| Literarisches Zentrum - Programm Februar bis Juli 2012 8. März Donnerstag 20 Uhr Steven Uhly "Identitäten auf Speed" Das Buch beschreibt das, was später wirklich passierte und man hielt ihn für einen "Wahrsager": Geheimdienstler wechseln über zur Naziszene - aber er hatte nur verarbeitet, was schon einmal passiert war und was andere vergessen hatten. VVK € 6/8 - AK € 7/9 Ticket (Gespräch Steven Uhly (München) mit dem Literaturwissenschaftler Heinz Drügh, Frankfurt) | ||||
| 13. März Dienstag 20 Uhr Krisitin Schulz (Berlin) "MÜLLER MP3" , Heiner Müller hatte etwas zu sagen - Nachdem durch sein Tod auch seine Stimme verschwand ein Verlag nun mit einem "Mammut-Werk" sämtliche verfügbare Tondokumente, d.h. 36 Stunden audios mit O-Ton-Material von Interviews, Diskussionen, Reden herausgebracht. Literarisches Zentrum, Göttingen VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket - Gespräche Kristin Schulz mit Torsten Hoffmann (Frankfurt/Main) | ||||
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23. März Freitag 20 Uhr Mark Z. Danielewski "Die Revolution der Revolutionen" (Engl. Titel 2006 : "Only Revolutions") : Im März 2012 erscheint die Road-Novelle in deutscher Übersetzung und hat Deutschlandpremiere im Literarischen Zentrum. Danielewski bezeichnete im Interview das Übersetzungsvorhaben als eine Herausforderung, es sei ein schwieriges Buch. Hervorgehoben wurde bei der Vorstellung die Methode, dass die Geschichte aus zwei verschiedenen Blickwinkeln der beiden Hauptfiguren erzählt wird. Das englischsprachige Exemplar wechselt auch in der Textrichtung und muß mittendrin umgedrecht werden. VVK € 6/8 AK € 7/9 Ticket | ||||
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20. April Freitag 20 Uhr Felicitas Hoppe »Hoppe« - kein Druckfehler, sondern Feliciatas Hoppe erfindet eine Hoppe nach eigenem Gusto - und konstruiert eine Biografie nach Belieben. VVK € 7/9 AK € 8/10 Ticket | ||||
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26. April Donnerstag 20 Uhr Michail Schischkin - Nun also wird sie nachgeholt. "Das verlorene Paradies" Eigentlich hätte Michail Schischkin ja bereits im vergangenen November in Göttingen sein sollen, aber just zu dem Termin musste er wieder einmal einen großen russischen Literaturpreis in Empfang nehmen.VVK € 7/9 AK € 8/10 Ticket | ||||
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11. Mai Freitag 20 Uhr Barbara Köhler »Neufundland« Barbara Köhler lesen zu hören und sie das eigene Sprechen dirigieren zu sehen, versetzt Ohren, Augen und Hirn sofort in den Zustand maximaler Wachheit VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket | ||||
| 24. Mai Donnerstag 20 Uhr Alexander Nitzberg Daniil Charms Charms ist – folgt man seinem Selbstzeugnis – »wie alle, nur besser!« Die Bestenlisten hierzulande sehen das ähnlich und führen die von Alexander Nitzberg und Beate Rausch besorgte Neuübersetzung seines ...VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket | ||||
| 30. Mai Mittwoch 20 Uhr Judith Zander »Dinge, die wir heute sagten« Mit feinstem Sprachgefühl erweckt Judith Zander in ihrem Debütroman ein fiktives Dorf in Mecklenburg-Vorpommern zum Leben, VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket | ||||
| 1. Juni Freitag 19 Uhr Frank Schulz »Onno Viets und der Irre vom Kiez« Die Göttinger Universität wird in diesem Jahr 275 Jahre alt und feiert dies mit einem »Kulturtag« . Das LitZentrum beteiligt sich mit dieser Veranstaltung im Zentrales Hörsaalgebäude ZHG, Hörsaal 007 ,Eintritt frei! | ||||
| 6. Juni Mittwoch 20 Uhr Friedrich Buchmayr, Lena Einhorn , Björn Meidal und Elisabeth Romare Strindberg und die Frauen August Strindberg, der als experimenteller Dramatiker, Romanautor, Lyriker, Bildkünstler und Essayist international für Furore gesorgt hat, gilt leider auch als ausgemachter Frauenhasser. .(VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket | ||||
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11. Juni Montag 20 Uhr Philippe Claudel "Kafka bei der Télécom" VVK € 6/8 AK € 7/9 Ticket | ||||
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14. Juni Donnerstag 19 Uhr Susanna Schwager HAUSBESUCH XII »Das volle Leben« Mit der Schweizer Autorin Susanna Schwager geht die Reihe »Das Alter in der Literatur« in die dritte Runde: Spielstätte ist diesmal die Alten-WG Am Goldgraben. VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket | ||||
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23. Juni Samstag 20 Uhr Hands up- Excitement! und Tino Hanekamp Sommerfest 2012 Diesmal nicht zum Saisonausklang, sondern zum Sommeranfang schmeißt das Zentrum eine Party! Und wieder kapern wir Räume und Garten unsres Nachbarn der Galerie Ahlers Kinderprogramm VVK € 4/6 AK €5/7 Abendprogramm VVK € 9/11 AK €10/12 Ticket | ||||
| 26. Juni Dienstag 20 Uhr Julia Fischer "Können Affen dichten?" Auf die Frage ihrer Ausbilderin Maureen, wann ein Affe sterben müsse, soll die Gorilladame Koko gestikuliert haben: »Problem alt«! VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket | ||||
| 10. Juli Dienstag 20 Uhr Patrick Roth »Sunrise« Seit Beginn der 2000er beobachten Philosophen und Sozialwissenschaftler etwas, das sie die »Wiederkehr der Religion(en)« nennen. | ||||
(Unter-) Programm "Literatur macht Schule"
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Steuerung
des Buchmarktes mit dem Hauptziel Geldverdienen? 20.1.12 / Die Buchhandelsketten von Thalia, Bertelsmann (Weltbild) Hugendubel, verdrängen die klassischen kleineren Buchläden (siehe >goest-Artikel zur Situation in Göttingen). Das Literarische Zentrum beschäftigt sich am 26. Januar mit diesem Thema darüberhinaus auch mit der Frage welche Bücher in diesem Prozess noch Chancen haben, auf den Markt zu kommen. Die Mystifizierung, dass die völlige Unterwerfung der Buchproduktion und -distribution unter Kapitalgewinninteressen mit der "ordnenden Hand" des Marktes zu legitimieren sein könnte wird am 3. Februar dann hoffentlich mit Joseph Vogl bei der Diskussion seines Buches "Gespenst des Kapitals" entzaubert, wenn er den Glaube an den Markt als pure Ideologie erschüttert. Angelika Barth, Michael Buchmann und Christian Rößner Literaturverteiler. Orte, Medien, Akteure im literarischen Leben. No. 3: Der Buchmarkt 26. Januar 2012 Donnerstag 20:00 Uhr (Diskussionsveranstaltung) Literarisches Zentrum, Göttingen VVK € 5/7 AK € 6/8 "Wer entscheidet eigentlich darüber, welche Bücher stapelweise in den Buchhandlungen ausliegen und welche es nur - wenn überhaupt - ins hinterste Regal schaffen? Wieso ist das Sortiment in den Läden während der letzten Jahre so massiv geschrumpft? Was hat sich währenddessen in den Verlagen verändert? Bei Bertelsmann wird mittlerweile angeblich von der »Todeszone« gesprochen, wenn der Gewinn unter 10% liegt. Sind die Umwälzungen tatsächlich so massiv, dass wir uns um die Überlebenschancen der Literatur sorgen müssen? Oder reden so nur die Nostalgiker und Schwarzseher? Auf unserem Podium diskutiert die Key Account Managerin des Suhrkamp Verlags, Angelika Barth, mit dem Literaturbetriebs- und Buchhandelsspezialisten Michael Buchmann, und dem Unternehmensberater Christian Rößner, der lange Jahre Führungskraft bei Thalia war. Es moderiert der Literaturwissenschaftler und gelernte Buchhändler Matthias Beilein." |
| Patrick Bahners Streitschrift "Die Panikmacher" Eindrücke
von der Veranstaltung goest, 11.10.11 /
Aber das Interessanteste am Abend war nicht die Islamdebatte inhaltlich. Interessant war es, die Methode Patrick Bahners zu erleben. Er ist seit 10 Jahren Chef des FAZ-Feuilletons. Und es gab folgenden Wiedererkennungseffekt: der Feuilletonchef spricht so gedrechselt wie es mehrfach in den Artikeln der FAZ zu finden ist. Die Moderatorin bereitete das Publikum auf den Sprachstil Bahners vor mit den Worten: "Seine Worte sind nicht "eindampfbar" wie das z.B. für Berichterstattungen im Fernsehen notwendig sei. Ja - er differenziert, beschreibt genau, argumentiert genau ... aber verliert sich gelegentlich derart in feine und noch feinere Bestimmungen, die er in den x-ten Nebensatz einschieben muß, so daß am Ende schwerfällt den Blick auf die zentrale Aussage des Satzes gerichtet zu halten. Einmal hat er tatsächlich 5 Nebensätze eingebaut. Also ganz FAZ-Stil.
Das extreme Differenzierungsbemühen Bahners ist wirklich erlebenswert. So nimmt er die Texte der deutschtürkischen Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek auf interessante Weise auseinander ("Die fremde Braut"). Sie berufe sich auf Empirie aber es handele sich dabei um typische Mischung von Fakten und autobiografischer Positionsbestimmung. Die Islamkritik bediene sich des Narrativs und diese "Erzählende Momente erzeugen Wirksamkeit". Nun demonstriert Bahners die Stärke der minutiösen Differenzierung indem er die Erzählungen Keleks streng logisch auf den Prüfstand stellt und aufzeigt, wo es einfach nicht stimmen kann was da erzählt wird. Anfangs hatte er das anschauliche Beispiel des Kopftuchverbots dargestellt. Die um das Kopftuchverbot herum brodelnden Meinungen und Erwägungen analysiert er unter der Überschrift "Hermeneutik des Verdachts". Und auch hier wieder die minutiöse Analyse kleiner und kleinster Aspekte bzw. häufig übersehener Aspekte. Dies führt dazu, dass er eine Sache höchst genau unter die Lupe nimmt und es dadurch gelingt das nicht argumentativ begründete als Ideologie und "wahnhaften Zug der Kopftuchdebatte" zu entlarven. Die GegnerInnen Bahners haben auf diesem Feld der hochdifferenzierten Argumentation im Kleinen wenig Chance gegen ihn und machen ihm auf einem ganz anderen Feld Vorwürfe: Er würde den großen Rahmen nicht sehen in dem das stattfände. Er vergäße al-Qaida, die Selbstmordattentäter, Hassprediger und Frauenunterdrückung. Bahners aber beharrt darauf, dass er die Sachverhalte anhand "unserer Werte" im Kleinen beharrlich durchdekliniert. Ein Beispiel: Wenn moniert werde, dass ein schweigend getragenes Kopftuch Kinder in einen inneren Widerspruch brächte, was sei dann mit jenen Kindern, deren Mutter zuhause ein Kopftuch trage, Frauen der gleichen Glaubensrichtung aber in der Schule als Lehrerin keines tragen dürften? Die radikale Verfolgung der Werte im Kleinen zeigt hier auf entlarvende Weise die Widersprüche dieser Kinder auf. Bahner nimmt also die Werte in der Kindererziehung ernster, universeller ernst. Ankündigungstext des Literarischen Zentrums: Patrick Bahners Streitschrift Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam ist das Gegengewicht zur inzwischen fast salonfähigen sarrazinschen Untergangspolemik. (Diskussionsveranstaltung). In seinem »Meisterwerk der Aufklärung« (SZ) prüft er unaufgeregt und sachlich die Argumente der sogenannten Islamkritiker. Er rückt Statistiken und Zahlen ins richtige Licht und durchbricht ein geschlossenes Denksystem, das sich vor allem aus Vorurteilen speist. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Verharmlosung des islamischen Fundamentalismus, wohl aber um eine Anklage des Generalverdachts gegenüber Muslimen. (Veranstaltung am 10.10.11) Randnotiz
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Ankündigungstext Literarisches Zentrum: Gerhard Kaiser, Klaus Modick und Rainer Moritz Die Lesebühne 4. Juli 2011 Montag 20:00 Uhr (Diskussionsveranstaltung) In den letzten Jahrzehnten haben Literaturveranstaltungen enorm an Bedeutung gewonnen: für Autoren, für Verlage – und nicht zuletzt für den Leser. Höchste Zeit also nachzufragen, was diese ›Eventisierung‹ mit der Literatur anstellt. Lesen wir anders, wenn wir den Autor haben lesen und reden hören? Schreibt man anders, wenn die Lesereise bereits im Kalender steht? Und braucht das Buch im ökonomischen Zeitalter vielleicht einfach die flankierende Personality-Show? Es debattieren Leute, die sich auskennen:
Eventisierung - Inszenierung oder einfacher: Das Buch als Ware / G. Schäfer 8.7.11 / 9.7.11 / Die Ankündigung war also noch mit kritischen Fragen bestückt wie "Braucht das Buch im ökonomischen Zeitalter etwa immer eine flankierende Personality-Show?" Dann aber zog sich die Rechtfertigung der Inszenierung von Literatur schlängelnd durch die Veranstaltung. Gerhard Kaiser von der Göttinger Uni bemühte ein Zitat Schillers zu den "Räubern" (es handelte sich wohl um die "Vorrede" zu "Die Räuber") die er als Beleg für die selbstverständlich immer schon existierende Inszenierung von Literatur anführte, "Literatur war schon immer Eventisierung". Und Rainer Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses stellte in den Raum: jede Lesung auch die schlichte "Wasserglas-Lesung" sei "automatisch ein Event". Was in der Ankündigungsfrage an Kritik mitschwang wurde von Kaiser vorsorglich abgeblockt mit der Bemerkung: dass es sich bei der Ablehung des Event-Rummels um einen "bildungsbürgerlichen Beißreflex" handele, "so als ob Dinge zusammengebracht würden, die nicht zusammengehören", so als ob ein "Kulturgut entweiht" würde. Und Rainer Moritz fasste es in die Worte, "die Gralshüter" würden zu früh wertkonservativ. Die Vorstellung, dass nur das reine Versenken in den Text und das Sich-Ergreifen-Lassen der richtige Umgang mit Literatur sei, den es zu schützen gelte, wurde in Frage gestellt. Moritz meinte in diesem Zusammenhang, auch eine herkömmliche Lesung könne ja "dröge" sein. In Frankreich sei man übrigens erstaunt über das deutsche Publikum, wo sich die Leute bei Lesungen so lange das alles still anhörten.
Damit
hätten sich die Vertreter des Literaturbetriebs und deren wissenschaftliche
Begleiter in der Veranstaltung erst einmal Luft verschafft vor allzu zudringlicher
Kritik. Nun konnte man mit einigen Anekdoten auch ein wenig kritisch werden. Von
Moritz wurde dann zugegeben, dass es sich bei den Inszenierungen durch die Verlage
schon um eine Art "Karneval" handele, der veranstaltet werden müsse, damit
die Sponsorengelder kommen. Längst
geht es um mehr als besonders ausgefuchste Lesungen. Die als Event gestalteten
Lesungen reichten nicht mehr aus, auch das "Lesen an ungewöhnlichen Orten"
nicht. Vielmehr, so wurde durch verschiedene Bemerkung deutlich, könne immer
häufiger eine umfassende Vermarktungsstrategie festgestellt werden. Da werden
Buchthemen, Veröffentlichungstermine, Lesereisen und Events detailliert geplant.
Zu alledem gäbe es die Einrichtung der "Medienpartnerschaft". Die exklusive
Zusammenarbeit mit einem Medium führe zum Ende der Literaturkritik - es gäbe
in der Zeitung des Medienpartners keine schlechte Presse mehr, alles was bei dem
gemeinsamen Event passiert würde positiv dargestellt. Der Aufwand für
umfassende Vermarktungsstrategien wird natürlich nicht für alle AutorInnen
betrieben. Vielmehr, so Moritz werde in dieser Hinsicht die Kluft zwischen armen
und reichen Autoren immer größer. Das Mittelfeld habe Auflagen von
8.000-10.000, AutorInnen im unteren Bereich kämen nur auf ca. 3.000er Auflagen.
Die vorübergehend einsetzenden kritischen Töne im Podiumsgespräch wurden bald wieder gedämpft. Es kam der Einwand, dass dies alles keine neuen Methoden seien. Schließlich habe es die Werbelawine und Werbetricks auch schon bei der Einführung des Buches "Vom Winde verweht" gegeben. Und die Einführung des Buches "Die Brücke von Remagen" wäre vom Ullstein-Verlag ähnlich wie die Potter-Vermarktung durchgeführt worden. Klaus Modick verwies nebenbei darauf hin, dass früher schon in RoRoRo Bändchen Seiten im laufenden Text eingebunden waren, die Werbung für Pfandbriefe und Obligationen oder ähnliches enthielten. Auch
wenn alles schon da gewesen sein soll: die Hamburger fanden sich nicht mit einer
Inszenierung von Literatur durch einen Atomkonzern ab. Die "Vattenfall Lesetage"
in Hamburg, jährlich bis zu angeblich 12.000 BesucherInnen (2010) an. Vattenfall
sponsert diese Lesetage, aber seit 3 Jahren regt sich Widerstand. Es wurde eine
Gegenveranstaltung aufgezogen aus Protest gegen das schmutzige Kerngeschäft
von Vattenfall. Dieser Einbruch einer anderen gesellschaftlichen Realität
in den Literaturbetrieb wurde im Gespräch kurz erwähnt aber leider nicht
weiter verfolgt. Vielmehr kam später noch mal der zaghafte Hinweis "Es würde
viele Veranstaltungen nicht geben, wenn z.B. E-On nicht sponsern würde." Kommentar: zwei
Links: |
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"Das Eigentliche" / Iris
Hanika (Autorin, Berlin) Do. 9.9.10, 20 Uhr, "Das Eigentliche" / Droschl Verlag Graz 2010 Der Erinnerungsschrecken des Mitarbeiters Frambach im Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung nutzte sich mit der Zeit ab. Irgendwann mußte er nicht mehr an Birkenau denken wenn er Birken sah, nicht mehr an Deportation denken, wenn er Zug fährt. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Wenn er z.B. den PC bootet und die Programmsymbole erscheinen auf dem Bildschirm, dann denkt er daran, dass Programme Befehle (fast) immer widerspruchslos ausführen und dies verschafft ihm die Assoziation "ohne Befehlsnotstand" . Die Sekretärin wiederum erscheint Frambach mal recht neutral als Empfangs-Bhudda mit blonden Haaren aber ein andermal plötzlich wie "die Bestie von Buchenwald". Die Gegenwart ist also durchdrungen vom Schrecken der Geschichte. Dieser Schrecken muß abgearbeitet werden durch das Leben über Generationen, "bis ins 7. Glied". Die offizielle "Vergangenheitsbewirtschaftung" versucht den Menschen die Verarbeitung abzunehmen, sie zu ritualisieren und zu formalisieren. Doch das nutzt sich ab, die öffentlich immer wiederkehrende Beteuerung der Betroffenheit zermürbt eben diese bis die Menschen nicht mehr hören mögen was an offizieller Vergangenheitsbewirtschaftung abgeleiert wird. .
Mit Ausflügen in fulminante Beschreibungen des aktuellen Lebens ihrer Protagonisten koppelt die Autorin sich scheinbar ab von der Erinnerung an die Vergangenheit. Aber nur um dann in den Nischen des Alltags, in den Poren des alltäglichen Lebens plötzlich an etwas anzudocken, was doch wieder und in unerwarteter Weise auf die Vergangenheit hinweist. So kämpft in diesem Buch das Leben der Gegenwart mit der Erinnerung, arbeitet die Vergangenheit ab und zerbröselt gleichzeitig entschieden das überflüssige Schwelgen in falschen weil hohlen, ritualisierten Vergangenheitsbewirtschaftungsformen. Wer
beschreiben will, was in den Poren des Alltags an Vergangenheit sitzt, muß
den Alltag genau beschreiben. Die Beschreibungen in Iris Hanikas
Roman haben streckenweise hohe expressive Kraft. Sei es die Beschreibung eines
Menschen der seine laute Art wie ein "Kettenkarusell" kreisen lässt: "Marschner
trug seine gute Laune wie ein Kettenkarussell mit sich herum, er war die Säule
in der Mitte, ..." . Oder die atemberaubende Beschreibung der weiblichen Hauptfigur:
"Graziela sah aus wie von Picasso gemalt, wie eines von Picassos Porträts
von Dora Maar. (...) von die einzelnen Elemente ihres Gesichts waren so angeordnet,
dass man sich keine Meinung darüber bilden konnte, denn sie standen in keinem
unmittelbar einleuchtenden Verhältnis zueinander." Diese Beschreibung endet
mit folgender Steigerung: "Immer wieder sagte er Graziela, der Besitzerin und
Bewohnerin dieses Körpers, wie ausnehmend gut er ihr gefalle, und weil Graziela
zuvor noch nie jemanden getroffen hatte , der sich ausschließlich beglückt
über ihren Körper geäußert hätte, hatte sie ihn ihm
sofort zur Verfügung gestellt, das heißt, ihm seine zeitlich wie sachlich
uneingeschränkte Benutzung gestattet." Die
Betonung all dieser Passagen soll zeigen, dass das Buch kein Schuld zelebrierendes
Depressivwerk ist (der Melancholie und der "De Acedia" hingegen werden
einige Seiten gewidmet), sondern dass das Leben beschrieben wird, so wie es weitergeht
und wie dennoch die Geschichte darin verarbeitet werden muß. Und sie sollten
auf die literarische Qualität hinweisen, die sich unter dem schweren
Deckmantel des Themas entfaltet. Es
liegt viel Ernst in diesem Buch. Nicht nur das Grundthema ist ein ernstes. In
diesem neuen Buch von IrisHanika sind auch ihre vorhergehenden Bücher mit
anwesend. Lacanische Psychoanalyse: Das Ich bildet sich erst in der Spiegelung,
Beziehungen - Liebe - Freundschaft , Single und Einsamkeit, all das spielt erkennbar
in den Roman hinein. Wenn sich Ernst und Grenzüberschreitung verbinden, dann
lässt die Radikalität mit der sie Stil und Worte wählt an einigen
Stellen den Atem stocken. (Unwesentlich herumkrittelnd sei noch ergänzt, dass dann, wenn "Entlassung" gemeint ist nicht "outsourcing" , sondern "outplacement" die passende Vokabel ist. Desweiteren ist es unlogisch ist, wenn Frambach stats zwanghaft Worten vermeidet, deren Buchstabenanzahl nicht durch 3 teilbar ist, aber ausgerechnet ein Password wählt, das nur 5 Buchstaben hat. 5 ist sogar die Zahl, die er am meisten hasst. Aber ... wie gesagt unwesentlich..) |
"gazelle" - multi-ethnische deutsche Frauenzeitschrift
Die Zeitschrift erscheint als Printmedium zweimal im Jahr und ist bislang vor allem in Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen zu finden. Als >> Gazelle-Online ist eine Internetfassung zu finden. Statt eines migrationsbezogenen Namens wurde der eher neutrale Name "Gazelle" gewählt. Gelegentlich weist die Herausgeberin darauf hin, Gazellen seien elegant aber gleichzeitig zäh und überlebten auch unter den schwierigen Bedingungen von Grassteppen und Wüsten. Herausgeberin Sineb El Masrar ist 1981 geboren als Tochter marokkanischer Eltern. Sie ist in vorwiegend nicht-migrantischer Umgebung aufgewachsen und wurde, wie sie erzählt, erst im Alter von 21 Jahren mit der Frage Migration konfrontiert. Sineb El Masrar Im Gespräch mit Luise Rist im Literarischen Zentrum 11.11.10 Luise Rist ist Autorin, Dramaturgin, Regisseurin. 1999-2007 hat sie als Dramaturgin am Deutschen Theater in Göttingen gearbeitet. Danach war sie eine der beiden Gründerinnen des boat-people-projektes, das Theaterstücke zum Thema "Flucht" entwickelt. Nach "Lampedusa" (2009) und "Keinsternhotel" (2010) ist als nächstes ein Stück geplant, das 2011 in Kinshasa realisiert wird.
Mehrfach
kreiste das Gespräch um die Wahrnehmung, dass die Zeitschrift einerseits
multiethnisch sei, andererseits das Migrantische zugunsten der Darstellung eines
völlig normalen Nebeneinanders nicht zu sehr im Vordergrund stehen solle.
Gazelle sei eben ein "deutsches Frauenmagazin" wie andere Frauenzeitschriften
auch, "deutsch-deutsche Frauen", "türkisch-deutsche"
usw. treten hier wie selbstverständlich nebeneinander in Erscheinung, so
wie sie auch nebeneinander im selben Land leben. Sineb
El Masrar gab mehrfach Beispiele dafür, dass sie auf jene Frauen zielt, deren
Migrationshintergrund durch den Wandel über die Generationen hinweg langsam
verblasse, die aber dennoch Elemente davon mit sich tragen. Wie ändert sich
die Gewichtung des Migrationshintergrundes über viele Generationen hinweg?
Der einzige Unterschied zwischen den Frauen ist oft nur noch, dass irgendwann
die Eltern mal aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen seien. Wenn solche
Frauen z.B. in ihr Migrationshintergrundsland fahren, dann fahren sie ins Ausland
und nicht mehr in die Heimat. Insofern
sind es deutsche Frauen mit eben etwas "Zusätzlichem".
Gazelle - Zeitschrift für die fast voll integrierte Migrantinnen? Bei
der Programmankündigung durch das Literarische Zentrum hieß es: "Gazelle
ist ein eigenfinanziertes und unabhängiges Frauenmagazin,(...) Gazelle ist
das erste und einzige multikulturelle Frauenmagazin in Deutschland. Gazelle beschäftigt
sich mit spezifischen Problemen, Bedürfnissen und Interessen der in der Bundesrepublik
lebenden Migrantinnen und deutschen Bürgerinnen und bietet somit eine einzigartige
Plattform zum Austausch. Gazelle fördert daher das interkulturelle Verständnis
auf Augenhöhe" Im >> Interview mit Roger Willemsen für DieZeit sagte Sineb El Masrar "Ich wollte eine Zeitschrift machen für biodeutsche Frauen und solche mit Migrationshintergrund" und die Sache mit dem Hintergrund relativiert sie "Ja, man wacht nicht morgens auf und fühlt sich als Afghanin, nur weil die Eltern da geboren sind. Setzen Sie eine Ukrainerin, eine Marokkanerin, eine Deutsche hinter eine Wand, fragen Sie sie, was sie vom Leben wollen. Sie werden sie nicht unterscheiden können." Dass die Gazelle eine normale Frauenzeitschrit sein soll, belegt sie mit der Bemerkung: "Oh ja, wir haben auch die Rubrik »Mode und Schönheit«. Zu einem Frauenmagazin gehört das dazu. Auch eine intelligente Frau will die Farben der Saison kennen." und "Manchmal testen wir auch Anti-Cellulite-Cremes. Frauengewebe eben. Davon kann Aisha genauso ein Lied singen wie Helga." In
den Artikeln und dem angeschlossenen Blog und Forum finden sich nach kurzer Recherche
folgende Beispiele: Die
Anzeigenvermarktungsfima von Gazelle-Online stellt das Projekt folgendermaßen
vor: In
der Gazelle-Online wirbt die Agentur "Maam" , die von sich selbst schreibt: ------------------- |
Ulli Lust / Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens / Sept 2010 Mi.
15.9.10, 20 Uhr,
Infos
über Buch und Autorin nach einer Veranstaltung im Kabale
Veranstaltung
2010 im Café Kabale: Die aus dem Buch ausgewählten Sequenzen, die
Uli Lust über Beamer auf die Leinwand projizierte zeigen unbefangen auch
Darstellungen sexueller Handlungen. Ungeniert auch die Texte, die Uli Lust laut
vorliest und die "Ficken", "Vögeln", "Möse"
erwähnen, wie sie in der Realität eben vorkommen und auch "Puff"
und "Fut" usw. . Durch all die Unbefangenheit in der Attitüde des
anarchistischen Punkmädchens hindurch zeigt die Bildergeschichte, wie sich
bei ihr die Erkenntnis entwickelt, das es so bekloppt wie es meist läuft
wohl doch nicht das Wahre ist. Und durch die Illusion vermeintlicher Freiheit
in der Zeit der sexuellen Befreiung schimmert immer mehr die Erkenntnis durch,
es sei wichtig "Nein" zu sagen, wenn frau nicht will. Das Nein-Sagen
ausgerechnet als allein reisende junge Frau auf Sizilien lernen zu wollen, ist
natürlich eine besonders harte Nummer. Im Kontrast dazu stellt sie ihre mitreisende
Gefährtin als "nicht die hellste" dar, die dauernd ficken will
und die auch noch meint das sei Befreiung. Dereb zeitweise mitreisender Freund
meint hingegen: "die begreift nicht, daß sie nur als Fickmaschine ausgebeutet
wird". Auch wenn nur
eine Auswahl von Sequenzen präsentiert wurde, so stellte sich in der Wahrnehmung
doch ein Eindruck davon her, wie eine Comicerzählung über 450 Seiten
auf literarischem Niveau stattfinden kann. Zwar legt Ulli L. nach eigenem Bekunden
keinen gezielten Wert auf "schöne" Darstellungen, aber sie konnte
es wohl nicht verhindern, dass die Darstellung der Spanischen Treppe von Rom und
auch einige Landschaftszeichnungen durchaus ästhetischen Reiz hatten. Und
zwischendurch tauchen Zeichnungen auf, die nicht ohne Humor sind, oft auch witzig
durch den Kontrast zum Text: "ich will nicht wandern ich will nach Italien",
dazu das Bild der Mädchen wie sie durch ein Pflanzenfeld in der Steiermark
irren. Oder ganz am Anfang rein zeichnerisch am Rande verändert eine kleine
Nippesfigur eines Schweines auf dem Sideboard eines Puffs völlig realitäts-fern
ihre Haltung. Die Frau hat Humor.
Zusatzinfos >>
Illustration
des Buches als Video-Clip |
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Nobelpreisträgerin Herta Müller im Literarischen Zentrum
15.10.09 Das Literarische
Zentrum, das im März 2009 eine Lesung mit Herta Müller für den 21.01.2010 verabredet
und im Juni 2009 bekannt gemacht hat, verlegt die Lesung mit Herta Müller (Berlin)
an einen Ort, der es ermöglicht, der nunmehr sehr großen Zuschauernachfrage gerecht
zu werden. Also findet
die Veranstaltung nicht in den Räumen des Literarischen Zentrums, sondern in der
Lokhalle Göttingen statt. |
Auszug aus dem handschriftlichen Manuskript von Uwe Tellkamps "Der Turm" 14.10.08 / Bei dem Treffen Junger Magazine, die das Literarische Zentrum im Juli 2008 organisiert hatte war u.a. auch die Zeitschrift "Edit" aus Leipzig vertreten. In ihrer damals aktuellen Nummer 43/44 hatten sie einen Auszug aus dem Manuskript "Der Turm" von Uwe Tellkamp veröffentlicht. Da zu diesem Zeitpunkt von den Herausgebern des "Edit" bereits mit Hochachtung auf das Werk hingewiesen wurde haben wir ein Foto vom "Blick-hinein-werfen" gemacht. 3 Monate später nun hat Uwe Tellkamp für dieses Buch die spektakulärste Auszeichnung, nämlich den Deutschen Buchpreis des Börsenvereins erhalten.
Sa
5.7.2008, Treffen Junger Magazine , ab 21 Uhr Sommerschlussfest
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Neue Leitung: Dr. Anja Johannsen Ohne große Einführungsrituale und ohne viel Aufhebens, vielmehr leise und fast unmerklich hat Anja Johannsen zum 1. Mai 2010 ihre Arbeit im Literarischen Zentrum begonnen
In ihren bisherigen Vorträgen und in ihrer Uniarbeit kommt zum Ausdruck,
dass sie die "Produktions-, Distributions- und Rezeptionsbedingungen"
für Literatur zu reflektieren versucht und "literarisches Handeln als
soziales Handeln in institutionalisierten Rollen" versteht. Dies lässt
vermuten, dass sie beim Betrieb eines Literaturhauses kritisch das Verhältnis
zu eingefahrenen Mechanismen des Verlagsmarketings, der Verbreitung und Popularisierung
von Literatur im Auge behält. Das - in seiner Zusammensetzung wechselnde - Team
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Programm August 2011 - Februar 2012
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Programmtexte des Literarischen Zentrums Sept 2010 - Feb 2011
Überblick Do.
9.9.10, 20 Uhr, Das Eigentliche Iris Hanika (Autorin, Hamburg)
Mo. 20.09.10, 20 Uhr, Paulinerkirche
Verleihung der Nicolas-Born-Preise Gerd-Peter Eigner (Autor,
Berlin/Rom) Leif Randt (Autor, Maintal) Di.
28.09.10, 20 Uhr, Die
ganze Wahrheit Norbert Gstrein (Autor, Hamburg) Fr.
01.10.10, 20 Uhr, Performanz
und Rhapsodie Nora Gomringer (Autorin, Bamberg) Christian
Uetz (Autor, Zürich) Do.
07.10.10, 20 Uhr, Sittenlehre
Martín Kohan (Autor, Buenos Aires) Mi.
27.10.10 16.30 h Christoph
von der Maus Christoph Biemann (Autor/Filmemacher, Köln) Do.
11.11.10, 20 Uhr, Gazelle
Sineb El Masrar (Herausgeberin, Berlin) Di.
16.11.10, 20 Uhr, Altes Rathaus Ein
Produktionsroman (Zwei Produktionsromane) Péter
Esterházy (Autor, Budapest) Sa.
27.11.10, 20 Uhr, Privatwohnung Hausbesuch
X Nino Haratischwili (Autorin, HH/GÖ)
Mi./Do. 01./2.12.10 20 Uhr Aula am Wilhelmsplatz Die
dramatische und die epische Lesart der Welt – Poetikvorlesungen
John von Düffel (Autor/Dramaturg, Berlin) Die epische und die dramatische Lesart der Welt Poetikvorlesungen am 1. und 2. Dezember 2010 mit dem Autor und Dramaturgen John von Düffel (pug) Der Dramaturg und Schriftsteller John von Düffel hält die diesjährigen Göttinger Poetikvorlesungen. Er ist auf Einladung des Seminars für Deutsche Philologie und des Literarischen Zentrums Göttingen zu Gast an der Georg-August-Universität. John von Düffel ist durch die Romane Vom Wasser und Houwelandt sowie durch seine Inszenierung von Thomas-Mann-Romanen wie den Buddenbrooks bekannt geworden. Der gebürtige Göttinger spricht an zwei Abenden über „Die epische und die dramatische Lesart der Welt“. Darüber hinaus hält er eine Lesung in einer Schule und diskutiert mit Göttinger Studierenden. Die Poetikdozentur wird von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck unterstützt. Die beiden Vorlesungen finden am 1. und 2. Dezember 2010 in der Aula am Wilhelmsplatz statt und beginnen jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. „In meinen beiden Göttinger Exkursen wird es um die dramatische beziehungsweise epische Lesart der Welt gehen“, erläutert John von Düffel. „Dieser Doppelblick hat zunächst mit meiner geteilten Vita zwischen Buch und Bühne zu tun: dem Dramatiker und Dramaturgen auf der einen Seite sowie dem Romancier und Erzähler auf der anderen. Was prädestiniert einen Stoff für eine epische beziehungsweise dramatische Form? Oder sind das Epische und das Dramatische nur zwei verschiedene Betrachtungsweisen ein und derselben Sache?“ Solche Fragen hätten gerade aufgrund der vielen Gattungsüberschreitungen durch Romanadaptionen für das Theater auch ganz praktische Konsequenzen: „Selbst wenn es die Puristen nicht gerne sehen, gibt es sehr handfeste Erkenntnisse über die Möglichkeiten des epischen beziehungsweise dramatischen Prinzips. Diese möchte ich anhand meiner Bearbeitungen von Thomas Manns Buddenbrooks, Felix Krull, Joseph und seine Brüder sowie Doktor Faustus beschreiben.“ John von Düffel, Jahrgang 1966, wuchs in Irland, den USA und in Niedersachsen auf. Er studierte Philosophie und Volkswirtschaft. Bekannt wurde er als Verfasser von Dramen und Prosa sowie durch seine Arbeit als Dramaturg. Im Jahr 2000 wurde er Schauspieldramaturg am Thalia Theater Hamburg, wo er 2005 mit einer Bühnenfassung der Buddenbrooks für Furore sorgte. Seit 2009 arbeitet er am Deutschen Theater Berlin. Seinen ersten Roman Vom Wasser veröffentlichte er 1998. Seitdem folgten zahlreiche weitere Stücke, Erzählungen, Essays und Romane, darunter 2004 der hochgelobte Generationenroman Houwelandt. John von Düffel erhielt zahlreiche Preise, vom Ernst-Willner-Preis über den Aspekte-Literaturpreis bis hin zum Nicolas-Born-Preis. Er leitet regelmäßig Schreibkurse und Dramatikerworkshops, ist Honorarprofessor der Universität Hildesheim und war Poetikdozent an der Universität Bamberg (2008) und der Universität Duisburg-Essen (2010). Do.
09.12.10, 20 Uhr, Der
Briefwechsel Bernhard/Unseld Raimund Fellinger (Lektor, Berlin)
Martin Huber (Bernhard-Archiv, Gmunden) Mo.
17.01.11 20 Uhr Minutentexte
Michael Baute (Autor/Filmkritiker, Berlin) Volker Pantenburg (Medienwiss., Weimar) Mo.
24.01.11 20 Uhr »Ich
starre Raster in den Tag« Oswald Egger (Autor, Hombroich/Wien) Sa.
05.02.11 20 Uhr Herrengedeck
Carl-Christian Elze, Daniel Falb, Norbert Lange, Steffen
Popp, Andre Rudolph, Christoph Wenzel |
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