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Ausstellung "Zwangsarbeit ..."

Ausstellung "Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939-1945"
15. Januar - 14. Februar 2010

Lokhalle Göttingen Bahnhofsallee 1 b, Bahnhofsausgang Richtung Arbeitsamt,
Montag - Freitag: 11-17 Uhr, Sonntag: 14-17 Uhr (öffentliche Führung 15 Uhr am 17.1., 24.1., 7.2. und 14.2.). Samstags sowie vom 28.-31. Januar geschlossen. Eintritt ist frei, Spende erwünscht.
Katalog
in Form einer Kartenbox (16-seitige Broschüre und zwölf Faltblätter mit Lebensgeschichten von Zwangsarbeitenden und Verortungsgrafiken). Die begleitende Webseite
www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu

Besuch der Ausstellung "Zwangsarbeit...".
Ankündigungstext der Veranstalter/innen
Eröffnungsfeier
> Zwangsarbeit (Leitseite mit mehreren Artikeln)

 

Pressemeldung der VeranstalterInnen 9.2.10

"Über 1.700 Menschen haben die Ausstellung seit Mitte Januar schon besucht", sagt Lisa Grow von der Geschichtswerkstatt Göttingen. Wegen des großen Interesses werden die Öffnungszeiten erweitert: Am 13. und 14. Februar hat die Ausstellung jeweils von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Am 14. Februar gibt es zwei öffentliche Führungen, um 11.00 Uhr und 15.00 Uhr. Die Ausstellung zeigt in 13 thematischen Stationen das Ausmaß, die Bedeutung und die Vielfältigkeit von NS-Zwangsarbeit am regionalen Beispiel Südniedersachsen. Im Mittelpunkt stehen die Biografien ehemaliger Zwangsarbeiter aus mehreren europäischen Ländern. Ab Frühjahr 2010 wird die Ausstellung, die von den Geschichtswerkstätten Duderstadt und Göttingen in Kooperation mit internationalen Projektpartnern aus Polen, Italien und den Niederlanden erstellt wurde, in weiteren Orten Südniedersachsens zu sehen sein. Informationen unter www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu

 

Eindrücke vom Besuch der Ausstellung "Zwangsarbeit..."

Wo ist die Aufmerksamkeit der Firmen?

16.1.10 / gjs / goest / Es wäre eine angemessene Geste, wenn von denjenigen Betrieben, die Zwangsarbeiter/innen ausgebeutet hatten, heutige VertreterInnen zur Ausstellung kämen und mit den ehemaligen Zwangsarbeiter/innen das Gespräch suchten. Von den Göttinger Firmen kämen dafür z.B. in Frage: Schneeweiß - jetzt Steritex, Zeiss, >> Café Cron&Lanz .


Cron&Lanz Ausstellungstafel, Zwangsarbeit

Cron&Lanz , Weender Straße heutzutage

Schneeweiß (heute Steritex)

Die Großwäscherei die unter dem späteren Namen >>Steritex weiterbetrieben wurde befand sich bis zu einem Großbrand vor einigen Jahren am Leineufer im Schiefen Weg. Während des Zweiten Weltkrieges wurden in dieser Göttinger Firma zahlreiche Frauen zur Arbeit gezwungen, die man vorher aus ihrer Heimat weggeschleppt und nach Göttingen deportiert hatte.

Ausstellungstafel: Schneeweiß

Kleinkinderlager bei Schneeweiß

In dem Buch "Medizin und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus", 2004, hrsg. von zwei Mitgliedern der Ausstellungs-Projektgruppe Frewer/Siedbürger wird berichtet, daß es neben dem Lager am Schützenplatz bei der Großwäscherei Schneeweiß ab 1944 noch ein "Kleinkinderlager" für ca. 28 Säuglinge und ihre Mütter gab. : die (Säuglings-) Sterblichkeit lag dort noch höher als im Schützenplatzlager, nämlich bei 40 % . "Nach dem Tod ihrer Kinder mussten die Mütter das Lager Schneeweiß verlassen."


Auf dem Schützenplatz befand sich damals ein großes Lager für ZwangsarbeiterInnen. Das Schützenplatzlager wegen "schrecklicher hygienischer Bedingungen" gefürchtet. Auf einer Schautafel der Ausstellung steht der Satz: "Schwangere aus dem großen Göttinger Zwangsarbeiterlager auf dem Schützenplatz wurden für wissenschaftliche Zwecke mißbraucht, indem sie als "Hausschwangere" für die medizinische Ausbildung zur Verfügung stehen mussten."

In der Lokhalle mußten wohl die meisten Zwangsarbeiter der Region Südniedersachsen schuften . In der Lokhalle wurde somit auch der richtige Platz für diese Ausstellung gefunden. Inzwischen gehört die Lokhalle der Stadt Göttingen und wird von deren "stadteigenem Betrieb" GWG verwaltet.

Bild: Stellwand der Ausstellung in der Göttinger Lokhalle,
(im Hintergrund wurden am 15.1. gerade die Reste der Eislaufbahn demontiert)

 

Mißhandlung bei Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik

Einige Details der Ausstellung drängen mit ihrer Authentizität und Realität bedrückend ins Bewußtsein. Da ist z.B. eine Peitsche, die eine Zwangsarbeiterin aufgehoben hat , weil sie mit einer solchen geschlagen worden ist. Und diese Zwangsarbeiterin Wiktoria Delima steht nun als Zeugin der Geschichte inmitten der Ausstellung unter den BesucherInnen der Pressekonferenz und beantwortet Fragen.

Text im Foto: "Diese Peitsche ließen deutsche Soldaten 1945 in der Bachmanschen Scheune in Ebergötzen zurück. Wiktoria Delima, Zwangsarbeiterin bei Machmanns, hob sie auf und behielt sie, weil sie auf der ersten Station ihrer Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik von deutschen Univormierten mehrfach mit einer solchen Peitsche mißhandelt worden war."

Foto: Peitsch in eine Ausstellungs-Vitrine

Zeitzeugen


Die Zeuginnen und Zeuge der Vergangenheit (vordere Reihe) / rechts Wiktoria Delima

 

Betteln unter Strafe

Ein weiteres Detail der Ausstellung berührte doppelt peinlich. Zunächst ist es die Unbarmherzigkeit eines devoten "Volksgenossen" von damals der bettelnde Zwangsarbeiter denunzierte. Unwillkürlich fühlte ich mich an den >Bettelei-Skandal von 2009 in Göttingen erinnert, bei dem ein Sachbearbeiter des Göttinger Sozialamtes die wenigen erbettelten Euro eines Bettlers erspähte und ihm deshalb die Sozialhilfe kürzte. Daß wir in einer anderen Zeit leben zeigte dann immerhin die überregionale Empörung über diesen Vorfall, was schließlich zu einer Rücknahme der Maßnahme führte.

Den menschenverachtenden Umgang mit Bettelnden ZwangsarbeiterInnen damals belegt ein Brief an die NSDAP Ortsgruppe "Sültebeck" Göttingen. Darin schrieb Georg B. aus der Sültebecksbreite15: "Verschiedene Male wurde von meiner Frau beobachtet, daß Ostarbeiter in mittleren Jahren und anscheinend auch Vater und Sohn ( Junge etwas 12 Jahre alt) in der Sültebeckbreite von Haus zu Haus gehen und um Brot und Kartoffeln betteln. (...) Wie ich von anderer Seite hörte gehen die Ostarbeiter auch regelmäßig Goßler-.und Blumenbachstraße. Ich halte es daher für meine Pflicht Ihnen dieses mitzuteilen, da von Seiten der Partei wiederholt darauf hingewiesen ist, diesen Menschen nichts zu geben, zumal sie ja auch ihre auskömmliche Verpflegung haben."


Ausstellungsstück: Anzeige bettelnder Zwangsarbeiter/innen

"Welche Wirkung soll die Ausstellung haben?"

Die Entschädigungsfragen für Zwangsarbeiter/innen, so wichtig sie auch als Zeichen der Anerkennung waren, sind inzwischen beendet worden. Die Ausstellung hat also keinen Einfluß mehr auf die Durchsetzung von Zahlungsforderungen. Sie wird den noch lebenden ehemaligen ZwangsarbeiterInnen aber dadurch gerecht, daß das Ihnen zugefügte Unrecht dokumentiert und als Unrecht erkannt und anerkannt wird. Vielfach existiert in der Bevölkerung allgemein und bei Jugendlichen erst recht keine Kenntnis davon , daß in der Nazizeit Menschen aus den europäischen Nachbarländern ( Polen, Italien, Niederlande) zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Die Versuche der geschichtlichen Aufklärung erfahren nicht genügend Aufmerksamkeit und Unterstützung. Das zeigt das Desinteresse der NachfolgerInnen ehemals nutznießender Firmen. Schlimmer noch als Desinteresse war z.B. der Umgang der Deutschen Bahn im Zusammenhang mit dem "Zug der Erinnerung" die das Projekt zur Erinnerung an Deportationen per Bahn ablehnte und dessen Verwirklichung behinderte. In Göttingen wurde der Zug bei seiner Ankunft symbolträchtig auf einem falschen Gleis abgestellt und zunächst nicht mit Strom versorgt.

Bei der Frage "Was lernen wir daraus?" wurde im Zwiegespräche am Rande der Pressekonferenz Verständnis für den vorgeschlagenen Vergleich mit der entrechteten Situation von afrikanischen Flüchtlingen in Spanien und Italien gezeigt. Sie wurden zwar nicht zwangsdeportiert, sondern kommen "freiwillig" als Flüchtlinge aus katastrophalen Regionen Afrikas, aber vor Ort in Europa werden sie als "Illegale" hemmungslos ausgebeutet. Sie können keinerlei Rechte geltend machen, müssen in schlimmsten Unterkünften "wohnen", haben keine medizinischer Versorgung und sind allen Schikanen der Arbeitgeber schutzlos ausgesetzt.

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Ankündigungstext der Veranstalter/innen

4.1.10 / Die Ausstellung wurde erstellt von der Geschichtswerkstatt Göttingen, der Geschichtswerkstatt Duderstadt in Kooperation mit internationalen Projektpartnern aus Polen, Italien und den Niederlanden; sie wird von der Europäischen Union und von zahlreichen Institutionen in Südniedersachsen gefördert. Die Eröffnungsfeier mit Zeitzeugen und Mitgliedern der Projektgruppe findet am Freitag, 15. Januar 2010 um 16.00 Uhr in der Lokhalle Göttingen statt.

Veranstaltertext / Angehörige von mindestens 16 Nationen leisteten während der Zeit des Nationalsozialismus in Südniedersachsen Zwangsarbeit, es waren zwischen 50.000 und 60.000 Menschen im Gebiet der heutigen Landkreise Northeim und Göttingen. Ausländische Zwangsarbeitende arbeiteten in fast jedem Wirtschaftsbereich: in Gaststätten und Krankenhäusern, in der Landwirtschaft und bei der Müllabfuhr, in Steinbrüchen, kirchlichen Einrichtungen und in Privathaushalten. Die Ausstellung zeigt in 13 thematischen Stationen das Ausmaß, die Bedeutung und die Vielfältigkeit von Zwangsarbeit am regionalen Beispiel Südniedersachsen. Im Mittelpunkt stehen die Biografien ehemaliger Zwangsarbeitender aus fünf europäischen Ländern. Um den Stellenwert dieser Erfahrung im Leben der Betroffenen kenntlich zu machen, werden ihre gesamten Lebensläufe, weit über den Abschnitt der Zwangsarbeit in Deutschland hinaus, dargestellt. Die Spur der Lebensgeschichten ermöglicht einen Blick auf die europäische Dimension der NS-Zwangsarbeit. Die Ausstellung ist interaktiv und multimedial. Neben Texten, Bildern und historischen Dokumenten zeigt sie in Schubladen und Vitrinenfenstern Objekte, die mit dem Thema verbunden sind. In Multimediastationen werden weitere Dokumente zugänglich gemacht, vor allem aber die autobiografischen Zeugnisse der Betroffenen präsentiert. In zahlreichen lebensgeschichtlichen Filminterviews berichten ehemalige Zwangsarbeitende anschaulich von ihren Erfahrungen. Um die europäischen Dimension des Themas zu betonen, ist die Ausstellung von einem internationalen Wissenschaftlerteam konzipiert worden. Studierende der Fachhochschule Hannover erarbeiteten das Design und die multimediale Präsentation der Ausstellung. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung angelegt und wird in weiteren Orten Südniedersachsens gezeigt werden.

 

Eröffnungsfeier

16.1.10/ stkno / Am 15 Januar wurde in der Lokalle Göttingen die Ausstellung: Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit - Südniedersachsen 1939-1945 eröffnet. Die Ausstellung ist vom 15.01. bis 14.02. 2010 zu sehen. Der Eintritt ist frei. Am 15. Januar um 16 Uhr fand die Eröffnungsfeier statt, die gut besucht war. Die Moderation der Eröffnung übernahm Günther Siedbürger von der Geschichtswerkstatt Duderstatt e.V., der auch ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die bei der Eröffnung anwesend waren, begrüßen konnte. Das Programm wurde untermalt von der Musikschule Musi-Kuss und dem Liedermacher Johan Meijer aus Amersfoort, Niederlande, der sehr kräfig und eindrucksvoll Lieder auf der Gitarre oder acapella darbrachte, die z.T. von Betroffenen selbst gedichtet waren. Sie Ausstellung ist gefördert u.a. durch: Europäische Union, Landkreis Göttingen, Geschichtswerkstatt Göttingen e.V., Spenden von Einzelpersonen. Die Konzeption und Realisierung übernahmen u.a.: Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung", Warschau, Polen; Fachschule Hannover, Falkultät III-Medien, Information und Design.


Ausstellungseröffnung

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