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Nazidemo verhindert 29.10.05

> Überblicksseite gegen Rechtsradikalismus

> Berichte zur Zeit vor dem 29.10.05
> Es gab am 31.10. etliche Presserklärungen zu dem Thema

Göttingen 29.10.05: Schätzungsweise 4000 Menschen stellten sich der geplanten Demonstration von NPD und faschistischen Kameradschaftenin den Weg. Dies ist eine grobe Schätzung, da kleine Gruppen der GegendemonstrantInnen in der ganzen Stadt verteilt waren. Andere Schätzungen sprechen von 5000 oder gar 6000 GegendemonstrantInnen. Die Teilnehmerschaft der Nazidemo konnte man bei ihrer Kundgebung am Weender Tor schnell durchzählen: es waren 217 Personen.


Blick auf die große Zahl von Menschen, die am Bahnhof gegen die Nazidemo protestieren.


Weender Landstraße - die Nazis umringt von GegendemonstrantInnen, geschützt von Polizei


nach offiziellen Polizeiangaben wurden 3.800 PolizistInnen eingesetzt.


NPD-Lautsprecherwagen, Block der Kameradschaften beim Abmarsch am Bahnhof

Unter dem Deckmantel der NPD dürfen auch nationalsozialistische Kameradschaften von Polizisten geschützt demonstrieren. Auf der Polizeipressekonferenz wurde auch darauf hingewiesen, dass in den Reihen der NPD-Demo Nazi-Schlägertrupps eingeordnet waren.

Bereits am Weender Tor saß die Demo fest. Zum Schutz der Nazidemo standen auch 3 Wasserwerfer und Räumfahrzeuge bereit. Die Polizei leitete die Demonstration wegen des Widerstandes auf dem kürzesten Weg über Güterbahnhofstraße, Maschmühlenweg und Berliner Straße wieder zurück zum Bahnhof . >Route


Am Weender Tor

Der NPD-Sprecher im Lautsprecherwagen beschwerte sich über den Lärm der Gegendemonstration und rief: "Wir fordern die Polizei auf, dafür zu sorgen, dass dieser Lärm aufhört, damit wir unser Recht auf diese Kundgebung durchsetzen können".


GegendemonstrantInnen am Weender Tor, von der Polizei mit Sperrgittern zurückgehalten.

An der Kreuzung Nikolausberger Weg, Goßler Straße blockierte eine Barrikade die Straße, deshalb konnte die NPD-demo nicht weiter den Nikolausberger Weg hochziehen. Feuerwehr, ein Räumfahrzeug der Polizei und Wasserwerfer versuchten die Kreuzung wieder passierbar zu machen.


Kreuzung Gosslerstraße / Nikolausberger Weg


Polizeieinsatzfahrzeuge im Nikolausberger Weg

Allein der Spritverbrauch für die Polizei aus Aachen, Gelsenkirchen, Bayern, Wiesbaden, Hannover und Braunschweig dürfte zig Tausende Euro gekostet haben. Die Kosten für den gesamten Einsatz lagen schätzungsweise bei mindestens 65.000 Euro (ohne den Zeitaufwand von 3800 PolizistInnen geldwert zu berechnen).Trotz dieses massiven Einsatzes kündigte der NPD-Sprecher auf der Demonstration an, man würde gegen die Polizei Strafanzeige stellen, weil sie nicht die Demoroute freigemacht habe. Die Polizei wies später noch einmal darauf hin, dass es einfach zu viele Gegendemonstranten gegeben habe und sie nicht länger die Sicherheit der NPD-Demo habe schützen können, weil die Situation eskalierte.

Verletzte auf Seiten der Gegendemonstranten infolge von Polizeieinsätzen:

"Der Ermittlungsausschuss der Roten Hilfe teilte mit, dass im Laufe des Tages mindestens 44 AntifaschistInnen in Gewahrsam genommen wurden, mindestens 13 GegendemonstrantInnen wurden festgenommen. Auch nach Ende der Veranstaltungen macht die Polizei gegenwärtig Jagd auf AntifaschistInnen in der Stadt. Scharf kritisierte die A.L.I. das martialische und teils brutale Auftreten der Polizei, in Folge dessen es zu zahlreichen Verletzten kam." (Pressemitteilung der ALI am 29.10.)

Entlang der geplanten Route gab es Barrikaden, Brände und Straßenblockaden


an der Turm-Mensa in der Goßler Straße


in der Humboldtallee - links im Bild schwarzgekleidete Polizeibeamte (vermutlich SEK)
Nachtrag: Hier machte uns eine Leser aus HH darauf aufmerksam dass es um eine gesonderte Gruppe die erstmal als USK auftrat. USK steht für Unterstützungskommando. Es wurde gegründet, um die Spezialeinsatzkommandos (SEK) / mobile Einsatzkommandos (MEK) in gewissen Lagen zu entlasten, allerdings kommt es unter dieser Bezeichnung nur in Bayern vor, in den übrigen Bundesländern wird diese Arbeit von BFH`s Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaften oder BFE`s Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten übernommen.

Während entlang der geplanten NPD-Route Barrikaden errichtet wurden, lief die Kundgebung am Platz der Synagoge wo z.B. darauf hingewiesen wurde, dass sich Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bei der Aufnahme in den Völkerbund dazu verpflichtet habe, nie wieder nationalsozialistische Gruppen zuzulassen.

Die Stadtverwaltung Göttingens und die Verwaltungsgerichte hatten die Demo zugelassen, weil sie keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sahen und die NPD keine verbotene Partei ist. Die NPD hat bereits angekündigt, dass sie baldmöglichst die nächste Demonstration anmelden will.


AM RANDE

Neben der oben abgebildeten brennenden Barrikade schüttete jemand Wasser über ein nahe abgestelltes Auto. Auf den Vorschlag, das Auto doch wegzufahren antwortete er: ich habe doch gar keinen Schlüssel dafür, das ist nicht mein Auto, ich sorge nur dafür, dass es nicht beschädigt wird.

Verantwortungsvolle NazigegnerInnen und Demoteilnehmer gingen zu RadfahrerInnen und erklärten ihnen, dass die vor ihnen stehenden Menschen bei panischer Flucht vor Polizisten über die Fahrräder stürzen und verletzt werden können, weil die Radfahrer nicht schnell genug starten können und von den Menschen überrannt werden und hinfallen.

Einer, der nach eigenem Bekunden noch nie in seinem Leben auf einer Demonstration war hatte sich mit wenigen anderen zur Blockade auf eine Kreuzung gesetzt. Er meinte, wenn die rechtlichen Mittel nicht richtig angewendet würden, um das Auftreten von Nazis zu verhindern, dann müsse man eben selbst dafür sorgen. Er wurde weggeräumt und erhielt einen Platzverweis - auch das erste Mal in seinem Leben.

An der Unterführung der Hildebrandtstr. zur Güterbahnhofstraße -während einer völlig entspannten Situation an dieser Stelle - fiel ein Radfahrer offensichtlich ohne äußere Einwirkung mit dem Fahrrad um und lag für Momente bewußtlos auf der Straße. Mehrer Polizisten trugen ihn sofort von der Straße auf einen schmalen Grünstreifen. Kurz darauf kam der Radfahrer wieder zu Bewußtsein.

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