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Göttinger Friedenspreis

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Informationen zum Friedenspreis

Die "Stiftung Dr. Roland Röhl" ist eine "rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts" mit Sitz in Göttingen. Stifter des Friedenspreises war der Göttinger Wissenschaftsjournalist Dr. Roland Röhl. Bevor Röhl am 24.12.1997 starb, hatte er in seinem Testament verfügt, daß sein Nachlaß für die Bildung des Stiftungsvermögens verwendet wird. Der promovierte Chemiker Röhl befaßte sich als Journalist vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie der Konflikt- und Friedensforschung. Der Friedenspreis ist mit 3000 Euro dotiert.Die Stiftung ist zum Zwecke der Förderung von Konflikt- und Friedensforschung eingerichtet worde und verleiht jährlich den "Göttinger Friedenspreis", verbunden mit einer Geldprämie (von z.Zt. 3000 €) aus dem Ertrag des Stiftungsvermögens, an Einzelpersonen oder Personengruppen, "die sich durch grundlegende wissenschaftliche Arbeit oder durch herausragenden praktischen Einsatz um den Frieden besonders verdient gemacht haben."

1999 Prof. Dr. Dieter Senghaas
2000 Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit TU Darmstadt (IANUS)
2001 Dr. Elisabeth Niemann
2003 Tilman Zülch für die Gesellschaft für bedrohte Völker
2004 Abt Benedikt Lindemann
2005 Forum Ziviler Friedensdienst
2006 Internationale Gärten Göttingen e.V. + Stiftung Interkultur
2007 Bürgerinitiative FREIe HEIDe
2009 Andreas Zumach
2010 Pro Asyl
2011 Friedensinitiative "Ohne Rüstung Leben e.V." (ORL) "GKKE-Fachgruppe Rüstungsexporte".
2012 Professor Dr. Wilhelm Heitmeyer (Bielefeld)
2014 Institut für Friedenspädagogik Tübingen / Berhof Stiftung

 

Göttinger Friedenspreis 2014

Der mit 3000 Euro dotierte Göttinger Friedenspreis 2014 wurde dem Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V (seit 2012 Teil der Berghof Foundation) verliehen, für seine friedenspädagogische Arbeit seit nunmehr fast 40 Jahren. Der Preis wurde den beiden langjährigen Geschäftsführern Günther Gugel (Bild rechts) und Uli Jäger (im Bild links) am 8.3.14 in der Aula am Wilhelmsplatz überreicht.

Die Arbeit des Instituts reicht von Gewaltprävention in Schulen und Entwicklung von Streitkultur, über Journalistentrainings und Seminare, die Herausgabe der Zeitschrift "Global Lernen" für Lehrende bis hin zu diversen medialen Projekten, in denen internationale Erfahrungen der Konflikttransformation an unterschiedliche Adressaten-Kreise vermittelt werden..

Preisträger und Jurymitglied für Schulen ohne Militär!

In der Rede des Preisträgers, des Institutsvertreters Uli Jäger (1986 bis 2011 in der Leitung des Instituts).war u.a. folgende Passage enthalten, die die Göttinger Initiative Bundeswehr raus aus den Schulen freuen dürfte:

"Nicht ohne Grund gibt es (wieder einmal) Streit um den Frieden in der Schule. Der aktuelle Anlass: Die Bundeswehr setzt seit einigen Jahren auf verstärkte Präsenz in den Schulen und bei der Ausbildung des Lehrpersonals. Eine Koalition, getragen vor allem von Friedensinitiativen, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und kirchlichen Organsationen fordert dagegen "Schulen ohne Militär" und einen Ausbau der Friedenspädagogik. Es stellt sich die Frage, wie der Meinungsbildungsprozess in Sachen Krieg und Frieden, Konflikt und Gewalt an Schulen in Zukunft organisiert und begleitet wird. Friedenspädagogik muss hier eine leitende Rolle einnehmen.

Auch der Vertreter der Jury Zumach sprach empört über die Versuche der Bundeswehr in die Schulen vorzudringen und erhielt dafür starken Beifall in der gut gefüllten Aula am Wilhelmsplatz.

Vielmehr werden folgende Ziele an der Schule verfolgt, wenn es um eine Auseinandersetzung mit Militär, Rüstung und Krieg gehen soll (>> friedensbildung Günther Gugel / Uli Jäger)
"Hier geht es um die kritische Beschäftigung mit den unterschiedlichen Legitimationen für Rüstung und Militär, um deren gesellschaftliche und politische Funktionen sowie um die Folgen militärischer Gewaltanwendung. Das Spektrum der Ansätze reicht hier vom Umgang mit (nationalen) Mythen zur Rechtfertigung von Militär bis hin zur Traumapädagogik als Form der Auseinandersetzung mit Gewalt- und (Bürger-)Kriegsfolgen. Vor diesem Hintergrund haben wir zahlreiche Unterrichts- und Lernmedien sowie Dokumente unter dem Stichwort "Kritik am Krieg" versammelt." und "
Befähigung zur demokratischen Teilhabe bzw. Vermittlung von Demokratiefähigkeit: Hier geht es schließlich um die Einübung von Formen politischer Partizipation, die auch eine Auseinandersetzung mit Formen zivilen Ungehorsams einschließt."

Friedenspädagogik ein komplexer Prozess (aus der Rede des Preisträgers)

"Creating space for conflict transformation" – So lautet das Leitmotiv der Berghof Foundation. Unter Konflikttransformation versteht man einen komplexen Prozess, der die Beziehungen, Einstellungen, Verhaltensweisen, Interessen und Diskurse in gewaltanfälligen Konflikten konstruktiv verändern will."
Bei diesen Lernprozessen geht es hauptsächlich um vier Zielsetzungen:
Wahrnehmung von Konflikten als Chance für positive Veränderung – und damit die Befähigung zum konstruktiven Umgang mit Konflikten und zur Auseinandersetzung mit "dem Anderen"; Enttabuisierung von individuellen, sozialen und politischen Formen der (Alltags-)Gewalt bzw. der Faszination der Gewalt – und damit Förderung der Aufarbeitung individueller und kollektiver Gewalterfahrungen in Vergangenheit und Gegenwart; Reflexion der Ursachen, Begleit- und Folgeerscheinungen von Krieg – und damit die Suche nach möglichen Handlungsansätzen gegen Krieg auf individueller, gesellschaftlicher und internationaler Ebene;

"Ein spezifisches Merkmal der Friedenspädagogik ist das Ineinandergreifen von pädagogischen Bearbeitungsformen für negative und zerstörerische Erscheinungen (Krieg und Gewalt) auf der einen Seite und die systematische Suche nach positiven Gestaltungsmöglichkeiten (Konflikt, Frieden) auf der anderen Seite. So entwickelt Friedenspädagogik pädagogische Antworten auf die anhaltende Gewaltbereitschaft und Friedlosigkeit in und zwischen den Gesellschaften bzw. den Staaten dieser Erde und trägt auf der Grundlage differenzierter Gewalt-, Konflikt- und Friedensbegriffe dazu bei, Kulturen des Konflikttransformation und des Friedens zu fördern und zu etablieren."

Und dann kam Bulmahn (SPD / Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages)

örtliche und regionale PolitikvertreterInnen haben in der Vergangenheit der Friedenspreisverleihung nur wenig Beachtung geschenkt. Ebenso haben kirchliche Vertreter sogar durch Abwesenheit geglänzt als 2011 einer kirchlichen Friedensorganisation der Preis verliehen wurde. So ist es zwar als eine Aufwertung des Göttinger Friedenspreises zu bewerten, wenn die Vizepräsidentin des Bundesparlamentes die Laudation hält - andererseits war dann aber der Redetext, der folgende Passage enthielt:


Edelgard Bulmahn SPD / Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages 8.3.14 / Aula Göttingen

"Deutsche Außenpolitik muss Friedenspolitik sein! Dazu gehört ganz elementar eine Skepsis gegenüber Militäreinsätzen. Eine Kultur der militärischen Zurückhaltung darf allerdings nicht verwechselt werden mit einer Kultur des Heraushaltens. Die eigene Verantwortung kann sich nicht im bloßen Kommentieren der Außenpolitik anderer erschöpfen. Deutschland sollte eine aktivere Rollen einnehmen und seine Möglichkeiten für Friedensschaffung nutzen." (gerade nochmal die Kurve gekriegt zur Friedenspreisverleihung)

Und dann auch noch der Hinweis auf Gaucks Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz zur deutschen Außenpolitik: "Joachim Gauck forderte, Deutschland müsse sich (Zitat:) 'früher, entschiedener und substanzieller einbringen'. Dies ist im allgemeinen als ein Plädoyer für ein stärkeres militärisches Engagement Deutschlands wahrgenommen worden."
Vermutlich zu Recht - aber Bulmahn definiert es in Friedenswille um:
" Übersehen wurde dabei, dass der Bundespräsident ausdrücklich fragte: "Engagieren wir uns schon ausreichend dort, wo die Bundesrepublik eigene und eigens Kompetenz entwickelt hat – nämlich bei der Prävention von Konflikten?
Es ist eine schmerzliche, aber notwendige Einsicht, dass auf militärische Mittel manchmal nicht verzichtet werden kann. Auch wir verdanken unsere Freiheit, letztlich den Alliierten, ihrem Kampf gegen die faschistische Diktatur. Wenn man das Gebot der Schutzverantwortung der internationalen Gemeinschaft ernst nimmt, kann man militärische Interventionen etwa bei einem drohenden Völkermord nicht von vornherein ausschließen."


Göttinger Friedenspreis 2012

16.9.11. // Der Göttinger Friedenspreis 2012 geht an Professor Dr. Wilhelm Heitmeyer. Der Preis wird am 10. März 2012 in Göttingen verliehen. Wilhelm Heitmeyer, Dr. phil. habil., geb. 1945, ist Professor für Sozialisation an der Universität Bielefeld.

Er war seit 1982 Leiter verschiedener Forschungsgruppen zu Rechtsextremismus, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und ethnisch-kulturellen Konflikten. Seit 1996 ist er Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung.


Prof. Wilhelm Heitmeyer
Foto: 2005 Pressestelle Universität Bielefeld

Heitmeyer hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, Aufsätze und Bücher zu Themen der Gewaltforschung, sozialer Desintegration und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit veröffentlicht und ist Herausgeber umfangreicher Publikationen und Schriftenreihen wie "Kultur und Konflikt", "Konflikt und Gewaltforschung" und "Deutsche Zustände". Nach Überzeugung Heitmeyers haben moderne Gesellschaften zumindest drei Aufgaben zu lösen: "Sie müssen sozialstrukturelle Gelegenheiten schaffen, damit eine Teilhabe an den materiellen und kulturellen Gütern für alle möglich ist. Der Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist natürlich der Schlüssel. Zweitens muss institutionell die politische Partizipation möglich sein, damit die Menschen an der Realisierung von Grundnormen wie Gerechtigkeit, Solidarität und Fairness mitwirken können. Drittens schließlich geht es um sozial-emotionale Einbindung in Gemeinschaften wie Familie, Milieus usw. Immer geht es dabei um Anerkennung über Arbeit, politische Wirksamkeit und soziale Zugehörigkeit."

Friedenspreis 2011

Die Aula am Wilhelmsplatz war mit zahlreichen BesucherInnen gefüllt.

Preisverleihung in der Aula, während der Begrüßung durch Carmen Baran von der Stiftung Dr. Roland Röhl

6.3.11 / Der Friedenspreis wird seit 1999 vergeben (>Weitere Infos ). Den Friedenspreis 2011 erhielten gemeinsam die Friedensinitiative "Ohne Rüstung Leben e.V." (ORL) zusammen mit der "GKKE-Fachgruppe Rüstungsexporte". Die ORL betreibt mit zahlreichen Mitgliedern Öffentlichkeitsarbeit und eine Art Basis-Lobbyarbeit gegen Rüstungsexporte. Die GKKE ("Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung") erarbeitet wissenschaftlich fundierte Berichten zum Rüstungsexport. Nach der Preisverleihung stellte Dr. Bernhard Moltmann als Vertreter der GKKE seinen Teil des Preisgeldes ORL zur Verfügung!

PreisträgerInnen und OrganisatorInnen der Veranstaltung sowie Mitglieder der "Stiftung Dr. Roland Röhl"

Unipräsidentin Prof Beisiegel Verbündete der Friedensbewegung!

Während der gesamten Veranstaltung waren Uni-Präsidentin Beisiegel wie auch OB Wolfgang Meyer zu Gast. Bei der Rede von Frau Prof. Beisiegel wurde deutlich, dass sie bereits seit langem mit der Friedensbewegung verbunden ist.

Seit 1983 ist ihr Name In verschiedenen Aufrufen von Friedenskampagnen zu finden. Z.B. >>Gegen Atomwaffen 2010 oder >>Stillhalten tötet! Jahrestag des Irakkrieges .

Vor der Aula standen zwar Mitglieder des Friedensbüros mit Transparent gegen militärische Intervention in Libyen. Was aber bei der Zusammensetzung des Publikums auffiel, war die Abwesenheit von jenen Göttinger Gruppen, die z.B. gegen Militärmusik oder gegen Bundeswehr an Schulen und Uni protestieren. Und das obwohl auch die ORL eine Kampagen "Schulfrei für die Bundeswehr" betreibt. Ebenso fiel auf, dass mit den beiden Preisträgern kirchlich-ökumenische Gruppen geehrt wurden, von den Göttinger Kirchen jedoch nur wenige bekannte Personen an der Veranstaltung teilnahmen.

Die ORL hat für ihre Mitglieder und UnterstützerInnen eine Selbstverpflichtungserklärung formuliert:

"Ich bin bereit, ohne den Schutz militärischer Rüstung zu leben. Ich will in unserem Staat dafür eintreten, dass Frieden ohne Waffen politisch entwickelt wird."

"Ohne Rüstung leben (ORL) ist bekannt geworden durch den Auftritt von Kleinaktionären in Hauptversammlungen der Daimler-Aktiengesellschaft, wo sie dessen Geschäfte kritisiert haben, und durch die Aktion "Schulfrei für die Bundeswehr", die sich gegen die Werbung der Bundeswehr an den Schulen und deren Einfluß auf die Weiterbildung von LehrerInnen richtet.

Die Plakatwerbung von Daimler an der Fassade der Jacobikirche zeigt, dass die Arbeit der kirchlichen Initiative "Ohne Rüstung Leben" auch noch einige Überzeugungsarbeit innerhalb der Kirchen vor sich hat.

Laudatio durch Preisträger von 2009 Andreas Zumach:
"Skandal der Rüstungsexporte"

Laudatio Andreas Zumach, Preisträger 2009, Korrespondent der Vereinten Nationen in Genf, hielt die Laudatio auf die PreisträgerInnen.

Es war eine engagierte Rede zum Thema "Skandal der Rüstungsexporte". Deutschland gehört zu den großen Waffenexporteuren der Welt

Sinngemäß erwähnte Zumach u.a. was im Folgenden notiert ist:
Besonders deutsche U-Boote sind begehrt. Die HdW-Werft und Rheinstahl in Emden produzieren U-Boote und Kriegsschiffe für den Waffenexport. Der Leopard-Panzer von Kraus Maffei wird weltweit an Armeen verkauft, ebenso wie die Produkte von EADS und Thyssen/Krupp sowie die Gewehre und "Kleinwaffen" von Heckler und Koch aus Oberndorf. Laut GKKE-Bericht 2009 wurden an Saudi-Arabien 2.500 Sturmgewehre und Ägypten 884 Sturmgewehre geliefert.
Versuche, Rüstungslieferungen zumindest an diejenigen Länder zu verhindern, die die Menschenrechte nicht achten, führten nicht zum Erfolg; die ergriffenen Maßnahmen eines Kriterienkatalogs wurden umgangen. Dies ist umso einfacher, als die Rüstungsexportentscheidungen im Bundessicherheitsrat geheim gehalten werden. Das Rüstungsexportgeschäft insgesamt ist von mangelnder Transparenz und Korruption geprägt - Stichwort Schneider. EIn Skandal ist die aber schließlich auch die Tatsache, dass 2009 auch noch insgesamt 1,92 Mdr Euro Hermesbürgschaften für Rüstungsexporte bereitgestellt wurden. Wenn die Empfänger von Waffen nicht zahlen können, dann springt bei Hermesbürgschaften die Bundesregierung mit Steuergeldern ein, damit die Unternehmen keinen Verlust machen! Dies abzuschaffen ist eine der Hauptforderungen der Friedensinitiativen.
Gegen die mangelnde Transparenz der Rüstungsexportgenehmigungen ist die Arbeit der >>GKKE-Fachgruppe Rüstungsexporte
gerichtet, die mit ihren Berichten wichtige Informationen für eine Aufklärungsarbeit bereitstellt.

Einen musikalischen Beitrag leistete Ulrike Haase mit ausgewählten Stücken auf der Viola da Gamba. Sie spielte 1) Marin Marais "Tombeau pour Monsieur De Sainte Colombe", 2.) John Joubert Tombeau, Reflections on the ground "When I am laid in earth" from Dido and Aeneas by Purcell op 86 und 3) Karl Friedrich Abel (1723-1787) Moderato.

Preisträger Russman bemerkte sichtlich beeindruckt von der Auswahl und Darbietung: "Musik kann doch mehr ausdrücken als Worte."

Redner der beiden, mit dem Friedenspreis ausgezeichneten Organisationen waren:


Paul Russmann Ökumenische Aktion
"Ohne Rüstung Leben e.V."


Dr. Bernhard Moltmann Vorsitzender der
GKKE Fachgruppe Rüstungsexport

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Verleihung "Göttinger Friedenspreis 2011"
Presseinformation der Stiftung

Göttingen, 05.03.2011. Die Friedensinitiative "Ohne Rüstung Leben e.V." und die "Fachgruppe Rüstungsexporte" der "Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung" sind am Sonnabend mit dem Göttinger Friedenspreis 2011 ausgezeichnet worden. Mit der Verleihung soll das langjährige, praktische und wissenschaftliche Engagement der beiden Gruppierungen gegen Rüstungsproduktion und Rüstungsexporte gewürdigt und die öffentliche Wirksamkeit ihrer Aktivitäten unterstützt werden.
Für beide Initiativen meine Frieden mehr als die Abwesenheit von Krieg, heißt es in der Verleihungsurkunde. "Frieden entsteht durch die Entwicklung menschenwürdiger Lebensverhältnisse für alle Menschen - auch für zukünftige Generationen. Den Preisträgern geht es darum, Perspektiven für das gewaltfreie Austragen von Konflikten zu entwickeln und Wege zu finden, möglicher Gewaltanwendung gewaltfrei, ohne Waffen entgegenzutreten."
Die praktische Arbeit von "Ohne Rüstung Leben e.V." gründe ebenso wie die wissenschaftliche Arbeit der "GKKE-Fachgruppe Rüstungsexporte" auf der Einsicht, dass Rüstungsproduktion und Rüstungsexporte keine politischen Probleme lösen, weil sie deren Ursachen nicht beseitigen. Rüstung und Waffengewalt böten letztlich keinen Schutz, sondern stellten eine Bedrohung für alle Menschen dar. Wo durch Rüstung und Waffengewalt bedroht oder zerstört werde, was verteidigt und geschützt werden sollte, sei die Sinnlosigkeit der Anwendung von Waffengewalt offenkundig.
Dr. Bernhard Moltmann, Vorsitzender der Fachgruppe Rüstungsexport der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung, bezeichnete die Handhabung von Rüstungsausfuhren als Indiz dafür, wie es mit der Friedensfähigkeit eines Staates bestellt ist. Waffen, Rüstungsgüter sowie Militärtechnologie und militärbezogene Aktivitäten unterschieden sich grundsätzlich von gewöhnlichen Handelsgütern. Ihr grundlegendes Merkmal sei, dass sie geeignet sind, Menschen zu töten und Kriege zu führen. Daran ändere auch nichts, dass derartige Produkte als "Wehrmaterial", "Verteidigungsgut" oder "Sicherheitsleistung" firmieren.
Die Bundesregierung als Herrin des Verfahrens in Sachen Rüstungsexporte müsse ihren Umgang mit Informationen zu deutschen Rüstungstransfers verbessern, so Moltmann. "Prüft man ihre seit 2000 jährlich erstatteten Rüstungsexportberichte unter Gesichtspunkten der Verfügbarkeit, der Verlässlichkeit, der Reichweite, der Vergleichbarkeit, der Präzision und der Relevanz, gelangt man zu einem mangelhaften Befund.
Abgesehen von der Zeitferne der Veröffentlichung irritieren die Unvereinbarkeit der verschiedenen Zahlenwerke miteinander, die Lücken in der Berichterstattung und die Defizite in der Erfassung der tatsächlichen Transfers. Vor allem vermitteln die offiziellen Informationen keine Einsicht in die Begründungen, warum jeweils die Regierung in Abweichung von oder gar im Widerspruch zu den normativen und politischen Vorgaben einzelnen Rüstungsgeschäften in Krisen- und Konfliktregionen zugestimmt hat. Umso größer ist jeweils die Aufregung, wenn bei innerstaatlichen Gewaltkonflikten, wie jüngst in Ägypten, auf Fernsehbildern Lastwagen, Panzer oder Gewehre deutscher Herkunft zu identifizieren sind."
Für "Ohne Rüstung Leben e.V." erinnerte Paul Russmann an die neun Gründungsväter dieser Organisation, Pfarrer der evangelischen Landeskirche Württemberg, die vor über 30 Jahren die Aktion Ohne Rüstung Leben aus der Taufe hoben. Sie entwickelten eine persönliche
Selbstverpflichtungserklärung für den Einzelnen, die aus zwei Sätzen besteht: "Ich bin bereit, ohne den Schutz militärischer Rüstung zu leben. Ich will in unserem Staat dafür eintreten, dass Frieden ohne Waffen politisch entwickelt wird".Mit dieser Selbstverpflichtung seien die Gründungsväter im April 1978 an die Öffentlichkeit gegangen. Bis heute hätten fast 30.000 Frauen und Männer die Selbstverpflichtung unterzeichnet. "Ohne Rüstung Leben ist keine Organisation der großen Namen, sondern der vielen kleinen Leute. Viele Leute an vielen kleinen und großen Orten, die auf der Straße, im Gottesdienst, in der Schule oder vom Schreibtisch aus die nächsten Schritte auf dem langen Weg zu einem Leben frei von Rüstung unterstützen. Viele von uns "kleinen Leuten" sammelten und sammeln Unterschriften bei Aktionen wie "Eine Millionen Unterschriften für ein Verbot von Landminen und Streumunition " oder "Keine Hermes-Bürgschaften für Rüstungsexporte". Andere schweigen und mahnen seit Jahrzehnten fast Woche für Woche auf dem Marktplatz für den Frieden, gedenken mit der "Nacht der 100.000 Kerzen" an die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki oder veranstalten Gottesdienste und Podiumsdiskussionen während der Friedenswochen im November letzten Jahres unter dem Motto: "Es ist Krieg. Entrüstet Euch".
Der Göttinger Friedenspreis ist mit 3000 Euro dotiert. Stifter war der Göttinger Wissenschaftsjournalist Dr. Roland Röhl. Röhl war am 24. Dezember 1997 an Krebs gestorben, er hatte in seinem Testament verfügt, daß sein Nachlaß für die Bildung des Stiftungsvermögens verwendet wird. Der promovierte Chemiker befaßte sich als Journalist vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie der Konflikt- und Friedensforschung.

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