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Wirtschaft

Kritische Ökonomie: Vortrag Prof Dr. Niko Paech über "Postwachstumsökonomie
Vortrag: "Göttinger Wirtschaft - Risiken und Chancen der Finanzkrise "
18.8.09 ,Freiherr v. Wendt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Mitte e. V.
Wirtschaftsjunioren: Podiumsdiskussion zur Nachhaltigkeit

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Kritische Ökonomie: Vortrag Prof Dr. Niko Paech über "Postwachstumsökonomie"

13.1.11 / Unikorrespondent goest / Am 12.1.11 gab es in Göttingen wieder einen Vortrag in der Reihe "Kritische Ökonomie".Diesmal mit Dr. Niko Paech (derzeit Prof apl. Lehrstuhl Produktion und Umwelt an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) einem der profiliertesten Wachstumskritiker in Deutschland. Und um es gleich zu sagen: sein Vortrag war wirklich super (nur aus Zeitdruck viel zu stark zusammengekürzt). Das Thema, zu dem er eingeladen worden war, lautete: "Postwachstumsökonomie" - und er hat aufgezeigt, daß wir alle (also die globale / globalisierte Wirtschaft) uns kurz vor der Wand befinden, auf die wir mit vollem Tempo zurasen. Menschliche Gier werde immer ein starker Grund für den Drang an Wachstum sein. Auch machte er mehr als einmal deutlich, daß er mittlerweile weder an Kategorien wie "Vernunft" glaube noch an die Einsicht irgendwelcher Politiker*innen, gleich welcher Couleur. Es ginge, nach seinen Worten, nur noch darum, die Wucht des Aufpralls oder die Fallhöhe bei dem kommenden globalen Crash zu vermindern!
Ebenso zeigte er deutlich auf, daß es immer verlogen sei, überhaupt von der Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Wachstum zu reden, weil eigentlich z.B. bei der Errichtung von Windenergieparks immer in gleichem Kilowatt-Leistungsumfang dann alte Kohle- oder Atomkraftwerke stillgelegt werden müßten - also im Sinne eines Nullsummenspiels Nachhaltigkeit und Wachstum sich gegenseitig ausschließen. Ebenso wurde plausibel aufgezeigt, daß mit dem Zahlungsmittel Geld im aktuellen Wirtschaftssystem immer automatisch ein Wachstumszwang verbunden ist, um den niemand herumkomme - und je weiter die Entfernung zwischen Geldherausgeber und Endproduzenten mit jeder Zwischenstufe der Zwang zum Wachstum immer höher ansteige.

Laut Paech könne ein überlebensfähiges Szenario der Zukunft möglicherweise grob so aussehen: in kommunalen Selbstversorgungszirkeln werden die Dinge des täglichen Bedarfs selbst hergestellt bzw. erzeugungsnah getauscht; in Europa würden jeweils ca. 20 Stunden in der Woche Erwerbsarbeit für die Menschen ausreichen und die anderen 20 Stunden für sich selbst aufgewandt (u.a. in Freizeit, Bildung, Kindererziehung, eigene Reparaturen, gärtnern in Community Gardens); die Wirtschaft könnte so um ca. 50 Prozent schrumpfen (incl. Ressourcenverbrauch). Eine solche Subsistenzwirtschaft (= Selbstversorgung) könnte die einzige Möglichkeit für ein Überleben der Menschheit darstellen. - Nach dem Vortrag gab es noch Raum für weitere Diskussionen.

Anmerkung der Redaktion: Paech war bereits 2009 zusammen mit einem Attac-Vertreter schon einmal bei der "Freien Altenarbeit", die ebenfalls einen Bericht über dessen Vortrag verfasst hat und auf ihrer Homepage >>Texte von Paech veröffentlichte. Paech ist auch auf Veranstaltungen zu Transition und Greenpeace vertreten.

Vortrag: "Göttinger Wirtschaft - Risiken und Chancen der Finanzkrise "

Vortrag im Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft und Feuerwehr, am 18.8.09 , Referent: Freiherr v. Wendt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Mitte e. V.

Clemens Freiherr von Wendt ist seit 1987 Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverband Mitte e.V. mit Sitz in Göttingen, Bürgerstraße 2a.
V. Wendt ist Rechtsanwalt und Politologe. Neben seiner Tätigkeit im Arbeitgeberverband ist er im Verwaltungsausschuss, dem Selbstverwaltungsorgan der Agentur für Arbeit Göttingen vertreten. Dort sitzen jeweils vier Arbeitnehmervertreter, Arbeitgebervertreter und Vertreter der öffentlichen Hand. Sie haben unmittelbaren, gestaltenden Einfluss auf die Arbeit der Arbeitsverwaltung.

Foto: Clemens Freiherr von Wendt, am 18.8.09

Struktur und Aufgaben des Verbandes

v. Wendt schilderte zunächst die Struktur des AGVerbandes Mitte als eines "relativ großen" Verbandes, der regional die Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode erfasst, dem aber auch Betriebe aus Nordhessen und Gotha angehören.Es gibt keine streng geografische Zuordnung. In Bezug zur Tarifbindung heisst es auf der Webseite des Verbands : "Die Mitgliedschaft eines Unternehmens im AGV Mitte e.V. führt nicht zur Bindung an einen Tarifvertrag. Sie sind und bleiben frei, Tarifverträge anzuwenden oder es zu unterlassen." Der Verband ist im umfassenden Sinne beratend und interessenvertretend öffentlich aktiv. Wenn eine Firma z.B. Leute entlassen will, dann berät der Verband beim Abschluß von Sozialplänen. In speziellen arbeitsrechtlichen Fragen gibt der Verband Hilfestellung. Und gegenüber den Behörden und Sozialversicherungen vertritt der Arbeitgeberverband die politischen Interessen der Arbeitgeber.

Die Mitgliedsfirmen kommen aus nahezu allen denkbaren Branchen und haben sehr unterschiedliche Größen. Jeder, der eine Arbeitskraft beschäftigt, so v. Wendt, sei ja praktisch Arbeitgeber und so könne auch derjenige, der nur eine Putzfrau beschäftigt Mitglied im Verband sein. Mitgliedsfirmen sind z.B. auch die Betreiber von Altenheimen und Kliniken, privatwirtschaftliche Kindertagesstätten. Schwerpunkte liegen im Raum Göttingen bei der Optischen Industrie, der Logistik und Verpackung; in Osterode bei der Holzverarbeitung und derm Holzhandel. Ein großer Teil der Mitgliedsfirmen, der nicht unterschätzt werden sollte, machten Ärzte, Rechtsanwälte und Steuerberater aus.

Prognose

Mit dem Erfahrungshintergrund eines solchen Querschnittes an Branchen wagte v. Wendt eine Beurteilung der Lage und eine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region. Zunächst einmal meinte er "Die Talsohle ist noch nicht ganz erreicht" . Im Herbst und im Winter werde die Zahl der Arbeitslosen noch zunehmen. Für den Verband bedeute das Beratung bei Kurzarbeit, bei der Gestaltung von Sozialplänen und Rechtsfragen bei Kündigungen.

Bewertung der Maßnahme "Kurzarbeit"

Das Hauptgestaltungsinstrument der vergangenen Monate, die Kurzarbeit, das wollte v. Wendt deutlich hervorheben, müsse von den Arbeitgebern teuer bezahlt werden. Normalerweise bestünde rechtlich eine Anspruch auf Entgelt nur bei Arbeit. Bei Kurzarbeit zahle einerseits die Bundesagentur für Arbeit einen Ausgleich auf 67 % bzw. 60 % bei Ledigen vom letzten Nettoeinkommen. Auch wenn nur noch die Hälfte der Zeit gearbeitet werden müsse der Arbeitgeber weiterhin 100 % Sozialleistungen bezahlen. Auch Feiertage und Urlaub müssen voll bezahlt werden. Für die Zeit ab 1.7.09 wurde allerdings geregelt, dass nach 6 Monaten Kurzarbeit keine Sozialabgaben mehr vom Arbeitgeber zu zahlen sind. Dann muß die Agentur für Arbeit dies zahlen.

Wie ist die Entwicklung der einzelnen Branchen zu bewerten:

Branchen mit stärkeren Krisenauswirkungen
Die in Göttingen stark vertretene "Komponentenfertigung" in den Bereichen Optik und Feinmechanik ist um 30-50 % geringer beschäftigt als vor der Krise. Göttingen als Zentrum für Meßtechnik ist insofern benachteiligt, als meßtechnische Komponenten im Maschinenbau erst "ganz hinten" in der Wertschöpfungskette zum Zug kommen.
Die Automobilzulieferer in Northeim, Osterode und HannMünden , Dassel und Herzberg , die z.B. Getriebe fertigen sind "schon arg gebeutelt , das aber auch schon seit längerem". Bei VW z.B. läuft die Zulieferung für den Polo gut. Inzwischen gibt es deshalb auch schon mal Nachorder.
Holzverarbeitung: der Markt hängt etwas am US-Baumarkt. Gegenwärtig hat z.B. das Spanplattenwerk in Herzberg große Schwierigkeiten
Handwerk: "ist beschäftigt bis oben hin." (unwidersprochener Zwischenruf der Ausschußvorsitzenden
Logistik/Spedition: Anfang 2009 sah es trostlos aus. LKWs wurden abgemeldet. Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert, evtl. überleben aber nicht alle Firmen.

Branchen mit günstigerem Verlauf
Verpackungsindustrie: Die Investitionsvorhaben zeigen Optimismus
Bauwirtschaft: wie man in Göttingen sehen kann, wird an jeder Ecke gebaut, im Tiefbau herrscht zwar gnadenloser Wettbewerb, aber auch eine gute AuftragslageNahrungsmittelerzeugung und -erarbeitung sowie Lebensmitteleinzelhandel läuft weiterhin bei gleichem Umsatz. Der gnadenlose Wettbewerb hält die Preise dort niedrig und wirkt inflationsdämpfend. Allerdings werden die Gewinnmargen kleiner bei gleichem Umsatz.
Alten- und Pflegeheime
Medizintechnik (Wachstum im Umsatz, in Beschäftigung und in der Entwicklung)
Biotechnik: läuft besser
Dienstleistungsbereite der Ärzte, Steuerberater Architekten, Rechtsanwälte
"Die Summe der Kleinstbetriebe hat einen wichtigen Anteil an der Wertschöpfung"

Kreditversicherungsklemme

Ein Problem besteht durch die Notwendigkeit von Kreditversicherungen. Da kommt eine Reihe von Anfragen auf einen Fertigungsbetrieb zu. Auch jetzt in der Krise gibt es viele VOR-Anfragen um sich Lieferungen zu sichern. Damit diese Anfragen zu Aufträgen werden können ist die Fertigungsfirma auf eine Garantie angewiesen, dass der Kunde später auch zahlen kann bzw. bei Zahlungsunfähigkeit die Versicherung einspringt. Diese Garantie soll durch eine Kreditversicherung hergestellt werden. Nun gibt es einerseits immer häufiger Auftragsvoranfragen aber Probleme mit Kreditversicherungen. Und wenn eine Bank die notwendigen finanziellen Vorleistungen für eine Auftragsverwirklichung geben soll, dann soll sie einerseits vorsichtig mit Kreditvergabe sein, andererseits bekomme sie gesagt sie blockiere die Wirtschaft, wenn sie zögert.

 

V. Wendt beantwortete anschließend Fragen aus den Reihen der Ausschußmitglieder wobei deutlich wurde, dass der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes und der Landtagsabgeordnete der Partei DieLinke nur schwer allein sprachlich eine Verständigung erzielen konnten.

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Ältere Artikel:

Wirtschaftsjunioren: Podiumsdiskussion zur Nachhaltigkeit

2001 / Die Wirtschaftsjunioren führen am DO, 17.5.2001, zusammen mit dem AIESEC Göttingen und Greenpeace Göttingen eine Podiumsveranstaltung zum Thema ‚nachhaltige Gesellschaft‘ durch.
Wieder mehr Fahrrad zu fahren und Energiesparlampen zu verwenden kann nicht die Lösung sein. Während jeden Tag 50 Tierarten aussterben, wächst die Weltbevölkerung unaufhaltsam; das Trinkwasser wird immer knapper, während Bangladesh im Ozean zu versinken droht. Gegen diese Entwicklung helfen keine "zurück-in-die-Vergangenheit"-Lösungen, sondern nur eine konsequente Umorientierung, welche die Umwelt im Rahmen einer starken, aber ökologischen Wirtschaft und Gesellschaft einbindet und schützt.
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DO, 17. Mai 2001, 18:00 Uhr, Universität Göttingen, Zentrales Hörsaalgebäude, Saal 105

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