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Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)

Gesellschaft für bedrohte Völker Geiststraße 7, 37085 Göttingen Victor-Gollancz-Haus der Gesellschaft für bedrohte Völker, Geiststraße 7 (Bushaltestelle Groner Tor) , 0551-49906-0, Fax: 0551-58028 E-Mail: info@gfbv.de , Menschenrechtsorganisation mit beratendem Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen und mitwirkendem Status beim Europarat.

Neues Bundesbüro der GfbV in der Geiststrasse
GfbV : Grüne sollen für ISAF,OEF und Tornados stimmen
Info-Aktion vor Jacobikirche : Hilfe für Kindersoldaten in Uganda
Protest gegen die Vergiftung des Trinkwassers der Mapuche-Indianer in Chile
> Protestaktion gegen China
> Konflikt Antifa - GfbV

Rahmenveranstaltungen zur Jahreshauptversammlung 2010 der GfbV

Veranstaltungsort: Ballettschule "art la Danse", Geiststraße 6, Nachbarhaus der GfbV

Samstag, den 09.10.2010, 20 Uhr "Ist Frieden möglich?" -- Podiumsdiskussion der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) mit Dr. Ahmed Tibi, arabisches Mitglied der Knesset in Jerusalem, und einem Vertreter des Zentralrates der Juden in Deutschland Eintritt frei

Samstag, den 09.10.2010, 21 Uhr "Lasst die jüdische Sprache nicht verstummen/Farstumt nit doss jiddische loschn" Liederabend mit dem Trio Felicitas Niegisch (Gesang), Hanno Botsch (Klavier/Violine) und Andres Buchholz (Kontrabass) Eintritt frei

Sonntag, den 10.10.2010, 10 Uhr Menschenrechts-Workshops: 1. Sahara: Das Leid der Tuareg, 2. Chile: Die Unterdrückung der Mapuche, 3. Pulverfass Nahost -- Haben Mandäer, Assyrer-Chaldäer-Aramäer, Yeziden und Kurden eine friedliche Zukunft? 4. Bosnien-Herzegowina und Südsudan/Darfur: Strategien gegen Völkermord, 5. Afghanistan: "Warlords im Visier" Eintritt frei

Sonntag, den 10.10.2010, 12.30 Uhr Jürgen Trittin, Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und Bundesminister a.D.: "Außenpolitik und Menschenrechtsarbeit für Minderheiten" Eintritt frei

 

"Die Bahà´ì im Iran - diffamiert und verfolgt"

Vortrag, Diskussion und Filmabend 20:00 Uhr im Victor-Gollancz-Haus, Geiststr. 7, mit Herrn Foad Kazemzadeh, Mitglied des Nationalen Geistigen Rates der Bahá`i in Deutschland (a.D.) Eintritt frei. Spenden erwünscht!

Die Lage der rund 300.000 Bahá'í im Iran ist bedrohlich: Sie werden von Behörden verfolgt und in Hasspredigten oder Medienberichten angefeindet. Ihre heiligen Stätten werden zerstört. Weltweit gibt es etwa 7,7 Millionen Bahá´i. Rund 5.000 von ihnen leben in Deutschland Der Iran ist das Ursprungsland der Bahá´í-Religion, die im 19. Jahrhundert von ihrem Gründer Baha'ullah aus dem schiitischen Islam heraus entwickelt wurde. Doch anders als die Christen, Juden oder Zoroastrier werden die Bahá'í dort nicht als Glaubensgemeinschaft anerkannt. Vielmehr betrachten die schiitischen Führer des Landes sie als Abtrünnige des Schiitentums. Mit dem Amtsantritt des iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad hat sich die Lage der Bahà'ì weiter verschlechtert. Die Zahl der Übergriffe, Verhaftungen und Zerstörungen heiliger Stätten hat sich dramatisch erhöht. Besonders besorgniserregend ist allerdings das (noch nicht ratifizierte) "Apostasiegesetz", das vorsieht, die Konversion vom Islam mit dem Tod zu bestrafen. Dieses Gesetz soll auch außerhalb der iranischen Grenzen gelten. Damit wären die Bahà'ì auch in anderen Ländern gefährdet.

 

"Aleviten in der Türkei - zwischen Kemalismus und Islamismus"

Diskussionsabend mit Ali Ertan Toprak, 2. Bundesvorsitzender der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V., Vertreter der Aleviten bei der Islamkonferenz und Generalsekretär der Alevitischen Union Europa e.V. am Donnerstag, den 17. Juni, um 20 Uhr im Victor-Gollancz-Haus der Gesellschaft für bedrohte Völker Geiststraße 7 Eintritt frei.

Obwohl mehr als 20 Millionen Menschen in der Türkei der liberalen Glaubensgemeinschaft der Aleviten angehören, erkennt die Türkei das Alevitentum bis heute nicht als eigenständige Religion an. Deshalb werden die Aleviten, die den Volksgruppen der Türken, Kurden und Araber angehören, bei der Ausübung ihres Glaubens stark diskriminiert und eingeschränkt. Traditionell in Zentralanatolien beheimatet, sind viele Aleviten im Zuge der Urbanisierung in die städtischen Zentren der Türkei gezogen. Doch auch viele haben die Türkei verlassen - allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge 600.000 Aleviten. Die Aleviten legen den Koran nicht wortwörtlich aus, sondern streben eine tiefere Interpretation an. Liebe, Respekt und Frieden stehen im Mittelpunkt ihrer Lehre. Feste Rituale gibt es nicht, ihre Gottesdienste finden nicht in Moscheen statt. Dies alles führt zu tiefen Spannungen mit der Mehrheit der Muslime in der Türkei, die dem sunnitischen Islam angehören. Bis vor kurzem stritten die offiziellen Institutionen der Türkei die Existenz der Aleviten ab. Die Aleviten sind weder im Amt für religiöse Angelegenheiten der Türkei vertreten noch erhalten sie finanzielle Unterstützung. Die türkische Regierung verfolgt unter dem Motto "Wir sind alle Muslime - Hepimiz müsülmaniz" die Assimilation und Sunnitisierung der Aleviten. In den Schulen ist auch für alevitische Kinder der sunnitische Religionsunterricht zwingend vorgeschrieben, in alevitischen Dörfern werden Moscheen errichtet und sunnitische Imame werden dorthin geschickt.

 

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der Innenministerkonferenz in Hamburg am 27.5.10 eine Erklärung gegen die Abschiebung von Roma aus dem Kosovo überreicht. Bei der Preisverleihung des Göttinger Friedenspreises 2010 an PRO ASYL e.V. wurde eine gemeinsame Stellungnahme ehemaliger Preisträger zur aktuellen Lage der Roma in Deutschland angeregt. Die GfbV (mit dem Friedenspreis 2003 ausgezeichnet) hat daraufhin die entsprechende Göttinger Erklärung vorbereitet. Die Erklärung soll auf die gnadenlose Praxis der deutschen Ausländerbehörden gegenüber Roma aus dem Kosovo, aber auch auf die katastrophale Lage dieser Minderheit im Kosovo aufmerksam machen.

GÖTTINGER ERKLÄRUNG (27.5.10)

In der Tradition der Göttinger Sieben und der Göttinger Achtzehn appellieren die Träger des Göttinger Friedenspreises und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Deutschland an den Deutschen Bundestag und die deutsche Bundesregierung, die rund 10.500 Roma-Flüchtlinge aus dem Kosovo nicht abzuschieben und ihnen ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland zu gewähren.
Im Kosovo waren deutsche Truppen im Frühjahr 1999 zum ersten Mal seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland an einer kriegerischen Auseinandersetzung beteiligt: an den Nato-Luftangriffen auf militärische Ziele in Restjugoslawien. Im Juni des gleichen Jahres wurde der Kosovo von NATO-Truppen besetzt und eine Million albanische Vertriebene und Flüchtlinge konnten in ihre Heimat zurückkehren. Die Mitglieder einer Fact-Finding-Mission der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) wurden dort dann Zeuge, wie viele der bis dahin verfolgten Albaner selber zu Tätern wurden und sich gegen die farbigen Minderheiten der Roma und Aschkali wandten. Über 70 ihrer 75 Stadtteile und Dörfer wurden von albanischen Extremisten zerstört oder niedergebrannt. Roma und Aschkali wurden misshandelt, gefoltert, entführt, vergewaltigt oder gar ermordet. Ungezählte Flüchtlinge ertranken in der Adria. Seit 1999 sind aus dem Kosovo vier Fünftel der ehemals rund 150.000 Roma und Aschkali geflüchtet oder wurden vertrieben. Tausende Angehörige dieser beiden ethnischen Gemeinschaften hatten schon Anfang der 1990-er Jahre vor der Repression der Milosevic-Truppen die Flucht ergriffen.
Seither leben etwa 30.000 Roma aus dem Kosovo in Deutschland als Flüchtlinge. Rund 10.500 von ihnen droht die Zwangsabschiebung, obwohl ihre Kinder hier geboren oder bei uns aufgewachsen sind. Diese Flüchtlingskinder sprechen Deutsch als Muttersprache, oft mit regionalem Akzent. Für ihre Integration haben sich Lehrer, Sozialarbeiter, Geistliche, christliche Gemeinden, Flüchtlingsräte, Menschenrechtler sowie viele andere Bürger engagiert und für ihre Eingliederung materiell und ideell unendlich viel geleistet.
Deutschland steht gegenüber der Roma-Minderheit aus dem Kosovo in doppelter Pflicht. Zum einen wurden hunderttausende Sinti und Roma Opfer des Holocausts. Zum anderen haben auch deutsche NATO-Truppen nach dem Sieg über Serbien im Sommer 1999 die Vertreibung der Roma durch albanische Extremisten hingenommen. Diese Flüchtlinge sind uns jetzt anvertraut. Wir dürfen sie nicht aus dem Lande jagen. Deutsche Gesetze haben den Betroffenen nicht einmal eine mittelfristige Lebensplanung zugestanden. Sie erhielten weder Arbeit noch durften ihre Kinder einen Ausbildungsplatz antreten. Es war ihnen untersagt, ihren jeweiligen Landkreis zu verlassen. Die erzwungene Untätigkeit - oft über viele Jahre - trieb viele in Depression und Hoffnungslosigkeit. So ist ein Teufelskreis entstanden. Von den neuen Bleiberechtsregelungen können nur wenige profitieren.
Entgegen den Lageberichten des Auswärtigen Amtes ist die Situation der Roma-Minderheit im Kosovo laut Menschenrechtsorganisationen, aber auch nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, des Europarats und der OSZE erschreckend: Menschenrechtsverletzungen an Roma sind häufig, werden aber nicht angezeigt. Fast alle Roma sind arbeitslos. Gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigungsquoten für Minderheitenangehörige werden missachtet. Die Ernährung der meisten Roma-Kinder ist völlig unzureichend. Für schulische Bildung wird nicht ausreichend gesorgt. Eine angemessene medizinische Versorgung ist auch für Rückkehrer unerschwinglich. Alte und Schwerkranke befinden sich in einer hoffnungslosen Situation.
Angesichts dieser unerträglichen Situation und eingedenk der Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma durch das NS-Regime fordern wir die Bundesregierung und die Bundesländer auf, eine Kontingentlösung für die rund 10.500 Roma-Flüchtlinge aus dem Kosovo durchzusetzen und so ein Zeichen des guten Willens für diese existenziell bedrohte Minderheit zu setzen. In diesem Zusammenhang erinnern wir an vorbildliche Lösungen für andere Gemeinschaften wie die 200.000 Juden und die zwei Millionen Russlanddeutschen aus den GUS-Staaten.
Wir wenden uns entschieden gegen eine Zwangsabschiebung der Roma aus dem Kosovo in der Hoffnung, dass die Solidarität der Bürger Göttingens, einer der Tradition des Humanismus verpflichteten Stadt, auf andere Städte und Kommunen überspringt, in denen Roma-Flüchtlinge aus dem Kosovo leben. So wollen wir dazu beitragen, dass diese Menschen in Deutschland bleiben dürfen.

Göttingen, den 27. Mai 2010
Für die Gesellschaft für bedrohte Völker: Tilman Zülch
Für das Komitee zur Verleihung des Göttinger Friedenspreises der Dr. Roland Röhl Stiftung: Prof. Dr. Jürgen Schneider
Unterzeichnende Preisträger des Göttinger Friedenspreises: 1999 Prof. Dr. Dieter Senghaas 2000 Prof. Dr. Franz Fujara, Prof. Dr. Dirk Ipsen, Dr. Giorgio Franceschini, Prof. Dr. Wolfgang Bender von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit der Technischen Universität Darmstadt (IANUS) 2001 Dr. Elisabeth Niemann 2003 Tilman Zülch für die Gesellschaft für bedrohte Völker 2004 Abt Benedikt Lindemann 2005 Forum Ziviler Friedensdienst 2006 Internationale Gärten Göttingen e.V. + Stiftung Interkultur 2007 Bürgerinitiative FREIe HEIDe 2009 Andreas Zumach 2010 PRO ASYL

 

Wer sind die Kopten und warum werden sie verfolgt?

Vortrag des Erzbischofs der Koptischen Kirche in Deutschland, Anba Damian am 15. April 2010, um 20 Uhr Gesellschaft für bedrohte Völker, Geiststraße 7 Eintritt frei.

9.4.10 / Terror und Gewalt prägen den Alltag der Kopten in Ägypten. Anfang März wurden Angehörige dieser christlichen Religionsgemeinschaft Opfer von pogromartigen Übergriffen: 2000 bis 3000 Islamisten skandierten nach der Freitagspredigt im nordägyptischen Küstenort Mersa Matrouh radikale Parolen, warfen Steine nach den Gläubigen, verwüsteten einige Häuser und Geschäfte oder brannten sie nieder. Gewalttätige Angriffe auf Kopten in Ägypten bis hin zu Morden und Vergewaltigungen hätten stark zugenommen, beklagte ein Vertreter der Koptischen Kirche in Deutschland gegenüber der GfbV. "Auch unsere Kirche leidet sehr. Gotteshäuser werden immer wieder von Extremisten niedergebrannt." Christen stellen mit acht bis zehn Millionen Menschen mindestens zehn Prozent der etwa 79 Millionen ägyptischen Staatsbürger. Die meisten Christen sind Kopten. Sie gehören vor allem der orientalisch-orthodoxen Kirche an. Es gibt aber auch einige koptische Katholiken. Die griechisch-orthodoxen, griechisch-katholischen und protestantisch-arabischen Christen bilden jeweils nur kleine Gemeinschaften. Im ägyptischen Parlament sind die Kopten unterrepräsentiert: von insgesamt 440 Abgeordneten stellen sie nur vier.

 

Victor-Gollancz-Preis 2009

Die GfbV vergibt den Victor-Gollancz-Preis seit dem Jahr 2000. Er ist 2009 mit einem symbolischen Preisgeld von je 2.500 Euro verbunden. Unter den bisherigen Preisträgern sind die Mütter von Srebrenica (Bosnien), der frühere russische Menschenrechtsbeauftragte Sergej Kowaljow und Dr. Halima Bashir (Darfur/Westsudan). Der Preis ist nach dem britisch-jüdischen Humanisten, Verleger und Schriftsteller Victor Gollancz (1893-1967) benannt, der Zeit seines Lebens Verbrechen gegen die Menschlichkeit bekannt machte und Hilfe für Überlebende mobilisierte. Der Preis wird im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung der GfbV verliehen, zu der am 14. und 15.11.2009 rund 150 Delegierte in Göttingen erwartet werden. Sie werden in Arbeitsgruppen über Strategien künftiger GfbV-Menschenrechtskampagnen diskutieren.
In einem öffentliche Festakt am Samstag, den 14.11.2009, um 10.15 Uhr in der früheren Turnhalle der -Universität, Geiststraße 6. wird der Katholische Indianermissionsrat CIMI aus Brasilien und die russische Menschenrechtsorganisation MEMORIAL den Victor-Gollancz-Preis 2009 erhalten,

Für den katholischen Indianermissionsrat CIMI aus Brasilien wird dessen Generalsekretär José Eden Pereira Magalhães (Brasilia), den Preis entgegennehmen. 1972 von der Brasilianischen Bischofskonferenz gegründet und von Befreiungstheologen getragen, arbeiten heute mehr als 300 Laien, Ordensleute und Priester für CIMI. Sie scheuen keine Strapazen, sich persönlich ein Bild von den Problemen indigener Gemeinschaften auch mitten im unzugänglichen Amazonasgebiet zu machen. Sie notieren Klagen und Vorwürfe der Indianer gegen Eindringlinge, dokumentieren Landrechtsverletzungen, entwerfen zusammen mit Betroffenen Strategien des Widerstandes, treten bei Behörden oder in politischen Gremien als ihr Anwalt auf und suchen weltweit Verbündete für die Ureinwohner.

MEMORIAL bekommt die Auszeichnung als "Verneigung vor dem beispiellosen Mut ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für ihr aufopferungsvolles Menschenrechtsengagement in einer feindlich gesinnten Umgebung täglich ihr Leben riskieren". Die russische Menschenrechtsorganisation wurde während der Perestroika 1988 gegründet und besteht heute aus 80 unabhängigen Organisationen vor allem in den GUS-Staaten. Memorial widmet sich sowohl der Bewältigung der stalinistischen Vergangenheit als auch der Recherche, Dokumentation und Veröffentlichung gegenwärtiger Menschenrechtsverletzungen u.a. in Tschetschenien und Inguschetien. Mitarbeiter werden deshalb immer wieder mit dem Tod bedroht. Auch die beiden Mordopfer Anna Politkowskaja und Natalja Estemirowa arbeiteten für MEMORIAL

11.11.09/ Aktuelle nachträgliche Meldung: Memorial-Preisträger vor Gericht
Wenige Tag bevor der Vorsitzende der renommierten russischen Menschenrechtsorganisation MEMORIAL, Oleg Orlow, den Victor-Gollancz- Preis der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen entgegen nimmt, steht er in Moskau vor Gericht. "Er muss sich in einem strafrechtlichen Verfahren wegen Verleumdung verantworten, weil er den gefürchteten tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrow in Verbindung mit dem Mord an seiner Mitarbeiterin Natalja Estemirowa gebracht hat. Kadyrow, der in Tschetschenien ein Terrorregime führt, klagte gegen den Menschenrechtler. In einem ersten zivilrechtlichen Prozess wurden Orlow und seine Organisation bereits zu Geldstrafen verurteilt. Am 12. oder 13. November findet das strafrechtliche Verfahren statt. Angesichts der international umstrittenen russischen Gerichtsbarkeit wäre eine Haftstrafe für den international angesehenen Menschenrechtler nicht unwahrscheinlich."

Afghanistan
Warlords im Visier"

24. März 2010 Victor-Gollanz-Haus: Geiststraße 7, um 19:30 Uhr "Afghanistan - Warlords im Visier" Vortragsabend mit dem ARD-Radio-Journalisten Marc Thörner und dem GfbV-Referenten Tillmann Schmalzried über die verdrängte zweite Front des Afghanistankonfliktes, den Kampf gegen die Warlords. Dabei gefährdet besonders diese mächtige Gruppe den Aufbau eines Rechtsstaates - sie lassen Kritiker und ethnische Minderheiten verfolgen. Durch Drogen-,Waffenhandel und bewaffnete Milizen gefährden sie gleichzeitig die Sicherheitslage in Afghanistan. Als Gouverneure sind sie sowohl zu Partnern der vor Ort tätigen NGOs als auch der ausländischen ISAF Truppen sowie Teil der afghanischen Regierung geworden. Deutschland kooperiert eng mit den Kriegsfürsten und schaut bei Menschenrechtsverletzungen im eigenen Zuständigkeitsbereich weg. Die jetzige Afghanistanstrategie der Bundesregierung bietet keine Lösungsansätze für eine Eindämmung der durch den Machtmissbrauch der Warlords geschaffenen Probleme. Der Einfluss der Warlords wird in der deutschen Presse und Politik nur selten thematisiert und ist der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt. Marc Thörner füllt diese Lücke. Er wird unter anderem aus seinem neu erschienenen Buch "Afghanistan Code" (Edition Nautilus) lesen und von seinen Recherchen in Afghanistan für das Radiofeature "Morde im Norden" berichten. (Sein Feature "Wir respektieren die Kultur", das der Arbeit an dem Buch voranging, wurde mit dem Otto-Brenner Preis für kritischen Journalismus 2009 ausgezeichnet.). Tillmann Schmalzried wird über seine Arbeit für afghanische Menschenrechtler informieren und auf Hintergründe der Warlordherrschaft eingehen. Gemeinsam werden beide mögliche Lösungsansätze diskutieren und Fragen des Publikums beantworten. Der Eintritt ist frei. > Afghanistan-Seite in GOEST

Indianer
Der Bison kehrt zurück" Vortrag des Lakota-Indianers Henry Red Cloud (10.3.10)

Mittwoch, 4. März 2009 um 20 Uhr, Auf seiner Vortragsreise durch Deutschland, Österreich und die Schweiz macht Henry Red Cloud, in 5. Generation Nachfahre des berühmten historischen Chief Red Cloud, am kommenden Mittwoch (10. März) in Göttingen Station. Er wird uns von dem Leben auf der Reservation, der Lakota Kultur und seinen Erfahrungen mit der Bisonzucht sowie den Projekten zur Landnutzung des traditionellen Landes seines Volkes berichten. Vor Schülern des Göttinger Felix-Klein-Gymnasium wird er am folgenden Tag einen Vortrag halten und dann am Nachmittag das Bioenergiedorf Jühnde besuchen.
Begleitet wird er von David Bartecchi, dem Direktor der US-amerikanischen NGO Village Earth, der die Lakota in der Durchführung ihrer Projekte berät, und dem Filmemacher Ralf Kracke-Berndorff, der seinen neuesten Dokumentarfilm zu diesem Thema präsentieren und übersetzen wird. Im Anschluss daran bietet sich Gelegenheit zur Diskussion, sowie zum Kauf von indianischem Kunsthandwerk, DVD's etc. Über 60 Prozent des in Lakota-Besitz befindlichen Landes wird über das BIA (Büro für Indianerangelegenheiten) zu Spottpreisen an weiße Rancher verpachtet, während über 70 Prozent der Lakota unterhalb der Armutsgrenze leben. Einige von ihnen packen das Elend nun aktiv an und wollen sich mit Hilfe des Bisons eine neue wirtschaftliche Zukunft erschließen.

Village Earth setzt sich dafür ein, der Ausbeutung ökonomischer wie natürlicher Ressourcen auf der Lakota-Reservation ein Ende zu setzen, indem es den Lakota Ranchern. Bei der Rückgewinnung ihrer Landtitel juristisch berät und unterstützt. Dieses sehr bürokratische Verfahren dauert zwischen einem und eineinhalb Jahren. Insgesamt hat Village Earth bis heute über 75 Bisons auf der Pine Ridge Reservation angesiedelt und den Familien übergeben. Fünf Lakota Bison Rancher haben sich offiziell zur "Lakota Bison Caretaker Association" zusammen geschlossen. Gemeinsam arbeiten sie mit Village Earth daran einen Businessplan zur Vermarktung des Bisonfleisches zu erarbeiten. Sie wollen sich auf eigenem Land eine Existenz aufbauen. Ihre Pläne reichen von weiteren Bisonzuchten über Gartenbau bis hin zu Pensionen für Ökotourismus.
>>
http://www.redcloud.net.tc / http://www.villageearth.org


"Frieden und Freiheit für die Kurden in der Türkei"
Mit Özdal Ücer, Abgeordneter der BDP, Nachfolgepartei der inzwischen verbotenen prokurdischen Partei DTP, im Parlament der Türkei

Donnerstag, 14. Januar 2010 Uhrzeit: 20:00 Uhr Ort: Victor-Gollancz-Haus für Menschenrechte, Geiststraße 7, 37073 Göttingen Eintritt frei. Spenden erwünscht!
"Die BDP (Partei für Frieden und Freiheit) muss die prokurdische DTP (Partei für eine demokratische Gesellschaft) ersetzen. Denn anstatt die DTP als Chance für eine Lösung der Kurdenfrage zu sehen, hat das türkische Verfassungsgericht hatte diese Partei am 11.12.2009 verboten. Nach Auffassung der GfbV war diese Entscheidung ein schwerer Rückschlag für den Friedensprozess zwischen dem türkischem Staat und der kurdischen Nationalbewegung. Die DTP vertrat große Teile der kurdischen Bevölkerung und hätte auch eine Brücke zu Anhängern der verbotenen Kurdenpartei PKK bauen können. Denn soll ein Frieden tragfähig sein, müssen alle Parteien an Gesprächen beteiligt werden. Das Verfassungsgerichtsurteil hat einen bedeutenden Teil der Wähler in der Türkei von der politischen Repräsentation ausgeschlossen. Dadurch haben die meisten Kurden ihr Vertrauen in den Staat vollends verloren. Sie haben die Hoffnung, dass sich ihre Lage durch die Bemühungen der Regierung Erdogan bessert, erst einmal begraben. Türkische Sicherheitskräfte gingen in den vergangenen Wochen rigoros gegen Angehörige der kurdischen Volksgruppe vor. Gewählte Volksvertreter wie kurdische Parlamentarier und Bürgermeister wurden in Handschellen abgeführt und inhaftiert. Auf protestierende Kurden wurde geschossen. Es gab mindestens zwei Tote, Hunderte wurden verletzt und mindestens 1000 Kurden verhaftet. Dabei hätte die kurdische Zivilbevölkerung dringend Schutz nötig. Denn es kommt in verschiedenen Städten des Landes immer wieder zu Übergriffen nationalistischer Gruppierungen auf Kurden. Die mutmaßlich rechtsextremen Täter befinden sich auf freiem Fuß. Wie soll es nun in der Türkei weitergehen? Kann die Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die Kurdenfrage lösen, ohne Vertreter der Volksgruppe einzubeziehen? Wurde das in den vergangenen 25 Jahren nicht immer wieder erfolglos versucht? Muss der blutige Konflikt noch mehr Opfer fordern? Über diese und andere Fragen möchten wir mit unserem Gast aus der Türkei, Herrn Özdal Ücer, diskutieren."

 

Tibetinitiative Deutschland e.V. und GfbV
Lesung mit musikalischer Kostprobe
Donnerstag, den 27.Mai 2010, um 19:30 Uhr im Victor-Gollancz-Haus für Menschenrechte, Geiststraße 7, Eintritt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro (Schüler, Studenten, Rentner)

Tibeterin singt Lieder über ihre Heimat und stellt ihre Biographie vor. Die Tibeterin Soname Yangchen wird am Donnerstag bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) besonders bewegende Kapitel aus ihrem Autobiographie "Wolkenkind" lesen und Lieder über ihre Heimat vortragen. ein. In ihrem Buch "Wolkenkind" schildert die 1973 in der tibetischen Provinz Yarlung geborene Soname Yangchen ihr abenteuerreiches Leben und den langen Weg, den sie zur Freiheit gehen musste. Die Kindheit und Jugend von Soname Yangchen war von Gewalt, Einsamkeit und Sklaverei geprägt. Ihre Eltern, die aus altem tibetischen Adel stammten, waren während der Kulturrevolution in China 1966-1976 besonderer Repression und Verfolgung ausgesetzt. Als Sechsjährige wurde Soname Yangchen nach Lhasa geschickt, um ihr eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Doch dort verhinderten Behörden, dass sie die Schule besucht. Stattdessen musste sie wie eine Gefangene als Haushaltshilfe arbeiten. Mehrmals floh sie zurück zu ihren Eltern. Ihr faszinierender Mut und ihre Unerschrockenheit halfen ihr schließlich bei der Flucht über den Himalaya. Schon in frühen Jahren war die Musik ihr innerer Fluchtweg aus ihrem traurigen Dasein. Heute lebt sie in Großbritannien und wirbt mit ihrer Stimme für ein freies Tibet. Wir freuen uns auf die musikalische Kostprobe ihrer selbst komponierten und getexteten Lieder, die sie uns im Anschluss an ihre Lesung geben wird. Den Vortrag und die Lesung hält der Tibetexperte und Übersetzer Alfred Röwer.

 

Tibetabend
Tsering Woeser: „Ihr habt die Gewehre, ich einen Stift“

Tibetabend / GfbV, Geiststraße 7, 20 Uhr, Tibet-Abend ,
Lesung der tibetischen Schriftstellerin Tsering Woeser, "Ihr habt die Gewehre, ich einen Stift".

Auszüge aus Woesers Buch werden von Anja Kuetemeyer (Schauspielerin, Theater im OP Göttingen) gelesen, anschließend folgt eine Diskussion mit Ulrich Delius, Asien-Referent der Gesellschaft für bedrohte Völker und der Regionalgruppe Göttingen der Tibet Initiative Deutschland (TID). Als Besonderheit werden tibetische Speisen angeboten www.gfbv.de

22.09.2009 / Pressetext und Fotos des Verlags / Lungta Verlag – Verlag der Tibet Initiative Deutschland e.V. Greifswalder Str. 4 , 10405 Berlin www.lungta-verlag.de

Eine Chronologie der Ereignisse 2008 in Tibet Als am 10. März 2008 in Lhasa Unruhen ausbrechen, beginnt die tibetische Schriftstellerin Tsering Woeser – zunächst als Blog – die täglichen Proteste, ihre Ausdehnung über ganz Tibet und die Reaktionen der chinesischen Sicherheitskräfte zu dokumentieren. Zu einer Zeit, als ausländische Beobachter des Landes verwiesen werden und China nur die eigene Propaganda über die Zustände in Tibet an die Öffentlichkeit lässt, wird Woesers Blog für ihre Landsleute in Tibet, China und im Exil zu einer Nachrichtenquelle von unermesslichem Wert. Heute sind ihre Berichte ein aufrüttelndes Zeugnis der anhaltenden Unterdrückung in Tibet. Taschenbuch, ca. 300 Seiten, € 16,95, ISBN 978-3-00-028220-1 Erscheinungstermin: Oktober 2009 Tsering Woeser wurde 1966 in Lhasa geboren. Im Anschluss an ihr Studium der chinesischen Literatur hat sie als Journalistin in Tibet gearbeitet, bis sie 2003 aus politischen Gründen nach Peking ziehen musste. Ihr 2003 erschienenes Buch "Notes on Tibet" wurde wegen "ernsthafter politischer Fehler" von der chinesischen Regierung verboten. Seither publiziert sie in Taiwan und den USA und hat mit ihren Gedichten, Essays und Prosa internationale Berühmtheit erlangt. 2007 wurde ihr der "Freedom of Expression Award" der Norwegian Authors' Union verliehen. Tsering Woeser gilt gegenwärtig als die bedeutendste tibetische Schriftstellerin in Tibet und China. In Peking lebt sie mit ihrem Mann, dem chinesischen Schriftsteller und Tibetologen Wang Lioxing. Die chinesischen Behörden haben sie wiederholt unter Hausarrest gestellt und verweigern ihr die Ausreise.

7. 12.08, Aula am Wilhelmsplatz 10-14 Uhr
Festakt zum 40- jährigen Bestehen der Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

pm 3.11.08 / "Die Gesellschaft für bedrohte Völker feiert dieses Jahr ihr 40 jähriges Bestehen. Wir möchten auf vier Jahrzehnte Menschenrechtsarbeit zurückschauen. "Von Biafra bis Darfur" lautet unser Rückblick, hier erzählen Vertreter von Bürgerrechts-, Menschenrechts- und Widerstandbewegungen sowie Zeitzeugen aus Ihrer Sicht über Ihre Vergangenheit und die Arbeit der GfbV in Biafra, Südsudan, Darfur, Irakisch-Kurdistan, Afghanistan, Guatmela, USA, Tibet, Tschetschenien, Ruanda, Bosnien u.a.. Begleitet werden diese Berichte von einer Projektion historischer Fotos und von Filmausschnitten von Aktionen, Demonstrationen und Begegnungen, Dokumenten und Statements. Eingerahmt werden diese Berichte durch internationale Musik (u.a. African Culture Group), Festreden von Marieluise Beck (Mitglied des Deutsches Bundestags) und Dr. Christian Schwarz- Schilling(Bundesminister a.D.). Abgerundet wird der Festakt mit kulinarischen Spezialitäten aus verschiedenen Weltregionen."

Victor-Gollancz-Haus der Gesellschaft für bedrohte Völker Geiststraße 7 , 3.3.08 , 20 Uhr
Kahlschlag im Amazonas-Regenwald Indigene Völker in Brasilien kämpfen ums Überleben

Veranstaltertext : "Es berichten Almir Suruí, Sprecher der nur höchstens noch 350 Suruí-Indianer im brasilianischen Bundesstaat Rondônia und Vorsitzender ihrer Organisation "Metareilá" sowie Direktor der Umweltabteilung beim "Dachverband der indigenen Organisationen des brasilianischen Amazonasgebiets" (COIAB) und Dr. Márcio Meira, Präsident der staatlichen Behörde Brasiliens für indigene Angelegenheiten (FUNAI). Das Überleben der Surui-Indianer, die sich selbst Paiter nennen, ist extrem gefährdet. Beinahe wäre ihnen in Rondonia der erste Kontakt mit Weißen 1968 zum Verhängnis geworden. Durch eingeschleppte Krankheiten starben damals in kürzester Zeit 95 Prozent der rund 5.000 Surui. Nur 250 überlebten. Seit dieser Katastrophe hat sich die Zahl der Surui kaum erhöht. Jetzt ist ihre kleine Gemeinschaft erneut bedroht. Illegale Holzfäller und Viehzüchter drängen in ihr Gebiet, das auch für den Bergbau interessant ist. Die Errichtung eines Wasserkraftwerks am Rio Madeira und einer Gaspipeline von Urucu gefährdet sie zusätzlich. Doch gegen diese neuen Gefahren haben die Surui Gegenstrategien entwickelt und sich starke Partner gesucht: In Zusammenarbeit mit Google Earth ermitteln sie, wo auf ihrem Gebiet illegal Holz eingeschlagen wurde, und gemeinsam mit dem brasilianischen Umweltministerium und der FUNAI führen sie Wiederaufforstungsprogramme durch. Denn immer schneller fällt der Amazonas-Regenwald den Kettensägen legaler und illegaler Holzfäller zum Opfer. Je höher der Weltmarktpreis für Soja oder Zuckerrohr steigt, umso mehr dehnen sich die Plantagen auch auf indianisches Land aus. Denn beide sind wichtige Rohstoffe für den weltweit boomenden Markt für Biodiesel und Ethanol. Riesige Waldflächen verschwinden auch in Stauseen oder werden für Viehweiden abgeholzt. Eintritt ist frei."

 

Minderheiten im Kosovo: verfolgt, vertrieben, vergessen

11.1.08 / Die GfbV plant für die kommenden Monate Informationsveranstaltungen in loser Folge zur Situation ethnischer und religiöser Minderheiten in aller Welt.

Am 17. Januar 08 um 19 Uhr findet die erste Veranstaltung in dieser Reihe statt: Vortrag und Filmvorführung Minderheiten im Kosovo: verfolgt, vertrieben, vergessen

Was wird aus dem Kosovo? Ein unabhängiger Staat, so wie es sich 90 Prozent der Bevölkerung -- die Kosovo-Albaner -- wünschen, oder eine autonome Provinz, die zum serbischen Staat gehört? Monatelang wurde über diese Frage debattiert. Auch die Repräsentanten der serbischen Bevölkerungsgruppe des Kosovo haben an den Verhandlungen teilgenommen. Doch was aus den Angehörigen der anderen Minderheiten wird, wer ihre Rechte verteidigt und schützt, wurde nicht verhandelt. Nachdem mindestens schon drei Viertel der vor der Nato-Intervention 1999 noch rund 150.000 Roma, Aschkali und "Kosovo-Ägypter" von nationalistischen Albanern vertrieben wurden, fürchten jetzt die letzten Angehörige dieser Volksgruppe, das gleiche Schicksal zu erleiden. Viele von ihnen sitzen schon "auf gepackten Koffern". Wie verzweifelt die Lage der meisten Minderheitenangehörigen tatsächlich ist, wird der Leiter des Kosovo-Teams der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Paul Polansky, am 17. Januar berichten. Gezeigt wird auch sein preisgekrönter Dokumentar-Film "Gypsy Blood". Haus für Haus, Ort für Ort dokumentiert Polansky seit acht Jahren für die GfbV was den Roma, Aschkali und "Ägyptern" im Kosovo widerfährt. Schutzlos in wenigen Enklaven oder Flüchtlingslagern zusammengedrängt, erhalten sie kaum noch humanitäre Hilfe. Der Zugang zum Arbeitsmark, zum Gesundheits- und Sozialwesen sowie zum Bildungssystem bleibt ihnen verwehrt.

 

Neues Bundesbüro der GfbV in der Geiststrasse

Am 22.9.07 erfolgte die offizielle Einweihung des neuen Bundesbüros der Gesellschaft für bedrohte Völker in der Geiststraße 7. Der Kauf des Gebäudes incl. des 1000 qm großen Grundstückes wurde durch großzügige Spende zweier Sponsoren möglich, die zwei Drittel der Kaufsumme aufbrachten. (Wir schätzen mal grob, dass die Kaufsumme ca. 800.000 Euro betragen haben dürfte - Infos liegen dazu nicht vor). Die umgebauten Räume der ehemaligen Kleintierklinik bieten auf zwei Etagen mehrere Büros, einen großen ca. 120 Personen fassenden Veranstaltungsraum und einige Wohnmöglichkeiten für PraktikantInnen der Gesellschaft.

Ansicht des neuen GfbV-Bürogebäudes von der Geiststrasse aus in den Hof

 

Während der Eröffnungsfeier im Hof der Geiststr. 7

Bei der Begrüssung der Gäste am Eröffnungstag hatte der Vorsitzende der Gesellschaft, Tilman Zülch eine lange Liste zu verlesen: u.a. waren der Prudencio Magne Veliz, dem (ersten indigenen) Botschafter der Republik, Chinar Abdullah, Ministerin der Bundesstaates Kurdistan für die Belange der Überlebenden des Genozids im Nordirak und Nimrud Baito Youkhana, dem Tourismusminister des Bundesstaates Kurdistan/Irak, Dr. Christian Schwarz-Schilling, ehemaliger Bundespostminister und "Hoher UN-Repräsentant für Bosnien und Herzegowina" 2006/07. OB Meyer bat die Gäste, sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen.


Bild: Christian Schwarz-Schilling, Tilman Zülch, Vieten

Bei der Einweihungsfeier begegnete uns z.B. auch der ehemalige Stadtdirektor Göttingens Vieten, der Mitglied im Finanzbeirat der GfbV ist und der sich den Dank der GfbV verdient hat als er ihr in einer existentiell gefährdenden finanziellen Krise bei deren Bewältigung geholfen hatte.

 


Bild: Andretta, Oppermann, Meyer, Arndt.

Seitens der Stadt Göttingen waren u.a. neben OB Meyer, Sozialdezernentin Schlapeit-Beck, Frank-Peter Arndt Vorsitzender des Kulturausschusses, MdB Oppermann, SPD Kandidatin Andretta und Dagmar Sarkowsky (Grünes Ratsmitglied) zu sehen.

 


Bild links: größerer Veranstaltungsraum, rechts: Diskussionsgruppe im Zimmer der Presseabteilung

Der Tag der "Offenen Tür" gab Gelegenheit, das Haus kennenzulernen und an verschiedenen thematischen Gesprächen teilzunehmen:

  • Multikulturelles und multireligiöses Kurdistan (u.a. mit Nimrud Youkhana, christlicher assyrischer Minister Irakisch-Kurdistans)
  • Afrika: Darfur stirbt und die Welt schaut zu!
  • Auswirkungen des Klimawandels - mit indigenen Freunden aus Arnerika und Sibirien
  • Asien: China - Menschenrechte und Olympia?
  • Gerechter Frieden für Südosteuropa - mit Frauen aus Srebrenica/Bosnien-Herzegowina und Sprechern aus dem Kosovo
  • Sprachminderheiten in Deutschland - mit Vertretern der Sorben, Friesen und Dänen sowie mit einem Repräsentanten der Russlanddeutschen

 

Benennung des Gebäudes nach Victor Gollanzcz
und ein merkwürdiges Informationsblatt

Der Eröffnungstag lag auf dem Feiertag Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag der diesmal auf den 22 September fiel - ein eher unbeabsichtigeter Zufall, der verhinderte, dass ein eingeladener jüdischer Repräsentant teilnehmen konnte. Das Haus wurde mit der Eröffnung zum "Victor Gollancz-Haus" benannt. Victor Gollancz, geb. 1893 war ein jüdischer Verleger in England, im GfbV-Infoblatt als "radikaler Humanist" benannt, der schon 1933 minutiös die Verbrechen von Hitler dokumentierte als noch viele Regierungen mit Hitler diplomatischen Umgang pflegten. In dem Info-Blatt der GfbV wird darüberhinaus aber ausführlich berichtet, dass Victor Gollancz sich auch für die humane Behandlung der deutschen Zivilbevölkerung nach 1945 einsetzte: "nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wandte er sich leidenschaftlich gegen die Kollektivschuld der Deutschen, führte Kampagnen gegen den Hunger und veruteilte die Massenvertreibungen". Ebenso wird im Infoblatt darauf hingewiesen und ausführlich zitiert, wie er die Brutaltiät in der Vertreibung der Deutschen und die "Situation sudetendeutscher Häftlinge in einem tschechischen KZ geschildert" hat.

Diese Darstellungen legen einen Bezug zur Diskussion um ein "Zentrum für Vertreibung" nahe. das Der Bund der Vertriebenen hatte sich für die Errichtung eines solchen Zentrum in Berlin ausgesprochen und dies wurde dann vom Generalsekretär der GfbV Tilman Zülch unterstützt. Dies hatte zu vehementer Kritik geführt.
Wenn mit der Inanspruchnahme der Erinnerung an Victor Gollancz als Jude, Gegner von Faschismus und Nationalismus, Humanist und Verfechter der Menschenrechte dessen Thematisierung von Vertreibungen der Deutschen nach 1945 derart hervorgehoben wird, drängt sich die Überlegung auf, dass damit unausgesprochen eine flankierende Legitimation der Position Zülchs in Bezug auf das "Zentrum für Vertreibung" erfolgen soll.

Siehe hierzu auch den Konflikt Antifa - GfbV im Jahre 2003. Im selben Jahr entstand auch der Text zu dem Infoblatt als die GfbV damals einen Victor-Gollancz-Menschenrechtspreis erstmalig ausrief.

Offener Brief der GfbV zum Afghanistan-Sonderparteitag der Grünen
GfbV für appelliert an die Grünen, für ISAF,OEF und Tornados zu stimmen

Beim Sonderparteitag der Grünen in Göttingen veröffentlichte die GfbV einen Offenen Brief an die Delegierten und forderten "Die Menschenrechtler appellierten (..) an die anreisenden Delegierten, für eine Fortsetzung des ISAF-Einsatz zu stimmen". Wörtlich heisst es darin u.a. "Ohne Sicherheit gibt es keinen Wiederaufbau. Ohne Wiederaufbau werden Krieg und Gewalt eskalieren. Daher muss der ISAF-Einsatz fortgeführt werden. Auch der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Joschka Fischers Weggefährte Tom Koenigs, warnt vor den unabsehbaren Folgen eines ISAF-Abzugs. Doch eine Kurskorrektur ist notwendig, um dieses Engagement glaubwürdiger zu machen. (...) Beim Einsatz ausländischer Soldaten wird schon lange nicht mehr zwischen ISAF und dem Antiterror-Einsatz Operation Enduring Freedom (OEF) unterschieden. Daher macht es wenig Sinn, nur das ISAF-Mandat zu verlängern und dem OEF die Zustimmung zu verweigern. " (unterschrieben von Generalsekretär Tilman Zülch)
Zwar werden diese Apelle eingekleidet in die Forderung dass gleichzeitig alles anders werden müsse, aber Fakt bleibt der Aufruf, dass die Grünen dafür stimmen sollen.

 

Info-Aktion vor Jacobikirche : Hilfe für Kindersoldaten in Uganda

Am Mittwochnachmittag (30.11.05) fand bundesweit in verschiedenen Städten die Weihnachtsaktion der Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker statt, so auch in Göttingen. Das diesjährige Thema war die Flucht ugandischer Kinder vor der Zwangsrekrutierung durch Rebellentrupps. In Uganda werden Kinder entführt, misshandelt und gezwungen, als Soldaten zu kämpfen. Um diesem Schicksal zu entgehen, machen sich Abend für Abend Kinder in Scharen auf den Weg in größere Städte, um die Nacht dort zu verbringen, weil die Rebellentrupps nachts ihre Dörfer überfallen.


Infoaktion zur Situation der Kindersoldaten in Uganda

Auf diese "Märsche" möchte die Gesellschaft für bedrohte Völker aufmerksam machen und appelliert mit einer Postkartenaktion an die EU, sich für die Kinder in Uganda einzusetzen. In der Göttinger Innenstadt vor der Jakobi-Kirche wurde ein symbolisches Nachtlager errichtet, mit afrikanischer Musik und einer Videopräsentation wurden Passanten neugierig gemacht. Trotz Eiseskälte und Konkurrenz durch die Attraktionen des Weihnachtsmarkts fand die Aktion Aufmerksamkeit, es wurde großzügig gespendet und vor allem konnten viele Unterschriften für die Postkartenaktion gesammet werden. Filmempfehlung zu dieser Thematik: "Lost Children"


Protest gegen die Vergiftung des Trinkwassers der Mapuche-Indianer in Chile

13.4.05 informierte die GfbV im Rahmen der Aktionswoche "Für globale Gerechtigkeit" mit Flugblättern und szenischen Darstellungen über das Schicksal der Mapuche Indianer in Chile . Die Aktion konnte nicht wie vorgesehen auf dem Marktplatz durchgeführt werden sondern wurde von den Ordnungsbehörden an die Jacobikirche verschoben.
Infotext der GfbV zu der Aktion: "Das indigene Volk der Mapuche (Mapu=Erde; Che=Leute) in Chile hat im Zuge der massiven Subventionierung der Holzwirtschaft bis jetzt mehr als 70 Prozent ihres historischen Territoriums, was rund 1,4 Mio. Hektar entspricht, verloren. Vor allem transnationale Konzerne wie Mininco und Bosques Arauco S.A. holzen die Urwälder ab und ersetzen sie durch Monokulturen aus Kiefern und Eukalyptus. Die Folgen sind Bodenerosion und Verseuchung des Grundwassers durch den Einsatz von Pestiziden.


Die Vergiftung des Trinwassers der Mapuche-Indianer durch Profiteure der Holzindustrie wird von den vier Personen links in Szene gesetzt. Der vergiftete Fluß wird durch eine blaue Plastikplane symbolisiert aus dem die Mapuche trinken müssen..

Für die 350 000 der 1 Million chilenischen Mapuche bedeutet die Zerstörung ihres Lebensraumes die Entstehung sozialer und ökonomischer Probleme. Neue Arbeitsplätze werden dadurch kaum geschaffen, ganz im Gegensatz dazu werden die Wirtschaftsmöglichkeiten der Mapuche- Bauern drastisch eingeschränkt. Dieses Vorgehen der Forstunternehmen zwingt die Mapuche dazu durch Landbesetzungen ihre historischen Ansprüche auf das Land geltend zu machen. Der chilenische Staat unterdrückt in der Folge jede Bewegung mit Hilfe der Justiz, der Polizei und zunehmend auch paramilitärische Kräfte. Während die USA und die EU mit neuen Handelsabkommen politisch und finanziell in die Expansion der Forstproduktion in Chile investieren, fordern die Mapuche Schutz von Primärwäldern und die Einführung von Restriktionen für die Anlage von Monokulturen für die Holzproduktion."

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