> Zur Startseite - Goettinger Stadtinfo- GOEST
 Texte und Bilder
© Impressum

Polen

Polnische Tage 10.-13. Sept 2010
Bogumil-Linde-Preis

>> Deutsch-Polnischen Gesellschaft Göttingen e.V.
>> Partnerstadt Torun

Göttinger Polnische Tage 10. - 13. September 2010

Alle Veranstaltungen sind eintrittsfrei!

Freitag, 10.09.10 Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, 19.15 Uhr, Vortrag der polnischen Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Dr. Elisabeth Kwade, Hannover Vortrag "Schlesien – eine Region mit europäischer Identifikation" Veranstalter: Deutsch - Polnische Gesellschaft

Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, 21 Uhr, Schauspielensemble des Slavischen Seminars Göttingen, "Striptease" Einakter von Slawomir Mrozek aus der "Mrozek-Theater-Revue" (2010) Bearbeitung und Regie: Sibille Rigler, Veranstalter: Stadt Göttingen, Fachbereich Kultur

Samstag, 11.09.10 Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 415 Uhr, Vernissage Ausstellung Polnische Plakatkunst "Im Land der Phantasie – Polnische Zirkus- und Märchenplakate" Privatsammlung Günther Sudmann, Hann.-Münden Veranstalter: Galerie Alte Feuerwache

Deutsches Theater - Spielzeiteröffnungsfest

Deutsches Theater 19.00 Uhr "Neue polnische Dramatik", gelesen von Schauspielern des DT, und um 20.00 Uhr eine Theaterrevue mit unterhaltsamen und musikalischen Beiträgen durch 120 Jahre Göttinger Theatergeschichte.

Sonntag, 12.09.10 Altes Rathaus 11 Uhr, Verleihung des Samuel-Bogumil-Linde-Preises an Adam Krzeminski und Prof. Dr. Karl Schlögel gemeinsamer Literaturpreis der Partnerstädte Thorn und Göttingen / Veranstalter: Stadt Göttingen, Fachbereich Kultur

Zur Preisverleihung sprechen neben den ausgezeichneten Publizisten der Thorner Stadtpräsident Michal Zaleski, Oberbürgermeister Wolfgang Meyer und Prof. Dr. Rudolf von Thadden, der die Laudatio auf beide Preisträger hält.. ..siehe unten mehr

Montag 13.09.10 Goethe-Institut, Merkelstr. 4, Pavillon 16 Uhr, Dr. Grzegorz Kowal, Universität Breslau Vortrag "Die polnische Rezeption Friedrich Nietzsches" Veranstalter: Slavisches Seminar der Universität Göttingen

Goethe-Institut, Merkelstr. 4, Pavillon 17 Uhr, Frau Prof. Dr. Grazyna Szewczyk, Universität Kattowitz Vortrag "Polnische Literatur der Gegenwart" Veranstalter: Slavisches Seminar der Universität Göttingen, Herr Prof. Dr. Freise

Zur Preisverleihung und zu den "Göttinger Polnischen Tagen" erwartet die Stadt den Besuch einer Thorner Delegation, die Stadtpräsident Michal Zaleski anführt. Ihr gehören außerdem der stellvertretende Vorsitzende des Stadtrates, Andrzej Jasinski, der Direktor der Thorner Kulturabteilung, Zbigniew Derkowski, sowie drei polnische Mitglieder der Lindepreis - Jury an. Die Gäste werden Veranstaltungen der polnischen Tage besuchen und Gespräche über die Fortsetzung der Städtepartnerschaft führen.

zum Anfang

 

Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis

Der 1996 von den beiden Partnerstädten Thorn (Torun) in Polen und Göttingen gemeinsam gestiftete Literaturpreis ist nach dem Sprachforscher Samuel Bogumil Linde (1771 – 1847) benannt, der das Wörterbuch der polnischen Sprache, das erste historische und vergleichende Wörterbuch überhaupt, begründet hat. >> www.lindepreis.goettingen.de

Mit dem Preis soll "das Wirken polnischer und deutscher Schriftsteller/innen und Geisteswissenschaftler/innen für Verständigung, Versöhnung und freundschaftliche Zuwendung zum jeweiligen Nachbarn" gewürdigt werden. Es werden Autoren ausgezeichnet, deren Wort Ideale und Werte schafft, die Menschen, Gesellschaften und Nationen zum gemeinsamen Gespräch führen. Der Preis kann Autoren zuerkannt werden, die auf den Feldern "Lyrik, Prosa, Drama, Essayistik, Literaturkritik, Publizistik, Übersetzung und Edition" Hervorragendes geleistet haben.
Über die Preisvergabe entscheidet eine Jury, die mit jeweils 3 VertreterInnen der beiden Städte besetzt ist. Desweiteren heisst es aber in den >>Statuten "Vorschläge für Kandidaten von Bürgerinnen und Bürgern der Städte Thorn und Göttingen können von der Jury berücksichtigt werden."

Bisherige Preisträger/innen waren Wyslawa Szymborska und Günter Grass (1996), Zbigniew Herbert und Karl Dedecius (1997), Tadeusz Rozewicz und Siegfried Lenz (1998) sowie Ryszard Kapuscinski und Christa Wolf (1999). 2000 an polnische Schriftstellerin Hanna Krall und den deutschen Literaturkritiker Prof. Marcel Reich–Ranicki, 2001 Jan Józef Szczepan'ski / Henryk Bereska, 2002 Andrzej Stasiuk / Friedrich Christian Delius, 2003 Wlodzimierz Kowalewski / Barbara Köhler, 2004 Hubert Orlowski / Klaus Zernack , 2005 Pawel Huelle / Hans Joachim Schädlich, 2006 Slawomir Mrozek / Tankred Dorst , 2007 Ewa Lipska / Sarah Kirsch, 2008 Olga Tokarczuk / Ingo Schulze 2009 Adam Zagajewski / Durs Grünbein

Der Preis, der im jährliche Wechsel in Torun und Göttingen überreicht wird, war früher mit jeweils DM 6.000 und ist jetzt mit jeweils 5000 Euro dotiert (Bis jetzt noch ... denn im Zuge der Sparmaßnahmen wurde 2010 daran gedacht auch hier zu kürzen)

Jurymitglieder von Seiten der Stadt Thorn
Dr. Krzysztof Wikliski - Literaturkritiker, Herausgeber, Lyriker
Prof. Dr. Aleksander Nalaskowski - Professor für Pädagogik an der
Nikolaus-Kopernikus Universität
Prof. Dr. Leszek Zyliński - Prof. Neuere deutsche Literatur und Kultur,Nikolaus-Kopernikus Universität
Michał Stakiewicz - Vertreter des Präsidenten der Stadt Torun
Jurymitglieder von Seiten der Stadt Göttingen
Prof. Dr. Claudia Stockinger-Martus - Professorin für Neuere deutsche Literatur Uni Göttingen
Prof. Dr. Reinhard Lauer - Professor em. für Slavistik an der Universität Göttingen
Dr. Dagmar Schlapeit-Beck - Dezernentin für Kultur und Soziales der Stadt Göttingen
Prof. h.c. Heinz Ludwig Arnold - Hrsg. Literaturzeitschrift "Text und Kritik", Uni Göttingen

Bogumil-Linde Preis 2010

Adam Krzemiski, Warschau, und Karl Schlögel , Berlin erhielten den Literaturpreis 2010. Beide haben sich intensiv mit dem Verhältnis Polen-Deutschland beschäftigt und für die Verständigung zwischen beiden Ländern geworben. Der Preis wurde am Sonntag, dem 12. September 2010 im Alten Rathaus Göttingen verliehen. Die Verleihung fand zeitgleich zu den "Göttinger Polnischen Tagen" statt. OB Wolfgang Meyer vermerkte in seiner Rede deutlich, dass man sich in der Freundschaft zu Polen auch nicht von "Verbandsvertretern" irritieren lasse Die kritische Bemerkung von Meyer wurde mit Applaus bedacht; währenddessen ein anwesender CDU-Repräsentant der Stadt Göttingen allerdings keinen Finger rührte. In einer der weiteren Reden fiel dann noch deutlicher der Hinweis auf Steinbach, die kürzlich mit einer Bemerkung über Polen und den 2. Weltkrieg Empörung ausgelöst hatte.


Während der Ansprache des Göttinger Oberbürgermeister Meyer zur Preisverleihung 2010

Adam Krzeminski, 1945 geboren, gilt in Polen als einer der herausragenden Kenner Deutschlands und einer der bekanntesten Mittler zwischen den Kulturen. Nach seinem Studium der Germanistik in Warschau und Leipzig ist er seit 1973 Redakteur der wichtigsten polnischen Wochenzeitung "Polityka". Einen Namen hat er sich vor allem dank seiner Aufsätze über die deutsche Kultur und Politik gemacht. Er verfasste zahlreiche Essays zur Zeit- und Ideengeschichte, unter anderem für die deutsche Presse (Die Zeit, FAZ, , Die Welt, Süddeutsche Zeitung, Merkur, Frankfurter Hefte). Krzemiński ist Mitbegründer der deutsch-polnischen Zeitschrift "Dialog".

Werke in deutscher Sprache: Polen im 20. Jahrhundert. Ein historischer Essay, 1993, Deutsch-polnische Verspiegelung. Essays, Holzhausen, Wien 2001, Schuld & Sühne und Stolz & Vorurteil, Edition Fototapeta, Berlin 2007, Testfall für Europa. Deutsch-polnische Nachbarschaft muss gelingen, Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2008

Adam Krzeminski 2010 in Göttingen

 

Prof. Dr. Karl Schlögel, 1948 geboren, hat in Berlin, in Moskau und St. Petersburg Osteuropäische Geschichte, Philosophie, Soziologie und Slawistik studiert. In den 1970er und 80er Jahren verbrachte er zahlreiche (Forschungs) Aufenthalte in den USA und Osteuropa und arbeitete als freier Autor, Übersetzer und Wissenschaftler. Nach einer Professur an der Uni Konstanz lehrt er heute als Professor für Osteuropäische Geschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Karl Schlögl gilt als deutscher Osteuropa-Experte, der sich in seinen Arbeiten zur Geschichte Osteuropas mit kulturgeschichtlichen Fragestellungen und mit der Alltagswirklichkeit auseinandersetzte. Früher als andere Fachkollegen hob er hervor, dass Osteuropa und Russland zum kulturellen Bestand Gesamteuropas gehören.

Karl Schlögel 2010 in Göttingen

Einige Werke von Prof. Schlögel sind: Das Wunder von Nishnij oder die Rückkehr der Städte, 1991, // Die Mitte liegt ostwärts. Europa im Übergang, 2002, // Petersburg. Das Laboratorium der Moderne 1909 - 1921, 2002, // Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik, 2003, // Marjampole. Europas Wiederkehr aus dem Geist der Städte, 2005,


Toruner Stadtpräsidenten Michal Zaleski

Die beiden Preisträger

Die Preisverleihung fand in Anwesenheit des Toruner Stadtpräsidenten Michal Zaleski statt, der den beiden Preisträgern zusätzlich eine Medaille der Stadt Torun verlieh. Zu Gast war u.a. auch Rita Süßmuth.


Prof. Dr. Rudolf von Thadden

V. Thadden mit seinem neuen Buch

Prof. Dr. Rudolf von Thadden hielt die Laudatio auf beide Preisträger.

Von Thaddens Rede war von geradezu familärer Freundlichkeit geprägt, die bis hin zu einer rührenden Bekenntnis freundschaftlicher Verbundenheit reichte. Gleichwohl gelang es dem Laudator Arbeit, Wirken und Werken Schlögels und Krzeminskis auf differenzierte, detaillierte und vor allem pointierte und heitere Weise vorzustellen.
Die Würdigung der Preisträger als Förderer der deutsch-polnischen Freundschaft, die v. Thadden mit der Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft verglich hatte insofern besonderes Gewicht als v. Thadden mit hohen Auszeichnungen für seine Förderung der deutsch-französischen Beziehungen ausgestattet ist.

Rudolf von Thadden stellte - etwas ungewöhnlich - am Ende seiner Rede auch noch sein eigenes neues Buch vor, das Oktober im >>Wallsteinverlag erscheint: "Trieglaff Eine pommersche Lebenswelt zwischen Kirche und Politik" die wechselvolle Geschichte von Trieglaff in Pommern 1807 ­ 1948 . Pommern als ehemalige preussische Provinz und heutiger Teil Polens hat zwar einen inhaltlichen Bezug zur Laudatio fiel aber mit dieser Eigenwerbung etwas aus dem Rahmen der sonst sehr stilvollen Rede.

Nicht nur am Rande: Das Geigenhofquartett mit einem Stück von Grazyna Bacewicz

Nicht unerwähnt sollte die Beteiligung des Geigenhofquartetts bei der Preisverleihung bleiben. Nach der Preisübergabe trugen sie u.a. das Stück Streichquartett Nr. 4 Andante der polnischen Komponistin >>Grazyna Bacewiczówna vor. Es ging weit darüber hinaus, was man als "Untermalung" bezeichnen könnte, sondern stellte einen musikalischen Beitrag von eigenem faszinierenden Wert dar. Wojtek Bolimowski / gebürtiger Warschauer aus Göttingen (Violine) u.a. zweiter Konzertmeister im Göttinger Symphonie Orchester, Mitbegründer des Rosenquartetts (1985) und des Geigenhofquartetts (2000). Er spielte im Geigenhofquartett zusammen Zsuzsanna Bolimowski (Violine) Oksana Labach (Viola) und Lucille Chaubard (Violoncello).

zum Anfang