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Betriebe: Sartorius

Alles muss raus! GBE183 / Dez 2007

Management macht Fehler 19.11.03
Sartorius - Entlassungen 29.4.03
Sartorius Arbeitszeitverlängerung 2001

> Warnstreik bei Sartorius am 4.2.04
> Betriebe Leitseite

Sartorius  >> www.sartorius.de , gegründet 1870 , Umsatz 2002 476,5 Millionen Euro. Beschäftigte: 3750, Biotechnlogie: Filter, Trennprozesse, Fermenter und Lösungen für Proteomics, das Bioprocessing in Labor und Prozess sowie für die Getränkeindustrie. Mechatronik : Laborwaagen, Goldwaagen Mess- und Automatisierungstecknik für Labors und Industrie. Gleitlager für Turbinen, Getriebe, Turbolader, Verdichter

 

GBE 183 / Dezember 2007
Alles muss raus!

Am 10. September überraschte der Sartoriusvorstand die KollegInnen mit der Mitteilung, dass der Arbeitsdirektor Olaf Grothey sein Amt als Vorstand bei Sartorius beendet. Seit über fünf Jahren war Olaf Grothey im Vorstand für Personalwesen und allgemeine Verwaltung zuständig. Damit hat der Sartorius-Chef Kreuzburg sich eines der letzten Erbstücke aus der Ära seines Vorgängers und Ziehvaters Utz Claassen entledigt. Utz Claassen hatte 2002 einen echten Überraschungscoup gelandet, indem er den damaligen Betriebsratsvorsitzenden Grothey in den Vorstand berief.

Schwieriges Verhältnis

Das Verhältnis der KollegInnen zum Vorstand war naturgemäß schwierig. Viele empfanden den Seitenwechsel als unpassend – auch wenn Olaf Grothey immer wieder mit seiner Mitgliedschaft in der IG Metall kokettierte. Dass er als 'Mann fürs Grobe' dann im Jahr 2003 die Entlassung von 180 KollegInnen organisiert hat, machte ihn in deren Augen nicht gerade sympathischer. Welche Gründe nun dazu führten, dass der Piercingträger Grothey nicht mehr im Sartoriusvorstand arbeitet , liegt im Feld der Spekulation. Vielleicht war der ehemalige Feinmechaniker angesichts der Fusion mit dem französischen Plastiktütenhersteller Stedim nicht mehr fein genug. Jedenfalls wurde seine Stelle nicht neu besetzt. Der Mitvorstand Dr. Maaz (... jetzt sind es nur noch zwei im Vorstand) ist nun Arbeitdirektor und soll die Arbeit von Olaf Grothey miterledigen.

Gleitlager entflutscht dem Sartorius Konzern

Dass die Gleitlagersparte von Sartorius verkauft werden sollte, ist schon seit Jahren Thema gewesen. Seitdem sich das Gleitlager im Jahr 2005 Sartorius Bearings Technology (SBT) nannte und ein eigenes Unternehmen war, wurde ein Verkauf nur noch äußerst lahm dementiert. Und der Umzug weg vom Sartoriusgelände in die alten Phywe-Hallen hat den Verdacht nur bestärkt, dass etwas im Busche ist. Am 15. Oktober haben es die KollegInnen dann erfahren: sie müssen raus! Die Firma ist jetzt an die britische Smiths Group verkauft und wird in Zukunft unter den Fittichen der John Crane GmbH in Fulda stehen.

Im Moment scheinen die KollegInnen ihre Zukunft bei John Crane nicht so schwarz zu sehen. Die Fuldaer Firma stellt Gleitdichtungen und Ähnliches her und tummelt sich mit anderen Produkten auf dem gleichen Markt wie SBT. Und die Fuldaer Firma ist mit 190 KollegInnen nur knapp doppelt so groß wie SBT. Die Gefahr in einem großen Konzern wie der Smiths Group mit ca. 32.000 Beschäftigten unterzugehen, ist bei dieser Konstruktion nicht so groß. Allerdings wird die Smiths Group, zu der John Crane gehört, zur Zeit auch von Fraktionskämpfen unter den Kapitaleignern geschüttelt. Ein Teil der Kapitaleigner möchte den Konzern lieber in mehrere kleine Firmen zerlegen, um noch mehr Geld aus dem Unternehmen zu holen. Die KollegInnen vom Gleitlager haben sich bisher aber nicht die Butter vom Brot nehmen lassen – sie sind zum Großteil in der IG Metall organisiert. Das ist ein gutes Fundament, um die Interessen auch gegenüber neuen Eigentümern erfolgreich zu vertreten.

Wohin mit der Kohle

Fragt sich, was im Sartoriuskonzern mit den 20 Millionen Euro passiert, die der Verkauf von SBT gebracht hat. Böse Zungen behaupten, dass der Vorstand jetzt schnell zugeschlagen hat, um für den Fall gerüstet zu sein, dass die Sartorius-Stedim-Fusion nicht so glatt verläuft wie geplant. Die Kosten solcher Fusionen werden ja häufig unterschätzt, auch wenn nicht jede Fusion gleich so katastrophal verlaufen muss wie z.B. bei Daimler-Chrysler. Viele KollegInnen aus dem ehemaligen Kernbereich der Firma, der Waagenproduktion, hoffen natürlich, dass das Geld für Investitionen in diesem Bereich genutzt wird. Schließlich fehlen der sogenannten Mechatroniksparte in Zukunft 15 Millionen Euro Umsatz im Jahr, die das Gleitlager beigetragen hat. Im Gegenzug hat die Biotechnologiesparte durch die französische Stedim ja erheblich an Umsatz hinzugewonnen. Die Gewichte innerhalb von Sartorius haben sich also weiter verschoben. Aber die Hoffnungen auf Investitionen sind trügerisch. Selbst wenn der Vorstand entscheidet, in die Mechatronik zu investieren, wird dies nicht unbedingt in Göttingen sein. Wahrscheinlicher ist, dass "Umsatz hinzugekauft" wird in Form einer Firma irgendwo auf der Welt.

Nur in einem können sich die KollegInnen sicher sein: das Geld wird nicht als Weihnachtsgratifikation an die Mitarbeiter verteilt. Aber das wär ja auch nicht normal...

Eine neue Ära muss rein

Wie ganz normal durchschnittlich das Leben eines Beschäftigten bei einem Technologieführer der Mechatronik und Biotechnologiezulieferer ist, haben viele SartorianerInnen am 5. November 2007 gespürt. An diesem Tag haben sie ihre Eingruppierung in dem neuen Entgeltrahmentarifvertrag (ERa) der IG Metall erhalten. Was da zu lesen war, ist leider nur Durchschnitt oder auch noch darunter. Mit diesem neuen modernen Tarifvertrag, der die alten Zöpfe der Zweigleisigkeit von Arbeiter und Angestellten abschneiden soll, schwappte auch die schöne neue Arbeitsmarktwelt mit der neuen Unterbewertung von Arbeit ins Haus Sartorius. Was viele, oft langgediente und auch oft gut bezahlte SartorianerInnen zukünftig an Geld für ihre Tätigkeit zu erwarten haben, schlug in der Belegschaft heftig ein. Zwar hat die IG Metall im ERa-Tarifvertrag eine materielle Absicherung in Form einer sogenannten Überleitungszulage herausverhandelt, aber diese "Sozialzulage" lag vielen doch sehr schwer im Magen. Immerhin 2/3 der KollegInnen, also ca. 1000 Beschäftigte bei Sartorius, erhalten zu ihrer neuen Entgeltgruppe zukünftig eine Zulage, weil sie angeblich nicht mehr das Geld wert sind, das sie bisher bekommen haben. Die Beträge sind mitunter nicht klein und bewegen sich bei ca. 250 Beschäftigten sogar oberhalb der 500,- €. Anlässlich der Betriebsversammlung im November haben Betriebsrat und Führung den Unmut der Belegschaft wohl schon heftig kennengelernt, denn ERa ist bei Sartorius im Moment Flurgespräch Nr.1.

Man darf gespannt sein, wie es ggf. in einem Unternehmen mit einer so überdurchschnittlichen Ertragslage gelingen könnte, die Einkommensstrukturen bei den ganz normalen Beschäftigten unterhalb des Top-Führungskreises nach unten zu drücken.

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GBE 173 / November 2003
Sartorius-Management macht Fehler, die  "geringer verdienenden abhängig Beschäftigten" müssen büssen

Auf der Grundlage eines Artikels aus dem Göttinger Betriebsexpress Nr. 173, 19.11.03 stark gekürzt und mit einigen Textumstellungen

Unsinnige Managemententscheidungen
"Die für das Jahr 2002 ausgehandelte Arbeitszeitverkürzung von 10% in der Mechatronik wurde vereinbarungsgemäß zum 31.12.2002 beendet, obwohl auch weiterhin nicht genug Aufträge hereinkamen." Stattdessen setzt der Vorstand auf Entlassungen. "Der neue Vorstand Kreuzburg will jährlich 8 Millionen Euro bei den Löhnen einsparen. Die einzige Lösung, die dem Jungmanager dazu einfiel, waren 180 Entlassungen, wie er sie bereits bei den Sartorius-Töchtern Boekels in Aachen und GWT in Hamburg durchgeführt hatte. Betriebsrat und Gewerkschaft dagegen waren der Meinung, dass eine Arbeitszeitabsenkung trotz der bitteren Pille des Lohnverzichts allemal besser sei als Entlassungen. Das Ziel war, so die geforderte Kosteneinsparung zu erreichen, ohne dass hinterher Kolleglnnen auf der Straße stehen. Außerdem hoffte man so, das Wissen und Können von allen KollegInnen zu halten und die Firma so besser auf Zeiten mit günstigerer Konjunktur vorzubereiten." "Insgesamt bleiben in den ersten 9 Monaten nur Verluste zurück. Diese Bilanz hätte mit einer Arbeitszeitabsenkung deutlich besser ausgesehen, weil die Rückstellungen für die Transfergeselischaft und die Abfindungen den Gewinn nicht verringert hätten."
Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass Härte demonstriert werden soll damit die Leute aus Angst alles schweigend ertragen bzw. "Ja und Amen" sagen. "Bei den Entlassungen bemühte sich die Geschäftsleitung nicht gerade um Samthandschuhe: z.T. kamen die Betroffenen nach dem ,Gespräch in der Personalabteilung' nicht mehr an ihren Arbeitsplatz, weil die elektronischen Werksausweise und die EDV-Zugänge schon gesperrt waren. "

Millionenverluste durch Managementfehler
Zunächst wurde der neue Vorstand gelobt, weil er angeblich erfolgreich Firmenbeteiligungen gemanagt habe. Die Firma Diessel in Hildesheim, an der Sartorius beteiligt war, wurde inzwischen allerdings nur erfolgreich in die Pleite geschickt. "In einer Sartorius-Presseerklärung wird von Unregelmäßigkeiten gesprochen. Tatsächlich ist dem Management hier wohl der Überblick abhanden gekommen. Der Verlust durch diese Pleite soll sich im ,einstelligen Millionenbereich' bewegen, er dürfte laut Quartalsbericht um vier Millionen liegen und damit einen Großteil der Einsparungen ausmachen, die durch die Entlassungen für das nächste Jahr erhofft werden. Dies ist eines von vielen Beispielen für die ,Nieten in Nadelstreifen', die den Bockmist, den sie machen, von den einfachen Kolleginnen ausbaden lassen."

Management kein Gespür für richtige Prognosen
"Bezeichnend ist auch, dass die Analyse von Chef Kreuzburg zu seinem Amtsantritt sich fast in das Gegenteil verkehrt hat. Hatte er im Februar noch darüber geklagt, dass die Industriewaagen Verluste bringen, während mit Laborwaagen Geld verdient wird, so wird im Neunmonatsbericht genau das Gegenteilige bemerkt: Umsatzrückgang im Laborgeschäft, steigende Umsätze in der Industrie.

Planung neuer Millionenverluste
Nun plant der Sartorius-Chef eine Ausgliederung der Logistik, aber was soll das? "Vor zwei Jahren wurde die Auslagerung gestoppt, weil das Management-Modell im Millionenbereich teurer war als die bisherige Logistikabteilung. Es steht zu befürchten; dass auch bei diesem zweiten Versuch am Ende lediglich schlechtere Arbeitsverträge für die Kolleginnen stehen, ohne dass es für die Firma einen Einsparungseffekt hat."

Management: Azubis auf die Straße geschickt
Nun sollen auch noch die Schwächsten, nämlich die Lehrlinge leiden, "die nach den Plänen der Geschäftsführung nach ihrer Prüfung nicht übernommen werden sollen. Nach dem aktuellen Metalltarif müssen die Auszubildenden mindestens für ein Jahr übernommen werden - eine Vereinbarung, die den Azubi ersparen soll, dass ihr Arbeitslosengeld auf Grundlage des Ausbildungsvergütung berechnet wird. Der Tarifvertrag hat lediglich ein Schlupfloch für besonders schwierige wirtschaftliche Situationen. Diese Vereinbarung hat bisher in der Region niemals Anwendung gefunden."

Aber ein neues Vorstands-Auto muß her!
"Die KollegInnen fragen sich, ob der Verzicht auf das neue Vorstands-Auto nicht schon einen Gutteil des Betrages ausgemacht hätte, der jetzt für die Übernahme der Auszubildenden angeblich fehlt."

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GBE 172 / April 2003
Sartorius: Rekordgewinn und 180 Entlassungen?

Stark gekürzter Artikel aus

Sartorius macht bei seinen Außendarstellungen immer eine Super Show und bisher ist noch jede Vorstellung von Jahresbilanz oder vierteljährlichem Geschäftsbericht zu einer Jubelveranstaltung mit ,Rekordzahlen' geraten. Die KollegInnen bei Sartorius haben sich allmählich daran gewöhnt, dass die Sicht der Presseerklärungen sich dabei gewaltig von der Realität in der Firma unterscheidet. Auf der Betriebsversammlung im März schien denn auch noch alles in Ordnung zu sein nach dem Motto: die Konjunktur ist ungünstig, aber die Aussichten sind glänzend. Utz Claassens Nachfolger Kreuzburg wird jedoch bald unangenehmes verkünden müssen. Seit ca. einem Monat verdichten sich nämlich die Gerüchte, dass bei Sartorius eine massive Entlassungswelle ins Haus steht, der zwischen einhundert und zweihundert Kolleginnen zum Opfer fallen dürften. Schon im letzten Jahr wurde im Bereich Waagenbau die Arbeitszeit um 10% abgesenkt. Zusammen mit dem Abbau von Gleitzeitstunden und Urlaubskonten führte dies in der Waagenproduktion zu chaotischen Zuständen. Als am Jahresende die Zahl der Bestellungen anstieg, kam die Produktion nicht mehr nach und lange Lieferzeiten waren die Folge. Angesichts des Umsatzrückgangs von ca. 7% in der Wägetechnik eine mittlere Management-Katastrophe. Der Produktionsrückstand wurde dann mit vielen Überstunden am Jahresanfang wieder eingeholt. Und kaum ist dieser Kraftakt überstanden, sickert durch, dass die Geschäftsleitung plant, ca. 10% der 1.800 Beschäftigten zu entlassen.
Der neue Chef Kreuzburg hat bei den Tochterfirmen Boekels in Aachen und GWT in Hamburg bereits massive Entlassungen durchgesetzt. Allein bei GWT wurden letztes Jahr 40 Kolleginnen in eine Beschäftigungsgesellschaft entlassen, bei Boekels traf es mehr als 20 Kolleginnen.
Das neue Management ist wohl der Meinung. wenn man mit einer groß angelegten Entlassungsaktion genug Angst und Schrecken verbreitet, dann werden die verbliebenen Kolleginnen ohne viel Murren die Arbeit für die Rausgeworfenen mitmachen.
Ein politisches Eingreifen zu Gunsten von sozialverträglicheren Lösungen findet bisher nicht statt. In aller Stille sollen die z.T. hochsubventionierten Arbeitsplätze beerdigt werden - immer getreu dem Motto, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden.
Es ist wohl an der Zeit. dass Gewerkschaft und Belegschaft dem Management zeigen, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Am 25. April hat sich der zuständige IG-Metall-Funktionär Gerd-Uwe Boguslawski (der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Sartorius ist) zum ersten Mal zu den Vorgängen geäußert. Er fordert wie viele KollegInnen bei Sartorius ein "VW-Modell", also eine Arbeitszeitabsenkung zur Rettung der Arbeitsplätze. Wie es scheint. bisher ohne Erfolg. Aber in der letzten Tarifrunde haben die Kolleginnen von Sartorius bei Warnstreiks bereits gezeigt, dass sie sich für ihre Interessen einsetzen können. Der neue Chef Kreuzburg steht in dem Ruf, ein kühler Rechner zu sein - eine Rausschmiss-Lösung muss also nur teuer genug sein. damit er sie zugunsten einer vernüftigen Lösung verwirft.

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GBE 166, Juni 2001
Sartorius auf dem Weg zur Arbeitszeitverlängerung

Hauptversammlung als Supershow

Da hat der Sartorjus-Chef Utz Claassen allen Kritikern mal wieder eindrücklich gezeigt, was eine Harke ist. Der Gewinnrückgang des vergangenen Jahres wurde auf der Hauptversammlung am 21 Juni den versammelten AktionärInnen in der Lokhalle präsentiert. Wer nicht das Glück hatte, zum erlauchten Kreis der Kapitalbesitzerinnen zu gehören, der konnte sich an einer Live-Übertragung im Internet ergötzen oder den groß aufgemachten Artikel im Göttinger Tageblatt lesen. Und wem das nicht genug an Information ist: es gibt ja noch den fast 1 Kilogramm schweren Geschäftsbericht 2000.

Außen hui ...

Die Hauptaufgabe von Utz Claassen bestand darin, den Aktionären zu erklären, wie es im Jahr 2000 bei einem Rekordumsatz zu einem solchen Gewinneinbruch kommen konnte. Das ist umso schwerer, als die Zahlen für das erste Quartal 2001 sogar noch viel schlechter aussehen. Da steht sogar ein Verlust von 2,7 Mio. Euro in den Büchern der Sartonus AG. Nachdem Sartorius bereits im Vorfeld der Hauptversammlung mit einem Feuerwerk von Pressemitteilungen geglänzt hatte, vollbrachte der smarte Sartorius-Boss diesmal. eine kleine Meisterleistung: pünktlich am Morgen der Hauptversammlung präsentierte er für den Mai neue Rekordzahlen für Umsatz und Gewinn. Das ist natürlich Balsam für die gequälte Aktionärs-Seele. Prompt ,,sehen es die Aktionäre gelassen", wie das GT vermeldete.

...innen pfui?

Dabei hätte es durchaus Anlass gegeben, einmal kritisch nachzufragen. Als Grund für den Gewinneinbruch nennt Claassen den. hohen Auftragseingang. Sartorius sei mit dem Produzieren einfach nicht nachgekommen. Wieso das aber eine Überraschung war, bleibt das Geheimnis des Sartorius-Managements. So berichtet das Betriebsblatt ,,Die Waage" der IG Metall, dass der Betriebsrat bereits vor einem Jahr darauf hingewiesen hat, dass in der Waagen-Fertigung Engpässe bestehen und dringend neue Maschinen angeschafft werden müssen. Das ist ja auch nicht so schwer zu raten. In einem Fünfjahresplan hatte der Vorstand der Firma ein jährliches Umsatz-Wachstum zwischen fünf und zehn Prozent verordnet. So was geht natürlich nicht, ohne irgendwann mal die Produktion zu steigern.

Soll die Fünftagewoche fallen?

Das Management hat allerdings nichts unternommen, um die Produktionskapazitäten zu steigern. Stattdessen wurden von den Kolleginnen immer mehr Überstunden verlangt .und dann dem Betriebsrat die Pistole auf die Brust gesetzt: entweder Samstagsarbeit oder die Produktion wird ins Ausland verlagert. Diese Form der Erpressung ist natürlich nicht neu. Neu ist allerdings, dass ein Unternehmen, das mit der IG Metall einen sog. ,,Standortsicherungs-Tarifvertrag" abgeschlossen hat, derart unverschämt auftritt. Fertigungsleiter Dr. Maaz verlangte eine Betriebsvereinbarung mit dem Samstag als Regelarbeitstag bis zum Jahr 2011. Begründung sind die Kapazitätsengpässe in der Fertigung. Und tatsächlich hat sich der Betriebsrat letztlich plattklopfen lassen. Jetzt gibt es eine Vereinbarung, die Überstunden bis 14 Uhr am Samstag vorsieht - allerdings auf freiwilliger Basis und nur bis Ende 2002.

Klare Konfrontations-Strategie Der Sartorius-Chef hat die Lieferengpässe als zeitlich begrenzt dargestellt - demnächst wird die Filtertechnik (neuerdings Bio-technologie genannt) schließlich das neue Werk beziehen. Das gilt aber auch nur für diesen Teil von Sartorius. Bei den Waagen (jetzt heißt dieser Unternehmensteil ,,Mechatronik" sieht es dagegen ganz anders aus: Längst platzt die Fertigungshalle aus allen Nähten, aber ein Neubau ist nicht geplant. Offensichtlich geht es der Firmenleitung darum, genau wie in der Filterproduktion die 7-Tage-Woche mit 3-Schichtbetrieb gegen den Willen der Beschäftigten zu erzwingen. Die Erfahrungen in der Filterproduktion sind nicht sehr ermutigend - hier hat man mit dem Ausbau der Produktionskapazitäten erst angefangen., als mit 3-Schicht und 7-Tage-Woche die vorhandenen Kapazitäten endgültig ausgeknautscht waren. Und bis jetzt scheint der Betriebsrat auch zu schwach zu sein, sich der Unternehmensleitung zu widersetzen. In diesem Licht werden auch die Äußerungen des Sartörius-Chefs Claassen verständlich, der auf einer Podiumsdiskussion die guten Beziehungen zur IG Metall und zum Betriebsrat zu einem wichtigen Standortvorteil erklärt hat. Die Kolleginnen bei Sartonus werden sich also noch auf einige Auseinandersetzungen einstellen müssen, wenn sie sich aus der Umarmung ihres geschickten Chef-Taktikers befreien und ihr freies Wochenende auf Dauer retten wollen.

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