Goettinger Stadtinfo
 Texte und Bilder
© Impressum

Bundeswehr / Antimilitarismus

> Krieg und Militär Überblickseite
Antimilitaristische Fahrradtour

Werbung für die Bundeswehr in Göttinger Szenekneipen
Arbeitsagentur hilft der Bundeswehr bei der Suche nach frischen Soldaten
Bundeswehrwerbung an der Arnoldischule (BBS 1) verhindert
2009: Prozeß wegen des Antimilitärischen Protestes an der Arnoldischule
Lokhalle: Protest gegen Militärmusikveranstaltung mit Strafanzeige beantwortet
Arbeitsagentur hilft der Bun
deswehr bei der Suche nach frischen Soldaten
Bundeswehrwerbung an der Schule verhindert
> Protestaktionen gegen Militärmusik-Veranstaltungen in Göttingen

 

Veranstaltung eines studentischen Vereins mit Bundeswehrvertreter gestört

27.11.09 / Am Donnerstag den 26.11.09 hatte der studentische Verein DAF an der Jura-Fakultät zu einem Vortrag ins Verfügungsgebäude eingeladen, Titel "Moderne Piraten - Welche Bedrohung stellen sie dar , wie kann man ihnen entgegentreten" . Als Referenten waren angekündigt Prof. Dr. Andreas Paulus Institut für Völkerrecht und Europarecht aber auch Gunter Körtel, Kapitänleutnant, Einsatzführungskommando der Bundeswehr, Einsatzgruppe MarOp, ATALANTA

Anmerkung zum Kürzel DAF
Die Demokratischen Aktion Fachschaft DAF ist ein nicht eingetragener studentischen Verein an der Juristischen Fakultät Göttingen. Wir haben uns spontan an die "Deutsche Arbeits Front" (DAF) erinnert gefühlt. Zwar gibt es auch eine Band mit diesem Kürzel, und sowohl die Deutschamerikanische als auch die Deutschafghanische Freundschaftsgesellschaft tragen das Kürzel DAF - an der juristischen Fakultät hätten wir uns mehr historische Sensibilität gewünscht, wundern uns aber nicht wirklich.

Diese Veranstaltung wurde auch von Personen besucht, die nicht damit einverstanden waren, dass die Bundeswehr inzwischen weltweit an Kriegseinsätzen beteiligt ist. Zum Protest gegen diese Veranstaltung wurde der Redaktion folgender Text zugestellt:

"(...) Kapitänleutnant Gunter Körtel ist Chef des "Einsatzführungskommando der Bundeswehr, Einsatzgruppe MarOp, ATALANTA" - also des Flottenverbandes, der im Atlantik für die NATO auf Piratenjagd ist, um deutschen und europäische Wirtschaftsinteressen vor der Küste Afrikas zu sichern. Zur Überraschung der Bundeswehrreferent kamen eine ganze Reihe Aktivist*innen in den Raum hängten ihre Transparente («Bundeswehr wegtreten») und Plakate («mörderische Soldaten») auf. Die Veranstaltung wurde aufgrund dieser antimilitaristischen Aktion für beendet erklärt. Militär hat an der Universität nichts zu suchen! Nach einer knappen halben Stunde gaben die Veranstalter*innen und Referenten auf und verließen das Gebäude. Aktivist*innen verfolgten sie daraufhin bis ins Iduna-Gebäude, um sicherzustellen, dass diese Veranstaltung nicht irgend anderswohin verlegt wird. Wer die Bundeswehr einlädt, muss mit antimilitaristischen Widerstand dagegen rechnen. Es ist unerträglich, dass studentische Gruppen versuchen, offen Vertreter des Militärs einladen und ihnen eine Plattform an der Uni für ihre Propaganda zu bieten. Angesichts eines immer knapper werdenden Zugangs zu Ressourcen und einer kapitalistischen Krise, die für immer größere Teile der Welt Hunger und Elend bereit hält, etablieren die imperialistischen Mächte weltweit unter dem Vorwand der Terror- und Piratenbekämpfung eine Sicherheitsarchitektur, die auch zunehmend militarisiert wird. Die Abschottung nach Außen – mit Grenzregimen, Zäunen, Mauern und Lagern – korrespondiert dabei mit weltweiten Interventionen, die den Zugriff auf Rohstoffe und freie Handelswege sichern sollen. Somalien – das im Fokus der Antipirateriemissionen der EU liegt - gehört zu denjenigen Staaten, die seit Anfang der neunziger Jahren als failed states (nicht regierbare Staaten) kategorisiert wurden. Seitdem wurde es immer wieder als Experimentierfeld für Weltordnungspolitiken benutzt."

Die Homepage der Demokratischen Aktion Fachschaft DAF meldete am 27.11.09: "Leider musste die Veranstaltung zur völkerrechtlichen Beurteilung der Pirateriebekämpfung zusammen mit Kapitänleutnant Körtel vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr aufgrund von Störungen und Gewaltdrohungen durch autonome Personen heute Abend ausfallen. Dabei sind auch strafrechtlich relevante Verhaltensweisen an den Tag gelegt worden. Wir bedauern zutiefst, dass dadurch eine kritische und sachlichen Diskussion nicht einmal im Ansatz möglich war."

Kurzkommentar goest:
Protest gegen und Kritik an Vortragsveranstaltungen sind ein gutes Recht. Die Verhinderung einer Veranstaltung muß zu ihrer Legitimierung einen gewichtigen Grund haben, da er Rechte anderer einschränkt. Es wird behauptet, dass die Pirateriebekämpfung für die Durchsetzung weltweiter wirtschaftlicher Interessen diene. Damit werde ein globales System abgesichert, das den Status von Hunger und Elend in der Welt zementiere. (Aktuell meldet spiegel-online dazu, die Bundesmarine fordere den Einsatz von 500 Schiffen in der Region!) Interessant zu wissen wäre, inwieweit dem Vortragen dieser kritischen Positionen Raum gewährt wurde und wie die Referenten darauf geantwortet haben.
Seitens der DAF zielte die Veranstaltung zunächst in eine agressivere Richtung mit der Frage "Wie kann man Piraterie entgegentreten?" - Wenn im Nachhinein die "völkerrechtliche Beurteilung" in den Mittelpunkt geschoben wird, ist dies eine andere Schwerpunktbestimmung.

 

 

 

"Antimilitaristische Fahrradtour"

Samstag, 19. September 2009, 14:00 Uhr Treffpunkt: Kriegerdenkmal am Auditorium (Weender Straße/Nikolausberger Weg) , Fahrradtour auch für Kinder geeignet.

Dazu erläuternde Text (auszüge) der amip – Antimilitaristische Perspektive Göttingen :
"Auf den ersten Blick scheint es, als sei die Bundeswehr mit der Auflösung der Kaserne 1994 aus Göttingen verschwunden. Lediglich ein Musterungszentrum und ein Verbindungskommando für zivil-militärische Zusammenarbeit sind geblieben. Über 100 weitere Standorte hat die Bundeswehr in den letzten zehn Jahren aufgelöst. Und doch nimmt die Militarisierung zu und lässt sich auch in Göttingen an einigen Orten festmachen. Wie kann das sein?
(...) Die Bundeswehr selbst ist noch nicht einsatzfähig und die Bevölkerung reagiert bisweilen bockig auf die Kriegseinsätze. Diese zwei Hemmschuhe einer weiteren Militarisierung der Politik sollen jetzt wegmodernisiert werden. Und daran beteiligen sich auch zivile Einrichtungen. Diese gehören nicht zur Bundeswehr, aber sie sorgen für ihre Existenz- und Einsatzfähigkeit:(...) Deshalb arbeitet die Bundeswehr auch mit „zivilen“ Schulen, Behörden und Medien zusammen, die sich mit Engagement fürs Kriegshandwerk einsetzen wollen.
Damit das alles klappt und sich auch der Protest gegen Auslandseinsätze in Grenzen hält, wird zudem am positiven Bild des Militärs gearbeitet - selbstverständlich zielgruppengerecht und unter Ausblendung der realen Grausamkeiten des Krieges: Militärorchester für Alte, Denkmäler für Traditionsbewusste, Hochämter für Hinterbliebene, öffentliche Gelöbnisse für politisch Denkende, Technik und Strandsausen für sportliche Jungmänner. Vieles davon findet auch in Göttingen statt. Die Bundeswehr ist weg, die Militarisierung schreitet voran. (...)."
Kontakt: amip.goe@googlemail.com

zum Anfang

Werbung für die Bundeswehr in Göttinger Szenekneipen

2.8.09 / Ein Monatsmagazin (DIN A4 Format) wirbt in seiner Ausgabe Juli/2009 ganzseitig für "Bundeswehr - Karriere mit Zukunft" "Studieren mit Gehalt" "Sie suchen einen interessanten Beruf mit Führungsverantwortung und nicht alltäglichen Herausforderungen?" "Sie suchen eine akademische Ausbildung unter optimalen Bedingungen? (...) Bewerben Sie sich jetzt als Offizier!" Die Bewerber sollen sich melden bei der Wehrdienstberatung Göttingen.
Jede Menge Exemplare des Heftes liegen z.B. im Gromo , im Deja Vu, im KAZ , Salamanca , Kabale? und sonstwo aus. Die Herausgeber und Inhaber des Magazins sind bereits im Sommer 2008 aufgefallen, als sie Bundeswehrwerbung im Internet verbreitet haben. Außerdem haben sie nach der Kritikkampagne gegen Bundeswehrwerbung in Schulen im Sommer 2008 einem Oberstleutnant ausführlich Platz in einem ihrer anderen Printmedien (Pocketformat) gegeben, damit dieser Werbung für die Bundeswehr machen konnte und versuchen durfte der Kritik etwas entgegenzuwirken.

Kommentar:
Man stelle sich vor, da sitzt der erschöpfte Antimilitarist in seiner Stammkneipe, seinem Lieblingscafé und erzählt von den Prozessen mit denen Antimilitaristen wegen Protestaktionen gegen Bundeswehrwerbung das Leben schwer gemacht wird. Und neben ihm ein Stapel jener Zeitschrift, die ganzseitig für die Bundeswehr wirbt.
Fies ist auch der Versuch, angesichts erschwerter Studienbedingungen einer "akademischen Ausbildung unter optimalen Bedingungen" zu werben, während die Bundeswehr bereits aktiv an Kriegen teilnimmt.

zum Anfang

 

Arbeitsagentur hilft der Bundeswehr bei der Suche nach frischen Soldaten
Bericht über einige Merkwürdigkeiten rund um eine Protestaktion

1.7.08 / Die Bundeswehr führte eine "Informationsveranstaltung" im Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur Göttingen durch. Ein Offizier der Bundeswehr und Vertreter der Arbeitsagentur leiteten die Veranstaltung, die unter Polizeischutz und hinter vorgezogenen Vorhängen stattfand. Die Ankündigung einer Protestaktion und die bereits gescheiterte Informationsveranstaltung der Bundeswehr in der BBS haben offenischtlich Arbeitsagentur, Bundeswehr und Polizei zu einer Zusammenarbeit bewogen.
Arbeitsagenturvertreter sortierten am Eingang mit Hilfe von Zivilpolizei Personen aus, die nicht an der Veranstaltung teilnehmen durften. Obwohl einige davon sich angemeldet hatten und eine Anmeldebestätigung bekommen hatten wurden sie nicht eingelassen, wenn die Polizei meinte "der nicht!". goest befragte Henning Gehrke von der Arbeitsagentur wie es zu verstehen sei, dass Leute mit der Anmeldebestätigung nicht eingelassen würden. Er meinte, es sei eben nur eine Anmeldebestätigung und keine Bestätigung, dass eine Teilnahme erlaubt werde. Auf den Einwand, es könne also sein, dass Leute anreisen aufgrund der Bestätigung, dann aber nicht eingelassen werden, weil die Polizei den Hinweis gibt "die.. oder der nicht". Hierauf gab es keine Antwort. Dieses Ausleseverfahren wurde von 5 Personen als Zeugen bestätigt, die nach der Abweisung vor dem Arbeitsamt verharrten.

Bestätigungsschreiben der Arbeitsagentur per Email . Später hieß es zu obigem Schreiben, das sei ja "nur eine Anmeldebestätigung" und keine Einlaßgarantie

Es wurde KEINE Begründung gegeben, wenn jemand abgewiesen wurde. Die Polizei hat also in Assistenz für die Arbeitsagentur entschieden, wer an einer Informationsveranstaltung des Berufsinformationszentrums teilnehmen darf und wer nicht. Eine Teilnehmerin der Informationsveranstaltung wurde unter Androhung einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch des Hauses verwiesen, weil sie Fragen gestellt hat wie "Wie ist eigentlich die Versorgung sichergestellt, wenn ein Soldat verletzt wird", "Wer bezahlt zB Beinprothesen" und "Welche Egoshooter-Spiele sind für eine Vorbereitung auf den Kampfeinsatz besonders zu empfehlen".

Kommentar:
Die Gesichtskontrolle und Entscheidung von Zivilpolizisten entscheidet also inzwischen OHNE Begründung auch über das Recht auf eine Teilnahme an Veranstaltungen der Arbeitsagentur und die Arbeitsagentur unterwirft sich dieser Entscheidung der Polizei, übernimmt sie und übt auf dieser Basis ihr Hausrecht wahr. Allerdings kann eine Behörde nicht ihr Hausrecht willkürlich ausüben und muß einen Ausschluß von Personen begründen - wir leben schließlich nicht in einer Polizeidiktatur. Wenn die Polizei meint von einer Person gehe eine Gefahr aus und möchte sie deshalb von einer Informationsveranstaltung der Arbeitsagentur ausschließen, dann muß sie das begründen. Hier reissen Willkürmaßnahmen ein, die der noch übriggebliebenen Rechtsstaatlichkeit widersprechen. Dabei ist das formal gesetzte Recht schon systematisch genug verzerrt.

Hinter vorgezogenen Vorhängen wurden 7 Schüler von einem Bundewehroffizier über die "tollen Möglichkeiten" für eine berufliche Zukunft infiltriert.
Die Arbeitsagentur ließ die Veranstaltung unter Polizeischutz und mit versperrten Türen durchführen.

Vor der Arbeitsagentur protestierten 15 KriegsgegnerInnen mit Transparenten
 

Pressemitteilung der Protestierenden mit einem Bericht über die Veranstaltung

1.7.08 / "Bis auf einen Zugang waren alle Türen des Arbeitsamts verschlossen, es gab keinen normalen Publikumsverkehr, da die Veranstaltung außerhalb der regulären Öffnungszeiten stattfand. Um die erwartete Störung der Veranstaltung zu verhindern, wurden zahlreiche (aus unterschiedlichen Motiven) Interessierte am Eingang abgewiesen - doch mit wenig Erfolg.

Mehrere antimilitaristische Maulwürfe hielten die beiden Werbeoffiziere bis zum Ende der Veranstaltung in Atem und setzen die Themen mit Fragen wie: "Gibt es Abfindungsunterschiede bei verschiedenen verlorenen Gliedmaßen? Wenn ja: Was bringt mehr? Wieviel bekommt man?""Ich spiele viel Counterstrike. Nutzt das etwas, wenn ich Soldat werden will? Welchen Ego-Shooter verwenden Sie?""Wie wird das Sprachenproblem gelöst? Es kommt ja in manchen Ländern vor, dass die Leute sehr schlecht Deutsch und sogar kaum Englisch sprechen. Ist dann nicht, wie sie schon oft zur Sicherheit des eingesetzten Personals im Irak eingesetzt wurde, die Methode "Erst schießen, dann fragen" doch die vernünftigste Option?""Gibt es für mich als Soldaten unter bestimmten Bedingungen Straffreiheit bei Plünderung, Vergewaltigung oder Mord?""Ab welchem Dienstgrad bzw. in welchen Einheiten lerne ich Foltertechniken?"

Protestankündigung gegen Bundeswehrwerbung am Arbeitsamt

27.6.08 / Die Bundeswehr führte am 1.7.08 um 16 Uhr eine Veranstaltung am Arbeitsamt durch.

In einem Protestaufruf heisst es "In Göttingen handelt es sich noch um eine einzelne Veranstaltung, in anderen Städten hingegen werden Hartz-IV-Empfänger_innen regelmäßig zur Teilnahme an Rekrutierungsveranstaltungen verpflichtet. In über 200 Arbeitsagenturen gibt es inzwischen feste Außenstellen des bundeswehreigenen Zentrums für Nachwuchsgewinnung."

Weiter heisst es im Protestaufruf: "Die AIK ist die "Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr". Sie entwirft die Öffentlichkeitsstrategien der Bundeswehr und schult Journalist_innen, Pädagog_innen und andere Multiplikatoren. Ziel dieser Think-Tanks und Reklame-Strategien ist es, neben der Rekrutierung die Militarisierung der Gesellschaft zu forcieren und Akzeptanz für die zunehmende Zahl der Kriegseinsätze zu schaffen. (...) Clownsarmeen aller Stadtteile, Tagedieb_innen, erwerbslose Kriegsgegner_innen und alle Antimilitarist_innen: Kommt in Massen und wir empfangen die Militärs gebührlich mit Dschingerassabum und allem was dazugehört!"

Foto: Ausschnitt aus dem Flyer aus dem nebenstehende Textzitate stammen. Die Fotounterschrift verweist auf das Geschehen an der BBS - u.a. mit einem Graffito (oben im Bild), dessen Aussage bereits früher zu gerichtlichen Verfahren geführt hat.

Initiative „Bundeswehr wegtreten“ : Göttingen AuT, Antirassismusplenum, AK angreifbare Traditionspflege - OG Göttingen, AK Internationalismus, Bundeswehr: wegtreten!, FSR Sowi, Gegenstrom, Juzi, MoGru, Plan B, Schöner Leben Göttingen www.bundeswehr-wegtreten.org

zum Anfang

 

Bundeswehrwerbung an der Arnoldischule (BBS 1) verhindert

Netzwerk Gewaltfrei Leben versteht sich als ein Teil einer anti-militaristischen Öffentlichkeit in Göttingen und wird sich auch zukünftig gegen die öffentliche Zurschaustellung militärischer Organisationen engagieren." Netzwerk Gewaltfrei Leben, gewaltfrei_leben@gmx.net

Ab 28.4.08 "sollte ein Rekrutierungs-Trupp der Bundeswehr auf dem Schulhof der BBS I für drei Tage stationiert werden. Mit den zahlreichen Protesten ist es gelungen, den Einsatz zu verhindern.
Als die ersten AntimilitaristInnen sich um 7 Uhr dem Schulhof näherten, sah zunächst alles danach aus, dass sich Militär und Schulleitung zur gewaltsamen Durchsetzung der Zwangsveranstaltung für die Schulklassen entschieden hatten: Bis auf einen waren alle Zugänge zum Schulhof abgesperrt und die umliegenden Straßen von Bereitschaftspolizei gesäumt. Dennoch wurden vor Schulbeginn die Info-Stände und kriegsfeindlichen Installationen am Schulhof und in der Einfahrt aufgebaut.
Von einem Infomobil der Bundeswehr gab es keine Spur. Zwei Werbeoffiziere wurden allerdings auf dem Schulgelände gesichtet. Sie hatten sich über einen Hintereingang Zugang zur Schule verschafft, allerdings half auch das nichts, wie sich später herausstellte. Denn um halb 10 konnten SchülerInnen in der Pause berichten, dass der Einsatz des Infomobils abgesagt wurde und zudem der geplante Einsatz der Werbeoffiziere von zumindest einer Schulklasse abgelehnt worden war.

Die Schulleitung der BBS1 Göttingen bestätigte "ihre Entscheidung, die Bundeswehr vom Montag, 28.04., bis Mittwoch, 30.04., auf ihr Gelände mit einem Info-Mobil einzuladen.
"Es gibt keine Verpflichtung für die BBS1, mit der Bundeswehr zu kooperieren. Jede Schule hat Spielräume, wie und mit welchem Material sie ihren Unterricht gestaltet", kommentierte Marcus Beyer vom Netzwerk Gewaltfrei Leben (NGL) die Entscheidung der Schulleitung. "Wir fordern die BBS1 weiterhin auf, diese und auch zukünftige Veranstaltungen mit der Bundeswehr abzusagen, und somit öffentlichen Werbeauftritten des deutschen Militärs eine klare Absage zu erteilen", ergänzte Ute Zillig vom NGL. "Informationsveranstaltungen über Wehrpflicht, Möglichkeiten der Wehrdienstverweigerung, militärische Gewalt, gewaltfreie Konfliktlösung u.ä. können auch von zivilen fachkompetenten Organisationen durchgeführt werden." (...)
Die Veranstaltung Anfang nächster Woche ist angekündigt als "Schuleinsatz" zur Information über "Karrieremöglichkeiten in den Streitkräften"
Nachdem ein persönliches Gespräch zwischen der Schulleitung und Vertretern des NGL vom Dienstag, 22.04. zu keinem Erfolg geführt hatte wurde ein Offener Brief verfasst:

Netzwerk Gewaltfrei Leben c/o Marcus Beyer gewaltfrei_leben(at)gmx.net

Offener Brief an Arnoldi-Schule,
BBS1 Schulleitungsteam und Kollegium
z.Hd. Frau E. Wucherpfennig
Friedländer Weg 33-44
37085 Göttingen

Sehr geehrte Frau Wucherpfennig, sehr geehrte Damen und Herren des Schulleitungsteams und Kollegiums,

für den 28. bis 30. April 2008 ist an Ihrer Schule ein sogenannter "Schuleinsatz" der Bundeswehr angekündigt (www.bundeswehr-karriere.de). Die Bundeswehr wirbt: "Informieren Sie sich über die beruflichen Karrieremöglichkeiten in den Streitkräften an unserem Info-Mobil."
Im November 2003 führten Schülerinnen und Schüler Ihrer Schule einen Projekttag mit dem Titel "Gegen Gewalt - für Zivilcourage" durch. Das gesamte Projekt wurde 2004 vom Landkreis der Stadt Göttingen als "herausragend" ausgezeichnet. Noch heute erinnert eine Bild- und Textdokumentation im Foyer Ihrer Schule an die engagierte, kreative Auseinandersetzung und den Erfolg des Projekts. Auf Tafeln in Ihrer Schule werden zudem Ihre Leitlinien gegen Gewalt erklärt und beworben; darunter: "wir tragen Konflikte gewaltfrei aus" und "wir akzeptieren keine Gewalt an unserer Schule". Mit Erstaunen mussten wir nun zur Kenntnis nehmen, dass Sie der Bundeswehr einen Einsatz auf Ihrem Gelände und in Ihrer Schule gestatten.
(...)
Wir bitten Sie dringlich, den "Schuleinsatz" der Bundeswehr auf Ihrem Schulgelände ersatzlos abzusagen. Bleiben Sie den Zielen Ihrer Schule, konsequent für ein gewaltfreies Miteinander einzustehen, verbunden. Zeigen Sie Profil! Auf eine öffentliche Stellungnahme von Ihnen hoffend, verbleiben wir gewaltfreiem, antimilitaristischem Gruß, (Netzwerk Gewaltfrei Leben) Verteiler: Elternvertretung, SchülerInnenvertretung, Presse

2009: Prozeß wegen des Antimilitärischen Protestes an der Arnoldischule

21.3.09 / Am Montag den 23.3.09 kommt es nun in der Folge dieser Protestaktion zu einem Prozeß vor dem Amtsgericht Göttingen. (13.30 Uhr, Maschmühlenweg 11, Raum B16 ) . Edeltraud Wucherpfennig (Oberstudiendirektorin) ist die Sprecherin des Schulleitungsteams der BBS I / Arnoldischule im Friedländer Weg 33-43 . Frau Wucherpfennig ist Mitglied der SPD-Fraktion im Kreistag und vertritt die Fraktion im Kreisausschuß und ist Vorsitzende im Schulausschuß. Und sie ist Mitglied in der GEW Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, einer Gewerkschaft, die vielfach kritisch gegen die Bundeswehreinsätze Stellung bezogen hat. Erst aufgrund der Einladung durch Frau Wucherpfennig aber durfte die Bundeswehr an der Arnoldischule auftreten. Der Geist der BBS1 Leitlinienhingegen widersprechen dem Militäreinsatz im Klassenraum. Dort steht u.a. "wir tragen Konflikte gewaltfrei aus." Frau Wucherpfennig wird im Prozeß als Zeugin gegen die antimilitaristische Protestaktion aussagen.

Die Bundeswehr führt Krieg in Afghanistan. Erklärter Wille der Politik aller großen Parteien ist, dass in Zukunft noch mehr Menschen und Material für militärische Operationen außerhalb Deutschlands einsetzbar sein sollen, zur Zeit laufen neun Auslandseinsätze. Wer heute ZeitsoldatIn bei der Bundeswehr wird, um eine Berufsausbildung zu bekommen, muss auch zu einem Auslandseinsatz. Eine Schule, die Werbung für das Militär zulässt, ohne die grausame Realität des Krieges, die Realität des Mordens darzustellen - handelt verantwortungslos!

Der Angeklagte Göttinger ist den Ermittlungsbehörden offensichtlich ein Dorn im Auge und wird anscheinend deswegen "seit mehreren Jahren mit Ermittlungen und Gerichtsverfahren überzogen . So wurde er 2006 nach einem Naziaufmarsch in Göttingen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt, aber nach drei aufwändigen Verhandlungstagen freigesprochen. Der Protest gegen eine Militärmusik-Veranstaltung in der Lokhalle 2008 brachte ihm ein Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch und eine Anklage wegen Hausfriedensbruch ein. Erst in der Berufungsverhandlung am Landgericht wurde er schließlich freigesprochen. Im aktuellen Fall wird erneut versucht, ihn wegen seiner antimilitaristischen Praxis, diesmal an einer Göttinger Berufsschule zu kriminalisieren. Er hatte im Vorfeld einer Bundeswehr-Rekrutierungsveranstaltung den kritischen Dialog mit der Schule gesucht, wodurch sein Name bekannt wurde. Im Nachhinein wird ihm deshalb zur Last gelegt, den unangemeldeten Protest am Tag der Rekrutierungsveranstaltung geleitet zu haben." (Zitat aus dem Artikel "Kriminalisierungsversuche)

Kurzer Prozeßbericht vom 1. Prozeßtag 23.3.09
Der Prozeß "Bundeswehr-Schuleinsatz an der BBS1/Verstoß gegen das Versammlungsgesetz" blieb ergebnisoffen und wird fortgesetzt. Auf Anraten der Staatsanwaltschaft (Staatsanwalt Heimgärtner) sollen noch ein/zwei andere Lehrkräfte der BBS1 als Zeugen vernommen werden. Voraussichtlicher nächster Termin ist Mittwoch, 1.4.09, 13.30 Uhr, Raum B16. Wegen Ferien und möglichem Urlaub der Lehrer muss dies aber noch geklärt werden. Der angeklagte Kriegsgegner verlas eine Prozesserklärung. Es wurden die Sprecherin des Schulleitungsteams der Arnoldischule und der Einsatzleiter der Polizei sowie ein weiterer Polizeibeamter als Zeugen vernommen. Ca. 25 BesucherInnen ("solidarische ProzessbeobachterInnen") verfolgten den Ablauf.

Zur Entstehungsgeschichte des Konfliktes > siehe oben

Aktion gewaltfreie Region Göttingen

Einerseits Werbung gegen Gewalt - für konfliktfreie Lösungen

andererseits: Werbung für Militär ?

 

aufgenommen in der GoethealleeKampagne 2001:


www.bundeswehr-wegtreten.org – viele Infos und Protestberichte, gute Links
http://amipgoe.wordpress.com/ (göttinger gruppe)

zum Anfang

 

"Weißbuch zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr 2006"
Einsatz der Bundeswehr im Innern und Äußeren
Kritik-Aktion des Friedesbüros

Das Göttinger Friedensbüro führt am Samstag, den 7.7.2007, um 11 Uhr vor dem Alten Rathaus (Weender Str.) eine Straßentheater-Aktion durch. Mit der Aktion werden die weltweiten Einsätze der Bundeswehr kritisiert. Solche Militäreinsätze sind konfliktverschärfend, kosten sehr viel Geld, das für soziale Ausgaben - gerade auch in der Konfliktregionen - fehlt und hebeln Völkerrecht und Verfassung aus. Die Theater-Aktion richtet sich gegen das neue Weißbuch 2006 der Bundesregierung, durch das ohne vorherige politisch-gesellschftliche Debatte und ohne Parlamentsbeschluss Militäreinsätze im Ausland grundsätzlich legitimiert werden. Das Weißbuch fordert u.a. mit dem Hinweis auf den internationalen Terrorismus erstmals Bundeswehreinsätze auch im Innern. Die im Weißbuch betonten Interessen der Sicherung des freien Welthandels, der ungehinderten Rohstoffzufuhr und des Schutzes vor unkontrollierter Migration öffnen dem rechtswidrigen Einsatz deutscher Soldaten für jede Art militärischer Intervention Tür und Tor.
Überschrift des Kapitel 4 des Weißbuches:
"Deutschland ist in den vergangenen 15 Jahren zu einem der größten Truppensteller für internationale Friedensmissionen geworden. Die Bundeswehr ist heute weltweit im Einsatz."

>> Download des Weißbuch von Seiten des Kriegsministeriums
>> Kritische Analyse (3.7.2006 / Kassel)
>> Umsetzung des Weißbuches Bundeswehrplan 2008 (als Papier nur für den Dienstgebrauch):
http://www.geopowers.com/Machte/Deutschland/Rustung/Rustung_2007/BwPlan_2008_dok.pdf

zum Anfang