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Die Göttinger 7

Die Göttinger 7 - 1837
Göttinger Manifest 1957, gegen Atomwaffen
Buback-Nachruf 1977
, gegen Zensur

> Städtisches Museum /goest
>> Homepage des Museums

 

Göttinger Sieben

Das Städtische Museum in Göttingen zeigte vom 27.1.08 bis zum 13.4.08 die Ausstellung "König

Ernst August und der Skandal von 1837"

Die Göttinger Universität hat als Postadresse Adresse den "Platz der Göttinger 7" und ehrt damit 7 Professoren, die gegen den Rechtsbruch des autoritären Königs Ernst-August protestiert hatten.

König Ernst-August (auch Ernst-Ausguss genannt) hatte die Professoren der Universität und der Stadt verwiesen, mußte diese Entscheidung aber später wieder revidieren.

2012: Sonderbriefmarke Göttinger Sieben

Am 2. November 2012 :

Herausgabe der Sonderbriefmarke "175 Jahre Göttinger Sieben"

Die Deutsche Post hat hierfür eigens einen Stempel und eine Sonderumschlag entworfenen

 

Das Staatsgrundgesetz von 1833 schränkte die Monarchie ein. Der knochenkonservative und autoritäre König Ernst August, erklärte nach seiner Inthronisierung 1837 dieses Staatsgrundgesetz einfach für "erloschen". Dahlmann, einer der Väter des Staatsrechts verfasste eine Protestation, die 6 weitere Professoren der Göttinger Uni unterschrieben.
Ernst-August reagierte mit Härte gegen den Protestbrief, er verlangte Unterwürfigkeit und erließ die Entlassung aus der Uni, sowie Berufsverbot im Königreich Hannover. Diese Reaktion brachte einige Unruhe ins Land. In Göttingen war man aufgrund von bereits vorher niedergeschlagenen Protestationen etwas vorsichtig aber der Auszug der Professoren aus der Stadt wurde zu einem Triumphzug der Göttinger 7 - die symbolisch von einer Demo bis zu den Stadttoren begleitet wurden.


Friedrich Christoph Dahlmann geb. 1785, ab 1829 Prof in Göttingen für Geschichte und Staatswissenschaft. Er war der Verfasser der "Protestation" und der politische Kopf der Göttinger 7


Heinrich August Ewald, Orientalist, 1803 in Göttingen geboren, ab 1827 als Professor für orientalische Sprachkunde an der Uni Göttingen


Georg Gottfried Gervinius, geb. 1805, und auf Vermittlung von Dahlmann ab 1835 Professor für Geschichte an der Uni Göttingen

Wilhelm Weber , Physiker - 1804 geboren, ab 1831 Professor für Physik an der Uni Göttingen und Mitarbeiter von Carl Friedrich Gauß

Wilhelm Grimm und Jacob Grimm

Wilhelm Eduard Albrecht, 1800 geboren, ab 1829 Professor für Staats und Kirchenrecht an der Uni Göttingen

Gemälde - König Ernst August


Später mußte der König klein beigeben: Auszüge aus der Amnestieerklärung zu der Ernst-August 1848 gezwungen war - in der Ausstellung zu sehen.


Bronze-Plastik der Göttinger Sieben - in der Ausstellung


Führung durch die Ausstellung für MedienvertreterInnen und Sponsoren


Blick in einen der Ausstellungsräume mit den Bildern der Göttinger 7 und von Ernst August sowie Originalen von Schriftstücken.

Historisches Flugblatt von 1837

Allein die Verteilung von Flugblättern war bereits Majestätsbeleidigung

Hier ein historischer Aufruf zur Versammlung, der Text lautet:

"1/2 6 Uhr Sonnabend
Abend auf
dem Markt"

und noch rechts oben eine 7

 

 

Göttinger Sieben und Atomwaffenverbot

Im Museum wird die Göttinger Erklärung von Atomwissenschaftlern gegen die Atombombe aus dem Jahre 1957 in eine Reihe mit den Göttinger Sieben gestellt

Im Text des Göttinger Manifests der Göttinger 18 von 1957 heisst es u.a.: "Wir wissen, wie schwer es ist, aus diesen Tatsachen die politischen Konsequenzen zu ziehen. Uns als Nichtpolitikern wird man die Berechtigung dazu abstreiten wollen; unsere Tätigkeit, die der reinen Wissenschaft und ihrer Anwendung gilt und bei der wir viele junge Menschen unserem Gebiet zuführen, belädt uns aber mit einer Verantwortung für die möglichen Folgen dieser Tätigkeit. Deshalb können wir nicht zu allen politischen Fragen schweigen. (...)
Jedenfalls wäre keiner der Unterzeichnenden bereit, sich an der Herstellung, der Erprobung oder dem Einsatz von Atomwaffen in irgendeiner Weise zu beteiligen. Gleichzeitig betonen wir, dass es äußerst wichtig ist, die friedliche Verwendung der Atomenergie mit allen Mitteln zu fördern, und wir wollen an dieser Aufgabe wie bisher mitwirken."
Fritz Bopp, Max Born, Rudolf Fleischmann, Walther Gerlach, Otto Hahn, Otto Haxel, Werner Heisenberg, Hans Kopfermann, Max v. Laue, Heinz Maier-Leibnitz, Josef Mattauch, Friedrich-Adolf Paneth, Wolfgang Paul, Wolfgang Riezler, Fritz Straßmann, Wilhelm Walcher, Carl Friedrich Frhr. v. Weizsäcker, Karl Wirtz"

siehe die goest-Seite zu Otto Hahn

Denkmal für die Göttinger Sieben "G7" von Günter Grass

>Günter Grass bei der Einweihung des Denkmals auf dem Campus April 2011

Foto: S.K. // Es war ein sehr schönes Sonnenwetter, als Günter Grass vor ca. 150 Menschen das Denkmal enthüllte. Neben der Geschichte der Göttinger Sieben baute Grass auch eine Kritik der Gesundheitsreform und Pharmalobby ein und verteilte ein paar Seitenhiebe gegen die SPD

29.4.11 / Die etwas peinliche Schlichtheit des Denkmals wird in Göttingen nur noch durch das Pappkameraden-Denkmal (pardon - "bedampftes Plexiglas") von Heinz Erhardt übertroffen. In diesem G7-Denkmal ist kein Symbol vom Widerstandsgeist der damaligen Majestätsbeleidiger der Göttinger Sieben enthalten.

Das Denkmal wurde ein Jahr später, im April 2012 am Karfreitag mit einer Inschrift besprüht mit der Grass rüde zum Schweigen aufgefordert wird: "Halts Maul!". Günter Grass hatte in seinem Pamphletgedicht "Was gesagt werden muß" u.a. geschrieben es sei darauf zu "bestehen, daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird." Da es Leute in Göttingen gibt, die jede aber auch jede Entscheidung der israelischen Regierung kritiklos gutheißen, hat diese Reaktion nicht sonderlich überrascht.

 

Dissidenten werden in Göttingen nicht immer geehrt
Eine Art Göttinger Sieben (ohne Göttinger)

43 Professoren (von der Göttinger Uni war kein Prof. dabei)
hatten 1977 gegen die Unterdrückung eines Textes aus Göttingen protestiert

1977 haben Professoren, Rechtsanwälte und andere gegen die Unterdrückung eines Textes aus Göttingen protestiert indem sie den verbotenen "Mescalero"-Text zusammen mit einer Erklärung unter ihrem Namen gemeinsam herausgaben. 47 Intellektuelle sind damals gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit aufgestanden und waren massiver Anfeindungen ausgesetzt. Bei der immer wieder zelebrierten Erinnerung an die Göttinger Sieben sollte in Zukunft auch des Mutes gedacht werden, mit dem 1977 für die Meinungsfreiheit eingetreten wurde.

"ERKLÄRUNG Wir sehen uns veranlasst, einen Nachruf zu veröffentlichen einen Nachruf, den zu veröffentlichen unter Strafe gestellt worden ist: es geht um den erstmals in der Göttinger Studentenzeitung publizierten Nachruf auf Buback. Dieser Nachruf hat heftige Reaktionen ausgelöst: seine Verbreitung wird von Justiz und Polizeiorganen sowie von Hochschulleitungen verfolgt; (...) Die Unterdrückung und Verfolgung des Artikels ist selbst Ausdruck dieser Gewaltverhältnisse: während jeder Ansatz sozialistischer Kritik und Praxis erstickt werden soll, können sich faschistoide Tendenzen ungehindert breit machen. Die politische Öffentlichkeit in der Gesellschaft und speziell an den Hochschulen wird weiter eingeschränkt. Durch die exemplarische Kriminalisierung einzelner Studentenvertreter wird an den Hochschulen ein Klima der Angst erzeugt, in dem viele politische Diskussionen nicht mehr geführt werden und Äußerungen, die möglicher Weise politischen Charakter haben könnten, nur noch hinter vorgehaltener Hand gemacht werden. Wir sind der Auffassung, dass eine öffentliche Diskussion des gesamten Artikels möglich sein muß. Mit seiner Veröffentlichung wollen wir zugleich dazu beitragen, der Kriminalisierung, der Illegalisierung und dem politischen Äußerungsverbot entgegenzutreten, indem wir das Recht auf freie politische Meinungsäußerung praktisch wahrnehmen."

Siehe die gesamte Erklärung und Unterstützerliste auf der goest-Seite zu Buback
Quelle: http://www.uni-mainz.de/~franz/vda/proj1968/ueberreg/doku/mescale.htm