Texte und Bilder © Impressum NPD-Verbot und Proteste gegen Parteitage > goest-Überblicksseite"Eindämmung des Rechtsradikalismus" NPD-Parteitag
der NPD-Niedersachsen 22.5.11 in Northeim Einige grundsätzliche Anmerkungen zur Ankündigung eines NPD-Parteitags in Northeim und den Versuchen ihn zu verhindern (Fragen nach Legalität und Legitimation) NPD
Niedersächsischer Landesparteitag Northeim 2011
Da in der Zeit vom 19.5.11 10 Tage kein Update in goest erfolgt verweisen wir für diese Zeit auf den >>News-Ticker der Internetseite "Monsters of Göttingen" und für den Tag der Demo am 22.5.11 auf das Stadtradio 107,1 MHz und Livestream unter stadtradio-goettingen.de. |
Rechter Terrorismus, Morde, Verfassungsschutz, NPD-Verbot Am 19. Januar 2012 veranstaltet das Göttinger Institut für Demokratieforschung in Kooperation mit dem StadtRadio Göttingen eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "Der vergessene Terrorismus? Rechte Morde, die Bedeutung der NPD und die Rolle des Verfassungsschutzes". 19.30 Uhr Ort: Waldweg 26, Hörsaal ERZ N18, Göttingen Veranstaltertext: "Ein neues Gespenst geht in der bundesdeutschen Öffentlichkeit um: der Rechtsterrorismus. Nach dem Bekanntwerden der Neonazi-Zelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) im November 2011 überschlug sich die Berichterstattung über ihren rechtsextremen Terror. Dabei ist der Rechtsterrorismus keinesfalls ein neues Phänomen in Deutschland, denn die von Neonazis verbreiteten Schreckensvisionen kommen ohne Militanz und Gewalt nicht aus. Immer wieder gab es rechtsextreme Anschläge. So starben 1980 dreizehn Menschen auf dem Münchner Oktoberfest bei einem rechtsextremen Attentat. Doch inwieweit kann man von einem rechtsextremen Terror in Deutschland sprechen? Immer wieder wird als Vergleich die RAF bemüht, dies verschließt wichtige Analysezugänge. Nach den Enthüllungen rund um die Taten der „Zwickauer-Zelle“ werden erneut Rufe nach einem NPD-Verbot laut. Ist dies aufgrund der Enthüllungen gerechtfertigt oder nur reiner politischer Aktionismus? Das erneute Scheitern eines Verbotsverfahrens könnte der Partei mehr nützen als schaden. Besonders die Rolle der V-Leute in der rechtsextremen Partei ist hierbei von zentraler Bedeutung. Nachdem das Ausmaß der Taten des NSU Schritt für Schritt bekannt wurde, steht auch die Arbeit des Verfassungsschutzes und seiner Neonazi V-Leute im Fokus der Öffentlichkeit. Und auch die Ermittlungsbehörden müssen sich Fragen gefallen lassen, wie sie mit einer „Soko Bosporus“ jahrelang eine Umkehr von Tätern und Opfern betreiben konnten. Auf dem Podium diskutieren: Dr. Gideon Botsch, Dr. Jonas Grutzpalk, Jan Raabe und Kutlu Yurtseven. Moderation: Stefan Schölermann." |
Massives Polizeiaufgebot beschützt kleine Kundgebung der NPD Am 11.6.11 hatte die NPD nach ihrem Landesparteitreffen im Mai erneut eine Kundgebung in Northeim angekündigt. Statt der 150 angekündigten TeilnehmerInnen kamen nur 32 (WAZ), 48 (Gandersheimer Kreisblatt) bzw. 50 (Polizei Northeim) . Die Kundgebung dauerte nur von 15-16 Uhr. Eine gleichzeitig in der Nähe stattfindende Kundgebung des Bündnis gegen Rechts brachte mit 300 Personen (Polizeiangabe) ein Vielfaches an Personen zusammen. Die Sprache des Gandersheimer Kreisblatt das schon bei der verhinderten NPD-Versammlung in Gandersheim wenig Sympathie mit dem Antifa-Protest zeigte, verrät auch diesmal den Wunsch, eher die Gegendemonstration klein zu machen, als die mehrfache zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber der NPD hervorzuheben und zu loben. Der Artikel in der Onlineausgabe hebt in seiner Überschrift am 11.6.11 besonders hervor "Nur 250 statt der angekündigten 600 Demonstranten protestierten gegen NPD" . Die Gegenkundgebung wird als Mißerfolg dargestellt indem es heisst: "Damit erfüllten sich die Erwartungen des Widerstands gegen Rechts nicht." Absurderweise versucht das Gandersheimer Blatt dann aber den Aufwand der Polizei mit der Gefahr durch die Gegendemonstration zu rechtfertigen: "Die Polizei sorgte mit einem Großaufgebot dafür, dass es zu keiner Eskalation mit den rund 250 Gegendemonstranten kam." Außer der Polizei Northeim/Osterode waren lt. Polizeiangaben "mehrere Einsatzhundertschaften aus Niedersachsen sowie die Bundespolizei" zur Unterstützung herangezogen worden. Wenn das Gandersheimer Blatt dann noch schreibt, der Anführer der NPD-Kundgebung "soll später im kleinen Kreis über die "erbärmliche Beteiligung seiner Kameraden geflucht haben" scheint der Schreiber offensichtlich Kontakt - welcher Art auch immer - zu dem kleinen Kreis zu haben. Seitens Beteiligter aus Göttingen wurde am 11.6.11 berichtet, es sei gelungen, dass "ca. 30 AntifaschistInnen den Weg der Nazis zum Münster an einem der vom linksradikalen Bündnis gegen die NPD in Northeimť angekündigten Punkte zu blockieren. Damit wurde die Nazi-Kundgebung erheblich verzögert und der Polizeistrategie ein Schnippchen geschlagen." |
Die Polizeistrategie bei Anti-Nazi-Demos ist offensichtlich, das breite Bündnis von linken und bürgerlichen Kräften zu spalten. Die entschiedensten GegnerInnen der Nazis sollen isoliert und abgetrennt werden. Dummerweise arbeiten einige Leute in den Bündnissen gegen Rechts dieser Strategie in die Hände, indem sie sich von Gruppen innerhalb des Bündnisses distanzieren. Lothar Hanisch ist Vorsitzender des DGB SüdNiedersachsen/Harz. Er hat sich bereits mehrfach für politische Bündnisse gegen Rechtsradikale eingesetzt. (Z.B. Bad Lauterberg). Dabei hat er alle Mühe, die unterschiedlichen Flügel solcher Bündnisse zusammenzuhalten. Er gerät immer wieder zwischen die "Mühlsteine" verschiedener Fraktionen, wenn in den Bündnissen die unterschiedlichen Gruppen gegeneinanderstehen. Wenn in einem solchen Bündnis wie z.B. in Northeim die CDU beteiligt wird, die dann vor allem gegen "Extremismus" demonstrieren will und hauptsächlich betont, dass es ihr dabei um die Gleichbehandlung von Links und Rechts gehe, andererseits Antifa-Gruppen eine gewaltsame Verhinderung der Naziversammlung propagieren. Zunächst war es ein Erfolg der Bündnispolitik, dass im Northeimer Bündnis beschlossen wurde, keine Distanzierungserklärungen abzugeben. Dies wurde kurzzeitig durch eine Erkärung einer eigenmächtig agierenden DGB-Mitarbeiterin durchbrochen, gleich darauf aber wieder repariert. Eine solche erfolgreiche Bündnisstrategie ist der Polizei ein Dorn im Auge. Nachdem das Bündnis sich nicht von alleine gespalten hat, versuchte die Polizei am Tag der Demo massiv nachzuhelfen. Sie spaltete die Demo ganz real dadurch dass sie einen Teil der DemoteilnehmerInnen abtrennte und einer Spezialbehandlung mit mehrfachern Durchsuchungen und Einkesselung unterzog. Der Rest der Demonstrationsteilnehmer war nun vor die Frage gestellt, ob sie zu dieser abgetrennten Gruppe halten oder sie im Polizeikessel zurücklassen und ohne sie weiterdemonstrieren solle. Nach einigem Hin und Her ließ man die Eingekesselten im Stich. Die mehrfachen Personendurchsuchungen und Einkesselung durch die Polizei wurden anschließend von Lothar Hanisch als unnötig kritisiert. Darauf reagierte Polizeidirektor Gerd Hujahn als Einsatzleiter in Northeim und beklagte "die fehlende Distanzierung des DGB" . Er warf dem DGB vor, "generell einen Schmusekurs mit autonomer Militanz an den Tag zu legen" (laut HNA 24.5.11) Um der Strategie der Polizeileitung Nachdruck zu verleihen, macht sich nun auch noch die Gewerkschaft der Polizei GdP zum Erfüllungsgehilfen. Die Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft Bezirk Göttingen, Kreis Göttingen, Kreis Northeim, allesamt unter dem Dach der Einheitsgewerkschaft DGB organisiert, werden von der HNA zitiert : "Die GdP, die dem Deutschen Gewerkschaftsbund angehöre, sei eine Gewerkschaft innerhalb der Polizei. Vor diesem gewerkschaftlichen Hintergrund könne es nicht hingenommen werden, dass der DGB-Bezirksvorsitzende Hanisch ein Zugehörigkeitsgefühl zum "Schwarzen Block" entwickelt. "Fast schien es, als ob Herr Hanisch zum Werkzeug und Sprachrohr des Schwarzen Blocks auserkoren war", heißt es in dem Schreiben." (laut HNA 7.6.11) Die so zitierten Vertreter der GdP, die betonen, dass sie einer Gewerkschaft angehören blenden völlig den Hintergrund des eigentlichen Ereignisses aus: dass es sich nämlich um den Protest gegen Rechtsradikale handelt, die sich einer Tradtion verpflichtet sehen in der Gewerkschaften verboten, Gewerkschaftshäuser niedergemacht und GewerkschafterInnen in KZs gelandet sind. Dass eine Partei in dieser Tradition von ihnen als Gewerkschafter geschützt wird scheint ihnen nicht als Problem ins Bewußtsein zu gelangen. Lothar Hanisch hingegen ist sich dieser Geschichte wohl bewußter. Ob ein Bündnis effektiver wird, wenn man versucht, selbst die CDU mit zu integrieren sollte er aber vielleicht überdenken.
Kundgebung
gegen NPD am 11.6.11
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Parteitag der NPD-Niedersachsen 22.5.11 in Northeim Von der Distanzierungserklärung zur polizeilichen Spaltung der Demo 29.5.11
/ goest / Ankündigungen "im Internet" und mit "graffiti",
den NPD-Parteitag zu verhindern, waren von Polizei und regionalen Medien aufgegriffen
worden um ein Chaos--Szenario für Northeim an die Wand zu malen. Dabei wirkte
die Distanzierungserklärung einer Vertreterin des
DGB Northeim wie eine Legitimation einer polizeilichen Strategie der Spaltung.
Das Medien-Theater mit der Ausmalung bevorstehender Gewaltexzesse nutzte die Polizei
aber auch zur Rechtfertigung des teuren Einsatzes vieler Polizisten und auch der
besonders gewalttätigen BFE-Polizeigruppe. Horrorsezenarios liegen im Interesse
der Polizei, die damit ihren Personalstand und ihre Sachmittelausstattung rechtfertigt.
Weil die NPD nicht verboten
ist, kann sie sich und ihr Umfeld aus Steuergeldern finanzieren, die ihr in Form
von Wahlkampf-Geldern ausgezahlt werden. Zum Schutz der NPD werden teure Polizeieinsätze
ebenfalls aus Steuergeldern finanziert. Was
durch die Pressemitteilung des DGB Northeim mit einer Distanzierung von Antifa-Gruppen
aus Göttingen begonnen hatte, zeigte seine unguten Folgen später vor
allem darin, dass die Polizei genau an dieser Distanzierungslinie die Demonstration
aufspaltete. Dass der Northeimer Teil der Demo den Polizeieinsatz gegen den Göttinger
Teil hingenommen hat und einfach weitergezogen ist, das ist ein trauriges Kapitel.
Man könnte sich leider vorstellen, dass die Autorin der Northeimer-DGB-Presseerklärung
der Polizei dafür auch noch dankbar war, dass sie sich nicht mit Autonomen
aus Göttingen auf einer gemeinsamen Demo bewegen mußte. Ob die Distanzierungs-"Kollegin"
sich eigentlich daran erinnert, dass in der Nazizeit die Gewerkschaftshäuser
plattgemacht wurden? Unerträglich
ist die immer wieder festzustellende Selbstherrlichkeit in der die Polizei Schikanen
praktiziert, die anderswo als "demokratiefeindliche Angriffe auf Zivilpersonen"
angesehen werden. Einkesselungen bei denen die Leute betteln müssen um mal
auf die Toilette gelassen zu werden, gesundheitsgefährdender Kampfgas-Einsatz,
Stiefeltritte, Faust- und Knüppelschläge, und das alles damit die NPD
ungestört in der Northeimer Stadthalle tagen darf. Alles finanziert mit Steuergeldern.
Erklärung zum Verhalten der Polizei in Northeim, TeilnehmerInnen der Demo in "gute" und "böse" DemonstrantInnen zu sortieren (DOKUMENTATION 29.5.11)
Pressemitteilung
24.5.11 |
18.5.11
Verdi Ortsverein Göttingen gegen Auseinanderdividieren 18.5.11
SPD-Stadtverband gegen ein "Auseinanderdividieren" der Proteste 17.5.11
Kreisverband der Partei DieLinke fordert NPD-Verbot 16.5.11
Kreisvorstand
der Grünen gegen Distanzierungen und für Blockaden 16.5.11
Original Aufruf des Northeimer Bündnisses enthält keine Distanzierungen Aufruf (erhalten am 16.5.11)
Ein Mitglied des Northeimer Bündnisses erklärte, es habe in den Vorbereitungsgesprächen die klare Abmachung gegeben, dass es keine Distanzierungen geben werde. Es gibt auch keine gewählte Sprecherin des Bündnisses sondern dass sich jemand als Sprecherin ausgegeben habe, sei "durch die Dynamik der Entwickung" zustandegekommen. Die unten veröffentlichte Pressemitteilung in der die Distanzierung enthalten ist, ist nicht auf einem Beschluß des gesamten Bündnisses zustandegekommen sondern, so das Mitglied des Bündnisses, aufgrund eines Rundrufes bei einigen ausgewählten Mitgliedern der Bündnisorganisationen. Differenzen Northeim/Göttingen
13.5.11 / Das Göttinger Bündnis schrieb in seinem Aufruf freundlichst
soldidarisch: "Die Göttingerinnen und Göttinger unterstützen das Northeimer
Bündnis gegen Rechtsextremismus. Die Northeimerinnen und Northeimer haben deutlich
gemacht, dass sie die NPD in ihrer Stadt nicht haben wollen. Um ein Zeichen gegen
die Neonazis zu setzen veranstalten sie am 22.05. eine bunte Demonstration mit
anschließendem BürgerInnenfest. Wir schließen uns dem Anliegen der Northeimerinnen
und Northeimer an, die NPD aus Northeim raus zu halten." Dieser
Aufruf wurde u.a. auch von der ALI und der Jugendantifa unterschrieben. Vor 3 Jahren 2008 in Bad Lauterberg kam es im Vorfeld eines Anti-Nazi-Protestes zu einer scharfen Auseinandersetzung innerhalb des dortigen Bündnisses wegen der Beteiligung von antifaschistischen Gruppen aus Göttingen. >>Siehe Berichtererstattung zu diesem Konflikt. In Bezug auf die Proteste gegen den NPD-Parteitag droht sich diese Entsolidarisierung der Protestfraktionen zu wiederholen. Distanzierungserklärung einer Vertreterin des DGB Northeim 12.5.11 12.5.11 Pressemitteilung des DGB Northeim mit Distanzierung. Das ist nicht identische mit dem Aufruf des Northeimer Bündnisses. Die Distanzierungserklärung wurde aber sofort im >>Gandersheimer Kreisblatt zitiert!
Der
blau markierte Satz fehlt in dem am Dokumentation 10.5.11 Aufruf Göttinger Bündnis gegen Rechts
Einige grundsätzliche Anmerkungen zur Ankündigung eines NPD-Parteitags in Northeim und den Versuchen ihn zu verhindern Am 22. Mai plant die NPD-Niedersachsen in Northeim einen Parteitag abzuhalten. Der Versuch des Northeimer Bürgermeisters Harald Kühle, der NPD die Stadthalle zu verweigern, ist bislang erfolglos geblieben. "Am Sonntag den 22.5.2011 von 8 bis 22 Uhr ist es der NPD laut OVG gestattet, in der Stadthalle zu tagen. Damit bleibe genug Zeit um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, da das OVG davon ausgehe, dass mit Gegendemonstrationen zu rechnen sei." (A.L.I) . Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg entscheidet mit Hinweisen auf Grund- und Parteiengesetz, die allen nichtverbotenen Parteien gleiche Rechte einräumen und darüberhinaus wird auf das bürgerliche Gesetzbuch bezüglich von Saalvermietungen usw. hingewiesen. Kurzsichtige
"liberale Gesinnung" Parteiengesetz
und Strafgesetz Innenministerium,
Justiz und Polizei schützen NPD-Parteitage und bekämpfen Antifas Meinungsfreiheit,
Parteienrecht, Verbrechen und "Verbrecherische Ideologie"
Ein
Verbot ist nicht alles, aber wäre schon mal was Einseitigkeit
mit Tradition Im Göttinger Mikrokosmos stellt sich die traditonell deutsche Einseitigkeit gegenwärtig z.B. so dar: Während Polizei die Veranstaltungen der NPD schützt, wird schon die Meinungs- und Versammlungsfreiheit der KritikerInnen eingeschränkt, wenn sie öffentlich die Notwendigkeit von Blockaden diskutieren wollen. (>Blockade-Bericht) BürgerInnenprotest
als Korrektiv zu rechtslastigen Behörden Der Versuch des Göttinger Ordnungsamtes, Blockade-"Trocken"-Übungen gegen NPD-Veranstaltungen im Vorfeld zu verbieten, wird demnächst wieder auf eine Probe gestellt werden wenn folgende Veranstaltung der A.L.I stattfindet:
Siehe auch aktuell die Pressemitteilung des Bündnisses gegen Rechts in >news |
NPD Landesparteitag in Bad Gandersheim 9.5.10 4.5.10 Die NPD wollte am 9.5.10 ab 9 Uhr im Bad Gandersheimer Stadttheater (ehemaliges Kurhaus) ihren niedersächsischen Landesparteitag abhalten. Das "Stadttheater" befindet sich in der Hildesheimer Straße 6a. Es hat einen Saal mit ca. 550 Sitzplätze, ein Foyer mit 70 Sitzplätzen und kleinere Tagungsräume mit ca. 40 Sitzplätzen. Es wurde 2009 von der Stadt an den "Beleuchtungsmeister Bernhard Esser aus Berlin und dem Veranstaltungstechniker Nils Schelm aus dem nahen Kreiensen" verkauft. Während Nils Schelm (Nomen est Omen) auf einem Kreuzfahrtschiff weilt, will Bernhard Esser die Suppe auslöffeln und beteuert neuerdings "ich bin kein Symphatisant der NPD". Gleichwohl bestätigte er gegenüber dem Kreisblatt am 3.5."Ich habe einen Mietvertrag mit der NPD abgeschlossen." und verkündet, den geschlossenen Mietvertrag einhalten zu wollen. Die Antifaschistische Linke International A.L.I. aus Göttingen hat eine Erklärung veröffentlicht in der sie dazu auffordert, "die NPD-Veranstaltung schon im Vorfeld unmöglich zu machen." Die NPD, so die ALI, verfolge "eine verbrecherische Ideologie und ist personell teils deckungsgleich mit Neonazi-Kameradschaften. Ein großer Teil der Neonaziszene hat sich in Südniedersachsen mit Schusswaffen und Sprengstoffen ausgerüstet. Diesen Leuten darf kein Raum überlassen werden!". An Betreiber von Veranstaltungsräumen in Niedersachsen appelliert die Sprecherin der Göttinger Antifagruppe, "ihre Reservierungen für den 9. Mai 2010 zu überprüfen, um auch mögliche Ersatzveranstaltungen ins Leere laufen zu lassen." Die "Grüne Jugend" Göttingen fordert in einer Erklärung vom 4.5.10 die Stadtverwaltung von Bad Gandersheim auf ,"die Veranstaltung zu verhindern", noch sei es nicht zu spät, die Vermietung der Räumlichkeiten rückgängig zu machen. "Sollte Bernhart Esser nicht zur Vernunft kommen und weiterhin an die NPD vermieten wollen, werden wir an Gegenprotesten teilnehmen und uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzen, dass der NPD keine Plattform zur Verbreitung ihrer faschistischen Ideologie geboten wird." heisst es in der Erklärung der "Grünen Jugend" Gandersheim: Die örtliche Friedensinitiative in Bad Gandersheim hat inzwischen eine Demo zur geplanten Tagungsstätte der NPD angemeldet. Im Gandersheimer Kreisblatt Online gibt eine lebhafte Auseinandersetzung. Dabei spielt die Erklärung der Göttinger Antifa eine Rolle, die den Vorsitzenden des "Kur- und Verkehrsvereins" Vogel zur Ablehnung der NPD-Veranstaltung mit der folgenden Begründung veranlaßt: die "Veranstaltung sei keine Werbung für den Ort, wie sie Bad Gandersheim haben wolle, und für das Image der Stadt unerträglich". Landtagsabgeordneter Uwe Schwarz (SPD) äußerte die Auffassung, dass ein Verbot der NPD-Veranstaltung begründet werden könne mit "Gefahrenabwehr angesichts angekündigter militanter Protestaktionen Linksextremer aus Göttingen. (...) In der Stadt sei es so eng, dass die Polizei die Gruppierungen nicht voneinander trennen könne. Durch die bereits erfolgten Aufbauten für die Domfestspiele verschärfe sich die Lage." Image- und Sachschäden scheinen im Vordergrund der Bedenken zu stehen, das Problem des Rechtsradikalismus und eine Kritik an der NPD-Ideologie kommt in Gandersheimer Stellungnahmen zu kurz. Neben dem schwierigen Versuch eines Verbotes wird auch auf eine zweite Möglichkeit verwiesen: Da Nils Schelm, der immer noch Miteigentümer des Stadttheaters ist, über seinen Anwalt erklärt hat, er distanziere sich von der Vermietung an die NPD und habe den Miteigentümer Esser aufgefordert, "diese Veranstaltung nicht durchzuführen", liegt wohl hier eine rechtliche Möglichkeit die Vermietung zu verhindern. Wenn es der NPD gelänge Regressforderungen wegen eines stornierten Mietvertrages durchzusetzen müßten die jetzigen Besitzer dann die Verteilung der Kosten zivilrechtlich unter sich ausmachen. Vielleicht wäre es eine Lösung, wenn seitens der Stadt Gandersheim hierbei dem Vermieter Hilfe angeboten würde. Mitteilung des Northeimer Bündnis gegen Rechtsextremismus 7.5.10 "Am
6.5.10 konnte ein erster juristischer Erfolg erzielt werden. Einer der beiden
Inhaber des Tagungslokals hat gegen seinen Partner eine einstweilige Verfügung
vor dem Gandersheimer Amtsgericht erwirkt. Das Gericht stellte in dem Zivilverfahren
klar, dass der Vertrag mit der NPD nicht ohne den zweiten Inhaber geschlossen
werden konnte. Das erschwert die Durchführung des Parteitages erheblich, aber
es ist nicht gewährleistet, dass er damit tatsächlich nicht stattfindet. Die NPD
wird ihrerseits alle juristisch möglichen Schritte einleiten. Eventuell rücken
auch hinreichend gewaltbereite Nazis an, um vor verschlossenen Türen Randale zu
machen.
Schließlich kam ein Gerichtbeschluß gegen die NPD zustande, weil der Mietvertrag mit der Tagungsstätte auf unsicherem Boden stand. Einer der beiden Noch-Besitzer, Nils Schelm war damit nicht einverstanden, er war gar nicht vorher informiert worden.Das Amtsgericht Bad Gandersheim bestätigte in einer Eilentscheidung durch den Amtsgerichtsdirektor, dass der Landesparteitag nicht in der vorgesehenen Tagungsstätte (Stadt-Theater, ehemals Kurhaus) stattfinden könne. |