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Göttinger Friedenspreis / "Stiftung Dr. Roland Röhl"

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Stifter des Friedenspreises war der Göttinger Wissenschaftsjournalist Dr. Roland Röhl. Bevor Röhl 1997 starb, hatte er in seinem Testament verfügt, daß sein Nachlaß für die Bildung des Stiftungsvermögens verwendet wird. Der promovierte Chemiker Röhl befaßte sich als Journalist vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie der Konflikt- und Friedensforschung. Der Friedenspreis ist mit 3000 Euro dotiert.

Göttinger Friedenspreis 2012

16.9.11. // Der Göttinger Friedenspreis 2012 geht an Professor Dr. Wilhelm Heitmeyer. Der Preis wird am 10. März 2012 in Göttingen verliehen. Wilhelm Heitmeyer, Dr. phil. habil., geb. 1945, ist Professor für Sozialisation an der Universität Bielefeld.

Er war seit 1982 Leiter verschiedener Forschungsgruppen zu Rechtsextremismus, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und ethnisch-kulturellen Konflikten. Seit 1996 ist er Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung.


Prof. Wilhelm Heitmeyer
Foto: Pressestelle Uni Bielefeld

Göttinger Friedenspreis 2012 für Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer

Jury: Der Name Heitmeyer steht für eine kritische Sicht auf soziale Ungleichheit und die Warnung, dass "Rohe Bürgerlichkeit" und "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" die Gesellschaft desintegrieren. Die Jury schrieb, er erhalte den Preis "in Anerkennung seiner jahrzehntelangen Arbeit auf den Gebieten der ethnisch-kulturellen Gewaltforschung, insbesondere für die einschlägigen Studien zum Rechtsextremismus, die fundierten Analysen zu Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sowie für den umfassenden Forschungsansatz gesellschaftlicher und personaler Prozesse von Ausgrenzung und Desintegration." Mit der Beschreibung des Verlustes menschenrechtlicher Normen erkläre er die Diskriminierung gesellschaftlicher Minderheiten wie Zuwanderer, Juden, Muslime, aber auch Langzeitarbeitslosen oder Asylbewerbern und richte das Augenmerk darüberhinaus auf Etabliertenvorrechte und Sexismus.

Zusammenfassung mit Auszügen aus den Redemanuskripten
Der Begriff "Rohe Bürgerlichkeit" mag einigen wegen seiner alltagssprachlichen Einfachheit unwissenschaftlich erscheinen. Hierzu passend bemerkt der Laudator Prof. Dr. Klaus J. Bade, Heitmeyer "schreibt wissenschaftlich fundiert, aber in menschenfreundlicher Prosa. Das entspricht dem guten Stil amerikanischer Kollegen, mit denen er eng kooperiert: nämlich das, was man als Wissenschaftler herausgefunden hat, auf verständliche Weise auch selbst ins öffentliche Gespräch zu bringen, ohne zu warten, bis ein Journalist sich erbarmt". (KB)
Rohe Bürgerlichkeit so Heitmeyer "kommt verdeckt daher und hat viel öffentlichen Einfluss in Institutionen, Clubs und Medien, also auf das öffentliche Klima. Der rohen Bürgerlichkeit entgeht vielfach das Gefühl für alle Formen von Gerechtigkeit, Solidarität und Fairness, die nicht an Effizienz, Nützlichkeit und Verwertbarkeit gekoppelt ist. Rohe Bürgerlichkeit setzt auf Konkurrenz. Wer der nicht gewachsen ist, dem ist nicht zu helfen und dem soll auch nicht geholfen werden. Das ist eine zentrale Maxime jener, die sich subjektiv oben auf der Statusleiter einordnen oder objektiv über Einkommen zu den Besserverdienenden zählen."
Angehörige der höheren Einkommensgruppen verlangen Kürzungen für Langzeitarbeitslose und Hartz-IV-Empfänger. Diese Menschen werden "als nutzlos und nicht effizient etikettiert. Sie sollten entgegen dem Grundgedanken einer Solidargemeinschaft endlich Selbstverantwortung übernehmen, im Sinne "unternehmerischen Denkens". Und so gibt es eindeutige Zusammenhänge zwischen der Forderung an die sozial Schwachen, ihre kritische Lebenssituation selbst zu bewältigen, und der Abwertung von Langzeitarbeitslosen, niedrig qualifizierten Zuwanderern, Obdachlosen und Behinderten. In Krisenzeiten ist dazu noch ein Anstieg von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in höheren Einkommensklassenfestzustellen. (WH)
"Direkte wie indirekte Spaltungsakteure sind politische und wirtschaftliche Entscheider ebenso wie intellektuelle Diskursagenten von wissenschaftlichen, insbesondere wirtschaftswissenschaftlichen, medialen und politischen Eliten. Man findet die Sprache der Verachtung etwa 2005 selbst in regierungsamtlichen Dokumenten des Wirtschaftsministeriums, etwa in der Broschüre "Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, ’Abzocke’ und Selbstbedienung im Sozialstaat".

Sloterdijk "Rohe Bürgerlichkeit wird befeuert durch einen semantischen Klassenkampf von oben. Man muss dazu nur das Beispiel des Philosophen Peter Sloterdijk nehmen, der seinen Kampf gegen den angeblich kleptomanischen Staat inszeniert und stattdessen einen generösen feudalistischen Rückfall zur Gnade der gebenden Hand proklamiert. Damit wird den sozial Schwachen ihre Würde genommen. Trotzdem fanden Sloterdijks Thesen und Forderungen in zahlreichen prominenten Medien unterstützenden Widerhall." (WH)

Auf der anderen Seite: "Das Gefühl der politischen Machtlosigkeit ist insbesondere in der unteren Statusgruppe sehr viel verbreiteter als in der oberen Statusgruppe. Sie gehen der demokratischen politischen Partizipation immer mehr verloren, sie verabschieden sich – gewissermaßen sprach- und wortlos – aus der demokratischen Willensbildung. (...) Wer sich in der oberen Statusgruppe machtlos fühlt legt erkennbare autoritäre Aggression an den Tag und neigt dann auch eher zu rechtspopulistischen Einstellungen." (WH)

Wilhelm Heitmeyer wird von seinem Laudator Prof. Dr. Klaus J. Bade mit den Worten zitiert. "Letztlich: Wenn es nicht gelingt, daß Wissenschaft eine gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, dann sollte sie – verschärft benannt – abgeschafft werden." und "wenn Wissenschaftler ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen wollen, gibt es oft keine Alternative: Dann müssen sie stören". (KB)

Klassenkampf von oben
Heitmeyer : "Daher sollten wir der rohen Bürgerlichkeit auch weiterhin unsere Aufmerksamkeit widmen, einer Bürgerlichkeit, die sich bei der Beurteilung sozialer Gruppen an den Maßstäben der kapitalistischen Nützlichkeit, der Verwertbarkeit und Effizienz orientiert und somit die Gleichwertigkeit von Menschen sowie ihre psychische wie physische Integrität antastbar macht und dabei zugleich einen Klassenkampf von oben inszeniert. […]. Die geballte Wucht, mit der die Eliten einen rabiaten Klassenkampf von oben inszenieren, und die Transmission der sozialen Kälte durch eine rohe Bürgerlichkeit, die sich selbst in der Opferrolle wähnt und deshalb schwache Gruppen ostentativ abwertet, zeigen, daß eine gewaltförmige Desintegration auch in dieser Gesellschaft nicht unwahrscheinlich ist." (WH)

(Sein Preisgeld stiftet er übrigens einem Projekt in El Salvador)

Quellen:
-- (WH) Wilhelm Heitmeyer Redetext anlässlich der Verleihung des Göttinger Friedenspreises am 10.3.12
- (KB) Laudatio zur Verleihung des Göttinger Friedenspreises 2012 der Stiftung Dr. Roland Röhl an Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer, Göttingen, 10.3.2012. Von Prof. Dr. Klaus J. Bade
--
GMF-Studie : www.uni-bielefeld.de/ikg/Handout_Fassung_Montag_1212.pdf

 

Friedenspreis 2011

Die Aula am Wilhelmsplatz war mit zahlreichen BesucherInnen gefüllt.

Preisverleihung in der Aula, während der Begrüßung durch Carmen Baran von der Stiftung Dr. Roland Röhl

6.3.11 / Der Friedenspreis wird seit 1999 vergeben (>Weitere Infos ). Den Friedenspreis 2011 erhielten gemeinsam die Friedensinitiative "Ohne Rüstung Leben e.V." (ORL) zusammen mit der "GKKE-Fachgruppe Rüstungsexporte". Die ORL betreibt mit zahlreichen Mitgliedern Öffentlichkeitsarbeit und eine Art Basis-Lobbyarbeit gegen Rüstungsexporte. Die GKKE ("Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung") erarbeitet wissenschaftlich fundierte Berichten zum Rüstungsexport. Nach der Preisverleihung stellte Dr. Bernhard Moltmann als Vertreter der GKKE seinen Teil des Preisgeldes ORL zur Verfügung!

PreisträgerInnen und OrganisatorInnen der Veranstaltung sowie Mitglieder der "Stiftung Dr. Roland Röhl"

Unipräsidentin Prof Beisiegel Verbündete der Friedensbewegung!

Während der gesamten Veranstaltung waren Uni-Präsidentin Beisiegel wie auch OB Wolfgang Meyer zu Gast. Bei der Rede von Frau Prof. Beisiegel wurde deutlich, dass sie bereits seit langem mit der Friedensbewegung verbunden ist.

Seit 1983 ist ihr Name In verschiedenen Aufrufen von Friedenskampagnen zu finden. Z.B. >>Gegen Atomwaffen 2010 oder >>Stillhalten tötet! Jahrestag des Irakkrieges .

Vor der Aula standen zwar Mitglieder des Friedensbüros mit Transparent gegen militärische Intervention in Libyen. Was aber bei der Zusammensetzung des Publikums auffiel, war die Abwesenheit von jenen Göttinger Gruppen, die z.B. gegen Militärmusik oder gegen Bundeswehr an Schulen und Uni protestieren. Und das obwohl auch die ORL eine Kampagen "Schulfrei für die Bundeswehr" betreibt. Ebenso fiel auf, dass mit den beiden Preisträgern kirchlich-ökumenische Gruppen geehrt wurden, von den Göttinger Kirchen jedoch nur wenige bekannte Personen an der Veranstaltung teilnahmen.

Die ORL hat für ihre Mitglieder und UnterstützerInnen eine Selbstverpflichtungserklärung formuliert:

"Ich bin bereit, ohne den Schutz militärischer Rüstung zu leben. Ich will in unserem Staat dafür eintreten, dass Frieden ohne Waffen politisch entwickelt wird."

"Ohne Rüstung leben (ORL) ist bekannt geworden durch den Auftritt von Kleinaktionären in Hauptversammlungen der Daimler-Aktiengesellschaft, wo sie dessen Geschäfte kritisiert haben, und durch die Aktion "Schulfrei für die Bundeswehr", die sich gegen die Werbung der Bundeswehr an den Schulen und deren Einfluß auf die Weiterbildung von LehrerInnen richtet.

Die Plakatwerbung von Daimler an der Fassade der Jacobikirche zeigt, dass die Arbeit der kirchlichen Initiative "Ohne Rüstung Leben" auch noch einige Überzeugungsarbeit innerhalb der Kirchen vor sich hat.

Laudatio durch Preisträger von 2009 Andreas Zumach:
"Skandal der Rüstungsexporte"

Laudatio Andreas Zumach, Preisträger 2009, Korrespondent der Vereinten Nationen in Genf, hielt die Laudatio auf die PreisträgerInnen.

Es war eine engagierte Rede zum Thema "Skandal der Rüstungsexporte". Deutschland gehört zu den großen Waffenexporteuren der Welt

Sinngemäß erwähnte Zumach u.a. was im Folgenden notiert ist:
Besonders deutsche U-Boote sind begehrt. Die HdW-Werft und Rheinstahl in Emden produzieren U-Boote und Kriegsschiffe für den Waffenexport. Der Leopard-Panzer von Kraus Maffei wird weltweit an Armeen verkauft, ebenso wie die Produkte von EADS und Thyssen/Krupp sowie die Gewehre und "Kleinwaffen" von Heckler und Koch aus Oberndorf. Laut GKKE-Bericht 2009 wurden an Saudi-Arabien 2.500 Sturmgewehre und Ägypten 884 Sturmgewehre geliefert.
Versuche, Rüstungslieferungen zumindest an diejenigen Länder zu verhindern, die die Menschenrechte nicht achten, führten nicht zum Erfolg; die ergriffenen Maßnahmen eines Kriterienkatalogs wurden umgangen. Dies ist umso einfacher, als die Rüstungsexportentscheidungen im Bundessicherheitsrat geheim gehalten werden. Das Rüstungsexportgeschäft insgesamt ist von mangelnder Transparenz und Korruption geprägt - Stichwort Schneider. Ein Skandal ist die aber schließlich auch die Tatsache, dass 2009 auch noch insgesamt 1,92 Mdr Euro Hermesbürgschaften für Rüstungsexporte bereitgestellt wurden. Wenn die Empfänger von Waffen nicht zahlen können, dann springt bei Hermesbürgschaften die Bundesregierung mit Steuergeldern ein, damit die Unternehmen keinen Verlust machen! Dies abzuschaffen ist eine der Hauptforderungen der Friedensinitiativen.
Gegen die mangelnde Transparenz der Rüstungsexportgenehmigungen ist die Arbeit der >>GKKE-Fachgruppe Rüstungsexporte
gerichtet, die mit ihren Berichten wichtige Informationen für eine Aufklärungsarbeit bereitstellt.

Einen musikalischen Beitrag leistete Ulrike Haase mit ausgewählten Stücken auf der Viola da Gamba. Sie spielte 1) Marin Marais "Tombeau pour Monsieur De Sainte Colombe", 2.) John Joubert Tombeau, Reflections on the ground "When I am laid in earth" from Dido and Aeneas by Purcell op 86 und 3) Karl Friedrich Abel (1723-1787) Moderato.

Preisträger Russman bemerkte sichtlich beeindruckt von der Auswahl und Darbietung: "Musik kann doch mehr ausdrücken als Worte."

Redner der beiden, mit dem Friedenspreis ausgezeichneten Organisationen waren:


Paul Russmann Ökumenische Aktion
"Ohne Rüstung Leben e.V."


Dr. Bernhard Moltmann Vorsitzender der
GKKE Fachgruppe Rüstungsexport

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Presseinformation der Stiftung anlässlich der Verleihung "Göttinger Friedenspreis 2011"

Göttingen, 05.03.2011. Die Friedensinitiative "Ohne Rüstung Leben e.V." und die "Fachgruppe Rüstungsexporte" der "Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung" sind am Sonnabend mit dem Göttinger Friedenspreis 2011 ausgezeichnet worden. Mit der Verleihung soll das langjährige, praktische und wissenschaftliche Engagement der beiden Gruppierungen gegen Rüstungsproduktion und Rüstungsexporte gewürdigt und die öffentliche Wirksamkeit ihrer Aktivitäten unterstützt werden.
Für beide Initiativen meine Frieden mehr als die Abwesenheit von Krieg, heißt es in der Verleihungsurkunde. "Frieden entsteht durch die Entwicklung menschenwürdiger Lebensverhältnisse für alle Menschen - auch für zukünftige Generationen. Den Preisträgern geht es darum, Perspektiven für das gewaltfreie Austragen von Konflikten zu entwickeln und Wege zu finden, möglicher Gewaltanwendung gewaltfrei, ohne Waffen entgegenzutreten."
Die praktische Arbeit von "Ohne Rüstung Leben e.V." gründe ebenso wie die wissenschaftliche Arbeit der "GKKE-Fachgruppe Rüstungsexporte" auf der Einsicht, dass Rüstungsproduktion und Rüstungsexporte keine politischen Probleme lösen, weil sie deren Ursachen nicht beseitigen. Rüstung und Waffengewalt böten letztlich keinen Schutz, sondern stellten eine Bedrohung für alle Menschen dar. Wo durch Rüstung und Waffengewalt bedroht oder zerstört werde, was verteidigt und geschützt werden sollte, sei die Sinnlosigkeit der Anwendung von Waffengewalt offenkundig.
Dr. Bernhard Moltmann, Vorsitzender der Fachgruppe Rüstungsexport der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung, bezeichnete die Handhabung von Rüstungsausfuhren als Indiz dafür, wie es mit der Friedensfähigkeit eines Staates bestellt ist. Waffen, Rüstungsgüter sowie Militärtechnologie und militärbezogene Aktivitäten unterschieden sich grundsätzlich von gewöhnlichen Handelsgütern. Ihr grundlegendes Merkmal sei, dass sie geeignet sind, Menschen zu töten und Kriege zu führen. Daran ändere auch nichts, dass derartige Produkte als "Wehrmaterial", "Verteidigungsgut" oder "Sicherheitsleistung" firmieren.
Die Bundesregierung als Herrin des Verfahrens in Sachen Rüstungsexporte müsse ihren Umgang mit Informationen zu deutschen Rüstungstransfers verbessern, so Moltmann. "Prüft man ihre seit 2000 jährlich erstatteten Rüstungsexportberichte unter Gesichtspunkten der Verfügbarkeit, der Verlässlichkeit, der Reichweite, der Vergleichbarkeit, der Präzision und der Relevanz, gelangt man zu einem mangelhaften Befund.
Abgesehen von der Zeitferne der Veröffentlichung irritieren die Unvereinbarkeit der verschiedenen Zahlenwerke miteinander, die Lücken in der Berichterstattung und die Defizite in der Erfassung der tatsächlichen Transfers. Vor allem vermitteln die offiziellen Informationen keine Einsicht in die Begründungen, warum jeweils die Regierung in Abweichung von oder gar im Widerspruch zu den normativen und politischen Vorgaben einzelnen Rüstungsgeschäften in Krisen- und Konfliktregionen zugestimmt hat. Umso größer ist jeweils die Aufregung, wenn bei innerstaatlichen Gewaltkonflikten, wie jüngst in Ägypten, auf Fernsehbildern Lastwagen, Panzer oder Gewehre deutscher Herkunft zu identifizieren sind."
Für "Ohne Rüstung Leben e.V." erinnerte Paul Russmann an die neun Gründungsväter dieser Organisation, Pfarrer der evangelischen Landeskirche Württemberg, die vor über 30 Jahren die Aktion Ohne Rüstung Leben aus der Taufe hoben. Sie entwickelten eine persönliche
Selbstverpflichtungserklärung für den Einzelnen, die aus zwei Sätzen besteht: "Ich bin bereit, ohne den Schutz militärischer Rüstung zu leben. Ich will in unserem Staat dafür eintreten, dass Frieden ohne Waffen politisch entwickelt wird".Mit dieser Selbstverpflichtung seien die Gründungsväter im April 1978 an die Öffentlichkeit gegangen. Bis heute hätten fast 30.000 Frauen und Männer die Selbstverpflichtung unterzeichnet. "Ohne Rüstung Leben ist keine Organisation der großen Namen, sondern der vielen kleinen Leute. Viele Leute an vielen kleinen und großen Orten, die auf der Straße, im Gottesdienst, in der Schule oder vom Schreibtisch aus die nächsten Schritte auf dem langen Weg zu einem Leben frei von Rüstung unterstützen. Viele von uns "kleinen Leuten" sammelten und sammeln Unterschriften bei Aktionen wie "Eine Millionen Unterschriften für ein Verbot von Landminen und Streumunition " oder "Keine Hermes-Bürgschaften für Rüstungsexporte". Andere schweigen und mahnen seit Jahrzehnten fast Woche für Woche auf dem Marktplatz für den Frieden, gedenken mit der "Nacht der 100.000 Kerzen" an die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki oder veranstalten Gottesdienste und Podiumsdiskussionen während der Friedenswochen im November letzten Jahres unter dem Motto: "Es ist Krieg. Entrüstet Euch".
Der Göttinger Friedenspreis ist mit 3000 Euro dotiert. Stifter war der Göttinger Wissenschaftsjournalist Dr. Roland Röhl. Röhl war am 24. Dezember 1997 an Krebs gestorben, er hatte in seinem Testament verfügt, daß sein Nachlaß für die Bildung des Stiftungsvermögens verwendet wird. Der promovierte Chemiker befaßte sich als Journalist vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie der Konflikt- und Friedensforschung.

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Informationen zum Friedenspreis

Die "Stiftung Dr. Roland Röhl" ist eine "rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts" mit Sitz in Göttingen. Die Stiftung wurde durch Testament von Dr. Roland Röhl errichtet, der am 24.12.1997 gestorben ist. Die Stiftung ist zum Zwecke der Förderung von Konflikt- und Friedensforschung eingerichtet worde und verleiht jährlich den "Göttinger Friedenspreis", verbunden mit einer Geldprämie aus dem Ertrag des Stiftungsvermögens, an Einzelpersonen oder Personengruppen, "die sich durch grundlegende wissenschaftliche Arbeit oder durch herausragenden praktischen Einsatz um den Frieden besonders verdient gemacht haben."

1999 Prof. Dr. Dieter Senghaas
2000 Prof. Dr. Franz Fujara, Prof. Dr. Dirk Ipsen, Dr. Giorgio Franceschini, Prof. Dr. Wolfgang Bender von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit der Technischen Universität Darmstadt (IANUS)
2001 Dr. Elisabeth Niemann
2003 Tilman Zülch für die Gesellschaft für bedrohte Völker
2004 Abt Benedikt Lindemann 2005 Forum Ziviler Friedensdienst
2006 Internationale Gärten Göttingen e.V. + Stiftung Interkultur
2007 Bürgerinitiative FREIe HEIDe
2009 Andreas Zumach
2010 PRO ASYL

Nicht zuletzt zu erwähnen die Person des Stifters Roland Röhl selbst >Biografie

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