goettinger stadtinfo Göttinger Drucksache (GöDru)
Zum Thema Goedru und Internet 10.2.11
/ Neuerdings wurde in der goedru über die Alternative Internet diskutiert.
Dabei spielten viele Themen eine Rolle, die bereits in der Vorläuferdiskussion
zu goest mit der Veranstaltung "Netzpolitik"
1996 geäußert wurden und auch in späteren Texten von goest zu
finden sind: Die Fragen von Internet und Überwachung, die Frage des Verhältnisses
von direkter persönlicher Kommunikation zu technisch vermittelter Kommunikation
usw. Als 2004 die goedru
mehrfach über Geldsorgen berichtete, wurde in einem goest-Artikel
u.a. Überlegungen bezüglich der Internetnutzung eingebracht. ABER ... An anderen Stellen in goest bzw. schon in der Netzpolitik-Diskussion 1996 wurden die Grenzen des offenen Arbeitens benannt, die sich durch Repression und Überwachung ergeben. Dies gilt sowohl für die Papierversion als auch Publikationen in elektronischen Medien. Insbesondere die Diskussionsforen und Kommentarfunktionen offenbaren Diskussionsstrukturen und ermöglichen den bequemen Einblick in Gruppenzusammenhänge, insbesondere wenn Streit zwischen verschiedenen politischen Fraktionen ausgetragen wird. Die Anonymität ist durch IP-Nummern-Speicherung der Provider ausgehebelt. Auf Anforderung hin müssen Provider Identität der User und der Userdaten an Polizei und Geheimdienste herausgeben. Unter diesen Bedingungen schreibt und diskutiert niemand z.B. Blockade-Aktionen bei Demonstrationen oder veröffentlicht entsprechende Aufrufe. Und schließlich wäre die Redaktion über Email-Netzwerke einfach zu überwachen - eine Mail-Verschlüsselung wäre wohl nur ein geringer Schutz, da viel eher die Kommunikationsverbindungen interessant sind. Zwar
könnte man überlegen, wie es technisch zu machen sei, auch im Internet
so anonym zu veröffentlichen wie mit einer goedru auf Papier, die Frage ist
aber, ob sich der Aufwand lohnt. Wegen dieser Problematik Internet, Überwachung,
Aufwand ... sollte aber nicht die Chance vertan werden, das Medium Internet für
all jenes zu nutzen, das rechtlich ohne Gefahr oder mit geringem Risiko veröffentlicht
werden kann. Zumal die Artikel der goedru ja schon mal als Dateien vorliegen könnte
eine Auswahl durchaus einfach an befreundete Internetseiten weitergeleitet werden.
|
| Goedru Stadtinfo gegen Krieg und Zensur - Geschichte
und Entstehung Die goedru ist ein wöchentliches Stadtinfo, das als Medium gegen Zensur und Krieg 1991 gegründet wurde. Es umfaßt 2 bis 6 Seiten mit Veranstaltungshinweisen und Artikeln, die von LeserInnen/SchreiberInnen an das Blatt geschickt wurden. Im November 2004 erschien die Ausgabe Nr. 500, am 1.3.2008 die Nr. 600
Nicht mehr ganz nachvollziehbar, wieso bereits 2 Tage später am 25.1.91 die Nummer 2 der Goedru erschien, wahrscheinlich weil die erste wie man an der Ausgabe erkennen kann im Kopierverfahren hergestellt wurde und nur in geringer Auflage verteilt worden war, während andererseits die Ereignisse um den Irakkrieg damals schnell aufeinander folgten.
Entscheidung
gegen ein aufwändiges Magazin - die Lehre aus der "Göttinger
Stadtzeitung" Finanzierung:
soviel spenden pro Monat, wie 2 Bier kosten Sind
wir nicht alle ein bißchen goedru? |
| Als
goest sich einmal um die goedru Sorgen machte ... 2004
/Nach mehreren NutzerInnen-Treffen hat sich die Lage der Göttinger Drucksache
erfreulicherweise stabilisiert so dass dieses absolut unabhängige Basismedium
weiterhin erhalten bleibt. Dennoch sind die
Themen Finanzierung der Druckkosten und Organisation der Verteilung immer wieder
ein Problem. Der Wert eines solch unabhängigen Mediums wird wahrscheinlich erst
deutlich in einer Situation in der aus staatstragenden Erwägungen heraus die Printmedien,
Hörfunk, Fernsehen und Internet eingeschränkt werden. Das hindert uns natürlich
nicht, auch einmal etwas kritisches zur Drucksache zu sagen. 2003
GöDru - Geldmangel - Verteilungsmängel Es wird im ersten Zitat oben gesagt, dass auch Geld fehlt. Durch das Internet würden z.B. die Druckkosten wegfallen aber das Internet wird als "keine Lösung" bezeichnet- warum? Weil nicht jede/r einen Internetzugang hat? Es ist auch keine Kontonummer mehr für Spenden angegeben - wie paßt das mit der Bemerkung, dass Geld gebraucht würde zusammen? Wie soll Geld gespendet werden?
Das
Risiko von Überwachung, Polizei und Staatsanwaltschaft
In dem Moment wo die Linke schwächer und zahlenmäßig kleiner wird, wird der göDru als Insider-Veröffentlichungs-Organ auch der Schutz durch eine mobilisierbare Basis entzogen, das Risiko steigt. Das Risiko, von repressiven Maßnahmen betroffen zu werden besteht ebenso bei der Verteilung der göDru. Dadurch wird es unmöglich die Verteilung zB mit einem Stand auf dem Marktplatz oder anderweitig öffentlich zu betreiben, die VerteilerInnen würden ins Visier der Staatsanwaltschaft kommen. Dies kann nicht einfach mit einem Apell zum Engagement der NutzerInnen gelöst werden. Die bisherige Verteilung aber ist anscheinend äußerst ungenügend - viele Exemplare vergangener Ausgaben gammeln vor sich hin. Szene-Blatt
oder über den Tellerrand hinaus? |
Berichterstattung in der Goettinger Drucksache über das Leserlnnentreffens am 25.4.2000 "Am
25.4. fand aus aktuellem Anlaß (siehe letzte Göttinger Drucksache) im T-Keller
ein GöDru-Leserlnnentreffen statt. Die GöDru hatte in der vorigen Ausgabe deutlich
gemacht, dass diverse Gründe ein weiteres Erscheinen in Frage stellten. Hierzu
gehörte vor allem die Frage nach Resonanz und Sinn und Zweck der Zeitung, da die
LeserInnenreaktionen in letzter Zeit doch deutlich abgenommen hatten, die Zeitung
sich z.T. vorwiegend aus Artikeln, die aus anderen Zeitungen übernommen waren,
zusammensetzte. Den ,,GöDrus" schien dementsprechend nicht mehr klar wer/welche
diese Zeitung noch liest und ob es Sinn macht in der derzeitigen Situation die
Zeitung weiterzuführen. |
Artikelbeispiele 1999 und 2001
Kritik an Aktion KUNST
Ehrenbürgerin
im SPUDOK gespeichert
Aus:
Goettinger Drucksache vom 17.9.99 Ehrenbürgerin
in illegalen Verdächtigtenlisten Ehrenbürgerin in illegalen Verdächtigtenlisten Frau Else Bräutigam, Göttinger Ehrenbürgerin und Rollstuhlfahrerin wird in illegalen Verdächtigungslisten der Polizei geführt siehe auch die Webseite von Cilip über Spudok Die verlorene Ehre (üny) ,,Die GAL/ Die Grünen-Ratsfraktion will eine Erklärung zur ,Ehrenrettung der Ehrenbürgerin Else Bräutigam sowie aller Göttinger Dauerverdächtigen' (in der Spudok-Datei) verabschieden" Der mit diesem Thema überschriebene Punkt 8 der Ratssitzungs-Tagesordnung vom 11. September, überraschte ob der sonst drögen Sachverhalte, die am vergangenen Donnerstag im neuen Rathaus verhandelt wurden. Beim Vortragen des Antrags seiner Fraktion holte Helmhard Ungerer von GAL/Die Grünen etwas länger aus. Er schilderte den (bekannten) Sachverhalt bezüglich des Anschlags auf das Göttinger Arbeitsamt 1997 und der sich anschließenden Ermittlungen der SoKo 413 des Landeskriminalamtes (LKA) und landete schließlich bei den Listen von 59 aktuellen und 105 der in Vergangenheit ,,der autonomen Szene zuzuordnenden Aktivisten" und Aktivistinnen. Obwohl das LKA dementiert hatte, weder die Spudok-Kartei Nr.74 noch deren alte Ausdrucke benutzt zu haben, seien ,,auffällige Parallelen" zu eben dieser als ,,Handkartei" bezeichneten Liste der seit Anfang der 80er Jahre Göttinger Dauerverdächtigen festzustellen, so Ungerer. Sie aber sei inzwischen ,,ein Spiegelbild der damaligen studentischen Linken auf dem Marsch durch die Institutionen", so Ungerer und als dieses veraltet und zu vernichten. Schließlich stünden auf dieser Liste auch honorige Persönlichkeiten wie ÄrztInnen, Journalisten, Rechtsanwälte uva. Ebenfalls auf dieser Liste befindet sich die Göttinger Ehrenbürgerin Else Bräutigam, anfang der Süiger Ratsfrau für die Alternativ-Grüne-Initiativen-Liste (AGIL), seit ihrem dritten Lebensjahr behindert und an den Rollstuhl gefesselt. Gerade ihre Rehabilitierung liege Bräutigam und seiner Fraktion ,,sehr am Herzen", so Ungerer, der forderte, die Liste endgültig zu schließen und zu vernichten. Dem mochte sich Andre Utermöhlen (SPD) nicht vorbehaltsios anschließen: seine Fraktion hatte einen Ersatzantrag erarbeitet, der den niedersächsischen Landtag zwar auffordert, die Liste zu vernichten, die Hand ins Feuer legen möchte die SPD-Fraktion aber nur für die ,,Ehre" der verdächtigten Else Bräutigam. Wie zu erwarten, sahen Werner Freiberg, Vorsitzender der CDU-Fraktion, und Robert Wand von der Freien Wähler-Gemeinschaft (EWG) das ganz anders. Solange Bundesgerichtshof (BGH) und der Generalbundesanwalt (GBA) in Karlsruhe das Verfahren als ,,ernsthafte wichtige Angelegenheit" nicht einstellten, sei der Rat der Stadt Göttingen nicht zuständig. Daher könnten CDU und FWG auch nicht der Forderung nach der Rehabilitierung der ,,engagierten Ratsfrau" Bräutigam zustimmen. Nach einem erstaunlich couragiertem Statement des juristisch versierteren Rainer Kallmann zogen GAL/Die Grünen ihren Antrag zurück, womit alleine der SPD-Entwurf zur Disposition stand. Der wurde erwartungsgemäß mit Enthaltungen von FDP, CDU und FWG in dieser Form angenommen und fordert die Vernichtung der Liste und die Rehabilitierung von Else Bräutigam. foto: goest Einfügung der goest-Redaktion Else Bräutigam ist 2001 gestorben und liegt neben Werner Heisenberg und Otto Hahn als Ehrenbürgerin begraben auf dem Bereich EhrenbürgerInnen des Friedhofes in der Kasseler Landstr./Göttingen Ehre? Wessen Ehre? Die Stadt Göttingen befindet sich in der Klemme: eine der EhrenbürgerInnen, die als Portrait im großen Saal des Neuen Rathauses bei den Ratssitzungen präsent ist, steht auf der Liste derjenigen, die verdächtigt werden, in der Vergangenneit dem linksautonomen Spektrum der Göttinger Szene angehört zuhaben. Und die Ehrenbürgerin Bräutigam war zudem Anfang der 8Oiger Jahre auch noch Ratsfrau - eine ehemalige Kollegin sozusagen. Wäre sie das alles nicht, wäre es wahrscheinlich auch dem Rat der Stadt Göttingen völlig egal, wie die Liste der Göttiger Dauerverdächtigen zustande kam und wie weiterhin mit ihr gearbeitet werden wird. Bei der Fraktion von GAL/Die Grünen weckt es vielleicht ein wenig Erinnerung an ,,alte Zeiten", als auch Mitglieder der jetzigen Partei in der Spudok-Kartei Nr.74 geführt wurden. Doch zuerst muß man sich in vorauseilendem Gehorsam abgrenzen gegenüber denjenigen, die den Anschlag aufs Arbeitsamt verübt haben, obwohl die ,,Autonomen Göttingen" mit der Liste nichts zu tun haben. Was mit der Möglichkeit, ehemalige Spudok-Kartei-Registrierte würden in aktuellen Verfahren weiterhin verdächtigt, öffentlichkeitswirksam durch die Medien geisterte, wird sich ähnlich auch bei zukünftigen Verfahren fortsetzen. Denn nicht zuletzt befinden sich auch die "der redaktionellen Herstellung der göttinger Drucksache" Verdächtigten auf dieser Ermittlungs-Liste. So schnell kann man von eingestellten Verfahren wegen ,,öffentlicher Aufforderung zu Straftaten" und ,Verstoß gegen das nds. Pressegesetz" zu Verdächtigen in 129-Verfahren werden. dass z.B. diese ,,üblichen Verdächtigen" und die 94 Anderen der Fraktion von GAL/Die Grünen scheißegal sind, haben sie dadurch bewiesen, dass sie ihre ursprüngliche Erklärung zugunsten des sozialdemokratisch noch mehr verwässerten Antrages zurückgezogen haben. Denn die ,,Ehre", die hier angeblich gerettet werden sollte, ist die der Stadt Göttingen. Den 104 anderen Pesonen kann das gleichgültig sein für sie wird sich auch weiterhin nichts ändern."
|