Filmreihe "ÜberMacht" 22.4.-29.4.09 Lumière Stichworte: Gentechnik, Psychiatrie/Psychopharmaka, Polizeistaat, Magersucht, Diktatur, Frauen/Pakistan, Streik und Traum. / Gesellschafter-Projekt der "Aktion Mensch". 6.4.09 / VeranstalterInnentext: "Das Filmfestival ÜberMacht, das von Januar bis Herbst 2009 durch 120 deutsche Städte tourt, macht im April mit sieben Filmen Station in Göttingen. Die Filme regen zum Nachdenken an über die Macht, ihre Kontrolle, über nötige und unnötige Regeln und die besten Wege zu mehr Selbstbestimmung. Rund 30 bundesweite und mehr als 1.000 regionale Verbände und Organisationen der Zivilgesellschaft sind beteiligt, die in den 120 Städten Publikumsdiskussionen und Filmgespräche zu jeder Vorführung organisieren. Damit will das Festival die Vernetzung zivilgesellschaftlicher Initiativen fördern und ehrenamtliches Engagement stärken.Das Festival wurde organisiert von der Berliner Gruppe EYZ 3 im Rahmen des Gesellschafter-Projekts der "Aktion Mensch". In Göttingen zeigen wir sieben der Filme in Zusammenarbeit mit dem EPIZ (Entwicklungspolitisches Informationszentrum) und vielen lokalen Initiativen im LUMIERE. Nach allen Veranstaltungen gibt es Gespräche mit Gästen und Infostände von Göttinger Initiativen. Zu dem vollständigen Programm des Festivals gibt es ein Booklet. Alle im Booklet aufgeführten Filme können von Schulen gebucht werden, die Schulvorstellungen können auch über den Festivaltermin hinaus stattfinden."
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Moebius Argentinien 1996, 88 Min., OmU Regie: Gustavo Mosquera R., Studentenkollektiv **/ Im U-Bahnnetz von Buenos Aires ist ein Zug mit 30 Passagieren verschwunden. Weichen und Lichtsignale springen jetzt auf rätselhafte Weise um. Ein junger Mathematiker wird mit der Untersuchung beauftragt und trägt Karten und Daten zusammen. Sein unheimlicher Verdacht: die U-Bahn könnte in eine "Moebius-Schleife" geraten und in eine andere Zeit- und Raumdimension übergesprungen sein. Der Filmtitel bezieht sich auf eine Entdeckung Göttinger Mathematiker und Physiker Johann Benedikt Listing Jahr 1858 und dem Leipziger Mathematiker und Astronomen August Ferdinand Möbius entdeckt. "Mathematisch gesehen ist das Möbiusband eine nicht-orientierbare Mannigfaltigkeit." Angesiedelt ist dieses Möbiusband in der mathematischen Topologie - der Mathematik der Flächen.
Der
Film ist die grandiose Abschlußarbeit von Absolventen der Filmhochschule
in Bounes Aires. Aufgrund eines glücklichen Zufalls stand das Tunnelsystem
ein Tag zum Filmen zur Verfügung. Und das komplexe Tunnelsystem wurde in
der Geschichte zur Grundlage für ein Ereignis gewählt, das nur mit der
Möbiusschleife erklärt werden konnte: Ein Zug war einfach verschwunden,
hatte sich aufgelöst, war in einer anderen Dimension. Ein junger Topologe
findet die Ursache heraus. Der Film wurde unter der Bedingung der Militärdiktatur gedreht "steht doch die U-Bahn auch als Sinnbild für die vielen verschwundenen Dissidenten im Argentinien der 70-er Jahre. Philosophische Spekulation und bilderstarke Visionen verbinden sich zu einem hypnotisierenden Filmexperiment, das weltweit auf den verschiedensten Filmfestivals gefeiert wurde, und das, obwohl der Film von der Abschlußklasse der Universidad del Cine unter der Leitung von Gustavo Mosquera R mit einem Budget von nur $ 250.000 gedreht wurde." ** COLECTIVO DEL CINE, GUSTAVO MOSQUERA R Director: Alumnos de la Universidad del Cine, bajo la dirección general de Gustavo Mosquera R. Productor: Universidad del Cine Pasaje José María Giuffra 330 (1064) Buenos Aires, Tel. (54-1) 300 15 81, Fax (54-1) 782 04 73 Guión: Colectivo del Cine, del relato del científico norteamericano A. J. |
Filme des Institut für Kulturanthropologie/ Europäische Ethnologie der Universität Göttingen Lebensentwürfe - Filmversuche /Die Zweite (Text: Institut für Kulturanthropologie / Pm) Auch wenn die am 21. Januar präsentierten Filme manchmal in der Ausführung noch nicht ganz perfekt sind, so verraten sie doch alle bereits eine eigene Handschrift. Daneben zeigen sie, wie anschaulich und spannend sich eine kulturwissenschaftliche Fragestellung mit dem Medium Film vermitteln lässt. Die Filme des Curriculums Visuelle Anthropologie, Kurs 2004/2006, im Einzelnen: Früh
übt sich… Bleierne
Zeit (18min.) von Jörg
Sanders und Jelana Vajen Agenten
für ein "schwieriges Klientel". Straßensozialarbeit in Göttingen(18
min.) Von Lisa Frebel, Sabine Helms und Felix Pfeiffer,
.Paintball
Zone: Ready to play?(18min.)
Von Martin Giesler und Nora Ludl Zweck:
Gemeinschaft(19min.)
Von Turan Lackschewitz, Ute Neumann und Anne Wessner "Und
trotzdem irgendwie anders!" – Deutsch-afrikanische Geschichten (23min.)
Von Christian Köhler, Robin Krempkow und Arnika Peselmann Glitterhouse(25
min.) Von Neele Behler
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Filmkritik
von einem Leser zugesandt The
Terminal - Den Schrecken der "Illegalität" hollywoodisiert The Terminal USA 2004-128 Minuten Regie: Steven Spielberg Kamera: Janusz Kaminski Drehbuch: Andrew Niccol, Sacha Gervasl, Jeff Nathanson SchauspielerInnen: Tom Hanks, Catherine Zeta-Jones, Stanley-Tucci, Chi McBride Der
amerikanische Regisseur Steven Spielberg hat die ungewöhnliche Lebensgeschichte
von Sir Alfred Mehrani verfilmt. Diesen Mann gibt es wirklich und er wegen ungültiger
Papiere seit 16 Jahren (!) auf dem Flughafen Paris quasi "freilaufend gefangen".
Die
wahre Geschichte von Sir Alfred Mehran Karimi Nasseri ist eine andere: Im
Film sieht man den karrieregeilen Oberpolizisten des New Yorker Flughafens, Frank
Dixon, mit der Frage beschäftigt: "Warum sucht er nicht nach den Lücken im
System? Warum nutzt er nicht die Lücken, um rauszukommen? Alle tun das!"
Zunächst von dem Standpunkt "Hauptsache, ich werde das Problem los"
ausgehend, versucht Dixon, dem vorübergehend staatenlos gewordenen Nagorski (Sir
Alfred) zu helfen, will ihn dazu animieren, einfach "Illegaler" in New
York City zu werden. In Wirklichkeit würden sich die Verantwortlichen des Migrations-
und Überwachungsregimes wohl kaum über ein einzelnes Individuum so sehr den Kopf
zerbrechen. Dennoch stimmt es, dass das System eine doppelte Wirkung erzielt und
mutmaßlich auch intendiert: Einerseits Repression, Bestrafung und Abwehr
von Flüchtlingen. Andererseits aber produziert und provoziert es die "Illegalisierung"
von Asylsuchenden und in deren Folge unter anderem die Hinnahme besonders übler
Arbeitsverhältnisse. Es mag sein dass nach einiger Zeit, vielleicht auch in Anbetracht des Spielbergs-Films und einer anstehenden Biographieveröffentlichung, ihm die französischen Behörde einen neuen Pass ausstellen, aber es bleibt das Schicksal von Tausenden Flüchtlingen und Illegalen ohne gültige Paß in europäischen und westlichen Grenzen ohne jegliche Zukunft und Sicherheit. Einschränkung der Reise und Bewegungsfreiheit und Lagerpolitik sowie der Tod von tausenden Flüchtlingen an der Grenzen sind direktes Resultat der Grenzüberwachung der westlichen Migrationsregime. Sir Alfred ist ein Beispiel von Tausenden Fällen.. Solche menschliche Tragödien haben in Hollywood nichts zu suchen. Grenze auf für alle, Bleiberecht für alle, Gleiche Recht für alle |
| 11.
September 1973 Militärputsch in Chile - 11.9.03 im T-Keller, Gesimar Landstr. 19 Ab 18.30 Uhr Costa Gavras Film "Missing", der die Ermordung zweier US-Bürger während der Putsches und die Mitwirkung des US-Geheimdienstes CIA an diesen Morden sowie am Umsturz zum Thema hat. Zeugen und Aktenfunde haben inzwischen eindrucksvoll den Anspruch des Films bestätigt, auf einer wahren Geschichte zu basieren. ("Viva MIR - Movimento Izqiera Revolutionario") |
| Mi, 10.09., 19.30 Uhr: Bilder vom Widerstand: Brasilien "Grito das aguas - Schrei des Wassers"
Brasilien 2003, 26 Minuten, OmU (Paula Maether, El toro por las astas) Bericht
vom Weltwasserforum in Sao Paulo. Zu sehen sind weiterhin Bilder von den z.T.
militanten Auseinandersetzungen der unterschiedlichen Organisationen, wie z.B.
der Fischer, der Indígenas und der BewohnerInnen von gefährlich verschmutzten
Zonen gegen die Privatisierung des Wassers in Brasilien. Filme
vom Widerstand: Argentinien "Nuestra
Lucha - Bericht über die Kämpfe der Arbeiter in den besetzen Fabriken
in Argentinien" Argentinien 2003, 45 Minuten, OmU, von grupo de boedo
films
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| "Holiday Camp" Film gegen Flüchtlingslager
in Australien Montag, 16.9.2002, 20 Uhr DGB-Haus, Obere Masch 10 Die FilmemacherInnen der "drive-by-shooting/ tallstoreez productionz" zeigen ihren Film "Holiday Camp" über das Lager Woomera in der australischen Wüste, in dem 500 Asylsuchende gegen ihre Einsperrung kämpfen. Im Anschluss an den Film wollen sie über die aktuelle Situation in Australien berichten und über Abschiebeknäste und sog. Ausreiselager ("Projekt X") in Deutschland diskutieren. Der Film: Woomera, ein ehemaliger Militärstützpunkt in direkter Nähe zum Atombombentestgebiet, mitten im australischen Outback, 200 km bis zur nächsten Siedlung, 60 °C im Schatten. Eingesperrt hinter Stacheldraht, warten hier 500 Flüchtlinge teilweise seit Jahren auf ihre Anerkennung als Asylsuchende. In Australien werden Flüchtlinge ohne Papiere sofort auf unbegrenzte Zeit inhaftiert, während über ihren Asylantrag entschieden wird. Ostern 2002 - nach monatelangen Kämpfen, Hungerstreiks und Aufständen gelingt 53 inhaftierten Flüchtlingen der Ausbruch aus dem detention center, nachdem hunderte aufgebrachter AustralierInnen Zäune niedergerissen hatten, um zu den Inhaftierten zu gelangen. Über tausend Menschen hatten sich auf den Weg nach Woomera gemacht, um vor Ort gegen die australische Einwanderungspolitik zu protestieren. Die unglaublichen Bilder des Ausbruchs stehen im Mittelpunkt dieser 45 minütigen Doku, die auf unüblichen Wegen dieses Genres wandelt. Die FilmemacherInnen: drive-by-shooting/ tallstoreez productionz sind ein australisch / deutsches Filmkollektiv, gegründet im Februar 2002 in Adelaide. Mit diesem Film wollen sie den internationalen Umgang mit Migration und Abschottung thematisieren und der in den westlichen Staaten kontinuierliche wachsenden "border panic" kreativ und unterhaltsam entgegenfilmen. Die filmische Arbeit profitiert von ihren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Erfahrungen - dbs besteht aus einer Frau und zwei Männern (tallstoreez@yahoo.de). Veranstaltet vom Antirassismusplenum Göttingen mit Unterstützung der dgb-jugend |
Acht Frauen |
| "Good bye Lenin" (J.A.S /Juni 03 / Kurzbericht unseres jüngsten Redaktionsmitgliedes ) Es ist als würde man in eine Welt voller Lügen geführt., inszeniert von Alex, dessen Mutter einen Ohnmachtsanfall erleidet, als er in der ehemaligen DDR für Freiheit demonstriert und die ihn sieht. Dach dem schweren Koma, das die stets politisch engagierte emphatische Frau erlitt, möchte er sie aber nicht schon damit konfrontieren, dass man bereits im Westen lebt bzw. West und Ost vereint sind und erfindet Geschichten über Geschichten. Diese lassen sie glaube, alles wäre beim alten. Sogar die alten DDR-Gurkengläser werden verwendet und es werden nur DDR-Sender gezeigt. Die arme Mutter wird nach allen Regeln der Kunst hinters Licht geführt, um einen Schock zu vermeiden. Eine politische Komödie, die kein Auge trocken läßt. |
| The Matrix - Bibelstunde für Cyberpunks Die Welt nach 2100 liegt in Schutt und Asche. Künstliche Intelligenz (die unexakte und mißverständliche Übersetzung von artificial Intelligence) steuert Maschinen und Welten. Menschliche Körper werden vom Baby an in Nährlösungen gezüchtet, wegen ihrer biologischen Elektrizität, die die Maschinen ihnen wie von einer Batterie abzapfen. Das Gehirn dieser halbtoten Menschen wird an die künstliche Phantasiewelt der Computerprogramme angeschlossen. Sie leben in einer alten Cyberwelt, geschaffen aus Programmen wie ein Computerspiel und es kommt ihnen vor wie die reale Welt. Eine Gruppe von Befreiern reist mit ihrem Raumschiff "Nebukadnezar" durch die reale Welt, loggt sich gelegentlich in den Cyberspace ein, um im Cyberspace gegen die Avatare der KI-Programme zu kämpfen: die Agenten - Cyberfiguren wie Lara Croft, sind nicht als künstliche Menschen erkennbar, denn alles ist künstlich. Anscheinend ist es vielen nicht aufgefallen: Matrix stellt mehrfach biblische Inhalte in Analogien dar. Ein Filmkritiker meint sogar ".... unübersehbar mit religiöser Symbolik angereichert, welche z.B. in "Matrix" inzwischen zur Genüge nachgewiesen worden ist". Offensichtlich sind die Parallelen zur Bibel, wenn von "dem Erlöser" gesprochen wird, der die Menschheit befreit. Oder besser, der den Verblendeten im wahrsten Sinne des Wortes die Augen öffnet. Dass die letzten wirklichen Menschen außerhalb der Maschinenherrschaft tief in der Erde in einer Stadt namens Zion leben der heilige Stadt, das ist auch noch ziemlich offensichtlich. Noch wichtiger und beeindruckender ist die Analogie zu den Wundern, die der Erlöser so vollführt: Auch Jesus ging über Wasser so wie "Neo" der Hauptdarsteller, der Erlöser im Film die simulierten Naturgesetze in der Cyberwelt außerkraft setzt. Auch er kann plötzlich fliegen, kann Kugeln ausweichen, kann so schnell reagieren wie kein pysischer Körper es könnte. Ein Kind verbiegt einen Löffel und erklärt, wie das geht: es sieht eben keinen Löffel, sondern das, was der Löffel wirklich ist. Und womit erreicht er all dies? Durch GLAUBEN ! Im Cyberspace befreit man durch Glauben seinen Geist von den Zwängen der Naturgesetze . In Matrix kann "Glaube" Geschosse aus Pistolen in ihrem Flug verlangsamen und sogar die Zeit anhalten. Wer nicht sieht und doch glaubt..... Man fragt nicht, man weiß einfach. Morpheus weiß einfach dass Neo der Erlöser ist. Und schließlich: der Erlöser ist sogar gestorben weil er sich für einen anderen Menschen eingesetzt hat, weil er ihn erlösen wollte. Er war klinisch tot doch die Liebe von Trinity erweckte ihn wieder zum Leben. Wurde nicht Jesus gekreuzigt, hat der Heiland den Tod erlitten für die Menschen und ist danach wieder auferstanden? Hatte uns Jesus etwa damals in einer Cyberworld besucht und konnte nur deshalb über Wasser laufen, weil er mit seinem in die Cyberworld eingeklinkten Gehirn die Gesetze der programmierten Welt außer Kraft setzen konnte? Sein Jünger Petrus wollte das ja nachmachen, bekam aber Zweifel und versank im Wasser so wie Neo, der beim ersten Sprung über Hochhäuser auf dem Asphalt landete, weil er nicht hemmungslos glaubte. Morpheus hatte ihm noch gesagt: "Befreie deinen Geist!" und "Hör auf zu denken!" Ja, ja, der Film war das Gegenteil von der Botschaft des wissenschaftlichen Rationalismus. Erfolg ist nur noch garantiert, wenn man den eigenen Glauben absolut setzt, die Naturgesetze ignoriert. Wenn dann einer kommt und fragt: "Hast du deinen Gott schon mal gesehen, von dem du redest da kann man doch nur noch lachen und sagen: geh mal in Matrix ! Morpheus weiß ja auch ohne jede Begründung: es gibt den Erlöser! Und er sucht ihn so wie ihn die heiligen drei Könige gesucht haben. Zufällig ist Morpheus auch noch von dunkler Hautfarbe wie zumindest einer der drei heiligen Könige. Und genauso wie den heiligen drei Königen die Ankunft des Königs der Juden durch Propheten geweissagt wurde, so hatte Morpheus von einem Orakel erfahren, dass der Erlöser kommen wird. Ach ja und Judas gibt es auch noch den Jünger, der Jesus verraten hat für ein paar Silberlinge. Er will lieber in der schönen Cyberwelt virtuelle Steaks essen als in der realen Welt irgendeinen ekelhaften Brei. Ein Filmkritiker, stellvertretend für viele andere hat einen Bezug zum Konstruktivismus hergestellt, der einem die Haare zu Berge stehen läßt. So sagt er:" ja wenn die wirkliche Realität so beschissen ist wie in dem Film gezeigt und die Cyperwelt der Träume so schön sein kann ja warum muß man denn da überhaupt aus der Cyberwelt aussteigen?" So kann wohl nur jemand denken, der aus beruflichen Gründen immer in der künstlichen Welt des Kinos sitzt und gleichzeitig ein beschissenes Leben führt. "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit." Der Film wirft die Aufklärung über den Haufen: denn so will es Matrix verkünden: man befreit sich aus der Unmündigkeit nicht, wie die Aufklärung propagierte durch Rationalität, sondern durch irrationalen, esoterischen religiösen Glauben. Dass diese Botschaft ausgerechnet in der Umgebung der Computer- und Cyberspacebegeisterung gedeiht ist nichts neues. Esoterik und Metaphysik sind unter Computerleuten eh weit verbreitet. Also mit Schwung durch die höchste Form der Rationalität - der Auflösung in Programme - hin zur Irrationalität - zur Beliebigkeit des Glaubens. Regie: Gebrüder Andy und Larry Wachowski, sie begeisterten die Filmwelt auch schon mit ihrem rabenschwarzen Lesben-Thriller "Bound". "Matrix" ist ihr zweiter Film, für den sie bereits 60 Mio Dollar verpulvern durften. Der Film spielte in den USA bisher 160 Mio Dollar ein. Schauspieler: Hauptdarsteller Neo (Keanu Reeves) bekannt von 1994 in dem Film Speed Morpheus (Lawrence Fishburne), Trinity Carrie-Anne Moss), Cypher (Joe Pantoliano) Der
Rasenmähermann |
| Wim Wenders "Am Ende der Gewalt" Der Film lief ende Juli im Lumière und man durfte gespannt sein, wie Wim Wenders Hollywood verarbeitet hat. Eine der ersten Szenen waren typische Wim Wenders-Bilder plus High-Tech-Stilleben. Ein Swimmingpool, dahinter das Meer und am Swimmingpool ein Mann im Schatten eines Baumes, in einem Hightech-Sitzmoebel. Neuester Laptop, Videoconferencing eingeschaltet, kabellos online, zwei Handies und ...noch ein Haustelefon. Seine Frau ruft ihn aus dem Haus an um ihm zu sagen, dass sie sich nun von ihm trennt: "Jeder will doch ein bisschen geliebt werden, und einen haben, dem es nicht egal ist, wie es ganz tief innen in einem aussieht." Die Frau, ein bekannteres Hollywoodgesicht, paßt irgendwie nicht in diesen Film, mit ihren gekünstelten Bewegungen, entrueckt nach oben gucken und Haar nach hinten - so als haette sie versucht, ein Klischee europaeischer Sentimentalitaet zu spielen. Tja, und dann die Actionszenen die Wim da reingesetzt hat, die sind ein Vortasten nach, ein Herumprobieren mit dem Hollywood-Stil auf eine Art und Weise, wie man mit dem Zeh die Wassertemperatur im Bad prüft. Inmitten eines grosszuegigen Umgangs mit der Zeit, die das glatte Gegenteil des Hollywood-Filmschnittes darstellt, naemlich schlicht und einfach ruhigere und laengere Einstellungen, das reicht, um garantiert kein Hollywood-Produkt zu werden. Wim Wenders geht nach Hollywood und dreht einen Film in dem u.a. die Produktion eines Filmes dargestellt wird. Und, welch eine Ironie, es werden Szenen in einer Kulisse gedreht, die dem Bild von Edward Hopper "Street of lost Dreams" nachgebildet ist und dessen Kopie mit den Figuren Marilyn Monroe, Humphrey Bogart, James Dean usw. wohl noch bekannter ist. Karge Bar, rote Barhocker, gelangweiltes Herumhaengen von Personen mit "lost dreams". Sicher, es werden auch ein paar Leute in dem Film erschossen, das bleibt eingeflochtene Serienkultur, nichts weiter - so als ssagte jemand: ja an dieser Stelle wird dann in einem Hollywoodfilm meistens jemand erschossen. Der Film-Produzent im Film muss aussteigen aus dem Geschäft, muss flüchten. Ausgerechnet bei ehemaligen Bediensteten wird er aufgenommen als Freund: "Du mußt uns nicht lieben, es reicht, wenn wir Deine Freunde sind." Und dann erkennt er, dass er ein anderes Leben führen will, verschenkt seinen Besitz an seine Frau. Nun das ist allerding etwas zu einfach und sentimental: allein der Wechsel aus der Welt der Reichen in die Niederungen der Armut bringt nicht das Glueck weil es ein Ausstieg aus Kaelte, Luege und Konkurrenzgewalt bedeutet, das ist Illussion. Aber Träume sind wertvoll, wenn sie etwas Gutes träumen. Tja und als der Regisseur, der den Film im Film dreht sagt: "Was mach ich eigentlich hier, warum bin ich nicht in Europa geblieben", wer hat dann noch Zweifel, dass Wim Wenders wieder nach Europa zurückkommt? AM.ENDE.DER.GEW@LT (kein Link, das @ kommt halt nur in der Schreibweise des Filmtitels so vor) 1997, 120 Minuten, Musik: Ry Cooder, Schauspieler u.a.: Bill Pullmann, Andie McDowell, Gabriel Byrne |
| film- und diskussion: "das verordnete
geschlecht" mittwoch, den 20.03.2002 ab 20 uhr im kino lumière mit oliver tolmein und elisabeth müller veranstaltet vom autonomen frauenlesben referat Für Ärzte ist Intersexualität eine Krankheit, die sie behandeln wollen. Die Betroffenen werden durch die Eingriffe aber nicht geheilt, sondern von frühester Kindheit an traumatisiert. Denn Zwitter sind nicht und fühlen sich nicht krank - sie fordern Anerkennung. Eines von 2000 Kindern wird ohne eindeutige Geschlechtsmerkmale geboren. In den westlichen Industriegesellschaften ist die Existenz von Zwittern aber ein Tabu: Dass es nur zwei Geschlechter gibt, Männer und Frauen, ist eine der grundlegenden gesellschaftlichen Normen, die nicht in Frage gestellt wird. Im Gegenteil: Auch heute werden schwerwiegende und irreversible chirurgische Eingriffe an den Genitalien von Kleinkindern vorgenommen, um sie einem der beiden Geschlechter anzupassen. In Das verordnete Geschlecht geht es um die Geschichte von Zwittern - aber auch um die weiterreichende gesellschaftliche Bedeutung, die es hat, dass die Gesellschaft nur die Existenz von zwei Geschlechtern anerkennen will. Michel Reiter, der zum Mädchen gemacht wurde, und Elisabeth Müller, die genetisch, aber nicht hormonell, ein Mann ist, erzählen welchen Preis sie dafür zahlen mussten, dass die Vorstellung der Gesellschaft von Normalität erhalten bleiben. Weil ihre Eltern und die Ärzte nicht offen mit ihnen darüber sprachen, dass sie Zwitter sind, lebten sie jahrelang mit dem traumatisierenden Gefühl, irgendwas an ihnen sei schrecklich falsch. Wie andere Zwitter musste Michel Reiter schwere chirurgische Eingriffe erdulden, um dem Geschlecht zu entsprechen, das ihm verordnet worden war. Heute leben Elisabeth Müller und Michel Reiter offen als Zwitter. Michel Reiter hat ein Gerichtsverfahren angestrengt, um zu erreichen, dass auch amtlich anerkannt wird, dass es nicht nur zwei Geschlechter gibt. Ihm kommt es dabei nicht so sehr auf die Eintragung in seinen Pass ein. Wenn Zwitter als Zwitter anerkannt werden, so hofft er, werden auch die verstümmelnden geschlechtszuweisenden Operationen nicht mehr stattfinden dürfen. Der Film kontrastiert diese beiden Geschichten mit den Erzählungen von Juristen, Eltern und Ärzten, die meinen, dass es für intersexuelle Kinder das beste sei, frühzeitig operiert zu werden, weil sie sonst als Außenseiter aufwachsen würden. Das verordnete Geschlecht ist ein Dokumentarfilm über Geschlechter- und Körperpolitik. Er zeigt wie gewalttätig sich der Zwang normal zu sein und die Logik des Ist es nicht das Eine, muss es das Andere sein auswirken kann. Der Film plädiert dafür, dass in der Gesellschaft nicht Normalität und das Denken in einfachen Alternativen die Leitlinie ist, sondern Unterschiedlichkeit anerkannt und Gleichbehandlung sichergestellt wird. |