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Studierende und Wohnen

Mieterhöhungen in Wohnheimen - ante portas 2016
Studentenwerk Prozess wegen Demo im Mensa-Foyer 2015
Rote Strasse: Polizei entfernt PKK-Transparent 2015
--- Abmahnungen wegen politischer Transparente 2011
Übernachtung (mehr nicht) in der Voigtschule 2014
Humboldtallee 9: Notlager für Studierende in der2014
Humboldtallee 9: Symbolisch Tür zersägt 2014
Wohnungsnot für Erstsemester 2014
Humboldtallee 9: Konflikt mit Studentenwerk 2014
Humboldtallee 9 Einigung mit Studentenwerk 2014
Kritik an Umbau und Neubau von Studiheimen 2014
Geiststrasse 10 2009-14
--- Symbolische Besetzung Nr. 3 Juni 2014
--- Symbolische Besetzung Nr. 2 Okt. 2013
--- Symbolische Besetzung Nr. 1 Jan. 2013
--- Wohnungskündigung im Semester?

Veranstaltungen zu Wohnungsnot und Häuserkampf 2013
Stud. Wohnen nicht in Randgebiete verlagern 2012
Demo und Hausbesetzung für Wohnraum 2012
Neues Studierendenwohnheim an der Nord-Uni 2012

Konflikt um die Studiheime 2007
Freiräume-Demo + 25 Jahre Juzi 11.8.07

Gentrifizierung
"Häuserkampf" 1977-85 in Gö

Einige Widersprüche in der Wohnheim-Kampagne

Es geht um Wohnheime und um Freiräume

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> Mietwohnungen
> Studentenwerk
> Leitseite Uni
> Hausbesetzung 2006
> Wagenplatz
> Wohnen mit Hartz 4 KdU
> Freiräume-Demo Okt.07

>> Kreuzbergring
>> www.heretostay.de/
>> Alte Hausbesetzungs-Bilder

 

Mieterhöhungen in Wohnheimen - ante portas

Nach einer Erklärung des AStA
2.6.16 / Das als Stiftung neben der Universität organisierte Stud.werk muß 73 % mit eigenen Einnahmen finanzieren, 19% kommen vom Land und über den Semesterbeitrag kommen 8 %. Von Finanzierungsteilen im Sinne des § 9 der Stud.werksatzung, nämlich einer "Zuwendung Dritter" ist nichts bekannt. Der Allgemeine Studierenden Ausschuss (AStA) der Universität sieht nun für die Studierendenwohnheime eine Erhöhung des Semesterbeitrages und der Mieten kommen, wenn am 3.6.16 der Stud.werk-Vorstand zusammentritt. Grund dafür, so der AStA, sei der Versuch des Studentenwerks "den akuten Renovierungsbedarf in Wohnheimen und Mensen" zu finanzieren. Wenn für einen Teil der Wohnheime die Mieten empfindlich angehoben werden, dann befürchtet der AStA, man würde "Konflikte zwischen Mieter*innen schüren". Die Finanzierung der Renovierungen, solle deshalb "wenn überhaupt, nur solidarisch über den Studentenwerksbeitrag passieren" Ansonsten sei vor allem ein stärkerer gemeinsamer Einsatz gegenüber der Landesregierung erforderlich, die einen höhern Anteil an der Finanzierung tragen solle.

Erklärung des Studentenwerks
3.6.16 / Das Studentenwerk reagierte mit einer öffentlichen Stellungnahme auf die Erklärung des AStA. Mehrfach haben das Studentenwerk Göttingen und die anderen niedersächsischen Studentenwerke die Landesregierung vergeblich gebeten, Zuschüsse für Neubau- und Sanierungsmaßnahmen von Wohnheimen bereit zu stellen. Der Vorstand des Studentenwerks Göttingen hat in seiner heutigen Sitzung nach langer und ausführlicher Diskussion mit großer Mehrheit beschlossen, dem Stiftungsrat ein Investitionsvolumen für die Jahre 2017 bis 2021 in Höhe von 47,64 Millionen Euro für die Sanierung von Wohnheimen, den Neubau des Wohnheimes „Lutterterrasse“ im Nordbereich der Universität und der Erweiterung und Sanierung der Nordmensa zur abschließenden Entscheidung vorzulegen. Die Finanzierung soll zum Großteil über Kreditaufnahmen in Höhe von rund 24 Millionen Euro, den Einsatz von Rücklagen, zusätzliche Einnahmen aus Studentenwerksbeiträgen und Mieten erfolgen. Dieses Gesamtpaket wird dem Stiftungsrat zu seiner nächsten Sitzung zur Beschlussfassung vorgelegt. Deshalb kann über die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen erst danach berichtet werden."
Ebenso wie der AStA fordert der Geschäftsführer des Studentenwerks , Magull, vom Land Niedersachsen ein sofortiges "Zuschussprogramm für Neubauten und Sanierungen von Wohnheimen aufzulegen".

Zur Frage, ob solidarisch über den Semesterbeitrag oder über Mietsteigerung für einen Teil der Wohnheim-Mieter*innen oder alle Mieter*innen enthält die Stellungnahme keine Information.

Bereits am 18.4.16 erklärte der Weender SPD-Ortsverein
Als fatalen Irrweg bezeichnet der SPD-Ortsverein Weende die Überlegung des Studentenwerks, die Mieten in den Wohnheimen pauschal um 50 Euro zu erhöhen. „Angesichts der ohnehin schon sehr hohen Mieten in Göttingen wäre ein solcher Schritt das Signal an private Vermieter, ebenfalls an der Mietpreisschraube zu drehen“ befürchtet Kris Runge vom Ortsvereinsvorstand. Besonders in Weende, wo das Studentenwerk zahlreiche Wohnheime betreibt, wären von einer solchen Entwicklung viele Menschen betroffen. „Wenn das Studentenwerk seinen sozialen Auftrag ernst nimmt, wird der Vorstand diesen Vorschlag schnell zu den Akten legen“, hofft Runge. Gleichzeitig appelliert die Weender SPD an die Landesregierung, die Stadt und auch die Universität, die Sorgen des Studentenwerks ernst zu nehmen. Der akute Mangel an günstigem Wohnraum könne ohne Zuschüsse nicht alleine vom Studentenwerk behoben werden. Insbesondere die Universität könne nicht jedes Semester Erfolgsmeldungen von immer mehr Studierenden verkünden und sich gleichzeitig aus der Verantwortung für deren Wohnplätze stehlen.

 

Studentenwerk strengt Prozess an wegen Demonstration im Mensa-Foyer

15.9.15 / Der Geschäftsführer des Studentenwerks Prof. Dr. Magull hat keine glückliche Hand im Umgang mit den Öffentlichkeitskampagnen der Wohnrauminitiative und dem Verhalten der Studierenden in den Wohnheimen und bei Protesten gegen ihn in der Uni. Er wirkt zu starr Ordnung einfordernd. Auf der studentischen Seite gibt es eine Tendenz zur personalisierten Skandalisierung anhand von Magull. Wegen des angespannten Verhältnisses gelingt es nur selten, Probleme durch Dialog produktiven Lösungen zuzuführen. Nach einer Demonstration im Mensafoyer griff Magull gar zu einer Anzeige. Am 15.9.15 war der erste Prozesstag.

Nach einer Erklärung der Wohnrauminitiative:
Zu Beginn des Prozesses erklärte ein Angeklagter die Situation vom 7.10.14: die Mitarbeiterin des Studentenwerks habe wiederholt Porträtfotos von Studierenden angefertigt und dieses Vorgehen auch nach mehrfacher Aufforderung nicht unterlassen. Daraufhin habe er für eine Sekunde in Richtung Kamera gefasst. Die Mitarbeiterin des Studentenwerks riss daraufhin ihren Arm, der durch eine Sicherungsschlaufe mit der Kamera verbunden war, zurück. Diese als Zeugin geladene Mitarbeiterin klagte vor Gericht über anschließende Schmerzen in der Schulter. Prof. Dr. Jörg Magull Geschäftsführer des Studentenwerks sagte als Zeuge aus, die Mitarbeiterin angewiesen zu haben, sowohl die im Mensa-Foyer demonstrierenden, als auch gezielt einzelne Studierende zu fotografieren. (...) dabei handele es sich um ein "originäres Tätigkeitsfeld" der Mitarbeiterin, die im Bereich Kommunikation des Studentenwerks arbeitet.
Während des Prozesses wurde im zahlreich vertretenen Publikum ein Bettlaken mit der Aufschrift "No Camera - No Problem! Stop the trial against our friend!" hochgehalten. In einer Erklärung der Wohnrauminitiative heisst es: "Der Richter reagierte darauf unmittelbar mit der Verhängung zweier Bußgelder in Höhe von je 100 € oder zwei Tagen Haft, die er auf Intervention der Verteidigung auf 50 € oder einen Tag Haft runtersetzte."

Foto: goest.de

bei einem >Presse-Informationsgespräch am 25.10.12

v.l.n.r. Katrin Schöll , Abteilung "Studentische Kommunikation" Geschäftsführer Prof. Dr. Jörg Magull (Mitte) , Prof. Dr. Hubert Merkel Vorstandsvorsitzender des Studentenwerks

Notizen einer Prozessbesucherin für goest 16.9.15 /
Der Angeklagte der sehr selbstischer auftrat, bestritt, der Mitarbeiterin eine Verletzung hinzugefügt zu haben. Auch Magull erklärte dem Gericht gegenüber, er habe nicht gesehen, dass der Angeklagte die Mitarbeiterin angegriffen hat bzw. nicht angegriffen hat. Magull berichtete vom 7. Oktober 2014, er sei an dem Tag von den Demonstranten verbal angegriffen worden („deine Vorgängerin haben wir auch weg gekriegt“...), umringt von einer Masse von Demonstrant_innen.
Die als Zeugin auftretende Mitarbeiterin war sehr aufgeregt, erklärte immer noch geschockt zu sein von den Ereignissen. Besonders während ihrer Aussage aber auch im sonstigen Verlauf vermittelten die Unterstützer_innen des Angeklagten im Saal den Eindruck, dass sie die ganze Sache für lächerlich halten. Die Unterstützer_innen des Angeklagten lachten und gaben im Gerichtssaal während der Verhandlung laute Kommentare ab. Trotz Einlasskontrollen hatten sie auch ein recht großes Tuch in den Gerichtssaal hineingebracht. Als Prof. Dr. Magull mit seiner Zeugenaussage begann halten zwei Unterstützer plötzlich ein Transparent hoch und rufen sowas wie „no cameras...“ Ein Polizist brüllt sie an, anschliessend werden sie nach vorne zum Richter zitiert, 50 Euro Bußgeld oder 1 Tag ins Gefängnis.

"Aktivist" wurde verurteilt
Der Prozess wurde unterbrochen, die Fortsetzung fand am 24.9.2015 im Amtsgericht Göttingen statt.
Die Wohnrauminitiative berichtet nach dem zweiten Teil des Prozesses: Der Angeklagte wurde heute zu 60 Tagessätzen verurteilt. Diesem Urteil vorangegangen war der zweite Teil der Verhandlungen, in dem hauptsächlich ein Mitarbeiter des Studentenwerks als Zeuge angehört wurde. Der Staatsanwalt hatte zur zweiten Verhandlungsrunde urlaubsbedingt gewechselt. Über die Anklagepunkte im Einzelnen wurde nicht berichtet

 

Aufrüstung mit privatem Sicherheitsdienst

goest 15.9.15 / Am Prozesstag nachmittags um 15 Uhr fielen zwei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes auf, die auf dem Campus patroullierten. Der eine mit der Aufschrift "Einsatzleitung" quer über dem Rücken, Handschellen im Gürtel. Sie kamen aus der Richtung eines Fahrzeuges mit der Aufschrift UMG-Facilities. Wie sich herausstellte handelt es sich bei dieser Firma um eine Kooperation der Universitätsmedizin UMG mit der Bremer Sicherheitsfirma "Elko". Offensichtlich gab es einen Auftrag der Universität oder des Studentenwerkes an die Firma auch auf dem Campus zu patroullieren. Ein möglicher Grund dafür könnte in der Befürchtung bestanden haben, dass es nach dem Prozess bei einer evtl. Verurteilung zu Protesten gegen das Studentenwerk kommen könnte. Das würde die Angst und Verkrampftheit zeigen mit der seitens des Studentenwerks auf die Proteste der Wohnrauminitiative reagiert wird. In diesem Falle möchte man rufen "cool down Magull".

Privater Sicherheitsdienst - martialisches Outfit, Handschellen am Gürtel
"Einsatzleitung" Aufschrift auf dem Rücken

Neuer Stil an der Uni?

UMG - Facilities / Sicherheitsfirma ELKO

Was aber ist das für eine Firma, deren zwei Mitarbeiter da martialisch aufmarschieren?

Auf ihrer Homepage beschreibt sie die Palette ihrer Dienstleistungen und zählt u.a. auf:
--- Zusammenarbeit mit Polizei und Rettungskräften
--- Detektivdienste und ObservationInterventionsdienst,
--- Mobile Revierstreifentätigkeit
--- Durchsetzung und Überwachung der Hausordnung
aber auch
--- Personenschutz und vip-Betreuung

In Bremen ist die Firma Elko in ein komplexes Netz von Geschäftsfeldern sowie mit der Politik eingebunden (>Artikel hierzu). Müllgeschäfte, Müllverbrennungsanlagen und Krafwerkssicherheit gehört dort zu ihrem Kerngeschäft. Mit insgesamt 1300 MitarbeiterInnen (aber ohne Betriebsrat! ) wird sie inzwischen bundesweit tätig z.B. als Sicherheitsdienst in Fußballstadien. Die Arminia Bielefeld hat seit 1. Januar 2015 "Elko Eventservice GmbH" als Sicherheitsfirma eingesetzt. Die Zeitung Der Westen (WAZ-Gruppe) berichtete im Januar, "das Unternehmen, (...) soll nach RS-Informationen nur zehn ihrer rund 250 Mitarbeiter mit der erforderlichen Qualifikation nach Paragraph 34a der Gewerbeordnung ausgestattet haben. Der Paragraph 34a sieht für das Bewachungspersonal je nach Tätigkeit eine sogenannte Unterrichtung vor oder, für weitergehende Tätigkeiten, eine Sachkundeprüfung - die allerdings rund 150 Euro kostet". Bleibt zu hoffen, dass Sicherheitfuzzies an der Uni wenigstens so gut geschult sind, dass sie bei Protesten gegen Entscheidungen des Studentenwerkes nicht gleich die Nerven verlieren.

 

Wohnungsnot für Erstsemester / Studienanfänger_innen

2015
Wochenweise Übernachtungsmöglichkeit im Hotel bis Ende November für 20 Studis

25.9./2.10.2015 Anders als im Vorjahr ist es nicht möglich, Studierende auf Wohnungssuche in der Voigtschule in der Bürgerstraße 15 unterzubringen , dort wurde der Raum für die Unterbringung von Flüchtlingen gebraucht. Das Studentenwerk hat sich für folgende Lösung entschieden:
Im Best Western Hotel Am Papenberg wurde in vertretbarer Nähe zum Universitäts-Campus ein Zimmerkontingent ab 1. Oktober für 20 Studierende angemietet. Dabei handelt es sich um zehn Doppelzimmer, ausgestattet mit Einzelbetten. Ein Frühstück im Hotel kann gegen einen Aufpreis hinzugebucht werden. Die temporäre Übernachtungsmöglichkeit endet am 30. November.

Das Vergabeverfahren der temporären Übernachtungsplätze ist wie folgt vorgesehen: Durch Zahlung von 5 Euro pro Übernachtung im Servicebüro Studentisches Wohnen des Studentenwerks Göttingen erwerben wohnungssuchende Studierende das Recht auf Übernachtung. Möglich sind fünf Übernachtungen, danach ist bei weiterem Bedarf eine Wiedervorstellung im Servicebüro notwendig. Voraussetzungen für den Erwerb eines Übernachtungsplatzes sind die Vorlage eines Zulassungsbescheids oder einer Immatrikulationsbescheinigung für das Wintersemester 2015/16 für eine der Göttinger Hochschulen sowie ein gültiger Lichtbildausweis. Weitere Kosten entstehen den Studierenden für die Übernachtung nicht. Der Erwerb der Übernachtungsberechtigung ist ausschließlich während der Öffnungszeiten im Servicebüro Studentisches Wohnen des Studentenwerks, im Gebäude der Zentralmensa/Eingang 4b, möglich. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 11 bis 14.30 Uhr und Freitag von 10 bis 12 Uhr. Eine Reservierung vorab ist nicht möglich. Die Inanspruchnahme der Hotel-Übernachtungsmöglichkeit ist nur Erstsemestern möglich, die an der Hotelrezeption den vom Studentenwerk Göttingen unterzeichneten Einzahlungsbeleg in Verbindung mit ihrem amtlichen Lichtbildausweis vorlegen. Weitere Kosten entstehen den Studierenden für die Übernachtung nicht. es können maximal 5 Übernachtungen am Stück gebucht werden, danach ist eine Wiedervorstellung im Servicebüro notwendig

 

2014 Notquartier für wohnungssuchende Studierende in der Voigtschule

Kommentar zum Notquartier Voigtschule 13.11.14
Was ist denn das für eine Schnapsidee, den wohnungssuchend herumirrenden Studis eine Art Notübernachtung der Bahnhofsmission oder der Heilsarmee anzubieten. Geboten wird nur ein blankes Feldbett - und damit schlechter als bei der Heilsarmee - für 5 € die Nacht ! Das sind bei 30 Tagen immerhin auch schon 150 € für absolut unterstes Niveau im "Kein-Stern-Hotel". Und was ist tagsüber? Sollen die tagsüber von 9 Uhr bis abends 18 Uhr in der Stadt herumlaufen? Sollen sie sich in Wärmehallen, Caféterrien oder Sparkassenfilialen aufhalten? Auch wenn sie irgendetwas von ihren Utensilien brauchen, dann kommen sie tagsüber auch nicht dran, denn alles was sie nicht mit sich herumtragen können, ist in der Voigtschule eingeschlossen. Dahinter steckt "der Geist der stets verneint"
(bei dem Zitat heisst es dann ... denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht; / Drum besser wär’s daß nichts entstünde.): Und in diesem Falle sollen sich die Studis eben gar nicht erst dort wohlfühlen und festsetzen. Man will es ihnen deshalb möglichst unbequem machen, damit sie sich bald eine Mietwohnung suchen. Denn das Objekt soll bald wieder für ein Verkauf frei von menschlichen Hindernissen sein. Tja - aber wo gibt es denn Mietwohnungen? Die fehlen doch gerade! Dieses zu ignorieren, das ist die Arroganz der Macht. Da sehnt man sich nach Zeiten zurück, wo die Leute das Ding kurzerhand besetzt hätten. Man mag sich gar nicht vorstellen, dass sich junge Leute heutzutage so etwas lange gefallen lassen. Deshalb ist zu hoffen, dass sich inzwischen was geändert hat. (Anlass für diesen Kommentar war das vor 10 Tagen nicht zu überhörende Klagen von Studentinnen in einer Gaststätte am Nebentisch, die die Voigtstelle als Schlafstätte nutzen)

2014 Studentenwerk und Stadt Göttingen zum Notquartier Voigtschule
Die Stadt Göttingen und das Studentenwerk Göttingen stellen vom 01.10. - 27.11.2014 ein Notquartier für wohnungssuchende Studierende in der ehemaligen Voigtschule (Bürgerstraße 15) zur Verfügung. Das Notquartier befindet sich im Erdgeschoss des ehemaligen Schulgebäudes. Je nach Größe bieten die vorhandenen Räume Belegungsmöglichkeiten mit bis zu zwölf Schlafplätzen an. Klappliegen werden gestellt, ein eigener Schlafsack ist Voraussetzung (bei Bedarf können Schlafsäcke erworben werden). Der Zutritt zum Gebäude ist werktags von 18:00 - 9:00 Uhr gestattet, am Wochenende durchgehend, und wird durch einen Sicherheitsdienst überwacht. Im ausgebauten Keller ermöglicht ein Aufenthaltsraum einen gemeinschaftlichen Treffpunkt. Ausreichende WC`s sind vorhanden. Im Schulhof stehen zwei Duschcontainer mit jeweils fünf Duschen zur Verfügung. Es erfolgt eine tägliche Reinigung der Räumlichkeiten. Für die Anmietung eines Schlafplatzes im Notquartier ist ausschließlich das Studentenwerk Göttingen - Servicebüro Studentisches Wohnen - von montags bis freitags in der Zeit von 11:00 - 18:00 Uhr zuständig. Eine Anmietung vor Ort ist nur in Ausnahmefällen, am Wochenende und nach 18:00 Uhr, möglich! Voraussetzung zur Anmietung ist die Vorlage des Zulassungsbescheides oder der Immatrikulationsbescheinigung für das WS 2014/2015 an einer der Göttinger Hochschulen und die Zahlung einer Miete von 5,00 € pro Übernachtung.

2014 Notlager für Studierende in der Humboldtallee 9

25.10.14 / Für viele Studierende geht es erstmal darum überhaupt bezahlbare Wohnungen zu finden. Die Bewohner_innen des selbstverwalteten Studierendenhauses Humboldtalle 9 haben in ihrem Garten Notquatiere mit Zelten eingerichtet. Dort leben derzeit 20 Personen. Wegen der kälter werdenden Nächte ist das Lager auf Brennholz angewiesen, Spenden sind willkommen.


Zelte des Notlagers für Studierende in der Humboldtallee 9

Es gibt noch ein Gemeinschaftszelt und eine improvisierte Küche Gegenwärtig (25.10.14) macht der durch Regen aufgeweichte Boden das Lager in einigen Bereichen zu einem unbequemen Areal

17.11.14 / Am Wochenende 15/16.11.14 wurde das Zeltlager der Wohnrauminitiative abgebaut. Die letzten Bewohnerinnen und Bewohner des Zeltlagers haben mittlerweile alle eine Wohnung oder eine andere Zwischenlösung gefunden. Das Zeltlager stand letztlich länger als ursprünglich geplant anderthalb Monate im Garten der Humboldtallee 9. Insgesamt übernachteten etwa achtzig Menschen in dem Camp. Zeitweise wohnten dort fünfundzwanzig Menschen gleichzeitig. Seitens der Wohnrauminitiative heisst es: „Wir möchten uns an dieser Stelle bei den zahlreichen Helferinnen und Helfern bedanken! Dank der großzügigen Bereitschaft, uns Zelte, Feldbetten und andere notwendige Materialien kostenfrei zu leihen, sowie den vielen Spenden an Decken und Nahrungsmitteln war es uns möglich, dieses Zeltlager durchzuführen. Die massive Unterstützung von zahlreichen Bewohnerinnen der Studentenwerkswohnheime sowie Nachbar_innen hat es uns ermöglicht, durchgehend eine funktionierende Infrastruktur am laufen zu halten. "


Gemeinschaftszelt hinten und Küchenzelt.


Toilette und Waschgelegenheit.

Demonstration 25.10.14 unter dem Motto “Wohnraum für ALLE!
Für das Recht auf Stadt und bezahlbaren Wohnraum!” 14 Uhr vor dem Universitätspräsidium am Wilhelmsplatz. Hintergrund ist die Wohnungsnot von hunderten Studierenden zu Semesterbeginn, die aktuelle Auseinandersetzung um selbstverwaltete Wohnstrukturen und der generelle Mangel an bezahlbarem Wohnraum für finanziell Schlechtergestellte, Geflüchtete, Familien und Studierende in Göttingen. Organisiert von der Wohnrauminitiative unterstützt von Jusos und Grüne Jugend
. Diese fordern vom Studierendenwerk "eine Bestandsgarantie für kleine, selbstverwaltete Wohnheime und die Schaffung von bezahlbarem und flächendeckendem Wohnraum für Studierende. Wir fordern, dass kurzfristige Hilfen, wie die Notunterkünfte in der ehemaligen Voigt-Realschule, beibehalten und den betroffenen Menschen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Wir fordern auch von der Stadt Göttingen eine Änderung der aktuellen Wohnraumpolitik. Diese darf nicht mehr auf Interessent*innen des “gehobenen Segments” oder ausschließlich Privatinvestor*innen abzielen.

Wohnrauminitiative
28.9.14 / Zunächst meldete die "Wohnrauminitiative Göttingen" (c/o Autonomicum - Freiraum Café, Platz der Göttinger 7), dass sie mit Beginn am 28. Sept. auf dem Gelände des Studi-Wohnheims der Humboldtallee 9 ein Notzeltlager für wohnungslose Erstsemesterinnen und Erstsemester eingerichtet haben. "Duschen, Toiletten und Waschmaschinen sind ebenso vorhanden, wie ein größeres Gemeinschaftszelt mit Feuerstelle. Für Menschen ohne Zelt gibt es große Ausweichzelte, für Menschen mit Hunger ein Abendessen, für ein trockenes Gepäckabteil und Wertsachensicherung ist ebenfalls gesorgt. Die campus- und innenstadtnahe Lage der Humboldtallee 9 macht es optimal für einen guten Startpunkt. Zusätzlich soll das spendenbasierte Zeltlager auch der sozialen Zusammenkunft dienen: Filmabende, Workshops, kleinere Konzerte sollen menschenübergreifend spinnen."
Gleichzeitig kritisierte die Wohnrauminitiative den AStA scharf: "Der diesjährig amtierende AStA zeigt deutlich, dass „unpolitisch“ sein praktisch so viel bedeutet wie unverantwortlich zu sein: Während die ASten der letzen Jahre Notunterkünfte organisierten und den Studierenden ein Auffangnetz boten, glänzt der diesjährige AStA durch Ignoranz studentischer Anliegen. Ebenso sieht wohl auch das Göttinger Studentenwerk keinen Handlungsbedarf. Öffentliche Präsenz zeigt es vor allem, wenn es darum geht, Transparente von Hauswänden fernzuhalten und den Druck auf studentische Selbstverwaltung und Wohnkultur zu erhöhen."

Stadt und Studentenwerk bieten Voigtschule als Notunterkunft an
Am 25.9. teilte die Stadt mit: Die Stadt Göttingen und das Studentenwerk Göttingen wollen ermöglichen, dass Räume der ehemaligen Voigtschule in der Bürgerstraße ab Oktober vorübergehend als Notquartier für Studierende genutzt werden können, die zum Beginn des Wintersemesters 2014 / 2015 noch keine Wohnung gefunden haben. Einzelheiten des gemeinsamen Projekts wollen Oberbürgermeister Wolfgang Meyer und der Geschäftsführer des Studentenwerks, Prof. Dr. Jörg Magull, in Anwesenheit von Vertretern des Allgemeinen Studentenausschusses der Universität im Rahmen eines Medientermins vor Ort am Montag, 29. September 2014, erläutern

Am 29.9.14 verweist der AStA auf das Vorhaben von Stadt und Studentenwerk eine Notunterkunft in der Voigtschule anzubieten: Das ehemalige Gebäude der Voigt-Realschule (Bürgerstr. 15) wird im Oktober bis einschließlich dem 27. November für Erstsemester offen stehen, welche noch nicht das Glück hatten, eine Wohnung zu finden. In der ehemaligen Schule wird es Feldbetten und ausreichend sanitäre Einrichtungen geben. Wer die Notunterkünfte nutzen möchte, braucht lediglich seine Immatrikulationsbescheinigung beim Servicebüro Wohnen des Studentenwerks (Zentralmensa oder @studentenwerk..) vorzeigen und bekommt dann zeitnah eine Notunterkunft zugewiesen. Außenreferent Jonas Richter fügt an: „Die Notunterkunft soll es vor allem ermöglichen, die Vorkurse, Orientierungsphasen und ersten Vorlesungen trotz Wohnungsnot besuchen zu können. Insbesondere, da viele Wohnungen erst im November oder gar Dezember frei werden. Ebenso wird die Wohnungssuche vor Ort durch die Notunterkunft wesentlich erleichtert.“

SPD Stadtverband und Andretta (29.9.14)
Notunterkünfte, das dürfte allen klar sein sind natürlich keine Dauerlösung. Dies betonen auch Dr. Andretta (MdL/SPD) und der SPD Stadtverband Göttingen mit ihrem neuen Vorsitzenden Rechtsanwalt Lehmann: Notunterkünfte für Studierende seien nur "Tropfen auf dem heißen Stein" und auch die Voigtschule bewerten sie als "nur einen kleinen Beitrag zur Bekämpfung des enormen Mangels preiswerter Wohnungen für Studierende" (...) "Derzeit stehen allein ca. 2.100 Studierende auf der Warteliste des Studierendenwerks für Wohnheimplätze. Deshalb müssen dringend dauerhafte Lösungen gefunden werden.(...) In der Voigt-Schule können gerade eben 81 Studierende untergebracht werden. Da ist die Universität dringend gefordert, auch in ihren eigenen Gebäuden nach geeigneten Notquartieren zu suchen!“ Anscheinend wird für die Unterbringung in der Voigtshcule auch noch Geld verlangt, denn die SPD kritisiert: „Fünf Euro pro Tag, 150 Euro im Monat, um auf Feldbetten des Roten Kreuzes zu übernachten und Duschcontainer zu benutzen – das kann kein guter Einstieg in das Studium an einer gastlichen und studierendenfreundlichen Uni sein.“

 

Demonstration Wohnraum für Alle! am 25.10.2014

Für das Recht auf Stadt und bezahlbare Wohnungen!
- Gentrifizierung, Verdrängung, Widerstand -

(Anmerkung: Ärgerlich das ausschließlich auf facebook hin orientierte Internetverhalten der Initiative - die damit hilft, die Privatisierung des offenen Internets zwecks Datenabzocke voranzutreiben)


Logo Wohnrauminitiative

An der Demonstration nahmen schätzungsweise 350 Personen teil. Angesichts der weitverbreiteten Betroffenheit durch fehlenden bezahlbaren Wohnraum äußerten sich einige Veranstalter und erfahrene Beobachter_innen enttäuscht; sie hatten eine höhere Zahl an Teilnehmer_innen erwartet.

Die Demo zog an Studentischen Wohnhäusern vorbei :

Rote Strasse

Bei den Studiwohnungen in den Häusern der Roten Strasse wird die Demo mit Pyrotechnik begrüßt.

 


Demo mit Tür

Humboldtallee 9

Im Streit wurde erreicht, dass die Bewohner_innen erweiterte Rechte bei der Zusammensetzung der Wohn- bzw. Hausgemeinschaft bekommen.

Ein Rolle spielte auch eine Tür, die fehlte , hierauf wurde mit einer skurillen Aktion hingewiesen: Dem Zersägen einer Tür mittels Kettensäge.

Demo-Schwerpunkt Studentische Wohnmöglichkeiten und Konflikt mit dem Studentenwerk.
Insgesamt lag der Schwerpunkt auf den Studihäusern und dem Konflikt mit dem Studentenwerk. Einige skandierten Magull (Studentenwerksleiter) muß weg. Dem Studentenwerk wurde im Demoaufruf vorgeworfen dass es, statt Wohnplätze zu schaffen, Verträge in den letzten Jahren gekündigt oder stillschweigend nicht verlängert habe, um seine Bilanz aufzupolieren. "So der Abriss des Emma Goldmann Hauses 2009, die Aussetzung des Mietvertrages mit der Stadt für die Bühlstraße 28 im Jahr 2012, der Abriss der Theodor-Heuss-Str. 13 und zuletzt der Verkauf der Lohmühle. Gleichzeitig werden günstige große Wohnhäuser und Wohngemeinschaften in ihrer Freizügigkeit, was interne Verteilung der Wohnheimplätze und Hauskultur angeht, massiv vom Studentenwerk eingeschränkt. Abmahnungen wegen Transparenten an der Hausfassade oder Drohungen beispielsweise wegen einer Katzenleiter oder Gartenhütte sind keine Seltenheit für die betroffenen Studierenden.
Auch nach einer vorläufigen Einigung besteht noch die Anzeige des Studentenwerks gegen zwei "Unterstützer_innen". Demonstrant_innen forderten die Rücknahme dieser Anzeigen, „Wir hatten angesichts der Kompromissbereitschaft des Studentenwerks auf eine Entspannung des Konflikts gehofft. Dass das Studentenwerk nun zwei Unterstützerinnen und Unterstützer mit Anzeigen überzieht, spricht eine andere Sprache. Wir fordern das Studentenwerk nachdrücklich auf, jetzt die Situation zu entspannen und die Anzeigen zurückzuziehen!“

Kontaktversuch zu anderen Betroffenengruppen
Es wurde aber auch versucht in einem Redebeitrag an der Stadthalle auch das Thema Kosten der Unterkunft für ALG II Empfänger_innen und die skandalösen Miettabellen der Sozialbehörde zu thematisieren. Eine Betroffene des Arbeitslosengeld II davon, wie Empfängerinnen und Empfänger von Sozialleistungen mit wenig Geld und staatlichen Einschränkungen Wohnraum finden müssen." Im Aufruf zur Demo fand sich auch der Hinweis, dass Geringverdiener_innen in weiter außerhalb liegende Wohnviertel verdrängt werden: "Die Preise für Wohnungen in Göttingen liegen seit Jahren deutlich oberhalb des Bundesdurchschnitts. 7,50 Euro pro Quadratmeter sind in Göttingen schon normal, in Hamburg liegen die Preise mit 7,52 Euro kaum höher und der Bundesdurchschnitt liegt demgegenüber bei 6,59 Euro pro Quadratmeter. Die städtischen Bauprojekte, als Jointventures mit privaten InvestorInnen hingegen bedienen immer häufiger ein "Premium"-Segment: Am sogenannten "Quartier am Leinebogen" werden Mieten von 10-11,00 Euro/qm verlangt, im Windausweg entstehen ca. 200 Wohneinheiten, 10 Euro/qm (Warmmiete) im "gehobenen Segment".

 

/ Humboldtallee 9 Tür symbolisch zersägt
am 25.10.14 im Rahmen der Demo "Wohnraum für alle"

Zitat (korrig.) aus einem Schreiben des Studentenwerks: "Bei der Überprüfung unseres Hausmeisters am Mittwoch, den 1.10.2014 musste festgestell werden, dass die Wohnungseingangstür fehlt bzw. dass sich Personen gewaltsam und damit widerrechtlich Zutritt zur Wohnung verschafft haben. (...)."

Hierauf bezog sich eine Aktion auf dem Balkon des Hauses bei der eine herbeigeschaffte Tür symbolisch mit einer Kettensäge zersägt wurde.

Konflikt zwischen Humboldtallee 9 und Studentenwerk

Brief des Studentenwerks am 2.10., der von der Wohnrauminitiative veröffentlicht wurde:
(Text unkorrigiert übernommen) "...ergänzend zu unseren Informationen aus Juli 2014 möchten ich Ihnen mitteilen, dass Ihre neuen internationalen Mitbewohner/innen die Dachgeschosswohnung ab Mitte Oktober beziehen werden. Die Zwischenzeit wird für Renovierungs- und Möbilierungsarbeiten genutzt.
Überraschenderweise erhielt ich am Dienstag, den 30.9.2014 erstmalig Kenntnis darüber, dass die Dachgeschosswohnung "bezogen" wurde, nachdem sich "passende iInteressenti/innen" bei der Hausgemeinschaft vorgestellt haben. Bei der Überprüfung unseres Hausmeisters am Mittwoch, den 1.10.2014 musste festgestell werden, dass die Wohnungseingangstür fehlt bzw. dass sich Persnen gewaltsam und damit widerrechtlich Zutritt zur Wohnung verschafft haben. Vorgefunden wuren Matratzen auf dem Fußboden und Gebrauchsspuren in der Küche. Die Wohnungseingangstür wurde am Montag den 29.9. mit einem neuen Schließzilinder ausgestattet, sodass sich ausschließen lässt, dass eine vom Studentenwerk legitimierte Wohnungsnutzung stattfindet. Das Studentenwerk Göttingen wird am Dienstag, den 7.10.2014 überprüfen, ob die Dachgeschosswohnung weiterhin widerrechtlich in Besitz genommen ist. Sollte eine derartige Störung weiter festgestellt werden, sieht sich das Studentenwerk Göttingen im Rahmen der ihm zustehenden Rechte zur Wiederherstellung der Verfügarkeit der Wohnung genötigt.

Text der Wohnrauminitiative:
6.10.14 / "Das Studentenwerk, das die Belegungspraxis des Hauses empfindlich umstrukturieren will, droht neuen Mieterinnen und Mietern der Dachgeschoss-WG mit dem unmittelbaren Rausschmiss und den Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses mit Kündigung und Exmatrikulationen. (...) "Wir beobachten seit Jahren, dass das Studentenwerk Wohnung für Wohnung in kleinen Wohnheimen WGs zu halbjährlich wechselnden Einzelzimmern umstrukturiert. Dies ist ein Weg, unbequeme Hausgemeinschaften aufzulösen und Luxussanierungen zu ermöglichen. Die Wohnrauminitiative begrüßt, dass die Hausgemeinschaft der Humboldtallee 9 sich in ihrem Haus dem entgegenstellt und eine Mitbestimmung bei der Belegungspolitik einfordert. Dass der Wohnraum im Dachgeschoss notgedrungen selbstorganisiert vergeben wurde, ist ein wichtiger Schritt. Wir erklären uns solidarisch mit der Humboldtallee 9 und fordern das Studentenwerk auf, die Drohungen zurückzuziehen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren!"
Haus Humboldtallee 9

Antifaschistische Linke International >A.L.I.< erklärt zu den Vorgängen:
6.10.14 Seit vergangener Woche ist die Dachgeschosswohnung des Hauses entgegen der Vorhaben des Studentenwerks wieder von neuen BewohnerInnen bezogen worden. Das Studentenwerk wollte die Wohnung nach dem Auszug der letzten Wohngemeinschaft ab sofort nur noch für kurzzeitige, jeweils ein Semester dauernde Vermietungen zur Verfügung stellen. Damit hatte es bereits die Kritik der Hausgemeinschaft sowie der Wohnrauminitiative Göttingen auf sich gezogen, weil damit die Selbstverwaltung durch die Hausgemeinschaft und die selbstbestimmte Gestaltung des Zusammenlebens im Haus durch die Politik des Studentenwerks ignoriert wurden. Kurzfristige Belegungen der Wohnheims-Wohnungen zeigten sich darüber hinaus seit längerer Zeit in der Studentenwerkspolitik als Mittel, um mittelfristig die Immobilien sanieren und hinterher den Mietpreis erhöhen zu können. Jetzt droht das Studentenwerk sogar der gesamten Hausgemeinschaft mit drakonischen Maßnahmen wie Kündigung und Exmatrikulation. (...)
Mit den unverhohlenen Drohungen sei jetzt deutlich eine Grenze zu einem offenen Konflikt überschritten worden. „Viele Häuser in der Stadt sind durch linke Bewegungen erkämpft worden. Wir sind als Teil der radikalen Linken nicht bereit, diese jetzt den Aufwertungsinteressen des Studentenwerks Preis zu geben.“ Vor diesem Hintergrund forderte die >A.L.I.< das Studentenwerk auf, die autonome Wohnungsübergabe in der Humboldtallee 9 zu akzeptieren und sich nicht weiter in die Selbstverwaltung der Hausgemeinschaft einzumischen.(...) Wer einen Konsens aufkündigt, muss mit dem Konflikt leben.“

"Hausgemeinschaft Rote Null" zum Vorgehen des Studentenwerks
6.10.14 / Auch die Hausgemeinschaft der selbtsverwalteten Häuser in der Roten Straße meldet sich zu Wort und schreibt von einem Angriff des Studentenwerks auf die Selbstverwaltung. Die Selbstverwaltung vieler Wohnheime "stelle eine grundlegende Bedingung demokratischer politischer Öffentlichkeit dar." Und: „Die Bereitstellung von Notunterkünften in der Humboldtallee 9 zeigt eindeutig, welche Kraft und welches Potenzial von selbstverwalteten Strukturen ausgeht. Wir stehen vollkommen hinter dem Konzept der Selbstverwaltung und werden uns energisch und solidarisch dafür einsetzen“. "Darüber hinaus fordern die BewohnerInnen der Roten Null die Stadt Göttingen und das Land Niedersachsen dazu auf, Konzepte zu entwickeln, die günstigen Wohnraum in Innenstadt und im Stadtgebiet ermöglichen. Dieser Wohnraum soll nicht nur für Studierende, sondern auch für Flüchtlinge, Arbeitslose und ArbeiterInnen ausreichen und bezahlbar sein."

17.10.14 Einigung zwischen Studentenwerk und Mieter_innen der Humboldtallee 9

In einer ausführlichen Pressemitteilung erklärte das Studentenwerk, dass es vor allem darum gegangen sei, ein gesetzlich vorgegebenes Mietrecht für Studi-Mietzimmer/wohnungen einzuhalten. Die Mieter_innen haben nun den Versuch aufgegeben, die Vermietung ihres Hauses über einen Selbstverwaltungsverein regeln zu können. Das Studentenwerk sah nämlich "langfristig das Recht derjenigen Studierenden gefährdet, die in Göttingen auf der Warteliste für die Studentenwerkswohnheime stehen." Es soll verhindert werden, dass sich Studierende nach ihrem Studium "als Dauermieter in die Wohnung einklagen können. Somit wird verhindert, dass ehemalige Studierende über Jahre Wohnheimplätze blockieren und die wartenden Studierenden leer ausgehen." Nun wurde im Rahmen eines Kompromisses eine Satzung verabschiedet, die die Selbstverwaltung stärkt: "Zukünftig können die einzelnen WGs mitentscheiden, wer als neue WG in eine freigewordene Wohnung einzieht. Bisher war es so, dass das Auswahlrecht einer neuen Mitbewohnerin/eines neuen Mitbewohners nur innerhalb einer einzelnen WG bestand. Nun wird ein Wohnheim-Belegungsausschuss die beim Studentenwerk eingegangen Bewerbungen für eine Neubelegung einer kompletten Gruppenwohnung sichten und eine Aufnahmeempfehlung geben, welcher das Studentenwerk grundsätzlich folgen soll."

Der Kontrahent des Studentenwerks auf studentischer Seite, die Wohnrauminitiative sieht durch den Kompromiß die "Forderung nach Mitbestimmung bei der Belegungsordnung berücksichtigt." Wie es die Forderung der Hausgemeinschaft war, können sie nun nicht nur mit entscheiden, wer im Dachgeschoss einzieht, sondern auch zukünftig durch einen internen Belegungsausschuss aus Wartelisten, die sich auf das Haus bewerben, auswählen. Dadurch wird eine funktionierende Hausgemeinschaft garantiert. (...) Seitens der Mieter_innen heisst es „Wir freuen uns, dass der öffentliche Druck letztlich ausgereicht hat um das Studentenwerk in den Verhandlungen in Bewegung zu setzen. Mit dem jetzt erreichten Ergebnis, das unsere Forderungen erfüllt, sind wir sehr zufrieden. Ohne die Wohnrauminitiative, die uns immer tatkräftig und intensiv unterstützt hat, wäre dieser Sieg nicht möglich gewesen."

 

Unzufriedenheit mit Umbau und Neubau von Studiheimen / 15.4.14

Steigende Mieten in Studierenden-Wohnheimen
Die "Wohnrauminitiative" hat dem Studentenwerk Göttingen vorgehalten, "Mietpreissteigerungen werden durch das Studentenwerk als gegeben hingenommen. Schuld sei mal der Landesrechnungshof und fragt man die Parteien im Landtag dann ist es die fehlende Förderung vom Bund."
Die Wohnrauminitiative verweist auf folgende Aufstellung der Mietpreissteigerung: "Statt 140 € bzw. 3,50 € Kaltmiete/m² (inklusive Bettwäsche, vollmöbliert) zahlt man nun je nach Wohnung/Zimmer 279 € = 10,65 €/m², 322 € = 8,40 €/m² oder 341 € = 11,05 €/m²."
Das Studentenwerk erklärt dazu, dass die erheblich kostengünstigeren Mieten für die alten Wohnheime nur mit den damals gewährten staatlichen Zuschüssen möglich waren. Diese Zuschüsse gäbe es aber leider nicht mehr. Sanierungen und Neubauten müssen mit Eigenmitteln und Krediten finanziert werden. "Dies führt zu höheren Mieten, obwohl nur nötige Maßnahmen umgesetzt werden."

Am 22.4.14 wurden in der Studisiedlung Theodor-Heuss Str. 13, Transparente aufgehängt

Umgestaltungen - Abbau von Gemeinschafträumen
Im Zuge der Sanierungen, Umbauten und Neubauten fließen auch die besonderen Vorstellungen des Studentenwerks von der Form des Wohnens ein. Seitens der BewohnerInnen gibt es eine Reihe von "negativen Veränderungen: Die Gemeinschaftsräume, in denen bisher die Bewohner sämtlicher Nationen beim Abendessen zusammensaßen, Tischtennis, Kicker oder anderes zusammen spielten und sich austauschen konnten, wurden in weitere Einzelappartments umgewandelt. Auch das Dach des Hauses ist nicht mehr, für die Bewohner zugänglich. Des Weiteren wurden die treppenartigen Balkone an den Gemeinschaftsküchen entfernt."..."Im Frühling 2014 soll auch das Haus 2/4 genauso umgebaut werden wie 2011 das Haus 10/12, das heißt: Auch dort keine Gemeinschaftsräume mehr und vor allem: kein Fetenraum mehr! Zur Zeit wird noch auf die Gemeinschaftsräume der Häuser 2/4 sowie 6/8 verwiesen, doch wenn sowohl Haus 2/4 als auch 6/8 genauso renoviert werden, wie Haus 10/12, dann wird den Bewohnern auch diese letzte Option genommen. Es würde dann keinen Musikraum mehr geben, keinen Fitnessraum, keinen Club- oder Billardraum mehr. Es gäbe auch keine Fahrradwerkstatt, keinen Fahrradkeller, keinen Fernsehraum und keine gemütlichen Sommerabende mehr auf dem Dach des Wohnheims.
(Ansonsten laut Magull: Das Gebäude "Theodor-Heuss-Straße 13" wird in Kooperation mit der Städtischen Wohnungsbau GmbH abgerissen und ein Neubau errichtet. Aus bislang 60 Wohnplätzen (überwiegend Einzelzimmer) werden über 90 Wohnplätze in 2er- und 3er-Gruppenwohnungen mit Küche und Nasszelle. der Wiederbezug ist für Oktober 2015 geplant.)

Gestörte Kommunikation
Laut Magull sei die Selbstverwaltung des "Rosenbachwegs" "stets in die Planungen einbezogen" worden und aufgrund der o.g. Kritik habe das Studentenwerk auch wieder mehrere Gemeinschaftsflächen eingeplant. Und, so Magull, "die Beschlussfassungen zu den Vorhaben "Theodor-Heuss-Str. 13" und "Rosenbachweg 2/4" wurden in den Gremien des Studentenwerks Göttingen - welche mit studentischen Vertreter/innen besetzt sind - einstimmig gefasst." Die Wohnrauminitiative hält die Abstimmung in den Gremien nicht für repräsentativ, die Wohnheimsprecherversammlungen sei die Bühne des Studentenwerks, die Wohnrauminitiative hingegen führe aber auch Gespräche außerhalb der Gremien wo "sich Bewohnerinnen und Bewohner trauen auch mal Kritik zu üben und dabei nicht "unter Beobachtung" stehen."
Der Leiter des Studentenwerks Magull verweist zwar immer wieder auf die Möglichkeit von Gesprächen, aber das Kommunikationsklima zwischen den Konfliktparteien ist offensichtlich so gestört dass nurmehr mit öffentlichen Erklärungen kommuniziert wird. Die Wohnrauminitiative weist darauf hin, dass "mehr als einmal" mietrechtliche Schritte angedroht wurden, z.B. "weil mal ein Transparent für den Erhalt aller Wohnheime am Balkon hing." Um sich vor gezielten Maßnahmen gegen ihre Person zu schützen argumentieren VertreterInnen der Wohnrauminitiative vorsichtshalber aus der Anonymität heraus.

Artikelgrundlagen: Text der Wohnrauminitiative Göttingen 13.4.14 / Antwort Magull 14.4.14 und "Petitions"text von 2013

Siehe auch Artikel >Initiative für den Erhalt "kleiner Wohnheime"

 

Veranstaltung Wohnungsnot in Göttingen!?
Ursachen und aktuelle Entwicklungen
, 19 Uhr, Autonomicum (im Blauen Turm, Parterre hinter der Pförtnerloge links)
Es wird immer enger auf dem Göttinger Wohnungsmarkt. Ein Blick auf andere deutsche (Groß-)Städte zeigt jedoch, dass dieses Problem nicht nur Göttingen betrifft. Egal ob in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, München, Tübingen oder einer der vielen anderen Städte: Mietpreisexplosionen, vorübergehende Notunterkünfte und politische Auseinandersetzungen um bezahlbaren Wohnraum sind auf der Tagesordnung. >>(Politkollektiv)
Referent Michael Mießner (Uni Göttingen) hat die Arbeitsschwerpunkte "Theorie der Regionalentwicklung und –politik Raumordnungspolitik (insbesondere der Bundesrepublik Deutschland)"

Veranstaltung "Häuserkampf"
Veranstaltung der Wohnrauminitiative und des Roten Buchladens, am 15.4.13, 19 Uhr im Buchladen "Rote Strasse" am Nikolaikirchhof 7. Autorenlesung "Häuserkampf I" Zur Geschichte und Gegenwart von Häuserkämpfen" von Wolf Wetzel

In den 1960ern, 70ern, 80ern formierte sich in vielen Städten Widerstand und die Menschen nahmen sich den Lebensraum den sie brauchten, so dass in Berlin zwischenzeitlich über 160 Häuser besetzt waren. Initiativen aus Studierenden und Bürger_innen wehrten sich gegen Investor_innenpläne im Frankfurter Westend und besetzten Häuser oder dergleichen mehr.
Wolf Wetzel hat jahrelang als Aktivist und Autor zur Thematik Häuserkämpfe, Stadtpolitik und Stadtteilinitiativen gearbeitet, er schreibt mit an der Buchreihe zu Häuserkämpfen in der Bibliothek des Widerstandes die im >>Laika Verlag erscheint. Die Wohnrauminitiative Göttingen wird einen kleinen Überblick über die aktuelle Lage der bedrohten Wohnheime in Göttingen geben.

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Leerstehendes Wohnheim Geiststrasse 10

17.6.14 Symbolische Besetzung Nr. 3 (Erinnerungsbesetzung)

Bezahlbarer Wohnraum für alle! Am Abend des 17. Juni wurde das ehemalige Studierendenwohnheim in der Geiststraße symbolisch besetzt . Die Antifaschistische Linke International solidarisiert sich mit der Aktion.
Text aus Kreisen der Aktivist_innen vom 18.6.14:

Nach dem AktivistInnen das Gebäude geöffnet hatten, nutzten ab 21.00 Uhr etwa 50 Menschen die Gelegenheit, das Gebäude in Augenschein zu nehmen. Innen bot sich ein Bild der Verwüstung: wo vor einem Jahr noch ohne Weiteres erneut Studierende hätten einziehen können, wurde anscheinend gezielt darauf hingearbeitet, das Haus bis auf Weiteres unbewohnbar zu machen. (...). Bereits im Januar 2013 machten etwa hundert junge Menschen durch eine Besetzung des Hauses auf die Absurdität aufmerksam, dass ein Wohnheim mit 65 Plätzen seit vier Jahren ungenutzt leer steht, während zu Semesteranfang Notunterkünfte im AStA-Gebäude eingerichtet werden müssen.
Obwohl die Universitätsleitung als Eigentümerin des Hauses sich nach der Räumung zu Gesprächen mit den BesetzerInnen bereit erklärte, hat sich am Status des Hauses nach wie vor nichts verändert. Auch eine Erinnerungsbesetzung, ungefähr ein Jahr später konnte daran nichts ändern.

Insgesamt verschlechtert sich die Wohnsituation durch hohe Neuvermietungspreise in Göttingen gerade massiv. Die Stadtverwaltung beschleunigt diesen Trend dadurch, dass sie die Innenstadt einer wohnraumvernichtenden Umstrukturierung unterzieht.

Dies betrifft bei weitem nicht nur StudentInnen, sondern alle Menschen mit geringen Einkommen. Das Studentenwerk, das eigentlich soziale Härten für Studierende abfedern soll, wandelt stattdessen gemeinschaftliche Wohnformen in uniforme Einzelappartments um. Dadurch werden die ohnehin knappen Plätze noch knapper und die Mieten steigen um teils über 100%. Die BewohnerInnen, die sich gegen diese Umstrukturierung zur Wehr setzen, werden mit Abmahnungen gegängelt. Aktuell soll ihnen sogar das Recht auf freie Meinungsäußerung verwehrt werden, indem Abmahnungen für das Heraushängen von missliebigen Transparenten verschickt werden. Eine Sprecherin der Antifaschistischen Linken kommentiert dazu: "Ziel einer solchen Politik ist anscheinend die Formung eines stromlinienförmigen Einheits-Studierenden und die Zerstörung von alternativen Wohn- und Lebensformen. Gegen diese Zwangsentpolitisierung werden wir entschieden Widerstand leisten.? "

Pressemitteilung der Wohnrauminitiative 18.6.14
"Geiststraße nach 3,5 Jahren Leerstand endlich wieder geöffnet. Am 17.6.14 wurde die Geisstrasse 10 wieder von Aktivistinnen und Aktivisten begangen. Das Gebäude steht seit 2010 leer und wurde damals vom Studentenwerk Göttingen entmietet und der Universität zurückgegeben. Abends gingen Leute in das leerstehende Haus, in dem die Wasser- und Stromversorgung sowie die Böden feinsäuberlich entfernt wurden. Trotzdem wurde eine Musikanlage in Betrieb genommen und eine Party organisiert. Ein Konzept für die Nutzung der Geiststraße 10 fehlt bis heute und 65 Wohnheimplätze bleiben verloren. In einer Zeit, in der Wohnungsnot in Göttingen Alltag ist, bleibt das ein handfester Skandal! Dass heute Abend bei der Veranstaltung zu "Recht auf Göttingen", die mit von der Wohnrauminitiative organisiert wurde, 60 Leute anwesend waren, zeigt, dass dieses Thema in Göttingen relevant ist. In Göttingen gibt es darüber hinaus eine Geschichte des Mangels an bezahlbaren Wohnraum, den Kämpfen dafür - und Hausbesetzungen. Skurrilerweise versuchte Jörg Magull, der Geschäftsführer der Studentenwerks, zu der Veranstaltung zu gelangen um auf dieser zu diskutieren. Erstaunlich ist dies daher, dass das Studentenwerk bisher mit Abmahnungen, Drohungen und Besuchen im Hausflur der Wohnheime den "Dialog" suchte. Herrn Magull wurde daher der Zutritt zur Veranstaltung verwehrt.(...)
"Es bleibt ein Skandal, dass hier Wohnraum leersteht! Die Aktivistinnen und Aktivisten haben heute gezeigt, dass Freiräume geöffnet werden können. Wir werden uns weiter für den bedingungslosen Erhalt aller kleinen und großen Wohnheime und deren unabhängige Selbstverwaltung einsetzen!" Die Party im Haus verlief freudig und da das Göttinger BFE nicht anrückte, gab es diesmal keine Verletzten oder sonstige unangenehme Vorkommnisse. (...) "Dass nicht das Göttinger BFE sofort anrückt ist durch die erhobene Kritk bewirkt worden". Klar bleibt zudem: Wer sich rausnimmt, Bewohnerinnen und Bewohnern in ihren Mietrechte einzuschränken, sie zu schikanieren und die Selbstbestimmung der Wohnheime zu torpedieren, wird auch weiterhin mit vielfältigem Widerstand rechnen müssen."

 

29.10.13 Symbolische Besetzung Nr. 2 (Erinnerungsbesetzung)

Die symbolische Besetzung, bzw. Begehung dauerte lediglich von 2 Uhr nachts bis in die Morgenstunden. Heute 30.10.13 erreicht uns folgende Erklärung:
"Die heutige nächtliche Besetzung der Geiststraße 10 in Göttingen ist beendet. Rechtzeitig bevor die Polizei in Begleitung von Mitarbeiter_innen der Uni gegen 9 Uhr das Gebäude betraten hatten wir die Geiststraße wieder verlassen. Das Vorgehen der Uni-Leitung in dieser Sache kritisieren wir scharf! Wer ein genutztes Wohngebäude zunächst räumt um es dann jahrelang leerstehen zu lassen und dann auf Protest dagegen unvermittelt mit der Polizei antwortet eskaliert den Göttinger Konflikt in der Wohnungsfrage und wird mit adäquaten Antworten rechnen müssen! Die Uni muss ihr skandalöses Vorgehen bezüglich der Geiststraße 10 endlich eingestehen und in ihrem Kurs kehrt machen! Unsere Forderungen an die Uni, jetzt Notunterkünfte in der Geiststraße 10 einzurichten, die zerschlagenen sanitären Anlagen wiederherzustellen und das Haus erneut als Wohnheim zu eröffnen bleiben bestehen! "

Seitens der Uni heißt es dazu 30.10.13:
"Die abschließende Bewertung des MWK zur Finanzierung der Anmietung der Räume Geiststraße 10 durch die Akademie der Wissenschaften in Göttingen ist für Ende November angekündigt. Das Gebäudemanagement der Universität Göttingen hat in den vergangenen Monaten den Umbau so weit wie möglich vorbereitet und die alte Technik des Gebäudes (Elektrik, sanitäre Anlagen) entfernt. Weitere Arbeiten zur Büroherrichtung sind in Vorbereitung."

Das Studentenwohnheim Geiststr. 10 war früher die Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Universität und ist ein mächtiger Gebäudekomplex in der Geiststraße, mitten in der Innenstadt.

Für das Haus ist inzwischen die Universität, nicht das Studentenwerk verantwortlich. Die Uni hatte die Nutzungsverträge nicht verlängert und das Haus zurückverlangt.

Mit einer E-Mail haben sich die BesetzerInnen am 29.10.13 an die Öffentlichkeit gewandt. Darin heisst es:

Erklärung der BesetzerInnen: "Wir haben heute gegen 02.00 Uhr die sich im Besitz der Uni Göttingen befindliche Geiststraße 10 in Göttingen erneut besetzt. Es ist ein Skandal, dass noch immer mitten in der Innenstadt 65 Wohnplätze leerstehen, während die Wohnungsnot in Göttingen sich auf ihrem höchsten Punkt seit Jahrzehnten bewegt! Eine Wohnungsnot, die die Universität angesichts der Einrichtung weniger Notunterkünfte im AStA sich endlich eingestanden hat, aber noch immer versäumt, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Wo Menschen zu immer teureren Mieten in immer kleineren Wohnungen leben, wo Menschen monatelang in die Stadt pendeln oder sich mangels Wohnung letztlich von der Universität exmatrikulieren müssen, da ist jedes Haus, das leersteht, ein indirekter Angriff auf alle prekär Wohnenden! An diesem Ort existierten bis vor über 3 Jahren etwa 65 Wohnplätze des Studentenwerks. 2010 wurde das Wohnheim geschlossen und steht seitdem leer. Bereits im Januar 2013 besetzten etwa 100 AktivistInnen das Gebäude, das am darauffolgenden Morgen auf Anzeige des Uni-Präsidiums von der Polizei geräumt wurde. Dabei wurde ein Besetzer verletzt. Die Uni-Präsidentin Frau Beisiegel argumentierte, dass dort in naher Zukunft mit Umbau-Maßnahmen begonnen werden solle um das Gebäude der Akademie der Wissenschaften zur Verfügung zu stellen. Doch bis heute, über 9 Monate später, ist noch immer nichts passiert. Einzig fast alle sanitären Einrichtungen im Gebäude hat die Universität zerschlagen lassen, wohl um weitere Besetzungsambitionen zu verhindern. Abgesehen davon ist die Geiststraße 10 seit der Schließung 2010 noch immer im gleichen Zustand – noch immer ist es unter geringem Aufwand möglich, dass 65 Menschen dort wohnen können. Wir fordern Universität und Studentenwerk auf, ihre Fehler einzugestehen, die sanitären Anlagen wiederherzustellen und das Wohnheim wieder zu eröffnen! Bis dahin fordern wir dazu auf, in der Geiststraße 10 von Ende der Woche an Notquartiere für Erstsemester_innen und andere Wohnungslose einzurichten um schnell und unbürokratisch jetzt zu helfen! Leerstand zu Wohnraum! Für ein selbstbestimmtes Leben und Wohnen! Wohnraum erkämpfen und verteidigen! - Mit mehr Mitteln, auf mehr Ebenen! "

Erklärung des AStA zur neuerlichen Besetzung
in einer Pressemitteilung vom 29.10.13 heißt es: "Zwar hat die Universität erkannt, dass es ein Wohnraumproblem gibt, dennoch handelt das Präsidium kaum. (...) ein Umbau der Geiststraße zu Notquartieren wäre eine deutliche Verbesserung der Situation für alle: Mehr Privatsphäre durch Einzelzimmer, Heizung, Anschlüsse für Küchen und mehr Platz wäre gesichert. So hätten die Wohnungssuchenden mehr Zeit, sich auf Studium und Wohnungssuche zu konzentrieren und sind unabhängig von Gebäudeöffnungszeiten." (...) "In dem ehemaligen Wohnheim wäre Platz für 65 Studierende. Angesichts der seit Jahrzehnten größten Wohnungsnot ist es unverständlich, wieso dieses Gebäude immer noch leer steht und es nicht für Studierende zu Verfügung gestellt wird. Seltsam ist es außerdem, dass nichts in dem Gebäude umgebaut wurde, bis auf die Zerstörung der Sanitäranlagen, was eine Nutzung als Wohnheim deutlich erschwert." Der AStA der Uni Göttingen solidarisiert sich mit allen Besetzer*innen und ihren Forderungen nach mehr zentralem und bezahlbaren Wohnraum. Außerdem fordert der AStA das Präsidium auf, Stellung zu beziehen, warum die Geiststraße 10 und anderer Leerstand derzeit nicht genutzt werden."

 

17.1.13 Besetzung Nr. 1

19.1.13 // Zunächst war eine Demonstration gegen die Studienbedingungen und für bezahlbaren Wohnraum angekündigt. Mit einer Rave-Demo unter dem Titel "Die Verhältnisse ins Wanken bringen!" ging es am 16.1. um 18 Uhr tanzend durch die Straßen bis zum Wilhelmsplatz . Verschiedene Demoaufrufe sind weiter unten dokumentiert.Im Anschluß an die Rave-Demo für Bildung und Wohnraum besuchten DemoteilnehmerInnen das seit 3 Jahren leerstehende Wohnheim in der Geisstr. 10 . Am Abend des 17.1.13 fand dann eine symbolische Hausbesetzung statt.Danach hatte offensichtlich hat das Gebäudemanagement (Leitung Bolli) mit der Polizei zusammen darauf gedrängt, dass das Haus von geräumt wird und Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch gestellt werden.

22.1.13 / Am 22.1.13 fand ein Gespräch zwischen Studierenden und Uni-Präsidentin Beisiegel statt und Frau Beisiegel sorgte dafür, dass die Anzeigen zurückgenommen wurden. Vereinbart wurde, dass Anfang Februar eine Podiumsdiskussion zum Thema studentische Wohnraumproblematik stattfinden soll. Danach sollen "weiterführende Gespräche zwischen Unipräsidium, Studierenden, Studentenwerk und Vertreter_innen der Stadt folgen, um zeitnahe und zumindest kurzfristige Lösungen für die Wohnraumprobleme von Studierenden zu finden. Des Weiteren soll in Kooperation mit verschiedenen Beteiligten eine Evaluierung der studentischen Wohnraumnot erfolgen. (...) "

zur Demonstration für studentischen Wohnraum war folgender Aufruf verbreitet worden:

"Den Tag in überfüllten Hörsälen verbringen, vorgekauten Stoff auswendig lernen, hoffen dass das Geld für die Studiengebühren irgendwie noch zusammenkommt. Jeden Monat eine viel zu hohe Miete für ein viel zu hässliches Zimmer – sofern überhaupt schon eines gefunden wurde. Die Nächte sich mit Uni um die Ohren schlagen. Sich täglich in zu vollen Klassen den gestauchten Stoff aus ehemals 13 Jahren ins Hirn prügeln um ihn später auf der Klausur wieder zu entleeren und zu vergessen. Jeden Nachmittag und Abend mit Hausaufgaben verbringen und in der Nacht für Fächer lernen, die nicht interessieren aber nunmal „Pflicht“ sind. Haben wir uns das so vorgestellt? Ist das das Leben, das wir wollen? Gute Bildung mit Freiräumen für kreatives und kritisches Denken ist kein Luxus, sondern der Grund, weshalb wir ein Studium angefangen haben. Ein Seminar mit weniger als 30 TeilnehmerInnen ist kein Luxus, sondern das Umfeld, in dem kritisches Denken erlernt und geübt werden kann. Eine gute Wohnung zum akzeptablen Preis ist ebenfalls kein Luxus, sondern Grundlage eines sozialen Miteinanders, das elementarer Bestandteil des Lebens junger Menschen sein sollte. Es darf nicht sein, dass SchülerInnen einen 10-Stunden-Tag haben. Es darf nicht sein, dass der Grad der Bildung maßgeblich vom Einkommen der Eltern abhängt. Genauso darf es auch nicht sein, dass SchülerInnen der Weg zu einem für sie interessanten Studiengang verschlossen bleibt, bloß weil sie kein Abitur absolviert haben oder der NC zu hoch ist. Wir fordern ein, was uns sowieso zusteht: Ein gutes Leben und gute Bildung für Alle! Wir verlangen: - Freiräume für kritisches Denken in der Lehre! - Schluss mit Leistungsdruck und Prüfungswahn! - Öffentliche Bildung ausfinanzieren – Schluss mit überfüllten Hörsälen, Klassen und Seminaren! - Leerstand zu Wohnraum! - Studentenwerke und sozialen Wohnungsbau stärker fördern - Gute Bildung und Wohnraum für Alle!"

Wohnrauminitiative Göttingen zur Demo und zum Haus Geiststraße 10 / 16.1.13 (Auszüge)

"Einen besonderen Schandfleck in der Politik von Universität und Studentenwerk stellt das ehemalige Wohnheim Geistraße 10 dar. Vor mehreren Jahren vom Studentenwerk geschlossen steht das Haus mit ehemals über 60 Wohnplätzen nun ungenutzt leer. Aus diesem Anlass haben Studierende im Anschluss an die Demonstration eine spontane Besichtigung und Aftershow-Party in der Wohnruine durchgeführt. Der Zustand wurde hinreichend dokumentiert. Eine Sprecherin der Wohnrauminitiative zeigte sich schockiert: "Teilweise finden sich noch die Plakate, Einbauschränke und Utensilien der ehemaligen BewohnerInnen im Gebäude. Für eine Nachnutzung renoviert wurde in den letzten drei Jahren offensichtlich nicht. Wie kann man nur so mit Wohnraum umgehen?" Hier wird überdeutlich, dass nicht Sachzwänge sondern politischer Wille dazu führen, dass Gebäude lieber leer stehen, als den Wohnraum zu verwalten. (...) Die Begehung des ehemaligen Wohnheims in der Geiststraße sieht die Wohnrauminitiative Göttingen als Bestätigung ihrer bisherigen Forderungen und ihrer Kritik am Vorgehen des Studentenwerks Göttingen. (...) Leerstand bei Wohnungsnot ist nicht mehr vermittelbar!" Neben dem Abbau von mehreren hundert Wohnheimplätzen stehen aktuell vor allem weitere Umstrukturierungsmaßnahmen für so genannte "kleine Wohnheime" mit unter 200 Plätzen in der Kritik. Auch die Drohung des Studentenwerks, MieterInnen abzumahnen, wenn sie mit Transparenten auf ihre Situation aufmerksam machen, wird sicherlich zur Verschärfung des Konfliktes beigetragen haben."

Antifaschistische Linke International ALI zur Geiststraße 10 / 17.1.13

"(...) Das Gebäude Geiststraße 10, Teil der alten HNO-Klinik, war ehemals ein Wohnheim des Studentenwerks mit über 60 Wohnplätzen. Es steht seit drei Jahren leer, eine Nutzung nach Rauswurf der Studierenden findet offensichtlich nicht statt. Teilweise finden sich noch Plakate und Einrichtungsgegenstände der ehemaligen BewohnerInnen. "Eigentlich sollte lange bekannt sein, wie MieterInnen reagieren, wenn Mieten steigen, Wohnraum abgebaut wird und die Häuser dann auch noch als leerstehende Spekulationsobjekte verkommen." (...) "Das Studentenwerk repräsentiert mit seinen Plänen nur die Spitze des Eisbergs. Angesichts steigender Mieten im gesamten Wohnungsmarkt muss sich auch in Göttingen des Themas Gentrification angenommen werden.. Auf der Demonstration hatten zuvor etwa 250 TeilnehmerInnen begleitet von Rave-Musik Schnee und Kälte weggetanzt. Nach Abschluss der Endkundgebung erreichte die Nachricht der bereits laufenden Besichtigung die Demonstrierenden, von denen sich ein guter Teil direkt auf den Weg zur Geiststraße 10 machte. "

AStA Uni Göttingen, / 17.1.13 (PM Auszüge)

„Sowohl Universität als auch Studentenwerk müssen die Dringlichkeit der Situation verstehen und endlich beginnen, nach außen wahrnehmbar die Bereitstellung günstiger Wohnangebote voranzutreiben bzw. bestehende zu sichern“,(...) „Bezahlbarer Wohnraum in Innenstadtnähe ist nicht zuletzt wichtig, weil die Zahl der Studierenden in den letzten Semestern deutlich zugenommen hat und vermutlich noch weiter steigen wird.“ (...) Nachdem gestern Abend scheinbar erfolglos versucht worden war, das Unipräsidium zu erreichen und Gespräche über den weiteren Umgang mit dem Gebäude und den darin befindlichen Studierenden zu beginnen, forderte das Gebäudemanagement in Stellvertretung des Unipräsidiums heute Morgen die im Haus befindlichen Personen auf, das Gebäude zu verlassen. Nach mehreren Gesprächen zwischen dem Gebäudemanagement und den Studierenden im Haus sowie einem Besuch der Unipräsidentin, der mit einem Gesprächsangebot für kommenden Dienstag und der Zusicherung der Unversehrtheit bei freiwilligem Verlassen des Gebäudes endete, wurde das Gebäude letztlich gegen Mittag durch Polizeikräfte geräumt; gegen die geräumten Personen soll Anklage wegen Hausfriedensbruch erhoben werden. (...) Weiter fordert der AStA das Unipräsidium auf, die Anklagen fallen zu lassen.

Spontandemo nach Räumung

Kurzbericht Augenzeuge
17.1.13: abends gegen 18:30 gab es eine Spontandemo durch die Fußgängerzone (von so ca. 100 Leuten, schätze ich mal), die erst mal auch von der BFE gekesselt wurde und dann unter starker Begleitung laufen konnte.

Pressemitteilung Redical M / 18.1.13 / Auszüge
"Um 18 Uhr versammelten sich etwa 70 Menschen auf dem Universitätscampus, die sich zu einer Demonstration formierten und schließlich auf die Weender Landstraße in Höhe des Denkmales für die 1989 durch die Polizei in den Tod gejagte Conny Wessmann gingen. Daraufhin wurden die TeilnehmerInnen von der Polizei zurückgedrängt. (...) Im weiteren Verlauf wurden die TeilnehmerInnen - teils mit rabiaten Fusstritten - von der Straße auf den Gehweg gedrängt. Dies mit der Begründung seitens der Polizei, den Verkehr wieder fließen zu lassen. Das geschah jedoch nicht. Die Polizei selber blockierte mit ihren Fahrzeugen weiterhin die Straße. Die Menge an Menschen, die sich von außen mit den TeilnehmerInnen der Demonstration solidarisierten, wuchs dabei im Verlauf stetig an. Nach etwa 20 Minuten konnte ein herbeigerufener Anwalt die Situation entschärfen und mit der Einsatzleitung eine spontane Demostration ohne Anmeldung in die Innenstadt aushandeln. (...) "Endlich hat sich auch mal die Göttinger Polizei in Sachen Versammlungsgesetz informiert und hat die DemonstrantInnen laufen lassen, wie es sich für eine spontane Demonstration in Reaktion auf ein Ereignis gehört. (...) Es ging dann, nun mit geschätzen 100 TeilnehmerInnen über die Weender Straße zum Gänseliesel und schließlich zum Wilhelmsplatz, dem Präsidiumssitz der Göttinger Universität, der das ehemalige Studentenwohnheim in der Geiststraße gehört."

Kündigungen der Studi-Wohnungen 2010

3.11.09 / Nach der Information von BewohnerInnen des Studierendenheims in der Geiststr. 10 wurden den BewohnerInnen mitten im Semester die Mietverträge gekündigt. Vermieter ist das Studentenwerk, dessen Vertrag mit der Besitzerin, der Universität Göttingen aber auslaufen und dadurch zu dieser Maßnahme gezwungen scheint.

Offensichtlich versucht die Uni das Gebäude anderweitig zu nutzen oder zu verkaufen und geht dabei wenig rücksichtsvoll mit ihren Studierenden um, die dort zur Zeit wohnen.

Foto: Eingang des Studentenwohnheims Geiststr. 10

Das Studentenwerk erklärte zur Schließung der Geiststr. 10
PM vom 4.11.09
"Studentenwerk Göttingen gibt Wohnheim an Universität zurück Zum 31. März 2010 endet die zwischen dem Studentenwerk und der Georg August Universität geschlossene Nutzungsvereinbarung für das Gebäude Geiststraße 10. 65 Studierende fanden in der Vergangenheit hier günstige Wohnheimplätze, auf die sie nun verzichten müssen, da die Universität ihr Gebäude selber nutzen möchte. Für die Bewohner kommt dieser Termin nicht überraschend, denn das Studentenwerk hatte mit ihnen bereits Mietverträge abgeschlossen, deren Laufzeit am 31.3.2010 endet. Darüber hinaus hat das Studentenwerk den Mietern zahlreiche Zusagen gemacht, damit sie auch nach dem Stichtag weiterhin in einem anderen Wohnheim einen günstigen Platz zu bekommen. Aus Sicht des Studentenwerks ist diese Entwicklung zwar bedauerlich, sie zeigt jedoch andererseits, dass die Forderung, mit einer weiterhin wachsenden Universität auch künftig ausreichend günstigen Wohnraum für Studierende zur Verfügung zu stellen, nach wie vor große Bedeutung hat. Da das Studentenwerk nicht in der Lage ist, aus eigenen Mitteln neue, moderne Wohnheime zu bauen, bleiben Land und Bund aufgefordert, hier für eine angemessene Finanzierung zu sorgen, wie sie in der Vergangenheit praktiziert wurde."

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Studiheim-Diskussion 2012:
Studentisches Wohnen nicht in Randgebiete verlagern

Die Wohnrauminitiative - ein Zusammenschluß von BewohnerInnen aus den Häusern Am Weendespring, Bühlstraße, Bürgerstraße, Geiststraße, Goßlerstraße, Humboldtallee, Kreuzbergring, Kurze Straße, Rote Straße, Stumpfebiel macht In einer Erklärung vom 27.11.12 noch einmal ihre Positionen deutlich und schreibt u.a.:
(...) Trotz anderslautender Beiträge in der Presse wurde bisher weder ber Gremienbeschlüsse noch durch verlängerte Nutzungsverträge eine Sicherheit geschaffen. Wir erwarten, dass den Worten auch Taten folgen. Auch über das Auslaufen bzw. Befristungen bestehender Nutzungsverträge mit der Universität Göttingen besteht weiterhin Unklarheit.
(...) Bedroht sind nach unserer Sicht auch alternative Wohnformen und die Möglichkeit in der Innenstadt zu wohnen, was Göttingen für junge Menschen immer attraktiv gemacht hat. Statt gemeinsamen Wohnens in Wohngemeinschaften geht der Trend laut Jörg Magull zu Einzelzimmern. Gleichzeitig gibt es bisher aber nach eigener Aussage des Studentenwerks keinerlei Leerstand in WGs. Wir sehen neben unseren Wohnhäusern vor allem eine Kultur des Miteinanders in den Heimen in Göttingen bedroht. Statt gemeinsames Lernen und Leben zu unterstützen, werden seit Jahren Einzelwohnzellen in Mietbunkern außerhalb des Stadtkerns ausgebaut. (...)

In einer Pressemitteilung vom 29.11.2012 assistiert die Ratsfraktion der Grünen, fordert "Vielfältiges Wohnraumangebot für Studierende" und wendet sich gegen eine Entflechtung von Uni und Stadt durch Auslagerung von Wohnheimen (...) Angesichts unzumutbar langer Wartezeiten bei der Beantragung von Wohnheimplätzen regt Ratsherr Holefleisch an,"auch in Erwägung zu ziehen, für Studierende in ausgewählten alten Immobilien neuen Wohnraum zu schaffen. "Ich denke unter anderem an die Wiederbelebung des Studentenwohnheims in der Geiststraße und an das Gebäude der alten JVA am Waageplatz, das ursprünglich für ein neues Haus der Wissenschaften im Gespräch war, wäre aber auch für andere sinnvolle Vorschläge der Verwaltung und des Studentenwerks dankbar."

Der AStA verteidigt in einer Erklärung vom 28.11.12 den geplanten Bau des Studentenwohnheims Nord. Finanziell schlechter gestellte und internationale Studierende, die ansonsten auf dem Wohnungsmarkt kaum Chancen auf bezahlbaren Wohnraum hätten wären auf das Angebot des Studentenwerks angewiesen. "Grundsätzlich begrüßt der AStA die Initiative des Studentenwerks, ein neues Wohnheim am Nordcampus zu bauen. "Unverständlich bleibt aber, warum sich die niedersächsische Landesregierung nicht an den Kosten beteiligt" (...)
Darüber hinaus hält der AStA die studentischen Vertreter_innen im Studentenwerk weiter dazu an, sich für die Vielfalt der Wohnformen für Studierende in Göttingen einzusetzen. Dazu gehören neben kleinen Wohnheimen und größeren Gruppenwohnungen ebenso Wohnplätze für Familien, Studierende mit Behinderung und/oder chronischer Erkrankung. "Die vom Studentenwerk angestrebte Einrichtung von Einzelappartements kann nicht im Sinne der Studierenden sein." vilemehr setze sich der AStA "für eine bunte Wohnlandschaft in Göttingen ein."

Neues Studierendenwohnheim an der Nord-Uni

Prof. Magull erläutert in einer Pressemitteilung vom 29.11.12 u.a. die Planungen zum "Neubauprojekt Lutterterrasse" :
"Die Planungen für das Neubauprojekt befinden sich in einem sehr frühen Stadium und beruhen naturgemäß auf groben Schätzungen." Folgende Überlegungen sind in die vorliegende Kostenschätzung mit eingeflossen:
-- 18 m² große Zimmer mit eigener Nasszelle (gemäß der Empfehlungen für die qualitativen Mindestanforderungen bei der Errichtung und Umgestaltung von Studentenwohngebäuden des Deutschen Studentenwerks)
-- Gemeinschaftsräume wie Küchen und Aufenthaltsflächen
-- Tiefgarage für 60 - 70 Plätze zur Einhaltung der Vorgaben der Stadt Göttingen, dass für 1/3 der Bewohner/innen Stellplätze zur Verfügung gestellt werden müssen.

Prof. Magull erläutert: "Zahlenvergleiche mit anderen Bauvorhaben sind immer nur schwer möglich. Es gibt Beispiele für Bauvorhaben von Studentenwerken, deren Kosten sich zwischen 38.000 € und 83.000 € pro Wohnplatz belaufen. Dabei muss man wissen, dass häufig nicht alle Kosten der sogenannten Kostengruppen 100 - 700 enthalten sind. Lokale Besonderheiten wie beispielsweise vorhandene Leitungssysteme im Fall des Abrisses und Neubaus oder eine komplette Erschließung eines Baugrundstücks, wie es hier in Göttingen der Fall ist, verändern die Baukosten." Ferner sei die Vergleichbarkeit aufgrund fehlender Angaben wie Zimmergrößen, Gemeinschaftsflächen und anderen Ausstattungsmerkmalen nicht möglich. Darüber hinaus dürfe man folgende kostentreibende Faktoren nicht außer Acht gelassen:
--
1. Die Anforderungen der EnEV (Energieeinsparverordnung) wurden in den Jahren 2007 und 2009 verschärft. Für 2013 sind weitere Anpassungen angekündigt. Dies lässt weitere Baukostensteigerungen erwarten.
-- 2. Das Konjunkturpaket II und die Veränderungen des Weltmarktpreises für Stahl haben zu enormen Preissteigerungen bei den Dämm-Materialien und im Bereich Rohbau (teilweise bis zu 30 %) geführt.

Das Studentenwerk hat sich in der Vergangenheit und auch zukünftig dadurch ausgezeichnet, dass seine Wohnheime zeitgemäß ausgestattet und nachhaltig gebaut wurden. Magull: "Wir werden dabei selbstverständlich so kostengünstig wie möglich bauen." Die Gremien des Studentenwerks werden erst in den Jahren 2013 und 2014 die Arbeit zu der detaillierten Ausgestaltung des neuen Wohnheims aufnehmen. Denn im Vorfeld ist eine Änderung des Bebauungsplans notwendig. Hierzu befindet sich das Studentenwerk bereits in guten und konstruktiven Gesprächen mit der Stadt Göttingen.

Alte Mensa gegen Platz an der Norduni getauscht Pressemitteilung der Uni 15.11.12 / : Im Zuge eines Liegenschaftstausches wird das Studentenwerk Göttingen die „Alte Mensa“ am Wilhelmsplatz an die Universität Göttingen abgeben und dafür ein etwa 4.400 Quadratmeter großes unbebautes Grundstück im Nordbereich der Universität erhalten. Dort soll ab 2015 ein neues Studentenwohnheim entstehen. Ein Nutzungskonzept für die Alte Mensa wird derzeit erarbeitet. Die Universität wird dort unter anderem Tagungsräume einrichten, entsprechende Umbauarbeiten beginnen voraussichtlich im Sommer 2013. „Der Liegenschaftstausch gibt uns die Möglichkeit, unseren Wohnraum für Studierende auf dem Nordcampus der Universität um rund 200 Wohnplätze zu erweitern“, so Prof. Dr. Jörg Magull, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Studentenwerks. Das Studentenwerk führt derzeit erste Gespräche mit der Stadt Göttingen über den Bebauungsplan. Für 2014 ist ein Architektenwettbewerb geplant. Die Kosten für das erste Neubauprojekt des Studentenwerks seit 20 Jahren werden voraussichtlich bei rund 13,5 Millionen Euro liegen. „Für das Projekt bringen wir ausschließlich Eigenmittel mit einem hohen Kreditanteil auf. Eine staatliche Unterstützung gibt es nicht“, so Prof. Magull.

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Initiative für den Erhalt "kleiner Wohnheime"

21.10.12 / Eine Gruppierung namens "Wohnrauminitiative Göttingen" hat sich im Sommer 2012 gebildet, um für den Erhalt der kleinen Wohnhäuser und Wohnheime zu streiten. Seit mehreren Jahren baut das Studentenwerk Wohnplätze in kleinen Wohnhäusern ab. Laut offizieller GöSiS Statistik wurden zwischen 2003 und 2011 417 Wohnplätze abgebaut; betroffen sind vor allem die Studierenden, die in Wohnheimen mit weniger als 200 MieterInnen wohnen.

Die Wohnrauminitiative ist auf eine Absprache von VertreterInnen einer Vielzahl von Wohnheimen hin entstanden. Die vorhergehenden Initiative "Here to stay" ist ein Teil der Wohnrauminitiative. Nicht eingebunden sind jene Häuser, bei denen private Vermieter auf dem Wohnungsmarkt Studierende einquartieren, wie z.B. im Haus Friedrichstraße (ehemalige Post) gegenüber Cheltenhamhaus. Keine Infos liegen über eine Einbeziehung des >>Mahatma-Ghandie-Wohnheim vor, des von der Afrikanisch-asiatische-Studienförderung AASF e.V. verwalteten Wohnheims. Von einem nicht benannten privaten "Wohnheim" berichteten die Studentenwerksvertreter, dass dort z.B. jedes Jahr die Mieten erhöht worden seien, der Vermieter aber keinerlei Instandhaltungsarbeiten vorgenommen habe.

Die laut Angaben der Initiative sind aktuell von Schließung, Verkauf etc. sind folgende kleine Wohnheime bedroht:

Kreuzbergring 2, 4, 11, 12, 30 und 32;
(Korrekturmeldung der Initiative am 25.10.: gemeint war Nr. 10, nicht Nr. 11)
Gosslerstrasse 17 und 21,
Rote Straße 1-5,
Burgstraße 52,
Humboldtallee 9 und 14;
Am Weendespring 8;
Gauswohnheim;
Wohnhaus am Johanniskirchhof und Paulinerstraße;
Geiststraße 3, 5 & 11a,
(Korrekturmeldung der Initiative am 25.10.: gemeint war Nr. 5, nicht Nr. 3)
Bürgerstraße 50a,
zwei Häuser im Stumpfgebiel
(bis vor kurzem auch Bühlstraße 28 - jetzt nach Protest mit neuen Mietverträgen)


(Foto: Home-Sweet-Home- Wanduhr , gesehen im Café Cortes, Kurze Geismar Str. )

"Besonderen Unmut verursachen bei den Studierenden die Beispiele der Geiststraße 10 (die alte HNO-Klinik) und der Bühlstraße 28. Die Geiststr. 10, ein Wohnheim des Studentenwerks, wurde 2010 geschlossen, über 60 Wohnplätze ersatzlos gestrichen. Seitdem steht das Gebäude ungenutzt leer. Die Bühlstraße 28, ehemals besetzt, wurde durch die Stadt Göttingen dem Studentenwerk über Jahrzehnte kostenfrei zur Verfügung gestellt. Trotz der langjährigen Mieteinnahmen entstand ein Instandsetzungsrückstau, das Studentenwerk wollte das Haus 2012 los werden."
Der Abbau von Wohneinheiten so die Initiative in ihrer Pressemitteilung schaffe neben dem allgemein verschärften Leistungs- und Konkurrenzdruck nun auch noch Stress auf dem Wohnungsmarkt. Die Kritik richtet sich gegen eine "anonyme Verwaltung, die neben dir das Zimmer neu belegt, nur 7 Semestern Wohnzeit zur Verfügung stellt und als einzigem Berührungspunkt der gemeinsame Fahrradkeller. Schon jetzt beklagen Studierende aus größeren Wohneinheiten, die Anonymität dort und die Eingriffe in ihre Wohnungsplanung bis auf den Mitbewohner im Zimmer nebenan".
Die Initiative betrachtet darüberhinaus den Erhalt kleiner Wohnheime als Beitrag zu einer "Wohnkultur als kreative Ressource der Universitätsstadt". "Die Kultur eines unterstützenden Miteinanders kann in kleinen Wohnformen einfacher entstehen, über eine gemeinsame Auswahl und das Interesse an dem gemeinsamen Zusammenleben ergeben sich Freundschaften und praktische Unterstützung von Studierenden füreinander, ohne dass dies institutionell organisiert werden muss."
Zaghaft spielt die Initiative in einer Presseerklärung mit Andeutungen an eine Ende des "sozialen Friedens", Hausbesetzungen und einen heissen Sommer 2014, wenn viele Mietverträge enden.
Infos und Zitate aus einer Pressemitteilung der "Wohnrauminitiative Göttingen" c/o AStA Uni Göttingen Goßlerstrasse 16a 37073 Göttingen

Studentenwerk zum Offenen Brief der "Wohnrauminitiative" (25.10.12)

Das Studentenwerk Göttingen kritisiert das Vorgehen der sogenannten "Wohnrauminitiative Göttingen", da bislang kein Dialog gesucht wurde, sondern ausschließlich Vorwürfe über die Medien erhoben wurden. Des Weiteren verurteilt das Studentenwerk das Vorgehen dieser Initiative als unredlich, da mit anonymen Flugblättern die Mieterinnen und Mieter des Studentenwerks in den kleineren Wohnheimen gezielt verunsichert werden. Presseerklärung des Studentenwerks Göttingen

Zu folgenden falschen Sachverhalten nimmt das Studentenwerk wie folgt Stellung:

  • Das Studentenwerk verwaltet 2011 443 Wohnheimplätze verglichen mit 2002 weniger. Der überwiegende Anteil dieser Plätze war vom Studentenwerk angemietet bzw. durch Nutzungsverträge zur Verfügung gestellt. Davon werden über 200 Plätze nach wie vor von den Eigentümern direkt zur Verfügung gestellt. Weitere 98 Plätze stehen nicht mehr zur Verfügung, da die Universität ihre eigenen Liegenschaften selbst nutzt. Andere Liegenschaften wurden von ihrem Besitzer inzwischen abgerissen und neu bebaut, z.B. im Brauweg. Einzig in der Geiststraße wurde ein Wohnheim mit 15 Plätzen in eine Kinderkrippe des Studentenwerks umgewandelt. Das Studentenwerk stellt hierbei fest, dass es keine umfassende systematische Strategie gibt, sich von den kleineren Wohnheimen zu trennen. Kein Gremium des Studentenwerks hat Beschlüsse gefasst, sich von kleineren Wohnheimen zu trennen.
  • Das Studentenwerk bedauert, dass in der Öffentlichkeit Listen von Wohnheimen kursieren, die Liegenschaften beinhalten, die dem Studentenwerk nicht gehören und auch nicht vom Studentenwerk genutzt werden: hier Kreuzbergring 11 und Geiststraße 3
  • Das Studentenwerk weist die Kritik zur Geiststraße 10 bzw. Bühlstraße 28 zurück. Hier wollten die Eigentümer die Liegenschaften selbst nutzen.
  • Das Studentenwerk weist die Kritik wegen angeblichen anonymen Wohnkulturen in seinen Wohnheimen aufs Schärfste zurück. Diese Kritik diskreditiert wissentlich die hervorragende Arbeit von über 400 ehrenamtlichen Mitgliedern in der studentischen Selbstverwaltung in den Wohnheimen
  • Insbesondere weist das Studentenwerk den Vorwurf zurück, dass die im Göttinger Tageblatt vom 23.10.2012 erwähnten Wohnheime von einer Schließung bedroht seien. Diese Wohnheime sind alle im Besitz des Studentenwerks. Hier sieht sich das Studentenwerk aufgrund der Geschichte der Häuser in einer besonderen Verantwortung. Dieses wurde den Bewohner/innen auch in anderen Zusammenhängen (Here to stay- Kampagne) mitgeteilt.
  • Das Studentenwerk weist auch entschieden den Vorwurf zurück, systematisch Gruppenwohnungen in Einzelzimmer umzuwandeln. Der Anteil von Gruppenwohnungen mit 34,5 % ist seit Jahren nahezu konstant.

>>vollständige Presseerklärung auf der Homepage des Studentenwerks

Pressegespräch
Das Studentenwerk hatte aufgrund mehrfacher Medienmeldungen am 25.10.12 zu einem Informationsgespräch für die Presse eingeladen. Außer PressevertreterInnen kamen auch ca. 7 nicht eingeladene Studierende in die Gesprächsrunde hinzu. Studentenwerks-Geschäftsführer Magull kommentierte dies mit den Worten, er habe nichts gegen die Anwesenheit der hinzugekommenen Gäste, aber bitte darum, zu akzeptieren, dass man das Gespräch an diesem Termin mit der Presse führe. Zu weiteren Gesprächen möge man einen anderen Termin vereinbaren zu dem er gerne bereit sei.

Kommentar der Wohnrauminitiative zu den Erklärungen des Studentenwerks
Nach dem Pressegespräch erklärte die Wohnrauminitiative, es sei erfreulich, dass für einige der "kleineren" Wohnheime konkrete Bestandgarantien ausgesprochen wurden, vor allem für die Häuser die entweder langjährig organisiert sind oder in die derzeit in großem Rahmen investiert wird. Es sei aber unklar geblieben, "was mit nicht erwähnten Heimen sowie den Häusern bei denen das Studentenwerk nicht Eigentümer ist, in Zukunft geschehen wird. Das Problem auslaufender Nutzungsverträge konnte heute nicht geklärt werden. Mindestens drei Wohnheime werden vom Studentenwerk nur verwaltet. Im Falle der Geiststraße 10 wurde ein Wohnheim mit 65 Plätzen ersatzlos gestrichen, offiziell auf Grund des auslaufenden Nutzungsvertrages mit der Universität. Eine weitere Nutzung findet aber bis heute nicht statt, das Gebäude steht leer. "Es kann nicht sein, dass sich zwei so verzahnte Organisationen wie die Universität und das Studentenwerk Göttingen gegenseitig die Verantwortung zuschieben und am Ende die StudentInnnen auf der Strecke bleiben".
Die Wohnrauminitiative äußert sich weiterhin nur anonym. Ein Gespräch mit dem Studentenwerk zwecks genaueren Informationsaustausches ist auf diese Weise schwer möglich.

Keine Strategie des Studentenwerks gegen kleine Häuser
Bei den kleinen Wohnheimen handelt es sich um die "Here to Stay-Häuser" mit 99 Plätzen, 50/60er Jahre-Häuser mit 1000 Plätzen (?) und kleinste Häuser wie die Bühlstraße mit 59 Plätze. Die Studentenwerksvertreter versicherten, es gäbe keine Strategie und keinen Beschluß irgendeines Gremiums, die kleineren Wohnheime abzubauen. Unsere Frage, wieviel Kosten durchschnittlich ein Platz in einem großen Wohnheim einerseits und in einem kleinen Wohnheim andererseits verursacht, mochten weder Magull noch Merkel beantworten. Frage: das wollen Sie nicht sagen, Antwort: Nein. Eine Antwort hätte abschätzen lassen, wie groß der ökonomische Druck werden könnte, langfristig in große Wohnheime umzusteigen, auch wenn heute noch keine Beschlüsse in den Gremien des Studentenwerks gefasst worden sind - die könnten ja noch kommen.

Forderungen des Studentenwerks zum Erhalt finanzieller Spielräume sind
"1. Im Rahmen der Diskussion zur Aufhebung des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern bei Bildungsfragen müssen auch Möglichkeiten für den Bund geschaffen werden, um sich für die soziale Infrastruktur von Studierenden engagieren zu dürfen (siehe hierzu auch die Forderungen unseres Dachverbandes).
2. Aufnahme der Studentenwerke in den sozialen Wohnungsbau, wie es in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein der Fall ist.
3. Zinsgünstigere Kredite durch Gewährträgerhaftung des Landes Niedersachsen. 4. Befreiung von komplizierten vergaberechtlichen Vorgaben, wie in der Zeit des Konjunkturpakets II. "

>>Übersicht des Studentenwerks über ihre Wohnheime / Insgesamt verwaltet das Studentenwerk 4.500 Wohnplätze.

Unipräsidentin ruft BürgerInnen dazu auf Wohnraum für Studis anzubieten

22.10.12 / PM Uni // Prof. Dr. Ulrike Beisiegel Präsidentin der Universität Göttingen Wolfgang Meyer Oberbürgermeister der Stadt Göttingen Prof. Dr. Jörg Magull Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Studentenwerks Göttingen haben Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, geeigneten Wohnraum für Studierende anzubieten. Wohnraumangebote nimmt das Studentenwerk Göttingen per E-Mail unter der Adresse wohnen@studentenwerk-goettingen.de oder unter der Telefonnummer (0551) 39-5135 entgegen. Darüber hinaus sucht das Welcome Centre der Universität noch möblierte Zimmer für ausländische Studierende zur Untermiete. Angebote nimmt Marion Kraft per E-Mail unter der Adresse marion.kraft@zvw.uni-goettingen.de oder unter der Telefonnummer (0551) 39-21338 entgegen. Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung! Im Wintersemester 2012/13 kommen ebenso wie ein Jahr zuvor ca. 5.500 Studierende neu an die Göttinger Uni. Damit steigt die Gesamtzahl der Studierenden auf 26.300, den höchsten Wert seit 1998.

Studihaus Bühlstraße 28 - Fachwerkhaus mit großen Zimmern und eigenem Garten

19.10.12 / Das Fachwerkhaus Bühlstr. 28, war von der Stadt gekauft worden, um für einen irrwitzigen Straßenbau (der sogenannten Osttangente) abzureissen. Massiver Protest verhinderte die Osttangente und das Haus wurde an Studierende vermietet. Im Rahmen des sog. Entschuldungshilfeprogramms stand das Haus nun auf der Liste der 10 städtischen Häuser, die veräußert werden sollten. Dagegen regte sich Protest. Am Rande der Bauausschusssitzung am 18.10.12 wurde schließlich bekannt, dass das Haus von der Verkaufsliste heruntergenommen wurde und weiterhin für studentisches Wohnen zur Verfügung stehen soll. Gerd Nier von der GöLinke dazu: "Man hat sich zwischenzeitlich mit den Bewohner/innen auf die weitere Nutzung für studentisches Wohnen geeinigt. Entsprechende Mietverträge wurden anscheinend schon ausgehandelt und abgeschlossen. Gerade jetzt, wo sich die Wohnraumsuche für Neusemester auch in Göttingen besonders schwierig gestaltet ist dies ein kleines Zeichen des Entgegenkommens der Stadt."

Das Transparent am Haus Bühlstraße 28 war schon am 17.10.12 verändert worden. Statt "Hier wird studentischer Wohnraum vernichtet" stand nun da "Hier wird studentischer Wohnraum erhalten." Für einen Platz in dem Wohnhaus mit privilegierter Lage, mit schönem Garten, großen Zimmern hat es sich zu kämpfen gelohnt.

Die Ratsfraktion der WählerInngemeinschaft GöLinke, die sich für den Erhalt eingesetzt hatte, äußerte den Wunsch, dass über darüberhinaus auch "die Gebäude der ehemaligen Baptistenkirche und Voigt-Schule in der Bürgerstr. ebenfalls von der Verkaufsliste gestrichen würden, weil z.B. die Film- unf Kinoinitiative erkennbares Interesse und auch schon ein Nutzungskonzept für eines der Gebäude bekundet bzw. vorgelegt hat

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Verhandlungen über "Modell für kollektives Wohnen in Göttingen" abgebrochen

29.3.11 / Die Gruppierung „Here to Stay“ (c/o Verein für kommunikative Wohnformen – Gotmarstr. 9) versucht seit 4 Jahren in Verhandlungen mit dem Studentenwerk "kollektive Mietverträge" auszuhandeln, die den "Erhalt der Selbstverwaltungsstrukturen" für die "studentischen Wohnkollektive" Burgstraße, Gosslerstrasse, Gotmarstraße, Kreuzbergring und Rote Straße ermöglichen.

In einer Pressemitteilung von "Here to stay" am 29.3.11 heißt es:
"Ende 2009 wurden in Verhandlungsgesprächen seitens des Studentenwerks mündliche Zusagen gemacht, welche "Here to Stay" neue Verträge mit einer Aufrechterhaltung der Selbstverwaltungsstruktur in Aussicht stellten. Daher beauftragte die Kampagne Anfang 2010 einen Anwalt mit der Ausarbeitung eines Mietvertragsentwurfs, der sich an den gemeinsam mit dem Studentenwerk vereinbarten Rahmenbedingungen orientierte. Im September des gleichen Jahres wartete das Studentenwerk jedoch mit einem Gegenentwurf auf, der inhaltlich weit hinter die bereits mündlich getroffenen Vereinbarungen zurückfiel. Wichtige Faktoren des kollektiven Wohnens, wie beispielsweise die freie MitbewohnerInnenwahl, wurden darin missachtet oder mit bürokratischen Hürden verbaut, die sie ad absurdum führten."
Das Studentenwerk, so heisst es weiter, habe nun schriftlich mitgeteilt, dass es die Verhandlungen als gescheitert ansehe. Selbstbewußt schreibt die Gruppierung: "Wir fordern das Studentenwerk Göttingen auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, wobei wir die Vereinbarungen von 2009 als Ausgangspunkt weiterer Verhandlungen ansehen und die Kampagne "Here to Stay" als gleichberechtigten Partner zu akzeptieren."

 

Kundgebung der "Here -to-stay Kampagne" am Weihnachtsmarkt

Kundgebung am Samstag, den 18.12.2010
Innenstadt (Nähe Weihnachstmarkt) Zeit: 15:30 Uhr

Studierenden-Wohnhäuser-Kampagene Here-to-stay hatte eine Kundgebung angekündigt mit den Worten: "Da das Göttinger Studentenwerk momentan sehr bemüht zu sein scheint, die Verhandlungsarbeit der letzten Jahre zu annullieren und mit ihrem Mietvertragsentwurf weit hinter den bereits vereinbarten Absprachen mit der Kampagne "Here to Stay" der alternativen Wohnräume in der Burgstraße, Gosslerstrasse, Gotmarstraße, dem Kreuzbergring & der Roten Straße zurückbleibt, ist für uns wiederum die Zeit gekommen, die Öffentlichkeit zu suchen und dem Studentenwerk zu zeigen: Wir sind hier um zu bleiben!"

Sie forderten in ihrem Flugblatt "erschwinglichen Wohnraum für alle", sind gegen den "Umbau der Innenstadt in einen Freizeit und Konsumpark" und wollen eine Auseinandersetzung "mit der rein leistungsbezogenen Effizienzstruktur in Stadt und Universitätsbetrieb"

In einer Erklärung der Kampagnen-Organisation nach der Kundgebung heißt es zu dem Schritt in die Öffentlichkeit u.a.: ". Dieser Schritt war notwendig geworden, nachdem das Studentenwerk einen Mietvertragsentwurf vorgelegt hatte, der weder auf die Forderungen von „Here To Stay“ einging, noch zuvor getätigte mündliche Zusagen berücksichtigte. Enttäuscht von einer solchen Verhandlungsführung möchten wir nun wieder vermehrt die Göttinger Bürgerinnen und Bürger an unserem Kampf für den Erhalt selbstverwalteter Strukturen teilhaben lassen."
Es wurden Flugblätter verteilt und Ansprachen gehalten, u.a. "Redebeiträge zur Geschichte der Häuser und ihrer Besetzungen, sowie zur aktuellen Situation. (...) Einer der Beiträge warnte das Studentenwerk, es müsse damit rechnen, umfassend an Glaubwürdigkeit zu verlieren:Seinen Zielen und Aufgaben nicht gerecht zu werden, sowie Zusagen nicht einzuhalten, zeugt von Ignoranz und einem mehr als zweifelhaften Wirken des Studentenwerkes. Mit dem Versuch, die Kampagne hinzuhalten und eventuell gar zur Aufgabe zu zwingen, wendet sich das Studentenwerk nicht nur gegen seine eigenen Maßgaben und Zusagen, sondern generell und in aller Deutlichkeit gegen Wohnformen, die dem ohnehin schon immens gestiegenen Druck des Studiums etwas entgegensetzen können, gegen bezahlbaren Wohnraum und das Engagement seiner Studierenden im Allgemeinen.
(Die Angaben über die Zahl der TeilnehmerInnen schwankt zwischen 70 und 90)

BFE
Gegen legitime demokratische Äusserungsformen wird eine Polizeieinheit aufgefahren, die angeblich für die Bekämpfung der Schwerkriminalität gegründet wurde.

Angesichts der Thematik und Form dieser Kundgebung greift man sich ungläubig an den Kopf, wenn hierfür die Polizeitruppe "Beweissicherungs und Feststellung Einheit" (BFE) aus Hannover anrückt. Diese BFE-Einheiten sind für ihre Gewalttätigkeit in der Kritik. Z.B. ist bei den Antifa-Demos die bayrische BFE (die heisst dort USK) entsprechend unangenehm aufgefallen. Die Gewalttäter in den Reihen der Polizei konnten bei einer Anzeige nie ermittelt werden, weil sie nicht identifizierbar waren! Bei der Gründung von BFE-Einheiten hiess es, sie seien für ganz gefährliche Einsätze gebildet worden, die aber noch nicht den Einsatz von GSG 9 erforderlich machten.

Die Einheiten, die mit den Transportern in der Kurzen Geismar Str. parkten haben als Kennzeichnung einen schwarzen Kreis, Dreiecke oder andere Symbole auf blauem Viereck auf dem Rücken getragen so wie auf dem >>Foto und anderen Fotos in der >>kreiszeitung.de - In diesem Bericht der Kreiszeitung.de wird die BFE als Spezialkräfte zum "Einsatz gegen Neonazis" vorgestellt.

"Die Ausrüstung der Beamten bei den BFEs ist für ein hohes Gewaltpotential und Störeraufkommen ausgelegt, und unterscheidet sich daher von der Ausrüstung der Beamten im Streifendienst oder der Einsatzhundertschaft teilweise erheblich" Wikipedia

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Es geht nicht nur um Wohnheime, sondern im weiteren Sinn um Freiräume

(Zwar stammt der Kommentar von 2007 (bezogen damals auf die Demo am 11.8.07 - wird aber wegen der grundsätzlichen Betrachtungsweise hier weiterhin zur Einleitung vorangestellt)

Linke kulturelle Infrastruktur gegen "ödes konformistisches Klima"
Bei der Demonstration ging es nicht allein um die Studierendenwohnungen und deren Selbstverwaltung sondern generell um "Freiräume". Freiräume wie das Jugendzentrum Innenstadt JuzI, das eher ein politisches Zentrum für alle Altersgruppen ist, Freiraum wie es das "Café Kollabs" in der Uni war, Freiraum wie es der Fachschaftstraum im AStA der Universität war, Freiräume wie es Theaterkeller , Kabale und Buchladen Rote Straße sind, Freiraum wie es der Wagenplatz ist. Deshalb findet die Demo an einem Wochenende statt, an dem das JuzI 25 Jahre Selbstverwaltung feiert. In einer Presseerklärung zu der Kampagne heisst es:
"Die linke Szene mit ihren Treffpunkten, kulturellen Aktivitäten und einer Vielzahl an politischen Gruppen braucht selbstverwaltete Wohnformen, wie sie in den entsprechenden Wohnheimen seit z.T. mehr als 30 Jahren bestehen. Ohne sie besteht die Gefahr, dass auch Göttingen zu einem studentisch geprägten Provinzkaff mit öde konformistischem Klima wird, wie dies in manch anderer einstmals "linken Unistadt" schon längst geschehen ist."
Und auf dem Flugblatt zur Demo heisst es "In Göttingen existieren seit Jahrzehnten zahlreiche Einrichtungen, Initiativen und politische Gruppen, die bis heute insgesamt als 'linke Szene' bezeichnet werden können. Aus ihr sind Einrichtungen hervorgegangen, welche über die Bedeutung für die Szene selbst hinaus das Stadtbild und das kulturelle Geschehen in Göttingen positiv geprägt haben. So erschließen sich allen Interessierten viele Möglichkeiten der links-orientierten Lebensgestaltung im Theaterkeller, JuZI, Café Kabale, Buchladen Rote Straße und in den (noch) zahlenmäßig vielen Wohngemeinschaften sowie anderen sozialen Zusammenhängen und Initiativen in dieser Stadt."

Repressiver Angriff auf die Freiräume
Diese Freiräume, darauf weist der Flugblatttext richtig hin, werden durch eine systematische, repressive Strategie eingeschränkt. Dazu gehören die zeitweise Besetzung der Stadt durch Polizei z.B. im Vorfeld von Demonstrationen, die Beseitigung politischer Parolen von Häuserwänden an Universitäts- und Stadtgebäuden, sowie eine Rechtssprechung, die kleinsten Anlässen mit großer Härte begegnet. Darüber hinaus flankiert eine Sauberkeits-Propaganda Maßnahmen gegen alles Störende, das es zu eliminieren gilt. Was die Konsum- und Geldausgebekultur stört wird eliminiert oder zumindest mit massiver Polizeipräsenz oder Videokameras überwacht - wie die Auseinandersetzung um den Wilhelmsplatz zeigt.

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Mitteilung der - Studierenden-Wohnheime im Here-to-stay - Verbund

10.11.09 / "Am Mittwoch den 11.11.09 findet um 10 Uhr das nächste Treffen zwischen dem Studentenwerk und den Häusern der Here to Stay Kamapagne statt. Inhaltlich soll es um die Ausgestaltung des zukünftigen Status der Häuser gehen, welcher zu Jahresbeginn durch das Studentenwerk geändert werden soll. Inwiefern dieser neue Status sich mit den Vorstellungen eines selbstverwalteten und sozialen Miteinanders, sowie den Bedürfnissen der Bewohner_innen deckt, muss dann geprüft und erarbeitet werden. Hintergrund ist der Versuch des Studentenwerks, die letzten noch existierenden Kollektivmietverträge Göttinger Studierendenwohnheime in Einzelmietverträge zu überführen. Die Geschichte, der sich daraufhin gegründeten Here to Stay Kampagne und ihrem bislang erfolgreichen Kampf könnt ihr auf der Kampagnen-Seite unter http://www.heretostay.de/Pressespiegel.htm nachlesen. Nach zahlreichen Protesten und Verhandlungen nahm das Studentenwerk Abstand von seinen Plänen. Nun geht es darum, die erkämpften Erfolge zu sichern und auszuweiten! Über den Ausgang des Gespräches halten wir euch natürlich auf dem laufenden. Für mehr selbstbestimmtes Wohnen! Here to Stay. "

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2007

Konflikt um die Häuser Rote Straße, Kreuzbergring, Goßler Str., Gotmarstr.

Pressemitteilung Studentenwerk 5.11.07
Mietverhältnisse Rote Straße/Burgstraße, Kreuzbergring, Goßlerstraße und Gotmarstraße

"Mitarbeiter des Studentenwerks und Vertreter der Vereine und GbRs der Wohnobjekte sowie BewohnerInnen der Häuser waren am 31.10.07 zu einer weiteren Unterredung zusammen gekommen, um die Gestaltung der mietvertraglichen Regelungen und die für alle Wohnheime des Studentenwerks geltenden Belegungskriterien sowie deren Anwendung bei der Vergabe der Wohnplätze zu erörtern. Das Gespräch verlief in einer angenehmen und konstruktiven Atmosphäre erklärte Prof. Dr. Jörg Magull, der Vorstandsvorsitzende des Studentenwerks.
Magull machte unter Hinweis auf den satzungsgemäßen Auftrag des Studentenwerks und der Beschlusslage im Vorstand – egal wie die Ausgestaltung der Verträge für die Mietverhältnisse aussieht – deutlich, dass kein berechtigter Interessent von der Bewerbung für einen Wohnplatz in den betreffenden Häusern abgewiesen werden dürfe, es eine größtmögliche Transparenz bei der Auswahl der Nachmieter geben muss und eine Beschränkung der Wohndauer zu vereinbaren ist, um möglichst vielen Studierenden einen mit öffentlichen Mitteln geförderten Wohnplatz zur Verfügung stellen zu können.
Wenn es gelingt, unter Zugrundelegung dieser unabweisbaren Forderungen in einer schriftlichen Fixierung zu einvernehmlichen Absprachen zu kommen, die auch Freiraum für Verlängerungsmöglichkeiten in Härtefällen und Nichtanrechnung von Wohnzeiten durch Ausübung von Ämtern gibt, ist es für das Studentenwerk denkbar, von der bisherigen Forderung nach Umstellung der Kollektivmietverträge in Einzelmietverträge für alle BewohnerInnen abzuweichen.
Das sich anschließende Verfahren der Bekanntgabe von Ein- und Auszügen und Verlängerungen könne in vereinfachter Form von den Vereinen bzw. GbRs durch Meldelisten unter Beifügung der gültigen Studienbescheinigungen erfolgen.
Aus den Diskussionsbeiträgen entstand für für das Studententenwerk der Eindruck, dass es für die Vereinbarung derartiger Regelungen Raum unter den Beteiligten gibt. Es wurde deshalb vereinbart, bis März 2008 Vorschläge zur Ausgestaltung solcher Zusatzvereinbarungen zu den gültigen Mietverträgen gegenseitig auszutauschen.
Von Seiten des Studentenwerks wurde die Absicht bekräftigt, eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden. Die Kündigung des Mietverhältnisses mit der GbR Hausgemeinschaft Goßlerstr. 21 – ausgesprochen zum 31.03.2008 – wurde zurückgenommen."

 

Antwort auf den Offenen Brief des Studentenwerks
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Offener Brief der Göttinger Kampagne "Here to stay. Selbstverwaltete Strukturen verteidigen" an das Studentenwerk Göttingen Göttingen 30. Oktober 2007

Liebes Studentenwerk,
(...) Endlich haben auch Sie sich veranlasst gefühlt, in der Öffentlichkeit Stellung zu beziehen. Wir haben von Beginn an betont, dass die geplante Umstrukturierung der Mietverhältnisse kein administrativer, sondern ein politischer Akt ist, der daher auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden sollte. (...)
Nur aufgrund des Widerstandes der damaligen BewohnerInnen existieren diese Häuser und damit der studentische Wohnraum noch. Die Häuser sind von den damaligen BewohnerInnen erkämpft und eingerichtet worden; mit dem Anspruch, andere Wohnformen zu schaffen. Als aktuelle VertreterInnen der damals gegründeten Vereine und GbRs sehen wir es als unseren Auftrag an, diese Projekte und Ideen des solidarischen, kollektiven Zusammenlebens am Leben zu erhalten. Mit der von Ihnen angedachten Auflösung der Kollektivmietverträge wäre – entgegen ihrer Behauptung – die bislang erfolgreich praktizierte Selbstverwaltung in den entsprechenden Häusern nicht mehr gewährleistet.
(...) Zum einen behaupten Sie offenbar wider besseren Wissens, es gäbe kaum eine Kontrolle über die Vergabe der Wohnplätze. Dabei reichen die BewohnerInnen der Häuser regelmäßig den Mietverträgen entsprechend Nachweise, d.h. Immatrikulationsbescheinigungen beim Studentenwerk ein, wodurch (bei Bedarf) eine vollständige Kontrolle über BewohnerInnen und Wohndauer vorhanden ist.
(...) Weiter schreiben Sie: Gleiches Recht für alle hieße Einzelmietverträge für alle. Ein für uns sehr fragwürdiger Versuch, die Umstrukturierung als einen solidarischen Akt hinzustellen. (...) Die Gleichbehandlung, die von Ihnen hingegen gefordert wird, bedeutet: Allen soll es gleich schlecht gehen. (...) Dies gilt auch für das Argument der Wohnzeitbegrenzung, die im übrigen entgegen Ihrer Behauptung in den meisten unserer Mietverträge nicht festgeschrieben ist. Eine Maßnahme, die – genauso wie die Studiengebühren – aufgrund ökonomischer Zwänge noch mehr Menschen die Möglichkeit nimmt, ihr Studium (ohne Aufnahme eines Kredits) abzuschliessen, als "Gleiche Chancen für alle" hinzustellen, ist unserer Ansicht nach mehr als zynisch.
(...) In einem Punkt müssen wir Ihnen besonders widersprechen: Sie schreiben, "dass jede Wohngemeinschaft nach wie vor ihre Mitbewohner selber aussuchen kann." Genau an diesem Punkt sind ihre Verhandlungen mit den BewohnerInnen der Goßlerstr. 21 gescheitert, und auch in anderen Gesprächen haben Sie uns dieses Recht explizit abgesprochen.
(...) Entgegen Ihrer Behauptung haben wir das Studentenwerk bisher nicht diskreditiert und haben dies auch in Zukunft nicht vor. Aber wir werden uns auch in Zukunft dagegen wehren, dass - wie in Ihrem Brief - die Verschlechterung der Bedingungen für alle als eine solidarische und gerechtigkeitsfördernde Maßnahme dargestellt wird.

Ihre Here-to-Stay Kampagne

P.S.: In Bezug auf ihre Bitte, Einfluss auf die uns "nahe stehenden Kampagnen" zu nehmen: Es ist für uns selbstverständlich und erfreulich, dass sich auch andere Gruppen und Kampagnen in Göttingen mit der Umstrukturierung befassen, diese als Angriff auf wichtige und ehemals erkämpfte Strukturen ansehen und daher kritisch begleiten. Auf deren Argumentationen und Vorgehensweisen haben wir keinen Einfluss. Wir sind die Here-to-Stay-Kampagne, vertreten die Vollversammlung der BewohnerInnen der aktuell betroffenen Häuser und sprechen nur für uns.

Offener Brief des Studentenwerks 26.10.07
Diese Stellungnahme zeigt, dass die Kampagne um die Studierendenwohnheime nicht mehr ignoriert wird.

Offener Brief an die BewohnerInnen der Häuser Kreuzbergring 10/12, Rote Straße 1-5, Burgstraße 52, Gotmarstraße 9 u. 10, Goßlerstraße 21

Liebe Mieterinnen und Mieter,
leider mussten wir feststellen, dass das Studentenwerk gegenwärtig zum Ziel einer Kampagne auserkoren wurde, die weitestgehend auf falschen Informationen beruht. Dieser Situation wollen wir mit einem offenen Brief begegnen – insbesondere auch, da diese Diskussion durch MieterInnen und andere politische Gruppen in der Öffentlichkeit geführt wird. Unser Ziel war und ist es, mit Ihnen - den Mieterinnen und Mietern - eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden. Dafür stehen wir nach wie vor zur Verfügung.
Anlass der Kampagne war der Vorstandsbeschluss, die bestehenden Mietverträge mit den Vereinen bzw. den Gesellschaften bürgrlichen Rechts (GbR) für die oben genannten Häuser in Einzelmietverträge für alle BewohnerInnen umzuwandeln. Weitere Veränderungen sind nicht geplant, insbesondere handelt es sich bei der dann greifenden Wohnzeitbegrenzung nicht um eine neue Situation - sie ist ebenfalls bereits Teil des bestehenden Mietvertrags, den Ihre Vereine bzw. GbRs unterzeichnet haben. Grund für den Beschluss war zum einen der Wunsch, Rechtssicherheit für alle Beteiligten herzustellen, zum anderen aber auch das Verlangen, aus Gerechtigkeitsgründen die Mietkonditionen, die bisher schon für alle übrigen Wohnheime gelten, auch in den oben genannten Häusern anzuwenden. Ziel dieses Vorgehens ist es nicht - wie regelmässig öffentlich behauptet wird - selbstverwaltete Strukturen zu zerschlagen, das Leben in den Wohnheimen zu überwachen oder Personen aus den Häusern heraus zu bekommen.
Aufgabe des Studentenwerks ist gemäß Niedersächsischem Hochschulgesetz, die Studierenden wirtschaftlich, gesundheitlich, sozial und kulturell zu fördern. Die Finanzierung unserer Arbeit erfolgt zum Teil durch staatliche Zuwendungen, besonders aber durch die Semesterbeiträge der Studierenden. In deren und in unserem Sinn kann es nicht sein, dass durch die Vergabe von Privilegien an einige wenige BewohnerInnen eine Situation geschaffen wird, in der die sonst üblichen Regelungen für Mietverträge ausgehebelt werden. Aufgrund der aktuellen Mietsituation ist für uns noch nicht einmal ersichtlich, ob in den betroffenen Wohnobjekten alle Wohnplätze an Studierende vermietet sind.
Gleiches Recht für alle heißt in diesem Fall: Einzelmietvertrag mit dem Studentenwerk, angemessen begrenzte Wohnzeit und die Immatrikulation an einer der Göttingen Hochschulen als Voraussetzung für einen Mietvertrag. Dazu gehört auch, dass jede Wohngemeinschaft nach wie vor ihre Mitbewohner selber aussuchen kann. Dass dies funktioniert und dass in unseren anderen Wohnheimen keinesfalls eine anonyme und fremdbestimmte Atmosphäre herrscht, können Sie gerne bei einem Besuch unserer anderen Wohnheime erfahren.
Das Vorgehen hat nichts mit Überwachung, Zerschlagung linker Zusammenhänge oder Repression zu tun, sondern dient dem Ziel, für alle die gleichen Chancen und Bedingungen zu schaffen. Die Studierenden, die durch die Zahlung ihrer Studentenwerksbeiträge quasi eine Solidargemeinschaft bilden, haben Recht und Anspruch darauf, dass das Studentenwerk diese Beiträge nicht zweckentfremdet. Das Studentenwerk hat geradezu die Pflicht, darauf zu achten, dass die Vergünstigungen ausschließlich denjenigen zukommen, die durch die Zahlung ihrer Beiträge dazu berechtigt sind.
Unser Angebot steht: Entwickeln Sie Ideen, wie durch eine Anpassung unserer Belegungsordnung Ihre Ideale von einem gemeinschaftlichen Zusammenleben in das Studentenwerk eingebracht werden können. Wir möchten Sie aber auch bitten dafür zu sorgen, dass im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit Ihnen nahe stehender Kampagnen mit der Wahrheit gearbeitet wird. Das Studentenwerk in der Öffentlichkeit zu diskreditieren hilft Ihnen nicht - es schadet aber allen Göttinger Studierenden.

Ihr Studentenwerk Göttingen

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2007: Freiräume-Demo / Juzi "Linke Freiräume schaffen und verteidigen"
11. 8.07, 13 Uhr, Marktplatz / Altes Rathaus

Die Kampage „Here to stay - Linke Freiräume schaffen und verteidigen“ , die Leute vom Wagenplatz demonstrierten zusammen mit den Leuten, die "25 Jahre Juzi" feierten am 11.8.07 durch die Innenstadt. Der Demo-Aufruf war von der "Here-to-stay Kampagne", dem Juzi, dem Wagenplatz, dem Cafe Kabale und dem Theaterkeller erfolgt. Erstaunlich waren die übereinstimmende Schätzung der TeilnehmerInnenzahl der VeranstalterInnen mit 600 und der Polizei mit 500. Bei der Zwischenkundgebung vor dem Carré in der Weender waren es ca. 300 gewesen. Aber vielleicht kamen später noch welche dazu.


Demo kurz nach der Zwischenkundgebung in der Weender Ecke Jüdenstraße


Während der Freiräume-Demo - Ausverkauf in der Heldenhalle

Kleine Überraschungsaktion - ein Luftballonsgruß mit Schwarz-Roten Luftballons vor dem "Feierabendheim" (steht über der Eingangstür) einem selbstverwalteten Studierendenwohnheim in der Gotmarstraße

Foto: hoxel

Polizei vor dem Gebäude des "Studentenwerk", das die Studierenden-Wohnheime verwaltet.
Transparent vom Wagenplatz

Wagenplatzleute mit Trecker und einer Schwarzen Kiste auf dem Dach, die die Aufschrift trug: "Schwarzer Block" - und "Lieber Autonom als Automat"

Seitlich "Wagenplätzchen für alle"

 

 

Studierendenwerk will Selbstverwaltung abschaffen

24.5.07 / Das Studierendenwerk vermietet u.a. Zimmer in Häusern die in den siebziger Jahren besetzt worden waren und wo durch Verhandlungen eine Selbstverwaltung der Häuser durchgesetzt wurde. Dazu gehören die Häuser im Kreuzbergring, in der Roten Straße, der Burgstraße, Goßler Straße und in der Gotmarstraße. Nach der "Flurbereinigung" des Universitätsbetriebes, der stromlinienförmigen Ausrichtung des Sutdienbetriebes und der Erhöhung des ökonomischen Drucks durch Studiengebühren erscheinen solche kollektiven Wohnstrukturen im universitären Umfeld offensichtlich als "nicht der gewünschten Ordnung entsprechend". Gerade in den oben genannten Häusern wird oft durch Transparente an den Fenstern zu aktuellen politischen Ereignissen Meinung kundgetan.


Transparent an den Häusern im Kreuzbergring 2006 (Foto: H.R.)

Die selbstverwalteten Studihäuser, die aus Hausbesetzungen und anschließenden Entwicklungen hervorgegangen sind, sind auch Orte politischer Kollektivität.

Dies zeigen nicht nur z.B. die neben abgebildeten Fotos mit Transparenten sondern auch die Veranstaltungen wie z.B. das Ringfest in den Häuern am Kreuzbergring und der Goßler Str.

Nun will das Studiwerk die Selbstverwaltung dieser Häuser abschaffen. Dies hatte man bereits 1977 schon einmal probiert, war aber an einer Gegenkampagne gescheitert. Nun folgt also der erneute Versuch, kollektive selbstverwaltete Wohnstrukturen aufzulösen - so wie jeglicher Freiraum in der Universität Schritt für Schritt eingeschränkt oder abgeschafft wurde (Freiraum im AStA, Kollabs, Flugblatt verteilen und Plakate aufhängen). In Zukunft will das Studierendenwerk nur noch Einzelmietverträge mit den BewohnerInnen der Zimmer abschließen und ihnen so die Gestaltungsmöglichkeit von Kollektivität aus der Hand nehmen. Durch eine Wohnzeitbegrenzung komplemetär zur Studienzeitdrängelei will sie darüber hinaus nicht nur die Wohn-Zusammensetzung an sich, sondern auch deren Änderungsgeschwindigkeit bestimmen. Damit hat sie es in der Hand, entstehende politische Unruheherde lahmzulegen. So sieht das auch die neu entstandene Initiative "Here to stay. Selbstverwaltete Strukturen verteidigen" die sich für ca. 100 BewohnerInnen der betroffenen Häuser einsetzt und meint:
"Die linke Szene, wie sie derzeit in Göttingen vorzufinden ist, mit ihren Treffpunkten, kulturellen Aktivitäten und einer Vielzahl an politischen Gruppen kann nicht einfach als gegeben vorausgesetzt werden: sie bedarf nicht zuletzt solcher selbstverwalteten Wohnformen. Brechen diese weg, besteht die Gefahr, dass auch Göttingen zu einem studentisch geprägten Provinzkaff mit öde konformistischem Klima wird, wie dies in manch anderer einstmals "linken Unistadt" schon längst geschehen ist." (Quelle)
In einer Pressemitteilung vom 24.5.07 teilt die neu gegründete Initiative mit, dass sich die "BewohnerInnen der betroffenen Häuser vernetzt" haben und " die sofortige Rücknahme der Kündigungen und deren Androhung sowie den Erhalt des Status Quo" fordern.

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Gentryfication / Gentrification / Gentrifizierung / Gentrifikation

goest Definition / 25.7.11 / Der englische Begriff "Gentry" bezeichnet "niederen Adel" und "höheres Bürgertum". Gentryfication wird zur Beschreibung von Veränderungen in Stadtvierteln benutzt, bei denen aus einfachen Quartieren Schicki-Micki-Blocks entstehen mit entsprechend hohen Mieten, was verbunden ist mit entsprechend hochpreisigen Lokalen. Insgesamt ist damit die Verdrängung der bisherigen EinwohnerInnen verbunden, die Zerschlagung gewachsener urbaner sozialer Zusammenhänge und basisnahen kulturellen Lebens. Stattdessen entstehen sozial kalte, unwirtliche Strukturen, die von Geld und Herrschaft geprägt sind.
>>Empire St. Pauli / Film zu Gentrification der komplette Film online

"Häuserkampf" 1977-85 in Göttingen
publizistische Begleitung durch die ehemalige "Göttinger Stadtzeitung"

goest 4.4.13 / Die Göttinger Stadtzeitung, erschien mit mehr als 1000 verkauften Exemplaren monatlich in der Zeit von 1977-85 , als auch die Themen Wohnungsnot und Hausbesetzungen in Göttingen aktuell waren. >mehr zur Göttinger Stadtzeitung


Demonstration Weender Tor zur Besetzung der Augenklinik


Demonstration am Marktplatz und Transparente am Rathaus // Göttinger Stadtzeitung März 1980

goesz4.JPG (20827 Byte)

Göttingen Ende der 70er:

Wohnraum ist knapp, die Mieten sind hoch. Spekulanten lassen Häuser leer stehen oder reißen günstige Altbauwohnungen ab, um sie durch lukrative Neubauten zu ersetzen. All das war regelmäßig Thema in der Göttinger Stadtzeitung - genauso wie die Reaktion: Besetzungen von privaten und öffenflichen Gebäuden wie den leer stehenden Altkliniken. Hier fanden aus Solidarität Redaktionskonferenzen der Stadtzeitung statt.

Fotos oben aus der Stadtzeitung:

Foto (links) aus dem "Stadtstreicher" dem Kalender der Stadtzeitung:
Göttinger HausbesetzerInnen 1980 in Aktion - Besetzung der "Prager Schule" -
"Kraaker Schule" statt "Prager Schule"

>>weitere Fotos zur damaligen Zeit
auf der Seite von K.P. Wittemann

Einige Widersprüche in der Wohnheim-Kampagne

Studis bedankten sich beim Studentenwerk für die Selbstverwaltung aber "Schleimen" bringt nix

2006 / Das Studierenden-Wohnheim mit den berüchtigten Innenhof-Parties hat ein kurioses Dankesschreiben an seinen Vermieter, das Studentenwerk geschickt, das durch und durch Wohlverhalten ausstrahlt:

Offener Brief an das Studentenwerk in Vorfreude auf 30 Jahre Rote Straße
"Liebe MitarbeiterInnen des Studentenwerkes in Göttingen! Wir möchten hiermit wie schon so viele andere herzlich zum 85. Jahrestag gratulieren. Mit der Unterzeichnung der Mietverträge im Jahre 1977 durch VertreterInnen der Stiftung Studentenwerk und VertreterInnen der Gesellschaften und Vereine zur eigenverantwortlichen Verwaltung der sozialen Wohnplätze wurde der Grundstein für unser noch heute sehr gut funktionierendes Zusammenleben gelegt. Seit 1977 haben wir die Möglichkeit, durch unsere Vereine studentisches Zusammenleben in Eigenverantwortlichkeit und rücksichtsvollem Miteinander nach unseren Bedürfnissen in unseren Wohnheimen selbst zu gestalten. Gerade in Zeiten von zunehmender Armut, Konkurrenzdruck und Isolation von Individuen stellt die Wohnform der selbstverwalteten Wohngemeinschaft eine wertvolle Institution in unserem Alltag dar. Den Zweck der Schaffung sozialverträglicher Wohnkultur hat das Studentenwerk in unserem Fall voll erfüllt. Diese Form des Wohnens könnte jetzt wieder Vorbild für andere Wohnheime und auch darüber hinaus für andere gesellschaftliche Bereiche sein, wie es bis Mitte der Neunziger Jahre der Fall gewesen ist. Hier werden im Alltag ein respektvolles Miteinander und die eigenständige Wahrnehmung und Abstimmung persönlicher Bedürfnisse untereinander gelernt. Dieser Aspekt kommt gerade an der neu strukturierten Universität sowie generell in der Gesellschaft viel zu kurz. Für die Möglichkeit, diese Form der Einrichtung von Wohnplätzen erhalten zu können, sprechen wir hiermit allen MitarbeiterInnen im Bereich Wohnen sowie dem Vorstand und der Geschaftsführung unsere Anerkennung aus. Wir wünschen einen geruhsamen Jahreswechsel und freuen uns auch auf das 30jährige Jubiläum unserer Wohnheime im nächsten Jahr! Alles Gute!
Die BewohnerInnen der Roten Straße 0-5 Rote Straße GbR Göttingen, 30.11.2006, Kontakt / Vorstand: Wohngemeinschaft Rote Straße 4 37073 Göttingen, roter-wohnblock@gmx.net

 

"RevolutionärInnen" gegen "ReformerInnen" : Wer Verbesserungen innerhalb des Systems durchsetzen will akzeptiert das System?

2007 / Nun geraten die TeilnehmerInnen der "HeretoStay"-Kampagne aber in eine Widersprüchlichkeit, die etwas mit der Aufteilung in verschiedene ideologische Fraktionen zu tun hat. Die einen meinen mit Adorno "Es kann kein richtiges Leben im Falschen geben" und kritisieren jede Kampagne für kleine Verbesserungen innerhalb des bestehenden System weil die schließlich doch das System akzeptiere. Es komme schließlich darauf an, das Ganze zu verändern - daher auch Titel wie "Ums Ganze...". Wie das erreicht werden soll, ohne im Kleinen anzufangen, darauf wissen sie keine Antwort. Das laute Rufen der Parole "Kapitalismus abschaffen" wird wohl kaum allein die nötige Kraft zur Veränderung hervorrufen.
Wer sich über all jene lustig macht, die in konkreten Auseinandersetzungen Verbesserungen erkämpfen wollen, kann nun schlecht für den Erhalt seiner Freiräume demonstrieren. Um wenigstens einigermaßen aus diesem Widerspruch herauszukommen, enthält der Demoaufruf die folgende Relativierung "linke Freiräume sind keine Vorwegnahme eines Besseren im schlechten Bestehenden. Dennoch stehen diese Freiräume für den kollektiven Versuch, emanzipatorische Ideen im Alltag zu verwirklichen, soweit dies trotz der miesen bestehenden Verhältnisse eben möglich ist." Hier ist anscheinend eine kleine Nachjustierung des ideologischen "wir wollen alles und zwar sofort" erforderlich. Nicht jeder kleine Schritt führt in den integrierbaren Reformismus. Es gibt Widersprüche im kleinen, konkreten, lokalen Detail, die direkt ins Zentrum der großen, Widersprüche führen - pars pro toto - vogliamo tutto et subito - hier und jetzt.

Teddi Adorno und Max Horkheimer meinten ja auch zum "Ganzen":
"Nur wenn das, was ist, sich ändern läßt, ist das, was ist, nicht alles."

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