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Diakonie Göttingen (evangelisch) / Caritas (katholisch)

Arbeitsverhältnisse der Diakonie Thema in der Kirche am 1. Mai 2013
"Laienhelfer": Mit Tricks zum Billiglohnsektor
Lohnforderungen von Ver.di im Christophorushaus Göttingen gegen Diakonie 2009 Arbeitsniederlegung im Christophorushaus? Erst mal "aktive Mittagspause" 2009
Diakonie versucht Entgeltkürzungen um 16 % 2007
> Aktionen in der ev. Lutherischen Kirche 2006
> Christophorushaus

Mehr als 30 Einrichtungen mit ca. 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehören zur Diakonie in Göttingen. Über die Einrichtungen der Diakonie werden ca. 20.000 Menschen erreicht (beraten, betreut, gepflegt) (Angaben der Diakonie August 2013)

Woche der Diakonie - Veranstaltungen

  • Montag, 02.09.2013 19.30 Uhr Themenabend: "Autismus – in den Medien, im Alltag, in einer inklusiven Gesellschaft" Christophorusgemeinde, Theodor-Heuss-Straße 47-49, 37075 Göttingen mit: Dipl.-Psych. Reinhard Rudolph, Christophorushaus und Pastorin Dr. Christina Costanza, Beauftragte für Inklusion im KK Göttingen
  • Dienstag, 03.09.2013 11-16 Uhr "Alltag in der Bahnhofsmission: Achtung am Bahngleis 14" Film mit dem Bühnenstück der Schauspielgruppe Seefeld Bahnhofsmission Göttingen, Bahnhof Göttingen, Gleis 4/5
  • Dienstag, 03.09.2013 18.30 Uhr Entwicklungen auf dem "Drogenmarkt": Cannabis und synthetische Drogen mit: Elisabeth Mickler-Kirchhelle und Dr. med. Klaus Spiess Fachstelle für Sucht und Suchtprävention, Drogenberatungszentrum, Mauerstraße 3 B, Göttingen
  • Dienstag, 03.09.2013 17-20 Uhr "Wann, wozu und wie hilft Beratung oder Therapie?" Ev. Lebensberatung, Schillerstraße 21, Göttingen
  • Mittwoch, 04.09.2013 16 Uhr Andacht und gemeinsames Singen mit anschließendem Kirchenkaffee Altenpflegeheim Alt Bethlehem, Obere Karspüle 24-26, Göttingen
  • Mittwoch, 04.09.2013 16.30 Uhr "Von der Erschöpfung zur Veränderung" • Infos zu Mutter/Vater-Kind-Kuren • mit Kinderbetreuung • Diakonisches Werk, Schillerstraße 21, Göttingen
  • Mittwoch, 04.09.2013 17 Uhr Familien- und Verkehrsrecht: "Wer haftet bei Demenz?" Diakoniestation und Laienhilfsdienst Göttingen, Martin-Luther-Straße 20 B, Göttingen
  • Donnerstag, 05.09.2013 15-18 Uhr Blick hinter die Kulissen – Der OP öffnet seine Türen AGAPLESION KRANKENHAUS NEU BETHLEHEM, Humboldtallee 8, Göttingen
  • Freitag, 06.09.2013 14-18 Uhr Tag der Offenen Tür zur Besichtigung des neuen Erweiterungsbaus Alma-Louisenstift der Diakonie Adelebsen, Mühlenanger 7, 37139 Adelebsen
  • Freitag, 06.09.2013 18-19.30 Uhr INFO-Veranstaltung "Palliative Care im Alma-Louisenstift" Wintergarten des Alma-Louisenstifts der Diakonie Adelebsen, Mühlenanger 7, 37139 Adelebsen
  • Samstag, 07.09.2013 10-16 Uhr Mitarbeiterschulung: "Rückenschonende Arbeitstechniken" Diakonie Christophorus, Haus Wiesenfeldt, Christophorusweg 3, Göttingen, 1. Obergeschoss
  • Samstag, 07.09.2013 14-16 Uhr Auktion bei KIM, dem Second-Hand-Möbelhaus der Neuen Arbeit Brockensammlung, Angerstraße 1C, Göttingen
  • Samstag, 07.09.2013 11-15.30 Uhr Flohmarkt – nichts als Flohmarkt Diakonie Christophorus Tagesförderstätte (Haus 3), Theodor-Heuss-Straße 45, Göttingen
  • Sonntag, 08.09.2013 10 Uhr Festgottesdienst in der St. Johanniskirche Göttingen mit: Superintendent Friedrich Selter anschließend: Information, Aktion, Essen und Trinken rund um die Kirche
  • Sonntag, 08.09.2013 16 Uhr Kaiserswerther Diakonie – damals und heute Zeitzeugen berichten und Gespräch Stift am Klausberg, Habichtsweg 55, Göttinge

 

Arbeitsverhältnisse der Diakonie Thema in der Kirche am 1. Mai

Am 1. Mai 2013 kam es zu einer Ansprache des DGB-Vorsitzenden Südniedersachsen/Harz Lothar Hanisch von der Kanzel in St. Johannis herab.
In einer Pressemitteilung des Kirchenkreis Göttingen vom 21.5.13 heißt es zu Lothar Hanisch:
"Er ging auf die Ergebnisse der seit 2007 laufenden DGB-Umfrage "Gute Arbeit" ein, die verlässliche empirische Daten darüber liefere, wie Beschäftigte die Qualität ihrer Arbeitsbedingungen empfinden. Es wird z.B. greifbar, dass Zeitarbeiter ihre Arbeitsbedingungen deutlich schlechter bewerten. Ausdrücklich begrüßte Hanisch im Namen des DGB den neuen Tarifabschluss im Friseurhandwerk, der ab 2015 einen Mindestlohn von 8,50 Euro vorsieht. Hanisch erläuterte: "Das sind keine Reichtümer. Damit kommt man Vollzeit auf rund 1.000 Euro Netto-Monatseinkommen. Das ist knapp über der Armutsgrenze."


Foto von Hildgund Broda (Ausschnitt)
Unter dem Motto "Gute Arbeit?!" fand in der Göttinger St. Johanniskirche ein Gottesdienst zum Tag der Arbeit statt. Eingeladen hatten der Kirchenkreis Göttingen und der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) in Südniedersachsen erstmals in Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Und zu Superintendent Friedrich Selter: er "ging auf die Frage nach guter Arbeit in Kirche und Diakonie ein. Anknüpfend an die grundlegende Auffassung Martin Luthers, dass die sorgfältige Ausübung des Berufs als Gottesdienst zu bezeichnen sei, regte er eine neue Wertschätzung des Begriffs der "Dienstgemeinschaft" in der Kirche an. Leider stünde die Diakonie vor der Schwierigkeit, dass im Sozialmarkt ein hoher Kostendruck herrsche. In einem Marktumfeld, wo konkurrenzfähige Preise nur noch gehalten werden, wenn der "Lohnhahn" weiter zu gedreht und der Druck auf die Mitarbeiter erhöht wird, kann der Begriff der "Dienstgemeinschaft" leicht zum Herrschaftsbegriff werden. Darum gehöre auch für Kirche als guter Arbeitgeberin heute dazu, Verhandlungen um die Rahmenbedingung von Arbeit auf Augenhöhe zu führen. Nur in einem gesellschaftlichen Umfeld, wo die fürsorgliche Arbeit am Menschen, die Arbeit von Pflegerinnen, Erzieherinnen, Sozialarbeitern usw. anerkannt und wertgeschätzt wird, und sich diese Wertschätzung auch in den Lohnstrukturen ausdrückt, kann Kirche intern das Ideal der Dienstgemeinschaft neu mit Leben füllen. Außerdem müsse man sich gemeinsam dafür einsetzen, dass soziale Arbeit z.B. in Kindertagesstätten und Pflegediensten von der Gesellschaft angemessen bezahlt werde."

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Kommentar goest: sein Wort in Gottes Ohr !

"Laienhelfer": Leute die arbeiten aber nur der Arbeitgeber bekommt Geld - geändert in:

Laienhelfer : Mit Tricks zum Billiglohnsektor
"Ehrenamt" mit Stunden"lohn" der "Aufwandsentschädigung" genannt wird

Bei der Diakoniestation Göttingen sind mehr als 75 Helferinnen und Helfer in einem von der Diakonie sogenannten "Laienhilfsdienst zur Entlastung der pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz" eingesetzt. Den Hilfsdienst gibt es seit 2003. Er ist ein Modellprojekt der gesetzlichen Pflegekassen und des Landes Niedersachsen. Träger sind die Diakoniestation und der Diakonieverband Göttingen. Den Angehörigen von Demenzkranken stehen laut Diakonie nach § 45 a-c SGB XI monatlich 100 € bis 200 € zur Verfügung, die vom Gesetzgeber gedacht sind als "Aufwandsentschädigungen für die ehrenamtlichen Betreuungspersonen zu finanzieren, sowie notwendige Personal- und Sachkosten, die mit der Koordination und Organisation der Hilfen und der fachlichen Anleitung und Schulung der Betreuenden durch Fachkräfte verbunden sind." Entgelte für die Arbeitsleistung der HelferInnen sind (wenn man von diesem Text ausgeht) nicht vorgesehen, wenn sie die ca. 80 Menschen mit Demenz stundenweise in ihrem häuslichen Umfeld oder im Pflegezentrum "Phönix" am Steinsgraben betreuen.

Anstelle eines Entgeltes gibt es ein Fest als "Dank". Bei 80 Fällen mit monatlich durchschnittlich 150 € stünden der Diakonie im Jahr 80x12x150= 144.000 € für die Kosten im Zusammenhang mit dem Einsatz von unentgeltlich Tätigen Menschen zur Verfügung ! [Nachtrag: Hier muß es heissen: Abzüglich der Aufwandsentschädigung von 7,50 € / Arbeitsstunde für die LaienhelferInnen-Stunden]
Das Gesetz verlangt eine "pflegefachlicher Anleitung" der unentgeltlich tätigen HelferInnen, d.h. "eine angemessene Schulung und Fortbildung der Helfenden sowie eine kontinuierliche fachliche Begleitung und Unterstützung der ehrenamtlich Helfenden in ihrer Arbeit".(>>§ 45 SGB XI
). Deshalb betont die Diakonie bei der Einladung zum Laienhelfergfest am 14.7.12 in der Kreuzkirchengemeinde: "Unsere Laienhelferinnen und Laienhelfer sind professionell geschult und haben eine Qualifikation für die Betreuung von Menschen mit Demenz erworben.", so Inge Kaufmann-Tödter, die Koordinatorin des Laienhilfsdienstes." Beim Einsatz der anleitenden Kräfte will die Diakonie jedoch auch noch mal sparen und sucht auf ihrer Webseite: "examinierte Pflegefachkräfte auf Teilzeitbasis mit 25 bis 30 Stunden/Woche oder zur Aushilfe auf 400 €-Basis sowie Hauswirtschaftskräfte auf 400 €-Basis." (>>Diakoniestation Göttingen) Bei alledem heißt es dann auch noch "die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche setzen wir voraus." Halleluja!

Leserzuschrift vom 10.7.12 zum obigen Artikel:
"Hallo, ich habe gerade den Artikel zu den Laienhelfern der Diakonie gelesen. Meine demenzkranke Mutter wird selbst seit einigen Jahren einmal pro Woche von einer solchen Laienhelferin betreut, deshalb kann ich sagen, dass die Darstellung in dem Artikel sachlich falsch ist. Die bei meiner Mutter tätige Laienhelferin bekommt von uns für ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung von 7,50 Euro pro Stunde. Dieser Betrag wiederum wird von der Krankenkasse bis zu einer monatlichen Obergrenze von 100 bzw. 200 Euro erstattet. Die Diakonie hat von uns bisher keinen einzigen Cent bekommen. Die Darstellung in dem Artikel ist deshalb falsch. Das Entgelt geht als Aufwandsentschädigung direkt an die Laienhelferin (und muss aufgrund des geringen monatlichen Betrags auch nicht versteuert werden), die Diakonie bekommt ausschließlich über das erwähnte Modellprojekt eine Finanzierung für die Vermittlung und die Qualifizierung."
Auf Nachfrage teilte der Leser noch folgendes mit:
"bevor wir damals das erste Mal eine Laienhelferin von der Diakonie über Frau Tödter vermittelt bekamen, hatte ich eine Broschüre von denen (mittlerweile im Altpapier gelandet) in einer Arztpraxis bekommen. Dort stand ein Hinweis auf die 7,50 Euro drin. Mittlerweile ist die zweite Person seit ca. zwei Jahren bei uns. Dabei handelt es sich um eine Laienhelferin, genauso wie damals bei der ersten Person. Beide hatten jeweils ein Zertifikat über die erfolgte Ausbildung. Das Geld behalten die Laienhelferinnen definitiv für sich. Wieviel die Diakonie aus den Fördermitteln bekommt, kann ich nicht sagen, dassich bis auf die Vermittlung der beiden Laienhelferinnen nichts weiter mit der Diakonie zu tun habe."

Leserinnenzuschrift 14.7.12
"Mit Verwunderung haben wir Laienhelferinnen und Laienhelfer auf dem Fest am 14. Juli von dem Artikel im Göttinger Stadtinfo erfahren. Es ist in der Tat so, wie es in der Leserzuschrift steht, dass für eine geleistete Betreuungsstunde 7,50 € als Aufwandsentschädigung direkt von den Angehörigen mit dem jeweiligen Laienhelfer abgerechnet wird. Dieser Betrag steht mit jedem Cent den Laienhelfern zur Verfügung. Alle Laienhelferinnen und Laienhelfer werden über die gesetzlichen Vorgaben hinaus auf diese so wichtige Aufgabe hin ausgebildet und vorbereitet. Durch Frau Kaufmann-Tödter werden wir vorbildlich und ausreichend bei den Patienten und Angehörigen eingeführt, begleitet und unterstützt. Es finden regelmäßige Gruppentreffen statt, auf denen ein fachlich begleiteteter Erfahrungsaustausch stattfindet.
Ulrike Kersting Laienhelferin im Laienhilfsdienst der Diakoniestation Göttingen im Namen von 60 Laienhelferinnen und Laienhelfern."

Nachtrag der goest-Redaktion vom 14.7.12:
Aufwandsentschädigung ist kein Entgelt
!
wie durch die LeserInnenzuschriften richtiggestellt wurde , gibt es immerhin 7,50 € pro Stunde an "Aufwandsentschädigung". Eine Aufwandsentschädigung ist im strengen Sinne kein Entgelt. "Eine Vergütung erhält man für eine ehrenamtliche Tätigkeit nicht. Denn die Tatsache, dass man ohne Entgelt arbeitet, ist gerade ein Kennzeichen eines Ehrenamtes. Dennoch heißt das nicht, dass man für seine ehrenamtliche Arbeit nichts erhält. Oft ist es so, dass ein ehrenamtlich Tätiger zumindest seinen Aufwand und seine Auslagen erstattet erhält. Manchmal wird ihm auch eine Anerkennung, etwa ein Taschengeld gezahlt." (Quelle)

"Einnahmen in Höhe bis zu 500 Euro im Jahr können ehrenamtlich Tätige für ihre freiwillige Mitarbeit als Aufwandspauschale steuerfrei und auch sozialversicherungsfrei vereinnahmen. Dieser so genannter Ehrenamtsfreibetrag greift bei nebenberuflicher Tätigkeit in gemeinnützigen und mildtätigen Vereinen sowie im kirchlichen Bereich, ..." (Quelle)

Demnach dürfte eine Laienhelferin im Jahr nicht mehr als insgesamt 66,66 Stunden für diese Aufwandsentschädigung arbeiten, sonst würde sie sozialversicherungspflichtig. Die Einlassungen der Beteiligten erwecken den Eindruck, als handele es sich bei Zahlung von 7,50 € pro Stunde um die Vergütung für eine Arbeitstätigkeit, die aber "Aufwandsentschädigung" genannt wird, um eine Niedriglohntätigkeit rentabler zu machen indem die Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen verhindert wird. Dieser Eindruck wird verstärkt dadurch, dass sogar "examinierte Pflegefachkräfte zur Aushilfe auf 400 €-Basis" gesucht werden.
Im Übrigen wird bei alledem nicht beantwortet, was die Diakonie von den 100-200 € pro Demenzkranken erhält für "Personal- und Sachkosten, die mit der Koordination und Organisation der Hilfen und der fachlichen Anleitung und Schulung der Betreuenden durch Fachkräfte verbunden sind."
Angenommen 60 Laienhelferinnen erhalten jeweils die maximal 500 Euro pro Jahr, dann sind das 30.000 Euro, dann blieben bei 80 Betreuungsfällen immerhin 114.000 der Diakonie zur Verfügung.

 

 

Ambulanter Pflegedienst der Caritas Sozialstation Göttingen

/ "Der CV ist die vom Bischof in Hildesheim anerkannte institutionelle Zusammenfassung und Vertretung der katholischen Caritas in Stadt und Landkreis Göttingen. Er ist caritativer Sozialdienst der katholischen Kirche, Verband der freien Wohlfahrtpflege ....." (Homepage)

13.12.12 / Anlässlich der Anschaffung von fünf Dienstwagen für den ambulanten Pflegedienst teilt der Caritasverband Göttingen mit, die Caritas Sozialstation Göttingen-Gleichen habe "jetzt 15 Dienstwagen für 160 Patienten und 32 Mitarbeiter. Damit hat das Team für jede Tour einen eigenen Dienstwagen zur Verfügung." Die Autos sind für die Mitarbeiter zuverlässige Partner im Dienst und gleichzeitig Büro und Aufbewahrungsort für Akten, Medikamente und Hilfsmittel. Caritasvorstand Bertil Holst und Pflegedienstleiterin Christiane Koch übergaben den Pflegekräften die Autoschlüssel und "eine Plakette mit dem Bild des heiligen Christophorus." Dass die Dienstwagen von Dechant Wigbert Schwarze "gesegnet" wurden, damit die Mitarbeiterinnen "mit dem Segen Gottes" unterwegs sind, wirkt etwas antiquiert.


Dechant Wigbert Schwarze segnet Dienstautos (Foto Diakonie)
Wie können sich Autos durch einen Segen verändern?

Caritas Sozialstation Gö-Gleichen Tilsiter Straße 2a , 37083 Göttingen Tel. 0551-705713

 

Lohnforderungen von Ver.di im Christophorushaus Göttingen gegen Diakonie

Das Mittelalter ist vorbei - Tarifverträge und 8 % Lohnerhöhung!


Transparenttext: Die Taschen sind leer wir brauchen 8 % mehr !

Die Diakonie beschäftigt bundesweit mit ca. 500.000 mehr Menschen als Siemens oder die deutsche Autoindustrie. Allein in Niedersachsen sind es 35.000. Die Kirche versucht, diese große Zahl an Beschäftigten arbeitsrechtlich in einer Art mittelalterlichen Knechtschaft zu halten. Im Selbstverständnis der Diakonie sollen hier andere Werte zählen : "Ihr Glaube an Jesus leitete sie in ihrem Tun und Handeln. Dies ist bis heute Grundlage und Basis aller Arbeit innerhalb der Diakonie." (Dioakonie Homepage) . Die Einrichtungen der Diakonie werden mit Steuergeldern unterstützt aber das sonst gültige Arbeitsrecht wird durch Sonderregelungen des "kirchlichen Arbeitsrechts" für 500.000 Menschen eingeschränkt. (Vgl. Frerk) Während anderswo Betriebs- und PersonalrätInnen gewählt werden, wo es Tarifverträge gibt usw. dasswerden in den Kirchen allenfalls "Mitarbeitervertretungen" erlaubt. Einen Streikaufruf von Verdi will die Kirche durch das Arbeitsgericht Bielefeld verbieten lassen. Die Arbeitskampfmaßnahmen seien ,,mit dem biblisch gebotenen Dienst am Nächsten nicht vereinbar" (!)

Bei der "aktiven Mittagspause" am 24.9.09 gingen die Beschäftigten des Christoporushauses in Göttingen ebenso wie ihr KollegInnen in Bielefeld und Hannover (siehe Berichte) dazu über für ihre Forderung nach 8 % Lohnerhöhung aktiv zu werden. Auch Streik wird nicht mehr ausgeschlossen. Das Kirchenklima und die christliche Deckelung wird damit ein Stück aufgebrochen. "Wir sind nicht mehr im Mittelalter, die Kriche steht nicht über dem Gesetz" hieß es bei der Mittagspause auf dem Gelände des Christophoruswerkes.

Um die Belegschaften zu spalten hat die Geschäftsleitung den Beschäftigten angeboten, dass sie individuell einen Vertrag für eine 4 % Erhöhung unterzeichnen. Verdi fordert die Beschäftigten auf, das NICHT zu tun und auf der Versammlung spottete ein Transparent "Mit Speck fängt man Mäuse! Nur 4% !" Die Diakonie, so die Forderung der agmav muß endlich reguläre Tarifverträge abschließen.

Arbeitsniederlegung im Christophorushaus? Erst mal "aktive Mittagspause"

20.9.09 / Seit 2004 hat es für die Beschäftigten in der Diakonie EKD keine Erhöhung der Einkommen gegeben. Sie liegen damit immer noch auf dem Niveau von vor fünf Jahren.Gewerkschaftssekretär Gunter Grimm: „Auch wenn der Verband der diakonischen Dienstgeber in Deutschland (VdDD) seinen Mitgliedern empfiehlt, einseitig und einzelvertraglich die Entgelte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um 4% zu erhöhen, bedeutet dies, dass das Lohnniveau in vergleichbaren Einrichtungen nicht erreicht und diakonische Arbeit weiterhin schlecht bezahlt wird“ gegenüber der Presse.


Agnes Galuschka , Vorsitzende der MitarbeiterInnen-Vertretung (MAV) des Christophorushauses

„Die Beschäftigten sehen nicht ein, warum sie für ihre Arbeit schlechter bezahlt werden als bei der Caritas, der Diakonie in Baden-Württemberg oder in anderen Einrichtungen“, sagte Agnes Galuschka, ver.di Vertrauensfrau und Vorsitzende der Mitarbeitervertretung. „ Wir können es nicht akzeptieren, wenn sich diakonische Einrichtungen durch Dumpinglöhne einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und so ihr Unternehmenswachstum finanzieren, und uns benachteiligen“ so Galuschka weiter.

Zum Foto: Leider haben wir nur dieses eine Foto zur Verfügung gehabt - wir hoffen die Kollegin sieht uns das nach - andererseits unterstreicht die Körpersprache deutlich den Kampfeswillen der Belegschaft !

Die Aktion ist Teil der bundesweiten Streik- und Aktionswoche der Gewerkschaft ver.di in diakonischen Einrichtungen vom 22. bis 25. September 2009. (siehe Berichte)


Transparenttext: Die Taschen sind leer wir brauchen 8 % mehr !

ver.di rief die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Diakonischen Werk Christophorus e.V. und gGmbH zu einer „aktiven Mittagspause“ am Donnerstag, 24. September 2009, in der Zeit von 11.30 Uhr bis 12.00 Uhr auf.

Große Aufmerksamkeit fand die "aktive Mitagspause" im Christophorushaus bei allen, die in Verbänden und Gremien der Diakonie für die Interessen der Beschäftigten streiten und die an der Versammlung teilnahmen:

Gunter Grimm Gewerkschaftssekretär Ver.di Göttingen

Fachbereich 3 Bezirksfachbereich Gesundheit,
soziale Dienste,
Wohlfahrt
Kirchen

 

Hilmar Ernst ver.di - seit 2006 Arbeitnehmervertreter in der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission ( ADK) der Konförderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen

seit 2004 Mitglied im Gesamtausschuss der Landeskirche Hannover. stellv. Vorsitzender der MAV in Göttingen

.."Tariffragen sind Machtfragen."

Hilmar Ernst sieht die Entwicklung mit Sorge:

"Die ab 2009 anstehende Stellenplanung wird in vielen Kirchenkreisen zu Konflikten führen (...). Auch hinsichtlich unserer Löhne und Gehälter ist den kirchlichen Beschäftigten in der Vergangenheit viel zugemutet worden. "

Nur " durch strikte und beharrliche Gegenwehr der Arbeitnehmerbank in der ADK die Absenkungspläne der Arbeitgeberseite verhindert werden." (siehe Bericht)

 


Lothar Germer (Northeim)

Päd. Mitarbeiter einer Jugendhilfeeinrichtung, Vorsitzender einer Mitarbeitervertretung und einer Gesamtmitarbeitervertretung, Stellv. Vorsitzender der agmav Niedersachsen, Mitglied der ARK-Nds. und der ARK DW-EKD,


Werner Masso

MAV-Vorsitzender im Kirchenkreis Göttingen, langjähriger Vorsitzender, jetzt stellvertretender Vorsitzender des Gesamtausschusses. Seit 2006 auch Arbeitnehmervertreter für den MVV-K in der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission.


Helga Gutt

Heilpädagogin in der Behindertenhilfe,

Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der MitarbeiterInnenvertretungen in den Diakonischen Werken in Niedersachsen >>agmav und Mitglied in der Arbeitsrechtlichen Kommission des Diakonsichen Werks der Evangelischen Kirche Deutschlands (DW-EKD) und Niedersachsen

Werner Massow verteilte eine Erklärung vom 18.9.09 in der es heißt: "Anmaßung: Kirche will Streiks in der Diakonie verbieten lassen! (...) Jetzt wollen die Kolleginnen und Kollegen dort nach Aufruf der Gewerkschaft Verdi streiken. Das ist ihr gutes Recht, nach der Verfassung in Deutschland und den europäischen Rechtsbestimmungen: Streikrecht ist Verfassungsrecht Die Kirche sieht dies anders und will den Streikaufruf durch das Arbeitsgericht Bielefeld verbieten lassen. Die Arbeitskampfmaßnahmen seien ,,mit dem biblisch gebotenen Dienst am Nächsten nicht vereinbar". Das ist unerhört! Die Arbeitgeber der Diakonie haben sich zu knallharten Arbeitgebervereiniigungen zusammengeschlossen, die den Arbeitnehmern ihre unfairen Vorstellungen vom ,,Dritten Weg" aufzwingen. Die Arbeitnehmer sollen sich dagegen nicht wirksam wehren dürfen. Wenn dann noch bedacht wird, dass die Mittel der Diakonie fast ausschließlich aus öffentlichen Quellen stammen, wird die Angelegenheit makaber.
Siehe >> Evangelischen Pressedienst epd über Versuche eines Streikverbots 17.9.09

In der Göttinger Erklärung der Mitarbeitervertreter der AVR DW-EKD vom 2.4.09 heißt es: "Alle an der Arbeitsrechtssetzung der Diakonie beteiligten Arbeitnehmerinnenvertreter bleiben aufgefordert, mit der Gewerkschaft Ver.di eine Strategie für den Abschluss von Tarifverträgen zu erarbeiten. Die Beschäftigten fordern wir auf, sich auch weiterhin aktiv in die Auseinandersetzungen einzubringen. Göttingen, den 02.04.09"

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Fraktion der Partei DieLinke im Landtag 9.7.12
Zur Diakonie und dem Streik der Diakoniebeschäftigten in Hannover
„Die Diakoniechefs beharren stur darauf, sich mit dem sogenannten Dritten Weg vom Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes abzukoppeln. Mit ihrer Ablehnung eines einheitlichen Branchentarifvertrags befördert die Diakonie einen Wettbewerb auf Kosten der Beschäftigten, deren Löhne und Arbeitsbedingungen schlecht sind“, sagte Patrick Humke, der sozialpolitische Sprecher der Fraktion. Die Diakoniebeschäftigten hätten es bei ihren Tarifauseinandersetzungen schwer: Entgegen eines richterlichen Urteils spreche ihnen die Diakonie auf Grundlage des „ Dritten Wegs“ noch immer das Recht zum Streiken ab. Außerdem wolle die Diakonie nicht, dass sich die Beschäftigten in den Tarifverhandlungen von ihrer Gewerkschaft vertreten lassen. „Das widerspricht dem im Grundgesetz verbrieften Recht auf Koalitionsfreiheit“, so Humke. Die Beschäftigten bräuchten eine gut organisierte Gewerkschaft, die Ihre Interessen bei der Aushandlung des Tarifgefüges vertrete. Die Linksfraktion hat einen Antrag gegen den „Dritten Weg“ in den Landtag eingebracht, der auf der Tagesordnung des Juliplenums stehen wird. „Bislang sind wir im Landtag mit unserer Position allein. Wir hoffen aber, dass der eindrucksvolle Kampf der Diakoniebeschäftigten einen guten Einfluss auf die anderen Fraktionen im Landtag haben wird“, so Humke. Er und Dr. Manfred Sohn, der finanzpolitische Sprecher der Fraktion und LINKEN-Landesvorsitzende, werden heute beim Streik- und Feiertag der Diakoniebeschäftigten am Steintor sein und ihnen ihre Solidarität aussprechen.

 

Diakonie versucht Entgeltkürzungen um 16 %

2007 / Diakonie - das ist "Nächstenliebe auf den Punkt gebracht" heisst es bei der Göttinger Diakonie im Bereich Sozialarbeit, aber das scheint NICHT für die eigenen Beschäftigten zu gelten, denn die Diakonie will deren Entgelt um 16 % kürzen. Die passende Reaktion der Ausruf "das ist doch der Gipfel" wird nun umgesetzt, der Protest wird ebenfalls auf den Gipfel getrieben und zwar auf den Brocken.

Das Diakonische Werk beschäftigte 2002 bundesweit 452.244 MitarbeiterInnen (Quelle) . Nun denkt man es ist ja toll, die Kirchen engagieren sich überall im sozialen Bereich. Ja aber mit wessen Geld? Mit dem gleichen Geld könnte man auch kirchen-unabhängige soziale Arbeit organisieren, ohne zusätzlich auch noch die Aufrechterhaltung der Kirchenorganisation mitzufinanzieren. Nimmt man alle Tätigkeiten von Caritas und Diakonie und schaut, woher das Geld dafür kommt, so werden nur 1,8 % (!) von dem Geld der Kirchen bezahlt. Von den 44,5 Milliarden Euro Kosten speziell der sozialen Einrichtungen in der Trägerschaft von Caritas und Diakonie finanzieren sie nur 0,828 Milliarden Euro. 376 Mio. als Zuschuss für die Kindertagesstätten 146 Mio. für konfessionelle Beratungsdienste 300 Mio. Euro für die Finanzierung ihrer eigenen kirchlichen Verwaltungsabteilungen.

Am 11. Februar, besteigen etwa 30 Beschäftigte der Diakonie den Harzer Brocken, um gegen geplante Lohnkürzungen zu demonstrieren. Der Protestmarsch der Mitarbeiter der Jugendhilfe aus der Harz-Region richtet sich gegen die Absicht der Diakonie-Arbeitgeber in Niedersachsen, das Entgelt um bis zu 16 Prozent zu kürzen. Die Beschäftigten empfinden dies als "Gipfel der Frechheit" und wollen mit ihrer ungewöhnlichen Aktion auf die zunehmend schlechter werdenden Arbeitsbedingungen aufmerksam machen, die geprägt sind von Lohndumping, Leiharbeit und Minijobs. "Das Arbeitsklima in der Diakonie ist zurzeit wie das Wetter auf dem Brocken, eiskalt," beschrieb ver.di-Fachsekretärin Annette Klausing die Situation der Beschäftigten. "Den meisten weht ein rauher Wind ins Gesicht, so wie eben auch auf dem Brocken. Der Protestmarsch beginnt um 10.30 Uhr auf dem Parkplatz Torfhaus. Der Brockengipfel wird abhängig von den Wetterbedingungen um ca. 13.00 Uhr erreicht werden. Auf dem Gipfel wird ein Transparent entrollt mit der Aufschrift "Soziale Arbeit ist mehr wert!". Nach etwa einer halben Stunde beginnt der Rückmarsch.
[
Wir hoffen, dass die KollegInnen mal die Webcam auf dem Brocken orten und sich dort mit ihrem Protest-Transparent in Szene setzen.]

 

Leserzuschrift (11.2.07) zu diesem Artikel
Sankt Martin scheint nur im November eine Rolle zu spielen.
Dr. Martin Luther These Nr. 37: Jeder wahre Christ, sei er lebendig oder tot, hat Anteil an allen Gütern Christi und der Kirche, von Gott ihm auch ohne Ablassbrief gegeben.
Es geht der Ev. Kirche nicht „schlecht“ sondern sie entwickelt sich zum "Kirchenkonzern" mit virtuellen Träumen und Wandlung zur gGmbH ("gemeinnützige GmbH")! Es ist logisch nicht erklärbar, wie die evangelische Landeskirche den Ev. Kirchenleitungen und diese den Gemeindemitgliedern das "Sparen verordnen". Das führt dazu, dass sich die Gemeinden (vertreten durch die Presbyter) ohne große Kritik selbst wegrationalisieren! (Die Arbeitgeberverbände scheinen vor Neid zu erblassen!) Die "Armut" einiger Gemeinden resultiert daraus, dass die Landeskirche einen allgemeinen Verteilungsschlüssel der Finanzierung vornimmt und im Verhältnis der Anzahl der Gemeindeglieder nur einen Teil der Kirchensteuer verteilt. Sozial schwache und kleine Gemeinden sind dadurch stark benachteiligt. Dabei werden der riesige Verwaltungsapparat der Landeskirche und deren Zusammenschluss in der EKD, eigenes Kirchliches Arbeitsrecht ( für Angestellte ) und alle "Virtuellen Träume" finanziert. Dass dann für die Grundlagen der Ev. Kirche,Diakonie die Gemeinden und deren Kindergärten nicht genug übrig bleibt, scheint ohne "Kirchlichen/Gemeindlichen" Widerspruch hingenommen zu werden! Ich bin Mitglied dieser Evangelischen Kirche und schäme mich dafür, wie sie mit ihren Nichtpfarrern und Angestellten umgeht! Sankt Martin scheint nur im November eine Rolle zu spielen.
FRANZ-JOSEF Heinrichs, Gladbeck

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