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EhrenbürgerInnen / Ehrenmedallien

Ehrenmedaille für Barbara
Göttinger Ehrenmedaille für Ruth Klüger

Ehrenmedaille an Gunter Hampel

FriedenspreisträgerInnen

Ehrenbürger:
Gute Ehrenbürger ... werden lange vergessen, z.B.  Konrat F. Ziegler
Aberkennungen der Ehrenbürgerrechte
Kritik an der Ehrenbürgerschaft des Gottfried Jungmichel

Barbara

Die Chansonsängerin Barbara (1930-1997) ist Die Trägerin der Ehrenmedaille der Stadt, die ihr 1988 verliehen wurde. Sie hatte 1964 in Göttingen im Gebäude Geismar Landstr. 19 wo damals das Junge Theater untergebracht war (weswegen es auch heute noch dort den Theaterkeller gibt ) ein Lied komponiert, das in Frankreich fast jede/r kennt und das auf herzergreifende Weise die Trauer über den Krieg und die Hoffnung, dass so etwas nie wieder kommen möge - besingt.
Ihr Liedtext lautet an einer Stelle: "Was ich nun sage, das klingt freilich für manche Leute unverzeihlich: Die Kinder sind genau die gleichen in Paris, wie in Göttingen." Das war nach dem von Nazis begonnen Krieg und der Greuel auch gegen Frankreich durchaus nicht selbstverständlich.
In einer Rede zitierte der damalige Kanzler Schröder 2003 in Versailles anlässlich der gemeinsamen Sitzung des Deutschen Bundestages und der französischen Nationalversammlung aus dem Lied Barbaras - dies unterstreicht die emotionale Bedeutung, die diesem Lied in der Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland zukommt. Barbara, hieß mit bürgerlichem Namen Monique Senf hieß und stammt aus einer jüdischen Familie. Deshalb musste ihre Famile aus dem von Deutschland besetzten Teil Frankreichs fliehen. An der Außenwand des Café Kabale ist eine Gedenktafel angebracht, die an Barbara erinnert. Im Auftrag der Stadt Göttingen legt jedes Jahr das Ehepaar Boutler am 9. Juni in Paris Blumenschmuck auf das Grab Barbaras.

 

Göttinger Ehrenmedaille für Ruth Klüger

Die bekannte amerikanische Schriftstellerin und Germanistin Prof. Dr. Ruth Klüger wurde am 26. Mai 2010, in der Halle des Alten Göttinger Rathauses mit der Ehrenmedaille der Stadt Göttingen ausgezeichnet. "Klüger hatte als Kind die Konzentrationslager Auschwitz und Theresienstadt überlebt. 1947 emigrierte Sie in die USA und studierte dort Germanistik. Seit 1988 ist sie als Gastprofessorin in Göttingen tätig, wo sie auch zeitweise lebt und wohnt. Für ihre 1992 erschienene Autobiographie "Weiter leben. Eine Jugend", in dem sie ihre jüdische Kindheit und Jugend in Österreich und Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus schildert, erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen" (Stadtarchiv).
"Die Ehrung durch Oberbürgermeister Wolfgang Meyer erfolgt im Rahmen eines öffentlichen Festaktes am Mittwoch. Gewürdigt werden sollen damit, heißt es im Beschluss des Göttinger Rates, die besonderen wissenschaftlichen und literarischen Leistungen Klügers, die seit Mitte der 80er Jahre immer wieder in Göttingen lebt und lehrt und hier, wie sie selbst sagt, wieder in Europa Fuß gefasst hat. Ihre zum Teil in Göttingen verfassten autobiografischen Werke seien ein außerordentlich persönlicher Beitrag zur Aufarbeitung der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte. Die in Wien geborene Jüdin durchlitt und überlebte den Holocaust und wanderte 16jährige in die USA aus. Dort machte sie sich weltweit als Literaturwissenschaftlerin und Autorin einen Namen. Zur Feierstunde anlässlich der Verleihung der Göttinger Ehrenmedaille an Ruth Klüger zählen auch die Laudatio der Privatdozentin Dr. Gesa Dane und musikalische Darbietungen des "Gutingi Trio". (Pressmitteilung Stadt Göttingen)

"Zur Entscheidung des Göttinger Rates, der Schriftstellerin Ruth Klüger die Ehrenmedaille der Stadt Göttingen zu verleihen, hatten alle Ratsfraktionen eine gemeinsame Presseerklärung abgegeben: Die Entscheidung, die im Jahr 1953 gestiftete Ehrenmedaille der Stadt Göttingen an die Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger zu verleihen, wird von allen Fraktionen getragen und ausdrücklich begrüßt. Der Schriftstellerin wird die Medaille aufgrund ihrer Biographie als deutsche Jüdin, ihrer literarischen und wissenschaftlichen Bedeutung und ihrer langjährigen Beziehung zu Göttingen verliehen. Als Überlebende der Konzentrationslager von Auschwitz und Theresienstadt hat Ruth Klüger zur Aufarbeitung und zum Verständnis der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte durch Veröffentlichung ihrer Autobiographie („Weiter leben – eine Jugend“ 1993; „unterwegs verloren“) einen bemerkenswerten persönlichen Beitrag geleistet. Mit dieser Ehrung erinnern wir an das Unrecht, das in Konzentrationslagern verübt wurde und würdigen den Lebensweg Ruth Klügers sowie ihren mutigen und aufrichtigen Blick auf die eigene Geschichte. Wir setzen damit auch ein Zeichen gegen das Vergessen! Ruth Klüger, die heute in Kalifornien lebt, kam 1988 erstmals nach Göttingen und erhielt im Jahr 2003 die Ehrendoktorwürde der philosophischen Fakultät der Göttinger Universität." (Pressemitteilung Stadt Göttingen 14.9.09)


Verleihung der Ehrenmedaille an Ruth Klüger 26.5.10 (Foto: Stephan Knoblauch)

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Ehrenmedaille an Gunter Hampel 2007


Bürgermeisterin Katharina Lankeit überreicht die Medaille

Am Sonntag den 29.10.07 erfolgte im Alten Rathaus die Verleihung der Ehrenmedaille der Stadt Göttingen an Gunter Hampel als Anerkennung für sein international anerkanntes künstlerisches Schaffen. O

ve Volquarz leitete mit der Bassklarinette musikalisch ein. Die Ehrenmedaille wurde ihm von Bürgernmeisterin Lankeit überreicht, die Laudatio hielt Prof. Dr. Frahm.

...mehr Infos zur Veranstaltung und Auszüge aus der Laudatio

 

 

Preisträger/innen des Göttinger Friedenspreises

Die "Stiftung Dr. Roland Röhl" ist eine "rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts" mit Sitz in Göttingen. Die Stiftung wurde durch Testament von Dr. Roland Röhl errichtet, der am 24.12.1997 gestorben ist. Die Stiftung ist zum Zwecke der Förderung von Konflikt- und Friedensforschung eingerichtet worde und verleiht jährlich den "Göttinger Friedenspreis", verbunden mit einer Geldprämie aus dem Ertrag des Stiftungsvermögens, an Einzelpersonen oder Personengruppen, "die sich durch grundlegende wissenschaftliche Arbeit oder durch herausragenden praktischen Einsatz um den Frieden besonders verdient gemacht haben."

1999 Prof. Dr. Dieter Senghaas
2000 Prof. Dr. Franz Fujara, Prof. Dr. Dirk Ipsen, Dr. Giorgio Franceschini, Prof. Dr. Wolfgang Bender von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit der Technischen Universität Darmstadt (IANUS)
2001 Dr. Elisabeth Niemann
2003 Tilman Zülch für die Gesellschaft für bedrohte Völker
2004 Abt Benedikt Lindemann 2005 Forum Ziviler Friedensdienst
2006 Internationale Gärten Göttingen e.V. + Stiftung Interkultur
2007 Bürgerinitiative FREIe HEIDe
2009 Andreas Zumach 2010 PRO ASYL

Nicht zuletzt zu erwähnen die Person des Stifters Roland Röhl selbst >Biografie

 

Ehrenbürger

Lange vergessen: Konrat F. Ziegler

Über Professor Konrat F. Ziegler, der in Jerusalem posthum mit dem Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern" ausgezeichnet worden ist, hat die Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dr. Bettina Kratz-Ritter ein Lebensbild erarbeitet, das sie am 5.2.02 auf einer Veranstaltung vorgestellt hat

Der Professor für KlassischePhilologie, entschiedener Gegner der Nationalsozialisten, wurde 1933 von diesen entlassen. Das hinderte ihn nicht daran, sich weiterhin um jüdische Kollegen, Freunde, Schüler und deren Familien zu kümmern. 1947 kam er nach Göttingen, wo "der rote Ziegler", ein streitbarer Demokrat, als unbequem galt und um akademische Rehabilitierung zu kämpfen hatte. Auf Antrag der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit wird am 5. März 2002 eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus angebracht und vom Universitätspräsidenten enthüllt.

Die Holocaust – Gedenkstätte "Yad Vashem" in Jerusalem hat dem Göttinger Ehrenbürger Prof. Dr. Konrat Ziegler die Auszeichnung "Gerechter unter den Völkern" zuerkannt. Der 1974 verstorbene Ziegler wird damit posthum für seine lebensrettende Hilfe ausgezeichnet, die er während der Zeit des Nazi – Regimes verfolgten jüdischen Mitbürgern zukommen ließ.
Shimon Stein, der Botschafter Israels in der Bundesrepublik, hat der Familie des Göttinger Ehrenbürgers im Beisein von Oberbürgermeister Jürgen Danielowski am Freitag, 8. Juni 2001, im Rahmen einer Feierstunde Medaille und Urkunde als äußere Zeichen der Ehrung ausgehändigt.
Bis jetzt haben nahezu 18.000 Frauen und Männer aus Europa den Ehrentitel, die höchste israelische Auszeichnung für Nicht – Juden, erhalten, darunter auch etwa 400 Deutsche. Die Auszeichnung ist verbunden mit einer Verewigung des Namens auf "Memorial – Wall" im "Garten der Gerechten" in Yad Vashem. Prof. Ziegler war ein international renommierter Altertumswissenschaftler.

Von 1928 bis zum 1. Mai 1933 war er Rektor der Universität Greifswald. In Göttingen war er Gründungsmitglied der Gesellschaft für christlich – jüdische Zusammenarbeit, der er zehn Jahre vorstand. Er galt Zeit seines Lebens als Streiter für Demokratie, Menschenrecht und Menschenwürde.

 

 

 

Problematische Ehrenbürgerschaften

Aberkennungen der Ehrenbürgerrechte

Ehrenbürgerrechte wurden aberkannt durch Beschluß des Hauptausschusses vom 25.08.1952:

  • Lutze , Victor Postbeamter, Oberpräsident der Provinz Hannover
  • Frick , Wilhelm Jurist, Reichs-Innenminister
  • Haase , Ludolf Mediziner, Gründer der NSDAP in Göttingen
  • Rust , Bernhard Lehrer, Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung
  • Hitler , Adolf , Reichskanzler

Kritik an der Ehrenbürgerschaft des Gottfried Jungmichel

Die ehemalige GAL hatte beantragt:

"Der Rat der Stadt Göttingen möge beschließen: dem bekennenden Nationalsozialisten und praktizierenden Rassehygieniker Gottfried Jungmichel wird die Ehrenbürgerschaft aberkannt. Begründung:
Nach § 30 Absatz 2 der NGO kann die Gemeinde das Ehrenbürgerrecht wegen unwürdigen Verhaltens wieder entziehen. Angesichts des vehementen Eintretens in der NS-Zeit gegen Andersdenkende und vermeintlich "lebensunwerte" Menschen muss die Person Jungmichels einer kritischen Aufarbeitung ihres Redens und Handelns im sogen. "Dritten Reich" unterzogen werden. Die exorbitante Ehrung einer Stadt, die sich Weltoffenheit, Toleranz und Schutz gesellschaftlicher Minderheiten auf die Fahnen geschrieben hat, widerspricht dem Engagement Jungmichels in eklatanter Weise.
Zur Bekämpfung des Rechtsextremismus hier und heute gehört auch die aufrichtige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. 1963, als ein Versuch unternommen wurde, Jungmichels Arbeit während des Nationalsozialismus öffentlich zu machen, konnte er die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt und den Rat noch über seine Biografie täuschen. (...)
Ehrenbürgerin Else Bräutigam †, ist selbst nur denkbar knapp dem sogen. "Euthanasieprogramm" der Nazis entkommen. Als schwerst körperbehindertes Kind mußte sie zeitweilig aus Göttingen fliehen, um nicht der physischen Vernichtung, die "Rassehygieniker" wie Jungmichel in Aufsätzen vorbereiteten, ausgesetzt zu sein.
Nun aber sind der bekennende und tätige Nationalsozialist Jungmichel und das Beinaheopfer Bräutigam auf in Öl gebannten Leinwänden in unserem Ratssaal quasi in trauter Eintracht zu sehen.

Müssen wir uns diesem Zynismus wirklich aussetzen?
Hier sei ein Zitat Jungmichels genannt, das seine Haltung im Nationalsozialismus überdeutlich belegt: "Man darf sich daher bei der Bekämpfung der Abtreibung nicht von allgemeinen Eindrücken leiten lassen, sondern wir dürfen an diese Fragen vorwiegend nur von dem Standpunkt herangehen, ob wir mit einer etwaigen erfolgreichen Bekämpfung der Abtreibung in rassehygienischer Sicht qualitativ wertvolles Volksgut erhalten oder nicht." (aus: "Rassepolitik im Kriege", Hrsg. Walter Kopp, Schriftenreihe des Rassenpolitischen Amtes der Gauleitung, Bd. 5, S.41, 1941)
Was mit nicht "wertvollem Volksgut" im Nationalsozialismus auf Geheiß federführender Rassepolitiker geschah, ist mittlerweile allgemein bekannt. Der dem Nationalsozialistischen Deutschen Ärzte-Bund angehörige Parteigenosse Jungmichel fand Zeit seines Lebens kein Wort der Reue und Entschuldigung.
Müssen nicht die demokratisch legitimierten Frauen und Männer des Göttinger Rates über die Parteigrenzen hinweg den Irrtum des Jahres 1977 (Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Jungmichel) eingestehen, damit bereits verliehene und noch zu verleihende Ehrenbürgerschaften in unserer Stadt diesen Namen auch wieder verdienen?
Nur so kann der Rat der Stadt Göttingen beispielhaft handeln, um dem aufkeimenden Nationalsozialismus unserer Tage ein deutliches Zeichen entgegenzusetzen.
Denn: Die Diskriminierung definierter Gruppen von Menschen, wie sie Jungmichel betrieb, darf weder geduldet noch gar mit Ehrenbezeigungen honoriert werden.
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Die Aberkennung der Ehrenbürgerrechte wurde durch die Mehrheit im Rat abgelehnt - Jungmichel blieb damit weiterhin Ehrenbürger der Stadt Göttingen.