goettinger stadtinfo Tschernobyl Tonbandaufnahme
der Bürgertelefonansage zur Tschernobylradioaktivität in Göttingen Zusammenfassung
der TV-Nachrichten / Warnungen + Verharmlosungen + glatte Lügen |
| Erinnerung
an Tschernobyl Ein subjektiver Zeitzeugenbericht 18.4.08
/ Am 26. April 1986 ging das Atomkraftwerk in Tschernobyl in die Luft. Radioaktive
Wolken trieben über hunderte Kilometer weit und verseuchten die Luft, Pflanzen
und Boden. Die grasfressenden Kühe produzierten radioaktiv belastete Milch;
daraus ergaben sich belasteter Käse und andere Folgeprodukte bei denen z.B.
Molke bzw. Molkepulver verarbeitete wurde . Ahnungs- oder arglose KonsumentInnen
aßen weiterhin Spinat, Salat und anderes, was sie besser gelassen hätten.
Türkische Nüsse waren hochbelastet. Sand auf dem Spielplatz war auch
radioaktiv belastet. Einen Tag nach dem Unglück in Tschernobyl, hingen wir auf dem Marktplatz eine Wandzeitung auf mit einigen Verhaltens-Ratschlägen:
Bei
einer Spontandemonstration wurden zum Protest Tüten mit Frischmilch, die
man kurzerhand aus einem Supermarkt herausgeholt hatte auf die Strasse geschüttet
- es war klar, dass die Milch bei den hohen Grassverseuchungswerten bald ebenfalls
verseucht sein würde oder schon war. Es
dauerte eine Weile, bis den Leuten klar wurde, dass nach dem Jod noch Caesium,
Strontium und Plutonium im Land runtergegangen sind. Heidelbeeren und Kartoffeln
mit Belastungsspitzen bei Caesium und Strontium. Ein Anruf bei der Deutschen Krebshilfe
mit der Frage, ob sie denn auch den Zusammenhang zwischen Radioaktivität
und Krebs untersuchen traf auf Unverständnis und blieb ohne vernünftige
Antwort. Das Beispiel einer der Ansagen, eine Aufnahme vom 7/8 Mai 1986, die u.a. auch eine Bemerkung zu einer Anti-AKW-Aktion enthält ist in einem Tondokument anzuhören ein Ausschnitt aus den gesammelten Aufnahmen der Ansagen über Radioaktivität aus dem "Bürgertelefon". >Audio-Datei
mit Tschernobylansage aus dem Jahr 1986 mp3
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| DOKUMENTATION / GOEST.de Katastrophenpolitik
in Göttingen 1986: Behörden und Tschernobyl 0.
Vorbemerkung
Vorbemerkung 2004 Der Text wurde damals noch mit Schreibmaschine verfasst, er wurde für die Veröffentlichung in goest eingescannt, was allerdings immer einige Textfehler produziert. Die
in der Papier-Broschüre enthaltenen Punkte 6. bis 11. umfassten den Anhang
mit Tabellen, Zeitungsausschnitten usw. und sind in der vorliegenden Internetversion
nicht enthalten. Es handelt sich um die Abschnitte: 1. Katastrophenpolitik Im Katastrophenplan des Kernforschungszentrums Karlsruhe ist bereits eine Beruhigungsformel enthalten, die der Bevölkerung nach einem Unfall mitgeteilt werden soll:
Wie kann man bei einem Katastrophenfall in einem Atomkraftwerk eigentlich davon sprechen, dass kein Grund zur Aufregung bestehe ? Und vor allem ist es verwunderlich, dass man das bereits behauptet, wenn noch gar kein Unfall eingetreten ist. Ähnliche Lügen sind uns erzählt worden nachdem der Katastrophenfall in Tschernobyl eingetreten war. Der Verlauf der Ereignisse hat jedoch gezeigt, dass die Informationspolitik des Katastrophenmanagements unglaubwürdig wird, wenn es nicht gelingt, die Rechte auf Verlautbarungen zu zentralisieren. Denn nicht nur ausländische Nachrichten auch Messungen durch verschiedene wissenschaftliche Institute, unzensierte Presse- und Rundfunkmeldungen sowie dezentrale landespolitische Maßnahmen im eigenen Land durchlöcherten die Informationspolitik der Bundesregierung. Es ist zu befürchten, dass für die Zukunft Maßnahmen vorbereitet werden, die die bundeseinheitliche Lüge ohne Widerrede ermöglichen sollen. Um dies zu verhindern,müssen dezentrale, politisch unabhängige Institutionen zur Messung von Radioaktivität geschaffen und eine weitergehende Gleichschaltung der Massenmedien verhindert werden.
In der Zeit vom 27.4. bis 5.5.86 wurde keine einzige offizielle Verlautbarung der Göttinger Behörden bekannt, die sich mit der bevorstehenden bzw. bereits stattgefundenen radioaktiven Verseuchung beschäftigt hätte. Man hätte gut glauben können, die Region Südniedersachsen sei von der radioaktiven Wolke völlig verschont geblieben. Es gab Leute in Göttingen die es besser wußten aber geschwiegen haben. Am 30.4.86 wurde dem Zivilschutzamt der Stadtverwaltung Göttingen auf Anfrage im Zentralen Isotopenlabor der Göttinger Uni mitgeteilt: ,,Die Messungen am 30.4. haben ergeben, dass ein Anstieg der Luftradioaktivität zu verzeichnen ist." (Der Oberstadtdirektor (Vieten) der Stadt Göttingen (Hrsg), Dokumentation zu den Auswirkungen des Reaktorunfalls in der UdSSR vom 30.4.-30.5.B6) Dies ist nicht die einzige Information geblieben, die der Bevölkerung gegenüber verschwiegen wurde. Am Donnerstag den 1. Mai hielten sich viele Menschen wegen der Maidemonstration im Freien auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Isotopenlabor ja bereits erhöhte Radioaktivitätswerte festgestellt. Auch aus der Wettervorhersage war bekannt, dass die ersten Ausläufer der radioaktiven Wolke wahrscheinlich am Donnerstag die Bundesrepublik erreichen würden. Von keiner Seite erfolgte eine Warnung an die Bevölkerung in der Region Göttingens. Am Freitag den 2. Mai forderte eine Protestversammlung vor dem Neuen Rathaus den darin tagenden Rat der Stadt auf, Messungen der Radioaktivität vonehmen und die Ergebnisse bekanntgeben zu lassen. Ein enstprechender Dringlichkeitsantrag von AGIL und GLG wurde abgelehnt. Der Zugang zum Ratssaal wurde von einer Polizeikette versperrt, die vom Gesetz her öffentliche Sitzung wurde damit zur nicht-öffentlichen Sitzung. Gegen die Protestierenden am Rathaus-eingang wurde Kampfgas aus Sprühflaschen eingesetzt. Die daraufhin erfolgte Besetzung der Kreuzung am 82er Platz wurde durch knüppelschlagende Polizisten beendet. An diesem Tag war die Radioaktivität in der Göttinger Luft bereits auf das Tausendfache, nämlich von 0,003 auf 4,2 Bequerel Jod 131 pro Kubikmeter angestiegen. Das eingeatmete Jod gelangt in die Schilddrüse, besonders in Jodmangelgebieten wie die Region Göttingen. Dieser Anstieg der radioaktiven Belastung muß der Verwaltung bekannt gewesen sein, denn am 30.4.86 hatte der Leiter des Isotopenlabors Dr. Porstendörfer dem Zivilschutzamt zugesagt, die Verwaltung sofort zu informieren, wenn sich die Werte verschlechtern (Dokumentation der Stadt Göttingen, im Folgenden zitiert als ,,Dokumentation") VERÄNDERUNG DER MESSWERTE im Zeitraum vom 30.4.-2.5.86 (2) in Millibecquerel pro Kubikmeter Luft
Entweder
hat Herr Porstendörfer seine Zusage nicht eingehalten oder die Verwaltung hat
trotz ihrer Kenntnis von stark angestiegenen Meßwerten geschwiegen und die Bevölkerung
uninformiert gelassen. Auch am Samstag den 3.5. hielt es die Verwaltung nicht für nötig, die Bevölkerung über die Meßergebnisse zu informieren. Hatte etwa Herr Porstendörfer immer noch nicht Bescheid gesagt ? An diesem Jag war herrlicher Sonnenschein nach langer Schlechtwetterperiode. Viele Menschen hielten sich im Freien auf, Kinder durften draußen spielen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich schon radio-aktive Staubpartikel auf dem Boden niedergeschlagen, zu der äußeren ionisierenden Gamma-Strahlung kam nun noch die Gefahr, dass Kinder Gegenstände vom Boden aufhoben und in den Mund nahmen und so radioaktive Partikel inkorporieren. Während einige AKW-Gegner eine Papptafel mit Warnungen und Ratschlägen für Schutzmaßnahmen gegen die radioaktive Verseuchung aufhingen blieben die Behörden weiterhin schweigsam: Keine Warnung, keine Bekanntgabe von Meßergebnissen, eine Vorsorgemaßnahmen - nichts. In
der Nacht von Samstag auf Sonntag (3.5./4.5) fiel der erste Regen. Nun waren die
radioaktiven Partikel aus der Luft auf den Boden niedergegangen, die Strahlungsintensität
die vom Boden ausging war über Nacht enorm angestiegen. In den Tagen danach wurde
im Landkreis Göttingen mehrfach der Grenzwert von 37000 bq pro Quadratmeter überschritten,
ab dem Schutzmaßnahmen bei Betreten notwendig sind. Stattdessen ließen sich die
Menschen durch das schöne Wetter zu ausgedehnten Spaziergängen und Radtouren verlocken,
legten sich ahnungslos ins Gras, ließen ihre Kinder im Sandkasten spielen, begaben
sich ungeschützt in den nachmittags einsetzenden Nieselregen, der ebenfalls verseucht
war. Am Sonntagabend um 20.15 Uhr teilte der Leiter des sogenannten ,,ABC-Zuges",
eine Unteräbteilung des Jechnischen Hilfswerkes (THW), der Stadtverwaltung mit,
dass im Osten des Landkreises Radioaktivitätswerte festgestellt worden seien,
die ,,Anlass zu einer kritischen Beobachtung" gäben. (Dokumentation) Seltsamerweise
wurde dieser gemessene Wert nie bekanntgegeben. Auch später als eine Jabelle mit
den Meßwerten des JHW veröffentlicht wurde, fehlte dieser Meßwert. Jedenfalls
ließ das JHW einen Tag nach diesen hohen Meßwerten im Göttinger Jageblatt verlauten:
die Meßdaten ,,lägen geringfügig über dem Obwohl seit dem 30.4. Meßwerte in der Stadtverwaltung bekannt waren, wurden erstmals am Dienstag den 7.5.86 Meßwerte bekanntgegeben. Dabei scheint man sich im Nachhinein auf Aussagen von Dr. Porstendörfer, Leiter des Isotopenlabors, berufen zu wollen: 30.4.: ,,Nach Auskunft von Herrn Dr. Porstendörfer besteht kein Grund zur Besorgnis. Es handele sich um Strahlenwerte, die nicht gesundheitsschädlich seien." 4.5.:
,,Das Zivilschutzamt setzt sicht telefonisch mit dem Leiter des Isotopenlabors,
Herrn Dr. Porstendörfer, in Verbindung und erhält von dort die Auskunft, ,dass
im Hinblick auf die Regenfälle am Wochenende mit einem Auswaschen der Luft und
einem Anstieg der Radioaktivität am Boden zu rechnen sei. Herr Dr. Porstendörfer
schätzt die Lage auch nach der zu erwartenden Erhöhung der Bodenwerte als nicht
bedrohlich ein und meint, dass die erhöhte Strahlung tolerierbar sei." (Dokumentation) Auch in der Nacht von Sonntag auf Montag (4.5/5.5.) ging Regen nieder. Aus Kassel wurden Meßwerte von 6 500 Bq/l Regenwasser bekannt, das Institut für biophysikalische Chemie gab inoffizielle Hinweise auf ca. 10 000 bq/l Regenwasser für Göttingen bekannt. Aber auch am Montag wurden keinerlei konkreten Meßwerte von den Behörden bekanntgegeben. In einem Artikel des Göttinger Tageblattes wurde allgemein über Messungen des JHW berichtet und folgende Bewertung wiedergegeben: ,,Die Meßdaten, die das JHW ermittelt hatte, lagen zwar gerinfügig über dem Durchschnitt, dennoch bestünde kein Grund zur erhöhten Besorgnis." (Göttinger Tageblatt 5.5.86) Das THW Göttingen hatte mit seinem "ABC-Zug" am Sonntag Messungen im Landkreis durchgeführt und kritische Werte besonders im Ostteil des Landkreises festgestellt. Unter Auslassung der Meßdaten aus dem Ostteil wurden die Werte erst am 20.5.86 im GT veröffentlicht. Im Gegensatz zu den offiziellen Meldungen (3) war z.B. Oberkreisdirektor Engelhardt aufgrund der Messungen sehr beunruhigt, wie er auf einer Veranstaltung der SPD am 7.5. sagte - er habe ja selbst einen Säugling in der Familie. Nur warum hat Herr Engelhardt nicht eine sofortige Veröffentlichung der Meßwerte am Montag veranlaßt, nicht nur er hat einen Säugling in der Familie. Am Montag den 5.5. führte das JHW Messungen im gesamten Landkreis durch. Abends um 19.30 Uhr gab Wolfgang Send, Leiter des JHWs folgende Meldung an die Lokalpresse: ,,Von gestern auf heute abend ist im Durchschnitt ein sehr leichter Anstieg der Belastung festzustellen. DIe Werte sind allerdings je nach gemessener Materie wie Wasser, Stein oder Gras unterschiedlich. An einigen Stellen sind die Werte auch zurückgegangen."(Göttinger Tageblatt 6.5.86) Auch diesmal wurden nicht die dazugehörigen Meßwerte bekanntgegeben. Erst später wurde bekannt, dass die Verseuchung des Bodens im Landkreis Göttingen durchschnittlich 39 000 Bequerel pro Quadratmeter betragen hatte. ( nach Strahlenschutzverordnung dürfen verseuchte Gebiete oder Fläch~n mit mehr als 37000 bq/m nur mit besonderen Schutzmaßnahmen betreten werden) Die Berufsfeuerwehr hatte eine Probe Regenwasser aus einer Pfütze entnommen und im Institut für physikalische Chemie untersuchen lassen. Die Messung ergab eine radioaktive Belastung von 5000 bq/l Auch dieser Meßwert wurde nicht veröffentlicht. Erst am Dienstag den 6.5. wurde mit der Veröffentlichung vonMeßwerten begonnen, die über eine automatische Telefonansage abgerufen werden konnten. Seltsamerweise wurde am Dienstag abend 18.00 von dieser Ansage ein Meßwert von 200 bq/l Regenwasser genannt, wo doch einen lag vorher 5000 bq/l gemessen worden waren und dieser Meßwert auch dem Zivilschutzamt bekannt gewesen sein müßte. Allein die Technik der automatischen Telefonansage hatte für die Stadt den Vorteil, dass keine Nachfragen gestellt werden konnten, die Schallplatte bzw. das Tonband leierte den Text stur runter. Außerdem wurde jeder Anruf registriert, so dass man den Informationsbedarf der Bevölkerung quantifizieren konnte : Am 6.5. bis 12.00 Uhr wurden bereits 2386 Anrufe gezählt, bis 7.5. waren es dann 7859 Anrufe, bis zum 30.5. wurden insgesamt 14748 Anrufe gezählt. Auf die Dauer kann so auch festgestellt werden, wieweit die Bürger inzwischen wieder beruhigt sind und wie die einzelnen Verharmlosungsmaßnahmen wirken. (Die beiden ersten Zahlen nannte Stadtrat Winters auf der SPD-Veranstaltung am 7.5.86, die letzte Zahl wird in der Dokumentation der Stadt genannt) Am Mittwoch den 7.5. wurde die Ansage folgendermaßen eingeleitet: "Guten Tag meine Damen und Herren ! Die Stadtverwaltung Göttingen teilt mit:Die Meßergebnisse des zentralen Isotopenlabors vom Mittwoch den 7. Mai haben ergeben, dass die Radioaktivität inder Luft keine wesentlich erhöhten Werte gegenüber der normalerweise in der Natur vorhandenen gesamten Radioaktivität aufweist, die in der Luft bei 10 bis 20 Becquerel pro Kubikmeter liegt." Hier handelt es sich wieder um eine Meisterleistung irreführender Formulierung. Man hat zwar erhöhte Meßwerte festgestellt, glaubt aber dies nicht offen sagen zu dürfen, ohne die Bevölkerung zu beunruhigen. Deshalb wählt man eine andere, verharmlosende Formulierung : ,,keine wesentlich erhöhten Werte". Erst ab dem 9.5.~als die Werte um ein vielfaches gefallen waren,hieß es dann: ,,keine erhöhten Werte". Vorher gab es offensichtlich erhöhte Werte, irreführend präsentiert als. ,,keine wesentlich erhöhten Werte". Die Formulierung ,,keine erhöhten Werte" wurde vom 9.5. bis 20.5. verwendet, gleichzeitig hieß es aber in der Ansage täglich:"Die Meßergebnisse haben ergeben, dass die Radioaktivität in der Luft weiter abgenommen hat." Entweder es gibt keine erhöhten Werte oder es gibt erhöhte Werte, die täglich abnehmen aber eine Erhöhung die nicht da ist kann auch nicht täglich abnehmen. Hauptsache es hört sich gut an mag man da gedacht haben. Auch der Vergleichswert von 10-20 bq/Kubikmeter Luft sollte verharmlosend in die Irre führen. Abgesehen davon ob er überhaupt stimmt,wäre es wichtig gewesen1 einen Vergleichswert für die gemessenen Isotope Jod 131 und Caesium 137 anzugeben. Hätte man z.B. die gemessenen Jod- und Caesiumwerte mit den gemessenen Durchschnittswerten des Jahres 1983 verglichen, hätte dies ja zu einer Beunruhigung der Bevölkerung führen können - da hat man eben einen Vergleichswert angegeben, der viel höher ist, das beruhigt.
Der arglose Zuhörer der Ansage vergleicht dagegen die Angabe ,,10 bis 20 bq" mit den Meßwerten 0,03 und 0,004 und befindet, sie seien unerheblich. Bei den Meßwerten vom 5.5. oder gar vom 2.5. wären ihm allerdings dennoch Bedenken gekommen, aber diese Werte wurden ja gar nicht veröffentlicht. In der telefonischen Ansage wurde nach der Durchgabe der Meßergebnisse eine Bewertung vorgenommen, die sich auf Kinder bezog. Bei den allerersten Durchsagen am 6.5. um 11.00 Uhr und um 18.00 Uhr hieß es: "Diese Werte lassen erkennen, dass die zusätzliche Strahlenbelastung von außen, auch für Kleinkinder, tolerierbar ist." In
der Zeit vom 7.5. bis 20.5. lautete die Formulierung: Am 21.5. hieß es: "Diese Werte lassen erkennen, dass die zusätzliche Strahlenbelastung, auch für kleinkinder, unschädlich ist." Ab
dem 22.5. hieß es dann: Die anfangs verwendete Formulierung ,,von außen" wurde wahrscheinlich weggelassen, weil daraus geschlossen werden konnte, dass die Strahlung "von innen", also die mit der Nahrung etc. aufgenommene Strahlung ,,nicht tolerierbar" ist. Das Wort ,,tolerierbar" legte die Vermutung nahe, dass es soviel bedeutet wie unschädlich, ungefährlich. Allerdings war dieser Begriff erst für Meßwerte vorgesehen, die noch niederiger lagen; erst dann am 21.5. wurde die Strahlenbelastung als ,,unschädlich"' bezeichnet. Aber auch hier folgte bald eine Abänderung, denn wenn etwas durch das Absinken von Meßwerten ,,unschädlich" werden kann, dann könnte das ja heißen, dass es vorher "schädlich" gewesen ist, diese Schlußfolgerung wollte man verhindern, deshalb wurde dann der Begriff ,,unbedenklich" eingeführt und beibehalten. Vielleicht hat er den Herrschaften deshalb so gut gefallen, weil er die Aufforderung beinhaltet, nicht mehr darüber nachzudenken - Dieser sprachkritische Ausflug ist notwendig in einer Gesellschaft, die ein Lager für hochgiftigen, mörderischen Müll "Entsorgungspark" und todbringende Raketen (MX) , "peacemaker" nennt. Am 7.5., an dem die Telefonansage mitteilte, die zusätzliche Strahlung sei auch für Kleinkinder tolerierbar, wurden vom THW (wie erst sp. äter bekannt wurde) der Spitzenwert von 0,225 Milliröntgen pro Stunde gemessen. Ein Wert, der dazu veranlassen sollte, die Kinder vorläufig im Haus zu lassen, wo die äußere Strahlenbelastung wegen der Entfernung zum Boden geringer ist. Wie wenig die Verharmlosungspolitik auch Rücksicht auf Kleinkinder nahm zeigt ein Schreiben der Bezirksregierung Braunschweig vom selben Tag (7.5.) in dem es heißt: "Für
die Benutzung von Sandkästen, Spielplätzen o.a. werden auch weiterhin keine besonderen
Verhaltenaregelungen empfohlen. Dennoch sollte bei entsprechenden Anfragen sinngemäß
folgende Aüskunft erteilt werden: "Maßnahmen zum Schutz der Kinder beunruhigen die Bevölkerung nur" Von ähnlicher Qualität ist die Tatsache, dass die Kindergärten zwar nie eine offizielle Warnung vor Radioaktivität erhalten hatten, dass aber später ein Brief von Kellermann (Stadtverwaltung) zusammen mit einem Brief der Bezirksregierung Braunschweig eingetroffen sei, in dem die Aufforderung zur Aufhebung der getroffenen Vorsichtsmaßnahmen enthalten war. Von Stadtrat Winters war sogar offen die Sperrung der Spielplätze mit der Begründung abgelehnt worden, das würde Beunruhigung der Bevölkerung hervorrufen.(Bericht einer Kindergartenleiterin am 9.6.86, Hearing der Elterninitiative) Herr Winters gehörte auch zu denjenigen, die der Bevölkerung durch ,,Tapferkeit vor der Radioaktivität" ein Beispiel an Unverzagtheit geben wollten: ,,In einigen Schulen Göttingens fiel die bewährte Milchspeisung aus -Gotthard Ritter, Leiter des Veterinäramtes, greift dagegen weiterhin unbesorgt zum weißen Trank. Kindergärten ließen die Jüngsten nicht ins Freie -Horst Renner, Leiter der Göttinger Berufsfeuerwehr schickt seine Sprößlinge nach wie vor zum Spielen in den Sandkasten. Mensagäste mußten auf frische Beilagen zum Fleisch verzichten, weil das Studentenwerk seit Montag keinerlei frischen Blattsalat mehr anbietet - Stadtrat Hans Winters (u.a. Feuerwehr/ Katastrophenschutz) beißt immer noch ins (gewaschene) knackige Grün." (Zitat aus dem Anzeigenblatt ,,Blick" vom 7.5.86, Titelseite) Bereits am 6.5. und dann auch am 7.5. hatte die telefonische Tschernobylauskunft der Stadt darauf hingewiesen, dass der "Verzehr von frischem Freilandgemüse" vermieden werden sollte. Außerdem nahm Herr Winters noch am selben Tag an einer Veranstaltung teil, auf der dringend vom Verzehr des "knackigen Grüns" abgeraten wurde - ohne dass Herr Winters widersprochen hätte. Man kann nur hoffen, dass niemand der \/erharmlosung auf den Leim gegangen ist. Zur Bewertung des Blick-Artikels ist vielleicht noch wichtig zu wissen, dass das Anzeigenblatt ,,Blick", das angeblich in 95000 er Auflage kostenlos verteilt wird, zum Göttinger Tageblatt gehört und dieses wiederum als Tochter des Madsackkonzern der Albrecht-Regierung verbunden ist, z.T. durch Projekte in den ,,Neuen Medien" wie Kabelfernsehen und Bildschirmtext. Zurück zu Herrn Winters, da würde eigentlich die Forderung nach einem Rücktritt naheliegen. Allerdings gibt es Gerüchte, dass die FDP, der Winters angehört, selbst gerne Winters Posten vor der Kommunalwahl neu besetzen würde, denn Winters geht bald nach der Wahl in den Ruhestand und im Falle einer Mehrheit von SPD/Grünen hätte die FDP keinen EJnfluß mehr auf die Neubesetzung der Stelle. Während eine Neubesetzung zum jetztigen Zeitpunkt nach der Wahl nicht mehr so einfach rückgängig gemacht werden könnte, weil dann Abfindungen o.a. zu zahlen wären. Also sollte man mit der Forderung nach Winters Rücktritt bis nach der Wahl warten. 3. Katastrophenpolitik der Landesregierung Bei den Landkreisen und kreisfreien Städten handelt es sich um die unterste Stufe der strahlenschutzrechtlichen Instanzen. Zentrale Kompetenzen sind bei den Landesregierungen angesiedelt. Diese formale Zuständigkeit hat die Landesregierung Niedersachsen, insbesondere das zuständige Ministerium für Bundesangelegenheiten (Minister Hasselmann) dazu benutzt, auf noch unverschämtere Weise die Gefahren zu verschweigen und zu verharmlosen, schließlich bestand die Gefahr für die Landesregierung vor allem darin, dass eine Aufklärung über die Wahrheit ihre Chancen bei der anstehenden Landtagswahl geschmälert hätte. Das \/erhalten des Niedersächsischen Ministeriums für Bundesangelegenheiten wurde selbst von denjenigen kritisiert, die sich uns gegenüber ebenso schweigsam und abwieglerisch verhalten haben. Auf einer \/eranstaltung am 7.5.86 drückte Oberkreisdirektor Engelhardt sein Unverständnis darüber aus, dass die Landesregierung am Samstag den 3.5. noch von'leichter Radioaktivität" gesprochen habe und selbst nach den Regenfällen noch gemeldet habe, es bestehe keine Gefahr für Kinder. Bereits am 5.5. war Engelhardts Mißmut auch im Göttinger Tageblatt registriert worden: ,,Als am Sonntagnachmittag ein seit Mittag angekündigtes Fernschreiben des Innenministeriums (Niedersachsen) mit Informationen zur Lage noch nicht beim Landkreis eingegangen war, wurde Oberkreisdirektor ALexander Engelhardt aktiv. Er beauftragte das Technische Hilfswerk (JHW), Messungen in Stadt und Land vorzunehmen." (Göttinger Tageblatt vom Montag den 5.5.86) Wie bereits dargelegt, hatte Herr Engelhardt es allerdings nicht für nötig befunden, die ermittelten Meßwerte sofort an die Öffentlichkeit weiterzugeben. Auch
Oberstadtdirektor \/ieten stellt in einem Schreiben an den FDP-Kreisverband und
die CDU-Ratsfraktion am 12.5. fest: Hätte \/ieten dafür gesorgt, dass die, der Stadtverwaltung bekannten Meßergebnisse in der Zeit vom 30.4 bis 5.5. veröffentlicht worden wären, dann wäre der protestierende Unterton der zitierten Bemerkung etwas glaubwürdiger. Angesichts
der Tatsache, dass von den Bundes- und Landesbehörden keine Unterstützung kam,
konnte man nach dem 5.5. geradezu froh sein, dass wenigstens die Meßergebnisse
des Jsotopenlabors ab dem 7.5. mit den richtigen Zahlenwerten angegeben wurden
- auch wenn sie mit einer verharmlosenden Einleitung' und Bewertung verpackt durch
die Telefonansage präsentiert wurden. dass dies zustande kam ist durchaus nicht
selbstverständlich Außerdem
beklagt sich Lampe noch einmal deutlich über die Jnformationspolitik der Landesregierung,
die die kleinen Städte völlig hängengelassen habe: also Stadtdirektor Lampe (Einbeck)
an Oberstadtdirektor Vieten: Und danach kommen so nichtssagende Darstellungen der Meßergenisse wie z.B.: "Proben vom 1.5. bis 10.5.: Kopfsalat 4 bis 1000 Becquerei Jod 131." Da wußte man nun einen Höchstwert und einen Tiefstwert für einen Zeitraum von 10 Tagen, d.h. man wußte eigentlich gar nichts außer dass man am besten keinen Salat essen sollte, weil man andererseits Gefahr lief, einen mit 1000 bq zu erwiscben. Aber dieser Ansagetext wurde auch erst am 15.5. im Telefon wiedergegeben, also konnten die klerte inzwischen noch höher oder noch niedriger sein. Der einleitende Text sprach davon, dass eine gesundheitliche Beeinträchauszuschließen sei und legte damit eine ganz bestimmte verharmlosende Interpretation der völlig ungenauen Information über Meßergebnisse nahe. Bei der Bekanntgabe konkreterMeßergebnisse für die radioaktive Belastung von Gras gab es unter Hinweis auf Daten der Physikalisch Technischen Bundesanstalt Braunschweig (PTB) dezente Kritik im ßöttinger Tageblatt: ,,Die Werte der PTB liegen beim Gras deutlich höher als die, die das Minis -tenum für Bundesangelegenheitenals Landesdurchschnitt angegeben hat." (Göttinger Tageblatt von Pfingsten 1986) Dabei muß man wissen, dass die PTB gewiß keine Anstalt ist, die gegenüber der Kernenergie kritisch eingestellt ist, vielmehr tendiert sie selbst dazu, zu niedrige Meßwerte anzugeben. vergleicht man z.B. die Messungen der Beta-Strahlung pro Quadratmeter, dann unterscheiden sich die Meßergebnisse der PTB ganz erheblich von denen des THW in Göttingen. Dabei sind die Abweichungen so groß, dass nur schwerlich regionale Unterschiede dafür verantwortlich sein können. Diese Vermutung wurde auch durch Verg1eichsmessungen in Braunschweig selbst bestätigt. Das Institut für Nuklear-Meßtechnik und Dosimetrie Norddeutschland, vertreten durch den Physiker Dieter Knoll, hat am 11.5. in Braunschweig 20 000 bis 70 000 Becquerel/Quadratmeter festgestellt , (In: STERN Nr.22, 22.5.86 , 5.31) das PTB hingegen hat für diesen Tag lediglich 5 900 Becquerel bekanntgegeben. VERGLEICH DER MESSERGEBNISSE VOM 11.5.86
Umso bedenklicher stimmt es einen, wenn das Niedersächsische Ministerium für Bundesangelegenheiten zu noch niedrigeren Meßwert-Angaben tendiert als die PTB. Insgesamt verfolgte das Ministerium die Strategie, das Problem auf eine Angelegenheit des radioaktiven Jod 131 zu reduzieren, da man hier aufgrund dessen Halbwertszeit von 30 Tagen den Bürgern eine dauernde Abnahme der Radioaktivität vorgaukeln konnte. Je mehr die Werte für Jod 131 sanken, umso stärker wurde der Eindruck zu erwecken versucht, dass damit auch das gesamte Problem Radioaktivität abnehme. Auf Meßwerteangaben für Caesium verzichtete man weitgehend. Z.B. fehlten Angaben über die Caesiumverseuchung von Rindfleisch. Die langfristigen Gefahren für die Nahrungsmittel wurden, wie von allen anderen Behörden auch, völlig verschwiegen. Da die Radioaktivität von Jod 131 dauernd abnahm, wurde dann am Samstag den 24.5.86 im 'Bürgertelefon' des Ministeriums folgendes mitgeteilt: ,,Aufgrund der entspannten radiologischen Situation wird die Berichterstattung unter dieser Nummer ab Montag den 26.Mai eingestellt. Kurzinformationen können Sie dann unter der Rufnummer 0511/800256 erhalten. Darüberhinaus werden über die Presse weiter Informationen gegeben. Auf Wiederhören.' Wer am Dienstag den 27.Mai die ,,Bürgertelefon"-Nummer wählte, dem wurden dann Nachrichten über die Fußballweltmeisterschaft verlesen. Die ganze \/eranstaltung des ,,Bürgertelefons" hatte offensichtlich dazu gedient, entlang der Jod 131-Belastung eine ständige Abnahme der Radioaktivität ,"nachzuweisen" um möglichst noch vor der Landtagswahl das Problem als überwunden darstellen zu können. Am 19.6. teilt die städtische Telefonansage mit, das \1eterinäramt Hannover habe für Cäsium 137 und Cäsium 134 jeweils 50 bq/l Milch gemessen. 4 .Messungen im Rahmen der Katastrophenpolitik So sehr die Katastrophenpolitiker die Bekanntgabe konkreter Meßwerte gescheut haben als es darum ging, die Bevölkerung frühzeitig zu informieren, sie selbst sind doch daran interessiert in Zukunft genaue Meßdaten über die langfristige Verseuchung zu erhalten. So wurde bereits mehrfach auf Bundesebene die Installation eines flächendeckenden Meßnetzes ins Gespräch gebracht. In welche Richtung dabei die Informationen fließen werden zeigt die Handhabung von 25 ,,Warnmeßdienststellen" des Bundesamtes für Zivilschutz, die in Südbayern installiert sind ,,..die nach dem Reaktorunglück in der UdSSR die erhöhte radinaktive Strahlung in der Luft mehrmals am Tag registrierten. Die Meßergebnisse landeten beim Bundesinnenministerium in Bonn, nicht jedoch beim Umweltministerium in München. Pressesprecher Gass: ,Ich hab so ein Ergebnis nie gesehen.' "( Klaus Ott, Messungen am Umweltministenum vorbei -Daten des Bundesamtes für Zivilschutz zur Radioaktivität standen den landesbehörden nicht zur Verfügung, in: Süddeutsche Zeitung vom 26.5.86) "Bis Mitte letzter Woche, zehn Jage nach dem Aufziehen der radioaktiven Wolke, gab es keine offiziellen Merkblätter für die Bevölkerung - in einem Land in dem zu normalen Zeiten die Ministerien Berge von Papier produzieren. Anfangs wurde sogar versucht, Meßwerte geheimzuhalten. Immer deutlicher wiurde Ende letzter Woche, dass die bayrischen Behörden schon frühzeitig über die Lefahr der Atomwolke informiert waren, diese Information aber zurückhielten, die Werte herunterspielten und eine rechtzeitige Warnung der Bevölkerung unterließen. Bereits am Mittwoch vorletzter Woche hatte das Wetteramt in München einen Wert von 2700 Picocurie gemessen (am Vorabend um 20 Uhr waren es noch 55 gewesen) gleichfalls am Mittwoch setzte in München hochgradig verseuchter Regen ein, eine Warnung unterblieb, obwohl die Lefahr längst intern vermeldet worden Dafür ging dem Wetteramt in München am selben Tag ein Fernschreiben der Zentrale in Offenbach zu: ,Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass den Wetterämtern übermittelte Werte der gemessenen Radioaktivitäten den Leheimhaltungsgrad VS/NFD haben und ausschließlich als Unterlagen für die von den jeweiligen Landesregierungen zu gebenden Beratungen dienen. Eine Weitergabe an die Öffentlichkeit ist untersagt." Eine
Ausiweitung des Meßnetzes nützt die Bevölkerung solange nichts, wie nicht die
Weitergabe der Meßergebnisse an die Öffentlichkeit sichergestellt (Spiegel, Nr.
20, 1986, 5.21) ist. Wenn von Behördenseite nun eine Ausweitung der Meßeinrichtungen
betrieben wierden sollte, dann wird dies wahrscheinlich unter die zentrale Zuständigkeit
des neu eingerichteten Bundesministeriums für Umweltschutz und Reaktorsicherheit
(Wallmann) gestellt IMerden. ,,Nach
dem Kernkraftwerksunfall in Ischernobyl werden in einigen Landkreisen und Lemeinden
Überlegunqen angestellt, eigene Meßdienste zur Überiwachung der Radioaktivität
in Luft, Boden, Wasser, Bewuchs und tierischen sowie pfanzlichen Nahrungsmitteln
einzurichten. (....) Aufgrund vorstehender Überlegungen kann ein dezentralisiertes
Meßnetz (...) nicht empfohlen werden." Diese Überlegungen sind insofern für Göttingen von Bedeutung, als es hier eine Reihe von wissenschaftlichen Einrichtungen gibt, die bei der Durchfuhrung eines breit angelegten Untersuchungsprogrammes herangezogen wurden und Professor Dietrich Harder, der als Mitglied der Bonner StrahlenschutzKommission uber die zukunftigen Plane bestens informiert sein durfte bereits bei der Stadtverwaltung Göttingen vorstellig wurde mit dem Vorschlag eine kommunale Stelle für Messungen einzurichten. Da der Charakter der Bonner Strahlenschutzkommission bekannt ist und auch Prof. Dietrich Harder bereits als Unterzeichner eines Pro-Atomkraftwerke-Aufrufes an die Bundestagsabgeordneten bekannt ist, fragt man sich, warum Prof. Harder eine solche Forderung an die Stadt Lättingen heranträgt. Möchte er vielleicht eine mit kommunalen Leldern finanzierte Einrichtung haben, die als Meßdatenzuträger für zentrale Auswertungen dient ? Nun sollte man niemandem die Fähigkeit zu Lernprozessen absprechen, es ist jedoch recht unwahrscheinlich, dass Prof. Harder die Forderung nach einer UNABHÄNGIGEN Einrichtung unterstutzt. Wahrscheinlich versucht man sich auf die Einrichtung einer zusätzlichen Meßkapazität im Isotopenlabor zu einigen, da die dort bereits vorhandene Infrastruktur uberflussige Kosten vermeiden würde. Ob aber unter der Leitung von Porstendörfer ein unabhängiges Meßprogramm und eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit gewährleistet wäre darf bezweifelt werden \/on
seiten des Gesundheitsministeriums läuft ein Versuch, die langfristigen Folgen
der radioaktiven Verseuchung nach Ischernobyl zu untersuchen. Ziel des Programmes
ist nicht die Messung von Lebensmitteln und die Warnung der Bevölkerung sondern
Ziel ist die Ausbreitung der Verseuchung von Menschen festzustellen, also ärztliche
Untersuchungsprogramme uber Zunahme an bestimmten Krankheiten infolge Radioaktivität
o.a. Von der Aufforderung zur Mitarbeit an diesem Programm wird die Göttinger
Uni nicht ausgespart bleiben. Wir brauchen ein unabhängiges Labor für Radioaktivitätsmessungen 1. In einer Zeit der Ungewissheit haben uns die Politiker und Behörden total im Stich gelassen. Sie haben versucht,uns die Gefährdung durch Radioaktivitat in der Luft zu verschweigen, sie haben die Meßergebnisse nicht veröffentlicht, sie haben es versäumt, Warnungen auszusprechen und Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Erst als die äußere Strahlenbelastung des Jod 131 zurückging haben sie mit der Veröffentlichung von Meßiiuerten begonnen. In ihren öffentlichen Stellungnahmen haben sie uns durch Verharmlosungen versucht irrezuführen und zu beruhigen, bis heute verschweigen sie die Gefährdung durch langfristige radioaktive Verseuchung unserer Nahrungsmittel. Deshalb ist ein Bedürfnis nach einer Einrichtung entstanden, die von Stadtverwaltung, Landkreis, Bezirks- und Landesregierung unabhängige Radioaktivitätsmessungen durch-führen und die Bevölkerung darüber informieren kann. 2. Die radioaktive Gefährdung bestand anfangs in der äußeren Strahlung, die von radioaktiven Teilchen in der Luft und am Boden ausging. Gleichzeitig bestand eine Gefährdung durch das Einatmen radioaktiver Teilchen mit der Luft. Während die Verseuchung von Oberflächen mit mobilen Handmeßgeräten annäherungsweise festgestellt werden kann, ist die Feststellung der verschiedenen strahlenden Stoffe in den Nahrungsmitteln nur mihilfe von Laboreinrichtungen möglich. Ebenso erfordert die Bestimmung der jeweils strahlenden Substanz solche Laboreinrichtungen. Ein mobiles Handmeßgerät kann also z.B. die Radioaktivität auf der Oberfläche von Gemüse feststellen, ist aber völlig ungeeignet festzustellen, wieviel Caesium, Strontium oder gar Plutonium z.B. im Gras, in der Milch, im Fleisch, im Getreide enthalten ist, denn die (Beta-)Strahlung der langlebigen radioaktiven Stoffe reicht nicht sehr weit, so dass sie nicht bis an die äußere Oberfläche eines Nahrungsmittels reichen. Werden diese radioaktiven Substanzen aber im menschlichen Körper angereichert, schädigen sie die Zellen in unmittelbarer Umgebung, töten sie ab oder lösen Wucherungen - Krebs -aus. 3. Die radioaktiven Substanzen verteilen sich nicht gleichmäßig in unserem Ökosystem, sondern es ergeben sich unterschiedliche Konzentrationen wenn sie über Jahre hinweg unsere Nahrungsketten durchlaufen. So wird z.B. erst im Herbst wieder die Milch stärker verseucht sein, wenn das radioaktive Heu vom Frühjahr 1986 im Stall verfüttert wird, oder das Getreide wird erst nach vielen Monaten einen Schub in der radioaktiven Verseuchung erfahren, wenn Caesium und Stron tium in den Wurzelbereich der Pflanzen vorgedrungen sind. Ein anderes Beispiel sind die verschiedenen Milch-Folgeprodukte Joghurt, Käse, Quark, Schokolade usw., die aufgrund ihrer Zusammensetzung unterschiedliche radioaktive Konzentrationen aufweisen. Die genaue Bestimmung, zu welchem Zeitpunkt, welches Nahrungsmittel besonders hohe Konzentrationen aufweisen wird, erfordert eine genaue Analyse der Nahrungsketten und ein daraus abgeleitetes Meßprogramm, das nur mit entsprechender Laboreinrichtung und qualifiziertem Personal durchzuführen ist. 4. Eine solche Einrichtung kostet von der apparativen Ausstattung her ca. 600000 DM als einmalige Investition. Däzu kommen jährliche Kosten durch Wartung, Reparatur, Abschreibungen und Personalkosten. Zur Finanzierung einer solchen Einrichtung sollten die Stadt und der Landkreis Göttingen (evtl auch LK Northeim und LK Osterode) gemeinsam beitragen, denn diese Einrichtung LMürde sinnvollerweise auch für die gesamte Region tätig werden. 5. Die Unabhängigkeit der Einrichtung von Stadtverwaltung, Landkreis(en), Landes-oder Bundesregierung muß durch eine entsprechende Rechtsform sichergestellt werden, die eine Verhinderung der Veröffentlichung von Meßergebnissen unmöglich macht. Deshalb ist es wichtig, dass ein Kontrollorgan zwischen Behörden und Labor eingeschoben wird, das die Verfolgung der genannten Ziele garantiert. Zu diesem Zweck sind Personen in dieses Kontrollorgan zu entsenden, die eine kritische Haltung gegenüber der Atomenergie haben. Ebenso müssen die im Labor tätigen Wissenschaftler/innen durch ihre Persönlichkeit eine rückhaltlose Information und Aufklärung der Bevölkerung - auch gegen massive \/ersuche der Einflußnahme von Behörden - gewährleisten. Eine Besetzung der Stellen mit Befürwortern von Atomkraftwerken scheidet deshalb von vorneherein aus. Noch vor der Kommunalwahl 1986 soll ein vorbereitender Ausschuß mit stimmberechtigten Mitgliedern aus Bürgerinitiativen erste Beschlußvorlagen erarbeiten. -------------------------------- * * * ------------------------------------- |
Am 26. April 1986 zog eine radioaktive Wolke zog über Europa hinweg und belastete weite Teile radioaktiv. Die Zone um den Reaktor ist bis auf weiteres unbewohnbar. Hunderttausende Aufräumarbeiter, so genannte „Liquidatoren“, mussten in den folgenden Monaten einen Sarkophag um den havarierten Reaktor konstruieren, um einen Großteil des radioaktiven Materials im Reaktor zu isolieren. Das Schicksal vieler Liquidatoren ist unbekannt, Experten gehen davon aus, das 50.000 dieser damals jungen Männer inzwischen gestorben sind. „Diese Männer haben vermutlich vielen von uns das Leben gerettet“.. „Sie haben eine Dampfexplosion abwenden können, die ein Vielfaches der ausgetretenen Strahlenfracht in die Umwelt befördert hätte. Für ihren Dienst haben sie ein paar Rubel und eine Medaille gekriegt.“ Im Herbst soll nach Vorstellung der Regierungskoalition ein Energiekonzept für die Bundesrepublik Deutschland beschlossen werden, dass unter anderem Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke vorsieht. Kritik gibt es dafür von Oppositionsparteien und Umweltorganisationen. Eine Mehrheit der Bevölkerung lehnt nach Umfragen Kernenergie ab. Pressemitteilung Greenpeace 26.4.10
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Tschernobyl-Aktionstag
- 2008
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| Tschernobyl-Aktionstag
- 2006 Vor 20 Jahren zerstörte eine Explosion den Block 4 des Atomkraftwerkes in Tschernobyl. Radioaktiver Fallout verteilte sich über ganz Europa und verstrahlte Landstriche in der Ukraine, Weißrussland und Russland für Generationen. Über 100.000 Menschen starben bisher an den Folgen der weltweit größten Atomkatastrophe, immer noch leiden insbesondere Kinder an Krebs, Immunschwäche und Missbildungen. Der geplante Ausstieg aus der Atomenergie darf nicht rückgängig gemacht werden. Es wird auch gezeigt, dass eine ausreichende Energieversorgung ohne Atomkraft möglich ist. Die Katastrophe von Tschernobyl mahnt uns, nicht auf den Willen oder die Fähigkeiten von PolitikerInnen zu vertrauen, sondern selbst und gemeinsam für den Ausstieg aus der Atomenergienutzung zu streiten.
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| Neue Studie über die wahren Folgen von Tschernobyl 7.4.06
/ Die Europäischen Grünen präsentierten heute in Berlin einen neuen Bericht über
die verheerenden und noch immer andauernden Auswirkungen des Super-GAUs in Tschernobyl.
Der Bericht wurde von zwei führenden britischen Wissenschaftlern Ian Fairlie PhD
und David Sumner DPhil im Auftrag der grünen Europa-Abgeordneten Rebecca Harms
geschrieben Der andere Bericht über Tschernobyl' (TORCH - The Other Report on
Chernobyl) kommt zu folgenden wichtigen Schlussfolgerungen (1): · Grüne/EFA
website: http://www.greens-efa.org. |