttingen befindet sich hiermit im guten bundesdeutschen Durchschnitt in Sachen Einwanderungsrealität. Doch in den offiziellen Darstellungen der Stadt findet diese Realität kaum Beachtung, vielmehr wird sie von zahlreichen Akteur_innen der Stadtpolitik dethematisiert. Auch verschwindet sie nahezu im Stadtbild, das durch die idyllische Innenstadt und die Universität geprägt ist; ganze Stadtviertel und Lebenswelten, die ungleich migrantischer sind, fallen hierbei aus dem Blick. Wie kann dies passieren? Movements of Migration hat sich zum Ziel gesetzt, diese verunsichtbarten Realitäten und verdrängten Geschichten der Migration aufzusuchen und sie in der Stadtöffentlichkeit sichtbar zu machen. Dabei interessierten uns nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart der Migration und die stadtpolitischen Versuche, sie zu regulieren."

Veranstaltungen

(Flyertext) "Die Veranstaltungsreihe ist ein integraler Bestandteil des Ausstellungskonzepts. In ihr sollen über die Forschung und die Installationen hinaus weitere Themen diskutiert werden. Auch bietet sie die Möglichkeit, andere Formate wie Filmvorführungen oder Lesungen, die die Macht der Bilder und Diskurse zum Thema Migration hinterfragen, miteinzubeziehen. Die Veranstaltungen sollen eine Plattform schaffen, gemeinsam weiter am Wissensarchiv der Migration zu arbeiten und eine nicht-diskriminatorische Perspektive zu entwickeln. Die Veranstaltungsreihe basiert auf Kooperationen mit der Bildungsgenossenschaft, dem Integrationsrat, dem Kino Lumière, dem Kunstverein, dem Literarischen Zentrum, der Stiftung Leben und Umwelt und Papiere für Alle."

Überblick (ausführlicher weiter unten)

  • 25.2.13 , 20 Uhr Rathaussaal, Neues Rathaus: Migrationsgeschichte – Teil der Stadtgeschichte?! Erfahrungen, Fallstricke und forderungen
  • 3.3.13 , So ab 17 Uhr Kunstverein: Eröffnung des ausstellungsparcours
  • 4.3.13 , Mo 20 Uhr Kunstverein: Politisches Engagement von Migrant_innen
  • 6.3.13 , Mi 19.30 Uhr Lumière: Film Postmigrantischer Alltag
  • 7.3.13 , Do 19 Uhr Kunstverein: Migration im Dokumentarfilm
  • 11.3.13 , Mo 20 Uhr Kunstverein: Re-positions: das europäische Grenzregime
  • 17.3.13 , So 15 Uhr kunstverein: kunst und migration 17.3.13 ,
  • 17.3.13 , So 19.30 Uhr Lumière: Mehrere Filme zu Movements of migration
  • 19.3.13 , Di 20 Uhr Literarisches Zentrum: Lesung
  • 20.3.13 , Mi 20 Uhr Kunstverein: filmreihe
  • 21.-22.3.13 , Do-fr, KWZ / Uni interdisziplinäre tagung
  • 22.3.13 , Fr 20 Uhr Kunstverein: Science fiction & citizen faction
  • 25.3.13 , 20 Uhr Kunstverein: Rassismus und Kämpfe der Migration

25.2., MO 20 Uhr Rathaus,Migrationsgeschichte - Teil der Stadtgeschichte?
Lange Jahre blieb die Geschichte der Migration aus der kommunalen Erinnerungsarbeit ausgegrenzt. Seit ein paar Jahren nun ist ein regelrechter Aufarbeitungs-Boom von Museen zu beobachten. Verstanden wird dies als wichtiger Beitrag zur Integration der Migrationsbevölkerung. Wie ist die Situation in Göttingen? Wer erinnert sich hier an welche Geschichten? Wie lassen sich die Geschichten der Migration nacherzählen, rekonstruieren? Es diskutieren: Jochen Oltmer (Migrationshistoriker, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien Osnabrück), Dirk Rupnow (Historiker, Leiter des Instituts für Zeitgeschichte (Innsbruck) und Mitglied des Arbeitskreises "Archiv der Migration"), Ahmet Sezer (Vorstandsmitglied von DOMiD/Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V.).

3.3., SO AB 17 Uhr Kunstverein: Eröffnung des Ausstellungsparcours
Mit Festreden, Musik und einem kleinen Buffet werden wir die Eröffnung des Ausstellungsparcours mit Ihnen feiern. Es besteht die Gelegenheit, sich bereits ab 17 Uhr die Ausstellung im Künstlerhaus anzusehen; die Künstler_innen und Forscher_innen werden für Fragen zur Verfügung stehen. Das Programm startet ab 18 Uhr. Es reden: Hamza Sinanoglu (Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender des Ausländerbeirats, Göttingen), Rebekka Habermas (Historikerin, Georg-August-Universität Göttingen).
Ab 21 Uhr Party im Blue Note, Wilhelmsplatz, mit der Reggae-Band Hippocritz, die eine westafrikanisch inspirierte Roots-Reggae-Mischung mitbringt, und DJing: iranischer Pop und mehr aus der Welt der Migration, des Exils und der Diaspora.

04.03., MO 20 Uhr , Kunstverein: Politisches Engagement von MigrantInnen
Das politische Engagement von Migrant_innen wurde lange Zeit kaum zur Kenntnis genommen. Doch ihr Aktivismus ist so alt wie die deutsche Migrationsgeschichte selbst. Wir wollen dieses politische Engagement Revue passieren lassen und diskutieren: Was sind seine Rahmenbedingungen? Braucht es noch Ausländer- bzw. Integrationsräte? Und wie positionieren sich Menschen mit Einwanderungsgeschichte? Es diskutieren: Belit Onay (Stadtrat und Landtagsabgeordneter der Grünen, Hannover), Hamza Sinanoglu (ehemaliger Vorsitzender des Ausländerbeirats, Göttingen), Cihan Sinanoglu (Politikwissenschaftler und Mitautor der Studie "Vielfalt sucht Rat").

6.3., MI 19.30 Uhr Lumière: Postmigrantischer Alltag
— »Les princes Noirs de Saint-Germain-des-Prés« (Die schwarzen Prinzen von SaintGermain- des-Prés) von Ben Diogaye Bèye, Senegal 1975, 14 min., OV mit engl. UT Der Film ist eine Satire über die männliche afrikanische Jugend, deren Immigrationsprojekt sie mittellos in Paris stranden lässt. Auf den Terrassen von SaintGermain- des-Prés finden sie ihre Beute: junge Französinnen, die der charmanten Eloquenz von exotischen Angeber-Prinzen erliegen.
— »Sexe, gombo et beurre salé« (Sex, Gumbo and Salted Butter) von Mahamat-Saleh Haroun, Frankreich 2008, 81 min., OV mit engl. UT Mit viel liebevollem Witz portraitiert der Film eine migrantische Familie in Bordeaux, die sich mit einer Reihe von Herausforderungen und Überraschungen konfrontiert sieht. Die Ereignisse kulminieren, als die Schwägerin aus Abidjan aufkreuzt und metropolitanen Schwung in den queeren Familienalltag bringt.

7.3., DO 19 Uhr Kunstverein: Migration im Dokumentarfilm
»Transnationalmannschaft« von Philipp Kohl, Deutschland 2010, 95 min. Auf welche Weise kann sich dem Thema Migration im Dokumentarfilm angenähert werden? Wo stößt das Medium an seine Grenzen und wo liegen Potenziale? "Transnationalmannschaft" handelt von einem migrantischen Stadtviertel in Mannheim während der letzten Fußballweltmeisterschaft. Gemeinsam mit dem Filmemacher Philipp Kohl diskutieren Birgit Ehret (Studentin der Kulturanthropologie, Göttingen) und Dr. Rolf Husmann (Ethnologe, Göttingen).

11.3., MO 20 Uhr Kunstverein:Das Europäische Grenzregime und seine Effekte
Migrationspolitik ist schon lange nicht mehr (nur) nationalstaatliche Angelegenheit. Mit der EU wurde auch eine europäische Migrationspolitik immer bestimmender mit hoch aufgerüsteten "Außengrenzen". Gemeinsam mit Initiativen, die sowohl an den Außengrenzen als auch in Göttingen mit den Effekten des EU-Grenzregimes zu tun haben, wollen wir der Frage nach aktivistischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Interventionsmöglichkeiten nachgehen. Es diskutieren: Julia Serdarov und Veit Schwab: (Re-Positions, München/Sofia, ein Kunstprojekt zur Situation in Sofia gestrandeter Flüchtlinge und Migrant_innen), Vertreter_innen der Medizinischen Flüchtlingshilfe (Göttingen), Claire Deery (Anwältin für Ausländer- und Asylrecht, Göttingen).

17.3., SO 15 Uhr Kunsteverein: Kunst und Migration
In einer Gesprächsrunde diskutieren die Künstler_innen Florian Wüst und Ralf Homann (Movements of Migration), Anna Okrasko, Aleksander Komarov mit Gästen aus Kultur, Politik und Wissenschaft über Migration in der Bildenden Kunst. Welche neuen Perspektiven ermöglichen öffentlich geförderte Kunstprojekte auf sozialrelevante Fragen? In Zusammenarbeit mit dem Salon-Programm der AIR Berlin Alexanderplatz. Die Teilnehmer_innenzahl ist begrenzt. Wir bitten daher um Ihre Anmeldung: Tel. 0551/ 44899 oder info@kunstvereingoettingen.de

17.3., SO 19.30 Uhr LUMIÈRE: Filme zu "Movements of Migration"
Ein Teil der Installationen, die im Zuge von Movements of Migration entstanden sind, beruht auf filmischen Arbeiten, die Studierende des Instituts für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie realisiert haben. Die sechs Filme werden in voller Länge gezeigt. Sie gewähren einen erlebnisnahen Einblick in Geschichte und Gegenwart des migrantischen Lebens in Göttingen. Die Filmemacher_innen stehen im Anschluss zur Diskussion zu Verfügung. Die Filmemacher_innen stehen im Anschluss zur Diskussion zur Verfügung.

19.03., DI 20 Uhr Literarisches Zentrum: Lesung
»Grenzfall«, Merle Kröger (Autorin, Berlin) Was geschah 1992 in der ostdeutschen Provinz wirklich? Aus der Recherche zu einem Dokumentarfilm über den Mord an zwei Roma im deutsch-polnischen Grenzgebiet (siehe Veranstaltung am 20.03.) entstand Merle Krögers mutiger Kriminalroman "Grenzfall" (ariadne 2012). Merle Kröger schickt ihre Heldin auf eine rasante Ermittlungsreise durch Europa, die den Leser_innen kaum Zeit zum Luftholen lässt. Es moderiert Birgit zur Nieden (Soziologin, Berlin).

20.3., MI 20 Uhr Kunstverein: Filmreihe
»Revision«, Philip Scheffner (Regisseur, Berlin) Nicht nur der auf dem Film basierende Roman "Grenzfall" (siehe Veranstaltung am 19.03.) – auch der Dokumentarfilm selbst ist auf große Begeisterung gestoßen: Philip Scheffners filmische Revision des formaljuristisch abgeschlossenen Falls nimmt dessen offene Enden auf. Über seine Arbeit sprechen mit Philip Scheffner Franziska Weidle und Anja Johannsen (beide Literarisches Zentrum).

21.-22.3., DO-FR, KWZ (Uni) Interdisziplinäre Tagung
In der öffentlichen Diskussion wird Migration vor allem als ein städtisches Phänomen verhandelt: Gesprochen wird von der "Krise der Städte", von "Ghettos" und "Parallel-gesellschaften", die multikulturalistische Politiken zum Scheitern verurteilt hätten. Andererseits betonen Großstädte ihre "bunte Vielfalt" und deuten Migration zu einem Standortvorteil um. Die Tagung will die gängige Debatte einer Kritik unterziehen und neue Ansätze zur Diskussion stellen. Das volle Programm wird auf www.movements-of-migration.org zeitnah publiziert. Die Teilnehmer_innenzahl ist begrenzt. Wir bitten daher um Ihre Anmeldung: shess@uni-goettingen.de

22.3., FR 20 Uhr Kunstferein: FIlmreihe Science Fiction & Citizen Faction
»Obscure White Messenger« von Penny Siopis, 14 min., Südafrika, 2010, OV Eine Montage aus vorgefundenem Amateur-Filmmaterial über häusliches Leben und Reisen aus den 1950er- und 1960er-Jahren und Aussagen von Demitrios Tsafendas – dem Mann, der den Südafrikanischen Premierminister Hendrik Verwoerd 1966 erstochen hat – als Untertitel. Der Film fügt diese scheinbar unzusammenhängenden Teile zu einer traumartigen Sequenz, welche Migration, Exil, Kolonialismus und Apartheid in der Perspektive einer subalternen Geschichte aufscheinen lässt. Ausschnitte aus: »Code 46« von Michael Winterbottom, Großbritannien 2003, 92 min. Dystopischer Science-Fiction-Film, in dessen Zentrum die Effekte von Biotechnologien stehen. Kommentiert von Brigitta Kuster (Künstlerin, Berlin) und Vassilis Tsianos (Sozialwissenschaftler, Hamburg).

25.03., MO 20 Uhr Kunstverein: Rassismus und Kämpfe der Migration
Auch die Göttinger Migrationsgeschichte ist geprägt von lokalen und überregionalen Kämpfen: gegen Wohn- und Arbeitsbedingungen, für Wahlrecht, gegen die Verschärfungen des Ausländergesetzes, Lagerunterbringung, Abschiebungen oder gegen den Rassismus auf der Straße. In der Gesprächsrunde wollen wir Erfahrungen aus den verschiedenen antirassistischen und migrationsbezogenen Kämpfen Revue passieren lassen und nach Bedingungen, Hindernissen und Fallstricken fragen.

Kunstverein Blickt man zurück auf 60 Jahre Migrationsgeschichte auch in Göttingen – entpuppt sich diese Geschichte als eine Geschichte kleinerer und größerer, ganz lokaler, überregionaler und internationaler Kämpfe, die sich auch Formen von Militanz und zivilen Ungehorsams bedienten. Migrationsgeschichte ist geprägt von lokalen und überregionalen Kämpfen: gegen Wohn- und Arbeitsbedingungen, für Wahlrecht, gegen die Verschärfungen des Ausländergesetzes, Lagerunterbringung, Abschiebungen oder gegen den pogromartigen Rassismus auf der Straße und auf der Straße In der Gesprächsrunde wollen wir Erfahrungen aus diesen verschiedenen antirassistischen und migrationsbezogenen Kämpfen Revue passieren lassen, in denen Migrant_innen und Flüchtlinge eine zentrale, wenn nicht alleinige Rolle innehatten. Wir wollen fragen nach Bedingungen, Hindernissen und Fallstricken migrantischer Selbstorganisation, nach Niederlagen und kleinen (Teil-)Siegen.
Es diskutieren: Akbar Mohammadifar: Politisch Verfolgter im Iran – Politischer Aktivist in zahlreichen sozialen Kämpfen seit den 80ern in der BRD, Göttingen Nizaqete Bislimi: Bürgerkriegsflüchtling aus dem Kosovo, Romnijaaktivistin und Anwältin für Asylrecht, Essen Vertreter_innen des Refugee Protest March Dr. Vassilis Tsianos: Soziologe und Mitbegründer von "Kanak Attack", Hamburg

Ausstellungsparcours
Der Ausstellungsparcours durch die Innenstadt, der die Räume des Kunstvereins im Künstlerhaus mit zahlreichen Stationen im Stadtraum verbindet, basiert auf einem eineinhalbjährigen Forschungs- und künstlerischen Umsetzungsprozess. Das Rückgrat bildet ein digitales Wissensarchiv, das alle recherchierten Materialien und Umsetzungen enthält. Im Kunstverein werden verschiedene Installationen zur Stadtplanung, zur Migrationspolitik, zu vergessenen Protesten und Migrationswegen gestern und heute zu sehen sein. Als zentraler Ort fungiert der Archivraum, der zu weiteren eigenen Recherchen einlädt und als Aufforderung gedacht ist, die eigene Geschichte der Migration in das Wissensarchiv einzuspeisen. In dem Walk of Migration werden insbesondere die Stimmen der Migration in den öffentlichen Stadtraum getragen. An gekennzeichneten Stationen – beispielsweise am Bahnhof, in der Goetheallee und am Marktplatz – geben Hörstationen, Filme und Collagen Einblicke in die große Bandbreite der Projekte der Migration: Hör- und sehbar werden verschiedenste Geschichten des Aufbrechens und des prekären Ankommens, Geschichten von migrantischen Initiativen und Protesten wie auch unterschiedliche politische Antworten hierauf.

Führung von Ausstellungsbeteiligten
- Walk of Migration. Geschichten von Aufbrüchen, Ankommen und Widerstand: Jeden Mi, 16h, Treffpunkt Ausstellungscontainer am Bahnhofsplatz
- Auf den Spuren des Regierens: Jeden Di, 17 Uhr, Treffpunkt Künstlerhaus
- Kurator_innen-Führungen: Termine nach Absprache, shess@uni-goettingen.de

 

Lesung »Grenzfall« und Film "Revision" Dokumentation und literarische Aufarbeitung

Dienstag den 19.3.13 , 20 Uhr war die Filmemacherin und Buchautorin Merle Kröger aus Berlin im Literarischen Zentrum zu Gast, um aus ihrem Buch "Grenzfall" zu lesen. Der Roman fußt auf den Recherchen zu dem Dokumentarfilm "Revision", den Merle Kröger zusammen mit Philip Scheffner vorher fertiggestellt hatte. Es geht um die Umstände des Todes von Grigore Velcu und Eudache Calderar. Die beiden Roma wurden 1992 durch einen Gewehrschuss an der deutsch-polnischen Grenze getötet, der Fall wurde nie richtig aufgeklärt und Aufklärungsversuche trafen auf Hindernisse. Um dieses zentrale Ereignis herum entfaltet sich die Geschichte von Menschen, die in Spanien, Deutschland, Polen und Rumänien Grenzen überschreiten müssen um zu leben. An einer Stelle des für die Lesung ausgewählten Textteiles hieß es: "Sie mieden sie als hätte sie eine Krankheit - hatte sie ja auch - sie hieß "Asylant" - Na und?". Sie ist "Nomadin, eine Frau ohne festen Lebensentwurf".

Verlag Adriane 2012 , 11 €

Foto links: Merle Kröger im Literarischen Zentrum

Das Wechseln zwischen dem vom Filmen her gewohnten Denken und den Schreiben am Buch begleitet ihre Darstellungen. Den Text entwickelt sie um die Inseln der vorgestellten Plätze, der Rest ist "dann so etwas wie Weben oder Häkeln". Sie will ihr Vorhaben unterschieden wissen von den Mustern der TV-Tatort-Krimis. Dazu meinte sie: Da passiert zunächst die Tat, dann kommt der Kommissar, regelt das und dann ist am Ende alles wieder in Ordnung. Das geht nur, weil der Fall darin als etwas Privates abgehandelt wird. Sie aber wollte die unauflösbare Eingebundenheit des Falles ins gesellschaftliche System zeigen und sagt "Ich wollte Unruhe schaffen, die bleibt." Mit dem Ariadneverlag hat sie für das Thema einen passenden Verlag gefunden. Der Verlag betreut eine eigene Sparte zu "Migration, Menschenrechten und Flucht" und ihrer Verlegerin Else Laudan ist in deren >>Kommentar zum Buch das emotionale Engagement für Krögers Roman anzumerken.

Film "Revision"

Am Mittwoch den 20.3.13, 20 Uhr wurde im Künstlerhaus, in den Ausstellungsräumen der Veranstaltungsreihe Movements of Migration der Film "Revision" gezeigt und mit Regisseur Philip Scheffner aus Berlin diskutiert. Einen kurzen Eindruck von dem Film kann man sich mit dem >>Trailer verschaffen (Bei Suche Revision eingeben)

Dokumentarfilm "Revision" und Gespräch mit Regisseur Scheffner am 20.3.13 im Künstlerhaus, Gotmarstr.

Der Film ist ein gemeinsames Werk von Merle Kröger (Produzentin, Drehbuch) und Philip Scheffner (Regisseur). Die Verfertigung des Films ist geprägt von handwerklich klaren und innovativen Methoden. So wird den Interviewten das Gespräch noch einmal vorgespielt und sie dabei wiederum gefilmt. Dies wurde von der sozialwissenschaftlich und künstlerisch orientierten Migrationsforscherin Dr. Katrin Wilden (Frankfurt/Oder) als Methode hochgelobt (so auf der Tagung der Veranstaltungsreihe am Freitag). Dieses Vorgehen schaffe neben dem Vorgang des Bezeugens von einmal Gesagten auch noch die Dokumentation der kommentierenden Gesten. Ebenso schaffe sie darüberhinaus eine intime Situation des gemeinsamen Hörens von Forscher und Befragtem in einem gemeinsamen Raum. Wilden wies in diesem Zusammenhang auf Soundaktivisten in Los Angeles hin, die diese Methode in der politischen Aktion anwenden. Ebenso bestätigte Wilden die Bedeutung der Verwendung von Fotos im filmischen Interview, wie sie von Scheffner/Kröger praktiziert wurde: Sie hatten mit den Angehörigen anhand von Familienfotos gesprochen.
Die glasklare handwerkliche Filmarbeit wird aber merklich begleitet von einem hohen Maß an Einfühlungsvermögen gegenüber den besuchten Angehörigen der getöteten Familienväter. Trotz großer Disziplin und Zurückhaltung gelangte der Filmer im Verlauf der Recherchen auch schon mal an die Grenze des Erträglichen. So z.B. beim Interview mit dem Anwalt von einem der Jäger, die auf die Männer geschossen hatten. Der Anwalt stellte fest, dass die Familien durch den als Jagdunfall abgehandelten Tod der Männer Anspruch auf Zahlungen der Versicherungen gehabt hätten, aber sie hätten sich nicht gemeldet. Auf den Einwand, die Angehörigen seien ja auch nicht informiert worden antwortete der Anwalt kühl, es sei vielleicht schwer einzusehen, aber so sei das nun mal wenn sich niemand melde. Bei der Frage warum er denn nicht die Angehörigen informiert habe war dann die Stimmung kurz vor dem Kippen und
der interviewende Regisseur war kurz davor die Fassung zu verlieren - was sehr verständlich war.

REVISION D 2012 – 106 Min Buch Kröger / Scheffner,
Regie Philip Scheffner
Kamera Bernd Meiners
Produzentin Merle Kröger

Eine Produktion von pong in Koproduktion mit Blinker Filmproduktion Worklights Media Production sowie mit ZDF in Zusammenarbeit mit arte Entwicklung

>>Interview mit Scheffner in D-Radio Kultur

Foto: Scheffener am 20.3.13 in Göttingen

Scheffner wie auch vorher Kröger waren bemüht, die gesellschaftliche Einbindung des Falles, die Migrationsproblematik in den Vordergrund zu stellen. Ungeachtet dessen, wie die bislang immer noch ungeklärten Verantwortlichkeiten für den Tod der beiden Menschen aufzulösen seien würde diese Migrationsproblematik weiterhin bestehen. Nun zeigt der Film aber aucheindringliche, wie auf üble Weise Informationen gegenüber den Angehörigen zurückgehalten wurden, so dass sich der Verdacht aufdrängt, man habe etwas verbergen und dann der Vergessenheit anheim geben wollen. Es ist schwer erträglich, dass der Fall abgeschlossen sein soll. Juristisch formal ist er es, aber mit dem Dokumentarfilm und dem Buch "Grenzfall" haben Scheffner und Kröger dafür gesorgt, dass er bei einer großen Zahl von Menschen Empörung auslöst. Vielleicht entsteht daraus noch eine öffentliche moralische Revision.

[Kommentar goest: Es wurde die tödliche Munition gefunden, es waren zwei Jäger Schützen geständig, geschossen zu haben. Es will mir nicht einleuchten, dass es keine kriminaltechnischen Methoden gibt, mit denen herausgefunden werden kann, mit welchem Gewehr eine bekannte Kugel abgeschossen wurde. Und die Version man habe geglaubt auf Wildschweine zu schiessen ist durch die Aussage einer Sachverständigen, dass eine solche Verwechslung angesichts der Entfernung und Lichtverhältnisse nicht möglich war auch nicht aufrecht zu erhalten. Schließlich fiel die eindringliche Aussage eines Tatzeugen unter den Tisch der erklärte hatte, er habe ein Polizeiauto gesehen. Auch heute noch wäre wichtig aufzudecken, wer warum diese Aufklärung verhindert hat] .