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Goettinger Stadtinfo Ausstellung "Zwangsarbeit ..."
Besuch
der Ausstellung "Zwangsarbeit...".
Pressemeldung der VeranstalterInnen 9.2.10 "Über 1.700 Menschen haben die Ausstellung seit Mitte Januar schon besucht", sagt Lisa Grow von der Geschichtswerkstatt Göttingen. Wegen des großen Interesses werden die Öffnungszeiten erweitert: Am 13. und 14. Februar hat die Ausstellung jeweils von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Am 14. Februar gibt es zwei öffentliche Führungen, um 11.00 Uhr und 15.00 Uhr. Die Ausstellung zeigt in 13 thematischen Stationen das Ausmaß, die Bedeutung und die Vielfältigkeit von NS-Zwangsarbeit am regionalen Beispiel Südniedersachsen. Im Mittelpunkt stehen die Biografien ehemaliger Zwangsarbeiter aus mehreren europäischen Ländern. Ab Frühjahr 2010 wird die Ausstellung, die von den Geschichtswerkstätten Duderstadt und Göttingen in Kooperation mit internationalen Projektpartnern aus Polen, Italien und den Niederlanden erstellt wurde, in weiteren Orten Südniedersachsens zu sehen sein. Informationen unter www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu
Eindrücke vom Besuch der Ausstellung "Zwangsarbeit..." Wo ist die Aufmerksamkeit der Firmen? 16.1.10 / gjs / goest / Es wäre eine angemessene Geste, wenn von denjenigen Betrieben, die Zwangsarbeiter/innen ausgebeutet hatten, heutige VertreterInnen zur Ausstellung kämen und mit den ehemaligen Zwangsarbeiter/innen das Gespräch suchten. Von den Göttinger Firmen kämen dafür z.B. in Frage: Schneeweiß - jetzt Steritex, Zeiss, >> Café Cron&Lanz .
Schneeweiß (heute Steritex) Die Großwäscherei die unter dem späteren Namen >>Steritex weiterbetrieben wurde befand sich bis zu einem Großbrand vor einigen Jahren am Leineufer im Schiefen Weg. Während des Zweiten Weltkrieges wurden in dieser Göttinger Firma zahlreiche Frauen zur Arbeit gezwungen, die man vorher aus ihrer Heimat weggeschleppt und nach Göttingen deportiert hatte.
Auf dem Schützenplatz befand sich damals ein großes Lager für
ZwangsarbeiterInnen. Das
Schützenplatzlager wegen "schrecklicher hygienischer Bedingungen"
gefürchtet. Auf einer
Schautafel der Ausstellung steht der Satz: "Schwangere aus dem großen
Göttinger Zwangsarbeiterlager auf dem Schützenplatz wurden für
wissenschaftliche Zwecke mißbraucht, indem sie als "Hausschwangere" für
die medizinische Ausbildung zur Verfügung stehen mussten."
Mißhandlung bei Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik Einige Details der Ausstellung drängen mit ihrer Authentizität und Realität bedrückend ins Bewußtsein. Da ist z.B. eine Peitsche, die eine Zwangsarbeiterin aufgehoben hat , weil sie mit einer solchen geschlagen worden ist. Und diese Zwangsarbeiterin Wiktoria Delima steht nun als Zeugin der Geschichte inmitten der Ausstellung unter den BesucherInnen der Pressekonferenz und beantwortet Fragen.
Zeitzeugen
Betteln unter Strafe Ein weiteres Detail der Ausstellung berührte doppelt peinlich. Zunächst ist es die Unbarmherzigkeit eines devoten "Volksgenossen" von damals der bettelnde Zwangsarbeiter denunzierte. Unwillkürlich fühlte ich mich an den >Bettelei-Skandal von 2009 in Göttingen erinnert, bei dem ein Sachbearbeiter des Göttinger Sozialamtes die wenigen erbettelten Euro eines Bettlers erspähte und ihm deshalb die Sozialhilfe kürzte. Daß wir in einer anderen Zeit leben zeigte dann immerhin die überregionale Empörung über diesen Vorfall, was schließlich zu einer Rücknahme der Maßnahme führte. Den menschenverachtenden Umgang mit Bettelnden ZwangsarbeiterInnen damals belegt ein Brief an die NSDAP Ortsgruppe "Sültebeck" Göttingen. Darin schrieb Georg B. aus der Sültebecksbreite15: "Verschiedene Male wurde von meiner Frau beobachtet, daß Ostarbeiter in mittleren Jahren und anscheinend auch Vater und Sohn ( Junge etwas 12 Jahre alt) in der Sültebeckbreite von Haus zu Haus gehen und um Brot und Kartoffeln betteln. (...) Wie ich von anderer Seite hörte gehen die Ostarbeiter auch regelmäßig Goßler-.und Blumenbachstraße. Ich halte es daher für meine Pflicht Ihnen dieses mitzuteilen, da von Seiten der Partei wiederholt darauf hingewiesen ist, diesen Menschen nichts zu geben, zumal sie ja auch ihre auskömmliche Verpflegung haben."
"Welche Wirkung soll die Ausstellung haben?" Die
Entschädigungsfragen für Zwangsarbeiter/innen, so wichtig sie auch als
Zeichen der Anerkennung waren, sind inzwischen beendet worden. Die Ausstellung
hat also keinen Einfluß mehr auf die Durchsetzung von Zahlungsforderungen.
Sie wird den noch lebenden ehemaligen ZwangsarbeiterInnen aber dadurch gerecht,
daß das Ihnen zugefügte Unrecht dokumentiert und als Unrecht erkannt
und anerkannt wird. Vielfach existiert in der Bevölkerung allgemein und bei
Jugendlichen erst recht keine Kenntnis davon , daß in der Nazizeit Menschen
aus den europäischen Nachbarländern ( Polen, Italien, Niederlande) zur
Zwangsarbeit verschleppt wurden. Die
Versuche der geschichtlichen Aufklärung erfahren nicht genügend Aufmerksamkeit
und Unterstützung. Das zeigt das Desinteresse der NachfolgerInnen ehemals
nutznießender Firmen. Schlimmer noch als Desinteresse war z.B. der Umgang
der Deutschen Bahn im Zusammenhang mit dem "Zug
der Erinnerung" die das Projekt zur Erinnerung an Deportationen per Bahn
ablehnte und dessen Verwirklichung behinderte. In Göttingen wurde der Zug
bei seiner Ankunft symbolträchtig auf einem falschen Gleis abgestellt und
zunächst nicht mit Strom versorgt.
Ankündigungstext der Veranstalter/innen 4.1.10 / Die Ausstellung wurde erstellt von der Geschichtswerkstatt Göttingen, der Geschichtswerkstatt Duderstadt in Kooperation mit internationalen Projektpartnern aus Polen, Italien und den Niederlanden; sie wird von der Europäischen Union und von zahlreichen Institutionen in Südniedersachsen gefördert. Die Eröffnungsfeier mit Zeitzeugen und Mitgliedern der Projektgruppe findet am Freitag, 15. Januar 2010 um 16.00 Uhr in der Lokhalle Göttingen statt. Veranstaltertext / Angehörige von mindestens 16 Nationen leisteten während der Zeit des Nationalsozialismus in Südniedersachsen Zwangsarbeit, es waren zwischen 50.000 und 60.000 Menschen im Gebiet der heutigen Landkreise Northeim und Göttingen. Ausländische Zwangsarbeitende arbeiteten in fast jedem Wirtschaftsbereich: in Gaststätten und Krankenhäusern, in der Landwirtschaft und bei der Müllabfuhr, in Steinbrüchen, kirchlichen Einrichtungen und in Privathaushalten. Die Ausstellung zeigt in 13 thematischen Stationen das Ausmaß, die Bedeutung und die Vielfältigkeit von Zwangsarbeit am regionalen Beispiel Südniedersachsen. Im Mittelpunkt stehen die Biografien ehemaliger Zwangsarbeitender aus fünf europäischen Ländern. Um den Stellenwert dieser Erfahrung im Leben der Betroffenen kenntlich zu machen, werden ihre gesamten Lebensläufe, weit über den Abschnitt der Zwangsarbeit in Deutschland hinaus, dargestellt. Die Spur der Lebensgeschichten ermöglicht einen Blick auf die europäische Dimension der NS-Zwangsarbeit. Die Ausstellung ist interaktiv und multimedial. Neben Texten, Bildern und historischen Dokumenten zeigt sie in Schubladen und Vitrinenfenstern Objekte, die mit dem Thema verbunden sind. In Multimediastationen werden weitere Dokumente zugänglich gemacht, vor allem aber die autobiografischen Zeugnisse der Betroffenen präsentiert. In zahlreichen lebensgeschichtlichen Filminterviews berichten ehemalige Zwangsarbeitende anschaulich von ihren Erfahrungen. Um die europäischen Dimension des Themas zu betonen, ist die Ausstellung von einem internationalen Wissenschaftlerteam konzipiert worden. Studierende der Fachhochschule Hannover erarbeiteten das Design und die multimediale Präsentation der Ausstellung. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung angelegt und wird in weiteren Orten Südniedersachsens gezeigt werden.
16.1.10/ stkno / Am 15 Januar wurde in der Lokalle Göttingen die Ausstellung: Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit - Südniedersachsen 1939-1945 eröffnet. Die Ausstellung ist vom 15.01. bis 14.02. 2010 zu sehen. Der Eintritt ist frei. Am 15. Januar um 16 Uhr fand die Eröffnungsfeier statt, die gut besucht war. Die Moderation der Eröffnung übernahm Günther Siedbürger von der Geschichtswerkstatt Duderstatt e.V., der auch ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die bei der Eröffnung anwesend waren, begrüßen konnte. Das Programm wurde untermalt von der Musikschule Musi-Kuss und dem Liedermacher Johan Meijer aus Amersfoort, Niederlande, der sehr kräfig und eindrucksvoll Lieder auf der Gitarre oder acapella darbrachte, die z.T. von Betroffenen selbst gedichtet waren. Sie Ausstellung ist gefördert u.a. durch: Europäische Union, Landkreis Göttingen, Geschichtswerkstatt Göttingen e.V., Spenden von Einzelpersonen. Die Konzeption und Realisierung übernahmen u.a.: Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung", Warschau, Polen; Fachschule Hannover, Falkultät III-Medien, Information und Design.
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