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Sartorius
GBE
183 / Dezember 2007 Am 10. September überraschte der Sartoriusvorstand die KollegInnen mit der Mitteilung, dass der Arbeitsdirektor Olaf Grothey sein Amt als Vorstand bei Sartorius beendet. Seit über fünf Jahren war Olaf Grothey im Vorstand für Personalwesen und allgemeine Verwaltung zuständig. Damit hat der Sartorius-Chef Kreuzburg sich eines der letzten Erbstücke aus der Ära seines Vorgängers und Ziehvaters Utz Claassen entledigt. Utz Claassen hatte 2002 einen echten Überraschungscoup gelandet, indem er den damaligen Betriebsratsvorsitzenden Grothey in den Vorstand berief. Schwieriges Verhältnis Das Verhältnis der KollegInnen zum Vorstand war naturgemäß schwierig. Viele empfanden den Seitenwechsel als unpassend – auch wenn Olaf Grothey immer wieder mit seiner Mitgliedschaft in der IG Metall kokettierte. Dass er als 'Mann fürs Grobe' dann im Jahr 2003 die Entlassung von 180 KollegInnen organisiert hat, machte ihn in deren Augen nicht gerade sympathischer. Welche Gründe nun dazu führten, dass der Piercingträger Grothey nicht mehr im Sartoriusvorstand arbeitet , liegt im Feld der Spekulation. Vielleicht war der ehemalige Feinmechaniker angesichts der Fusion mit dem französischen Plastiktütenhersteller Stedim nicht mehr fein genug. Jedenfalls wurde seine Stelle nicht neu besetzt. Der Mitvorstand Dr. Maaz (... jetzt sind es nur noch zwei im Vorstand) ist nun Arbeitdirektor und soll die Arbeit von Olaf Grothey miterledigen. Gleitlager entflutscht dem Sartorius Konzern Dass die Gleitlagersparte von Sartorius verkauft werden sollte, ist schon seit Jahren Thema gewesen. Seitdem sich das Gleitlager im Jahr 2005 Sartorius Bearings Technology (SBT) nannte und ein eigenes Unternehmen war, wurde ein Verkauf nur noch äußerst lahm dementiert. Und der Umzug weg vom Sartoriusgelände in die alten Phywe-Hallen hat den Verdacht nur bestärkt, dass etwas im Busche ist. Am 15. Oktober haben es die KollegInnen dann erfahren: sie müssen raus! Die Firma ist jetzt an die britische Smiths Group verkauft und wird in Zukunft unter den Fittichen der John Crane GmbH in Fulda stehen. Im Moment scheinen die KollegInnen ihre Zukunft bei John Crane nicht so schwarz zu sehen. Die Fuldaer Firma stellt Gleitdichtungen und Ähnliches her und tummelt sich mit anderen Produkten auf dem gleichen Markt wie SBT. Und die Fuldaer Firma ist mit 190 KollegInnen nur knapp doppelt so groß wie SBT. Die Gefahr in einem großen Konzern wie der Smiths Group mit ca. 32.000 Beschäftigten unterzugehen, ist bei dieser Konstruktion nicht so groß. Allerdings wird die Smiths Group, zu der John Crane gehört, zur Zeit auch von Fraktionskämpfen unter den Kapitaleignern geschüttelt. Ein Teil der Kapitaleigner möchte den Konzern lieber in mehrere kleine Firmen zerlegen, um noch mehr Geld aus dem Unternehmen zu holen. Die KollegInnen vom Gleitlager haben sich bisher aber nicht die Butter vom Brot nehmen lassen – sie sind zum Großteil in der IG Metall organisiert. Das ist ein gutes Fundament, um die Interessen auch gegenüber neuen Eigentümern erfolgreich zu vertreten. Wohin mit der Kohle Fragt sich, was im Sartoriuskonzern mit den 20 Millionen Euro passiert, die der Verkauf von SBT gebracht hat. Böse Zungen behaupten, dass der Vorstand jetzt schnell zugeschlagen hat, um für den Fall gerüstet zu sein, dass die Sartorius-Stedim-Fusion nicht so glatt verläuft wie geplant. Die Kosten solcher Fusionen werden ja häufig unterschätzt, auch wenn nicht jede Fusion gleich so katastrophal verlaufen muss wie z.B. bei Daimler-Chrysler. Viele KollegInnen aus dem ehemaligen Kernbereich der Firma, der Waagenproduktion, hoffen natürlich, dass das Geld für Investitionen in diesem Bereich genutzt wird. Schließlich fehlen der sogenannten Mechatroniksparte in Zukunft 15 Millionen Euro Umsatz im Jahr, die das Gleitlager beigetragen hat. Im Gegenzug hat die Biotechnologiesparte durch die französische Stedim ja erheblich an Umsatz hinzugewonnen. Die Gewichte innerhalb von Sartorius haben sich also weiter verschoben. Aber die Hoffnungen auf Investitionen sind trügerisch. Selbst wenn der Vorstand entscheidet, in die Mechatronik zu investieren, wird dies nicht unbedingt in Göttingen sein. Wahrscheinlicher ist, dass "Umsatz hinzugekauft" wird in Form einer Firma irgendwo auf der Welt. Nur in einem können sich die KollegInnen sicher sein: das Geld wird nicht als Weihnachtsgratifikation an die Mitarbeiter verteilt. Aber das wär ja auch nicht normal... Eine neue Ära muss rein Wie ganz normal durchschnittlich das Leben eines Beschäftigten bei einem Technologieführer der Mechatronik und Biotechnologiezulieferer ist, haben viele SartorianerInnen am 5. November 2007 gespürt. An diesem Tag haben sie ihre Eingruppierung in dem neuen Entgeltrahmentarifvertrag (ERa) der IG Metall erhalten. Was da zu lesen war, ist leider nur Durchschnitt oder auch noch darunter. Mit diesem neuen modernen Tarifvertrag, der die alten Zöpfe der Zweigleisigkeit von Arbeiter und Angestellten abschneiden soll, schwappte auch die schöne neue Arbeitsmarktwelt mit der neuen Unterbewertung von Arbeit ins Haus Sartorius. Was viele, oft langgediente und auch oft gut bezahlte SartorianerInnen zukünftig an Geld für ihre Tätigkeit zu erwarten haben, schlug in der Belegschaft heftig ein. Zwar hat die IG Metall im ERa-Tarifvertrag eine materielle Absicherung in Form einer sogenannten Überleitungszulage herausverhandelt, aber diese "Sozialzulage" lag vielen doch sehr schwer im Magen. Immerhin 2/3 der KollegInnen, also ca. 1000 Beschäftigte bei Sartorius, erhalten zu ihrer neuen Entgeltgruppe zukünftig eine Zulage, weil sie angeblich nicht mehr das Geld wert sind, das sie bisher bekommen haben. Die Beträge sind mitunter nicht klein und bewegen sich bei ca. 250 Beschäftigten sogar oberhalb der 500,- €. Anlässlich der Betriebsversammlung im November haben Betriebsrat und Führung den Unmut der Belegschaft wohl schon heftig kennengelernt, denn ERa ist bei Sartorius im Moment Flurgespräch Nr.1. Man darf gespannt sein, wie es ggf. in einem Unternehmen mit einer so überdurchschnittlichen Ertragslage gelingen könnte, die Einkommensstrukturen bei den ganz normalen Beschäftigten unterhalb des Top-Führungskreises nach unten zu drücken.
GBE
173 / November 2003 Auf der Grundlage eines Artikels aus dem Göttinger Betriebsexpress Nr. 173, 19.11.03 stark gekürzt und mit einigen Textumstellungen Unsinnige
Managemententscheidungen Millionenverluste
durch Managementfehler Management
kein Gespür für richtige Prognosen Planung
neuer Millionenverluste Management:
Azubis auf die Straße geschickt Aber
ein neues Vorstands-Auto muß her! |