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Literarisches Zentrum

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Düstere Straße 20 , Tel.: 4956823
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Die Räumlichkeiten
Das Team
Neue Leitung Dr. Anja Johannsen
> Hauke Hückstedt (ehemaliger Leiter)

Programmübersicht Feb - Juni 2012
Programmübersicht Aug 11 - Feb 2012
Programmübersicht März - Juli 2011
Programmü bersicht Okt 10 - Feb 2011

> Joseph Vogl "Gespenst des Kapitals"
--- Literaturverteiler
--- Iris Hanika "Das Eigentliche"
--- gazelle - Frauenzeitschrift
--- Ulli Lust:
graphic novel
> Rosemarie Tietze / Tolstoi
> Nino Haratischwili , Roman "Juja"
> Martin Kohan
> Gerhard Paul: Kriegsbilder-Bilderkrieg
> Dominik Graf / Neuenfels (Film)
> De Lillos "Körperzeit"
> Lesung von Özdamar
> Poesie: Les Murray

> Dota Kleingeldprinzessin / Knarf Rellöm
> Adam Zagajewski / Lyrik
> Kapielski

> Walser abgesagt
>
Uday Prakash, Indien
> Sommerfest des Lit.Zentrums 2011
--- Herta Müller im Lit. Zentrum 2009

Literarisches Zentrum - Programm Februar bis Juli 2012

8. März Donnerstag 20 Uhr Steven Uhly "Identitäten auf Speed" Das Buch beschreibt das, was später wirklich passierte und man hielt ihn für einen "Wahrsager": Geheimdienstler wechseln über zur Naziszene - aber er hatte nur verarbeitet, was schon einmal passiert war und was andere vergessen hatten. VVK € 6/8 - AK € 7/9 Ticket (Gespräch Steven Uhly (München) mit dem Literaturwissenschaftler Heinz Drügh, Frankfurt)

13. März Dienstag 20 Uhr Krisitin Schulz (Berlin) "MÜLLER MP3" , Heiner Müller hatte etwas zu sagen - Nachdem durch sein Tod auch seine Stimme verschwand ein Verlag nun mit einem "Mammut-Werk" sämtliche verfügbare Tondokumente, d.h. 36 Stunden audios mit O-Ton-Material von Interviews, Diskussionen, Reden herausgebracht. Literarisches Zentrum, Göttingen VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket - Gespräche Kristin Schulz mit Torsten Hoffmann (Frankfurt/Main)

23. März Freitag 20 Uhr Mark Z. Danielewski "Die Revolution der Revolutionen" (Engl. Titel 2006 : "Only Revolutions") : Im März 2012 erscheint die Road-Novelle in deutscher Übersetzung und hat Deutschlandpremiere im Literarischen Zentrum. Danielewski bezeichnete im Interview das Übersetzungsvorhaben als eine Herausforderung, es sei ein schwieriges Buch. Hervorgehoben wurde bei der Vorstellung die Methode, dass die Geschichte aus zwei verschiedenen Blickwinkeln der beiden Hauptfiguren erzählt wird. Das englischsprachige Exemplar wechselt auch in der Textrichtung und muß mittendrin umgedrecht werden. VVK € 6/8 AK € 7/9 Ticket

20. April Freitag 20 Uhr Felicitas Hoppe »Hoppe« - kein Druckfehler, sondern Feliciatas Hoppe erfindet eine Hoppe nach eigenem Gusto - und konstruiert eine Biografie nach Belieben. VVK € 7/9 AK € 8/10 Ticket

26. April Donnerstag 20 Uhr Michail Schischkin - Nun also wird sie nachgeholt. "Das verlorene Paradies" Eigentlich hätte Michail Schischkin ja bereits im vergangenen November in Göttingen sein sollen, aber just zu dem Termin musste er wieder einmal einen großen russischen Literaturpreis in Empfang nehmen.VVK € 7/9 AK € 8/10 Ticket

Leiterin Dr. Anja Johannsen (rechts) und die Volontäre / innen des LitZentrum-Teams nach dem Ende des Pressegesprächs am 7.2.12 bei dem das neue Programm vorgestellt worden war.

11. Mai Freitag 20 Uhr Barbara Köhler »Neufundland« Barbara Köhler lesen zu hören und sie das eigene Sprechen dirigieren zu sehen, versetzt Ohren, Augen und Hirn sofort in den Zustand maximaler Wachheit VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket

24. Mai Donnerstag 20 Uhr Alexander Nitzberg Daniil Charms Charms ist – folgt man seinem Selbstzeugnis – »wie alle, nur besser!« Die Bestenlisten hierzulande sehen das ähnlich und führen die von Alexander Nitzberg und Beate Rausch besorgte Neuübersetzung seines ...VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket

30. Mai Mittwoch 20 Uhr Judith Zander »Dinge, die wir heute sagten« Mit feinstem Sprachgefühl erweckt Judith Zander in ihrem Debütroman ein fiktives Dorf in Mecklenburg-Vorpommern zum Leben, VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket

1. Juni Freitag 19 Uhr Frank Schulz »Onno Viets und der Irre vom Kiez« Die Göttinger Universität wird in diesem Jahr 275 Jahre alt und feiert dies mit einem »Kulturtag« . Das LitZentrum beteiligt sich mit dieser Veranstaltung im Zentrales Hörsaalgebäude ZHG, Hörsaal 007 ,Eintritt frei!

6. Juni Mittwoch 20 Uhr Friedrich Buchmayr, Lena Einhorn , Björn Meidal und Elisabeth Romare Strindberg und die Frauen August Strindberg, der als experimenteller Dramatiker, Romanautor, Lyriker, Bildkünstler und Essayist international für Furore gesorgt hat, gilt leider auch als ausgemachter Frauenhasser. .(VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket

11. Juni Montag 20 Uhr Philippe Claudel "Kafka bei der Télécom" VVK € 6/8 AK € 7/9 Ticket

14. Juni Donnerstag 19 Uhr Susanna Schwager HAUSBESUCH XII »Das volle Leben« Mit der Schweizer Autorin Susanna Schwager geht die Reihe »Das Alter in der Literatur« in die dritte Runde: Spielstätte ist diesmal die Alten-WG Am Goldgraben. VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket

23. Juni Samstag 20 Uhr Hands up- Excitement! und Tino Hanekamp Sommerfest 2012 Diesmal nicht zum Saisonausklang, sondern zum Sommeranfang schmeißt das Zentrum eine Party! Und wieder kapern wir Räume und Garten unsres Nachbarn der Galerie Ahlers Kinderprogramm VVK € 4/6 AK €5/7 Abendprogramm VVK € 9/11 AK €10/12 Ticket

26. Juni Dienstag 20 Uhr Julia Fischer "Können Affen dichten?" Auf die Frage ihrer Ausbilderin Maureen, wann ein Affe sterben müsse, soll die Gorilladame Koko gestikuliert haben: »Problem alt«! VVK € 5/7 AK € 6/8 Ticket

10. Juli Dienstag 20 Uhr Patrick Roth »Sunrise« Seit Beginn der 2000er beobachten Philosophen und Sozialwissenschaftler etwas, das sie die »Wiederkehr der Religion(en)« nennen.

 

(Unter-) Programm "Literatur macht Schule"

Illustration im Buch "Rosi und der Urgroßvater",
während der Vorstellung des Programms im Literarischen Zentrum
  • 9.2.12 Sonja Schroeder und Wolfgang Wangerin, 20 Uhr Literarisches Zentrum
  • 15.2.12 Rafik Schami, 16.30 Uhr Junges Theater
  • 1.3.12 Claudia Kühn , Donnerstag, 19 Uhr Literarisches Zentrum
  • 7.3.12 Reimar de la Chevallerie und Christopher Weiss, 20 Uhr Literarisches Zentrum
  • 20.3.12. Martin Schäuble, , 14 Uhr Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule
  • 17.4.12. Kathrin Ackermann und Hanno Kofler, Dienstag19 Uhr Literarisches Zentrum
  • 8.5.12 Judith Schalansky, 20 Uhr Literarisches Zentrum
  • 15.5.12 Karl Gebauer , 20 Uhr Literarisches Zentrum
  • 19.6.12 Monika Helfer und Barbara Steinitz, 16.30 Uhr GDA-Wohnstift
  • 23.6.12 Stephan Bach, 16.30 Uhr Galerie Ahlers

Marit Borcherding
"Literatur macht Schule"

Reimar de la Chevllerie /
boat people projekt "Toxi.Man"

 

 

Steuerung des Buchmarktes mit dem Hauptziel Geldverdienen?

20.1.12 / Die Buchhandelsketten von Thalia, Bertelsmann (Weltbild) Hugendubel, verdrängen die klassischen kleineren Buchläden (siehe >goest-Artikel zur Situation in Göttingen). Das Literarische Zentrum beschäftigt sich am 26. Januar mit diesem Thema darüberhinaus auch mit der Frage welche Bücher in diesem Prozess noch Chancen haben, auf den Markt zu kommen. Die Mystifizierung, dass die völlige Unterwerfung der Buchproduktion und -distribution unter Kapitalgewinninteressen mit der "ordnenden Hand" des Marktes zu legitimieren sein könnte wird am 3. Februar dann hoffentlich mit Joseph Vogl bei der Diskussion seines Buches "Gespenst des Kapitals" entzaubert, wenn er den Glaube an den Markt als pure Ideologie erschüttert.

Angelika Barth, Michael Buchmann und Christian Rößner Literaturverteiler. Orte, Medien, Akteure im literarischen Leben. No. 3: Der Buchmarkt

26. Januar 2012 Donnerstag 20:00 Uhr (Diskussionsveranstaltung) Literarisches Zentrum, Göttingen VVK € 5/7 AK € 6/8

"Wer entscheidet eigentlich darüber, welche Bücher stapelweise in den Buchhandlungen ausliegen und welche es nur - wenn überhaupt - ins hinterste Regal schaffen? Wieso ist das Sortiment in den Läden während der letzten Jahre so massiv geschrumpft? Was hat sich währenddessen in den Verlagen verändert? Bei Bertelsmann wird mittlerweile angeblich von der »Todeszone« gesprochen, wenn der Gewinn unter 10% liegt. Sind die Umwälzungen tatsächlich so massiv, dass wir uns um die Überlebenschancen der Literatur sorgen müssen? Oder reden so nur die Nostalgiker und Schwarzseher? Auf unserem Podium diskutiert die Key Account Managerin des Suhrkamp Verlags, Angelika Barth, mit dem Literaturbetriebs- und Buchhandelsspezialisten Michael Buchmann, und dem Unternehmensberater Christian Rößner, der lange Jahre Führungskraft bei Thalia war. Es moderiert der Literaturwissenschaftler und gelernte Buchhändler Matthias Beilein."

 

Patrick Bahners Streitschrift "Die Panikmacher"

Eindrücke von der Veranstaltung goest, 11.10.11 /
Das anvisierte Themenfeld hätte für eine "Diskussionsveranstaltung" ein Minenfeld dargestellt, wenn das Spektrum der dazu existierenden Meinungen vertreten gewesen wäre. Die Phalanx der Islambekämpfer, verbale Krieger wie Henryk M. Broder und Panikmacher wie Sarrazin waren an diesem Abend nur die gedachten und wenig angsprochene Kontrahenten. Gefolgsleute der Islambekämpfer machten sich in der Veranstaltung nicht bemerkbar. Wären sie dagewesen, wäre dennoch nur schwerlich die angekündigte "Diskussionsveranstaltung" zustandegekommen. Diskussion wurde gleich auf "Fragen" verengt: "Im Anschluß können Sie Fragen an Herrn Bahner stellen" so die Moderatorin, und bei einem Wortbeitrag aus dem Publikum: "Dürfen wir jetzt ihre Frage hören?".

Mit Bahners sprach Monitor-Redakteurin Isabel Schayani.

Isabel Schayani (deutsch / iranische Staatsangehörigkeit) hatte 2009 einen aufrüttelnden Kommentar im ARD-Fernsehen zur Lage im Iran ( >>youtube-video) gesprochen.

Aber das Interessanteste am Abend war nicht die Islamdebatte inhaltlich. Interessant war es, die Methode Patrick Bahners zu erleben. Er ist seit 10 Jahren Chef des FAZ-Feuilletons. Und es gab folgenden Wiedererkennungseffekt: der Feuilletonchef spricht so gedrechselt wie es mehrfach in den Artikeln der FAZ zu finden ist. Die Moderatorin bereitete das Publikum auf den Sprachstil Bahners vor mit den Worten: "Seine Worte sind nicht "eindampfbar" wie das z.B. für Berichterstattungen im Fernsehen notwendig sei. Ja - er differenziert, beschreibt genau, argumentiert genau ... aber verliert sich gelegentlich derart in feine und noch feinere Bestimmungen, die er in den x-ten Nebensatz einschieben muß, so daß am Ende schwerfällt den Blick auf die zentrale Aussage des Satzes gerichtet zu halten. Einmal hat er tatsächlich 5 Nebensätze eingebaut. Also ganz FAZ-Stil.


Patrick Bahners am 10.10.11 im Literarischen Zentrum

Das extreme Differenzierungsbemühen Bahners ist wirklich erlebenswert. So nimmt er die Texte der deutschtürkischen Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek auf interessante Weise auseinander ("Die fremde Braut"). Sie berufe sich auf Empirie aber es handele sich dabei um typische Mischung von Fakten und autobiografischer Positionsbestimmung. Die Islamkritik bediene sich des Narrativs und diese "Erzählende Momente erzeugen Wirksamkeit". Nun demonstriert Bahners die Stärke der minutiösen Differenzierung indem er die Erzählungen Keleks streng logisch auf den Prüfstand stellt und aufzeigt, wo es einfach nicht stimmen kann was da erzählt wird.

Anfangs hatte er das anschauliche Beispiel des Kopftuchverbots dargestellt. Die um das Kopftuchverbot herum brodelnden Meinungen und Erwägungen analysiert er unter der Überschrift "Hermeneutik des Verdachts". Und auch hier wieder die minutiöse Analyse kleiner und kleinster Aspekte bzw. häufig übersehener Aspekte. Dies führt dazu, dass er eine Sache höchst genau unter die Lupe nimmt und es dadurch gelingt das nicht argumentativ begründete als Ideologie und "wahnhaften Zug der Kopftuchdebatte" zu entlarven. Die GegnerInnen Bahners haben auf diesem Feld der hochdifferenzierten Argumentation im Kleinen wenig Chance gegen ihn und machen ihm auf einem ganz anderen Feld Vorwürfe: Er würde den großen Rahmen nicht sehen in dem das stattfände. Er vergäße al-Qaida, die Selbstmordattentäter, Hassprediger und Frauenunterdrückung. Bahners aber beharrt darauf, dass er die Sachverhalte anhand "unserer Werte" im Kleinen beharrlich durchdekliniert. Ein Beispiel: Wenn moniert werde, dass ein schweigend getragenes Kopftuch Kinder in einen inneren Widerspruch brächte, was sei dann mit jenen Kindern, deren Mutter zuhause ein Kopftuch trage, Frauen der gleichen Glaubensrichtung aber in der Schule als Lehrerin keines tragen dürften? Die radikale Verfolgung der Werte im Kleinen zeigt hier auf entlarvende Weise die Widersprüche dieser Kinder auf. Bahner nimmt also die Werte in der Kindererziehung ernster, universeller ernst.

Ankündigungstext des Literarischen Zentrums: Patrick Bahners Streitschrift Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam ist das Gegengewicht zur inzwischen fast salonfähigen sarrazinschen Untergangspolemik. (Diskussionsveranstaltung). In seinem »Meisterwerk der Aufklärung« (SZ) prüft er unaufgeregt und sachlich die Argumente der sogenannten Islamkritiker. Er rückt Statistiken und Zahlen ins richtige Licht und durchbricht ein geschlossenes Denksystem, das sich vor allem aus Vorurteilen speist. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Verharmlosung des islamischen Fundamentalismus, wohl aber um eine Anklage des Generalverdachts gegenüber Muslimen. (Veranstaltung am 10.10.11)

Randnotiz
zur Ankündigung der Veranstaltung im Göttinger Pocketmagazin "pony".
Das Veranstaltungsmagazin verzichtet auf eine Abbildung von Bahners und stellt stattdessen die Moderatorin Schayani bildlich exklusiv in den Vordergrund. Im Ankündungstext verbreitet das Magazin stattdessen die dümmliche Einlassung Sarrazins, der "Bahners für einen Ghostwriter-Job bei Ministerpräsident Erdogan vorgeschlagen" habe. Sollten die antideutschen Einflüsse in der pony-Redaktion nun dazu führen, dass Sympathie für Sarrazin entwickelt wird?

 


Veranstaltungsbericht: / Juli 2011
Literaturverteiler. Orte, Medien, Akteure im literarischen Leben

Ankündigungstext Literarisches Zentrum: Gerhard Kaiser, Klaus Modick und Rainer Moritz Die Lesebühne 4. Juli 2011 Montag 20:00 Uhr (Diskussionsveranstaltung) In den letzten Jahrzehnten haben Literaturveranstaltungen enorm an Bedeutung gewonnen: für Autoren, für Verlage – und nicht zuletzt für den Leser. Höchste Zeit also nachzufragen, was diese ›Eventisierung‹ mit der Literatur anstellt. Lesen wir anders, wenn wir den Autor haben lesen und reden hören? Schreibt man anders, wenn die Lesereise bereits im Kalender steht? Und braucht das Buch im ökonomischen Zeitalter vielleicht einfach die flankierende Personality-Show? Es debattieren Leute, die sich auskennen:

(rechts) Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, hat den Vorsitz des Netzwerks der Literaturhäuser inne, (mitte) Klaus Modick ist u.a. Autor der Betriebssatire Bestseller (Eichborn 2006) und (links) Gerhard Kaiser ausgewiesener Spezialist in Sachen »Autorinszenierungen«. Die Podiumsdiskussion moderiert der Literaturwissenschaftler Thomas Wegmann (Berlin).

 

Eventisierung - Inszenierung oder einfacher: Das Buch als Ware / G. Schäfer

8.7.11 / 9.7.11 / Die Ankündigung war also noch mit kritischen Fragen bestückt wie "Braucht das Buch im ökonomischen Zeitalter etwa immer eine flankierende Personality-Show?" Dann aber zog sich die Rechtfertigung der Inszenierung von Literatur schlängelnd durch die Veranstaltung. Gerhard Kaiser von der Göttinger Uni bemühte ein Zitat Schillers zu den "Räubern" (es handelte sich wohl um die "Vorrede" zu "Die Räuber") die er als Beleg für die selbstverständlich immer schon existierende Inszenierung von Literatur anführte, "Literatur war schon immer Eventisierung". Und Rainer Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses stellte in den Raum: jede Lesung auch die schlichte "Wasserglas-Lesung" sei "automatisch ein Event". Was in der Ankündigungsfrage an Kritik mitschwang wurde von Kaiser vorsorglich abgeblockt mit der Bemerkung: dass es sich bei der Ablehung des Event-Rummels um einen "bildungsbürgerlichen Beißreflex" handele, "so als ob Dinge zusammengebracht würden, die nicht zusammengehören", so als ob ein "Kulturgut entweiht" würde. Und Rainer Moritz fasste es in die Worte, "die Gralshüter" würden zu früh wertkonservativ. Die Vorstellung, dass nur das reine Versenken in den Text und das Sich-Ergreifen-Lassen der richtige Umgang mit Literatur sei, den es zu schützen gelte, wurde in Frage gestellt. Moritz meinte in diesem Zusammenhang, auch eine herkömmliche Lesung könne ja "dröge" sein. In Frankreich sei man übrigens erstaunt über das deutsche Publikum, wo sich die Leute bei Lesungen so lange das alles still anhörten.

(rechts) Literaturwissenschaftler Thomas Wegmann (Berlin) moderierte die Diskussion

Damit hätten sich die Vertreter des Literaturbetriebs und deren wissenschaftliche Begleiter in der Veranstaltung erst einmal Luft verschafft vor allzu zudringlicher Kritik. Nun konnte man mit einigen Anekdoten auch ein wenig kritisch werden. Von Moritz wurde dann zugegeben, dass es sich bei den Inszenierungen durch die Verlage schon um eine Art "Karneval" handele, der veranstaltet werden müsse, damit die Sponsorengelder kommen.
Klaus Modick berichtet von einer Lesung bei der die Autoren sich in Bäume setzen sollten während der Lesung - er habe sich da allerdings verweigert. Generell bestünde bei der "Eventisierung", so Modick, die Gefahr, dass nicht mehr der Text im Vordergrund stehe, sondern das Drumherum und "damit nehme ich der Literatur das, was sie von den andern Medien unterscheidet." Bei den Events und das wäre die Forderung, müsse die Literatur im Vordergrund bleiben. Dennoch: Der Autor wird bei der Lesung zum Schauspieler mit körperlicher Präsenz. Dies kann bereichernd wirken, wenn ein Autor z.B. sehr gut vorlesen kann oder eine positive persönliche Ausstrahlung besitzt. Es kann aber auch einfach nur peinlich werden. Modick: "Es gibt Autoren die sich verweigern Lesungen durchzuführen und es gibt jene, die es nicht nötig haben." Aber wenn der Autor/die Autorin sich als Person in die Öffentlichkeit begibt und das Schauspiel der Lesung durchführt, dann müssten sie auch das Interesse des Publikums an ihrer Person erdulden und Fragen nach Persönlichem akzeptieren.

Längst geht es um mehr als besonders ausgefuchste Lesungen. Die als Event gestalteten Lesungen reichten nicht mehr aus, auch das "Lesen an ungewöhnlichen Orten" nicht. Vielmehr, so wurde durch verschiedene Bemerkung deutlich, könne immer häufiger eine umfassende Vermarktungsstrategie festgestellt werden. Da werden Buchthemen, Veröffentlichungstermine, Lesereisen und Events detailliert geplant. Zu alledem gäbe es die Einrichtung der "Medienpartnerschaft". Die exklusive Zusammenarbeit mit einem Medium führe zum Ende der Literaturkritik - es gäbe in der Zeitung des Medienpartners keine schlechte Presse mehr, alles was bei dem gemeinsamen Event passiert würde positiv dargestellt. Der Aufwand für umfassende Vermarktungsstrategien wird natürlich nicht für alle AutorInnen betrieben. Vielmehr, so Moritz werde in dieser Hinsicht die Kluft zwischen armen und reichen Autoren immer größer. Das Mittelfeld habe Auflagen von 8.000-10.000, AutorInnen im unteren Bereich kämen nur auf ca. 3.000er Auflagen.
Als Beispiele für Vermarktungsstrategien wurden angesprochen: "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche und Harry Potter. "Der Tod des Märchenprinzen" sei von der Literaturkritik lange ignoriert worden, gleichzeitig stand es lange auf der Spiegel-Bestsellerliste und begann von da aus seinen weiteren Aufstieg.

Die vorübergehend einsetzenden kritischen Töne im Podiumsgespräch wurden bald wieder gedämpft. Es kam der Einwand, dass dies alles keine neuen Methoden seien. Schließlich habe es die Werbelawine und Werbetricks auch schon bei der Einführung des Buches "Vom Winde verweht" gegeben. Und die Einführung des Buches "Die Brücke von Remagen" wäre vom Ullstein-Verlag ähnlich wie die Potter-Vermarktung durchgeführt worden. Klaus Modick verwies nebenbei darauf hin, dass früher schon in RoRoRo Bändchen Seiten im laufenden Text eingebunden waren, die Werbung für Pfandbriefe und Obligationen oder ähnliches enthielten.

Auch wenn alles schon da gewesen sein soll: die Hamburger fanden sich nicht mit einer Inszenierung von Literatur durch einen Atomkonzern ab. Die "Vattenfall Lesetage" in Hamburg, jährlich bis zu angeblich 12.000 BesucherInnen (2010) an. Vattenfall sponsert diese Lesetage, aber seit 3 Jahren regt sich Widerstand. Es wurde eine Gegenveranstaltung aufgezogen aus Protest gegen das schmutzige Kerngeschäft von Vattenfall. Dieser Einbruch einer anderen gesellschaftlichen Realität in den Literaturbetrieb wurde im Gespräch kurz erwähnt aber leider nicht weiter verfolgt. Vielmehr kam später noch mal der zaghafte Hinweis "Es würde viele Veranstaltungen nicht geben, wenn z.B. E-On nicht sponsern würde."
Kaum hatte man also kritische Ansatzpunkte benannt, wurden sie sofort wieder als "immer schon dagewesen" aus der Schußlinie genommen. Schließendlich fiel am Podium noch die Bemerkung: früher habe es ja auch schon die Finanzierung von Schriftstellern durch den königlichen Hof gegeben. Dergestalt abgesichert gegen fundamentale Kritik kam es dann trotzdem zu einigen Bemerkungen, die einer kritischen Sichtweise förderlich sein konnten. Moritz meinte, aus Werbegründen würde die Öffentlichkeit schon mal mit dem Titel auf eine völlig falsche Fährte geschickt, die nicht wirklich mit dem jeweiligen Buch etwas zu tun habe und nur zu Verkaufszwecken konstruiert worden sei. Z.B. in dem Buch mit dem Titel "Die Mätresse des Bischofs" käme weder ein Bischof noch eine Mätresse vor. Moderator Thomas Wegmann brachte dann die Formulierung ein, es handele sich bei den Werbemaßnahmen oft um eine Art "Geschmacksverstärker" die nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun hätten. Damit wären wir dann bei den Begriffen "Etikettenschwindel" und "mentaler Kapitalismus" angekommen, die jedoch keine große Wirkung im Gespräch hatten.

Kommentar:
Von wegen "mentaler Kapitalismus" - Wenn schon dieser Begriff noch erlaubt ist: Während der gesamten Podiumsdiskussion hätte ein kleiner Exkurs in die politische Ökonomie des Buchhandels gut getan. Von wegen "Das hat es doch schon immer alles gegeben, das ist doch nichts neues mit dieser Art der Vermarktung": die Kapitalinteressen hatten ehemals als einziges Ziel vielleicht die möglichst hohe Auflage und/oder die rechtzeitige Fertigstellung, ließen den Autoren ansonsten in Ruhe schreiben (das wäre die "formelle Subsumtion" unter das Kapital).
Aus dem Analyseinstrumentarium von Marx kennen wir die Produktion des "relativen Mehrwerts" und die "reelle Subsumtion" der Arbeit, der Arbeitsmittel, der Produktivkräfte unter das Kapital. Das heisst, die Interessen, mit dem Kram Geld zu machen, durchdringen und prägen die innere Struktur aller am Produktionsprozess beteiligten Faktoren. Das Buch wird schon in seiner Entstehung, in seinem Inhalt, dem Zeitpunkt der Fertigstellung, der Schreibweise, gemeinsam mit der Persönlichkeit der Autorin so durchkonstruiert, und zwar nicht nach Maßgabe künstlerischer, literarischer Prinzipien sondern nach Kapitalverwertungsinteresse. In der reellen Subsumtion wird alles analytisch zerteilt und funktionell im Sinne des Geldmachens neu zusammengesetzt.
Aber, und das ist die andere Seite der Warenanalyse: der ganze Zirkus muß einen Nutzen für diejenigen haben, die am Ende Geld für die Bücher hinlegen. Entweder ist das dann die Qualität des Buches, die LeserInnen überzeugt oder es ist allein das Versprechen, die Illusion, der Etikettenschwindel der drumherum gemacht wird und alle glauben macht, da würde etwas ganz außerordentliches geboten. Letztlich wäre es in diesem Sinne praktisch, wenn sich die Verlage auch noch die LeserInnen und KäuferInnen und nicht nur ihren Betrieb und die AutorInnen stromliniengerecht auf ihre Verlagsinteressen zurechtkonstruieren könnten. Eventisierung und Inszenierung sind ein solcher Versuch. Gelänger er, dann wäre das die reelle Subsumtion auch des Lesers unter das Verlagskapital. Aber die Proteste gegen die Vattenfall-Lesetage lassen hoffen; die Angst der Literatur-Werker vor Sponsorenverlust nicht.

zwei Links:
--
Zur entspannten Erheiterung: Loriot "Lesung" Kraweng, Kraweng
-- Ulrich Greiner Der Betrieb tanzt Über Literatur und Öffentlichkeit Vortrag 1998

 

"Das Eigentliche" / Iris Hanika (Autorin, Berlin)
Do. 9.9.10, 20 Uhr, "Das Eigentliche" / Droschl Verlag Graz 2010

Der Erinnerungsschrecken des Mitarbeiters Frambach im Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung nutzte sich mit der Zeit ab. Irgendwann mußte er nicht mehr an Birkenau denken wenn er Birken sah, nicht mehr an Deportation denken, wenn er Zug fährt. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Wenn er z.B. den PC bootet und die Programmsymbole erscheinen auf dem Bildschirm, dann denkt er daran, dass Programme Befehle (fast) immer widerspruchslos ausführen und dies verschafft ihm die Assoziation "ohne Befehlsnotstand" . Die Sekretärin wiederum erscheint Frambach mal recht neutral als Empfangs-Bhudda mit blonden Haaren aber ein andermal plötzlich wie "die Bestie von Buchenwald". Die Gegenwart ist also durchdrungen vom Schrecken der Geschichte. Dieser Schrecken muß abgearbeitet werden durch das Leben über Generationen, "bis ins 7. Glied". Die offizielle "Vergangenheitsbewirtschaftung" versucht den Menschen die Verarbeitung abzunehmen, sie zu ritualisieren und zu formalisieren. Doch das nutzt sich ab, die öffentlich immer wiederkehrende Beteuerung der Betroffenheit zermürbt eben diese bis die Menschen nicht mehr hören mögen was an offizieller Vergangenheitsbewirtschaftung abgeleiert wird. .


Iris Hanika am 9.9.10 im Literarischen Zentrum

Mit Ausflügen in fulminante Beschreibungen des aktuellen Lebens ihrer Protagonisten koppelt die Autorin sich scheinbar ab von der Erinnerung an die Vergangenheit. Aber nur um dann in den Nischen des Alltags, in den Poren des alltäglichen Lebens plötzlich an etwas anzudocken, was doch wieder und in unerwarteter Weise auf die Vergangenheit hinweist. So kämpft in diesem Buch das Leben der Gegenwart mit der Erinnerung, arbeitet die Vergangenheit ab und zerbröselt gleichzeitig entschieden das überflüssige Schwelgen in falschen weil hohlen, ritualisierten Vergangenheitsbewirtschaftungsformen.

Wer beschreiben will, was in den Poren des Alltags an Vergangenheit sitzt, muß den Alltag genau beschreiben. Die Beschreibungen in Iris Hanikas Roman haben streckenweise hohe expressive Kraft. Sei es die Beschreibung eines Menschen der seine laute Art wie ein "Kettenkarusell" kreisen lässt: "Marschner trug seine gute Laune wie ein Kettenkarussell mit sich herum, er war die Säule in der Mitte, ..." . Oder die atemberaubende Beschreibung der weiblichen Hauptfigur: "Graziela sah aus wie von Picasso gemalt, wie eines von Picassos Porträts von Dora Maar. (...) von die einzelnen Elemente ihres Gesichts waren so angeordnet, dass man sich keine Meinung darüber bilden konnte, denn sie standen in keinem unmittelbar einleuchtenden Verhältnis zueinander." Diese Beschreibung endet mit folgender Steigerung: "Immer wieder sagte er Graziela, der Besitzerin und Bewohnerin dieses Körpers, wie ausnehmend gut er ihr gefalle, und weil Graziela zuvor noch nie jemanden getroffen hatte , der sich ausschließlich beglückt über ihren Körper geäußert hätte, hatte sie ihn ihm sofort zur Verfügung gestellt, das heißt, ihm seine zeitlich wie sachlich uneingeschränkte Benutzung gestattet."
An anderer Stelle beschreibt Hanika in nie gelesener Weise, wie sich Herr Frambach - die Hauptfigur - sein morgendlich aufgesetzte Büro-Begrüßungs-Lächeln nach Abschluß der Begrüßung "aus dem Gesicht schüttelt" und wie das Lächeln dann auf den Boden fällt, um dort bei all den schon auf dem Boden liegenden Lächeln der vorherigen Tage zu landen. Die Putzfrau kann sie nur zur Seite schieben aber nicht beseitigen, "dazu fehlt ihr das Instrument".
Um blitzartig auftauchenden Vergangenheits-Erinnerungen herum toben die detaillierten Beschreibungen scheinbarer Nebensächlichkeiten, gleichwohl mit hoher literarische Qualität. Dankbarerweise verfüge ich z.B. nun über einen Begriff für einen alltäglichen Gegenstand: einen elektrischen Wasserkocher setzt man auf sein "elektrifiziertes Unterteil" - bisher habe ich dieses Teil immer nur begriffslos angestarrt. Und wenn ich zukünftig einen Geldautomaten benutze, dann wird mir noch häufig ihre Beschreibung vom Umtausch des "Materiellem" in "Immaterielles" beim Geldkarten-Aufladen einfallen. (Beim Geldautomaten geht es ja zwar andersherum - aber trotzdem). Und auch ein Auftritt von Angela Merkel im Fernsehen wird bei einem Blick auf deren Patschhändchen nicht mehr ohne Erinnerung an Iris Hanikas Beschreibung Merkelscher Gestik auskommen "Sie sprach immer mit aneinandergelegten Fingerspitzen, die, kaum hatten sie sich einmal voneinander gelöst, sofort wieder auf einander zuflitzten und sich, als seien sie mit Gummibändern miteinander verbunden, punktgenau wieder trafen..." (S. 65) Wer hätte gedacht, dass ich bei der Lektüre eines Buches über Vergangenheitsbewältigung mehrmals laut auflachen muß!

Die Betonung all dieser Passagen soll zeigen, dass das Buch kein Schuld zelebrierendes Depressivwerk ist (der Melancholie und der "De Acedia" hingegen werden einige Seiten gewidmet), sondern dass das Leben beschrieben wird, so wie es weitergeht und wie dennoch die Geschichte darin verarbeitet werden muß. Und sie sollten auf die literarische Qualität hinweisen, die sich unter dem schweren Deckmantel des Themas entfaltet.
In einige Passagen scheint die Autorin voll abzuheben, so wild und kraftvoll überschreitet sie Stilgrenzen und schleudert wildgewordene Sätze um sich. Möglicherweise beherrscht sie eine Psychotechnik mit der man sämtliche Hemmungen beiseite schieben kann und Worte unmittelbar aus der Seele sprudeln lässt, was anderen Menschen nur unter Zuhilfenahme von Drogen gelingt.

Es liegt viel Ernst in diesem Buch. Nicht nur das Grundthema ist ein ernstes. In diesem neuen Buch von IrisHanika sind auch ihre vorhergehenden Bücher mit anwesend. Lacanische Psychoanalyse: Das Ich bildet sich erst in der Spiegelung, Beziehungen - Liebe - Freundschaft , Single und Einsamkeit, all das spielt erkennbar in den Roman hinein. Wenn sich Ernst und Grenzüberschreitung verbinden, dann lässt die Radikalität mit der sie Stil und Worte wählt an einigen Stellen den Atem stocken.
Z.B. bei der Lektüre auf S. 56: "Von ganzem Herzen danken wir unsen lieben Freunden, lieben JÜDISCHEN Freunden, unseren lieben ermordeten JÜDISCHEN Freunden, die wir leider nicht persönlich kennenlernen durften, weil sie vorher schon ermordet und im Feuer verbrannt, unseren lieben lieben JÜDISCHEN toten Freunden dafür, die wirklich froh wirklich sein können, daß sie tot schon tot schon sind, weil wir sie ansonsten glatt zu Tode lieben würden wir sie!" (es handelt sich NICHT um Tippfehler - das steht alles so im Text mit den Verdoppelungen)
Der Atem stockt einem schon auf den ersten Seiten bei der Stelle wo zu lesen steht: "Jedem Lied wohnt ein Auschwitz inne, jedem Baume, jedem Strauch, .." "und jedem deutschen Menschen auch. Fiderallalla , fideralllalla, fiderallla lala la." Lässt sich Fiderallalla mit Ausschwitz zusammenfügen? Und das liest die Autorin auch noch im Literarischen Zentrum laut vor. Ja, meinte sie dazu, sie habe sich schon gefragt ob das wohl O.K. sein könne und sich dann entschieden es zu schreiben.

(Unwesentlich herumkrittelnd sei noch ergänzt, dass dann, wenn "Entlassung" gemeint ist nicht "outsourcing" , sondern "outplacement" die passende Vokabel ist. Desweiteren ist es unlogisch ist, wenn Frambach stats zwanghaft Worten vermeidet, deren Buchstabenanzahl nicht durch 3 teilbar ist, aber ausgerechnet ein Password wählt, das nur 5 Buchstaben hat. 5 ist sogar die Zahl, die er am meisten hasst. Aber ... wie gesagt unwesentlich..)

 

"gazelle" - multi-ethnische deutsche Frauenzeitschrift


Sineb El Masrar

12.11.10 / "Gazelle" ist der Titel einer Zeitschrift, die 2006 gegründet wurde.
"Gazelle" will als multikulturelles Frauenmagazin vor allem Frauen mit "Migrationshintergrund" eine Plattform bieten und gleichzeitig eine Frauenzeitschrift für alle sein.

Herausgeberin ist Sineb El Masrar.

Die Zeitschrift erscheint als Printmedium zweimal im Jahr und ist bislang vor allem in Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen zu finden. Als >> Gazelle-Online ist eine Internetfassung zu finden. Statt eines migrationsbezogenen Namens wurde der eher neutrale Name "Gazelle" gewählt. Gelegentlich weist die Herausgeberin darauf hin, Gazellen seien elegant aber gleichzeitig zäh und überlebten auch unter den schwierigen Bedingungen von Grassteppen und Wüsten.

Herausgeberin Sineb El Masrar ist 1981 geboren als Tochter marokkanischer Eltern. Sie ist in vorwiegend nicht-migrantischer Umgebung aufgewachsen und wurde, wie sie erzählt, erst im Alter von 21 Jahren mit der Frage Migration konfrontiert.

Sineb El Masrar Im Gespräch mit Luise Rist im Literarischen Zentrum 11.11.10

Luise Rist ist Autorin, Dramaturgin, Regisseurin. 1999-2007 hat sie als Dramaturgin am Deutschen Theater in Göttingen gearbeitet. Danach war sie eine der beiden Gründerinnen des boat-people-projektes, das Theaterstücke zum Thema "Flucht" entwickelt. Nach "Lampedusa" (2009) und "Keinsternhotel" (2010) ist als nächstes ein Stück geplant, das 2011 in Kinshasa realisiert wird.


Luise Rist

Sineb El Masrar

Mehrfach kreiste das Gespräch um die Wahrnehmung, dass die Zeitschrift einerseits multiethnisch sei, andererseits das Migrantische zugunsten der Darstellung eines völlig normalen Nebeneinanders nicht zu sehr im Vordergrund stehen solle. Gazelle sei eben ein "deutsches Frauenmagazin" wie andere Frauenzeitschriften auch, "deutsch-deutsche Frauen", "türkisch-deutsche" usw. treten hier wie selbstverständlich nebeneinander in Erscheinung, so wie sie auch nebeneinander im selben Land leben.
Mehrfach arbeitete sich die Sprache an Differenzierungen des Adjektives "deutsch" ab. Immerhin gebrauchte Sineb El Masrar nicht mehr das problematische Wort "bio-deutsch", das noch im Interview mit Willemsen vorkam, sondern "deutsch-deutsch" und z.B. "türkisch-deutsch". (Die Wortkombination "türkisch-deutsch" hatte während der Fussballweltmeisterschaft bereits ein Symbol in Form von zwei entsprechenden Fähnchen nebeneinander gefunden).
Rist sinngemäß: Gazelle ist wie ein ganz normales Frauenmagazin gemacht - aber da sei dann noch etwas Zusätzliches. Rist betonte mehrfach, dass dieses Zusätzliche der verschiedenen Ethniken eher "beiläufig" einflösse, der Migrationshintergrund erscheine immer eher beiläufig.

Sineb El Masrar gab mehrfach Beispiele dafür, dass sie auf jene Frauen zielt, deren Migrationshintergrund durch den Wandel über die Generationen hinweg langsam verblasse, die aber dennoch Elemente davon mit sich tragen. Wie ändert sich die Gewichtung des Migrationshintergrundes über viele Generationen hinweg? Der einzige Unterschied zwischen den Frauen ist oft nur noch, dass irgendwann die Eltern mal aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen seien. Wenn solche Frauen z.B. in ihr Migrationshintergrundsland fahren, dann fahren sie ins Ausland und nicht mehr in die Heimat. Insofern sind es deutsche Frauen mit eben etwas "Zusätzlichem".
Wichtig ist Sineb El Masrar das Rauskommen aus den Stereotypen. Immer wenn von Frauen mit Migrationshintergrund die Rede ist, geht es um Dramen und Tragödien, und jede/r denkt an den Film "Nicht ohne meine Tochter". Es tauchen sofort Entführungen, Zwangsheiraten wenn nicht gar der Ehrenmord in den Gedanken auf. Die Lindenstraße hatte immerhin die MigrantInnen in den Normalalltag überführt. Es habe den "asiatischen Nachbarn", die griechische Familie usw. gegeben. Auch bei der Soap "Gute Zeiten Schlechte Zeiten" gibt es inzwischen die "Deutsch-Türkin", ohne dass das Stereotyp "türkische Putzfrau" bemüht wird. Die Stereotypen gäbe es natürlich auch, aber die Mehrheit wird immer mehr wie alle anderen "deutsch-deutschen".
Wie sich das im Bereich der Religionsunterschiede durchsetzt beschreibt sie im Buch "Muslim Girls" und bekennt gleichzeitig: "Ich bin gläubige Muslima" "Das gibt mir sehr viel Inspiration".

Gazelle - Zeitschrift für die fast voll integrierte Migrantinnen?

Bei der Programmankündigung durch das Literarische Zentrum hieß es: "Gazelle ist ein eigenfinanziertes und unabhängiges Frauenmagazin,(...) Gazelle ist das erste und einzige multikulturelle Frauenmagazin in Deutschland. Gazelle beschäftigt sich mit spezifischen Problemen, Bedürfnissen und Interessen der in der Bundesrepublik lebenden Migrantinnen und deutschen Bürgerinnen und bietet somit eine einzigartige Plattform zum Austausch. Gazelle fördert daher das interkulturelle Verständnis auf Augenhöhe"

Im >> Interview mit Roger Willemsen für DieZeit sagte Sineb El Masrar "Ich wollte eine Zeitschrift machen für biodeutsche Frauen und solche mit Migrationshintergrund" und die Sache mit dem Hintergrund relativiert sie "Ja, man wacht nicht morgens auf und fühlt sich als Afghanin, nur weil die Eltern da geboren sind. Setzen Sie eine Ukrainerin, eine Marokkanerin, eine Deutsche hinter eine Wand, fragen Sie sie, was sie vom Leben wollen. Sie werden sie nicht unterscheiden können." Dass die Gazelle eine normale Frauenzeitschrit sein soll, belegt sie mit der Bemerkung: "Oh ja, wir haben auch die Rubrik »Mode und Schönheit«. Zu einem Frauenmagazin gehört das dazu. Auch eine intelligente Frau will die Farben der Saison kennen." und "Manchmal testen wir auch Anti-Cellulite-Cremes. Frauengewebe eben. Davon kann Aisha genauso ein Lied singen wie Helga."

In den Artikeln und dem angeschlossenen Blog und Forum finden sich nach kurzer Recherche folgende Beispiele:
- deutsch-irische Nachwuchsfotografin,
- jordanische Studentin, die als Eskortdame arbeitet,
- Shanghaier Architekt, der sich der Meditation verschrieben hat
- Naila Khan, Tochter eines indischen Journalisten und einer deutschen Flamencotänzerin, selbst internationale Künstlerin in der Spate Indien- and Bellydancestyle,
- Komi E. wurde im Togo geboren wo er bis 2003 lebte. Hier besaß er ein Textilgeschäft und war als Einzelhändler tätig.

Die Anzeigenvermarktungsfima von Gazelle-Online stellt das Projekt folgendermaßen vor:
"Wetter-Media vermarktet die Werbeflächen des multikulturellen Frauenportales Gazelle-Online. Gazelle-Online ist das Portal für kosmopolitische Frauen. In Gazelle-Online finden Sie Beiträge über Frauen, Kulturvielfalt, Integration, Perspektiven, Familie & Partnerschaft, Mode & Schönheit, Film, Musik und Literatur. Internationale Autoren und hochwertige Bilder machen Gazelle-Online zu einem informativen und gleichzeitig unterhaltenden Frauenportal. Gazelle-Online-Leserinnen sind gebildete und überdurchschnittlich gut verdienende Frauen. Es sind Leserinnen für die ein "Kulturelles Miteinander" und "soziale Verantwortung" hohe Werte darstellen."

In der Gazelle-Online wirbt die Agentur "Maam" , die von sich selbst schreibt:
"ma’am communications wurde 2008 von Mana Alia Mohammed gegründet einer gebürtigen Berlinerin mit deutsch-somalischen Wurzeln "ma’am communications bietet ein breites Spektrum an Serviceleistungen in den Bereichen PR und Promotion mit den Schwerpunkten Musik, urbane Kultur und Lifestyle. Mit einem Gespür für kulturelle Trends und Entwicklungen finden wir gemeinsam mit unseren Kunden passende Kommunikationsstrategien, ....

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Hinweis: Vergleiche zur Behandlung des Migrationsthemas das >>Gespräch mit Emine Sevgi Özdamar 2003 im Literarischen Zentrum

 

Ulli Lust / Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens / Sept 2010

Mi. 15.9.10, 20 Uhr,
Das Literarische Zentrum schreibt in seiner Ankündigung: "Schamlos und rücksichtslos aufrichtig sind sie, die Zeichnungen von Ulli Lust. Diese Geschichte, die auch ihre eigene ist, kratzt in den Augen. Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens (Avant 2009) bricht Tabus in Sprache und Bild. In Revoluzzer-Rot warnt das Cover vor seinem Inhalt. Das schwarz-grüne Roadmovie erzählt von den Gratwanderungen der 17-jährigen Punkette Ulli und ihrer Freundin Anfang der 80er Jahre. Kein Geld, eine Unterhose zum Wechseln und so viel Abenteuerlust, dass sie platzen könnten, überqueren sie die
Grenze nach Italien. Sie wollten der Enge des österreichischen Spießer-Muffs entkommen und geraten unter notgeile Machos. Da zwingt die Erfahrung von Gewalt die Handlung in die Bilder. Die Wut brennt auf der Haut, der Mensch wird zum Wolf und Ulli verliert die Kontur. – Die Wände des Zentrums werden zur Projektionsfläche für eine Graphic Novel, über die der Literaturwissenschaftler Daniel Stein mit der gebürtigen Wienerin spricht. Ihre Bildkolumnen und Minireportagen Fashionvictims, Trendverächter kann man am Tag darauf in einer Veranstaltung von »Literatur macht Schule« entdecken." VVK € 5,50/3,50 AK € 6,50/4,50


Ulli Lust am 8.6.10 im Kabale

Infos über Buch und Autorin nach einer Veranstaltung im Kabale
goest / Das 464 Seiten starke Buch "Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens" besteht aus einer Bildergeschichte, aus Comics mit Sprech-Blasen oder -Rechtecken. Die Geschichte ist die "autobiografische" Erzählung einer Italienreise zweier junger Mädchen - Ulli Lust und ihrer Freundin. Vorrangig ist für Uli Lust der Ausdruck mit Zeichnungen. Der Text spielt nur die zweite Geige. Mit den Zeichnungen eröffnet sich eine Möglichkeit über die realitätsorientierte Abbildung hinaus die subjektiven Empfindungen des Erlebten darzustellen, so wie es Worte nicht können. Beeindruckend z.B. die Verarbeitung der gierenden unverschämten Blicke der Männer auf die beiden Mädchen. Aus den Augen kommen die Blicke in Form von Armen und Händen die nach den Mädchen greifen.


(C) Ulli Lust / Bildausschnitte aus dem Buch "Der letzte Tag vom Rest deines Lebens" - Sie erzählt, von Zudringlichkeiten der Männer bei einer Italienreise.

Veranstaltung 2010 im Café Kabale: Die aus dem Buch ausgewählten Sequenzen, die Uli Lust über Beamer auf die Leinwand projizierte zeigen unbefangen auch Darstellungen sexueller Handlungen. Ungeniert auch die Texte, die Uli Lust laut vorliest und die "Ficken", "Vögeln", "Möse" erwähnen, wie sie in der Realität eben vorkommen und auch "Puff" und "Fut" usw. . Durch all die Unbefangenheit in der Attitüde des anarchistischen Punkmädchens hindurch zeigt die Bildergeschichte, wie sich bei ihr die Erkenntnis entwickelt, das es so bekloppt wie es meist läuft wohl doch nicht das Wahre ist. Und durch die Illusion vermeintlicher Freiheit in der Zeit der sexuellen Befreiung schimmert immer mehr die Erkenntnis durch, es sei wichtig "Nein" zu sagen, wenn frau nicht will. Das Nein-Sagen ausgerechnet als allein reisende junge Frau auf Sizilien lernen zu wollen, ist natürlich eine besonders harte Nummer. Im Kontrast dazu stellt sie ihre mitreisende Gefährtin als "nicht die hellste" dar, die dauernd ficken will und die auch noch meint das sei Befreiung. Dereb zeitweise mitreisender Freund meint hingegen: "die begreift nicht, daß sie nur als Fickmaschine ausgebeutet wird".
Die härtesten Passagen des Buches wurden während der Lesung nicht präsentiert. Auf die Frage aus dem Publikum, warum, antwortete Ulli L.: manche autobiografischen Sachen könne sie zwar in ihrer Kammer zuhause zeichnen aber nicht bei einer Lesung zeigen und auch noch kommentieren - das mache ein schlechtes Gefühl. (gemeint ist eine Vergewaltigung während der Reise) . Die "Transformation schrecklicher Erlebnisse in Literatur" entwickelt jedoch eine eigene Kraft. Es führt dazu, dass sie ausgerechnet die Dinge über die sie lange geschwiegen hat unbedingt erzählen will.
Damit verfolgt Ulli Lust eine Linie, die auch in der Trauma- bzw. Opfertherapie eingesetzt wird. Durch das Herausholen aus dem Schweigen, dem Darüber-Sprechen-Schreiben-Zeichnen erhebt sich das Opfer über die Tat und windet sich damit aus der Erniedrigung.

Auch wenn nur eine Auswahl von Sequenzen präsentiert wurde, so stellte sich in der Wahrnehmung doch ein Eindruck davon her, wie eine Comicerzählung über 450 Seiten auf literarischem Niveau stattfinden kann. Zwar legt Ulli L. nach eigenem Bekunden keinen gezielten Wert auf "schöne" Darstellungen, aber sie konnte es wohl nicht verhindern, dass die Darstellung der Spanischen Treppe von Rom und auch einige Landschaftszeichnungen durchaus ästhetischen Reiz hatten. Und zwischendurch tauchen Zeichnungen auf, die nicht ohne Humor sind, oft auch witzig durch den Kontrast zum Text: "ich will nicht wandern ich will nach Italien", dazu das Bild der Mädchen wie sie durch ein Pflanzenfeld in der Steiermark irren. Oder ganz am Anfang rein zeichnerisch am Rande verändert eine kleine Nippesfigur eines Schweines auf dem Sideboard eines Puffs völlig realitäts-fern ihre Haltung. Die Frau hat Humor.
Irgendwie kontrastierte der brachial anarchistisch punkige Grundton von Ulli Lust mit dem Erscheinungsbild des augenscheinlich braven akademischen sehr jungen Publikums bei der Präsentation der Geschichte.


Das Bemühen, zu fotografieren, ohne mit dem Blitz zu stören fordert seinen Tribut in der Schärfe

Zusatzinfos
"Ulli Lust wurde 1967 in Wien geboren, studierte an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Sie zeichnete u.a. für Le monde diplomatique, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Arte-TV Magazin, Jungle World, Die Zeit, Strapazin, Historisches Museum Wien, Bauhaus Dessau, Klett-Verlag, Rohwolt, Universal-Edition. ..."
Und gerade hat sie beim Comicsalong in Erlangen den Publikumspreis gewonnen, nachdem die Fach-Jury bei der Preisverleihung das Werk nicht gewürdigt hatte. Und immerhin druckt der Avant-Verlag bereits die 3. Auflage des Buches

>> Illustration des Buches als Video-Clip
>> Zum Stellenwert des Buches von Ulli L. in der Comicszene

>> Buchbesprechung in der FAZ
>> http://www.ullilust.de/
>> Graphic Novel (Wikipedia)

 

Nobelpreisträgerin Herta Müller im Literarischen Zentrum

15.10.09 Das Literarische Zentrum, das im März 2009 eine Lesung mit Herta Müller für den 21.01.2010 verabredet und im Juni 2009 bekannt gemacht hat, verlegt die Lesung mit Herta Müller (Berlin) an einen Ort, der es ermöglicht, der nunmehr sehr großen Zuschauernachfrage gerecht zu werden. Also findet die Veranstaltung nicht in den Räumen des Literarischen Zentrums, sondern in der Lokhalle Göttingen statt.
Zwischen 1945 und 1950 wurden rumäniendeutsche Männer und Frauen im Alter zwischen 17 und 45 Jahren von den Sowjets zum »Wiederaufbau« in Arbeitslager verschleppt. Zu den Verschleppten zählte auch der damals neunzehnjährige, vor drei Jahren verstorbene Büchner-Preisträger Oskar Pastior. Ebenfalls von den Deportationen überschattet wurde die Lebensgeschichte der in Siebenbürgen geborenen Schriftstellerin Herta Müller (>Herztier<, >Der König verneigt sich und tötet<), deren Mutter Zwangsarbeit leisten musste. Im Jahr 2004 begaben sich Müller und Pastior gemeinsam zu den historischen Stätten in die heutige Ukraine, um dem Vergangenen nachzuspüren. Auf Grundlage dieser Reise, Gesprächen mit Pastior und anderen Zeitzeugen entstand der Roman >Atemschaukel< (C.Hanser). Eine Rekonstruktion kraft der Fiktion und Poesie. Scharfkantige Erinnerungsbruchstücke, Sichtpartikel, Verdichtung von Erlebtem, Neudefinition und Namengebung, innerhalb derer Überlebtes nachhallt. Der Literaturkritiker Michael Braun (Heidelberg) tritt mit Herta Müller auf dem Grat zwischen Vergangenheit und Gegenwart ins Gespräch. Herta Müller wird sechs Wochen zuvor, am 10. Dezember, der Nobelpreis für Literatur 2009 überreicht. Sie ist nach Nelly Sachs und Elfriede Jelinek erst die dritte deutschsprachige in Stockholm geehrte Autorin.

 

Auszug aus dem handschriftlichen Manuskript von Uwe Tellkamps "Der Turm"

14.10.08 / Bei dem Treffen Junger Magazine, die das Literarische Zentrum im Juli 2008 organisiert hatte war u.a. auch die Zeitschrift "Edit" aus Leipzig vertreten. In ihrer damals aktuellen Nummer 43/44 hatten sie einen Auszug aus dem Manuskript "Der Turm" von Uwe Tellkamp veröffentlicht. Da zu diesem Zeitpunkt von den Herausgebern des "Edit" bereits mit Hochachtung auf das Werk hingewiesen wurde haben wir ein Foto vom "Blick-hinein-werfen" gemacht. 3 Monate später nun hat Uwe Tellkamp für dieses Buch die spektakulärste Auszeichnung, nämlich den Deutschen Buchpreis des Börsenvereins erhalten.


Redakteurin und Redakteur der Zeitschrift "edit" / Leipzig


Handschriftliches vom Preisträger des Deutschen Buchpreises Uwe Tellkamp in "edit"

Fr 4.7.2008, Treffen Junger Magazine Literarisches Zentrum 20 Uhr -

Lesenacht mit Uljana Wolf, Thomas Pletzinger und Thomas von Steinaecker. Die »Testöffentlichkeiten« der Magazine haben ihnen geholfen, sich zu verorten und zu entwickeln. Sie lesen aktuelle Texte und unterhalten sich über die Funktionen dieser vielfältigen Probebühnen, die ersten Schritte auf dem literarischen Parkett und die Arbeit am nächsten Buch.

Moderation: Florian Kessler (Berlin) VVK € 5,50/3,50 AK € 6,50/4,50


Im Innenhof des Börnerviertels präsentierten sich "Junge Magazine"

Sa 5.7.2008, Uhr Treffen der Jungen Magazine, Börner-Viertel 11-18 Uhr Präsentationsmesse
Die Zeitschriften des TJM präsentieren sich im Börner Viertel zwischen Barfüßer- und Roter Straße unter freiem Himmel. Hier können alle Magazine durchblättert und erworben werden. Hier kommen Sie mit den Machern und Autoren ins Gespräch. Außerdem gibt es um 14 Uhr eine Mittagslesung der Jungen Magazine. Eintritt frei

Sa 5.7.2008, Treffen Junger Magazine , ab 21 Uhr Sommerschlussfest
Mit von der Partie die Punklegende Peter Hein, der mit "Fehlfarben" (Es geht voran) bekannt wurde; er hat Letztere wieder ins Leben gerufen und spielt heute mit ihnen im Zentrum. Außerdem liest Hein aus "Geht so", einer Sammlung flanierender Wegbeschreibungen eines wütenden Punkpoeten. Die Schauspieler Martin Maecker (JT) und Nikolaus Kühn (DT) lesen Absagen an Stellenanzeiger. Ausserdem dann Musik und Tanz mit DJ Erika Künstler. VVK € 12,50/8,50 AK € 13,50/9,50

 

 

Die Räumlichkeiten

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Links Blick in den Veranstaltungsraum, rechts: Lounge für ausgiebige Gespräche in kleinen Runden. Das LZ vermietet die  Veranstaltungsräume incl. Beschallungs- und Aufzeichnungstechnik (MC, DAT, VHS) sowie Monitoring für DVD-, CD-ROM-, VHS-Einspielungen.

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Während eines Pressegesprächs zur Programm-Vorstellung


Während der Pause des Veranstaltungsabends mit Kapielski

Das Literarische Zentrum Göttingen - das "begehbare Fuilleton" als Modell (ein Geschenk zum Abschied an Hauke Hückstedt)

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Neue Leitung: Dr. Anja Johannsen

Ohne große Einführungsrituale und ohne viel Aufhebens, vielmehr leise und fast unmerklich hat Anja Johannsen zum 1. Mai 2010 ihre Arbeit im Literarischen Zentrum begonnen

16.7.10 / Nach intensiven Gesprächen mit sieben von zehn Bewerbern hat der Vorstand des "Literarisches Zentrum Göttingen e.V." Frau Dr. Anja K. Johannsen als Nachfolgerin für Hauke Hückstädt gewählt. Frau Dr. Johannsen ist 1974 geboren, wurde 2007 mit einer Arbeit über den möglichen Nutzen der Raumtheorie für literarische Analysen promoviert. Sie hat für in- und ausländische Verlage übersetzt und lektoriert, unterrichtet seit 2004 an Universitäten in Berlin / Paderborn und arbeitet seit 2007 frei und vertretungsweise für das Literaturhaus Zürich. .


Dr. Anja Johannsen
15.7.2010 im Literarischen Zentrum

In ihren bisherigen Vorträgen und in ihrer Uniarbeit kommt zum Ausdruck, dass sie die "Produktions-, Distributions- und Rezeptionsbedingungen" für Literatur zu reflektieren versucht und "literarisches Handeln als soziales Handeln in institutionalisierten Rollen" versteht. Dies lässt vermuten, dass sie beim Betrieb eines Literaturhauses kritisch das Verhältnis zu eingefahrenen Mechanismen des Verlagsmarketings, der Verbreitung und Popularisierung von Literatur im Auge behält.
Von >>NDRKultur wird sie zitiert mit den Worten "Das Motto des Hauses hier, die Metropole im Kopf will ich gerne weitertragen. (...) Ich finde es macht so einen großen Unterschied nicht, wo man jetzt ist. Die letzten 10 Jahre hier haben ja gezeigt, dass man wirklich nicht in Berlin, Frankfurt oder sonst wo sein muss, um tolles und eben kein kommerzielles Programm zu machen."
Bei der ersten Pogrammvorstellung gegenüber den Medien am 15.7.10 setzte Johannsen einige interessante Akzente. Dazu zählt das geplante Gespräch mit der Herausgeberin der Zeitschrift "Gazelle". "Gazelle ist ein eigenfinanziertes und unabhängiges Frauenmagazin,(...) Gazelle ist das erste und einzige multikulturelle Frauenmagazin in Deutschland. Eine weitere Verdeutlichung des Akzentes fand sich in der Formulierung Johannsens: "Literarisches mit sozialpolitischen Fragen verbinden". Nach der Veranstaltung gebeten, hierzu ein Beispiel zu geben, antwortete Johannsen, z.B. die Finanzkrise und deren literarische Verarbeitung wären gegenwärtig naheliegend.

Das - in seiner Zusammensetzung wechselnde - Team


Nadya Hartmann, Andreas Bülhoff, Anna Lena Markus, Anna Mamar

Die neue Leiterin Dr. Anja Johannsen zusammen mit 3 Volontärinnen und einem Volontär am 15.7.10 bei der Vorstellung des neuen Programms

 

 


Das Team des Literarischen Zentrums 2009

 

Das Team im zweiten Halbjahr 2008/2009

v.l.n.r.: Söhnke Grothusen, Katharina Knüppel, Nina Kullrich, Janina Wallbaum, Hauke Hückstädt



Das Team 2007

Tina Nolde, Catharina Koller, Hauke Hückstädt, Josephine Kujau, Aleksandra Laski

Das Team 2006

oben, von links nach rechts: Torsten Kellner, Erik Westermann, Hauke Hückstädt

Unten: Alia Navarro de la Paz, Wiebke Herrmann, Henrike Rohloff

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Das Team 2004

Jean-Michel Berg, Lara Deneke, Sylvia Göthel, Ralph Winter zusammen, hinten rechts: Leiter Hauke Hückstädt.

 

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Programm August 2011 - Februar 2012

Soweit nicht anders angegeben finden die Veranstaltungen
im Literarischen Zentrum Düstere Straße 20 statt

24.8.11 Gerald Hüther, Ruth Kiefer und Wolfgang Vogelsaenger, (Literatur macht Schule« Programm für Schüler und Schülerinnen, Lehrer und Lehrerinnen in Göttingen)
Im Alten Rathaus 20 Uhr

6.9.11 19 Uhr Literarisches Zentrum Lutz van Dijk (Literatur macht Schule« Programm für Schüler und Schülerinnen, Lehrer und Lehrerinnen in Göttingen)

14.9.11 20 Uhr Elazar Benyoëtz 1937 in Wien geboren und in Israel aufgewachsen, fand in den 1960er Jahren in der deutschen Sprache seine Ausdrucksform, worüber er in Allerwegsdahin (Arche 2001) schreibt . VVK € 6/8 AK € 7/9

19.9.11 20 Uhr Sjón, mit vollem Namen Sigurjón Birgir Sigurðsson, schreibt Romane, Gedichte und ebenso erfolgreich Drehbücher. [© Kristinn Ingvarsson ] VVK € 6/8 AK € 7/9

23.9.11 20 Uhr Günter Grass »Die Zeit« - Mein Jahrhundert - VVK u. AK € 12/15
Aula am Wilhelmsplatz,

27.9.11 16 Uhr Franz Hohler, Literatur macht Schule - Programm für Schüler/innen und Lehrer/innen

4.10.11 20 Uhr Christine Garbe, Literatur macht Schule - Programm für Schüler/innen und Lehrer/innen

6.10.11 20 Uhr Yoko Tawada, japanische Prosaistin, Lyrikerin, Essayistin, Theater- und Hörstückautorin. Abenteuer der deutschen Grammatik »Alte Notizen zur linguistischen Erotik« lautet der Titel eines der Gedichte in Yoko Tawadas neustem Band. VVK € 6/8 AK € 7/9

10.10.11 20 Uhr Patrick Bahners Streitschrift Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam ist das Gegengewicht zur inzwischen fast salonfähigen sarrazinschen Untergangspolemik..(Diskussionsveranstaltung) VVK € 8/10 AK € 9/11

9.11.11 20 Uhr Siggi Loch, Plattenboss aus Leidenschaft Als er mit 15 Jahren Sidney Bechet live erlebte, war es um Siggi Loch geschehen: Fortan bestimmte die Musik sein Leben. (Gespräch) VVK € 6/8 AK € 7/9

16.11.11 20 Uhr Ulrich Blumenbach Jack Kerouacs legendären Beat-Roman On The Road (Rowohlt 2010) gab es seinerzeit nur als entschärfte und gekürzte Version. Fünfzig Jahre nach dem ersten Erscheinen liegt nun eine neue Übersetzung vor. (Lesung, Literatur) VVK € 6/8 AK € 7/9

23.11.1120 Uhr Barbara Hahn Rahel Varnhagen - radikale Selbstdenkerin Gedichte, Romane oder Dramen hat sie nie geschrieben. Und dennoch ist sie aus der Literaturgeschichte um 1800 nicht wegzudenken. Rahel Varnhagens literarisches Vermächtnis sind ihre Briefe und Selbstzeugnisse (Lesung, Literatur) VVK € 8/10 AK € 9/11

24.11.11 17 Uhr Jens Soentgen, Literatur macht Schule - Programm für Schüler/innen und Lehrer/innen
XLAB (Norduni)

29.11.11 20 Uhr Michail Schischkin Das verlorene Paradies »Führen sie kurz die Gründe aus, weshalb Sie um Gewährung von Asyl bitten.« Hundertfach muss Schischkins Protagonist, ein Dolmetscher bei der Schweizer Einwanderungsbehörde, diese Aufforderung übersetzen. (Lesung, Literatur) VVK € 7/9 AK € 8/10

2.12.11 Literarisches Zentrum 20 Uhr Zu den beeindruckendsten Büchern der letzten Jahre, die vom Altern erzählen, gehört zweifelsohne Annette Pehnts Das Haus der Schildkröten (Piper 2006). Schauplatz ist das Altersheim (Lesung, Literatur) VVK € 6/8 AK € 7/9

4.12.11 1 Literarisches Zentrum 15 Uhr Michael Schober, Literatur macht Schule - Programm für Schüler/innen und Lehrer/innen

7.12.11 20 Uhr Navid Kermani Poetikvorlesung Über den Abfall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich geschrieben habe Offenbarungen kennen keine Abfälle. Jedenfalls lehren das Alte Testament und der Koran, alles auf Erden sei ein Zeichen Gottes. Als frommer Mensch mag man das leicht glauben. nur AK € 5; Eintritt für Studierende frei
Aula am Wilhelmsplatz,

8.12.11 Literarisches Zentrum Poetikvorlesung 20 Uhr
Aula am Wilhelmsplatz

15.12.11 21 Uhr Finn-Ole Heinrich und Spaceman Spiff Hausbesuch XI »Dieser Mann ist ein wahrer Live-Tipp«, ließ der WDR einmal über den 1982 geborenen Finn-Ole Heinrich verlautbaren. (Lesung, Literatur) Privatwohnung VVK 7/9 Nur VVK.
Ortsangabe bei Ticketkauf (auf dem Ticket selbst)

12.1.12 20 Uhr Göttingen schreibt Auch die Göttinger Literatur braucht Orte! Ob mit Gänsefeder oder am Laptop geschrieben, an diesem Abend stehen Erzählungen lokaler Autorinnen und Autoren im Mittelpunkt: Conny Hiller, Hiltrud Schuch und Markus Thiele (Lesung, Literatur) VVK € 4/6 AK € 5/7

15.1.12 11:15 Uhr Klaus Kordon, Literatur macht Schule - Programm für Schüler/innen und Lehrer/innen
Paulinerkirche

18.1.12 20 Uhr Christian Thanhäuser Homer der Insekten Jean-Henri Fabre war weit mehr als ein großer Insektenforscher. Seine präzisen und poetischen Naturbeobachtungen fanden zahllose Bewunderer. Marcel Proust schlug ihn 1904 für den Nobelpreis vor. (Lesung, Literatur) VVK € 6/8 AK € 7/9

26.1.12 20 Uhr Angelika Barth, Christian Rößner und Julia von dem Knesebeck Literaturverteiler. Orte, Medien, Akteure im literarischen Leben. No. 3: Der Buchmarkt Wer entscheidet eigentlich darüber, welche Bücher stapelweise in den Buchhandlungen ausliegen und welche es nur - wenn überhaupt - ins hinterste Regal schaffen? (Diskussionsveranstaltung) VVK € 5/7 AK € 6/8

3.2.12 20 Uhr Joseph Vogl Von Kollaps und Krise Sind Spekulationsblasen, Crashs und Krisen wirklich Ausnahmefälle oder nicht eher der Normalfall im »Getriebe kapitalistischer Ökonomien«? Wie effizient und rational arbeitet das System denn tatsächlich? (Diskussionsveranstaltung) VVK € 6/8 AK € 7/9

5.2.12 11:15 Uhr Paul Maar, Literatur macht Schule - Programm für Schüler/innen und Lehrer/innen
Paulinerkirche

9.2.12 20 Uhr Marie-Thérèse Fontheim und Wolfgang Wangerin, Literatur macht Schule - Programm für Schüler/innen und Lehrer/innen

 

 

Programmtexte des Literarischen Zentrums Sept 2010 - Feb 2011

Programm 9.9.10 - 5.2.11


Bücher von Autorinnen und Autoren, die im Programm des 2.ten Halbjahres 2010 eine Rolle spielen werden

Überblick

Do. 9.9.10, 20 Uhr, Das Eigentliche Iris Hanika (Autorin, Hamburg)
Mi. 15.9.10, 20 Uhr, Ulli Lust (Comiczeichnerin, Berlin)
Mo. 20.9.10, 20 Uhr, Paulinerkirche Nicolas-Born-Preise
Di. 28.9.10, 20 Uhr, Die ganze Wahrheit Norbert Gstrein (Autor, Hamburg)
Fr. 1.10.10, 20 Uhr, Performanz und Rhapsodie N.Gomringer, Christian Uetz (Zürich)
Do. 7.10.10, 20 Uhr, Sittenlehre Martín Kohan (Autor, Buenos Aires)
Mi. 27.10.10 16.30 Uhr, Christoph von der Maus Christoph Biemann (Filmemacher, Köln)
Do. 11.11.10, 20 Uhr, Gazelle Sineb El Masrar (Herausgeberin, Berlin)
Di. 16.11.10, 20 Uhr, Altes Rathaus Produktionsromane Péter Esterházy (Autor, Budapest).
Sa. 27.11.10, 20 Uhr, Privatwohnung Hausbesuch, Nino Haratischwili (Autorin, HH/GÖ)
Mi. 1.+2.12.10 20 Uhr, Aula Wilhelmsplatz, Poetikvorlesungen John von Düffel (Berlin)
Do. 9.12.10, 20 Uhr, Briefwechsel Bernhard/Unseld
Mo. 17.1.11 20 Uhr Minutentexte mit Baute (Filmkritiker) , Pantenburg (Weimar)
Mo. 24.1.11 20 Uhr, »Ich starre Raster in den Tag« Oswald Egger (Hombroich/Wien)
Sa. 5.2.11 20 Uhr, Herrengedeck C.Elze, D.Falb, N.Lange, S.Popp, A.Rudolph, C.Wenzel

Mo. 20.09.10, 20 Uhr, Paulinerkirche Verleihung der Nicolas-Born-Preise Gerd-Peter Eigner (Autor, Berlin/Rom) Leif Randt (Autor, Maintal)
Mit dem Nicolas-Born-Preis, der erstmalig in Göttingen verliehen wird, zeichnet das Ministerium für Wissenschaft und Kultur Autoren aus, deren Biographie oder Literatur mit Niedersachsen in Beziehung steht. Gerd-Peter Eigner (1942) ging in Wilhelmshaven und Oldenburg zur Schule, blieb im Anschluss aber allein dem Unterwegssein verpflichtet. Zugehörigkeiten sind grundsätzlich umstritten in Eigners Romanen und Hörspielen. Seine Protagonisten versuchen, so die Literaturkommission, »auf schwankendem Boden die Welt zumindest sprachlich in den Griff zu bekommen«. Eigner habe ein Werk vorgelegt, das sich in seiner unkorrumpierbaren Vereinzelung den Zumutungen der Welt widersetze. Und gerade darin zeige sich seine nahe Verwandtschaft zu Born. – Den Debütpreis erhält Leif Randt (1983), Absolvent des Hildesheimer Studiengangs »Kreatives Schreiben«, für seinen Roman Leuchtspielhaus (BvT 2009), an dem die Jury vor allem schätzt, mit welch präziser Coolness Randt von »Jugendszenen als hochkomplexen dynamischen Kulturmaschinen« erzählt. – Beide Autoren lesen im Rahmen der öffentlichen Feierstunde aus ihren Büchern. Eintritt frei.

Di. 28.09.10, 20 Uhr, Die ganze Wahrheit Norbert Gstrein (Autor, Hamburg)
Einen polymorphen Titel hat Norbert Gstrein seinem neuen Roman gegeben: Die ganze Wahrheit (Hanser 2010). Da geht es um eine Verlegerwitwe, die nach dem Tod ihres Mannes ein Buch über diesen schreibt und seine Lebensgeschichte retuschiert, alte Liebschaften tilgt und sich selbst ins rechte Licht setzt. Ironisch reflektiert hier Gstreins Titel. Sein Erzähler, ein Verlagslektor und Freund des Verstorbenen, setzt dem der Witwe ein eigenes Buch entgegen – den Text, den man hier vorliegen hat. Viele werden Gstreins Buch vermutlich als Schlüsselroman lesen, aber er ist um einiges facettenreicher. Immer schon beschäftigt den Autor das Problem von Realitätsdarstellungen.(...) Der Literaturwissenschaftler Gerhard Kaiser nimmt sich dieses gestaltwandlerischen Titels an und spricht mit Norbert Gstrein über die ganze Wahrheit. VVK € 9,50/7,50 AK € 10,50/8,50

Fr. 01.10.10, 20 Uhr, Performanz und Rhapsodie Nora Gomringer (Autorin, Bamberg) Christian Uetz (Autor, Zürich)
Es sei ein Verbrechen an der Literatur gewesen, schrieb Artaud, sie mit dem Verschwinden des Rhapsodenstreits und der Prozessionslieder in die stille Kammer zu verbannen. Literatur müsse wieder Theater werden, sonst tauge sie nichts. Wenn das stimmt, dann taugen diese beiden umso mehr: Gomringer und Uetz sind als Verfasser komplexer Lyrik, aber eben auch als phänomenale Performer bekannt. – Nora Gomringer (1980) ist eine Unbequeme. Eine, die laut verspricht, was sie nicht hält und dann etwas anderes sagt oder doch dabei bleibt. Und bei allem Rausch und Sprachwitz klingt immer ein zarter Unterton mit, der kaum hörbar und doch Fundament ist. – Den Schweizer Christian Uetz (1963) nannte Michael Braun einmal einen »Mann aus Wörtern und Obsessionen, einen modernen Meister Eckhart der atemlosen Sprach-Exaltation«. Er ist ein Sprachanbeter und Gottsucher, der in jedem Satz die Fähigkeit der Sprache, die Grenzen des Erfahrbaren zu übersteigen, feiert. – Unter den Stimmen dieser zwei Ekstatiker wird das Literarische Zentrum zum Resonanzkörper, wenn sie mit ihren sprachbesessenen Aufständen im eh schon schrägen Fachwerk sprechend tönen, bis sich die Balken biegen. In Kooperation mit dem Zentrum für Komparatistik der Uni VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50

Do. 07.10.10, 20 Uhr, Sittenlehre Martín Kohan (Autor, Buenos Aires)
Vermeintlich harmlos beginnt der Roman Sittenlehre (Suhrkamp 2010) von Martín Kohan. Er umkreist historische Ungeheuerlichkeiten mit einer Unaufdringlichkeit, die einem die Kehle zuschnürt. Aber es ist ein Würgegriff mit Samthandschuhen. Nach Sekundenlang und Zweimal Juni hat der Argentinier auch hier einen feinen, hintersinnigen Roman vorgelegt, der beweist, dass Aufarbeitung ohne moralische Keule größte Durchschlagskraft haben kann. – Im Argentinien der 80er tut die Diktatur ihren letzten Atemzug. Als Schulaufseherin im Colegio Nacional ist María Teresa Teil eines komplexen Überwachungssystems. Ihr Alltag besteht aus Haar- und Strumpfkontrollen, dem Prüfen von Knöpfen und Krawatten. Ein eng geschnürtes Regelkorsett soll den »Geist der Subversion« im Keim ersticken. Als ihr Eifer sie auf die Jungentoilette führt, um einen Schüler in flagranti beim Rauchen zu erwischen, bekommt die Inszenierung von Normalität einen empfindlichen Sprung. Sorgfältig zerlegt Kohan die Maschinerie des Militärregimes und lässt uns anhand von Einzelteilen dessen monströse Mechanik nachvollziehen. Zusammen mit Friederike von Criegern de Guiñazú in ihrer Doppelrolle als Moderatorin und Dolmetscherin begegnen wir einer der kühnsten Stimmen der südamerikanischen Gegenwartsliteratur. VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50

Mi. 27.10.10 16.30 h Christoph von der Maus Christoph Biemann (Autor/Filmemacher, Köln)
Er ist so neugierig wie kaum jemand sonst, will alles ganz genau wissen. Und wenn er forscht, experimentiert und dazu Geschichten erzählt, trägt er immer den grünen Pulli. Sonnenklar, um wen es sich da handelt: Christoph aus der Sendung mit der Maus. Den kennt einfach jeder. Und den mag jeder. Denn Christophs Sachgeschichten für kleine und größere Maus-Gucker sind nie langweilig, meistens witzig und hinterher weiß man ziemlich viel mehr als vorher. Da können sogar die Eltern noch was lernen. Aber Christoph gibt’s nicht nur im Fernsehen. Er schreibt auch Bücher – das neueste handelt von Entdeckungen und Entdeckern. Und natürlich wollte Christoph wieder etwas herausfinden: Wer hat denn wann was entdeckt? Den Nutzen des Feuers, den Lauf der Gestirne am Himmel, Buchstaben und Zahlen, Hebelwirkung, Penicillin, Gentechnik? Was brachten diese Erkenntnisse den Menschen? Wie veränderte sich dadurch die Welt? – Um den Entdeckergeist und um kluge Köpfe geht es also bei Christoph Biemanns Besuch bei »Literatur macht Schule«. Eine Geschichte der Wissenschaft im bewährt anschaulichen Christoph-Stil. VVK € 7,50/3,50 AK € 8,50/4,50

Do. 11.11.10, 20 Uhr, Gazelle Sineb El Masrar (Herausgeberin, Berlin)
Ob deutsch-irische Nachwuchsfotografin mit 4 Jahren, jordanische Studentin, die als Eskortdame arbeitet oder Shanghaier Architekt, der sich der Meditation verschrieben hat: Die Gazelle versammelt sie alle auf ihren Seiten. Die Zeitschrift, die sich selbst ein multikulturelles Frauenmagazin nennt, bietet eine Plattform vor allem für Frauen mit Migrationshintergrund. Seit 2006 erscheint zweimal jährlich das Magazin, das verschiedensten Themen Raum gibt, Personen porträtiert und dabei hochglänzend unterhält. Mit unerschöpflicher Energie und Ideenreichtum gibt die 1981 geborene Sineb El Masrar, Tochter marokkanischer Einwanderer, ihre eigene Zeitschrift heraus. Um unabhängig publizieren zu können, gründete die gebürtige Hannoveranerin in Berlin eigens ihren selbstfinanzierten Verlag. Ihre Gazelle schlägt Haken durch die Savanne der deutschen Zeitschriftenlandschaft und lässt die faden Konventionen anderer Frauenmagazine hinter sich. Das Gespräch mit Sineb El Masrar, die am folgenden Tag auch im Rahmen von »Literatur macht Schule« zu Gast sein wird, führt die Dramaturgin und Autorin Luise Rist. VVK € 5,50/3,50 AK € 6,50/4,50

Di. 16.11.10, 20 Uhr, Altes Rathaus Ein Produktionsroman (Zwei Produktionsromane) Péter Esterházy (Autor, Budapest)
Wenn er Ich sagt, erklärte Péter Esterházy schon in Kleine ungarische Pornographie, meine er stets auch jenen Trottel, den er gerade gestalten will. Immer schon gehört die scheinbar oft bis zur Deckungsgleichheit reichende spielerische Nähe von Verfasser und Erzähler, von Faktischem und Fiktivem zu seiner Prosa. – In diesem Herbst nun legt der Berlin Verlag den ersten Roman des schwebenden Ironikers endlich auf Deutsch vor. Als Ein Produktionsroman (Zwei Produktionsromane) 1979 in Ungarn erschien, war sofort klar, dass hier einer antrat, die ungarische Literatur grundzuerneuern. Teil I des Romans ist die Parodie eines Produktionsromans, jener Gattung, in der man gemäß sozialistischer Kulturpolitik von der Arbeiterklasse zu erzählen hatte. In Teil II, »E.s Aufzeichnungen«, berichtet der Chronist Peter Eckermann sehr vergnüglich über die Umstände, unter denen Teil I vom »Meister« geschrieben wurde. Das ist der eigentliche Produktionsroman in Esterházys Sinn. Die Lektorin Katharina Raabe (Berlin) spricht mit dem Autor über diese Keimzelle all seiner späteren Themen und Schreibweisen und seiner ureigenen Gewitztheit. VVK € 12,50/8,50 AK € 13,50/9,50

Sa. 27.11.10, 20 Uhr, Privatwohnung Hausbesuch X Nino Haratischwili (Autorin, HH/GÖ)
»Prosa ist wie eine Ehe und Theaterstücke sind wie Liebhaber«, meint Nino Haratischwili. Bislang präsentierte sie in Göttingen vor allem ihre Liebhaber: Im Februar 2010 wurde ihr Stück Zorn am Deutschen Theater uraufgeführt, in dieser Saison ist sie als Hausautorin dort. Nun hat die junge Georgierin ihre erste Ehe geschlossen. Ihr Roman Juja, im Verbrecher Verlag erschienen, basiert auf einer wahren Begebenheit. Haratischwili belebt den geheimnisvollen Fall eines weiblichen Werther-Effekts wieder: Im Paris der 50er Jahre schreibt eine 17-Jährige einen aufwühlenden Prosatext. Zwei Jahrzehnte später veranlasst dieser andere Frauen, sich wie die Autorin das Leben zu nehmen. 2005 stoßen einige Figuren auf den Fall und versuchen, ihm auf den Grund zu gehen. Ungewollt geraten sie in den Sog dieses merkwürdigen Buches und verstricken sich zunehmend darin. Juja ist eine virtuose Engführung von unterschiedlichen Stimmen, ein Ineinanderlaufen von Vergangenem und Gegenwärtigem. In unserer Reihe »Hausbesuch« liest Haratischwili, Trägerin des Adelbertvon Chamisso-Förderpreises 2010, bei Käse und Wein in einem Göttinger Wohnzimmer aus ihrem eindrücklichen Debütroman. Nur VVK. Ortsangabe bei Ticketkauf. VVK ab € 16,50/12,50

Mi./Do. 01./2.12.10 20 Uhr Aula am Wilhelmsplatz Die dramatische und die epische Lesart der Welt – Poetikvorlesungen John von Düffel (Autor/Dramaturg, Berlin)

1.12.:
Die dramatische Lesart der Welt
2.12.:
Die epische Lesart der Welt

Die epische und die dramatische Lesart der Welt Poetikvorlesungen am 1. und 2. Dezember 2010 mit dem Autor und Dramaturgen John von Düffel (pug) Der Dramaturg und Schriftsteller John von Düffel hält die diesjährigen Göttinger Poetikvorlesungen. Er ist auf Einladung des Seminars für Deutsche Philologie und des Literarischen Zentrums Göttingen zu Gast an der Georg-August-Universität. John von Düffel ist durch die Romane Vom Wasser und Houwelandt sowie durch seine Inszenierung von Thomas-Mann-Romanen wie den Buddenbrooks bekannt geworden. Der gebürtige Göttinger spricht an zwei Abenden über „Die epische und die dramatische Lesart der Welt“. Darüber hinaus hält er eine Lesung in einer Schule und diskutiert mit Göttinger Studierenden. Die Poetikdozentur wird von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck unterstützt. Die beiden Vorlesungen finden am 1. und 2. Dezember 2010 in der Aula am Wilhelmsplatz statt und beginnen jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. „In meinen beiden Göttinger Exkursen wird es um die dramatische beziehungsweise epische Lesart der Welt gehen“, erläutert John von Düffel. „Dieser Doppelblick hat zunächst mit meiner geteilten Vita zwischen Buch und Bühne zu tun: dem Dramatiker und Dramaturgen auf der einen Seite sowie dem Romancier und Erzähler auf der anderen. Was prädestiniert einen Stoff für eine epische beziehungsweise dramatische Form? Oder sind das Epische und das Dramatische nur zwei verschiedene Betrachtungsweisen ein und derselben Sache?“ Solche Fragen hätten gerade aufgrund der vielen Gattungsüberschreitungen durch Romanadaptionen für das Theater auch ganz praktische Konsequenzen: „Selbst wenn es die Puristen nicht gerne sehen, gibt es sehr handfeste Erkenntnisse über die Möglichkeiten des epischen beziehungsweise dramatischen Prinzips. Diese möchte ich anhand meiner Bearbeitungen von Thomas Manns Buddenbrooks, Felix Krull, Joseph und seine Brüder sowie Doktor Faustus beschreiben.“ John von Düffel, Jahrgang 1966, wuchs in Irland, den USA und in Niedersachsen auf. Er studierte Philosophie und Volkswirtschaft. Bekannt wurde er als Verfasser von Dramen und Prosa sowie durch seine Arbeit als Dramaturg. Im Jahr 2000 wurde er Schauspieldramaturg am Thalia Theater Hamburg, wo er 2005 mit einer Bühnenfassung der Buddenbrooks für Furore sorgte. Seit 2009 arbeitet er am Deutschen Theater Berlin. Seinen ersten Roman Vom Wasser veröffentlichte er 1998. Seitdem folgten zahlreiche weitere Stücke, Erzählungen, Essays und Romane, darunter 2004 der hochgelobte Generationenroman Houwelandt. John von Düffel erhielt zahlreiche Preise, vom Ernst-Willner-Preis über den Aspekte-Literaturpreis bis hin zum Nicolas-Born-Preis. Er leitet regelmäßig Schreibkurse und Dramatikerworkshops, ist Honorarprofessor der Universität Hildesheim und war Poetikdozent an der Universität Bamberg (2008) und der Universität Duisburg-Essen (2010).

Do. 09.12.10, 20 Uhr, Der Briefwechsel Bernhard/Unseld Raimund Fellinger (Lektor, Berlin) Martin Huber (Bernhard-Archiv, Gmunden)
Ein Mammutprojekt war die Herausgabe des Briefwechsels zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld. Die von 1961 bis 1988 währende Korrespondenz zwischen Autor und Verleger umfasst über 500 Briefe. In einem Feuerwerk an Fußnoten, gespickt mit Notizen, Reiseberichten und Aufzeichnungen, lassen die Herausgeber zwei Giganten der Literaturund Verlagsgeschichte lebendig werden. Hier treffen Größenwahn und Großzügigkeit aufeinander. Ist das Verhältnis von Verlegern und Autoren auch oftmals das eines verheirateten Paars, werden hier die Bedingungen des Ehevertrags auf dem Schlachtfeld ausgehandelt. Es ist ein Kampf mit ungleichen Waffen: Auf den Starrsinn des schillernden Aggressors Bernhard reagiert Diplomat Unseld mit Beschwichtigung, auf erzürnte Eitelkeit mit Verständnis und Kalkül. In ihrer Reibung entstand eine Energie, die beide in ihrem Bereich zu Höchstleistungen anspornte. Wir wagen einen Blick in Abgründe – des Literaturbetriebs und der Psyche seiner Akteure. Die Herausgeber Fellinger und Huber schlüpfen in die Rollen Bernhards und Unselds und sprechen mit dem Germanisten Karl Wagner über geschäftstüchtige Genies und geniale Geschäftsmänner. VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50

Mo. 17.01.11 20 Uhr Minutentexte Michael Baute (Autor/Filmkritiker, Berlin) Volker Pantenburg (Medienwiss., Weimar)
Es ist ein ausgefallenes Projekt, das sich Baute und Pantenburg da ausgedacht haben: Die 93 Minuten des Schwarzweiß-Klassikers The Night of the Hunter (Charles Laughton, 1955) losten sie unter 93 Filmschaffenden und Cineasten aus und baten sie alle, einen Text zu den jeweiligen 60 Sekunden zu schreiben. Herausgekommen sind dabei die 2006 erschienenen Minutentexte, in denen u. a. Harun Farocki, Christian Petzold, Monika Rinck und Hanns Zischler dieses teils expressionistische Schauermärchen beschreiben, analysieren und weiterdenken. 2009 folgte das aus den Minutentexten collagierte Hörspiel: das faszinierende vorläufig letzte Glied in der ästhetischen Verwertungskette. Entsprechend begeistert reagierte die einschlägige Presse auf dieses symphonische Fest des Hörens, das klug ausgewählte Passagen aus den Texten mit musikalischen Einspielern, Filmgeräuschen und Fremdmaterial in oft schnellen, bannenden Wechseln raffiniert kombiniert. – Ab 19 Uhr werden Ausschnitte des Films im Zentrum gezeigt. Im Anschluss präsentieren und erläutern Pantenburg und Baute ihr mehrteiliges Projekt in Ton, Bild und Wort. Einlass: 19 Uhr VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50

Mo. 24.01.11 20 Uhr »Ich starre Raster in den Tag« Oswald Egger (Autor, Hombroich/Wien)
»Die Mathematik ist das Instrument, welches die Vermittlung zwischen Theorie und Praxis bewirkt, zwischen Denken und Beobachten«, schrieb der Mathematiker David Hilbert. Oswald Egger, einer der experimentellsten, sich und ihre Umwelt ständig reflektierenden Dichter, folgt diesem Diktum. In seinem 2008 bei Suhrkamp erschienenen Band Diskrete Stetigkeit – Poesie und Mathematik wandelt er als dantesker Beobachter durch das verworrene Dickicht einer mathematisch-philosophischen Ideengeschichte. Auf der Suche nach Musterbildungen in Geometrie und Text stößt Egger auf ähnliche Verfahrensweisen, ähnliche Denkbewegungen, die er vermeintlich an den Haaren herbeizieht und am Schopfe packt. – Die Literaturwissenschaftlerin und Mathematikerin Andrea Albrecht, die sich mit dem Wechselverhältnis beider Disziplinen beschäftigt, wird im Gespräch mit Egger versuchen, deren Beziehungen aufzudecken und ästhetische Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Diese Veranstaltung ist Teil einer losen Reihe, die sich den Zusammenhängen von Literatur und Wissenschaften widmet und nach verwandten Themen und Verfahrensweisen fragt. VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50

Sa. 05.02.11 20 Uhr Herrengedeck Carl-Christian Elze, Daniel Falb, Norbert Lange, Steffen Popp, Andre Rudolph, Christoph Wenzel
Ein Herrengedeck, das ist ein Bier mit einem Kurzen. Eine in zahllosen Eckkneipen bewährte Kombination: guter Pegel, zeitloser Geschmack und kein Kater am nächsten Tag. Sicher, die junge Gegenwartslyrik ist kein Stammtisch. Hier sitzen nicht die ewig gleichen Gestalten und geben ihre Lebensphilosophien von sich – im Gegenteil: Da gibt es eine Szene, die fluktuiert und sich bewegt, innovativ ist und gut klingt. Vor einem Jahr stellten das sechs Lyrikerinnen im »Fräuleinzunder« unter Beweis. Nun sind die Herren an der Reihe. Und natürlich gibt es auch unter ihnen – von dem sozial-surrealen Collagisten Daniel Falb bis hin zum Autor und Herausgeber bleigesetzter Literatur Carl-Christian Elze – eine enorme Vielstimmigkeit. Die interessantesten sechs haben wir eingeladen. Christoph Wenzel wird am Abend zuvor im Rahmen von »Literatur macht Schule« in einer Privatwohnung für Schüler lesen.

 

Programm März - Juli 2011


Einige der Bücher, die im Neuen Programm zur Sprache kommen

11 7. März Montag , 20 Uhr Rosemarie Tietze neu_übersetzt: Tolstois »Anna Karenina« / > Ausführliche Besprechung der Veranstaltung

24. März 20 Uhr Angela Krauß »Im schönsten Fall« »Mit dem Weltall verhält es sich wie mit der Zukunft und mit der Liebe. Nichts davon lässt sich begreifen,

31. März , VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50 20 Uhr Arno Geiger »Der alte König in seinem Exil« In der Reihe: Das Alter in der Literatur. Literatur kann das, was uns fern erscheint, zum Begreifen nah heranholen. Sie kann dort, wo sich öffentliche Debatten im Kreis drehen, neue Perspektiven eröffnen.

7. April Altes Rathaus, , VVK € 9,50/7,50 AK € 10,50/8,50 20 Uhr Heinz Ludwig Arnold »Ein abenteuerliches Herz« Ernst-Jünger-Lesebuch Ernst Jünger war ein Jahrhundertmensch, nicht nur wegen seines über 100-jährigen Lebens. Kriegsbegeisterter Nationalist und unpolitischer Käfersammler, Träger des Eisernen Kreuzes ebenso wie des Goethe-Preises.

11. April , VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50 20 Uhr Karen Duve »Anständig essen« Eine von der Gesundheitsfraktion war Karen Duve nie. Ein Leben ohne REWE-Hähnchenpfanne und Cola light schien ihr undenkbar. Bis ihre neue Mitbewohnerin erste Zweifel weckt.

4. Mai Altes Rathaus, VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50 20 Uhr Mathias Mertens und Stephan Porombka »Statusmeldungen« Ein Abend zu Facebook Täglich neue Wasserstandsmeldungen: 500 Millionen Nutzer – momentan. Wert: 500 Milliarden Dollar. Erfolgreichste Internetseite, vor Google. Selbst bekennende Technikfeinde und Datenschützer nutzen Facebook.

12. Mai , VVK € 5,50/3,50 AK € 6,50/4,50 20 Uhr Bascha Mika Feminismus reloaded Noch immer haftet dem Feminismus das Stigma des verbiesterten und männerfeindlichen Latzhosen-Emanzentums an. Die Schwarzer-Keule ist mächtig, Gegner finden sich in allen politischen Lagern.

18. Mai , VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50 20 Uhr Alisa Ganieva , Aleksej Lukjanow und Denis Osokin »Das schönste Proletariat der Welt« Junge Erzähler aus Russland In Russland meldet sich eine neue Generation von Autoren zu Wort – die Generation derer, die den Zusammenbruch des Imperiums als Kinder erlebt haben.

22. Mai , VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50 20 Uhr Viola Roggenkamp »Tochter und Vater« Unvergessen ist vielen Leserinnen Viola Roggenkamps Familienleben, ihr einfühlsam und schwungvoll gezeichnetes Porträt einer deutsch-jüdischen Familie in Hamburg.

30. Mai VVK € 9,50/7,50 AK € 10,50/8,50 20 Uhr Silke Scheuermann Ich und Du »Silke Scheuermanns Gedichte«, schrieb Hauke Hückstädt einmal, »sind hervorragende Träger und Leiterflächen unserer Wahrnehmung«. Das sind sie vor allem deshalb, weil sie keine Angst haben.

7. Juni , VVK € 5,50/3,50 AK €6,50/4,50 20 Uhr Thierry Chervel , Fotis Jannidis und Kristina Maidt-Zinke Literaturverteiler. Orte, Medien, Akteure im literarischen Leben. No. 1: Das Netz Literatur braucht Öffentlichkeit, braucht Verteiler, die sie unter die Leute bringen. Die Reihe Literaturverteiler sucht jene Schalt- und Schnittstellen auf, an denen Literatur heute auf ihre Leser trifft.

17. Juni , VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50 20 Uhr 25 Jahre Wallstein Vom Kneipenführer zu »einem der schönsten deutschen Verlage dieser Jahre« Der Göttinger Wallstein Verlag ist Heimat wichtiger Briefeditionen, erstaunlicher Entdeckungen wie Georg Christoph Lichtenbergs Noctes, des skandalösen Geheimreports von Carl Zuckmayer

23. Juni Altes Rathaus, 25 Jahre Wallstein Eintritt frei. 20 Uhr Péter Nádas und Richard Swartz Europa im Zwiegespräch Zustand und Stimmung Europas kurz vor der Wende 1989

27. Juni Paulinerkirche, VVK € 12,50/8,50 AK € 13,50/9,50 20 Uhr Ulrike Beisiegel , Nina de la Chevallerie und John Patrick In Sachen: Adrenalin Adrenalin ist ein Hormon, das in Stresssituationen ins Blut ausgeschüttet wird. Die Folge:

1. Juli , VVK € 5,50/3,50 AK € 6,50/4,50 20 Uhr Abbas Khider und Alawiyya Sobh – »Heimaten« Was ist das für ein Land, in dem es anstelle einer Amnestie Blutorangen für die politischen Gefangenen gibt?

4. Juli Lichtenberg-Kolleg, ACHTUNG: Anders als im Programmfolder angekündigt ist der Eintritt frei 20 Uhr Gerhard Kaiser, Klaus Modick und Rainer Moritz Literaturverteiler. Orte, Medien, Akteure im literarischen Leben.

8. Juli, VVK € 7,50/5,50 AK € 8,50/6,50 Sommerfest 2011 16 Uhr Rafael Horzon , Die Stillen Hunde und Bernadette La Hengst 16.30 Uhr Die stillen Hunde (Schauspielduo, Göttingen) 20 Uhr Rafael Horzon (Universalgenie, Berlin)/Marc Hosemann (Schauspieler, Berlin) 21.30 Uhr Bernadette La Hengst (Musikerin, Berlin) Sommerfest.


Vorstellung des Programms im Literarischen Zentrum