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Göttinger Tafel

Göttinger Tafel e.V. Jacobikirchhof 1, 37073 Göttingen, Tel.:0551-51030 Fax: 0551-51087   Spendenkonto:Sparda Bank Hannover EG BLZ: 250 905 00  KtoNr: 927015,  www.goettingertafel.org

Ausgabestelle der „Göttinger Tafel“ in Geismar St. Martin, Mitteldorfstr. 2 dienstags und freitags 11.30 - 12.15 Uhr

"Bundestafeltreffen" in Göttingen

20.4.09 / Bundesverband der Tafeln: http://www.die-tafeln.de. Das 15. Bundestreffen der Deutschen Tafeln findet vom 11. - 13. Juni in Göttingen statt. Gastgeber ist die Göttinger Tafel. Dazu werden die VertreterInnen von rund 840 Tafeln in Göttingen erwartet. Familienministerin von der Leyen, Müntefering, Ministerpräsident Wulff, Göttinger Bundestags- und Landtagsabgeordnete wie Trittin, Oppermann, Andretta, Dehm, Wenzel, sowie Rita Süßmuth werden am Freitag den 12. Juni als Gäste erwartet.

Kommentar: Vom Bettlerskandal zur "Hauptstadt der Armenspeisung"?
Nachdem Göttingen gerade überregionalen Imageschaden erlitten hat, weil einem Bettler die "Betteleinkünfte" von der Sozialhilfe abgezogen wurden, soll Göttingen nun für einige Tage "Hauptstadt der Armenspeisung" werden. Dabei sollte aber nicht unter den Tisch bzw. die Tafel fallen, dass in der Göttinger Sozialbehörde die Meinung vertreten wird, eigentlich müssten die geschenkten Nahrungsmittel als geldwertes Einkommen angrechnet werden. Im Bundesarbeits- und Sozialministerium heißt es jedoch klipp und klar, eine Anrechnung käme wegen Geringfügigkeit nicht in Frage. Das muß Bundesminister Scholz auch so vertreten, denn seiner Ansicht nach sind die Tafeln gar nicht nötig, weil die Sozialleistungen ja ausreichten - da kann deren Leistung nur "geringfügig sein! Aber 840 Tafeln, die ca. eine Million Menschen mit Nahrungsmitteln versorgen sind sichtbares Zeichen von Not und Armut. Dies rechtfertigt die Forderung nach Erhöhung der Sozialhilfe/Grundsicherung und der Hartz4-Regelleistung. Damit dies zu einem laut vernehmlichen Thema während der Tagung der Tafeln wird, dazu bedarf es eines kräftigen Anstosses von außen, denn von seiten der Verantwortlichen möchte man wohl eher "den Ball flach halten". Die Pressekonferenz der Stadt , bei der das Bundes-Tafel-Treffen angekündigt wurde, sollte ausschließlich eine Wette von OB Meyer über Lebensmittelsammeln zum Gegenstand haben - auch hier war kein Platz für kritische Fragen wie z.B. nach der Gefahr von Sozialhilfeabzug beim Gang zur Tafel.

Brief einer Leserin: (22.4.09)
"Die Not sozial Schwacher als Wetteinsatz, um sich selbst zu profilieren?"

"Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin in Göttingen aufgewachsen und verfolge nach wie vor die Ereignisse in Göttingen, auch wenn ich schon seit vielen Jahren woanders wohne und arbeite.Die Berichte über die Anrechnung von Betteleinkommen beim Lebensunterhalt und über die Göttinger Wette zum Bundestafeltreffen haben mich veranlasst, einen Leserbrief zu formulieren. Ich schicke ihn als Anhang mit.Mit freundlichem Gruß U. D.
Die Not sozial Schwacher als Wetteinsatz, um sich selbst zu profilieren?
Möchte die Stadt Göttingen mit der "Göttinger Wette" zum Bundestafeltreffen ihr desolates Sozialimage aufbessern? Die Arbeit aller Tafeln und ihrer ehrenamtlichen Helfer ist nicht hoch genug einzuschätzen. Weiß Herr OB Wolfgang Meyer überhaupt, was es heißt, an den Tafeln um Hilfe zu bitten? Wer dort ansteht, hat Sorgen und Nöte und ist kein "Sozialschmarotzer". Kann sich der OB vorstellen, wie anstrengend es ist, sich um Menschen zu kümmern, die in ihrer Armut ihre Würde verloren sehen? Weiß Herr OB Wolfgang Meyer, was es für die ehrenamtlichen Mitarbeiter bedeutet, nicht nur Packungen, sondern z.B. auch angefaulte Tomaten, angeschimmelte Orangen oder angewelktes Gemüse zu sortieren? Manche mildtätige Spende dient zugleich als Entsorgung, bei der Abfallgebühren gespart werden!
Ich finde es unangemessen, dass sich der OB vorstellen kann, "einen Tag zu helfen", wenn er die Wette verliert – und sogar zwei Tage, wenn die Stadt die Wette gewinnt. Soziales Engagement ist kein Spaßfaktor. Dies gilt schon gar nicht, wenn es dem OB lediglich gefällt, unterschiedliche Lebensmittel zu verteilen. Wenn schon "Spaß" – dann doch darüber, etwas über das Leben der Menschen zu erfahren, die auf die Tafel angewiesen sind und der Menschen, die dort helfen. Daraus kann er sicher für die eigene politische Arbeit etwas lernen. Ich finde es – als "Göttinger Kind" – unerträglich, wenn sich OB Meyer im Medienecho dieser Stadtwette sonnt und die betroffenen Menschen und die ehrenamtlichen Helfer auch hier hinten anstehen dürfen. Wenn der OB den Bedürftigen und den Ehrenamtlichen helfen sowie das Image der Stadt Göttingen aufpolieren will, soll er sein politisches Gewicht in die Waagschale werfen und sich bei der Suche nach neuen Räumen für die Göttinger Tafel und bei ihrer Finanzierung aktiv einsetzen. Dies bis zum Bundestafeltreffen zu schaffen wäre eine tolle Wette gewesen!"

 

Ohne Bezahlung wird soziale Arbeit geleistet und werden Arme mit Essen versorgt

Die Göttinger Tafel e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der gespendete Lebensmittel kostenlos an Menschen abgibt, die sich selbst als bedürftig einschätzen. Im Verein arbeiten unentlohnt regelmäßig mehr als 50 MitarbeiterInnen: SchülerInnen, StudentInnen, Berufstätige, Arbeitslose oder RentnerInnen. Sie leisten dabei ohne Entlohnung ca. 18.000 Arbeitsstunden pro Jahr.


Eingang zur Ausgabestelle der "Tafel" in der Jüdenstraße mit Wartenden 2008

Mehr Bedürftige aber weniger zum Verteilen

Nov. 2004 / Die Göttinger Tafel verteilt gespendete Lebensmittel an Bedüftige. Die Schlange vor der Göttinger Tafel in der Jüdenstraße neben der Jacobikirche ist seit den Hartz 4 "Reformen länger geworden. Dabei fällt auf, dass immer mehr Frauen mit Kindern in den Schlangen stehen. Andererseits (Informationsstand Nov. 2004) die Spendenbereitschaft von Firmen nach, es kommt immer weniger an gespendeten Lebensmitteln und Geldern herein.

Selbstdarstellung der Tafel

30.11.07 / "Kein Auskommen mit dem Einkommen - Immer mehr Menschen müssen mit geringem Einkommen ihren Lebensunterhalt sichern. Gespart wird dann oftmals "am Essen". Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche. Zugleich gibt es Nahrungsmittel, die nicht mehr verkauft und daher entsorgt werden. Die Göttinger Tafel e.V. versucht, hier einen Ausgleich zu schaffen, und gibt überschüssige, gespendete Lebensmittel an Menschen mit geringem Einkommen weiter. Voraussetzung ist der Besitz einer gebührenpflichtigen Kundenkarte. Mit der Karte können 6 Monate lang zweimal pro Woche Lebensmittel abgeholt werden. Die Göttinger Tafel beliefert regelmäßig den Mittagstisch St. Michael und arbeitet mit zahlreichen sozialen Einrichtungen zusammen. 89 Mitglieder engagieren sich im Verein, davon sind über 50 regelmäßig ehrenamtlich aktiv tätig, unterstützt von Zivildienstleistenden, Praktikant/innen, einer Betriebsleitung und einer Geschäftsleitung. Bundesweit gibt es aktuell 740 Tafeln, die über 700.000 bedürftige Menschen versorgen, davon sind ca. 25% Kinder und Jugendliche."