Goettinger Stadtinfo
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Kriegsende


Gedenken an das Kriegsende 8.5.1945 am 8.5.2011 (foto: stephan knoblauch)

Militärischer Angriff auf Göttingen einen Monat vor Kriegsende 8.4.1945
Den Militärs in Göttingen war am Abend des 7.4.1945 klar, dass Göttingen nicht gegen die von Südwesten anrückenden Amerikaner gehalten werden konnte. Die Vertreter der NSDAP in Göttingen verlangten trotzdem durchzuhalten bis zum letzten aber der verlogene NSDAP-Kreisleiter selbst flüchtete nach seinem letzten Aufruf zum Durchhalten in der Nacht zum 8.4.1945 heimlich Richtung Waake.
Morgens am 8.4. heulten in Göttingen die Luftschutzsirenen. Im Raum 39 des städtischen Museums ist eine ganze Wand mit einer vergrößerten Luftaufnahme des 8.4.1945 versehen, wo man die Bombentrichter rund um den Bahnhof und in der Weststadt erkennen kann und im Bereich des Flugplatzes (Grätzelstraße) Rauch aufsteigt.
Mittags begannen die Amerikaner die Stadt vom Westen her mit Artillerie unter Beschuß zu nehmen. Erstes Ziel war der Luftschutz-Befehlsstand in der Merkelstraße 4, danach ging ein weiterer Beschuß im Ostviertel nieder bei dem u.a. die Pauluskirche beschädigt wurde. Kurze Zeit darauf gab der Kommandant der Armee seinen Kommandostand auf dem Hainberg auf. Damit war die Stadt offen für den Einmarsch der Amerikaner. Nun mußte möglichst schnell die Übergabe der Stadt vollzogen werden, um den Artilleriebeschuß zu stoppen.
Die Amerikaner hatten bereits den Marktplatz erreicht aber die Stadt war menschenleer, die Bevölkerung stand nicht in den Straßen und feierte die Befreiung, kein Wunder, war Göttingen doch eine Hochburg der NSDAP gewesen, in der die erste nationalsozialistische Buchhandlung Norddeutschlands schon in den 20er Jahren antisemitische Propaganda unters Volk brachte (Völkische Buchhandlung, Paulinerstr. 11). und wo bei den Wahlen 1930 die Nazis schon 37,8 % bekamen während sie überregional im Durchschnitt nur bei 18,3% lagen.

Die Übergabe der Stadt an die Amerikaner
"Oberbürgermeister Albert Gnade, SS-Standartenführer und Träger des von Himmler persönlich überreichten SS-Totenkopfringes, mußte die Stadt den anrückenden amerikanischen Truppen übergeben. Zu diesem Zweck fuhr er ihnen am 8. April gegen 12.30 Uhr, zusammen mit Stadtrechtsrat Schwetge, Amtsgerichtsrat Schmidt und Prof. Baumgarten als Dolmetscher, mit einer weißen Fahne gewappnet, entgegen. Zuvor war es aufgrund des zögerlichen Verhaltens des OBs zur Beschießung des Ostviertels gekommen" (Dokumentation der Göttinger Geschichtswerkstatt)
Oberbürgermeister Gnade fuhr mit zwei weiteren Vertretern der Stadt und einem Dolmetscher vom Luftschutzbunker zum Rathaus und übergab die Stadt der Befehlsgewalt eines amerikanischen Oberst. Das Protokoll der ersten "Übersprechung" ist im Städtischen Museum als Faksimile dokumentiert. Unten einen Auszug daraus:

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Foto eines Exponates des Städtischen Museum (Ausschnitt)

Transscript:: "Beim Verlassen dieser Kontor werden Sie volgende Schritte unternehmen um 1. Alle NSDAP Beampten zu verhaften, 2. Allen Schulen, Gerichten, Museum, Postampten und banken zuzumachen, 3. Allel Zeitungen, Theatern, Kinos und Rundfunkstellen zuzuschließen, 4. Der Bewegung Alle Autoverkehr und Lieferung von von Betriebstoff aufzuhören, 5. Alle Polizei, Regierung und NSDAP Dokumenten zu ergreifen." (Die Rechtschreibfehler wurden vom Original übernommen). Die Stadt wurde dann erst am 11 April auch von Oberbürgermeister-Nazi Gnade befreit, er wurde seines Amtes enthoben.


Foto eines Exponates des Städtischen Museum

Versammlung vor dem Deutschen Theater, an dem Flaggen der NSDAP angebracht sind. Im Publikum vorne links ein SA-Mann, rechts ein Mädchen in BDM-Tracht und Militär zu erkennen.

Diese und ähnliche Bilder sind im Städtischen Museum im Raum Nr. 38 zu finden.

 

 

ISK: Göttinger Widerstand rief zu Aktion und Sabotage gegen die Nazis auf

22.5.08 / Der "Internationale Sozialistische Kampfbund" ISK war eine der wenigen wirklich effektiven Widerstandsgruppen. Der Göttinger Philosoph Leonard Nelson war maßgeblich an der Gründung in Göttingen beteiligt. Zu seinen Ehren ist die Leonard-Nelson-Straße nach ihm benannt, eine kleine Seitenstraße des Kreuzbergringes kurz vor der Kreuzung Nikoweg. Die ISK in Göttingen ist außerdem verbunden mit den Namen Minna Specht und Willi Eichler (Nach dem eine Straße im Industriegebiet benannt ist) und Heinrich Düker . In Göttingen gab es eine Gruppe von ca 15 Widerstandskämpfern, die nach 1933 nur noch im Untergrund arbeiteten. Sie machten z.B. Propaganda mithilfe eines präparierten Koffers, den sie zum Bedrucken des Pflasters abstellten woraufhin ein Stempel den Schriftzug "Nieder mit Hitler" zurückließ und verteilten sogenannte Streuzettel .1936 wurden 14 Mitglieder des ISK in Göttingen von der Gestapo verhaftet: Fritz Körber, Heinrich Westernhagen, Heinrich Oberdieck, Hermann Dettmer, Heinrich Düker, Gustav Funke, Friedrich Henze, August Bartels, Alma Böhme, Willi Macke, Oskar Schmitt, Heinrich Schütz, Karl Probst und Wilhelm Wahle.

In der Ausstellung "…und euch zum Trotz" , die zur Erinnerung an die Bücherverbrennung vor 75 Jahren in Göttingen zur Zeit im Alten Rathaus der Stadt gezeigt wird, ist jetzt auch die Totenmaske Leonard Nelsons zu sehen, die 1933 vor dem Zugriff der Nationalsozialisten versteckt worden war. Der Göttinger Philosoph Nelson war Gründer des später verbotenen "Internationalen Sozialistischen Kampfbundes" (ISK). Die Existenz seiner Totenmaske war bislang unbekannt. Eine Göttinger Bürgerin hat die Maske - vermutlich ein Unikat - jetzt mit einer Reihe höchst seltener, 1933 verbotener und verbrannter ISK - Publikationen für die Ausstellung zur Verfügung gestellt, wo sie seit dem 20. Mai gezeigt wird.



Exponat des Städtischen Museums

ISK-Propaganda mit beachtilicher Deutlichkeit

Streuzettel der in Göttingen gegründeten ISK, die aus dem Untergrund heraus gegen die Nazis kämpfte und mit diesen Streuzetteln zur Sabotage sowie zur Ermordung Hitlers aufriefen.

Diese Streuzettel sind Bestandteil der Dokumentation des Städtischen Museums im Raum 39

Bemerkenswert, dass ISK-Mitglied Heinrich Düker der diese Streuzettel verteilte OB von Göttingen wurde! Er überlebte nur knapp die Haft im KZ Sachsenhausen und wurde der erste Göttinger Oberbürgermeister 1945-1947, er ist Ehrenbürger der Stadt Göttingen.


Exponate des Städtischen Museum

Bücherverbrennung und ISK

Pressemitteilung 21.5.08 Stadt Göttingen: "Als die Nationalsozialisten im Vorfeld der Bücherverbrennung im April und Mai 1933 systematisch Buchhandlungen und Privatbibliotheken nach "undeutscher und staatsfeindlicher Literatur" durchsuchten, konzentrierten sich viele ihrer Aktionen in Göttingen auf die Mitglieder des »Internationalen Sozialistischen Kampfbundes« (ISK), dem zahlreiche namhafte Regimegegner angehörten. Auf dem Foto des Bücherscheiterhaufens, der auf dem damaligen Adolf-Hitler-Platz am 10. Mai entzündet wurde, sind viele Werke des ISK zu erkennen. Nach 1933 bildete der (verbotene) ISK im Reich und im Exil eines der wichtigen Netzwerke des Widerstands gegen Hitler-Deutschland.
In Göttingen war der ISK besonders einflussreich, weil diese pazifistische Organisation vom Göttinger Philosophen Leonard Nelson (1882 - 1927) gegründet worden ist. Ein Göttinger Buchhändler, dessen Geschäft von den Plünderungen der SA betroffen war und dessen Buchhandlung zeitweise geschlossen wurde, weil er den Hitler-Gruß verweigerte, hat 1933 unter Lebensgefahr einen erheblichen Bestand von ISK - Schriften vor den Nazis versteckt. Aus seinem Exil in England und Dänemark brachte er eine in Bronze gegossene Totenmaske Leonard Nelsons zurück nach Göttingen. Sie war ebenfalls dem Zugriff der Nazis entzogen worden. "

Die Gruppe ISK wird hier als "pazifistisch" bezeichnet. Mit einem Flugzettel fordert sie zur Tötung des Tyrannen Hitler auf - dies stellt wohl eindeutig einen "Aufruf zur Gewalt" dar. Der Frage des bewaffneten Widerstandsrechtes gegen den faschistischen Dikator scheint man hier auszuweichen. Das Widerstandsrecht im Grundgesetz ist jedoch auf diese Erfahrungen zurückzuführen.

Quellen:

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2010 Gedenken an das Kriegsende 8.5.1945 - 2010


Am 8. Mai wurde von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) ein Kranz niedergelegt am Gedenkstein der Zwangsarbeit neben dem Arbeitsamt

Im Albaniviertel wurde am 8. Mai im Rahmen des Büchertages an die Bücherverbrennung der Nazis erinnert

Am 8.5.2010 jährte sich zum 65 mal das Ende des Hitler-Faschismus. Dazu fand vor dem Alten Rathaus in Göttingen eine Gedenkveranstaltung statt. Diese begann um 11 Uhr. Der sich vor dem Infostand. Es gab Rede- und Musikbeträge. Um 13 Uhr erfolgte ein Demozug durch die Innenstadt zum Mahnmal für die Zwangsarbeiter_innen an der Lokhalle. Hier fand eine Kranzniederlegung von Verdi und VVN statt. Gegen Ende der Kranzniederlegung wurde gemeinsam das Lied: Die Moorsoldaten gesungen.